KAPITEL NEUNUNDDREISSIG

In welchem Gonzo und ich dem Partyhaus einen außerplanmäßigen Besuch abstatten

 

Wir befinden uns wieder im Stau, der sich volle zehn Meilen bis Daytona hinzieht. Hitzeschlieren wabern über den Autos. Ich halte Ausschau nach den Typen, habe aber kein Glück. Unser Caddy läuft hochtourig. Es riecht nach heißem Öl. Ich schalte den Motor immer wieder an und aus, damit er sich nicht überhitzt und seinen Geist aufgibt.

»Wir haben sie mitfahren lassen und sie klauen uns Balder«, knurre ich.

»Das ist echt daneben«, stimmt Gonzo zu. Er schiebt seine orangefarbene Kleinmädchensonnenbrille auf die Stirn. Das sieht aus wie ein zweites Augenpaar.

»Was für’n Haufen totaler Blödmänner!«

»Absolut.« Gonzo grinst wie ein Bekloppter, was mich irritiert.

»Was bringt dich in so ne gute Stimmung?«

Er setzt die Brille wieder auf die Nase. »Alter, wir fahren zum Partyhaus!«

 

Der Caddy packt die Hitze nicht, also stellen wir ihn, vielleicht zwei Meilen vor dem Partyhaus, am Straßenrand ab. An der Straße steht ein Hotel neben dem anderen.

»Können wir nicht einfach ’n Zimmer für eine Nacht nehmen? Ich brauch dringend ne Dusche«, sagt Gonzo. Er schnuppert an seinem T-Shirt und verzieht das Gesicht.

»Du wirst es überleben«, sage ich. »Wir holen uns Balder zurück und machen uns wieder auf den Weg, ohne Pause.«

Gonzo schnüffelt an meinem Hemd und fasst sich an die Kehle, als würde er ersticken. »Alter, du stinkst!«

»Aber nicht so schlimm wie du«, gebe ich zurück.

»Nicht so schlimm? Leck mich doch am Arsch, Alter! Hast du deinen Geruchssinn gekillt? Ernsthaft, du wirst nichts von der Action mitbekommen, wenn du dich nicht zurechtmachst.«

»Ich suche keine Action. Ich suche unseren Gartenzwerg.«

Zwei gepiercte Bauchnabel im Bikini gehen an uns vorüber. Eins der Mädchen hat ein Skateboardtattoo am Arm. Mr Happy schwillt ungebeten an, um Hallo zu sagen, als ob er der Sheriff in dieser Stadt hier wäre. Als die Mädchen weitergehen, atme ich tief ein. Heilige Scheiße! Mit meinem Gestank könnte ich jemanden töten.

»Hab ich dich nicht gewarnt? Nur für eine Nacht, Alter. Komm schon. Schließlich ist Partytime!« Er hüpft auf und nieder, zieht an meinem Stinkeshirt und quengelt wie ein kleiner Bruder.

»Okay«, sage ich. »Aber es muss was Saubilliges sein.«

Das ist ganz schön anstrengend, aber wir finden ein einfaches Bungalowmotel. Ich hasse es, die Kreditkarte zu benutzen, aber da wir längst wieder verschwunden sind, bevor sie was ausfindig machen können, sind wir vermutlich sicher. Und die Dusche tut Wunder!

Gonzo platzt herein. »Alter! Du musst unbedingt sehen, wie viele Leute hier sind! Das ist der Hammer!«

Am Strand geht es zu wie in einem Bienenschwarm. Überall wird Volleyball und Beachtennis gespielt. Mädchen sonnen sich auf Strandtüchern und haben dabei ihre Bikinioberteile am Rücken geöffnet. Das Partyhaus schimmert am Horizont – ein ausladender, ultramoderner Glaspalast. Auf dem Platz und drum herum gibt es ein paar Bühnen. Ich glaube, irgendetwas wird gefilmt. Überall stehen Kamerateams herum und wir müssen über eine Menge Kabel steigen.

Eine Gruppe von telegenen Teens mit Headsets und in Badeklamotten bearbeitet die Leute.

»Hey, möchtest du in unserer TV-Show dabei sein?«, fragt eine Schwarzhaarige im gelb geblümten Bikini. Sie hält ein Klemmbrett in der Hand und einen Kitty-Cat-Stift, der so aussieht, als gehöre er einer Drittklässlerin.

»Wir müssen jemanden finden …«, sage ich und recke den Hals.

»Kannst du mir nur’n paar schnelle Fragen beantworten? Bitte? Du würdest mir total aus der Patsche helfen.«

»Nichts wie ran. Mach dir keine Sorgen um mich«, sagt Gonzo. Er inspiziert eine Gruppe tätowierter Typen, die gerade Zigaretten rauchen.

Das Mädchen lächelt mich an. »Bitte?«

»Nur ne Sekunde«, sage ich, und zu Gonzo gewandt: »Okay. Aber halt den Ball flach. Wir treffen uns in einer Stunde dort drüben bei der Bühne. Kapiert?«

»Bühne. In einer Stunde«, sagt er. Er geht direkt auf die Typen zu und quatscht sie an. Das ist das Erstaunliche an Gonzo: Trotz all seiner durchgeknallten Sterbephobien ist er Menschen gegenüber absolut furchtlos.

»Bereit?«, fragt das Mädchen und nimmt mich am Arm.

»Denke schon«, sage ich und folge ihr ins Partyhaus.

»Wie heißt du?«, fragt sie und führt mich in ein gigantisches, verglastes Wohnzimmer, wo wir uns zwischen schweißnassen Tänzern durchquetschen müssen. Bei dem dumpfen Bassgedröhne der Musik kann ich sie kaum verstehen.

»Cameron«, sage ich. »Und du?«

»Iphigenia«, ruft sie.

Wir verlassen das Wohnzimmer und kommen in einen Küchenbereich, wo ein paar Kids vor einer dreiköpfigen Jury aus Manuskripten vorlesen. Die Juroren geben ihre Statements zur Lesung ab, »Etwas mehr beleidigt« oder »Kitzle das Dramatische hervor«.

»Was ist das?«, flüstere ich.

»Oh«, sagt Iphigenia, »wir casten für ein Realitymercial. Das ist wie eine Reality-TV-Show mit einem Anteil Infomercial. Wenn dir was davon gefällt, kannst du jedes der Leben aus der Show bestellen, und, ähm, du kannst sie deinen Maßen anpassen.«

»Maßgeschneidertes Leben?«

»Ja. Wir senden dir die Kleidung zu und den Namen und die Hintergrundstory. Dann kannst du das gestörte Kind aus der Wohnwagensiedlung sein, das zu dem Verpiss dich-Programmpaket gehört. Oder der fröhliche, hoffnungsvolle junge Mensch aus der Innenstadt von Gib mir Stoff. Die Klamotten und der Soundtrack dazu sind der Hammer. Oder die reiche Erbin aus Beneide mich. Diese Ausstattung kommt komplett mit einem Hündchen und einem Handy, das du dir ans Handgelenk implantieren lassen kannst. Und dann gibt es noch Mensch, was bin ich glücklich. Da ist das unschuldige Mädchen vom Land mit der fantastischen Singstimme. Das wurde phänomenal bewertet.«

Iphigenia stößt die Tür zu einem kleinen Büroraum auf und bietet mir einen Sessel vor einem Schreibtisch an. Sie lässt sich in den Sessel hinter dem Schreibtisch plumpsen. Irgendetwas läutet.

»Entschuldige mich ne Sekunde.« Sie macht die Telefonanlage ausfindig und stülpt sich ein Headset über. »Hier ist Iphigenia. Mmh-mmh … ja … möchtest du Rad XL, Rad Diät, Rad Sportive oder Rad Hell und Klar?« Mit ihrem Kittystift macht sich Iphigenia auf einem Block ein paar Notizen. »Nuklear!«, sagt sie freundlich und legt auf.

Ich rätsle immer noch über die Sache mit dem Realitymercial. »Ich kapier’s nicht. Warum sollte jemand das Leben eines anderen bestellen?«

Iphigenia schaut mich an, als sei ich ein Idiot. »Warum? Weil’s harte Arbeit ist, herauszufinden, wer du wirklich bist. Warum sich die Mühe machen, wenn’s schon jemand für dich getan hat, wenn sie dir sagen können, wer du sein kannst. So geht’s mir mit Iphigenia.« Sie flüstert: »Das ist nicht mein wirklicher Name.«

»Nein?«

»Nein. Mein richtiger Name? Ann. Jones.« Sie rollt mit den Augen und kichert. »Kannst du dir etwas Langweiligeres vorstellen? Ja, Ann Jones wird nie auf die Partys der Schönen und Reichen eingeladen. Also hab ich was geändert.«

»Du weißt, dass die Griechen Iphigenie opferten, damit sie wieder in ihre Heimat konnten.«

Ihr Gesicht leuchtet auf. »Hey, also kommt noch ne tragische Note dazu? Die Heldin eines großen Dramas. Ich liebe das!«

»Aber warum willst du nicht einfach die sein, die du bist?«

»Hallo-oo!«, sagt sie, stößt sich vom Tisch weg und wirbelt auf ihrem drehbaren Schreibtischsessel herum, bis sie mir wieder ins Gesicht blickt. »Niemand will der sein, der er ist. Deshalb gibt’s Fernsehen. So erfährst du, was du möchtest und wer du sein willst. Und genau das hab ich getan. Also wirklich, Ann Jones? Ann Jones spielte in einer Blaskapelle Flöte, okay? Ann Jones’ Zukunft hätte ein gutes staatliches College bedeutet und ein paar Liebesverhältnisse und, weißt du, vielleicht so was wie einen gebrauchten Kleinwagen, um zu ihrem Job in nem Joghurtladen zu fahren. Aber Iphigenia – allein schon der Name – ist so was wie ne ganz andere Person. Ethnisch ist sie vielschichtig, und du fragst dich etwa: ›Hat sie afro-griechisch-japanischindischen Chic?‹ Sie hat einen Dad mit einem leichten Alkoholproblem – das macht sie glaubwürdig. Und sie hat eine Mom, die in ihrem Heimatland – egal, wo das ist – als Model gejobbt hat. Das macht sie echt zu ner großen Nummer. Sie trägt die neuesten Jeans und alle anderen machen’s ihr nach. Jede hört auf sie und schaut auf sie und möchte sie sein. Ich mein, du bist so lange ein Niemand, bis alle wissen, wer du bist.«

Ich bin sprachlos und nicke nur.

Ganz geschäftigt greift sie ihren Stift. »Zeit für den Fragebogen. Wo kommst du her, Cameron?«

»Texas.«

»Auf, auf, Cowboy!«, sagt sie ganz nebenbei. »Also, wer sind deine besten Freunde?«

»Gonzo und Balder«, sage ich. Mir gefällt, wie ich das sage.

»Was macht ihr Jungs denn gerne?«

Mit dem Auto auf ne Wahnsinnstour gehen, die von privaten Kleinanzeigen in Boulevardblättern diktiert wird. Einen zeitreisenden Wissenschaftler suchen, der auf der Flucht ist. Cops aus dem Weg gehen. Geld von minderbemittelten Junkies klauen. Mit Wesen aus Parallelwelten kämpfen.

»Rumhängen«, antworte ich.

»Hmm-kay. Gut. Willst du noch was Interessantes anmerken?«

Ich sollte ihr einen Haufen Mist auftischen, aber aus irgendeinem Grund will ich aufrichtig sein.

»Ich bin todkrank. Creutzfeldt-Jakob.«

Iphigenia schreibt etwas auf, dann streicht sie es durch. »Wie buchstabiert man das?«

»Schreib einfach Rinderwahn.«

»Toll.« Sie notiert es schnell. »Und nun zu den wirklich wichtigen Fragen. Trinkst du Rad Limo? Und wenn ja, wie oft? Sehr häufig. Oft. Kaum. Nie.«

»Kaum.«

Der Kittystift hüpft über die Seite wie ein geistesgestörtes Haustier.

»Welche der folgenden Situationen würde deinen Durst auf Rad Limo am meisten vergrößern? Mit Freunden herumhängen. Dich mit Mom und Dad unterhalten. Basketball spielen. In der Einkaufsmeile shoppen gehen. Hausaufgaben machen. Einer Beerdigung beiwohnen …?«

»Einer Beerdigung beiwohnen?«

Sie zeigt mir die Seite und die Frage steht genau so da. »Das ist eine neue Marketingstrategie. Sie sind gerade dabei, ein neues Getränk einzuführen. Rad Leid – ›Wenn dein Durst einen Freund braucht‹. Also, glaubst du, dass du Rad Leid trinken würdest?«

Tod und Limo gehen in meinem Hirn wirklich nicht zusammen, aber es ist schon spät und ich muss Gonzo treffen. »Warum nicht.«

Iphigenia stößt einen kleinen Quiekser aus und hüpft in ihrem Sessel. »Toll! Das ist mein erstes Ja. Hey, Cameron, du bist so nett. Möchtest du von mir in eine unserer Shows gebracht werden? Sie brauchen heute noch Kandidaten für Was ist dein Talent?. Was sagste dazu?«

»Ich glaub nicht …«

»Du könntest ne Menge Geld gewinnen«, flötet sie.

Mein Gehirn macht eine Kosten-Nutzen-Analyse. Könnte ich ein bisschen Kohle für uns gewinnen, Balder finden und unsere Ärsche hier rausbringen, bevor wir entdeckt werden? Das Partyhausvölkchen interessiert sich nicht wirklich für die Nachrichten und die Kopfgeldjäger schauen wahrscheinlich nicht gerade YA! TV. Ein Risiko ist es, aber wir brauchen dringend die Knete.

»Meld mich an.«

»Nuklear!«, sagt Iphigenia. »Okay, wir müssen noch rausfinden, welche Kategorie du nimmst.«

»Kategorie?«

»Ja, bist du etwa ein Technospielfreak, ein Samstagskinofan, eine Sportskanone, ein Sexprotz, ein Musicaholic, ein Comickreuzritter, ein Partylöwe? Verstehst du? In welche Kategorie passt du?«

»Was ist ein Musicaholic?«

Iphigenia wirbelt auf ihrem Drehstuhl zweimal im Kreis, einmal linksherum, einmal rechtsherum. »Das ist jemand, der von Musik besessen ist. Bist du das?«

»Na ja, da gibt’s zu Hause diesen Musikladen, den ich mag, Eubie’s Hot –«

Plötzlich hört sie auf, sich zu drehen. »Toll. Also Musicaholic.«

»Moment! Ich weiß nicht, ob ich so eingeordnet werden will. Und wenn ich nun vielleicht ein Sexprotz bin?«

Iphigenia klopft mit ihrem Stift auf den Block und guckt mich von oben bis unten an.

»Da hab ich meine Zweifel.«

»Oder ein Tech-… ein Techno-…«

»Technospielfreak. Das ist jemand, der elektrotechnisch immer den neuesten Schrei vom Schrei will.« Iphigenias Mund formt sich zu einem aufgeregten O. »Haste gehört, was ich gesagt hab? ›Schrei vom Schrei‹. Ohmeingott. Niemand hat das vorher hier gesagt. Also gehört’s mir. Ich hab’s erfunden. Ich muss ein Formblatt ausfüllen, um’s offiziell zum eingetragenen Warenzeichen zu machen. Warte mal ne Sekunde, ’kay?«

Iphigenias Finger fliegen über die Tastatur. Sie drückt auf Senden. »Fertig. Gott, wär das nicht cool? Ich könnte das wahrscheinlich zum Klamottenlabel machen – Der Schrei vom Schrei. Trotzdem, zurück zu dir. Also würdest du sagen, du bist ein Technospielfreak?«

»Nein. Ich mein, nicht wirklich.«

Iphigenia wird nervös. Sie klopft mit ihren falschen Fingernägeln auf die Tischplatte. »Tja, irgendwas musst du schon sein.«

»Was wäre, wenn ich ne Menge verschiedener Irgendwas wär?«

»Geht nicht. Das würde den Marketingplan übern Haufen werfen. Nur ein Talent. Wenn wir dich nicht einordnen können, kannst du nicht mitspielen.«

»In welcher Kategorie bist du?«

Iphigenia lächelt. »Oh! Ich bin ein Trendinator.«

»Trendinator?«

»Ja. Das ist jemand, der total an der Spitze der Trends steht. Also, wir sagen in etwa voraus, was demnächst hip wird. Trendinatoren sind spitze. Gott! Hätte ich doch diesen Satz schützen lassen, das Merchandising ist nämlich außer Kontrolle geraten. Allein die Handtaschen gehen für zweihundertfünfzig das Stück weg.«

»Nur weil Trendinator draufsteht?«

»Nein! Da steht überhaupt nichts drauf! Das ist ja das Geniale. Das ist, wie wenn du dem Trend so weit voraus bist, dass dort alles noch leer ist.«

Iphigenias wie eine Feder glitzernder Stift schwebt über die Seite. Sie ist ganz scharf drauf, mich zu kategorisieren.

»Musicaholic«, sage ich.

»Cool! Hey, möchtest du das ganze Partyhaus sehen? Wir haben einen Pool, in dem hinten Rad XL Limo – ›Die Limo unserer Generation‹ – aus einer Fontäne schießt. Es ist einfach nuklear!« Sie seufzt. »Ich hab seit Ewigkeiten versucht, ›nuklear‹ zu pushen – mindestens drei Wochen lang –, aber bis jetzt steht auf allen Bewertungsformularen, dass dafür die Zeit noch nicht gekommen ist. Manchmal bin ich so weit voraus, dass mich niemand mehr einholt.«

 

Als wir das Büro verlassen, bin ich offizieller Kandidat für Was ist dein Talent?, das um halb vier aufgenommen wird. Iphigenia nimmt mich mit, um die Showleute zu treffen und ein Formblatt zu unterschreiben, auf dem steht, dass ich sie für nichts, was mir während ihrer Show passiert, haftbar machen werde. Drei Meter entfernt sitzt Parker Day in seinem Sessel und lässt sich von einem Stylisten das Haar machen und das Make-up auftragen. Währenddessen telefoniert er per Handy – das ihm irgendein armes Arschloch von Assistent ans Ohr hält – mit seinem Agenten. Auf einer Reihe Monitore über seinem Kopf sind Livebilder aus dem Partyhaus zu sehen, wo Marisol unten am Pool ein paar Sportskanonen mit nacktem Oberkörper interviewt, bevor sie einen neuen Videoclip anmoderiert. Keith hat, was Marisol betrifft, nicht übertrieben. Sie ist wirklich superhübsch, kaffeebraune Haut, haselnussbraune Augen und langes lockiges schwarzes Haar. Ich hoffe immer noch, in der Menge die Typen und Balder zu entdecken, aber sie schwenken zum Video rüber, und es gibt nichts weiter zu tun, als mich Gonzo wieder anzuschließen und unser Glück gemeinsam zu versuchen.

 

Gonzo kommt zehn Minuten zu spät. »Alter«, brüllt er und rennt außer Atem auf mich zu. »Dieser Ort ist unglaublich!«

»Du bist spät dran«, sage ich.

»’tschuldigung«, sagt Gonzo. Aber er sieht nicht so aus, als täte es ihm leid.

Ich erzähle ihm von Was ist dein Talent?.

»Abgefahren«, sagt Gonzo. »Schau mal, dieser Typ hat mir seine Karte gegeben. Er hat gesagt, ich passe perfekt in eine Show, die sie gerade entwickeln. Darin geht’s um einen Haufen reicher und verwöhnter Kids, die mit verhaltensgestörten und missgebildeten Kids zusammenleben. Die Show heißt Freaks Versus Fantastics

»Wer ist der sadistische Scheißkerl, der sich das ausgedacht hat?«, schnaube ich.

»Alter – ich könnte ins Fernsehen kommen! Sie haben schon diesen Jungen, der Flossen statt Hände hat. Er hasst kleinwüchsige Menschen. Er würde mein Zimmergenosse. Sie sagen, dass das Potenzial an Dramatik jeden Rahmen sprengt.«

»Gonzo. Komm runter. Wir bleiben nicht hier. Wir müssen immer noch Dr. X finden.« Ich halte mein E-Ticket-Band in die Höhe. Fantasyland verliert schnell an Farbe. »Wir sind gerade lange genug hier, um ein bisschen Geld einzusacken und Balder zu finden.«

Gonzo sieht enttäuscht aus, und ich fühle mich wie ein Arschloch, das ihm gerade erzählt hat, dass der Weihnachtsmann nur ein Strohmann ist.

»Hör mal, wenn das alles vorbei ist, kannst du zurückkommen. Bis dahin«, sage ich und zeige ihm meinen Kandidaten-Backstagepass, »bis dahin haben wir Zutritt zum Grünen Salon und freies Essen. Also, lass uns was futtern.«