2. Kapitel
Wie konnten sie nur den Reis vergessen?
Sie nahm wütend das Telefon und rief das kleine, indische Restaurant an, das in der kleinen Seitenstraße ungefähr fünf Gehminuten von ihrem Haus entfernt lag. Das große Einfamilienhaus verfügte über zwei Stockwerke, ein charmantes, rotes Backsteinhaus mit orangefarbenem Dach, einer großen Garage und einer gemütlichen Sonnenterrasse oben auf der Garage, ein Traumhaus für eine große Familie. Das Ehepaar fühlte sich dort noch immer sehr wohl, auch wenn sie kurz vor der Rente standen und die Kinder schon lange aus dem Haus waren.
Sie versuchte, sich etwas zu beruhigen, während sie darauf wartete, dass jemand abhob. Sie hatte sich darauf gefreut, es sich vor dem Fernseher gemütlich zu machen, am Freitagabend eine seichte Serie zu schauen und dazu ein dampfend heißes Hähnchen mit Reis zu essen. Sie war heute Abend allein zu Hause, ihr Mann war noch geschäftlich im Ausland und würde den Nachtflug nehmen und nicht vor dem nächsten Morgen zu Hause sein.
Das Schlimmste an der Geschichte war, dass das indische Restaurant keinen Lieferservice hatte, sie würde also nochmals raus müssen, um den Reis zu holen, währenddessen das Hähnchen kalt wurde. Verdammter Mist. Aber es war ja noch mild draußen, da wäre der Spaziergang wahrscheinlich ganz angenehm. Sie antworteten schließlich, nach einer Ewigkeit – sie hatten wohl alle Hände voll zu tun. Sie kam sofort zur Sache und beschwerte sich, dass der Reis vergessen worden war. Der Angestellte zögerte und bat dann um Entschuldigung, meinte, dass sie selbstverständlich ihren Reis bekäme und fragte, wann sie ihn denn abholen wolle, morgen vielleicht? Sie versuchte, ihre Wut zu zügeln und sagte, dass sie den Reis unverzüglich holen komme, legte auf und brach sofort in die Abenddämmerung auf.
Sie brauchte ungewöhnlich lange, um die Schlüssel in ihrer Handtasche zu finden, als sie zehn Minuten später wieder zurück war – mitsamt dem Reis, um den gemütlichen Abend mit einem leckeren Essen abzurunden. Erst in dem Moment, als sie den Schlüssel ins Schloss steckte, bemerkte sie, dass jemand in der Nähe war; irgendetwas war nicht so, wie es sein sollte.
Doch da war es bereits zu spät.