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». .. und als der Abt des Klosters mir vor ein paar Tagen mitteilte, dass Kardinal Voigt kommen würde, wusste ich, dass die Zeit gekommen war, das Abkommen zwischen der Kurie und der italienischen Justiz zu erfüllen.«
Über eine Stunde hatte Matthias erzählt, und Alicia und Varotto hatten ihn kein einziges Mal unterbrochen. Nun schwiegen alle drei. Sowohl die Journalistin als auch der Commissario hatten vier Jahre zuvor einiges über die Simonische Bruderschaft gehört, die Tragödie jedoch, die der Deutsche ihnen in allen Details beschrieben hatte, zeigte nun eine ganz andere Wirkung als der trockene Polizeibericht damals. Ihr Verstand brauchte einige Zeit, um zu akzeptieren, dass es sich bei dieser grausamen Geschichte nicht um einen Vatikanthriller handelte, sondern dass sie von Matthias tatsächlich so erlebt worden war. Etliche Minuten vergingen, ohne dass irgendjemand etwas sagte. Schließlich erhob sich Matthias.
»Ich gehe eine Runde spazieren, ich brauche frische Luft.«
Ohne einen Einwand abzuwarten, verließ er das Zimmer und zog Sekunden später die Wohnungstür hinter sich zu. Alicia und Varotto sahen sich an, und jeder entdeckte im Gesicht des anderen Mitleid für den Deutschen, der eine so schreckliche Tyrannei erlebt hatte.