Im Wald von Marmore

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Sie hatten die hundertzehn Kilometer um einiges schneller zurückgelegt als Varotto und Matthias vor ihnen. Auf dem Weg zum Castello hatte Tissone einen Fahrstil an den Tag gelegt, den Alicia ihm nicht zugetraut hätte. Kaum hatten sie die Innenstadt von Rom hinter sich gelassen, war er aufs Gas getreten. Als Alicia in der ersten scharfen Kurve quer über den Rücksitz flog, hatte er nur kurz in den Rückspiegel geblickt und erklärt, dass er mehrere Fahrsicherheitstrainings absolviert habe. Barberi hatte dazu geschwiegen und sich nur mit beiden Händen an dem Haltegriff oberhalb der Tür festgeklammert.

Der Carabiniere, der von Maggiore Gaetani auf dem Schotterplatz hinter Marmore postiert worden war, um sie zu dem ehemaligen Kloster zu führen, war wortlos vor ihnen den steilen Weg hinaufgestiefelt und hatte dabei ein flottes Tempo vorgelegt, was sie ziemlich ins Schwitzen brachte. Nach einer Viertelstunde war Alicia gestolpert und der Länge nach hingefallen. Zum Glück hatte sie sich bis auf einen langen Kratzer quer über dem linken Handrücken nicht weiter verletzt und war auch sofort wieder auf den Beinen gewesen. Seitdem drehte sich Barberi immer wieder zu Alicia um und vergewisserte sich, dass sie noch folgen konnte. Alicia hingegen hatte das Gefühl, dass sie den Marsch noch am besten wegsteckte.

»Wie weit ist es noch?«, fragte Barberi in diesem Moment keuchend.

»Wir sind bald da«, erklärte der Carabiniere, ohne sich umzudrehen. »Das letzte Stück ist nicht mehr so steil.«

»Danke, das ... macht ... Hoffnung«, japste Tissone hinter ihm.

»Ich hoffe sehr, die beiden haben was gefunden. Wenn wir den Weg umsonst gemacht haben, kann Daniele . . .« Barberi ließ den Satz unvollendet.

»Und ich hoffe, dass es ihnen gut geht«, sagte Alicia.

Nach gut zehn Minuten blieb der Carabiniere stehen und wartete, bis die drei zu ihm aufgeschlossen hatten. Dann deutete er nach vorne. »Dort ist es, sehen Sie?«

Tatsächlich war ein Lichtschimmer in der Dunkelheit zu erkennen.

»Worauf warten Sie noch?«, fragte Alicia und schob den Carabiniere vorwärts. Sie spürte, wie die Angst mit jedem Schritt größer wurde.