Sulla stand vor dem Morgengrauen auf, und eine Stunde später marschierte sein Heer in Richtung Capua. Sein Handeln war nun ganz von seiner Hautkrankheit bestimmt. Da Sulla gerade einen Anfall überstanden hatte, wußte er, daß er einige Tage Ruhe haben würde, vorausgesetzt, er tat nichts, was den Juckreiz erneut auslöste. Dazu gehörte, daß er seine Hände streng unter Kontrolle hielt. Er durfte sein Gesicht auf keinen Fall berühren, und das fiel ihm schwer genug, denn wie oft faßt man sich ganz unabsichtlich an Stirn oder Mund. Erst wenn die feuchten Bläschen sich schlossen und verschorften, begann die Haut wieder zu jucken. Am ersten Tag war es noch am leichtesten auszuhalten, doch mit der Zeit vergaß Sulla dann alle Vorsicht, kratzte sich an Nase oder Wange, und der ganze gräßliche Kreislauf begann von neuem. Also hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, vor dem nächsten Ausbruch des Juckreizes so viel wie möglich zu erledigen und sich dann bewußtlos zu trinken, bis alles vorbei war.
Wie mühsam das war! Es gab so viel zu tun, und er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Auch bisher war ihm nichts in den Schoß gefallen, doch seit er vor über einem Jahr in Griechenland erkrankt war, fragte er sich immer wieder, warum er überhaupt noch weitermachte. Er wußte genau, daß er nur noch eine begrenzte Zeit zu leben hatte.
Nur an einem Tag wie diesem, an dem er gerade einen Anfall hinter sich hatte, war ihm klar, warum er weitermachte: Weil er der größte Mann seiner Zeit war, auch wenn die Welt das nicht zugeben wollte. Nabupolassar hatte das erkannt, damals am Ufer des Euphrat, und nicht einmal die Götter konnten einen Seher der Chaldäer täuschen. Größer zu sein als alle anderen Menschen, das begriff Sulla an einem Tag wie diesem, bedeutete auch größeres Leiden. Er dachte an seinen Gast vom Abend zuvor und unterdrückte ein Lächeln, um die Gesichtshaut nicht zu reizen. Pompeius hatte keine Ahnung, was Größe war.
Pompeius der Große! Ein junger Mann, der tatsächlich glaubte, daß Größe einem zufiel, daß jemand von Geburt an groß war und es immer sein würde. Sulla wünschte sich plötzlich inbrünstig, zu erleben, wer oder was diesen großen Pompeius zu Fall bringen würde. Zugegeben, Pompeius war ein faszinierender Bursche, ein Phänomen. Gewiß kein treuer Untertan! Pompeius war, auch seinem eigenen Verständnis nach, sein Rivale. Schon jetzt, mit zweiundzwanzig Jahren. Seine Veteranenlegionen konnte Sulla gut gebrauchen. Aber konnte er auch Pompeius den Großen gebrauchen? Zunächst mußte er ihm viel Freiheit geben. Pompeius durfte nur Aufgaben bekommen, die er bewältigen konnte. Das schmeichelte ihm, nährte seine kolossale Eitelkeit! Er sollte glauben, daß er derjenige war, der andere benutzte, nicht umgekehrt. Nein, Sulla würde Pompeius’ Ende nicht erleben. Er wollte vielmehr dafür sorgen, daß Pompeius nichts passierte — dazu war Pompeius viel zu nützlich, viel zu wertvoll.
Sullas Maultier schrie und warf den Kopf auf und ab, als wolle es seine Gedanken bestätigen. Wieder unterdrückte Sulla ein Lächeln, um sein Gesicht zu schonen. Er wartete jetzt schon so lange auf einen Topf Salbe und ein Rezept für diese Salbe. Vor fast zehn Jahren hatte er zum ersten Mal an dieser Hautkrankheit gelitten, auf dem Rückweg vom Euphrat. Wie erfolgreich jener Feldzug verlaufen war!
Sein Sohn hatte ihn damals begleitet, Julillas Sohn. Er war ihm der Freund und Vertraute gewesen, den er zuvor nie besessen hatte. Ein vollkommener Partner in einer vollkommenen Beziehung. Was für Gespräche sie geführt hatten! Sie hatten sich über alles unterhalten können. Der Junge hatte dem Vater vieles verziehen, was dieser sich selbst nie hatte verzeihen können. Nicht Morde oder andere Dinge, zu denen einen das Leben zwang, sondern Charakterschwächen, unvernünftige und unerfüllbare Sehnsüchte und Neigungen. Wie ernst hatte der junge Sulla ihm zugehört, wie gut hatte er, der noch so jung war, ihn verstanden und getröstet und Entschuldigungen vorgebracht, die damals sogar stichhaltig schienen. Und Sullas öde Welt hatte angefangen zu glühen, hatte sich entfaltet, hatte eine Tiefe und Dimension bekommen, die nur sein geliebter Sohn ihr hatte geben können. Und dann, als sie sicher von der Reise in die unbekannten Gebiete jenseits des Euphrat zurückgekehrt waren, war sein geliebter Sohn gestorben. Einfach so, innerhalb von zwei Tagen. Sein Freund und Vertrauter hatte ihn verlassen.
Tränen schossen ihm in die Augen — doch nein! Er durfte nicht weinen! Die erste Träne, die seine Wangen hinunterrann, würde den Juckreiz wieder entfesseln. Er konzentrierte sich auf die Salbe, die seine Qual linderte, ihn heilte. Morsimus hatte sie einst in einem vergessenen Dorf irgendwo in der Nähe des Flusses Pyramos in Cilicia entdeckt.
Vor einem halben Jahr hatte er nach Morsimus geschickt, der inzwischen Ethnarch in Tarsos geworden war, und ihn gebeten, die Salbe oder das Rezept zu beschaffen, auch wenn er dafür jedes cilicische Dorf durchsuchen müsse. Nur dann konnte Sulla auf Heilung hoffen. Bis dahin blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten, zu leiden und durch sein Leiden noch größer zu werden. Aber davon, dachte Sulla, verstehst du nichts, Pompeius Magnus.
Hinter Sulla ritten Metellus Pius das Ferkel und Marcus Crassus. Pompeius bildete mit seinen drei Legionen die Nachhut. Sulla winkte Metellus und Crassus zu sich. Als sie auf gleicher Höhe waren, sagte er: »Ich habe ein Problem.«
»Mit wem?« fragte Metellus ahnungsvoll.
»Aha, du weißt es schon!« sagte Sulla mit ausdruckslosem Gesicht. »Mit unserem lieben Philippus.«
Auch Crassus war sofort im Bild. »Und das Problem ist um so schlimmer, als wir auch Appius Claudius dabei haben. Appius Claudius ist immerhin Philippus’ Onkel, und das hätte Philippus eigentlich davon abhalten sollen, Appius Claudius aus dem Senat auszuschließen.«
»Das hat er wahrscheinlich deshalb nicht getan, weil Philippus einige Jahre älter ist als sein Onkel.« Sulla lachte belustigt.
»Wie willst du das Problem lösen?« fragte Metellus Pius, der verhindern wollte, daß die Unterhaltung in eine Erörterung der komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb des römischen Adels ausartete.
»Ich hätte schon eine Lösung, aber ob sie möglich ist, hängt von dir ab, Crassus.«
»Von mir?« fragte Crassus erstaunt.
Sulla schob den breitkrempigen Strohhut in den Nacken und sah seinen Legaten an. Seine Augen blickten freundlicher als sonst, und Crassus verspürte unwillkürlich ein warmes Gefühl in der Herzgegend. Sulla hatte eine Bitte an ihn!
»Es ist ja gut und schön, wenn wir von ortsansässigen Bauern Getreide und andere Nahrungsmittel für unterwegs kaufen«, sagte Sulla. Wegen seiner fehlenden Zähne sprach er undeutlich. »Doch gegen Ende des Sommers brauchen wir von irgendwoher Getreide für den Winter. Nicht so viel, wie wir aus Sizilien oder Africa bekommen könnten, aber genügend für die Versorgung meines Heeres. Und ich bin überzeugt, daß mein Heer bis dahin noch gewachsen ist.«
»Aber im Herbst bekommen wir doch alles, was wir brauchen«, sagte Metellus Pius vorsichtig. »Denn im Herbst sind wir in Rom.«
»Das bezweifle ich.«
»Warum? Rom fault von innen.«
Sulla seufzte, und seine Lippen bebten. »Wenn ich Rom wieder aufhelfen soll, Metellus, muß ich der Stadt Gelegenheit geben, sich im Frieden für mich zu entscheiden. Aber so weit wird es im Herbst noch nicht sein. Ich darf also nicht drohen, auf der Via Latina nach Rom zu marschieren und die Stadt anzugreifen wie einst Cinna und Marius, als ich im Osten unterwegs war. Als ich zum ersten Mal nach Rom marschierte, hatte ich die Überraschung auf meiner Seite. Keiner dachte, daß ich angreifen würde, deshalb stellte sich mir niemand entgegen außer einigen Sklaven und Söldnern des Gaius Marius. Diesmal ist es anders. Alle erwarten, daß ich nach Rom marschiere. Aber wenn ich das jetzt sofort tue, werde ich nicht siegen. Gewiß, Rom würde fallen! Aber alle Aufrührer würden nur um so verbitterter gegen mich kämpfen, und um ihren Widerstand niederzuschlagen, bräuchte ich länger, als ich noch zu leben habe. Ich habe weder die Zeit noch die Kraft zu einem solchen Unternehmen, deshalb rücke ich langsam vor.«
Metellus Pius nickte nachdenklich; Sullas Argumente leuchteten ihm ein. Der römische Adel zeichnete sich in seinen Augen nicht durch Weisheit aus, römische Adlige dachten nicht weit voraus und planten nur kurzfristig. Selbst der Senatsvorsitzende Scaurus war trotz seiner Erfahrung und des ungeheuren Ansehens, das er genoß, nicht weise gewesen, auch Metellus’ eigener Vater nicht. Mutig war er gewesen, entschlossen und prinzipientreu, aber nicht weise. Metellus war sehr erleichtert zu wissen, daß er mit einem weisen Mann wie Sulla nach Rom ritt. Denn obwohl er sich persönlich für Sulla entschieden hatte, hatte er nach wie vor Verbindungen zu beiden Lagern, und wenn ihm etwas Sorgen machte, dann das Wissen, daß die kommenden Auseinandersetzungen unausweichlich viele seiner Verwandten ruinieren würden. Er war deshalb froh über das langsame Vorrücken auf Rom. Vielleicht erkannten einige seiner Verwandten, die im Augenblick noch Carbo unterstützten, ihren Irrtum, bevor es zu spät war.
Sulla wußte, worüber Metellus nachdachte, und ließ ihm Zeit, seine Überlegungen in Ruhe zu Ende zu bringen. Gedankenverloren starrte er auf die traurig herunterhängenden Ohren seines Maultiers. Er war wieder in Italien, und bald würde sich die Campania vor ihm ausbreiten, jener so überaus fruchtbare Landstrich mit seinen sanften grünen Hügeln und seinem süßen Wasser.
Er wollte nicht an Rom denken, sich nicht vom Gedanken an diese Stadt auffressen lassen. Rom würde ihm gehören, davon war er überzeugt. Doch obwohl er viele Verbrechen begangen und keines davon bereut hatte — Vergewaltigung war ihm stets zuwider gewesen. Viel besser war es, Rom gab sich ihm freiwillig hin.
»Wahrscheinlich wißt ihr, daß ich nach meiner Ankunft in Brundisium an alle Anführer der alten italischen Bundesgenossen geschrieben und ihnen versprochen habe, dafür zu sorgen, daß jeder Italiker gemäß den am Ende des Bundesgenossenkrieges vereinbarten Gesetzen und Verträgen als Bürger Roms eingetragen wird. Ich will sogar dafür sorgen, daß diese Neubürger auf alle fünfunddreißig Tribus verteilt werden. Glaube mir, Ferkel, bevor ich Rom angreife, werde ich alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen.«
»Was haben die Italiker mit Rom zu tun?« fragte Metellus Pius. Er war immer dagegen gewesen, den Italikern das volle römische Bürgerrecht zu verleihen, und pries insgeheim Philippus dafür, daß dieser es als Zensor zusammen mit seinem Amtskollegen Perperna unterlassen hatte, die Italiker in die Bürgerlisten einzutragen.
»Pompeius und ich werden auf unserem Marsch durch Länder, die einst gegen Rom gekämpft haben, nur freundlich empfangen — und vielleicht mit der Hoffnung, daß ich ihr Bürgerrecht in Rom durchsetze. Die Unterstützung der Italiker hilft mir dabei, Rom dazu zu bringen, daß es sich friedlich fügt.«
»Das bezweifle ich«, sagte Metellus Pius steif. »Doch du mußt wissen, was du tust. Aber zurück zu Philippus, der ein Problem ist.«
»Was hat Philippus mit mir zu tun?« mischte Crassus sich ein, um endlich auch wieder etwas zu sagen.
»Ich muß ihn loswerden, aber so unauffällig wie möglich, denn er ist ja geradezu zu einer römischen Institution geworden«, sagte Sulla.
Metellus lächelte. »Er ist das Sinnbild des aalglatten Politikers.«
»Sehr treffend«, stimmte Sulla ihm zu und nickte, ohne zu lächeln. »Also, mein lieber Marcus Crassus, ich stelle dir jetzt eine Frage, auf die ich eine ehrliche Antwort erwarte. Bist du dazu trotz deines schlechten Rufes in der Lage?«
Crassus verzog keine Miene. »Ich werde mich bemühen, Lucius Cornelius.«
»Liegen dir deine spanischen Truppen sehr am Herzen, Crassus?«
»Angesichts der Tatsache, daß du mich ständig dazu zwingst, Proviant für sie zu besorgen, lautet meine Antwort nein.«
»Gut! Könntest du dich von ihnen trennen?«
»Wenn du glaubst, daß wir auf sie verzichten können, ja.«
»Wunderbar! Dann schlage ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Ich gebe deine Spanier Philippus — er wird Sardinien für mich erobern und mir die dortige Ernte schicken.« Sulla griff nach der Feldflasche, die am Horn seines Sattels hing und mit saurem Wein gefüllt war, hob sie hoch und ließ den Wein geschickt in seinen zahnlosen Mund spritzen. Nicht ein Tropfen fiel auf sein Gesicht.
»Philippus wird sich weigern, nach Sardinien zu gehen«, sagte Metellus Pius kurz.
»Nein, er wird begeistert sein«, entgegnete Sulla und verschloß die Flasche wieder. »Dort kann er unbeschränkt herrschen, und die sardinischen Banditen werden ihn wie einen Bruder begrüßen.«
Doch Crassus hatte Bedenken. Er räusperte sich umständlich, sagte jedoch nichts.
»Überlegst du, was du ohne Truppen anfangen sollst?« fragte Sulla.
»Ja, so ungefähr«, antwortete Crassus vorsichtig.
»Du könntest mir einen großen Dienst erweisen.«
»Welchen?«
»Deine Mutter und deine Frau stammen beide aus berühmten Sabiner Familien. Warum gehst du nicht nach Reate und rekrutierst dort für mich Soldaten? Du könntest in Reate anfangen und bei den Marsern aufhören.« Sulla streckte die Hand aus und ergriff Crassus’ Arm. »Glaube mir, Marcus Crassus, im nächsten Frühjahr gibt es viel für dich zu tun, und du bekommst gute Truppen — Italiker oder sogar Römer.«
»Das klingt gut«, sagte Crassus. »Einverstanden.«
»Wenn doch alles so einfach wäre!« rief Sulla und griff wieder nach seiner Flasche.
Crassus und Metellus Pius sahen sich über Sullas gebeugten Kopf hinweg an. Sulla behauptete zwar, er trinke, um seine Qualen zu lindern, doch es war wohl eher so, daß er sich beständig die Kehle anfeuchten mußte. Was ursprünglich nur ein Mittel gewesen war, ihm körperliche Erleichterung zu verschaffen, bedeutete ihm inzwischen offensichtlich viel mehr. Ob er das auch selbst wußte?
Hätten sie den Mut gehabt, Sulla danach zu fragen, hätte er die Frage ohne Umschweife bejaht. Es war ihm egal, daß jedermann wußte, daß er trank und daß sein Wein keineswegs so schwach war, wie er aussah. Da ihm Brot, Honig, Früchte und Kuchen verboten waren, gab es wenig Speisen, die er wirklich mochte. Er zweifelte allerdings keinen Augenblick daran, daß die Ärzte von Aedepsus recht daran getan hatten, ihm all diese schmackhaften Dinge zu verbieten. Als er zu ihnen gekommen war, hatte er geglaubt, sterben zu müssen. Zuerst hatte er ein unersättliches Verlangen nach süßer, stärkehaltiger Nahrung verspürt und so sehr zugenommen, daß sogar sein Maulesel störrisch wurde. Dann hatten seine Füße sich taub angefühlt. Sie begannen zu kribbeln, später auch zu brennen und zu schmerzen, so daß er nicht einschlafen konnte, wenn er sich hinlegte. Die Schmerzen krochen die Knöchel und Waden hoch, deshalb fügte er seiner gewöhnlichen Kost einen schweren und sehr süßen Wein hinzu, der ihn schlafen ließ. Eines Tages jedoch fing er plötzlich an, stark zu schwitzen. Er schnappte nach Luft und verlor während der darauffolgenden Tage so viel Gewicht, daß er schon fürchtete, es werde überhaupt nichts mehr von ihm übrigbleiben. Er trank flaschenweise Wasser, doch er blieb immer durstig. Und was ihn am meisten entsetzte: Seine Augen begannen zu versagen!
Die meisten Symptome hatten aufgrund der Behandlung in Aedepsus nachgelassen oder waren verschwunden. An sein verwüstetes Gesicht wagte er freilich nicht zu denken, er, der in seiner Jugend so schön gewesen war, daß Frauen und Männer seinetwegen den Kopf verloren. Geblieben war sein Bedürfnis nach Wein. Auch die heilkundigen Priester von Aedepsus hatten ihm das nicht austreiben können, ihn aber wenigstens dazu überredet, den süßen, durch Alkoholzusatz noch verstärkten Wein durch einen derart sauren Wein zu ersetzen, daß er ihn nur mit einer Grimasse trinken konnte. Wurde er nicht vom Juckreiz geplagt, hatte er seinen Weinkonsum so weit unter Kontrolle, daß er noch klar denken konnte. Der Wein beflügelte seine Gedanken sogar — jedenfalls redete er sich das ein.
»Ofella und Catilina behalte ich bei mir«, sagte er zu Crassus und Metellus Pius, während er die Flasche wieder verschloß. »Aber Verres macht seinem Namen alle Ehre — er ist unersättlich wie ein Eber. Ich schicke ihn für einige Zeit nach Beneventum zurück. Dort soll er den Nachschub organisieren und uns den Rücken decken.«
Metellus kicherte. »Das gefällt ihm sicher, dem Freundchen.«
Crassus grinste. »Und Cethegus?«
»Cethegus behalte ich vorerst«, sagte Sulla. Er wollte nach dem Wein greifen, zog die Hand aber wieder zurück. »Er soll in der Campania nach dem Rechten sehen.«
Kurz bevor Sullas Heer bei Casilinum über den Volturnus setzte, schickte er sechs Gesandte zu Gaius Norbanus, dem fähigeren der beiden Carbo hörigen Konsuln. Norbanus hatte acht Legionen aufmarschieren lassen, um Capua zu verteidigen. Als Sullas Gesandte mit einer Parlamentärflagge erschienen, ließ er sie einsperren, ohne anzuhören, was sie zu sagen hatten. Dann marschierte er mit seinen Legionen in die Ebene vor Capua am Fuß des Berges Tifata. Sulla war wütend über die schimpfliche Behandlung seiner Gesandten und beschloß, Norbanus eine Lektion zu erteilen, die dieser so schnell nicht vergessen würde. Er ließ seine Truppen die Flanke des Berges hinunterstürmen und den ahnungslosen Norbanus angreifen. Norbanus war besiegt, noch ehe die Schlacht richtig begonnen hatte, und zog sich nach Capua zurück. Dort ordnete er seine in panischem Schrecken geflohenen Männer, schickte zwei Legionen nach Neapolis, um den Hafen für Carbo zu halten, und bereitete sich auf eine Belagerung vor.
In Capua war man den gegenwärtigen Machthabern in Rom freundlich gesonnen. Der Volkstribun Marcus Junius Brutus hatte ein Gesetz vorgelegt, nach dem Capua zu einer römischen Stadt wurde, und das hatte in Capua, das von Rom im Lauf der Jahrhunderte immer wieder wegen verschiedener Aufstände bestraft worden war, große Begeisterung hervorgerufen. Norbanus konnte daher sicher sein, daß er und seine Armee in Capua freundliche Aufnahme finden würden. Außerdem war die Stadt daran gewöhnt, römische Legionen zu beherbergen.
»Wozu brauchen wir Neapolis, wenn wir Puteoli haben«, sagte Sulla zu Pompeius und Metellus Pius, als sie nach Teanum Sidicinum ritten, »und wozu brauchen wir Capua, wenn wir Beneventum haben. Ich muß eine Vorahnung gehabt haben, als ich Gaius Verres dorthin schickte.« Er hielt einen Augenblick inne, dachte nach und nickte, als wolle er seine Gedanken bestätigen. »Cethegus bekommt eine neue Aufgabe. Er soll als Legat den Nachschub befehligen. Das wird seine diplomatischen Fähigkeiten herausfordern!«
»Dieser Feldzug zieht sich ewig hin«, sagte Pompeius verärgert. »Warum marschieren wir nicht nach Rom?«
Sulla sah ihn so freundlich an, wie seine Krankheit es erlaubte. »Habe Geduld, Pompeius! Vom Krieg verstehst du viel, von Politik viel zu wenig. Auch wenn du dieses Jahr sonst nichts lernst, erfährst du wenigstens etwas über politisches Taktieren. Bevor wir nach Rom marschieren, müssen wir der Stadt zeigen, daß sie unter ihren gegenwärtigen Machthabern gar nicht gewinnen kann. Und wenn sie dann Vernunft annimmt, öffnet sie uns freiwillig die Tore.«
»Und wenn nicht?« fragte Pompeius. Er wußte nicht, daß Sulla dieses Thema bereits mit Metellus Pius und Crassus erörtert hatte.
»Kommt Zeit, kommt Rat«, sagte Sulla nur.
Sie waren an Capua vorbeimarschiert, als würde Norbanus nicht existieren, und näherten sich der zweiten Armee der Konsuln, die unter dem Befehl von Scipio Asiagenus und dessen ranghöchstem Legaten Quintus Sertorius stand. Die blühenden kleinen Städte der Campania empfingen Sulla mit offenen Armen, denn sie kannten ihn gut; Sulla hatte fast während des gesamten Bundesgenossenkrieges hier als Feldherr gekämpft.
Scipio Asiagenus lagerte zwischen Teanum Sidicinum und Cales an einem kleinen Nebenfluß des Volturnus, der von sprudelnden Mineralquellen gespeist wurde und dessen warmes Wasser selbst im Sommer köstlich schmeckte.
»Dieser Platz ist für das Winterlager hervorragend geeignet«, meinte Sulla und ließ seine Armee am gegenüberliegenden Ufer des Flüßchens anhalten. Die Reiter wurden unter Cethegus’ Befehl nach Beneventum zurückgeschickt, Sulla selbst gab einer neuen Gruppe Gesandter genaue Anweisungen, wie sie mit Scipio Asiagenus eine Waffenruhe vereinbaren sollten.
»Scipio ist kein ehemaliger Klient des Gaius Marius, er wird also viel zugänglicher sein als Norbanus«, sagte er zu Metellus Pius und Pompeius. Da der Juckreiz in seinem Gesicht noch nicht wiedergekehrt war, hatte er wenig Wein getrunken und war deshalb gutgelaunt und zu klaren Gedanken fähig.
Metellus machte ein bedenkliches Gesicht. »Ich würde dir gern zustimmen, wenn es sich nur um Scipio handelte. Doch an seiner Seite ist Quintus Sertorius, und du weißt, was das heißt, Lucius Cornelius.«
»Das heißt, daß es Ärger geben wird«, sagte Sulla unbekümmert.
»Du solltest überlegen, wie du Sertorius unschädlich machen kannst.«
»Nicht notwendig, Ferkel. Das tut Scipio für mich.« Sulla zeigte mit einem Stock auf eine Stelle, wo der Abstand zwischen seinem Lager und dem Scipios am anderen Ufer infolge einer scharfen Biegung des Flüßchens sehr gering war. »Können deine Veteranen graben, Gnaeus Pompeius?«
Pompeius sah ihn verblüfft an. »Natürlich!«
»Gut.« Gleichgültig fuhr Sulla fort: »Während die anderen Soldaten unser Lager für den Winter befestigen, könnten deine Männer zwischen der Mauer der Lagers und dem Fluß eine Grube ausheben und ein großes Bad anlegen.«
»Eine phantastische Idee.« Pompeius lächelte. »Ich werde meine Männer gleich damit beauftragen.« Er machte eine Pause, nahm Sulla den Stock aus der Hand und zeigte auf das gegenüberliegende Ufer. »Ich werde mit deiner Zustimmung das Ufer abgraben und einfach den Fluß verbreitern, statt ein separates Bad anzulegen. Und unsere Männer werden es uns danken, wenn ich das Bad wenigstens teilweise überdache — dann ist es im Winter nicht so kalt.«
»Gute Idee!« sagte Sulla freundlich. »Das solltest du tun.« Aufmerksam sah er dem geschäftig davoneilenden Pompeius nach.
Metellus Pius runzelte die Stirn. »Worum geht es?« fragte er, unwillig darüber, daß Sulla mit dem jungen Schnösel so vertraulich redete.
»Er hat mich verstanden«, antwortete Sulla geheimnisvoll.
»Aber ich nicht«, sagte Metellus mürrisch. »Ich bitte um Aufklärung.«
»Es geht um Verbrüderung, liebes Ferkel! Glaubst du, Scipios Männer werden der Versuchung widerstehen, die Pompeius’ Bad im Winter und auch schon im Sommer auf sie ausüben wird? Schließlich sind unsere Männer auch römische Soldaten. Und es gibt nichts, was Freundschaft mehr fördern könnte, als sich gemeinsam im Bad zu vergnügen. Sobald das Bad fertig ist, werden nicht nur unsere, sondern auch Scipios Soldaten darin baden. Sie werden sich miteinander unterhalten, über dieselben Witze lachen, über dieselben Dinge klagen — schließlich führen sie dasselbe Leben. Ich wette, wir brauchen gar nicht zu kämpfen.«
»Und das hat Pompeius aus den wenigen Worten herausgehört, die du gesagt hast?«
»Jawohl.«
»Dann überrascht es mich, daß er dir helfen will. Er will doch kämpfen.«
»Stimmt. Aber er kennt meinen Plan, Pius, und er weiß, daß ich vor nächstem Frühjahr nicht kämpfen werde. Und er will mich nicht verärgern. Er braucht mich so sehr, wie ich ihn brauche.« Sulla lachte leise, ohne das Gesicht zu verziehen.
»Ich habe den Eindruck, er könnte noch vor dem Frühjahr zu dem Schluß kommen, daß er dich nicht mehr braucht.«
»Da irrst du dich.«
Drei Tage später vereinbarten Sulla und Scipio Asiagenus auf der Straße zwischen Teanum und Cales einen Waffenstillstand. Zur gleichen Zeit wurde Pompeius mit dem Bad fertig. Dann stellte er in der für ihn typischen methodischen Art Regeln für die Benutzung auf, die gewährleisteten, daß genügend Platz für Besucher vom Lager auf dem anderen Ufer blieb, und gab es dann zur Erfrischung der Soldaten frei. Innerhalb von zwei Tagen herrschte zwischen den Lagern ein reges Kommen und Gehen.
»Eine schöne Bescherung, dieses Bad«, sagte Quintus Sertorius zu seinem Feldherrn. »Jetzt brauchen wir gar nicht mehr so zu tun, als seien wir Feinde.«
Scipio Asiagenus war überrascht. »Was hat das Bad damit zu tun?«
Sertorius richtete das Auge, das ihm geblieben war, zum Himmel. Er war großgewachsen, stiernackig und stark wie ein Ochse. Sein schwerfälliges Aussehen stand jedoch in krassem Gegensatz zu seiner geistigen Beweglichkeit. Sertorius war ein Vetter des Gaius Marius und hatte weit mehr von dessen geistigen und militärischen Fähigkeiten geerbt als etwa Marius’ Sohn. In einem Gefecht kurz vor der Belagerung Roms hatte er sein linkes Auge verloren, doch da er Rechtshänder war, hatte der Verlust seine Schnelligkeit im Kampf nicht beeinträchtigt. Die Narbe hatte seine angenehmen Züge allerdings verunstaltet. Während seine rechte Gesichtshälfte unversehrt war, war die linke wie zu einem höhnischen Grinsen verzerrt.
Scipio schätzte Sertorius nicht besonders und gab sich deshalb jetzt auch keine Mühe, ihn zu verstehen.
»Überlege doch, Asiagenus!« beharrte Sertorius. »Wie gut werden unsere Leute kämpfen, wenn du ihnen erlaubst, mit dem Feind Freundschaft zu schließen?«
»Sie werden kämpfen, weil ich es ihnen befehle.«
»Da bin ich anderer Meinung. Für wen, glaubst du, hat Sulla das Bad gebaut? Doch nicht für seine Männer! Er will unsere Soldaten bestechen! Es ist eine Falle, und du bist im Begriff, darauf hereinzufallen!«
»Wir haben Waffenruhe vereinbart, und unsere Gegner sind Römer wie wir«, sagte Scipio Asiagenus starrköpfig.
»Aber dein Gegner ist ein Feldherr, den du fürchten solltest wie die Drachenbrut. Wenn du ihm nur einen Zoll weichst, ist er morgen in Rom.«
»Du übertreibst«, sagte Scipio eisig.
Sertorius verlor die Beherrschung. »Und du bist ein Narr!« stieß er hervor.
Scipio gähnte, kratzte sich am Kinn und betrachtete seine sorgfältig manikürten Fingernägel. Dann sah er Sertorius an, der wütend vor ihm stand, und lächelte kalt. »Geh jetzt bitte!«
»Das werde ich!« sagte Sertorius barsch. »Und zwar sofort! Vielleicht bringt dich Gaius Norbanus zur Vernunft!«
»Richte ihm meine besten Grüße aus!« rief Scipio ihm hinterher und wandte sich wieder seinen Fingernägeln zu.
Quintus Sertorius ritt im Galopp nach Capua. Norbanus war eher nach seinem Geschmack als Scipio Asiagenus. Norbanus war Marius treu ergeben gewesen, aber kein fanatischer Anhänger Carbos. Nach Cinnas Tod war er nur deshalb auf Carbos Seite geblieben, weil er Sulla noch mehr verabscheute als diesen.
»Du meinst, dieser Idiot hat tatsächlich einen Waffenstillstand mit Sulla geschlossen?« Norbanus’ Stimme überschlug sich, als er den verhaßten Namen aussprach.
»Gewiß. Und er erlaubt seinen Männern, sich mit dem Feind zu verbrüdern.« Sertorius’ Miene war unbewegt.
»Warum bin ich nur mit einem so dummen Kollegen geschlagen?« jammerte Norbanus. Dann zuckte er mit den Schultern. »Na, du siehst, wer Rom regiert, Quintus Sertorius. Ich werde ihm einen bösen Brief schreiben, aber den wird er natürlich ignorieren. Ich schlage vor, du kehrst einfach nicht zu ihm zurück. Es wäre zu schade, wenn Sulla dich gefangennehmen würde. Er würde dich umbringen lassen. Du solltest etwas tun, was Sulla ärgert.«
»Sehr vernünftig. Ich hetze die Städte der Campania gegen Sulla auf. Die haben sich zwar schon für ihn ausgesprochen, doch ich kenne viele, die darüber sehr unglücklich sind.« Sertorius sah angewidert aus. »Es sind die Frauen, Gaius Norbanus, die Frauen! Sie werden schon schwach, wenn sie Sullas Namen hören. Die Frauen haben entschieden, auf welche Seite sich die Städte stellen, nicht die Männer.«
»Sie sollten ihn jetzt sehen«, sagte Norbanus und zog eine Grimasse. »Er sieht angeblich gar nicht mehr wie ein Mensch aus.«
»Schlimmer als ich?«
»Viel schlimmer sogar, heißt es.«
Sertorius runzelte die Stirn. »Ich habe davon gehört, doch Scipio nahm mich nicht mit, als er den Waffenstillstand mit ihm vereinbarte, deshalb habe ich ihn nicht gesehen. Und Scipio machte über sein Aussehen keine Bemerkung.« Er lachte grimmig. »Wie ihm das wehtun muß, dem Schönling! Wie eitel er war! Eitel wie eine Frau!«
Norbanus grinste. »Du scheinst das schwache Geschlecht nicht zu mögen.«
»Für das Bett sind die Frauen gut genug, doch heiraten möchte ich keine. Die einzige Frau, für die ich Zeit opfere, ist meine Mutter. Sie ist, wie eine Frau sein soll. Sie steckt ihre Nase nicht in Dinge, die sie nichts angehen, will nicht im ganzen Haus bestimmen und benutzt ihre Möse nicht als Waffe.« Sertorius ergriff seinen Helm und stülpte ihn sich auf den Kopf. »Ich gehe jetzt, Gaius. Ich wünsche dir viel Glück dabei, Scipio davon zu überzeugen, daß er einen Fehler macht!«
Nach einiger Überlegung entschied sich Sertorius, von Capua zur Küste zu reiten. Dort wollte er in dem kleinen Hafen Sinuessa Aurunca eine Erklärung gegen Sulla abgeben. In der Campania waren alle Straßen offen. Abgesehen von der Belagerung Neapolis’ hatte Sulla keine Blockaden versucht. Zwar würde er sicher bald Truppen nach Capua schicken, um Norbanus einzuschließen, doch noch war davon nichts zu sehen. Trotzdem hielt Sertorius es für angebracht, die Hauptstraßen zu meiden. Er fand Gefallen an seinem Flüchtlingsdasein, denn es gab seinem Leben eine neue Dimension und erinnerte ihn ein wenig an die Zeit, in der er als keltiberischer Krieger verkleidet bei den Germanen spioniert hatte. War das ein Leben gewesen! Da gab es keine schwächlichen römischen Aristokraten, denen man schmeicheln und schöntun mußte! Handeln war angesagt, und die Frauen kannten ihre Grenzen. Er hatte sogar eine Germanin zur Frau gehabt und mit ihr einen Sohn gezeugt. Nie hatte er das Gefühl gehabt, daß sie oder der Junge ihm zur Last fielen. Sie lebten in Hispania Citerior, in der Bergfeste Osca, und der Junge mußte jetzt schon fast ein Mann sein. Wie die Zeit verging! Aber Quintus Sertorius vermißte seine Frau nicht, und es verlangte ihn auch nicht danach, sein einziges Kind zu sehen. Was er vermißte, war jenes Leben in ungebundener Freiheit, in dem ein Mann sich als Krieger bewährte. Ja, damals...
Wie gewöhnlich reiste er ohne Begleitung. Nicht einmal einen Sklaven hatte er bei sich, denn er glaubte wie sein Vetter Gaius Marius, daß ein Soldat allein zurechtkommen mußte. Seine Ausrüstung war noch in Scipio Asiagenus’ Lager, aber er würde nicht zurückreiten und sie holen. Oder doch? Einige Gegenstände würde er vermissen: sein Schwert, ein Kettenhemd von unvergleichlicher Leichtigkeit und Beschaffenheit, wie es in ganz Italien nicht zu finden war — er hatte es aus Gallia Transalpina mitgebracht — , und seine Winterstiefel aus Liguria. Er beschloß, doch zurückzureiten. Scipio würde sich noch einige Tage halten.
Also wandte er sein Pferd und ritt zurück in Richtung Nordosten mit der Absicht, Sullas Lager in weitem Bogen am gegenüberliegenden Ufer zu umgehen. Da bemerkte er, daß in einiger Entfernung eine kleine Gesellschaft auf ihn zukam, vier Männer und drei Frauen. Frauen! Fast hätte er die Richtung nochmals geändert, doch dann beschloß er, schnell an ihnen vorbeizureiten.
Als sie näher kamen, runzelte er die Stirn. Der Mann an der Spitze kam ihm irgendwie bekannt vor: groß wie ein Riese, strohblond und kraftstrotzend wie viele Germanen, die er kannte —
Burgundus! Ja, bei den Göttern, es war Burgundus! Und hinter ihm ritt Lucius Decumius mit seinen beiden Söhnen!
Auch Burgundus hatte ihn erkannt. Die beiden Männer trieben ihre Pferde an und ritten aufeinander zu, während der schmächtige Lucius Decumius wie wild auf sein Reittier einhieb, um mit ihnen Schritt zu halten.
Die Männer schüttelten sich die Hände und umarmten sich. »Was um alles in der Welt tust du hier, Burgundus?« fragte Sertorius.
»Wir haben uns verirrt«, sagte Lucius Decumius und starrte Burgundus böse an. »Dieser germanische Müllhaufen schwor, den Weg zu kennen. Und kennt er ihn? Nein!«
Burgundus war solche nicht weiter böse gemeinten Beschimpfungen seit Jahren gewohnt, und sie machten ihm nichts aus. Jetzt sah er den Römer nur geduldig an.
»Wir wollen zu Quintus Pedius«, sagte er in seinem langsamen Latein und lächelte Sertorius mit einer Zuneigung an, die er nur für wenige Menschen empfand. »Aurelia holt ihre Tochter nach Rom.«
Und da war Aurelia. Aufrecht saß sie auf einem stämmigen Maultier, tadellos frisiert und mit makellos sauberem braunen Reisekleid. Bei ihr waren ihre gallische Magd Cardixa und noch eine Dienerin, die Sertorius nicht kannte.
»Quintus Sertorius«, begrüßte sie ihn, sofort die Herrin der Situation.
War das eine Frau! Als Sertorius zu Norbanus gesagt hatte, er schätze eigentlich nur eine Frau wirklich, seine Mutter, hatte er nicht an Aurelia gedacht. Sie war in seinen Augen die einzige Frau der Welt, der es gelang, Schönheit und Vernunft zu verbinden. Außerdem war sie ehrenwert wie ein Mann, erzählte keine Lügen, stöhnte und klagte nicht, arbeitete hart und kümmerte sich um ihre eigenen Angelegenheiten. Sertorius und Aurelia waren fast genau gleich alt — vierzig — und kannten einander, seit Aurelia vor über zwanzig Jahren Gaius Julius Caesar geheiratet hatte.
Die beiden entfernten sich ein paar Schritte vom Rest der Gesellschaft.
»Hast du meine Mutter in letzter Zeit gesehen?« fragte Sertorius.
»Nicht seit den ludi Romani des letzten Jahres, wo auch du sie gesehen hast. Doch sie wird auch in diesem Jahr während der Spiele bei uns wohnen. Das ist schon eine feste Gewohnheit geworden.«
»Sie wohnt nie bei mir.«
»Sie ist einsam, Quintus Sertorius, und dein Haus ist leer. Bei uns herrscht geschäftiges Treiben, und das mag sie — zumindest einmal im Jahr, wenn die Spiele stattfinden.«
»Habt ihr euch wirklich verirrt, wie Decumius sagt?«
Aurelia nickte seufzend. »Ich fürchte ja. Wenn mein Sohn davon erfährt, wird er mir ewig Vorhaltungen machen. Aber als Jupiterpriester darf er Rom nicht verlassen, deshalb habe ich mich Burgundus anvertraut.« Sie sah zerknirscht aus. »Cardixa sagt, er finde nicht einmal vom Forum in die Subura, und ich habe geglaubt, sie übertreibe. Jetzt weiß ich, daß sie kein bißchen übertrieben hat.«
»Und Lucius Decumius und seine Söhne wissen den Weg auch nicht?«
»Außerhalb der Stadtmauern sind sie verloren. Aber ich könnte mir keine aufmerksameren Beschützer wünschen. Und jetzt haben wir ja dich getroffen. Du kannst uns sicher sagen, wie wir auf dem schnellsten Weg zu Quintus Pedius gelangen.«
»So schnell geht es nicht, aber den Weg kann ich euch zeigen.« Der Einäugige betrachtete sie nachdenklich. »Du holst deine Tochter nach Hause, Aurelia?«
Sie errötete. »Es ist nicht ganz so. Quintus Pedius hat mich in einem Brief gebeten zu kommen. Anscheinend lagern sowohl Scipio als auch Sulla in unmittelbarer Nähe seiner Ländereien, und er meint, Lia sei woanders sicherer. Aber sie weigert sich zu gehen!«
»Sie ist so eigensinnig wie ihr Vater«, sagte Sertorius lächelnd. »Recht hast du! Eigentlich hätte ich ihren Bruder schicken sollen. Wenn er etwas befiehlt, gehorchen seine beiden Schwestern sofort. Doch Quintus Pedius scheint der Ansicht zu sein, ich könnte das auch.«
»Bestimmt. Denn daß dein Sohn sich durchsetzen kann, hat er von dir, Aurelia.« Sertorius wechselte das Thema. »Bitte verstehe, daß ich in Eile bin. Ich kann dich zwar ein Stück begleiten, aber leider nicht bis zu Quintus Pedius. Dazu mußt du dich an Sulla wenden. Er lagert zwischen dem Gebiet, wo wir uns gerade befinden, und Quintus Pedius’ Ländereien.«
»Und du bist auf dem Weg zu Scipio«, sagte sie und nickte.
»Eigentlich wollte ich nicht zu ihm. Aber dann fiel mir ein, daß meine Ausrüstung, von der ich mich nicht trennen möchte, noch in Scipios Lager ist.«
Aurelia musterte ihn mit ihren veilchenblauen Augen. »Aha! Scipio hat in deinen Augen nicht bestanden.«
»Dachtest du, daß er es könnte?«
»Nein, nie.«
Eine kleine Pause entstand. Sie ritten jetzt den Weg zurück, den sie gekommen waren; Aurelias Begleiter hatten sich ihnen wortlos angeschlossen.
»Was wirst du tun, Quintus Sertorius?«
»Sulla so viele Schwierigkeiten bereiten, wie ich nur kann. Ich will nach Sinuessa. Aber zuerst hole ich meine Ausrüstung aus Scipios Lager.« Er räusperte sich. »Ich kann dich bis zu Sulla begleiten. Er wird nicht versuchen, mich festzuhalten, wenn ich mit dir komme.«
»Nein, begleite uns nur bis zu einer Stelle, von der wir sein Lager finden, ohne uns zu verlaufen.« Aurelia seufzte in froher Erwartung. »Wie schön es ist, Lucius Cornelius wiederzusehen! Zuletzt war er vor vier Jahren in Rom. Er hat mich immer gleich nach seiner Ankunft und kurz vor seiner Abreise besucht. Es war eine Art Tradition, die ich jetzt nur wegen meiner eigensinnigen Tochter brechen muß! Aber was macht das schon! Wichtig ist allein, daß ich Lucius Cornelius wiedersehe. Ich habe seine Besuche schrecklich vermißt.«
Sertorius öffnete schon den Mund, um sie zu warnen, doch dann sagte er nichts. Er kannte Sullas Zustand nur vom Hörensagen und wußte, was Aurelia von Mitteilungen aus zweiter Hand hielt.
Als die Wälle aus Erde und Holz, die Sullas Lager umgaben, in der Ferne auftauchten, verabschiedete sich Quintus Sertorius von der Frau seines Vetters. Dann trieb er sein Pferd an und verschwand.
Eine neu angelegte Straße, in welche die vielen mit Proviant beladenen Pferdekarren bereits tiefe Spuren gegraben hatten, führte über die Felder zu den Wällen. Jetzt konnten sie sich nicht mehr verirren.
»Wir müssen daran vorbeigeritten sein«, grollte Lucius Decumius. »Dein dicker Arsch hat das Lager verdeckt, Burgundus!«
»Jetzt aber Schluß mit dem Gezänk«, sagte Aurelia ruhig.
Eine Stunde später hielt die kleine Schar vor dem Tor, und Lucius Decumius bat um Einlaß. Dann tat sich vor ihnen eine Welt auf, die für Aurelia, die noch nie in ihrem ganzen Leben ein Heerlager besucht hatte, völlig fremd war. Sie erntete viele anerkennende Blicke, als sie und ihre Begleiter die breite Hauptstraße entlangritten, die schnurgerade auf ein weiteres Tor zuführte, das in der Ferne nur als kleine Öffnung zu erkennen war. Erstaunt stellte Aurelia fest, daß die beiden Tore ungefähr drei Meilen voneinander entfernt waren.
Auf halber Strecke erhob sich ein Hügel in dem ansonsten flachen Lager: Er war offensichtlich künstlich angelegt worden, und auf ihm stand ein großes steinernes Haus. Eine rote Fahne flatterte im Wind, um die Anwesenheit des Feldherrn anzuzeigen, und der wachhabende Offizier, der vor dem Haus unter einem Sonnensegel an einem Tisch saß, stand verlegen auf, als er sah, daß es sich bei dem Besucher um eine Frau handelte.
Lucius Decumius, seine Söhne, Burgundus, Cardixa und die andere Dienerin blieben bei den Pferden, während Aurelia ruhig auf den Offizier zuging. Da sie sich in einen schweren braunen Wollmantel gehüllt hatte, sah der junge Offizier Marcus Valerius Messala Rufus nur ihr Gesicht, doch genügte das schon, sein Herz klopfen zu lassen. Obwohl Aurelia seine Mutter hätte sein können, war sie die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Auch die schöne Helena war schließlich nicht mehr ganz jung gewesen. Nein, Aurelia hatte mit den Jahren bestimmt nichts an Ausstrahlung eingebüßt! Auf der Straße drehten sich immer noch alle nach ihr um.
»Ich möchte zu Lucius Cornelius Sulla«, sagte sie. Messala Rufus fragte weder nach ihrem Namen, noch dachte er daran, Sulla von ihrer Ankunft zu unterrichten. Er verbeugte sich nur und zeigte mit der Hand auf die offene Tür. Aurelia bedankte sich lächelnd und trat ein.
Obgleich die Fensterläden weit geöffnet waren, um Luft hereinzulassen, war es drinnen dunkel — vor allem im hinteren Teil des Zimmers, wo ein Mann mit dem Rücken zum Eingang über einen Schreibtisch gebeugt saß und im Schein einer großen Lampe eifrig schrieb.
»Lucius Cornelius?« fragte sie mit ihrer unverwechselbaren Stimme.
Beim Klang ihrer Stimme ging eine Veränderung mit dem Mann vor. Er zog die Schultern hoch, als gelte es, einen schrecklichen Schlag abzuwehren. Papier und Feder rutschten über den Tisch, so heftig stieß er beides von sich. Dann saß er regungslos da. Sie trat ein paar Schritte vor. »Lucius Cornelius?« wiederholte sie.
Noch immer erhielt sie keine Antwort. Ihre Augen begannen, sich an das Dunkel zu gewöhnen. Sie sah einen Kopf, der mit lächerlichen rötlichbraunen Locken bedeckt war. Das war nicht Lucius Cornelius Sulla!
Dann drehte er sich mit einem Ruck um, und sie erkannte ihn an seinen Augen. Es waren unverkennbar seine Augen!
Ihr Götter, wie konnte ich ihm das nur antun? Aber ich wußte ja nicht, wie er aussieht. Wenn ich es gewußt hätte, wäre ich nicht gekommen! Verrät mein Gesicht, was ich denke? Weiß er es?
»Ich freue mich, dich zu sehen, Lucius Cornelius«, sagte sie ruhig. Sie ging vollends auf ihn zu und küßte ihn auf die beiden vernarbten Wangen. Dann setzte sie sich auf einen Klappstuhl, der in der Nähe stand, legte die Hände in den Schoß, lächelte unbefangen und wartete.
»Ich hatte nicht vor, dich je wiederzusehen, Aurelia.« Er starrte sie unverwandt an. »Konntest du nicht warten, bis ich nach Rom komme? So haben wir es doch sonst immer gemacht.«
»Aber diesmal ist es nicht wie sonst — du kommst mit einer Armee. Oder vielleicht habe ich geahnt, daß du mich zum erstenmal nicht besuchen würdest. Doch nein, lieber Lucius Cornelius, du wirst nie erraten, warum ich hier bin: Ich habe mich verirrt!«
»Verirrt?«
»Ja. Ich bin auf der Suche nach Quintus Pedius. Meine Tochter will nicht nach Rom kommen, aber Quintus Pedius — ihr zweiter Mann, was du wohl nicht weißt — will nicht, daß sie sich in der Nähe zweier befestigter Lager aufhält.« Sie hatte das unbekümmert und überzeugend gesagt, dachte sie. Das müßte ihn eigentlich beruhigen.
»Habe ich dich erschreckt?« fragte er.
Sie versuchte nicht zu heucheln. »In gewisser Weise schon. Vor allem deine Haare — ich nehme an, sie sind dir ausgefallen.«
»Meine Zähne auch.« Er entblößte das Zahnfleisch wie ein Affe.
»Dem Alter entgeht keiner.«
»Du würdest bestimmt nicht wollen, daß ich dich noch einmal so küsse wie vor einigen Jahren.«
Aurelia neigte den Kopf und lächelte. »Ich wollte schon damals nicht, daß du mich küßt, auch wenn es mir gefallen hat. Es war zuviel für meinen Seelenfrieden. Wie du mich gehaßt hast!«
»Was hast du erwartet? Du hast mich zurückgestoßen! Ich hasse es, verschmäht zu werden.«
»Ich erinnere mich noch gut daran.«
»Ich erinnere mich noch an die Trauben.«
»Ich auch.«
Er atmete tief ein und schloß die Augen. »Wenn ich nur weinen könnte.«
»Ich bin froh, daß du es nicht kannst, lieber Freund«, sagte sie zärtlich.
»Damals hast du um mich geweint.«
»Ja, aber jetzt nicht mehr. Das wäre, als würde ich einer lange entschwundenen Erscheinung nachtrauern. Du bist hier, und darüber freue ich mich.«
Schließlich stand er auf, ein müder alter Mann. »Einen Becher Wein?«
»Ja, gern.«
Aurelia fiel auf, daß er aus zwei verschiedenen Flaschen eingoß. »Du würdest den Wein nicht mögen, den ich zur Zeit trinken muß. So trocken und so sauer wie ich selbst.«
»Ich bin auch trocken und sauer geworden, aber ich bestehe nicht darauf, deinen Wein zu probieren, wenn du mir nicht dazu rätst.« Sie ergriff den Becher, den er ihr reichte, und nahm dankbar einen Schluck. »Danke, das tut gut. Es war ein langer Tag für uns.«
»Was fällt deinem Mann ein, dich seine Arbeit tun zu lassen? Ist er wieder unterwegs?« fragte Sulla etwas entspannter.
Der strahlende Blick ihrer Augen verdunkelte sich. »Ich bin seit zwei Jahren Witwe, Lucius Cornelius.«
»Gaius Julius ist tot? Er war so gesund, wie ein Mensch nur sein kann! Ist er auf dem Schlachtfeld gestorben?«
»Nein, einfach so — ganz plötzlich.«
»Und hier bin ich, tausend Jahre älter als Gaius Julius, und lebe immer noch.« Seine Worte klangen bitter.
»Du bist ein großer Mann, er war nur Mittelmaß. Er war ein guter Ehemann, und ich war gern mit ihm verheiratet. Aber ich glaube, er war kein Mensch, der unbedingt weiterleben mußte.«
»Vielleicht starb er deshalb. Wenn ich Rom erobere, hätte er es schwer gehabt. Ich nehme an, er hätte sich für Carbo entschieden.«
»Wegen Gaius Marius folgte er Cinna. Aber Carbo? Das weiß ich nicht.« Sie wechselte das Thema, allmählich an seinen Anblick gewöhnt. Er, der einst schön gewesen war wie Apollo! »Wie geht es deiner Frau, Lucius Cornelius?«
»Gut, soviel ich weiß. Sie ist noch in Athen und hat mir letztes Jahr Zwillinge geschenkt, einen Jungen und ein Mädchen.« Er lachte in sich hinein. »Sie hat Angst, die Kinder könnten später ihrem Onkel Schweinebacke ähnlich sehen.«
»Ach, die Ärmsten! Aber es ist schön, Kinder zu haben. Hast du je daran gedacht, wie es deinen anderen Zwillingen ergehen mag, den Söhnen deiner germanischen Frau? Sie müßten inzwischen zu jungen Männern herangewachsen sein.«
»Junge Cherusker, die Römer bei lebendigem Leib in Käfigen rösten!«
Er klang jetzt ruhiger, weniger gequält. Natürlich hatte sie damit rechnen müssen, daß er sich verändert hatte — aber nie hätte sie erwartet, daß er seine einzigartige Ausstrahlung verlieren würde. Und doch war er Sulla geblieben. Seine Frau, dachte Aurelia, liebte ihn bestimmt noch genauso wie früher.
Sie unterhielten sich noch einige Zeit über dies und das und ließen die vergangenen Jahre noch einmal passieren. Aurelia merkte, daß er gerne von seinem Schützling Lucullus sprach, und er merkte, daß sie gern über ihren einzigen Sohn sprach, der jetzt Caesar genannt wurde.
»Soweit ich mich erinnere, war der junge Caesar eine Art Gelehrter. Dann müßte Jupiterpriester eigentlich das Richtige für ihn sein«, sagte Sulla.
Aurelia zögerte. Sie schien etwas sagen zu wollen, verwarf den Gedanken jedoch und sagte statt dessen etwas anderes. »Er gibt sich viel Mühe, ein guter Priester zu sein, Lucius Cornelius.«
Sulla runzelte die Stirn und sah durch das Fenster. »Die Sonne steht bereits im Westen, deshalb ist es hier so dunkel. Es wird Zeit, daß du dich auf den Weg machst. Ich gebe dir ein paar Offiziersanwärter als Führer mit; von hier ist es nicht mehr weit zu Quintus Pedius. Und deiner Tochter kannst du sagen, daß sie eine Närrin ist, wenn sie bleibt. Meine Männer sind zwar keine wilden Tiere, aber wenn deine Tochter eine richtige Julia ist, wird sie eine wahre Versuchung für sie sein, und ich kann meinen Soldaten nicht verbieten, Wein zu trinken, wenn sie in der Campania sind. Bringe deine Tochter sofort nach Rom. Für übermorgen stelle ich eine Eskorte bereit, die euch bis Ferentinum geleiten wird. So kommt ihr sicher an den beiden Heeren vorbei, die hier lagern.«
Aurelia erhob sich. »Ich habe zwar Burgundus, Lucius Decumius und dessen Söhne, doch ich weiß eine Eskorte zu schätzen, wenn du dafür einige Männer abstellen kannst. Wird es zwischen dir und Scipio zur Schlacht kommen?«
Wie traurig es war, daß sie Sullas strahlendes Lächeln nie mehr sehen würde! Das einzige, was er hervorbrachte, war ein Grunzen; sein durch Narben und Schorf entstelltes Gesicht blieb unbewegt. »Eine Schlacht mit diesem Idioten? Nein, wohl kaum.« Er begleitete sie bis zur Tür, dann berührte er kurz ihren Arm. »Geh jetzt, Aurelia. Und erwarte nicht, daß ich dich in Rom besuche.«
Sie kehrte zu ihren wartenden Begleitern zurück, während Sulla Messala Rufus Anweisungen erteilte. Wenig später ritten sie die Via Praetoria entlang zu einem der vier Tore, die aus Sullas riesigem Lager hinausführten.
Da Aurelia ein abweisendes Gesicht machte, schwiegen auch die anderen, und so hatte sie die Ruhe, die sie so dringend brauchte, um ihre Gedanken zu Ende zu bringen.
Sie hatte ihn stets gemocht, dachte sie, obwohl er zuletzt zum Feind ihrer Familie geworden war. Und obwohl er kein guter Mensch war. Ihr Mann war ein durch und durch guter Mensch gewesen; sie hatte ihn geliebt und war ihm in jeglicher Hinsicht treu gewesen. Dennoch — und das wurde ihr erst jetzt bewußt — gehörte ein kleiner Teil von ihr Lucius Cornelius Sulla. Das, was ihr Gatte nicht gewollt hatte, womit er nichts anzufangen gewußt hätte. Sie hatten sich nur ein einziges Mal geküßt, Lucius Cornelius und sie. Es war berauschend und zugleich gefährlich gewesen.
Ein Morast der Gefühle und Leidenschaften. Sie hatte nicht nachgegeben. Aber die Götter wußten, wie sie ihn begehrt hatte! Damals hatte sie einen Sieg errungen — oder hatte sie einen Krieg verloren?
Immer, wenn er ihre kleine, behagliche Welt betreten hatte, war es wie ein Wirbelsturm gewesen. Wenn er Apollo war, dann auch Äolus. Er hatte ihren Geist in Schwingung versetzt, und in ihr war eine Melodie erklungen, die ihr Mann nie, nie vernommen hatte... Aber was sie jetzt erlebt hatte, war schlimmer als Abschied und Tod! Sie stand vor dem Ende eines unerfüllten Traums, der ihnen beiden gehört hatte, und er wußte es, der arme Lucius Cornelius. Doch wie mutig er war! Ein Geringerer hätte sich in sein Schwert gestürzt. Welche Schmerzen er ertragen mußte! Aber warum hatte sie diese Gefühle? Sie war eine vielbeschäftigte, praktisch und nüchtern denkende Frau und führte ein geordnetes, erfülltes Leben. Doch jetzt verstand sie, welcher Teil ihrer Seele ihm seit je gehörte: der, welcher sich einem Vogel gleich in die Lüfte schwang und unablässig sang, während die Erde darunter zu einem unwichtigen Nichts schrumpfte. Und doch bereute sie nicht, auf dem Boden geblieben zu sein, sich nie emporgeschwungen zu haben. So war sie eben. Zusammen hätten sie keinen Augenblick Ruhe gehabt. Aber wie sie für ihn blutete, wie sie um ihn weinte!
Und weil Aurelia allen vorausritt, außer den Offizieren, die sie führten, sahen die andern ihre Tränen nicht, so wie sie auch den zerstörten Lucius Cornelius Sulla nicht gesehen hatten.
Der Brief, in dem Gaius Norbanus Scipio Asiagenus eindringlich warnte, konnte dessen selbstverschuldeten Sturz nicht aufhalten. Scipio Asiagenus war völlig überrascht, als er beim Befehl zum Angriff erfahren mußte, daß seine Soldaten nicht mehr für ihn kämpfen wollten. Statt dessen gingen seine acht Legionen geschlossen zu Sulla über.
Selbst als Sulla Scipio Asiagenus die Amtsinsignien des Konsuls wegnahm und ihn in Begleitung einiger Reiter fortjagte, war Scipio Asiagenus immer noch nicht imstande, die ausweglose Lage zu erkennen, in die Rom geraten war. In eitler Verblendung begab er sich nach Etruria und begann dort unter den zahlreichen Klienten des Gaius Marius eine neue Armee auszuheben.
»Er kapiert nicht einmal, daß er eine feierlich vereinbarte Waffenruhe gebrochen hat«, sagte Sulla verblüfft. »Ich weiß, mit den Scipionen geht es bergab, aber Scipio Asiagenus verdient nicht einmal diesen Namen. Wenn ich Rom erobere, lasse ich ihn hinrichten.«
»Das hättest du tun sollen, als du ihn in der Hand hattest«, bemerkte Metellus gereizt. »Er wird dir noch viel Ärger bereiten.«
»Nein, er ist wie ein Breiumschlag, den ich auf die Eiterbeule Etrurias lege: Ziehe das Gift heraus, solange du nur mit einem Gegner zu tun hast. Lasse aus einer Eiterbeule keinen Karbunkel werden!«
Das war unbestritten sehr weise, und Metellus Pius grinste. »Welch treffendes Bild!«
Der Sommer war noch lange nicht vorbei, aber dennoch hatte Sulla beschlossen, dieses Jahr nicht mehr weiterzuziehen. Nach Scipios Abgang wurden die beiden Lager näher zusammengelegt, und Sullas erfahrene Zenturionen nahmen sich die jungen und unerfahrenen Truppen vor, die bisher Carbo und Rom unterstanden hatten. Dabei war es eher die Angst vor Sullas Veteranen als die Freude über die Verbrüderung, die Scipios Legionären Beine machte. Bereits nach wenigen Tagen in Gesellschaft der Veteranen hatten sie einen Typus Soldat kennengelernt, der ihnen bisher unbekannt war — abgebrüht, kaltblütig, professionell. Ganz bestimmt kein Gegenüber, dem ein unerfahrener Rekrut auf dem Schlachtfeld begegnen wollte. Da war es ihnen bei weitem vorteilhafter erschienen zu desertieren.
Daß Sinuessa Aurunca unter dem Einfluß von Quintus Sertorius abfiel, war kaum mehr als ein Nadelstich. Sulla ließ die Stadt zwar belagern, aber nur, um Scipios Legionen Übung zu verschaffen und nicht, weil er die Stadt auszuhungern oder gegen ihre starken Festungswälle anzurennen gedachte. Er wollte sich in diesem Jahr auf keine Unternehmung mehr einlassen, die einen hohen Blutzoll forderte, und was konnte ihm Besseres passieren, als daß der so fähige Quintus Sertorius in Sinuessa festsaß? Dort eingeschlossen, nützte er Carbo nichts mehr, der ihn bestimmt sehr viel besser hätte einsetzen können.
Aus Sardinien kam die Nachricht, daß Philippus mit seinen spanischen Kohorten die Insel ohne Schwierigkeiten erobert und die gesamte Getreideernte nach Puteoli verschifft hatte. Die Schiffe begegneten unterwegs weder Kriegsgaleeren noch Piraten und trafen gerade zur rechten Zeit mit ihrer für Sulla bestimmten Fracht ein.
Der Winter begann in diesem Jahr früh und brachte eine ungewöhnliche Kälte. Um seine auf mehr als das Doppelte angeschwollene Armee zu verteilen, kommandierte Sulla jeweils einige Kohorten zur Belagerung von Capua, Sinuessa und Neapolis ab. Dadurch entlastete er die Gegend um Teanum von der Bürde, die gesamte Armee allein zu versorgen. Verres und Cethegus erwiesen sich als brauchbare Proviantmeister und entwickelten sogar eine Methode, mit der sie den im Adriatischen Meer gefangenen Fisch in Behältern mit festgepreßtem Schnee über lange Zeit hinweg frisch halten konnten. Die Soldaten begrüßten die Abwechslung auf dem Speiseplan, und die Feldärzte mußten mehr als einmal eine Gräte aus dem Hals eines röchelnden Legionärs ziehen.
Doch das kümmerte Sulla inzwischen schon nicht mehr. Er hatte an dem Wundschorf auf seinem verheilten Gesicht gekratzt, und das Jucken war wieder aufgetreten. Alle in seiner Umgebung hatten ihn angefleht, zu warten, bis der Schorf von alleine abfiel, aber sein rastloses Wesen hatte sich nicht in Geduld üben können. Wenn der Schorf lose hing, kratzte er so lange daran, bis er abfiel.
Die Krankheit brach erneut heftig aus und währte drei volle Monate lang. Varro, der sich um den Kranken kümmerte, vermutetete die Ursache dafür in dem kalten Wetter. Drei Monate lang trank Sulla ohne Maß, tobte, phantasierte, stöhnte und kratzte, brüllte und soff. Schließlich mußte Varro Sullas Hände fesseln, um ihn daran zu hindern, sich das Gesicht aufzukratzen. Ähnlich wie Odysseus, der sich an den Mast hatte binden lassen, um dem Gesang der Sirenen lauschen zu können, war Sulla zwar willens, sich dieser Behandlung zu unterziehen, flehte aber zugleich inständig darum, losgebunden zu werden. Schließlich riß er sich los, und alles fing wieder von vorne an.
Gegen Ende des Jahres wußte Varro nicht mehr weiter. Er ging zu Metellus Pius und Pompeius und vertraute ihnen seine Zweifel an, ob sich Sulla bis zum Frühjahr erholen würde.
»Ich habe einen Brief für ihn aus Tarsus erhalten«, erklärte Metellus Pius, der sich inzwischen damit abgefunden hatte, den Rest des Winters in Pompeius’ Gesellschaft verbringen zu müssen. Crassus hielt sich bei den Marsern auf, und Appius Claudius und Mamercus waren in anderen Gegenden mit Belagerungen beschäftigt.
»Aus Tarsus?« Varro blickte ihn aufgeregt an.
»Ja, vom Ethnarchen Morsimus.«
»Liegt dem Brief ein Behältnis bei?«
»Nein. Ist Sulla in der Lage, den Brief zu lesen?«
»Auf keinen Fall.«
»Dann lies du ihn, Varro«, schlug Pompeius vor.
»Pompeius!« Metellus Pius war empört.
»Stell dich nicht so an, Ferkel«, erwiderte Pompeius ungeduldig. »Wir wissen, daß Sulla auf eine magische Salbe oder etwas Ähnliches hofft und daß er Morsimus beauftragt hat, danach zu suchen. Jetzt haben wir eine Nachricht von Morsimus, und er kann sie nicht lesen. Denkst du nicht auch, daß Varro, und sei es nur um Sullas Wohlergehen willen, lesen sollte, was Morsimus zu berichten hat?«
So wurde Varro die Lektüre gestattet.
Teuerster Lucius Cornelius, Freund und Gebieter, hier ist das Rezept. Mehr kann ich im Moment nicht für Dich tun. Allem Anschein nach muß die Salbe frisch zubereitet werden und würde bei einer Reise vom Fluß Pyramus in Cilicia Pedia bis ins ferne Rom ihre Wirksamkeit verlieren. Du mußt Dir die Zutaten also selbst besorgen und die Salbe selbst anrühren. Glücklicherweise ist keine der Ingredienzen besonders ausgefallen, wenn auch einige sich offenbar nur schwer beschaffen lassen.
Das Mittel kommt vom Schaf, oder besser gesagt, von vielen Schafen. Nimm zuerst ein Schaffell von reinster Wolle und laß die Fasern mit einem Instrument schaben, das scharf genug ist, sie zu brechen, aber wiederum auch nicht so scharf, sie zu durchtrennen. An der Kante des Striegels wird sich nach und nach eine .Substanz ansammeln, die ölig ist, von ihrer Konsistenz her aber geronnener Milch ähnelt. Diesen Vorgang mußt Du wiederholen, bis Du eine gewisse Menge von dieser Substanz gewonnen hast. Sodann mußt Du diese in warmem Wasser auflösen. Das Wasser darf auf keinen Fall zu heiß oder zu kalt sein, es ist gerade richtig, wenn Du Deine Fingerspitze eintauchst und es sich heiß, aber noch nicht unerträglich anfühlt. Die Substanz wird zum Teil schmelzen und sich in einer Schicht auf dem Wasser sammeln. Diese Schicht brauchst Du, dem Maß nach einen vollen Becher.
Als nächstes nimm das Fell eines frisch geschlachteten Schafes, von dem die Haut noch nicht entfernt ist. Achte aber darauf, daß noch etwas Fett an der Haut hängt. Koche das Ganze auf und lasse das Fett, das Du daraus gewonnen hast, zweimal aus. Bewahre davon ebenfalls einen vollen Becher auf.
Sodann muß dem Schaffett, das normalerweise selbst in einem warmen Raum sehr hart ist, ein ganz bestimmtes Fett aus den Innereien des Tieres zugesetzt werden. Die Frau, von der ich das Rezept erhalten habe, das stinkendste und abstoßendste aller alten Weiber, die mir jemals untergekommen sind, hat gesagt, daß dieses innere Fett aus dem härteren Fett ausgelöst werden muß, das sich über den Nieren der Tiere findet. Dann muß es zerstampft und, in derselben Art wie die von den Schaffellen gewonnene Substanz, in warmem Wasser aufgelöst werden. Von der Schicht, die sich aufder Oberfläche des Wassers ansammelt, brauchst Du zwei Drittel eines Bechers. Gebe dazu ein Drittel Becher frischer Galle, die unmittelbar nach der Schlachtung der Gallenblase des Schafes entnommen werden muß.
Vermische nun alle Zutaten langsam, aber gründlich miteinander. Die Salbe wird ziemlich hart sein, aber nicht so hart wie das Schaffett. Trage sie mindestens viermal täglich auf. Ich warne Dich, Lucius Cornelius, die Salbe stinkt unerträglich. Aber das alte Weib beharrt darauf, daß sie ohne jeden Zusatz von Duftstoffen, Gewürzen oder Harzen aufgetragen werden muß.
Bitte laß mich wissen, ob es hilft. Ich habe zwar meine Zweifel, aber die alte Fuchtel schwört Stock und Bein, daß sie es gewesen sei, die jene Salbe anrührte, die Du mit so großem Erfolg angewandt hast.
Vale von Morsimus.
Varro trommelte eine kleine Armee von Sklaven zusammen, deren erste Aufgabe darin bestand, eine Schafherde aufzutreiben. Nachdem das geschehen war, richtete er sich in einem Verschlag nahe dem Steinhaus ein, in dem Sulla wohnte. Höchstpersönlich inspizierte er jeden geschlachteten Kadaver, jede einzelne Niere, eilte zwischen großen, dampfenden Kesseln und unablässig schabenden Sklaven hin und her, prüfte hier die Temperatur des Wassers, dort das richtige Mischungsverhältnis und trieb die Sklaven mit seiner Sorgfalt, seiner Ungeduld und seinen ständigen Kritteleien bis an den Rand der Verzweiflung.
Hundert Schafe später (die Galle und das ausgelassene Fett stammten von nur zwei Schafen, aber die winzigen Mengen des weichen Fetts über den Nieren und die aus der Wolle gewonnene Substanz summierten sich nur langsam und mühevoll zu der notwendigen Menge) hielt Varro einen ansehnlichen Porphyrkrug voll Salbe in Händen. Die Sklaven, denen die hundert weitgehend vollständigen Kadaver köstlichsten Schaffleisches blieben, sahen sich mit der Aussicht auf ein Festmahl für ihre Mühen reichlich entlohnt.
Es war spät am Abend, und Sulla, so hatte sein Leibdiener Varro zugeflüstert, schlief auf der Liege in seinem Speisezimmer.
»Betrunken?«
»Ja, Marcus Terentius.«
»Nun, ich denke, das kommt uns zugute.«
Varro schlich sich auf Zehenspitzen in das Zimmer. Einen Moment lang blieb er stehen und sah auf die arme, gequälte Kreatur hinunter, die einstmals Sulla gewesen war. Die Perücke war heruntergefallen und lag mit der gazeartigen Innenseite nach oben da; Tausende von Haaren waren zu ihrer Herstellung notwendig gewesen, und jedes einzelne davon war sorgsam in die Gaze geknotet worden. Kopfschüttelnd betrachtete Varro die Perücke, seufzte, beugte sich vor und strich die Salbe mit größter Sorgfalt auf die wundgekratzten Stellen in Sullas Gesicht.
Sulla riß die Augen auf, und aus ihrem weintrüben Glanz blitzten Schmerz und Schrecken. Seine Lippen öffneten sich und gaben den Blick auf seinen zahnlosen Schlund frei, aber er brachte keinen Ton heraus.
»Es ist die Salbe, Lucius Cornelius«, flüsterte Varro. »Ich habe mich genau an das Rezept gehalten. Wirst du es ertragen, wenn ich sie auftrage?«
Tränen stiegen in Sullas Augen hoch und sammelten sich in seinen Augenhöhlen. Bevor die Tränen über Sullas wundes Gesicht laufen konnten, tupfte Varro sie mit einem weichen Tuch vorsichtig ab. Aber immer wieder quollen neue Tränen hervor und Varro mußte unablässig tupfen.
»Du darfst nicht weinen, Lucius Cornelius. Die Salbe kann nur auf die trockene Haut aufgetragen werden. Liege still und schließe die Augen.«
Sulla gehorchte, und bis auf ein paar unwillkürliche Zuckungen, wenn Varro sein Gesicht berührte, wehrte er sich nicht. Langsam entspannte er sich.
Schließlich war Varro fertig. Er nahm eine Lampe mit fünf Dochten und hielt sie über Sullas Gesicht, um seine Arbeit in Augenschein zu nehmen. Aus den offenen Stellen trat eine klare Flüssigkeit in dicken Tropfen aus, aber die Salbe schien immerhin die Blutungen gelindert zu haben.
»Du darfst dich nicht kratzen, Lucius Cornelius. Juckt es?«
»Ja, es juckt«, antwortete Sulla mit geschlossenen Augen. »Aber es war schon schlimmer. Binde meine Hände fest.«
»Ich komme in der Morgendämmerung wieder und schmiere dich wieder ein«, sagte Varro, während er Sullas Hände fesselte. »Wer weiß, vielleicht hat das Jucken bis dahin schon nachgelassen.« Auf Zehenspitzen schlich er hinaus.
Am anderen Morgen trug Varro erneut Salbe auf. Der Juckreiz war zwar immer noch da, aber Varros prüfendem Blick schien es, als habe Sullas Haut — wie sagte man? — sich beruhigt. Sulla bat, seine Hände gefesselt zu lassen, aber nach drei weiteren Behandlungen verkündete er, daß er die Fesseln nicht mehr brauche. Vier Tage später war der Juckreiz verschwunden.
»Das Zeug wirkt!« Mit der tiefen Befriedigung eines Arztes, der gegen alle Widerstände recht behalten hat (auch wenn Varro alles andere als ein Arzt war und auch gar keiner sein wollte), überbrachte er Metellus Pius und Pompeius die frohe Botschaft.
»Wird er im Frühjahr wieder ins Feld ziehen können?« fragte Pompeius.
»Noch vor dem Frühjahr, vorausgesetzt, die Wirkung der Salbe hält an«, erwiderte Varro und eilte weiter, um den Porphyrkrug in einen mit Schnee gefüllten Kasten zu stellen. So hielt sich die Salbe länger. Wie die ranzige Version der Salbe roch, konnte Varro an seinen Händen feststellen.