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Er parkte den Dodge Ram Pick-up auf dem
7-Eleven-Parkplatz, stieg aus und brachte die Falte an seinem
Stetson in Form. Der hochgewachsene Mann trug schwarze Stiefel und
eine Khakihose, dazu ein langärmeliges ze Stiefel und eine
Khakihose, dazu ein langärmeliges weißes Baumwollhemd mit einem
Bolo-Tie. An seine Hemdbrust war ein silberner Stern geheftet. An
einem doppelten Lederriemen mit faustgroßer Gürtelschnalle war die
Polizeiausführung eines Colt Kaliber.45 befestigt. Sein Gesicht war
braun gebrannt und vom Wetter gegerbt, die dunkelbraunen Augen
wurden von Krähenfüßen umrahmt.
Das
Gesetz.
Er blinzelte im
Sonnenlicht. Eine noble, einzelgängerische Pose, perfekt für die
Marlboro-Werbung, von dem länglich schmalen Gesicht und dem spitzen
Kinn einmal abgesehen.
Auf der anderen
Seite des betonierten Vorplatzes stöberte ein menschliches Wrack
mit hängenden Schultern und einer Plastiktüte im Müllcontainer. Für
einen Moment verharrte der Blick des Mannes auf dieser Szene, dann
musterte er den Hügel hinter dem Laden. Häuser schmiegten sich dort
zwischen den Bäumen aneinander, teilweise verborgen im fleckigen
Schatten. Süd-Austin, alte Arbeiterhäuser, zusammengedrängt auf
schmalen Grundstücken, aufpoliert und auf Vordermann gebracht für
zahlungskräftige Angestellte. Beheizte kleine Pools und
wassersparend angelegte Gärten, Rundumveranden und Wintergärten.
Trotzdem standen die Häuser immer noch dicht an dicht. Und ein paar
Meter weiter wühlte ein obdachloser Landstreicher im
Abfall.
Deswegen zog er es
vor, außerhalb der Stadt zu leben.
Der hochgewachsene
Mann schritt quer über den asphaltierten Parkplatz auf die
Eingangstür und den einzelnen Polizisten zu, der dort Wache hielt:
Ein junger milchgesichtiger Kerl mit der Andeutung eines
Schnurrbarts, ein grüner Bursche, der sich um ein aufmerksames
Aussehen bemühte. Der große Mann nickte dem Polizisten zu und ging
an ihm vorbei ins Gebäude. Er sah niemanden, hörte aber Geräusche
hinter der Theke. Einen Ellbogen auf die Resopaloberfläche
gestützt, beugte er sich hinüber und musterte die Leiche, die
bäuchlings auf einer Gummimatte lag. Ein schwerer Mann im Anzug
kniete daneben.
»Also, wen haben wir
da?«
»Abraham
Krishna.«
»Verdammt, wie kommt
er an so einen Namen?«
»So wie wir alle an
unsere Namen kommen«, sagte Bernie Rose von der APD-Mordkommission.
»Jemand hat ihn für ihn ausgesucht.«
Rule Hooks berührte
die Krempe seines Stetsons und erklärte, das habe er sich schon
gedacht. So sei es schließlich in den meisten Fällen. Keiner hatte
die Chance, über seinen Namen selbst zu entscheiden, so wie auch
keiner darüber entscheiden konnte, ob er geboren werden wollte. Und
wahrscheinlich sei das der Grund, warum der Kerl auf dem Boden
seine Heimat verlassen habe. Mit so einem Namen ging man besser
gleich außer Landes.
»Keine Ahnung«,
erwiderte Rose. »Ich kann nicht hellsehen.« Der übergewichtige
Detective seufzte, zog seine Hosenbeine hoch und kniete sich auf
den Boden. Tief über den Toten geneigt, untersuchte er das Loch in
der Stirn des Mannes. Eine kleine runde Öffnung, gefüllt mit einem
purpur-schwarzen blutwurstartigen Klumpen. Er grunzte. »Kleines
Kaliber, wahrscheinlich zweiundzwanzig oder
fünfundzwanzig.«
Der Detective bückte
sich noch tiefer hinunter, und seine breiten Wangen liefen rot an.
Rule rückte den Colt an seiner Hüfte zurecht. »Pass bloß auf, dass
du keinen Schlaganfall kriegst, Bernie. Irgendeine Idee, wer’s
getan hat?«
»Tja, dem
Beweismaterial nach zu urteilen, würde ich sagen, ein schmaler
Kerl, vielleicht eins siebenundsiebzig, eins achtzig. Er trägt ein
T-Shirt mit Taschen, Bluejeans und einen mittelgroßen Ring im
linken Ohr. Glattes dunkles Haar mit einem
Pferdeschwanz.«
»Was du nicht sagst,
Sherlock. Und wie heißt er?«
Rose schaute auf.
»Gottverdammt, ich sag doch, dass ich nicht hellsehen
kann.«
»Nein«, sagte Rule.
»Aber du hast diesen versonnenen Blick. Mach einfach die Augen zu
und summ ein bisschen vor dich hin, Bernie. Und dann sagst du, was
dir als Erstes in den Kopf schießt.«
Der Detective
lächelte. »Weiß nicht, irgendwie ähnelt er einem von diesen
Rockband-Typen, Mick Jagger mit den dicken Lippen vielleicht, oder
dieser Kerl von Aerosmith, der ständig mit dem Arsch
wackelt.«
Rule starrte den
Detective an, als würde er in fremden Zungen sprechen.
Rose zuckte mit den
Schultern. »Ich hab diese Typen ständig vor der Nase, weil meine
Tochter gerade zu Besuch ist und pausenlos MTV läuft.« Er
balancierte bedenklich auf einem Arm und zeigte rückwärts über
seine Schulter hinweg nach oben. Rule folgte dem Fingerzeig zu
einer Video-Überwachungskamera, die hoch in einer Ecke des Raumes
installiert war.
Rule zupfte an
seiner Unterlippe.
»Alles drauf,
was?«
Rose senkte wieder
den Kopf und betastete die Haut rings um das Einschussloch.
»Entweder hat er es nicht bemerkt, oder es war ihm egal. Er hat
sich nicht versteckt. Sein Partner auch nicht. Der Schütze geht
raus, und kurz darauf taucht der Komplize auf, schnappt sich eine
Stange Marlboros und plündert die Kasse. Ist alles auf dem
Band.«
»Woher weißt du,
dass sie Partner sind?«
Der Detective zuckte
mit den Schultern, erhob sich und wischte sich über die Hosenbeine.
»Verdammt noch mal, schau dir das an.«
Er deutete auf ein
Stück Kaugummi, das an seinem Knie klebte. »Der Anzug ist
neu.«
Er humpelte an Rule
vorbei, hielt sein Hosenbein unter den Wasserspender und drückte
den Knopf für Eis. Als die Würfel geräuschvoll aus dem Automaten
fielen, griff er sich eine Handvoll und presste sie – praktische
Tipps für Ihren Haushalt – gegen den Kaugummi.
»Genau weiß ich es
nicht«, erklärte er. »Vielleicht gehören sie auch nicht zusammen.
Jedenfalls glaub ich nicht, dass Raub das ursprüngliche Motiv war.
Alles, was wir haben, sind diese Schwarzweißbilder. Ohne Ton.
Scheint aber ein Streit zwischen Täter und Opfer gewesen zu sein.
Möglicherweise wegen einem Päckchen Zigaretten. Vielleicht steckt
auch was völlig anderes dahinter. Vermutet zumindest der Deputy
Chief.«
»Hat der neuerdings
zu Denken angefangen?«
Der stämmige Mann
inspizierte sein Hosenbein und runzelte die Stirn. »Na ja, es kommt
in Schüben. Du weißt ja, wie es läuft. Aber vielleicht ist was
dran. Weißt du, auf wie viele indische Verkäufer in Austin im
letzten Monat geschossen wurde?«
Rule sagte, er habe
keine Ahnung, er habe sie nicht gezählt. Er ging zum Kühlschrank
hinüber und nahm eine Halbliter-Plastikflasche Dr. Pepper heraus.
Dann zog er ein Päckchen gesalzene Erdnüsse aus einem Ständer, riss
es mit den Zähnen auf und trank ein paar Schlucke von der Limonade.
Schließlich formte er einen Trichter mit der Hand, kippte die
Erdnüsse in die Flasche, verschloss den Hals mit dem Daumen und
schüttelte kräftig. Der rustikale Cocktail spritzte und
schäumte.
»Aber ich hab sie
gezählt«, sagte Rose. »Es waren zu viele. Zu viele, um es für
Zufall zu halten.«
»Schall und Rauch«,
erwiderte Rule. »Statistische Spielereien, sonst nichts. Es kommt
darauf an, wie man Zahlen interpretiert. Zum Beispiel sind bei der
Mehrzahl von Verkehrsunfällen fahrende Autos beteiligt. Oder
wusstest du, dass die meisten Leute, die an Bockwurst ersticken,
Deutsche sind? Bei Langusten sind es Cajuns. Mexikaner haben’s mit
Messern, schwarze Kids mit AK-47ern. Bei 7-Elevens findest du eben
erschossene Inder.«
Der Detective
starrte ihn an.
Rule schüttelte noch
einmal sein Dr. Pepper und beobachtete, wie es aufschäumte. »Wie
man es auch sieht, Verkäufer in diesen Läden haben ein hohes
Sterblichkeitsrisiko. Deswegen werden sie so gut
bezahlt.«
Er zwinkerte, trank
die Flasche halb leer und wischte sich mit dem Handrücken über den
Mund. »Außerdem, wenn du Hindu bist, kommst du sowieso zurück. Du
kriegst eine neue Runde auf dem Karussell, so viele du willst. Gar
nicht so schlecht, oder?« Rule grinste. »Irgendwie praktisch,
könnte man sagen. Wahrscheinlich landen deswegen so viele von ihnen
bei 7-Eleven.«
Der Detective verzog
das Gesicht. »Ja, klar, erzähl das mal dem Deputy Chief. Er ist ein
knochenharter Baptist und hält diese spezielle Runde für die ganz
große Sache. Außerdem hat er gerade ziemlichen Ärger in der Stadt.
Angeblich ist seine Beförderung zum Chief in Gefahr.« Rose runzelte
die Stirn und zupfte an dem Stück Kaugummi, das immer noch an
seiner Hose klebte.
»Das darf nicht wahr
sein«, schimpfte er. »Dieses Eis nützt überhaupt
nichts.«
Mit der Hand, in der
er die Flasche hielt, deutete Rule auf den Kaugummi. »Ich kann dir
sagen, was wirklich hilft, Rosie. Bremsflüssigkeit.«
»Wirklich?
Bremsflüssigkeit? Also, Beth schwört auf Eis.« Der Detective
schlenderte hinüber zum Autozubehör, öffnete eine Dose mit
Bremsflüssigkeit, kam zurück und schüttete ein paar Tropfen auf den
Kaugummi. »Jedenfalls«, fuhr er fort, »sind die Bürgerrechtler auf
den Barrikaden. Schreiben Briefe, rufen den Bürgermeister an,
melden sich in Radiotalkshows zu Wort. Machen viel Wind und
behaupten, dass irgendeine Hassgeschichte dahintersteckt. Eine
Verschwörung. Organisierte Rednecks, die Ausländer plattmachen. Der
Klan, Neonazis, Skinheads, alles Mögliche. Rassistische
Motive.«
»Kann ja sein, wer
weiß. Ist das der Grund, warum ich hier bin?«
Abwesend hob Rose
eine Schulter, während seine Augen immer noch an dem Gummi klebten.
»Ich denke schon. Der Chief meinte, er würde vielleicht den
Bürgermeister bitten, den Gouverneur anzurufen, um die Ranger
einzuschalten. Wo ihr doch so verdammt gut ausgebildete Ermittler
seid. Scotland Yard in Stiefeln und mit texanischem Näseln. Nicht
zu vergessen, dass es sich im Fernsehen gut macht.«
»Dann nehme ich mal
an, dass der Bürgermeister zum Telefon gegriffen hat«, sagte Rule.
»Der Gouverneur ruft den Colonel an, der den Captain, der den
Lieutenant. Und der ruft mich an. Die übliche Runde. Egal, hier bin
ich. Getreu dem Motto: ein Aufruhr, ein Ranger.«
Detective Rose
blickte auf und legte zögernd den Kopf schräg. Dann schien er sich
an etwas zu erinnern. »Ich bin trotzdem überrascht, dass sie dich
geschickt haben, Rule. Es hieß, du wärst suspendiert.«
Der Ranger
schüttelte seinen Cocktail. »Wegen diesem Mexikaner in Red Rock?
Glaub nicht alles, was du hörst, Rosie. Ich hab einen
vorübergehenden Urlaub eingeschoben, während die Untersuchung lief.
Inzwischen ist alles vorbei.«
»Schnelle
Untersuchung.«
»Er war
bewaffnet.«
»Das hab ich auch
gehört«, sagte Rose. »Ein achtunddreißiger Revolver. Nur dass du
ihn mit einem Gewehr aus hundert Metern Entfernung erwischt haben
sollst.«
»Der Kerl hat drei
Frauen vergewaltigt und ermordet.« Rule hob das Kinn, als wäre
damit alles erklärt. »Bei einem Arsch wie dem gehst du besser kein
Risiko ein. Abgesehen davon weißt du, wie gewissenhaft ich mich
nach den Vorschriften richte, immer stur nach den
Regeln.«
»Ja, klar.« Rose
rollte mit den Augen. »Wir alle kennen deinen Ruf.«
»Gut für euch.« Rule
grinste. »Dann hol ich jetzt meine Ausrüstung.«
Er drückte sich den
Stetson in die Stirn und ging hinaus, vorbei an dem jungen
Polizisten. Aus seinem Tran gerissen, schlug der Anfänger die
Hacken zusammen. Ranger-Romantik. Gott im
Himmel, dachte Rule halb amüsiert. Zu viel Fernsehen.
Aufgeblasenes Chuck-Norris-Zeug.
Auf dem Parkplatz
öffnete er die Beifahrertür des Pick-ups, hob seinen
Spurensicherungskoffer heraus und schloss die Tür. Wieder schaute
er sich aufmerksam um. Der Obdachlose wühlte noch immer im
Abfallcontainer. Jetzt trug er schon zwei Beutel. Der Himmel war
inzwischen strahlend blau, und der Tag würde mehr als warm werden.
Die ganze Stadt war ein Hitzeloch, mit all dem
Asphalt.
Rule beobachtete den
Verkehr auf der South Lamar. Dabei fiel ihm etwas ein, das er
irgendwo gelesen hatte. Vor einigen Millionen Jahren war das alles
hier noch ein großes Binnenmeer gewesen. Dann plötzlich ein
Erdbeben, und das Meer verschwindet, sein Kalksteinbett wird
bloßgelegt, übrig bleiben Hügel und unbewohnte Ebenen. Vielleicht
ein paar Indianer. Und jetzt: überall Beton und Lärm. Die
Nachmittagssonne wurde grell von Autofenstern und Chromteilen
reflektiert. Erstaunlich, dass niemand etwas beobachtet hatte. Über
die Straße wälzte sich ununterbrochen der Berufsverkehr. Aber es
gab nicht den geringsten Hinweis darauf, welchen Wagen der Mörder
und der andere Kerl fuhren. Falls sie zusammen unterwegs waren. Und
falls sie überhaupt ein Auto benutzten. Sie konnten auch zu Fuß
gekommen sein. Oder auf Fahrrädern. Oder auf Rollerskates und in
Frauenkleidern. In Austin wusste man nie.
Er schloss die Tür
des Trucks und ging zurück zum Gebäude. Diesmal salutierte der
Grünschnabel eifrig. Vielleicht sollte er dem Jungen ein
Rangerautogramm verkaufen und das Geld dem Abfallwühler spenden?
Vergiss es. Halt dich im Zaum.
Konzentrier dich.
Rule stellte seine
Ausrüstung neben Abraham Krishna auf den Fußboden. Er schnallte
seinen Gürtel mit dem Holster los und kniete sich hin, um den
Verschluss seines Koffers zu öffnen. »Also gut, Partner, dann
wollen wir mal prüfen, ob du uns irgendwelche Hinweise hinterlassen
hast. Und ob dieser Tatort nach all dem Spektakel irgendwas
hergibt.«
Eine Stunde später
streifte er die Latexhandschuhe ab, verstaute seine Ausrüstung und
verschloss den Koffer. Im Waschraum reinigte er sich gründlich die
Hände und befeuchtete anschließend ein Papierhandtuch, um den
Polymerstaub für die Fingerabdrücke von seinen Lederstiefeln zu
wischen. Er rückte seinen Bolo-Tie zurecht, glättete seinen Hut und
betrachtete sich im Spiegel. Ja, doch, ein bisschen erinnerte er
wirklich an Porter Wagoner, nur ohne dessen Pompadourfrisur.
Neulich abends hatte ihn eine Frau im Broken Spoke darauf
hingewiesen. Einen Whisky mit Zitrone in der Hand, war sie direkt
an seinen Tisch marschiert und hatte gesagt: Sie sehen aus wie
Porter Wagoner, können Sie auch singen und Gitarre spielen? Nein,
Ma’am, hatte er geantwortet, aber ich wünschte, ich hätte so viel
Geld wie er. Porter war ein erfolgreicher Entertainer aus
Nashville, ein altmodischer Cowboysänger, der eine Zeit lang sogar
seine eigene TV-Show gehabt hatte. Natürlich war Rule die
Ähnlichkeit immer wieder aufgefallen. Er war bloß nicht ganz so
groß wie Porter, der die Statur eines Basketballspielers besaß.
Auch sein Kiefer war nicht ganz so lang, aber das war schon in
Ordnung, Glück gehabt. Außerdem liebte Porter diese abgedrehte
Kleidung – genug Pailletten und Steine, um selbst Liberace neidisch
zu machen. Rule warf einen letzten Blick in den Spiegel und wandte
sich ab.
Rose stand vor dem
Tresen neben dem Ständer mit Lottoscheinen. Mit einer Hand
umklammerte er sein Hosenbein und starrte auf das Knie. Sein
Gesicht verriet ehrliche Bestürzung. Ein großer dunkler Fleck hatte
sich auf dem grauen Stoff ausgebreitet.
»Verdammt, Rule,
schau dir die Scheiße an! Diese Bremsflüssigkeit hat meine Hose
versaut.«
Der Ranger warf
einen Blick darauf. »Tatsächlich, Mann.«
»Das ist ein
nagelneuer Anzug. Hat einen Haufen Geld gekostet. Beth hat ihn mir
gekauft. Verdammte Bremsflüssigkeit. Wo hast du denn diesen Tipp
her?«
»Ich weiß nicht mehr
genau, Rosie.« Rule legte seinen Revolvergürtel wieder um und
schloss die Schnalle. »Aber es scheint doch zu funktionieren. Der
Kaugummi ist weg.«
»Verdammt, Beth
bringt mich um.«
»Na, dann haben wir
immerhin einen Fall mit Beweisen und einem Motiv. Denn hier,
Partner, bei dieser Geschichte – da haben wir gar
nichts.«
»Nichts?« Der
Detective wirkte enttäuscht.
»Nein, nicht nichts.
Im Gegenteil: Wir haben viel zu viel. Ich hab um die hundert
Abdrücke und Teile von Abdrücken gefunden. Was glaubst du, wie
viele Leute sich jeden Tag auf diesen Tresen stützen?«
»Und was ist mit der
Kasse?«
»Die werden wir uns
im Labor vornehmen. Mal sehen, ob wir was entdecken. Vielleicht mit
dem Laser. Aber es würde mich überraschen, wenn wir andere Abdrücke
als die von Kumpel Abe und ein paar anderen Verkäufern
finden.«
»Immerhin gibt es
noch das Video«, entgegnete der Detective
hoffnungsvoll.
»Richtig. Das ist
immerhin ein Anfang. Wir knöpfen es uns gründlich vor und jagen die
Bilder durch unser System.«
Er griff nach dem
Spurensicherungskoffer und ging zur Tür. »Ich lass von mir hören,
Rosie. Grüß Beth von mir.«
Während er in dem
roten Dodge Pick-up verschwand, trat Rose auf den Parkplatz vor dem
Laden. Die spätnachmittägliche Hitze stieg in Wellen vom Asphalt
hoch. Er wischte sich mit einem Taschentuch über die Stirn. Drüben
im hügeligen Westen hing die blutrote Sonne über den Wipfeln der
Bäume. Hinter ihm trabte der einsame junge Polizist
heran.
»Muss ja wichtig
sein, wenn die Texas Ranger gerufen werden«, sagte der Polizist.
»Ich hab gehört, sie werden besser ausgebildet als das FBI, und
außerdem gibt es nicht so viele von ihnen. Haben Sie sein Abzeichen
bemerkt? Diese Sterne werden aus alten mexikanischen Silbermünzen
von 1948 geschlagen. Auf der Rückseite ist angeblich ein
Adler.«
Der Detective
schenkte dem Neuling einen kurzen nachdenklichen Blick. Der Kerl
war so jung, dass er sein Sohn hätte sein können, fast noch ein
Junge. Und er stand kurz davor, vor lauter Ehrfurcht in Ohnmacht zu
fallen.
»Was hat er
herausgefunden, Sir? Haben wir irgendwas?«
»Nicht viel«,
brummte Rose.
»Sir?«
»Ich sagte, nicht
viel. Überhaupt nicht viel.«
Der Detective warf
einen Blick auf sein Hosenbein, dann folgte er mit den Augen den
Heckleuchten des Dodge Trucks, der auf der South Lamar verschwand.
»Aber eines solltest du dir hinter die Ohren schreiben: Wenn jemals
ein Kaugummi an deiner Hose klebt, dann versuch bloß nicht, ihn mit
verdammter Bremsflüssigkeit wegzukriegen.«
»Äh, niemals«,
stimmte der Junge ihm zu. »Da würde mit Sicherheit ein Fleck
zurückbleiben, Sir. Haben Sie es schon mal probiert?«