36

Lara lief die Straße am Fluss entlang, während sich der Morgennebel zu ihren Füßen kräuselte, und merkte, dass sie einen Begleiter hatte. Hund war aus dem Nichts aufgetaucht und trottete neben ihr her.

»Na, Junge?«, sagte sie. »Kommst du, um mich vor wilden Tieren, Bären und Verrückten zu beschützen?«

Hund sah erst nach rechts und dann nach links, wie um zu bekräftigen, dass er tatsächlich Wache hielt. Alles, was das Tier tat, schien darauf ausgelegt, ihr zu beweisen, was für ein braver Hund er war, und trotzdem wurde Lara das ungute Gefühl nicht los, dass er, sollte sich die Gelegenheit bieten, aus ihren Waden eine Zwischenmahlzeit machen würde.

An diesem Morgen war ihr Bedürfnis, laufen zu gehen, besonders groß gewesen. Sie war noch vor Sonnenaufgang aufgewacht, rastlos und nervös, weil sie wusste, was sie an diesem Tag tun würde. Als sie im ersten fahlen Licht der Dämmerung die Treppe hinuntergeschlichen war, hatte sich das Haus um sie zusammengezogen und sie mit seinem Elend angesteckt.

Am Abend zuvor hatte sie versucht, so lange wach zu bleiben, bis Bella, Olly und Marcus nach Hause kamen. Aber der Tag draußen in der Sonne, die Erschöpfung nach der Begegnung mit dem Bären und eine gute halbe Flasche Wein hatten zur Folge, dass sie irgendwann auf dem Sofa, den schwitzenden Jack wie eine lebende Wärmflasche im Arm, von Marcus wachgerüttelt wurde.

»Komm, altes Mädchen. Ab ins Bett«, sagte er mit Tabak- und Weinatem.

»Wie spät ist es?«, wollte sie wissen.

»Die Geisterstunde ist schon vorüber.« Er hob Jack auf den Arm.

»Wo sind Bella und Olly?« Verwirrt setzte sie sich auf. Sie konnte sich noch daran erinnern, dass sie mit dem Abendbrot gewartet hatte. Irgendwann hatte sie es dann aufgegeben und allein gegessen – viel hatte sie nicht herunterbekommen.

»Im Bett. Ich habe gerade nach ihnen geschaut. Schlafen beide wie Engel.«

Er nahm Jack mit nach oben und ließ sie im kahlen, staubigen Wohnzimmer mit seinem süßlichen Verwesungsgeruch blinzelnd auf dem Sofa zurück.

Sie stand auf, streckte sich und ging in die Küche, wo sie aufräumte, das stehengelassene Essen in den Kühlschrank räumte und sich vergewisserte, dass die Hintertür abgeschlossen war. Sie ergänzte die Sicherheitsmaßnahmen im Haus durch einen Besen und einen Wischmopp, die sie unter die Klinken der Hinter- und Vordertür klemmte. Dann endlich schleppte sie sich nach oben ins Bett. Als sie ins Schlafzimmer kam, schlief Marcus bereits, so dass sie keine Gelegenheit mehr hatte, ihn zu fragen, wo er den ganzen Abend gewesen sei.

Als sie nun mit Hund die nebelverhangene Straße am Fluss entlanglief, setzte ihr neben einem leichten Kater auch noch der unangenehme Gedanke zu, dass sie in ihrer Familie langsam, aber sicher an den Rand gedrängt wurde. Sie versuchte zu entscheiden, ob das gut oder schlecht war.

Sie trabten an dem bellenden Rottweiler vorbei, der wie üblich auf sie zugestürzt kam, um dann jaulend zurückzuspringen, als er auf die unsichtbare Barriere traf.

»Ätsch«, sagte Lara. »Geschieht dir recht, du gemeines Vieh.«

Das Laufen tat seine Wirkung. Es verjagte die Spinnweben aus ihrem Kopf und half ihr, sich auf den bevorstehenden Abend zu freuen, an dem sie zum ersten Mal seit sechzehn Jahren wieder mit Stephen allein sein würde. Sie versuchte, darüber nachzudenken, welche Konsequenzen das für Marcus haben würde, merkte dann aber, dass es sie nicht länger interessierte. Die ganze vergangene Woche war ein unerträglich langes Vorspiel gewesen, und sie stand kurz vor der Explosion. Dieses eine Mal musste sie etwas Echtes tun, etwas, bei dem sie sich selbst treu blieb. Sie warf einen Blick auf ihren Arm – die Zahlenkombination für das Tor stand noch da, in Stephens Handschrift.

»Living a lie, living a lie«, sang sie, und das Tempo ihrer Schritte markierte den Rhythmus. Normalerweise hörte sie beim Joggen immer Musik, aber an diesem Morgen hätte sie sich damit zu schutzlos gefühlt, deshalb hatte sie die Ohrstöpsel herausgenommen.

Plötzlich blieb Hund ohne Vorwarnung stehen, ging in Kauerstellung und knurrte. Lara musste eine Vollbremsung machen, um nicht über ihn zu stolpern. Seine Aufmerksamkeit galt einer Gestalt, die knapp zwanzig Meter entfernt und halb im vom Fluss aufsteigenden Nebel verborgen neben einem Auto stand.

»Hallo?«, rief Lara. Hunds Schultern zuckten, und er knurrte erneut. Die Gestalt machte einen Schritt auf sie zu, weg von ihrem graubraunen Auto, und Laras Magen krampfte sich zusammen, als sie die Schirmmütze, das mausbraune Haar, das braun-türkis gewürfelte Seidentuch erkannte.

»Stehen bleiben! Oder ich hetze meinen Hund auf Sie«, rief sie.

»Ich weiß, was Sie denken …«, schallte es laut durch die Morgenluft zu ihr herüber. Es war die Art von Stimme, wie man sie nur durch lebenslanges Kettenrauchen bekam. Elizabeth Sanders kam immer näher, bis Lara das dick aufgetragene orangestichige Make-up in ihrem Gesicht sehen konnte.

Hund fletschte die Zähne.

»Braver Hund«, lobte Lara.

»Aber ich bin gekommen, um Sie vor Molloy zu warnen.«

»Sicher.« Lara fixierte die andere Frau durch zusammengekniffene Augen. Ihr Herz klopfte. »Ihre Warnungen kenne ich, Elizabeth Sanders.«

Die Frau verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte Lara an.

»Glauben Sie, ich weiß nicht, was Sie vorhaben?«, fuhr Lara fort. »Mir können Sie keine Angst einjagen.«

»Doch, das kann ich. Ich habe Ihnen schon Angst eingejagt. Und ihm auch«, widersprach die Frau. »Er hat mich dazu getrieben, und ich habe mich ein bisschen gehen lassen.« Sie lachte laut auf. »Auf der Brücke hätte ich euch fast erledigt.«

Lara stand da und sah sie an. Das Wissen, dass sie dieser schwerfälligen Person im Notfall mühelos würde davonlaufen können, gab ihr Sicherheit.

»Er sagt, ich soll Sie jetzt in Ruhe lassen, aber der Mistkerl schuldet mir noch was, und die Schuld wird er jetzt begleichen.«

»Er weiß, dass Sie hier sind?«

»Natürlich weiß er, dass ich hier bin.«

»Aber er sollte doch nichts davon erfahren«, sagte Lara. Wut packte sie. »Das würde ihn umbringen.«

Sanders lachte. »Ihn umbringen? Er hat mir gesagt, dass ich herkommen soll, Schätzchen.«

»Sie sind ja nicht ganz bei Trost.« Lara zog das iPhone aus der kleinen Armtasche. »Er will nichts von Ihnen. Er wollte noch nie etwas von Ihnen. Sie haben diese perverse Wahnvorstellung, dass Sie irgendeine Art Beziehung zu ihm haben. Dabei kennen Sie ihn nicht mal. Nicht so wie ich ihn kenne.«

»Oh, selbstverständlich kenne ich ihn. Sie haben keine Ahnung, worauf Sie sich da einlassen, Lara Wayland.«

Lara nahm all ihren Mut zusammen. Mit gezücktem iPhone machte sie einen Schritt auf Sanders zu, hielt es ihr vors Gesicht und machte ein Foto. Dann lief sie zu Sanders’ Wagen und fotografierte auch das Nummernschild.

Sanders stürzte sich auf Lara und packte sie am Genick. Sie versuchte, ihr das iPhone zu entreißen, und griff mit ihren abgebissenen Fingernägeln danach. Aber Hund ging dazwischen und sorgte dafür, dass sie von Lara abließ. Knurrend bleckte er die Lefzen.

Lara entfernte sich vom Auto. »Jetzt habe ich Sie.« Sie winkte mit dem Handy. »Und da Sie mir den Gefallen getan haben, Stephen von Ihrer Anwesenheit zu unterrichten, werde ich jetzt zu ihm gehen und ihm alles sagen. Und dann verständigen wir die Polizei.«

Elizabeth Sanders wieherte vor Lachen. »Sie sind die mit Abstand größte Idiotin, die mir je begegnet ist«, sagte sie. Sie wich vor Hund zurück und stieg kopfschüttelnd in ihren Wagen. Sie ließ den Motor an, dann sah sie zu Lara auf. »Ich wollte Ihnen einen Gefallen tun.« Sie schob ihre Sonnenbrille hoch und fixierte Lara mit ihrem Eidechsenblick. »Aber bei Ihnen pisst man gegen den Wind. Sie sind blind. Blind, blind, blind, blind. Sie haben genau so jemanden wie ihn verdient. Und er jemanden wie Sie.«

Sie trat das Gaspedal durch. Eine Sekunde später war sie fort, und zurück blieben lediglich der Geruch von verbranntem Gummi und eine Nebelwolke in Laras Kopf.

»Komplett durchgeknallt«, sagte sie zu Hund. Sie hatte eine Gänsehaut auf den Armen. Aber über eine Sache war sie doch froh: Sanders hatte sich Stephen zu erkennen gegeben, und das bedeutete, dass Lara nun endlich ehrlich zu ihm sein konnte.

Sie steckte ihr iPhone zurück in die Tasche und lief, Hund bei Fuß, mit Höchstgeschwindigkeit zurück zum Haus des Grauens.

»Ich bin dann mal weg.«

Marcus streckte den Kopf in den Durchgang zur Küche, wo Lara vornübergebeugt dastand und sich nach dem Laufen dehnte, während sie gleichzeitig überlegte, was sie als Nächstes tun sollte.

»Ich dachte, die Probe fängt erst um elf an?«

»Ich treffe mich vorher noch mit Selina, wir wollen uns beim Frühstück gegenseitig abhören. Toll übrigens, dass das Hemd wieder aufgetaucht ist«, setzte er hinzu und goss sich ein Glas Wasser ein.

»Was?« Als Lara sich aufrichtete, sah sie, dass Marcus sein Paul-Smith-Hemd trug.

»Dann hat sich der Russki vom Waschsalon also doch noch gemeldet, was?«, fragte er und stellte sein halb ausgetrunkenes Glas in einer nassen Pfütze auf dem Küchentisch ab. »Hoppla, ich bin spät dran. Ich muss los, bis später.« Er drückte Lara einen Kuss aufs Haar und eilte zur Haustür hinaus.

Kaum war er weg, lief Lara nach oben in ihr Schlafzimmer, wo Jack in seinem Nest auf dem Fußboden noch seelenruhig schlummerte, und warf einen Blick in die Kammer. Dort sah alles anders aus. Die Arzneimittel standen jetzt auf dem untersten Regal, wo vorher Jacks Spielsachen gewesen waren. Die Spielsachen wiederum lagen ganz oben. Das rosafarbene Blümchenkleid, aus dem sie angeblich »hervorquoll«, hing an der Tür, und dort, wo ursprünglich Jacks Kleider gewesen waren, die nun auf dem Boden verstreut lagen, stapelte sich, gebügelt und gefaltet, die gestohlene Wäsche.

Entsetzen machte sich in ihr breit. Sie rannte von einem Zimmer ins nächste, um sich zu vergewissern, dass der Eindringling nicht noch im Haus war. Aber abgesehen von der üblichen Unordnung – zerwühlte Betten, Haufen feuchter Handtücher auf den Bettlaken –, waren Ollys und Bellas Zimmer leer. Sie mussten schon frühmorgens mit ihren jeweiligen Freunden losgezogen sein. Wenigstens hoffte Lara das.

Nachdem sie auch im Erdgeschoss alles überprüft hatte, verriegelte sie die Türen und versuchte, Stephen anzurufen, aber er nahm nicht ab. Sie spielte mit dem Gedanken, auf der Stelle zu ihm zu fahren, aber was sollte sie mit Jack machen? Sie hatte keine andere Wahl. Sie musste bleiben, wo sie war.

Im Laufe des Vormittags, während sie ungeduldig darauf wartete, dass es endlich Zeit wurde, Jack zur Probe zu bringen und zu Stephen zu fahren, versuchte sie es immer wieder bei ihm.

Es nahm niemand ab.

Sie hatte gerade das Telefon in die Hand genommen, um es ein weiteres Mal zu versuchen, als vorn an die Haustür geklopft wurde. Sie schlich ins Wohnzimmer und spähte durchs Fenster. Auf der Veranda stand ein großer, stämmiger Mann.

»Lara? Hallo? Ich bin’s, Danny«, rief er zu den geöffneten Fenstern im oberen Stock hinauf.

Sie hatte völlig vergessen, dass heute das Reinigungsritual stattfinden sollte. Froh über die Gesellschaft eines Erwachsenen, lief sie zur Tür.

»Danny, vielen Dank, dass Sie gekommen sind.«

Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte, aber bestimmt nicht den Mann, der nun vor ihr stand. Es war unmöglich, sein Alter zu schätzen – er hätte vierzig sein können oder fünfundsechzig. Er trug gepflegte Khakihosen und ein gebügeltes Baumwollhemd, hatte eine lederne Tasche über der Schulter und kurze, von Silber durchzogene Haare. Er hätte ebenso gut ein Immobilienmakler sein können, der gekommen war, um das Haus potentiellen Käufern zu zeigen.

Stattdessen war er ein indianischer Schamane, der ihr Haus von seiner negativen Aura befreien wollte.

Er trat in den Flur und schaute sich um.

»Das hier ist der schlimmste Teil des Hauses«, erklärte Lara. »Hier halte ich es gar nicht aus.«

Danny schloss die Augen und stand, die Hände vor dem Körper gefaltet, ganz still da. Nach wenigen Minuten löste er sich aus seiner Starre und wandte sich zu Lara.

»Zeigen Sie mir auch die anderen Räume.«

Sie führte ihn zunächst durchs Erdgeschoss und schilderte ihm auf dem Weg die Treppe hinauf die Situation mit dem Keller. Oben ging sie mit ihm zuerst in Ollys Zimmer. Danny blieb auf der Schwelle stehen und betrachtete stirnrunzelnd die gräulich verfärbte Bettwäsche und die sich darauf türmenden dreckverkrusteten Kleider.

Als Nächstes zeigte Lara ihm Bellas Zimmer, wo diese, sehr zu Laras Erstaunen, ihren zerzausten Kopf unter einem Berg Wäsche auf dem Bett hervorstreckte, den Lara für einen Haufen zerknüllter Decken gehalten hatte. Sie funkelte die Eindringlinge an.

»Kannst du nicht anklopfen?«, sagte sie und schirmte die Augen vor dem staubigen Licht ab, das durch die geöffnete Tür ins Zimmer fiel.

»Tut mir leid, Schatz, ich dachte, du wärst nicht da. Geht es dir gut?« Sie trat zum Bett, um Bellas Stirn zu fühlen, aber bei der Hitze im Zimmer war es unmöglich zu sagen, ob sie Fieber hatte oder nicht. »Wie fühlst du dich?«, fragte sie und legte ihrer Tochter eine Hand auf den Arm.

»Beschissen«, murmelte Bella.

»Bestimmt würde es dir guttun, wenn du aufstehst und ein bisschen an die frische Luft gehst«, schlug Lara ihr vor.

»Ja, klar.« Bella zog sich die Decke wieder über den Kopf und drehte sich von ihrer Mutter weg.

»Entschuldigen Sie«, sagte Lara an Danny gewandt. Der betrachtete gerade das Foto, das an Bellas Fensterrahmen lehnte.

»Das ist ein Foto der armen Jane Larssen«, erklärte Lara und trat neben ihn. »Soll ich es wegnehmen?«

Danny schüttelte den Kopf. »Das Foto ist nicht das Problem«, sagte er.

Sie beendeten den Rundgang und kehrten ins Erdgeschoss zurück. Im Wohnzimmer stellte Danny Lara bei einem Kaffee Fragen über ihre Familie, woher sie kämen und wie lange sie bleiben wollten. Während sie die Fragen beantwortete, beobachtete Danny sie aufmerksam, nickte und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger das Kinn. Dass er sie so genau musterte, machte sie nervös, und es beschlich sie das Gefühl, dass sie zu viel redete.

Schließlich verstummte sie, und erst jetzt ergriff er das Wort.

»Lara, es gibt ein Problem mit diesem Haus, aber es ist ein sehr kleines, sehr altes Problem. Es liegt fast vollständig in der Vergangenheit. Das eigentliche Problem ist nicht das Haus.«

»Was meinen Sie damit?«

»Das eigentliche Problem, Lara, sind Sie.«

»Ich verstehe nicht.«

Er stellte seine Tasche auf den Boden und öffnete sie. Dann holte er ein dreißig Zentimeter langes Bündel getrockneter Zweige und Blätter hervor, die mit gelben Stoffbändern zusammengebunden waren.

»Was machen Sie da?«

Er hob die Hand und bedeutete ihr zu schweigen. Mit einem roten Plastikfeuerzeug, das er aus seiner Hosentasche gezogen hatte, entzündete er ein Ende des Bündels und schwenkte es hin und her, bis es anfing zu brennen. Dann blies er die Flamme aus und ließ den Rauch zwischen ihnen emporsteigen. Er trat näher zu Lara hin, die staunend zur Kenntnis nahm, wie er die Augen schloss und in einer ihr unbekannten Sprache zu singen begann. Er strich sich mit den glühenden Zweigen zunächst über den eigenen Körper, an Armen und Beinen entlang, dann machte er dasselbe bei ihr, wobei er sich mehr Zeit ließ.

»Atmen Sie ein«, wies er sie in knappen Worten an, bevor er zu singen fortfuhr.

Lara musste gegen den Hustenreiz ankämpfen, als sie den Kräuterrauch inhalierte. Er erinnerte sie an die Joints aus selbst angebautem Marihuana, die sie und Marcus früher geraucht hatten, bevor sie mit den Zwillingen schwanger geworden war, oder an die scheußlichen Honeyrose-Zigaretten, die sie eine Woche lang ausprobiert hatte, um vom Nikotin loszukommen. Was auch immer es war, es stieg ihr sofort zu Kopf. Ihr wurde schwindlig, und sie fühlte sich albern. Sie musste sich zusammenreißen, um nicht zu kichern.

Nach einer Zeitspanne, die ihr wie eine Stunde vorkam, die aber ebenso gut nur wenige Minuten lang gewesen sein konnte, machte Danny einen Schritt zurück. Er stand schweigend da und musterte sie, als versuche er, etwas Kleingedrucktes auf ihrer Wange zu entziffern.

Schließlich begann er zu sprechen.

»Ich habe getan, was ich konnte. Der Rest liegt bei Ihnen.«

»Aber was ist mit dem Haus?«

»Wenn Sie möchten, reinige ich es gerne für Sie. Schaden kann das auf keinen Fall. Aber nur Sie allein können wirklich etwas verändern.«

Er ging durchs Haus, sang dabei und verteilte den Rauch in den vermeintlichen Problemzonen, bis von seinem schwelenden Kräuterbündel nur noch ein kleiner Stummel übrig war. Dann nahm er Lara bei der Hand und führte sie auf die Veranda hinaus, wo er sie in eine väterliche Umarmung zog.

»Machen Sie die Augen auf, Lara«, sagte er. »Etwas Schlimmes wird passieren, wenn Sie nicht sehr vorsichtig sind.«

Sie sah ihm zu, wie er seine Sachen einsammelte und ging.

Es war, als wüsste er Bescheid.

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