Die Unbekannte
Sie liegt im Sand, anderthalb Meter unter der mit Büschen bewachsenen, vom Wind verworfenen Oberfläche. Ihre Augen, einst so scharf, so verlässlich, taugen jetzt nichts mehr. Sie starren ins Leere, voller winziger Steine und Sandkörner, die das Letzte gewesen wären, was sie gesehen hätten, wäre es nicht dunkel gewesen.
Von ihr ist so wenig geblieben, dass sie natürlich nichts davon mitbekommt, als der Bagger die letzte Schaufel groben Sands von ihrer Schädeldecke hebt und der Bauarbeiter laut »Stopp!« ruft.
Sie merkt nicht, wie kurz darauf ihre vertrockneten Gebeine geborgen, in einen Leichensack gelegt und an einen anderen, kälteren Ort gebracht werden. Und sie spürt auch das Schaben und Schneiden nicht, als jemand Proben entnimmt – Bestandteile von ihr, die dazu bestimmt sind, in den Laboren der Gerichtsmedizin aufgelöst und präpariert zu werden, damit mit ihrer Hilfe Identität, Zeitpunkt und Art des Todes festgestellt werden können.
Doch das Schild, das an ihrem Zeh hängt, und der Name der Akte, die auf Detective O’Hallorans Computer geöffnet ist, hätten sie erheitert. Sie ist immer gern inkognito unterwegs gewesen.
Detective O’Halloran ist hartnäckig. Er wird den Fall »Jane Doe« nicht ruhen lassen.