10. Kapitel
Siglufjörður,
Sonntag, 14. Dezember 2008
Es war unglaublich, dass sie schon zwei Jahre zusammen waren. Ari erinnerte sich daran, als ob es erst gestern gewesen wäre, als er einen Spaziergang in die Innenstadt gemacht hatte, um das erste Weihnachtsgeschenk für Kristín zu kaufen. Er musste gerade daran denken, als er vor Uglas Haus stand und die Kirchenglocken laut im Fjord widerhallten. Der Klang der Glocken echote im ganzen Dorf, und es war unmöglich herauszufinden, woher er eigentlich kam. Ari drehte sich unvermittelt um und blickte zu den Bergen hoch, das Geläut schien von dort und nicht von der Kirche zu kommen. Plötzlich sah er die Berge nicht mehr, sondern erinnerte sich an den ruhigen Abend am Reykjavíker Stadtteich Tjörnin vor zwei Jahren.
Er hatte keine Lust mehr gehabt, noch länger für die Weihnachtssemesterprüfungen in seinen Theologiebüchern zu lesen, hatte Kristín allein zu Hause gelassen und war in die Stadt geschlendert. In der Buchhandlung, die abends lange geöffnet war, hatte er zwei Bücher für sie gekauft und war dann zum Tjörnin spaziert, bevor er wieder nach Hause flanierte. Das Wetter war außergewöhnlich windstill gewesen, die Kälte kroch ihm den Hals hinab, es war bewölkt und doch irgendwie hell, denn die Weihnachtsbeleuchtung erhellte die Dunkelheit, wohin man auch blickte. Er war beim Tjörnin stehen geblieben, hatte den Rücken zum Parlamentsgebäude gedreht, das alte Theater Iðnó lag zur Linken und das Rathaus zur Rechten. Nur wenige Menschen waren unterwegs gewesen, und er betrachtete die Häuser, als ob er nicht selbst dort anwesend sei, als sei er lediglich ein Zuschauer, der ein schönes Bild betrachtete, ein Panorama, das sich langsam von links nach rechts bewegte. Kränze am Fenster, ehrwürdige Häuser, funkelnde Weihnachtsbäume, die Kirchenglocken der Domkirche läuteten, es war neun Uhr. Es gab nichts Schöneres, als diese friedliche Stimmung zu spüren, wie sie dem lärmenden Treiben in der Stadt überlegen war. Die Enten auf dem Tjörnin schnatterten die Kirchenglocken an, und diese antworteten. Lange Zeit stand er bewegungslos da und nahm die Stimmung in sich auf, die Zeit verstrich langsamer, als er es sich zuvor hatte vorstellen können.
Die Kirchenglocken läuteten noch immer; aber dieses Mal waren es die Glocken von Siglufjörður. Für einen Moment hatte er Zeit und Raum völlig vergessen und war von seinen Erinnerungen eingeholt worden. In diesem Moment legte sich eine Hand sanft auf seine Schulter, ganz leicht, und doch reichte es, dass er zusammenzuckte. Er dachte automatisch an Kristín. Hatte seit einigen Tagen nichts mehr von ihr gehört. Dabei wusste er, dass das nicht Kristín sein konnte.
Er drehte sich um und lächelte.
Da stand sie, Ugla, seine Klavierlehrerin – in einer dunkelblauen Jeans und einem schneeweißen T-Shirt –, drei-oder vierundzwanzig, schlank, groß gewachsen. Es war, als ob ein Glanz von ihr ausginge, und doch hatte sie so traurige Augen. Der Schimmer der Außenbeleuchtung fiel auf ihr langes, blondes Haar. Sie lächelte zurück.
»Willst du nicht reinkommen? Du erfrierst ja noch in der Kälte hier draußen.«
Ari war vor zwei Wochen über eine Anzeige im Supermarkt gestolpert. Er wollte schon sehr lange Klavierspielen lernen, hatte es aber nie in Angriff genommen. Er hatte von der Anzeige ein kleines Stück mit Telefonnummer und Namen abgerissen, und kam nun zur zweiten Unterrichtsstunde.
Er war so angezogen, dass er der Kälte trotzte, sah aber, dass sich auf Uglas Unterarmen eine Gänsehaut abzeichnete, da sie im kurzärmligen T-Shirt auf der Treppe stand.
Muskelkontraktion in der Haut. Ari erinnerte sich an die medizinischen Erklärungen von Kristín, als er ihr einmal ganz klischeehaft erklärt hatte, dass er jedes Mal Gänsehaut kriege, wenn er sie sähe.
»Ja, danke.« Er hing die Daunenjacke an einen Haken im Eingang und schloss die Tür hinter sich. »Ich konnte natürlich nicht üben seit der letzten Stunde, ich habe ja kein Klavier – ich bin sicher der schlimmste Schüler, den du je gehabt hast.«
»Mach dir keine Sorgen. Der schlimmste und der beste. Wahrscheinlich ist es am besten, wenn ich dir gleich gestehe, dass du auch mein erster Schüler bist. Ich weiß nicht mehr so genau, was in mich gefahren war, als ich diese Anzeige damals aufgehängt habe. Der alte Hrólfur hatte mich auf die Idee gebracht.«
»Hrólfur – der Schriftsteller?« Ari hatte von dem alten Meister gehört, der immer noch im Dorf lebte.
»Ja, er ist unglaublich, der alte Mann. Du solltest ihn wirklich kennenlernen – dir ein Buch signieren lassen. Jedes könnte das letzte sein! Er ist zwar unglaublich fit für sein Alter – und so was von klar im Kopf.«
»Ja, ich habe allerdings noch nie etwas von ihm gelesen, aber vielleicht bietet sich ja mal die Gelegenheit, ihn zu treffen.«
»Du musst Nördlich der Heide lesen – das ist sein Meisterwerk, sein einziger Roman, absolut genial; ansonsten hat er nur Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben.«
»Aha, das wusste ich nicht …«
Ugla unterbrach ihn: »Ich werde es dir leihen. Es ist für mich signiert, deshalb darfst du auch keinen Kaffee darüber schütten!« Sie lächelte. »Willst du übrigens etwas zu trinken? Kaffee?«
»Hast du auch Tee?« Er hatte an der Uni genug Kaffee getrunken und sich nun angewöhnt, Tee zu trinken.
»Ja, setz dich doch schon mal – ich hole den Tee.«
Ari setzte sich auf den tiefen, roten Sessel, ließ die Arme auf der Lehne ruhen und musterte das Zimmer. Ugla hatte ihm gleich in der ersten Klavierstunde erzählt, dass sie die Wohnung mit allen Möbeln gemietet hatte, eben auch mit dem alten Klavier. Eines stand außer Frage: Ein junges Mädchen hätte sich ihr Wohnzimmer nie auf diese Art und Weise eingerichtet. Hier wehte ganz entschieden ein Wind aus alter Zeit.
Der schöne Holzboden wurde weitgehend von einem braun und weiß gemusterten Teppich verdeckt. Im Raum standen zwei kleine Bücherregale, dunkelbraun und zweckmäßig angebracht, der Vermieter hatte offensichtlich seine Bücher mitgenommen, denn in den Regalen befanden sich nur wenige Taschenbücher, Krimis abwechselnd mit Liebesgeschichten, und ein sorgfältig gebundenes Buch, Nördlich der Heide, von Hrólfur Kristjánsson. Über dem roten Sofa hing das Plakat eines bekannten ausländischen Gemäldes, an der Wand genau gegenüber stand das Klavier, und auf ihm lag ein Stapel mit Noten. Hier war die Zeit fast stehengeblieben.
Ugla kam mit einer dampfenden Tasse Wasser aus der Küche zurück.
»Ich hoffe, ich begehe kein Verbrechen, wenn ich ohne offizielle Genehmigung Klavierunterricht erteile!« Sie reichte ihm die Tasse und zwei Teebeutel. Fügte dann entschuldigend dazu: »Ich habe nur diese beiden Teesorten.«
»Danke. Ich werde es dann also einfach ignorieren, wenn du gegen das Gesetz verstößt.« Ari lächelte breit und tauchte den einen Beutel in das heiße Wasser. »Wir haben ja schon Wichtigeres zu tun bei der Polizei, als Klavierlehrerinnen ohne Genehmigung zu verfolgen.« Er überlegte aber im gleichen Moment, ob dem tatsächlich so war im wirklichen Leben. Diese ersten Tage in Siglufjörður waren unbeschreiblich gewesen. Patrouillefahrten in einem großen Jeep, aber wenig zu tun. Hier fuhr kaum jemand mal zu schnell, zumindest nicht innerhalb des Dorfes und natürlich erst recht nicht auf einer schneereichen und abschüssigen Bergstraße auf der anderen Seite des Tunnels. Dort beherrschte eher die Todesangst als die Furcht vor einem Protokoll wegen zu hoher Geschwindigkeit die Situation. Ari hatte sich um einen Unfall kümmern müssen, einen läppischen Auffahrunfall, und war schon zweimal gerufen worden, um abgeschlossene Autos zu öffnen. Zudem war er auch gebeten worden, Betrunkene nach einem Zuviel an Alkohol nach Hause zu fahren – in diesem Bereich hatte die Polizei eine große Servicefunktion zu erfüllen.
»Ich werde mir einen Kaffee genehmigen«, sagte Ugla. »Wir beginnen mit dem Unterricht dann einfach etwas später.«
Der Klavierunterricht sollte eine Dreiviertelstunde dauern, doch letzte Woche hatten Ari und Ugla noch eine gute Stunde lang miteinander geplaudert, nachdem der eigentliche Unterricht zu Ende war.
Er hatte es in den letzten Wochen sehr zu spüren bekommen, dass er in dieser fremden Ortschaft ein unbekannter Gast war. Keiner war von sich aus auf ihn zugekommen – jeder kannte hier jeden, aber keiner kannte ihn. Wenn er ins Fitnesszentrum oder ins Schwimmbad ging, redete niemand mit ihm, obwohl alle zweifelsohne wussten, wer er war – der neue Polizeibeamte im Dorf. Er war in die Situation geraten, einen Dorfbewohner verwarnen zu müssen, der am Steuer das Handy benutzt hatte, und dieser hatte ziemlich ungemütlich reagiert. »Wer bist du eigentlich? Bist du hier bei der Polizei? Ich habe nichts davon gehört, dass kürzlich einer bei der hiesigen Polizei eingestellt worden ist«, war die Antwort, die Ari bekommen hatte, und er wusste doch genau, dass der Mann ihm etwas vorspielte. »Woher soll ich denn wissen, dass du nicht einfach die Uniform und das Auto gestohlen hast?« Ari hatte nachgegeben, gelächelt, den Mann gebeten, darauf zu achten, dass das nicht wieder vorkomme. Schwor sich selber aber dabei, das nächste Mal kein Auge mehr zuzudrücken.
Dabei beobachteten ihn die Dorfbewohner genau – einmal hatte er vergessen zu blinken, als er mit dem Dienstwagen im Dorf unterwegs war, und als er später Tómas traf, erfuhr er, dass deswegen von unbekannt eine Klage eingegangen war. »Du hast ja wohl nicht gedacht, dass du hier auf Rosen gebettet sein würdest, Meister – hier werden vielleicht keine Morde verübt oder andere große Verbrechen, aber es ist auch kein Kindergarten.«
Er war alleine auf der Welt.
Er fühlte sich wie ein Fremder, der eigentlich nur für ein kurzes Wochenende nach Siglufjörður gekommen war, dann aber steckengeblieben war – ein Reisender, der vergessen hatte, den Rückfahrschein zu lösen.
Er konnte zwar mit Tómas und Hlynur über Gott und die Welt plaudern, wenn sie auf der Wache bei einer Tasse Kaffee saßen, doch das waren oberflächliche Gespräche über die Gesellschaft und Sport.
Ugla dagegen war anders. Das hatte er sofort gesehen. Sie war offen und herzlich, gab viel von sich preis und konnte auch aufmerksam zuhören, wenn es darauf ankam.
Sie sprach unverblümt davon, wie schwierig es doch sei, in so eine kleine Dorfgemeinschaft zu ziehen, erzählte ihm von ihren Erfahrungen, schien wahrzunehmen, wie schwierig es ihm fiel, sich an den neuen Ort zu gewöhnen.
»In meinem Fall hat es schon geholfen, dass ich von Patreksfjörður komme, man weiß zumindest, wie es zugehen kann in so einem kleinen Ort, andererseits gibt es keine zwei Ortschaften, die gleich sind. Hier zu wohnen ist zum Beispiel ganz anders als in den Westfjorden. Ich kann dir auch nicht genau sagen, warum – aber es ist schwierig, das in Worte zu fassen –, aber jedes Dorf hat seinen eigenen Charakter.« Sie lächelte, wollte offensichtlich, dass er sich wohl fühlte. Er sollte noch oft an diese ersten gemeinsamen Stunden mit ihr denken. Nicht zuletzt, als er später zu verstehen versuchte, warum Hrólfur sich mit so viel väterlicher Liebe um dieses junge Mädchen gekümmert hatte, zumal er sich anderen gegenüber häufig barsch oder, deutlicher gesagt, sogar richtig unanständig benahm.
Sie hatte etwas Faszinierendes an sich, etwas Vertrauenerweckendes.
Sie fragte ihn nach dem Studium, erzählte ihm von ihrem Traum, das Abitur noch nachzuholen, zur Uni zu gehen – vielleicht in ein oder zwei Jahren; sie wollte zuerst einmal sammeln – Geld sowie Erfahrung. »Vielleicht gehe ich an die Uni in Akureyri, vielleicht auch in den Süden – ich glaube allerdings, dass ich mich in einer Großstadt wie Reykavík nur schwer zurechtfinden könnte. Ich glaube nicht, dass ich mich dort wohl fühlen würde, um ehrlich zu sein.« Er hatte gleich von Anfang an mit ihr gesprochen wie mit einer alten Freundin; er erzählte ihr von der Wohnung in der Öldugata, wie wohl er sich in der Stadtmitte fühle. Sie hörte ihm aufmerksam zu. Er erzählte ihr aber nicht alles. Erwähnte weder Kristín noch die Probleme mit ihr – wusste aber selber nicht genau, warum. Vielleicht wollte er sie damit nicht belasten, vielleicht steckte auch etwas anderes dahinter.
Es fiel ihm allerdings leicht, mit ihr über seine Schwierigkeiten mit der Dunkelheit und der Ausgegrenztheit zu sprechen, wie schwierig es sei, sich daran zu gewöhnen, und wie der Schnee und die Berge ihm manchmal zusetzten. Sie schien ihn gut zu verstehen. Sie hörte zu, versuchte, ihm gute Ratschläge zu erteilen. Lächelte hin und wieder.
Dennoch gab es da etwas an ihr, das er nicht verstand. Klar, sie lebte weit entfernt von ihrer Familie, doch auf ihrem Gesicht lag eine tiefere Sorge, die sich nicht nur mit dieser Tatsache erklären ließ. Jedem Lächeln folgte eine winzig kleine Schwere tief in ihren Augen.
»Bleibst du an Weihnachten hier?«, fragte Ari, als sie eine Weile über Gott und die Welt geplaudert hatten.
»Ja, Mama und Papa werden aus dem Westen kommen und über die Feiertage hierbleiben. Sie wollen unbedingt bei mir sein. Mama wird dann etwas Gutes kochen, denn es gehört nicht wirklich zu meinen Stärken, einen Weihnachtsbraten zuzubereiten.«
»Tja, zu meinen auch nicht«, sagte Ari bescheiden, »aber ich werde dennoch versuchen, etwas Gutes zu kochen.« Er nahm einen kleinen Schluck vom Tee, der immer noch brennend heiß war. »Ich habe nämlich Dienst an Heiligabend. Bin alleine auf der Wache. Ich nehme den Weihnachtsbraten einfach mit und ein paar gute Bücher.«
»Das muss ja schrecklich sein.«
Ari wusste ihre Ehrlichkeit zu schätzen.
»Ja. Es ist schrecklich, aber ich habe eigentlich keine Wahl.«
»Kommen deine Eltern an den Festtagen auch mal in den Norden?«
Eine ganz natürliche Frage. Ari war es nicht gewohnt, sich anderen gegenüber als Waise zu outen. Er ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen.
»Nein … ich habe meine Eltern schon vor langem verloren.« Er schaute ihr in die Augen, senkte dann aber sofort den Blick.
Sie starrte tief beschämt in ihre Kaffeetasse. »Entschuldige.« Ihre Stimme klang aufrichtig. »Entschuldige. Ich hatte keine Ahnung, dass …«
»Ist schon in Ordnung.«
Fügte dann hinzu: »Man gewöhnt sich daran.«
»Wirklich?«, fragte Ugla überrascht.
»Wie bitte?«
»Gewöhnt man sich wirklich daran?«, fragte Ugla.
»Ja … doch, das kann ich schon so sagen«, antwortete Ari. »Aber es braucht seine Zeit, ich habe lange gebraucht, um mein Gleichgewicht wiederzufinden – das ist nicht einfach über Nacht passiert. Aber doch, es wird mit den Jahren erträglicher. Man muss einfach weitermachen, sein Leben leben …«
Ugla schwieg.
»Warum fragst du?«
Sie schwieg noch eine Weile, schaute unverwandt in ihre Kaffeetasse, als ob diese die Antwort zu allen möglichen Fragen verborgen hielt, hob dann den Blick und sagte. »Ich habe … meinen Freund vor ein paar Jahren verloren.« Dann fügte sie hinzu: »Darum bin ich hierhergezogen.«
Ari wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Er war es so sehr gewohnt, in der Rolle des Leidenden zu sein, desjenigen, der jemanden verloren hatte, desjenigen, dem alle Aufmerksamkeit galt.
»Mein Beileid«, sagte er. Es fiel ihm nichts anderes ein, wurde sich bewusst, dass diese Worte kaum irgendeine Bedeutung hatten, er hätte ihr genauso gut eine vorformulierte Kondolenzkarte aus dem Blumenladen schicken können.
»Danke.« Sie spielte mit, wusste, dass es nicht einfach war, in dieser Situation die richtigen Worte zu finden.
»Wie starb er?«
»Nun … wir waren an einem Samstagabend in einer kleinen Kneipe in Patreksfjörður. Er …« Er, Ágúst. Sie zögerte, es war, als ob sie seinen Namen nicht laut aussprechen konnte. »Er geriet in Streit mit einem Mann – es war niemand aus dem Dorf – der sehr betrunken war. Er bekam einen Schlag ab, fiel zu Boden und … erwachte nie wieder.«
Dann fügte sie hinzu: »Es war nur ein einziger Schlag.«
In ihrem Blick lag immer noch ein gewisses Zögern, doch Ari hatte das Gefühl, dass sie erleichtert war, darüber gesprochen zu haben.
»Das tut mir sehr leid«, sagte er. »Sehr leid.«
»Danke.«
Sie stellte die Kaffeetasse von sich weg und schaute auf die Uhr.
»Ich will dich nicht den ganzen Abend hier aufhalten.«
Es lag eine auffallende Veränderung in der Leichtigkeit ihrer Stimme. »Sollen wir uns nicht den Noten zuwenden?«
»Doch, unbedingt – ich muss versuchen, mir ins Gedächtnis zu rufen, was wir letzte Woche besprochen haben … Das wird ja was werden!«
Er setzte sich ans Klavier und legte seine Hände auf die Tastatur.
»Nein, das ist nicht richtig«, sagte Ugla, umfasste zärtlich seine rechte Hand und korrigierte sie ein wenig. Ihm wurde warm bei der Berührung, er spürte einen heißen, angenehmen Strom von ihr ausgehen.
»Danke, das ist besser«, sagte er. Auf einmal kam es ihm vor, als ob Kristín viele tausend Kilometer von ihm entfernt wäre.