Rom. Redaktionsgebäude des ›Il Cortanero‹
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Matthias betrachtete das Display seines Handys noch einige Sekunden, nachdem er aufgelegt hatte.
»Was ist?«, fragte Alicia schon zum zweiten Mal. »Was hat er gesagt?«
Endlich riss Matthias den Blick vom Telefon los und sah sie an. In seinen Augen war Verwirrung zu sehen.
»Er sagt, er sei vom Dienst suspendiert worden. Ich soll Sie nach dem heutigen Leitartikel fragen, dann wüsste ich, warum.«
Alicia schlug sich mit der Hand vor die Stirn. »O Gott, der Artikel meines Chefs! Ich habe ihn noch nicht gelesen, aber ich habe gestern mitbekommen, dass von ganz oben die Order kam, den Ton deutlich zu verschärfen. Moment!«
Mit schnellen Schritten verließ sie das Archiv, um nur zwei Minuten später mit einer aktuellen Ausgabe des ›Cortanero‹ zurückzukommen. Ihr Gesicht verdüsterte sich, während sie die Zeilen überflog.
»So eine Gemeinheit!«, rief sie schließlich, hielt Matthias die Zeitung hin und ließ sich mit einem tiefen Seufzer auf ihren Stuhl fallen.
Matthias las den Artikel, der etwa ein Viertel der Seite ausmachte, und ließ den ›Cortanero‹ dann sinken.
»Kommt es öfter vor, dass Ihre Zeitung sich auf die reißerische Ebene eines Revolverblatts herablässt?«
Energisch schüttelte Alicia den Kopf. »Nein, ganz und gar nicht. Wir legen großen Wert auf eine schonungslose Berichterstattung, gehen dabei aber eigentlich stets fair mit der Polizei oder dem Vatikan um. Das hier«, sie wies angewidert mit dem Zeigefinger auf die Zeitung, »ist ganz und gar nicht unser Stil.«
Für einen Moment richtete sich ihr Blick an Matthias vorbei in die Ferne. Als sie ihn wieder ansah, wirkte sie entschlossen.
»Wir müssen sofort zu ihm. Nach Francescas Tod war sein Beruf alles, was Daniele noch interessierte. Wenn man ihm jetzt auch noch das nimmt . . .«
Matthias nickte, und als Alicia mit einem Ruck aufstand, tat er es ihr gleich. Bevor sie jedoch den Raum verlassen konnten, klingelte sein Mobiltelefon. Er warf der Journalistin einen entschuldigenden Blick zu. Francesco Tissone kam ohne große Umschweife gleich zur Sache.
»Ich habe das Ergebnis der neuen Datenbankabfrage.«