Kapitel Einundvierzig

Vom Bootshaus aus sah Simon Eliot ihm regungslos zu. Dann drehte er sich ganz langsam um, vollführte einen vollendeten Hechtsprung von der Veranda und schwamm zum anderen Ende des Sees. Es war eine Show. Wie bei den durchtrainierten Bademeistern im Willows, wenn sie vor den Augen der schnuckeligen jungen Mütter ihre angeberischen Kunststückchen aufführten. Ihm musste doch klar sein, dass er nicht mehr entkommen konnte.

 

Vera beschloss, Joe Ashworth das Kommando über den Einsatz zur Ergreifung von Eliot zu überlassen. Es bereitete ihr einige Genugtuung zu wissen, dass sie in Bezug auf den Mörder richtig gelegen hatte. Die Erleuchtung war ihr ganz plötzlich gekommen, beim Gedanken an den jungen Kellner, dem das Blut in den Kopf geschossen war, als er über Jenny Lister sprach. Jenny hatte einen unpassenden Liebhaber erwähnt. Wer konnte unpassender sein als der Verlobte ihrer Tochter? Und wer würde sich wohl am ehesten in eine ältere Frau verlieben als Simon Eliot, dessen eigene Mutter all ihre Kraft mit der Trauer um ihre beiden verlorenen Kinder aufgezehrt hatte? Vera mochte gar nicht daran denken, dass nun beinahe noch ein Kind zu Tode gekommen wäre.

Hinter den Rücksitzen des Land Rovers fand sie ihre Sporttasche, darin ein Handtuch und einen nagelneuen Trainingsanzug, den sie sich gleich nach ihrem Eintritt in den Willows-Fitness-Club gekauft und nie getragen hatte.

«Hier, ziehen Sie das an», sagte sie zu Ashworth. «Sonst holen Sie sich ja noch den Tod.»

«Das kann ich unmöglich anziehen!» Er war schon immer eitel gewesen.

«Ganz wie Sie wollen.»

Schließlich fror er aber doch zu sehr. Er ging hinter die hohe Mauer, und als er wiederkam, war sein Haar zerzaust wie bei einem kleinen Kind, und er trug den Trainingsanzug. Die Beine waren etwas zu kurz und sahen ziemlich komisch aus über den durchweichten Büroschuhen. Wenn er sich nicht so heldenhaft verhalten hätte, hätte Vera jetzt mit ihrem Handy ein Foto gemacht und es an das übrige Team verschickt.

«Seien Sie froh, dass ich nicht auf den Mädchenkram stehe und Rosa trage», sagte sie. Die Erleichterung ließ sie albern und übermütig werden. «Wie hätten Sie dann wohl erst ausgesehen?»

Connie und Alice saßen auf dem Beifahrersitz im Wagen; Alice hatte schon wieder trockene Sachen an und war in Connies Mantel gewickelt. Nachdem Ashworth das kleine Mädchen an Vera übergeben hatte, hatte er Connie mit dem Boot an Land gebracht. Vera konnte das durchnässte Kind noch in den Armen spüren, die zerbrechlichen Knochen und das pochende Herz. Als würde man einen von Hectors Vögeln halten, dachte sie. Eine Eule vielleicht. Näher an das Gefühl, ein eigenes Kind im Arm zu halten, würde sie wohl nie wieder kommen.

«Wollen Sie nicht bleiben und die Sache hier zu Ende bringen?», fragte Ashworth. «Wir können einen Streifenwagen kommen lassen, der Connie nach Hause fährt. Das Wasser ist schon ein bisschen zurückgegangen.»

«Nein», sagte sie. «Das andere ist wichtiger.» Außerdem wusste sie, dass Ashworth Eliot in null Komma nichts zur Strecke bringen würde. Der Junge hatte kein Auto und war völlig durchnässt, und über ihren Köpfen dröhnte schon der Hubschrauber. Joe hatte es verdient, den Ruhm für die Verhaftung einzuheimsen.

Beim Mallow Cottage ließ sie Connie und Alice aussteigen. «Sind Sie sicher, dass ich Sie nicht doch in die Notaufnahme bringen soll?»

«Das Team im Krankenwagen hat sie untersucht und gesagt, dass alles okay ist.»

«Aye, na gut.» Vera dachte, dass es so wohl am besten war, aber sie hätte nichts dagegen gehabt, das Gespräch, das ihr nun bevorstand, noch etwas aufzuschieben.

Sie parkte vor dem Haus der Listers. Die ältere Dame von nebenan beobachtete sie durchs Fliegengitter, und als sie Vera erkannte, winkte sie ihr kurz zu. Sie wollte nur sichergehen, dass jemand da war, der ein Auge auf Hannah behielt. Vera hatte die Klingel noch nicht erreicht, da hörte sie bereits Schritte. Die Tür ging auf, und das Mädchen war schon mitten im Satz.

«Wo warst du denn? Ich dachte, du fährst bloß zum Supermarkt.» Es klang überhaupt nicht zickig. Hannah würde nie zu den Frauen gehören, die herumzickten. Sie war nur besorgt. Dann erkannte sie Vera, und es war genauso wie beim ersten Besuch der Kommissarin, als Vera Hannah mitteilen musste, dass ihre Mutter tot war.

«Ach, Sie sind’s, Inspector. Ich dachte, es wäre Simon. Er hat den Wagen von meiner Mutter genommen, um einzukaufen. Er ist schon seit Stunden unterwegs, aber vielleicht wird er ja durch die Überschwemmung aufgehalten. Möchten Sie einen Kaffee?» Sie ging in die Küche.

«Später vielleicht, Herzchen. Erst müssen wir miteinander reden.»

Etwas in Veras Gesicht ließ das Mädchen erstarren.

«Sie haben ihn, stimmt’s? Den Kerl, der meine Mutter umgebracht hat?»

«Aye, wir wissen jetzt, wer es ist. Er ist noch nicht verhaftet, aber das ist bloß noch eine Frage der Zeit.»

«Ist es jemand, den ich kenne?» Hannah blickte zu ihr hoch, sie spürte vielleicht, dass es hier um mehr ging als um die amtliche Mitteilung, dass der Mörder entlarvt war.

Vera schwieg. Hannah hatte schon so viel durchmachen müssen. Wie konnte Vera ihr sagen, dass der Mann, den sie anbetete, ein Mörder war?

«Es ist Simon.»

«Niemals!» Hannah stieß ein gequältes Lachen aus. «Das ist ein furchtbarer Scherz, nicht wahr?» Ihr Gesicht war grau. Sie zog einen Stuhl heran und fiel fast auf den Sitz.

«Es ist kein Scherz. Wollen Sie, dass ich es Ihnen erzähle? Oder soll ich zuerst jemanden kommen lassen, damit Sie nicht alleine sind? Eine Freundin? Eine Lehrerin?» Bei ihrem ersten Besuch hatte Vera fast die gleichen Fragen gestellt, und dann war Simon herbeigeeilt. Hannahs Ritter in schimmernder Rüstung. Ihr junger Verlobter.

«Erzählen Sie es mir. Ich glaube Ihnen zwar nicht, aber erzählen Sie mir ruhig Ihre Geschichte.»

«Sie hat sich in ihn verliebt. Ihre Mutter hat sich in Simon verliebt.»

Es herrschte Schweigen, und das hatte Vera nicht erwartet. Sie hatte gedacht, Hannah würde in Tränen ausbrechen, es leugnen, wütend werden, ja sie sogar aus dem Haus werfen.

«Sind Sie nicht überrascht?»

«Sie fand ihn toll», sagte Hannah ruhig. «Das hat man gesehen. Aber Simon und ich, wir haben das nicht ernst genommen. Warum sollte sie ihn nicht toll finden? Warum sollte eine Frau in den Vierzigern einen jüngeren Mann nicht toll finden? Aber sie hätte doch nie was unternommen. Meine Mutter war eine anständige Frau.»

Und sie ist älter geworden, ihre biologische Uhr hat getickt. Lust ist ein machtvolles Gefühl. Es ist ganz leicht, sich einzureden, dass man jemanden liebt, wenn sich erst mal die Hormone rühren. Die Liebe erlaubt uns, alles zu tun, was wir wollen. Die Liebe ist ehrenwert und tapfer, selbst wenn man mit dem Verlobten der eigenen Tochter vögelt. Das ist natürlich alles Schwachsinn, aber in dem Glauben sind wir erzogen worden. Und wenn man so lange anständig gewesen ist, muss die Versuchung, einmal etwas richtig Schlechtes zu tun, einfach übermächtig sein. Ja, das verstehe ich alles.

«Was war mit Simon? Fand er sie auch toll?»

«Er hat sie gern gehabt. Bewundert. Zu seiner eigenen Mutter hat er keine so tolle Beziehung, deshalb war ich froh, dass Mum und Simon sich so gut verstanden haben.»

«Sie hatten ein Verhältnis miteinander», sagte Vera. Es war besser, wenn das Mädchen die Einzelheiten von ihr erfuhr. Die Geschichte würde zweifelsohne nach und nach ans Licht kommen, selbst wenn man Eliot davon überzeugen konnte, sich schuldig zu bekennen. «Schon seit Monaten. Sie haben sich einmal die Woche nachmittags in Durham getroffen. Als Ausrede hat Jenny ihre Besuche bei Mattie Jones im Gefängnis benutzt, aber da ist sie immer nur ganz kurz geblieben. Das hat Mattie meinem Sergeant gegenüber bestätigt. Den Rest des Tages haben sie dann in der Wohnung verbracht, die Simons Eltern ihm gekauft haben, als Geldanlage. Sehr praktisch.» Sie sah Hannah an. «Wir haben den Nachbarn ein Foto von Jenny gezeigt. Einige haben sie wiedererkannt. Die beiden waren so diskret wie nur möglich, aber ich fürchte, es gibt keinen Zweifel. An einem Nachmittag haben sie die Vorhänge offen gelassen, und da hat eine neugierige alte Dame gesehen, wie sie sich geküsst haben.» Das gehörte auch zu den Dingen, die sie am Tag zuvor von ihrem Sessel im Willows aus in die Wege geleitet hatte: eine Befragung von Haustür zu Haustür in der Straße, in der Simon wohnte. Sie kannte ein paar Leute bei der Polizei von Durham, die ihr noch den einen oder anderen Gefallen geschuldet hatten.

«Die Donnerstage», sagte Hannah langsam. «An den Donnerstagen ist Mum immer erst spät heimgekommen. Und ich wusste, dass ich Simon da nicht erreichen konnte, denn er hat gesagt, dass er beim Rudern ist. Und danach natürlich noch auf ein paar Pints mit den Jungs.»

«Dann hat Ihre Mutter wohl langsam Schuldgefühle bekommen», sagte Vera. «Nicht wegen ihrem Verhältnis mit Simon, glaube ich, sondern weil sie Sie angelogen hat. Sie wollte reinen Tisch machen.» Was für eine dumme Frau. Es gibt Dinge, die man besser für sich behält. «Simon konnte den Gedanken, dass Sie alles erfahren, nicht ertragen. Wenn er jemanden liebt, dann Sie, Hannah.»

«Also hat er Mum bloß umgebracht, damit sie es mir nicht sagen konnte?» Hannah war tief erschüttert.

«Ach, Herzchen, so einfach sind die Dinge doch nie, oder?»

Denn Simon Eliot ist nun mal ein sehr schwieriger junger Mann. Noch einer mit verstörenden Erinnerungen an die Kindheit. Mit Bildern im Kopf. Zuerst verschwindet der kleine Bruder in den Fluten eines Flusses. Und dann verschwindet er anscheinend vollständig aus dem Leben der Familie. Keine Spielsachen mehr. Keine Anziehsachen. Keine Fotos. Simon muss sich allein und schuldig gefühlt haben, und es muss ihn verstört haben, dass das niemand zu bemerken schien. Hat er geglaubt, er ist verrückt? Bestimmt hat es Zeiten gegeben, in denen er glaubte, er hätte sich den ganzen Unfall nur eingebildet. Vielleicht war die Zuneigung einer mitfühlenden Sozialarbeiterin ja genau das, was er brauchte.

Hannah starrte sie an. «Reden Sie schon», sagte sie. «Ich will es wissen.»

«Simon hat eine Halbschwester», sagte Vera, «sie heißt Mattie Jones.»

«Die Frau, die ihren Sohn umgebracht hat?»

«Genau die.» Vera schaute auf den Küchenboden und sah, dass sie mit ihren dreckigen Gummistiefeln eine Spur auf den Fliesen hinterlassen hatte. Sie hätte die Dinger an der Tür ausziehen sollen. «Veronica hat ein Kind bekommen, als sie noch zur Schule gegangen ist.»

«Aber das hätte meine Mutter ihm doch nie erzählt!» Hannahs Stimme war beinahe ein Kreischen. «Sie hat nie mit irgendwem über ihre Arbeit gesprochen.»

Doch bei Simon hat Jenny Lister all ihre Regeln gebrochen.

«Vielleicht hat sie es ihm ja gar nicht erzählt», sagte Vera. «Vielleicht hat er ihre Aufzeichnungen gefunden. Den Entwurf für das Buch, das sie schreiben wollte.»

Sie saßen beide schweigend da.

«Simon und Danny waren miteinander befreundet, nicht wahr?» Vera hatte das erledigt, weswegen sie hergekommen war, doch Hannah war so ruhig und gefasst, dass sie das Gefühl hatte, sie könnte ihr noch ein paar Fragen stellen.

«Sicher, das habe ich Ihnen doch schon gesagt.»

«Aber waren sie richtig gute Freunde?»

«Ja, wir haben alle an dem Programm für junge Musiker am Sage teilgenommen. Danny hat phantastisch Geige gespielt. Und Gitarre auch. Mit den anderen an der Schule ist er nicht so gut ausgekommen. Unter den Älteren, mit denen er Musik gemacht hat, hat er sich wohler gefühlt.»

«Obwohl er Sie an Simon verloren hatte?»

«Das habe ich Ihnen doch erklärt. So was passiert jeden Tag. Das ist keine große Sache. Danny war immer auf der Suche nach Idolen, und Simon war älter und klüger als er.»

Aber ich habe mich davon irritieren lassen. Ich habe gedacht, die beiden jungen Männer wären Rivalen, keine Verbündeten. Das hat mich komplett in die Irre geführt.

«Wo ist er?», fragte Hannah plötzlich. «Wo ist Simon?»

«Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, war er tropfnass. Er war gerade durch den See von Greenhough geschwommen, um uns zu entkommen.»

«Da haben wir das erste Mal zusammen geschlafen», sagte Hannah. «Im Bootshaus. Um diese Jahreszeit, aber die Sonne hat geschienen. In den Bäumen haben die Vögel gesungen. Er hat mich in einem Boot auf den See hinausgerudert, und wir haben Champagner getrunken.» Sie schaute in den Garten hinaus. Nebenan hängte Hilda gerade Laken auf die Leine. Aber Hannah war ganz in Gedanken versunken und bemerkte sie nicht. «Ich habe immer gewusst, dass er ein Trauma hat. Er ist oft in so ein komisches Schweigen verfallen, und manchmal ist er ohne richtigen Grund total wütend geworden. Aber ich habe gedacht, ich könnte ihn heilen. Ich habe gedacht, ich könnte ihn wieder gesund machen.»

«Ach, Herzchen, das hätte niemand geschafft.»

«Außer meine Mutter», sagte Hannah. «Sie hätte es vielleicht gekonnt.»

«Nein! Sie wollte alles kaputt machen!» Eine laute, schrille Stimme, die sie beide zusammenzucken ließ. Es war, als hätte jemand in einer Kirche geschrien. Simon war durch die Vordertür ins Haus gekommen. Vera hatte sich so auf das Mädchen konzentriert, dass sie ihn nicht gehört hatte. Sein dunkles Haar war immer noch feucht, aber er hatte trockene Sachen angezogen.

«Wie sind Sie hierhergekommen?», fragte Vera und sagte gleich darauf: «Ihre Mutter, nicht wahr? Das einzige Kind, das sie noch hat, will sie beschützen. Ist sie rausgefahren, um Sie abzuholen? Hat sie Sie nach Hause gebracht, damit Sie sich umziehen können, und Sie dann gehen lassen? Das ist wirklich verantwortungsvoll, einen Mörder auf freien Fuß zu lassen.»

«Meiner Mutter können Sie keine Schuld geben», sagte er und klang mit einem Mal erschöpft. «Sie weiß nicht, was passiert ist.»

«Sie weiß genug», herrschte Vera ihn an. «Zumindest hat sie etwas geahnt. Warum sonst hätte sie wohl Connie und Alice aus dem Mallow Cottage wegschaffen sollen?»

«Weil ich sie darum gebeten habe.»

«Und warum haben Sie das? Wie hätte Connie Masters Ihnen denn gefährlich werden können?»

«Jenny wollte sie für das verdammte Buch interviewen. Vielleicht hatte sie das ja sogar schon gemacht. Was, wenn sie der Frau erzählt hat, dass wir ein Verhältnis hatten? Ich konnte nicht riskieren, dass Masters noch mal mit der Polizei spricht. Sie hätte mir ein Motiv für den Mord geben können.»

Die Wörter kamen zusammenhanglos und wirr heraus, und Vera dachte, dass Simon sich etwas vormachte. Das war nicht der wahre Grund für die Entführung gewesen. Von dem großen weißen Haus aus hatte er Connie und Alice zusammen beobachtet. Wie sie als glückliche Familie in dem Garten spielten, in dem sein Bruder ertrunken war. Die Bitterkeit in seiner Stimme verriet Vera, dass er die beiden gehasst hatte.

«Ich will mit Hannah sprechen», sagte er. «Ich will es ihr erklären.»

«Na klar, und ich will im Lotto gewinnen und nie wieder was mit Leuten wie Ihnen zu tun haben müssen. Aber das wird alles nicht passieren.»

«Bitte», sagte Hannah. «Geben Sie ihm ein paar Minuten.» Sie stand auf, und die beiden jungen Leute sahen sich quer durch den Raum an. Wieder staunte Vera, wie ruhig Hannah doch war. Die Unsicherheit darüber, wie ihre Mutter zu Tode gekommen war, hatte ihr Selbstvertrauen und ihre innere Stärke angegriffen. Dass sie es jetzt wusste, verlieh ihr wieder Kraft. «Also, Simon, erzähl mir, weshalb du geglaubt hast, du müsstest die Frau umbringen, die so gut zu dir gewesen ist.»

«Wie kannst du nur so was sagen?» Er schrie. «Wie kannst du so was sagen, wo sie mich doch verführt hat? Wo sie mich dir doch weggenommen hat?»

«Das war deine Entscheidung, Simon, würde ich sagen. Du bist selbst dafür verantwortlich. Warum musste sie sterben?»

«Sie wollte es dir erzählen. Dann wäre alles aus gewesen zwischen uns. Das hätte ich nicht ertragen.» Tränen liefen ihm die Wangen hinunter.

«Ach, Simon, du bist noch so ein Kind. Du gibst mir das Gefühl, uralt zu sein.» Hannah sprach kalt und überlegt. Sie ging zu ihm hinüber, und Vera erwartete, dass sie ihn schlagen würde. Ihm eine Ohrfeige geben würde. Darauf war sie vorbereitet. Doch stattdessen nahm das Mädchen ihn in die Arme und hielt ihn einen Moment lang fest. Er ließ den Kopf auf ihre Schulter sinken, und sie strich ihm übers Haar. Dann stieß sie ihn von sich und drehte sich zu Vera um. «Jetzt bringen Sie ihn weg. Ich will ihn nie wiedersehen. Wenn er noch länger hier bleibt, muss ich mir noch das Brotmesser holen und ihn umbringen.»