Am nächsten Tag begleitete der König Caesar zum Hafen und zeigte ihm, daß dort kein einziges Kriegsschiff ankerte.
Doch Caesar ließ sich nicht beirren. »Deine Kriegsflotte ankert gar nicht hier. Ich schlage vor, wir reiten nach Chalkedon weiter.«
»Morgen«, sagte der König, der von seinem schwierigen Gast immer entzückter war.
»Wir reiten sofort«, sagte Caesar bestimmt. »Wie weit ist es bis dort? Vierzig Meilen? Das schaffen wir nicht an einem Tag.«
»Dann fahren wir mit dem Schiff.« Der König verabscheute Reisen.
»Nein, wir nehmen den Landweg. Ich sehe mich gern ein wenig um. Gaius Marius, mein angeheirateter Onkel, sagte einmal, ich solle immer über Land reisen, wenn es möglich sei. Dann sei ich bei späteren Feldzügen im betreffenden Land mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Sehr nützlich.«
»Also sind Marius und Sulla angeheiratete Onkel von dir.«
»Ich habe ausgezeichnete verwandtschaftliche Verbindungen.«
»Ich glaube, du hast alles, Caesar! Mächtige Verwandte, einen edlen Namen, einen vornehmen Geist, einen anmutigen Körper und ein schönes Gesicht. Ich bin froh, daß ich nicht du bin.«
»Wieso?«
»Du wirst immer Feinde haben. Eifersucht und Neid werden dich immer verfolgen wie die Furien den armen Orestes. Einige werden dich um deine Schönheit beneiden, andere um deinen Körper, wieder andere um deine Abstammung und wieder andere um deinen Verstand. Die meisten werden dich um alles beneiden. Und je höher du aufsteigst, desto schlimmer wird der Neid. Du wirst überall Feinde haben und nirgends Freunde. Du wirst keinem Menschen vertrauen können.«
Caesar hörte nachdenklich zu. »Ich glaube, du hast recht. Was rätst du mir also?«
»Zur Zeit der Könige gab es einen Römer, der Brutus hieß. Dieser Brutus war sehr klug, aber er stellte sich dumm, was ihm seinen Beinamen einbrachte. Als König Tarquinius Superbus dann überall Menschen umbringen ließ, die ihm gefährlich werden konnten, kam er nicht auf den Gedanken, auch Brutus zu töten. Und der stürzte ihn und wurde erster Konsul der neuen Republik.«
»Und er richtete seine eigenen Söhne hin«, ergänzte Caesar, »als sie versuchten, König Tarquinius Superbus aus dem Exil zurückzuholen und in Rom wieder die Monarchie einzuführen. Und? Ich bewundere Brutus nicht. Ich werde nicht wie er Dummheit vortäuschen.«
»Dann mußt du dich mit deinem Schicksal abfinden.«
»Glaube mir, das werde ich!«
»Es ist zu spät, um heute noch nach Chalkedon aufzubrechen«, sagte der König listig. »Laß uns früh zu Abend essen und diese wunderbar anregende Unterhaltung fortsetzen und dann bei Tagesanbruch losreiten.«
»Wir werden bei Tagesanbruch reiten«, sagte Caesar fröhlich, »aber nicht von hier aus. Ich breche in einer Stunde nach Chalkedon auf. Wenn du mitwillst, mußt du dich beeilen.«
Und Nikomedes beeilte sich aus zwei Gründen: Erstens wußte er, daß er auf den eigenwilligen Caesar ein scharfes Auge haben mußte, zweitens war er bis über beide Ohren in diesen jungen Mann verliebt, der so hartnäckig versicherte, er könne mit Männern nichts anfangen.
Eine Stunde später brachen sie auf. Caesar saß auf seinem Maultier.
»Du reitest ein Maultier?« fragte Nikomedes verblüfft.
»Wie du siehst«, erwiderte Caesar hochmütig.
»Warum?«
»Eine Laune.«
»Du reitest ein Maultier und dein Freigelassener ein edles Pferd?«
»Wie du siehst.«
Seufzend ließ der König sich in einen zweirädrigen Wagen helfen, dann setzte der Zug sich in Bewegung. Caesar und Burgundus ritten voraus. Für die Nacht kamen sie im Haus eines bithynischen Adligen unter, der steinalt war und nicht mehr damit gerechnet hatte, daß er seinen Herrscher noch einmal sehen würde. Hier entschuldigte Caesar sich bei Nikomedes.
»Es tut mir leid. Meine Mutter würde mir jetzt vorwerfen, nicht richtig nachgedacht zu haben. Du bist erschöpft. Wir hätten doch segeln sollen.«
»Mein Körper ist erschöpft, allerdings«, sagte Nikomedes mit einem Lächeln. »Aber deine Gesellschaft macht mich wieder jung.«
Am nächsten Morgen trafen sie in der königlichen Residenz von Chalkedon ein. Als Nikomedes mit Caesar frühstückte, strahlte er wieder, war gesprächig und schien erholt.
Gemeinsam betraten sie die wuchtige Mole, die den Hafen von Chalkedon umschloß. »Wie du siehst, liegt hier eine hübsche kleine Kriegsflotte vor Anker. Zwölf Triremen, sieben Quinqueremen und vierzehn ungedeckte Schiffe. Weitere Schiffe liegen in Chrysopolis und Daskyleion.«
»Ist Byzanz an den Zöllen des Bosporus nicht beteiligt?«
»Gegenwärtig nicht. Früher haben die Byzantiner Zölle eingenommen. Sie waren sehr mächtig, und ihre Flotte war fast so groß wie die von Rhodos. Aber seit dem Fall Griechenlands und Mazedoniens müssen sie große Landstreitkräfte unterhalten, um die thrakischen Barbaren im Zaum zu halten. Eine Kriegsflotte können sie sich nicht auch noch leisten. Deshalb sind die Zölle an Bithynien übergegangen.«
»Und deshalb hast du mehrere kleine Flotten.«
»Und deshalb brauche ich diese Flotten auch! Ich werde Rom von den Schiffen, die hier und anderswo liegen, insgesamt zehn Triremen, fünf Quinqueremen und zehn ungedeckte Schiffe zur Verfügung stellen. Den Rest deiner Flotte miete ich.«
»Du mietest ihn?« fragte Caesar höflich.
»Natürlich. Was glaubst du denn, wie wir unsere Flotten zusammenstellen?«
»So wie wir! Wir bauen Schiffe.«
»Das ist Verschwendung, aber so seid ihr Römer eben. Eigene Schiffe zu unterhalten kostet Geld, wenn sie nicht gebraucht werden. Deshalb haben wir, die griechischsprachigen Völker Asias und der Ägäis, nur ganz kleine eigene Flotten. Wenn wir schnell zusätzliche Schiffe brauchen, mieten wir sie einfach. Genau das werde ich jetzt tun.«
»Und wo willst du sie mieten?« fragte Caesar verwirrt. »Wenn es irgendwo in der Ägäis Schiffe gibt, hat Thermus sie bestimmt schon beschlagnahmt.«
»Natürlich nicht dort«, sagte Nikomedes spöttisch und entzückt, den neunmalklugen jungen Mann belehren zu können. »Ich miete sie in Paphlagonien und Pontos.«
»Du meinst, Mithridates vermietet Schiffe an seinen Feind?«
»Warum nicht? Im Augenblick liegen sie nutzlos vor Anker und kosten Geld. Er hat nicht genug Soldaten, um sie zu besetzen, und ich glaube nicht, daß er in diesem oder dem nächsten Jahr plant, nach Bithynien oder in die römische Provinz Asia einzumarschieren!«
»Dann schließen wir Mytilene mit Schiffen des Königs ein, mit dem sich Mytilene unbedingt verbünden will.« Caesar schüttelte den Kopf. »Sehr merkwürdig!«
»Normal«, sagte Nikomedes energisch.
»Wie wirst du jetzt also vorgehen?«
»Ich setze einen Agenten ein. Der zuverlässigste wohnt hier in Chalkedon.«
Caesar überlegte kurz: Wenn der König von Bithynien für Rom Schiffe mietete, würde Rom die Rechnung für diese Schiffe bezahlen müssen. Caesar hatte aber weder das nötige Geld noch die Befugnis, dieses Geld aufzutreiben. Da Nikomedes aber so tat, als komme eine solche Situation öfter vor, sagte Caesar lieber nichts. Inzwischen ahnte er allerdings, warum Rom Schwierigkeiten mit seinen Provinzen und seinen Klientelkönigen hatte. Der Unterhaltung mit Thermus hatte er entnommen, daß Bithynien irgendwann in der Zukunft für die Flotte bezahlt würde. Jetzt fragte er sich, wie lange Bithynien wohl auf das Geld warten mußte.
»Jetzt ist alles geregelt«, sagte der König sechs Tage später. »Deine Flotte liegt in Abydos vor Anker, du kannst sie dort am fünfzehnten Tag des Oktober abholen. Das sind noch zwei Monate, und die wirst du natürlich bei mir wohnen.«
Caesar hatte zwar nichts gegen Nikomedes, glaubte aber, seine Aufgabe sei noch nicht erledigt. »Ich muß die Bereitstellung der Schiffe überwachen.«
»Das geht nicht«, sagte Nikomedes.
»Warum nicht?«
»Das ist nicht üblich.«
Also begleitete Caesar den König nach Nikomedia zurück. Je mehr er mit dem alten Mann und seiner Frau zu tun hatte, desto mehr mochte er die beiden. Und ihren Hund.
Da Caesar noch zwei Monate bis zur Abreise ausharren mußte, plante er Abstecher nach Byzanz, Pessinus und Troja. Leider bestand der König darauf, ihn nach Byzanz zu begleiten und den Seeweg zu nehmen. Caesar bekam die beiden letzten Städte gar nicht zu sehen, da aus der Schiffsreise von zwei bis drei Tagen eine Fahrt von fast einem Monat wurde. Das Tempo war zermürbend langsam, denn der König hielt an jedem kleinen Fischerdorf und zeigte sich der Bevölkerung in seiner ganzen Pracht — mit Rücksicht auf Caesar allerdings mit ungeschminktem Gesicht.
Byzanz war vom Charakter und von der Bevölkerung her griechisch und existierte schon seit sechshundert Jahren. Es lag auf dem höchsten Punkt einer hügeligen Halbinsel auf der thrakischen Seite des Bosporus und hatte sowohl auf der hornförmigen nördlichen Landzunge wie an der offenen Südseite einen Hafen. Die Stadtmauern waren stark befestigt und hoch, und die Größe und Schönheit der privaten wie öffentlichen Bauten kündete vom Reichtum der Metropole.
Der thrakische Bosporus war schöner und eindrucksvoller als der Hellespont, dachte Caesar. Daß König Nikomedes Oberherr der Stadt war, wurde deutlich, sobald die königliche Barke angelegt hatte. Alles, was Rang und Namen hatte, strömte herbei, um ihn zu begrüßen. Caesar merkte allerdings auch, daß er selbst mit finsteren Blicken bedacht wurde und daß einige Byzantiner nicht erfreut darüber waren, daß der König von Bithynien mit einem Römer auf so gutem Fuß stand. Und damit hing ein weiteres Problem zusammen. Ihre gemeinsamen öffentlichen Auftritte hatten sich bisher auf das eigentliche Bithynien beschränkt, wo die Menschen ihren Herrscher und seine Vorlieben kannten und tolerierten. Das war in Byzanz anders. Hier galt Caesar, wie sich bald herausstellte, als Lustknabe des Königs.
Es wäre ein leichtes gewesen, diese Annahme zu zerstreuen — einige Bemerkungen hier und da über alte Männer, die sich lächerlich machten, oder Klagen darüber, wie lästig es sei, mit dem alten König um eine Flotte zu verhandeln. Aber genau das brachte Caesar nicht übers Herz, denn er hatte Nikomedes gern, wenn auch nicht so, wie man in Byzanz vermutete, und er wollte den armen alten Mann nicht an einer Stelle verletzen, an der er selbst besonders empfindlich war: seinem Stolz. Andererseits mußte er die Situation klarstellen, vor allem, weil es um seine Zukunft ging. Caesar wußte, wohin er wollte: ganz nach oben. Es war schlimm genug, daß er dabei einen Teil seines wirklichen Wesens verleugnen mußte; aber noch viel schlimmer war, mit einem Ruf leben zu müssen, der überhaupt nicht stimmte. Wäre der König jünger gewesen, hätte er ihn gebeten, für eine Richtigstellung zu sorgen, denn Nikomedes verurteilte zwar die römische Intoleranz gegenüber der gleichgeschlechtlichen Liebe als unhellenisch, ja barbarisch, aber er war zugleich warmherzig und gutmütig und hätte ihm diesen Wunsch wahrscheinlich erfüllt. Doch so mußte Caesar fürchten, daß seine Bitte den alten Mann verletzen würde. Er, der eine behütete Jugend gehabt hatte, entdeckte jetzt, daß das Leben Probleme aufwerfen konnte, für die es keine befriedigende Lösung gab.
Schuld an der Abneigung der Byzantiner gegen die Römer war natürlich die Besetzung der Stadt vier Jahre zuvor durch Fimbria und Flaccus, jene Feldherren Cinnas, die beschlossen hatten, gegen Asia und Mithridates statt gegen Griechenland und Sulla zu ziehen. Für die Byzantiner machte es keinen Unterschied, daß Fimbria Flaccus ermordet und anschließend Sulla Fimbria vernichtet hatte. Es änderte nichts daran, daß ihre Stadt unter Römern gelitten hatte. Und jetzt kam ihr Herrscher und schwänzelte um einen Römer herum.
Nachdem Caesar sich über seine Lage klargeworden war, versuchte er, die Byzantiner für sich zu gewinnen. Sein Verstand und seine Bildung waren ihm dabei eine große Hilfe; weniger sicher war er sich im Hinblick auf einen Wesenszug, den seine Mutter an ihm immer beklagt hatte: seinen Charme. Er nahm die führenden Bürger der Stadt für sich ein und trug nach Fimbrias und Flaccus’ ungehobeltem und barbarischem Benehmen viel dazu bei, ihre Gefühle zu besänftigen. Auf der anderen Seite mußte er freilich einsehen, daß sein Charme sie in ihren Vermutungen über seine sexuellen Neigungen bestärkte: Richtige Männer hatten angeblich keinen Charme.
Also wurde Caesar deutlicher. Zunächst erteilte er allen Männern, die ihm Avancen machten, eine schroffe Abfuhr. Dann verschaffte er sich den Namen der berühmtesten Kurtisane von Byzanz, suchte sie auf und liebte sie, bis sie vor Entzücken schrie.
»Er ist so groß wie ein Esel und geil wie ein Bock«, berichtete sie ihren Freunden und regelmäßigen Liebhabern danach erschöpft. Dann seufzte sie lächelnd und streckte sich lüstern. »Aber er ist wunderbar! Seit Jahren habe ich keinen solchen Mann mehr gehabt!«
Damit hatte Caesar erreicht, was er wollte, und dies, ohne König Nikomedes zu kränken. Die Byzantiner wußten jetzt, was das Verhältnis des Königs zu dem jungen Römer war: eine hoffnungslose Leidenschaft.
Die Reisenden kehrten nach Nikomedia zurück, zu Königin Oradaltis, dem Hund Sulla und dem Palast mit seinen unzähligen Dienern und zänkischen und intriganten Beamten.
»Ich gehe ungern«, sagte Caesar, als er zum letzten Mal mit dem König und der Königin aß.
»Und wir lassen dich ungern gehen«, sagte Königin Oradaltis rauh und kraulte Sullas Bauch mit dem Fuß.
»Kommst du wieder, wenn Mytilene unterworfen ist?« fragte der König. »Es würde uns so sehr freuen.«
»Ich komme wieder«, versprach Caesar.
»Gut!« Nikomedes machte ein zufriedenes Gesicht. »Und jetzt erkläre mir bitte ein Rätsel der lateinischen Sprache, das ich nie habe lösen können: Warum ist das grammatische Geschlecht von cunnus männlich und das von mentula weiblich?«
Caesar sah den König erstaunt an. »Keine Ahnung!«
»Aber es gibt doch sicher einen Grund.«
»Ganz ehrlich, ich habe nie darüber nachgedacht. Doch jetzt, wo du es sagst... Ja, es ist wirklich seltsam.«
»Cunnus müßte cunna heißen, wo es doch das weibliche Geschlechtsteil ist. Und mentula müßte mentulus heißen, schließlich ist der Penis männlich. Hinter dem ganzen Männlichkeitskult verbirgt sich bei euch Römern ein heilloses Durcheinander! Eure Frauen sind Männer und eure Männer Frauen.« Der König lehnte sich zurück und strahlte triumphierend.
»Du hast für unsere Geschlechtsteile nicht gerade die nettesten Bezeichnungen gewählt«, sagte Caesar. »Cunnus und mentula sind obszöne Wörter.« Ohne eine Miene zu verziehen, fuhr er fort: »Die Lösung ist doch ganz einfach. Das Geschlecht des Werkzeugs gibt das Geschlecht an, mit dem es sich paaren soll: Der Penis soll sich ein weibliches Zuhause suchen, die Vagina soll einen Mann willkommen heißen.«
»Unsinn!« sagte der König, sein Lachen mühsam unterdrük- kend.
»Sophisterei!« sagte die Königin mit zuckenden Schultern.
»Was sagst du dazu, Sulla?« fragte König Nikomedes den Hund, mit dem er seit Caesars Ankunft sehr viel besser auskam, was vielleicht aber auch daran lag, daß Oradaltis ihn nicht mehr mit ihm ärgerte.
Caesar lachte laut los. »Wenn ich nach Hause komme, frage ich ihn!«
Nach Caesars Abreise wurde es einsam im Palast. Das betagte Königspaar verspürte eine gewisse innere Leere, und selbst der Hund trauerte.
»Er war der Sohn, den wir nie hatten«, sagte Nikomedes.
»Nein!« widersprach Oradaltis heftig. »Einen solchen Sohn hätten wir nie haben können. Nie.«
»Wegen der Veranlagung meiner Familie?«
»Nein! Weil wir keine Römer sind. Er ist ein Römer.«
»Vielleicht sollte man besser sagen, er ist er selbst.«
»Glaubst du, er kommt wieder, Nikomedes?«
Die Frage munterte den König offensichtlich auf. »Ja«, sagte er bestimmt. »Das glaube ich.«
Als Caesar an den Iden des Oktober in Abydos eintraf, lag die versprochene Flotte im Hafen: zwei massige pontische Sechzehner, acht Quinqueremen, zehn Triremen und zwanzig schnittige, aber weniger kriegstaugliche Ruderschiffe.
»Da du die Schiffe für eine Blockade und nicht für eine Seeschlacht brauchst«, schrieb Nikomedes Caesar in einem Brief, »gebe ich dir anstelle der gewünschten zwanzig ungedeckten Kriegsschiffe breite gedeckte Handelsschiffe, die für deine Zwek- ke umgerüstet worden sind. Wenn du Mytilene über Winter vom Hafen abschneiden willst, brauchst du robustere Schiffe als leichte Ruderer, die bei jedem Sturm sofort an Land gezogen werden müssen. Die Handelsschiffe werden jeden Seegang, bei dem sich ein Schiff noch hinauswagen kann, heil überstehen. Die beiden pontischen Sechzehner werden sich meiner Meinung nach schon deshalb als nützlich erweisen, weil sie durch ihre wuchtige Erscheinung Angst und Schrecken verbreiten. Außerdem sprengen sie die dicksten Hafenketten und werden deshalb beim Angriff gute Dienste leisten. Der Hafenmeister in Sinope war übrigens bereit, sie mir gegen Verpflegung und Besoldung der Besatzungen von fünfhundert Mann pro Schiff zu überlassen, da der König von Pontos im Augenblick keine Verwendung für sie hat. Die Rechnung füge ich auf einem getrennten Blatt bei.«
Von Abydos am Hellespont bis zur anatolischen Küste vor der Insel Lesbos nördlich von Mytilene waren es dem ersten Steuermann zufolge rund hundert Meilen. Für diese Strecke benötigte man zwischen fünf und zehn Tagen, wenn das Wetter blieb, wie es war, und sich alle Schiffe als seetüchtig erwiesen.
»Dann überprüfen wir besser, ob sie das auch sind«, sagte Caesar.
Der Steuermann war es zwar nicht gewohnt, daß ihn der Admiral — als solcher verstand Caesar sich bis zu seiner Ankunft auf Lesbos — alle Schiffe vor Beginn einer Expedition auf ihre Seetüchtigkeit überprüfen ließ, aber er versammelte gehorsam die Schiffsbauer von Abydos und ließ jedes Schiff sorgfältig untersuchen. Caesar sah den Männern dabei über die Schulter und belästigte sie ständig mit Fragen.
»Wirst du seekrank?« fragte der Steuermann hoffnungsvoll.
»Nicht, daß ich wüßte«, sagte Caesar verschmitzt.
Zehn Tage vor den Kalenden des November segelte die Flotte von vierzig Schiffen in den Hellespont hinaus. Die Strömung vom Schwarzen Meer in die Ägäis trug die Schiffe stetig zur südlichen Ausfahrt der Meerenge, zwischen dem Vorgebirge Mastusia auf der thrakischen Seite und der Mündung des Skamandros auf der kleinasischen Seite. Nur wenig flußaufwärts lag jenes sagenumwobene Troja, aus dessen brennenden Ruinen Caesars Vorfahre Aeneas einst vor Agamemnon geflohen war. Schade, dachte Caesar, daß er keine Zeit hatte für einen Besuch dieser ehrwürdigen Stätte. Dann zuckte er die Achseln. Später vielleicht.
Das Wetter hielt sich, so daß die Flotte nach sechs Tagen die Nordspitze von Lesbos erreichte. Da Caesar nicht schon vor den Kalenden des November am Ziel eintreffen wollte, ließ er die Schiffe auf den Rat des Steuermanns in der Bucht der Insel Kydonia ankern, wo sie von Lesbos aus nicht zu sehen waren. Er wollte die römischen Belagerer überraschen und über Thermus triumphieren.
»Du hast ein phänomenales Glück«, sagte der Steuermann, als die Flotte am Tag vor den Kalenden des November wieder in See stach.
»Inwiefern?«
»Ich habe um diese Jahreszeit noch nie so gutes Wetter erlebt — und das Wetter dürfte noch mehrere Tage anhalten.«
Caesar nickte. Dann befahl er: »Wir laufen bei Einbruch der Nacht eine schützende Bucht auf Lesbos an. Morgen bei Tagesanbruch suche ich dann die Armee auf. Es ist sinnlos, die ganze Flotte in Bewegung zu setzen, solange nicht klar ist, wo der Befehlshaber sie stationieren will.«
Am nächsten Tag kurz nach Sonnenaufgang ließ Caesar sich zum Ufer rudern, um Thermus oder Lucullus aufzusuchen. Wie sich herausstellte, war nur Lucullus anwesend; Thermus weilte noch immer in Pergamon.
Caesar traf sich mit Lucullus an der schmalen, hügeligen Landzunge, auf der Mytilene lag. Lucullus hatte dort soeben einen Wall und einen Graben anlegen lassen.
Caesar sah der Begegnung mit Spannung entgegen. Lucullus dagegen hatte lediglich gehört, ein junger Tribun wolle ihn sprechen, und er war gereizt, da er Gespräche mit jungen, unbekannten Offizieren für Zeitverschwendung hielt. Das Ansehen dieses Mannes war unaufhaltsam gestiegen, seit er Sullas treuer Quästor gewesen war und als einziger Legat jenen ersten Marsch des Konsuls Sulla auf Rom gebilligt hatte. Er genoß bei Sulla seither größtes Vertrauen und hatte Aufgaben erhalten, die eigentlich nur ehemaligen Prätoren übertragen wurden. Lucullus hatte König Mithridates bekriegt und nach Sullas Rückkehr nach Italien die Stellung in der Provinz Asia gehalten, während Murena, der Statthalter der Provinz, unerlaubt Krieg gegen Mithridates in Kappadokien führte.
Der Mann, auf den Caesar zuging, war schlank, kräftig und von durchschnittlicher Größe. Lucullus hatte einen etwas steifen Gang, der aber nicht von einer Mißbildung der Knochen, sondern von einer Steifheit des Gemüts herrührte. Er war nicht schön, aber interessant anzusehen mit seinem blassen länglichen Gesicht, auf dem ein Schopf borstiger Haare eines undefinierbaren Brauns saß. Als Caesar vor ihm stand, sah er in klare und kalte graue Augen.
Der Truppenbefehlshaber runzelte die Stirn. »Ja?«
»Ich bin der Militärtribun Gaius Julius Caesar.«
»Der Statthalter schickt dich?«
»Jawohl.«
»Und warum willst du mich sprechen? Ich habe zu tun.«
»Ich bringe dir die Flotte, Lucius Licinius.«
»Die Flotte?«
»Der Statthalter hat mich beauftragt, in Bithynien eine Flotte zu beschaffen.«
Die kalten Augen richteten sich starr auf ihn. »Ihr Götter!«
Caesar wartete.
»Eine wahrhaft gute Nachricht!« sagte Lucullus. »Ich wußte allerdings nicht, daß Thermus zwei Tribunen nach Bithynien geschickt hat. Wann hat er dich geschickt? Schon im April?«
»Soweit ich weiß, hat er nur mich geschickt.«
»Caesar... Caesar... Du bist doch nicht der, den er Ende Quintilis geschickt hat!«
»Doch, genau der.«
»Und du bringst schon jetzt eine Flotte?«
»Ja.«
»Dann kannst du gleich wieder umkehren, Tribun. König Nikomedes hat dir sicher nur unbrauchbare Schiffe mitgegeben.«
»Keineswegs. Ich bringe vierzig Schiffe, die ich persönlich auf ihre Seetüchtigkeit hin überprüft habe: zwei Sechzehner, acht Quinqueremen, zehn Triremen und zwanzig umgebaute gedeckte Handelsschiffe, die nach Auskunft des Königs für eine Blockade im Winter geeigneter sind als leichte ungedeckte Kriegsschiffe.« Caesar ließ sich seinen Triumph durch nichts anmerken.
»Ihr Götter!« Lucullus musterte den jungen Tribun so scharf, als sei er ein im Circus auftretendes Ungeheuer. Dann verzog sich sein linker Mundwinkel ganz langsam nach oben, und das Eis in seinen Augen begann zu schmelzen. »Wie hast du das geschafft?«
»Ich kann gut reden.«
»Ich wüßte gerne, was du ihm gesagt hast! Nikomedes ist ein alter Geizhals, der nicht einen Sesterz freiwillig herausrückt.«
»Keine Sorge, Lucius Licinius, ich habe eine Rechnung.«
»Nenne mich Lucullus, es gibt hier noch mindestens sechs Lucius Liciniusse.« Der Feldherr machte ein paar Schritte in Richtung Ufer. »Natürlich hast du eine Rechnung! Was verlangt er denn für die Sechzehner?«
»Nur Verpflegung und Sold für die Mannschaften.«
»Ihr Götter! Und wo ist diese Wunderflotte?«
»Sie ankert ungefähr eine Meile von hier. Ich dachte, ich frage dich lieber zuerst, ob sie hierher oder direkt zur Blockade der Häfen von Mytilene fahren soll.«
Lucullus’ Bewegungen wirkten auf einmal nicht mehr steif. »Ich denke, wir bringen sie sofort zum Einsatz, Tribun.« Er rieb sich die Hände. »Das wird für die Einwohner von Mytilene eine furchtbare Überraschung werden! Sie haben geglaubt, sie könnten sich den ganzen Winter über weiter mit Vorräten eindecken.«
Die beiden Männer erreichten das kleine Schiff, mit dem Caesar gekommen war, und Lucullus sprang behende an Bord. Caesar zögerte.
»Was ist, Tribun? Kommst du nicht?«
»Wenn du es wünschst. Ich weiß noch nicht genau, wie man sich in der Armee gegenüber einem Vorgesetzten verhält, und ich möchte keinen Fehler machen.«
»Komm rein, los!«
Als die zwanzig Ruderer, die zu zehnt aufjeder Seite saßen, das Schiff nach Norden gewendet hatten und es mit langen, gleichmäßigen Ruderschlägen vorantrieben, sprach Lucullus weiter.
»Du weißt nicht, wie man sich gegenüber einem Vorgesetzten verhält? Du bist doch sicher schon über siebzehn, Tribun.«
Caesar unterdrückte einen Seufzer, denn er sah die ermüdenden, detaillierten Erklärungen voraus, die er noch lange würde abgeben müssen. Dann sagte er: »Ich bin neunzehn, aber das ist mein erster Feldzug. Ich war bis Juni Jupiterpriester.«
Lucullus wollte allerdings keine weiteren Einzelheiten; dazu war er zu beschäftigt und zu intelligent. Er nickte nur. »Caesar heißt du... War deine Tante Sullas erste Frau?«
»Ja.«
»Dann fördert er dich also.«
»Im Augenblick ja.«
»Eine gute Antwort! Ich bin sein treuester Anhänger, Tribun, und da du mit ihm verwandt bist, schulde ich dir diese Warnung: Ich erlaube nicht, daß ihn irgend jemand kritisiert.«
»Von mir wirst du keine Kritik hören, Lucullus.«
»Gut.«
Stille folgte, nur unterbrochen vom Keuchen der Ruderer, die ihre Ruder gleichzeitig ins Wasser tauchten. Dann sprach Lucullus wieder. Er klang amüsiert.
»Ich wüßte immer noch gerne, wie du König Nikomedes eine so gewaltige Flotte abgeluchst hast.«
Jetzt konnte Caesar seinen heimlichen Stolz nicht mehr verbergen, und unbeherrscht, wie er aufgrund seiner Jugend noch war, ließ er sich zu einer Indiskretion gegenüber dem wildfremden Lucullus hinreißen. »Es genügt wohl, wenn ich sage, daß ich mich über den Statthalter geärgert habe. Er wollte nicht glauben, daß ich in der Lage bin, bis zu den Kalenden des November vierzig Schiffe zu beschaffen, die Hälfte davon gedeckt. Das hat mich in meinem Stolz verletzt, deshalb habe ich versucht, die Schiffe zu bekommen. Und ich habe sie bekommen! Ich hatte keine andere Wahl, weil der Statthalter meinem Wort nicht traute.«
Lucullus ärgerte sich über diese Antwort. Er verabscheute übertrieben selbstsichere Männer, egal welchen Rang sie bekleideten, und er fand Caesars Äußerungen unerträglich arrogant. Er würde dieses Kind schon auf seinen Platz verweisen. »Ich kenne diese angemalte Tunte Nikomedes sehr gut«, sagte er mit eisiger Stimme. »Du bist ja ein besonders hübscher Knabe, und die Vorlieben des Königs sind bekannt. Hat er also Lust auf dich gehabt?« Und ohne Caesar Zeit zur Antwort zu geben, fuhr er fort: »Ja, natürlich hat er das! Gut gemacht, Caesar! Nicht jeder Römer hat so edle Absichten, daß er Rom über seine Keuschheit stellt. Dann war es also dein schönes Gesicht, das vierzig Schiffe vom Stapel laufen ließ. Oder sollte ich sagen, dein Arsch?«
Der Zorn flammte so rasch in Caesar auf, daß er fast auf Lucullus losgegangen wäre. Schmerzhaft gruben sich seine Fingernägel in die Handflächen; niemals in seinem Leben hatte er so heftig um Beherrschung kämpfen müssen. Aber er blieb Sieger. Zu einem Preis freilich, den er niemals vergessen würde. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er Lucullus an. Und Lucullus, der solche Augen schon oft gesehen hatte, erbleichte. Wenn er gewußt hätte, wohin, wäre er weggegangen. So blieb er stehen — aber es kostete ihn große Überwindung.
»Die erste Frau«, sagte Caesar mit ausdrucksloser Stimme, »hatte ich mit vierzehn; seither zähle ich die Frauen nicht mehr. Ich kenne Frauen sehr gut. Was du mir vorwirfst, Lucius Licinius Lucullus, ist ein Mittel, das nur Frauen einsetzen. Frauen haben keine andere Waffe als ihre Mösen, um zu bekommen, was sie wollen — oder was ein Mann durch sie bekommen will. Der Tag, an dem ich auf dieses Mittel zurückgreifen muß, um mein Ziel zu erreichen, ist der Tag, an dem ich mir ein Schwert in den Bauch stoße, Lucius Licinius Lucullus. Du trägst einen stolzen Namen, aber verglichen mit meinem ist er weniger als Staub. Du hast meine Würde verletzt. Ich werde nicht ruhen, bis ich diesen Makel ausgelöscht habe. Wie ich die Flotte bekommen habe, geht dich oder Thermus nichts an! Doch sei versichert, es ist auf ehrbare Weise geschehen, ich brauchte dafür weder mit dem König noch mit der Königin ins Bett zu gehen. Ich erreiche meine Ziele nicht mit solchen Methoden. Ich erreiche sie, indem ich meinen Verstand einsetze, eine Gabe, die, wie mir scheint, nur wenige besitzen.«
Caesar wandte sich ab und sah auf die in immer weitere Ferne rückenden Wälle und Gräben der Belagerer, die das Gebiet um Mytilene verwüsteten. Und Lucullus, dem es den Atem verschlagen hatte, konnte froh sein, daß ihr Streit auf Latein stattgefunden hatte. Sonst hätten die Ruderer sie verstanden, und dann hätten bald alle davon gewußt. Besten Dank, Sulla! Welche Hornisse hast du uns geschickt, damit sie unsere Ruhe stört! Dieser Mann macht mehr Ärger als tausend Mytilenes.
Die restliche Fahrt über herrschte eisiges Schweigen. Caesar hatte sich in sich selbst zurückgezogen, und Lucullus zermarterte sich das Hirn, wie er die Achtung Caesars wiedergewinnen könne, ohne die Selbstachtung zu verlieren — denn es war absolut undenkbar, daß er als Feldherr sich bei einem einfachen Tribun entschuldigte. Da ihm am Ende der kurzen Überfahrt noch immer keine befriedigende Lösung eingefallen war, tat er einfach so, als sei Caesar Luft, und kletterte, ohne sich nach ihm umzusehen, die Leiter zum Deck des nächsten Sechzehners hinauf.
Droben angekommen, streckte er, als Caesar ihm folgen wollte, abwehrend die rechte Hand aus.
»Das ist nicht notwendig, Tribun«, sagte er kalt. »Kehre ins Lager zurück und suche dein Quartier auf. Ich will dich nicht sehen.«
»Kann ich meine Diener und Pferde holen?«
»Ja.«
Burgundus, der seinen Herrn besser kannte als jeder andere, merkte sofort, daß etwas Unangenehmes vorgefallen war, doch war er so klug, kein Wort über Caesars grimmige Miene oder seine starren Augen zu verlieren. Stumm begaben sie sich über Land zu Lucullus’ Lager.
Caesar behielt von dem Ritt oder der Anlage des Lagers, in das sie einzogen, nichts in Erinnerung. Ein Wachposten wies dem neuen Tribun eine Unterkunft im zweiten Ziegelbau rechts der Hauptstraße zu. Es war noch nicht Mittag, aber der Morgen schien sich ewig hinzuziehen, und Caesar überfiel auf einmal eine Niedergeschlagenheit, die er nicht kannte und die etwas Finsteres und Bedrohliches hatte.
Da es sich um ein festes Lager handelte, das nicht vor dem nächsten Frühjahr abgebrochen werden sollte, waren die Unterkünfte solider und komfortabler als Lederzelte. Die Fußsoldaten waren jeweils zu acht in langen Reihen stabiler Holzhütten untergebracht, die nichtkämpfenden Mitglieder des Heeres zu achtzig in großen Holzbaracken. Der Feldherr hatte ein eigenes Haus aus sonnengetrockneten Ziegeln, der Größe nach einem herrschaftlichen Wohnhaus vergleichbar; die Legaten waren in einem ähnlichen Haus untergebracht, die mittleren Offiziere in einem rechtek- kigen vierstöckigen Bau aus Lehmziegeln und die Tribunen in einem ähnlichen, etwas kleineren Haus.
Caesar ließ Diener und Pferde anhalten und trat zögernd näher. Aus der geöffneten Tür drangen Stimmen.
Drinnen war es dunkel, aber seine Augen stellten sich auf die Dunkelheit schnell ein, so daß er sah, wo er sich befand, bevor er selbst gesehen wurde. In der Mitte des Raumes stand ein großer Holztisch, um den sieben Männer saßen; die Füße, die in Stiefeln steckten, hatten sie auf den Tisch gelegt. Daß er keinen kannte, war die Strafe dafür, daß er Jupiterpriester gewesen war. Doch nun sah ein stämmiger Kerl mit freundlichem Gesicht am Ende des Tischs auf und entdeckte ihn.
»Sei gegrüßt!« sagte er fröhlich. »Tritt ein, wer du auch bist.«
Caesar trat betont selbstsicher in den Raum, obwohl ihm die Empörung über Lucullus’ Beschuldigung noch immer ins Gesicht geschrieben stand. Er war leichenblaß, kein blondgelockter Apoll. Sieben Augenpaare richteten sich auf ihn. Langsam hoben die Männer die Füße vom Tisch. Keiner sagte ein Wort, alle starrten ihn nur an.
Dann stand der Bursche mit dem freundlichen Gesicht auf und ging mit ausgestreckter Hand um den Tisch herum. »Aulus Gabinius«, sagte er und lachte. »Schau nicht so hochnäsig, wer du auch bist! Von der Sorte haben wir schon genug.«
Caesar nahm die Hand und drückte sie fest. »Gaius Julius Caesar«, sagte er, ohne das Lächeln erwidern zu können. »Ich glaube, ich bin hier einquartiert. Als neuer Militärtribun.«
»Wir wußten doch, daß sie einen achten finden würden«, sagte Gabinius und sah zu seinen Kameraden hinüber. »Wir sind auch Militärtribunen — der Abschaum der Menschheit und ein Dorn im Auge unseres Feldherrn. Gelegentlich tun wir auch etwas! Aber wir werden nicht bezahlt, also kann unser Feldherr schlecht darauf bestehen. Wir haben eben zu Abend gegessen, und es ist noch etwas übrig. Aber ich mach dich zuerst mit deinen Leidensgenossen bekannt.«
Die anderen waren inzwischen ebenfalls aufgestanden. »Gaius Octavius.« Der untersetzte, muskulöse Gaius Octavius sah mit seinem braunen Haar und den haselnußbraunen Augen auf griechische Art schön aus, abgesehen von den Ohren, die wie Henkel senkrecht vom Kopf abstanden. Sein Händedruck war fest. »Publius Cornelius Lentulus — kurz Lentulus.« Einer der Hochnäsigen offenbar, und dazu ein typischer Cornelier mit dunkler Haut und nichtssagendem Gesicht. Er sah aus, als versuche er eine innere Unsicherheit durch forsches Auftreten zu überspielen. »Und noch ein Lentulus — Lucius Cornelius Lentulus Niger. Wir nennen ihn Niger.« Noch einer von den Hochnäsigen, und ebenfalls ein typischer Cornelier, aber noch arroganter als der andere Lentulus.
»Lucius Marcius Philippus der Jüngere. Wir nennen ihn Lippus, Triefauge.« Der Spitzname schien Caesar nicht gerechtfertigt, denn Lippus hatte keineswegs einen verschlafenen Blick, sondern vielmehr wunderbar große, dunkle und verträumte Augen und ein Gesicht, das viel besser aussah als das seines Vaters — Lippus schlug seiner claudischen Großmutter nach. Er wirkte heiter und gelassen, und sein Händedruck war sanft, aber nicht schlaff. »Marcus Valerius Messala Rufus. Genannt Rufus der Rote.« Keiner von den Hochnäsigen, auch wenn der patrizische Name das nahelegte. Rufus der Rote war tatsächlich rot: Er hatte rote Haare und rötliche Augen. Doch schien er nicht zu denen zu gehören, die leicht rotsehen.
»Und wie gewöhnlich als letzter, weil wir ihn immer übersehen, Marcus Calpurnius Bibulus.«
Bibulus war der Arroganteste von allen, vielleicht deshalb, weil er der weitaus Kleinste war und zudem eine schmächtige Statur hatte. Seine Züge mit den spitzen Wangenknochen und der aufgeworfenen römischen Nase sahen schon von selbst hochmütig aus. Der Mund wirkte mürrisch, die Augenbrauen über den leicht hervorquellenden blaßgrauen Augen waren gerade Striche. Mit seinen stumpfen blonden Haaren und Brauen sah er älter aus als seine einundzwanzig Jahre.
Es geschieht nur selten, daß zwei Menschen gleich bei der ersten Begegnung ohne bestimmte Ursache eine instinktive und unauslöschliche Abneigung gegeneinander haben. Eine solche Abneigung flammte zwischen Gaius Julius Caesar und Marcus Calpurnius Bibulus auf, als sie sich zum ersten Mal sahen. Caesar war überzeugt, daß Bibulus einer der Feinde war, vor denen König Nikomedes ihn gewarnt hatte.
Gabinius holte einen achten Stuhl und stellte ihn zwischen sich und Octavius.
»Setz dich und iß.«
»Ich setze mich gerne, bitte aber um Entschuldigung, wenn ich nichts esse.«
»Aber du trinkst doch Wein!«
»Ich mag keinen Wein.«
Octavius kicherte. »Dann wird es dir hier gefallen! Der Wein hier wird oft wieder ausgekotzt.«
»Du bist der Jupiterpriester!« rief Philippus’ Sohn.
»Ich war der Jupiterpriester«, sagte Caesar und wollte es dabei belassen. Dann überlegte er es sich anders. »Ich erkläre euch jetzt, warum, dann braucht ihr nicht mehr zu fragen.« Er erzählte seine Geschichte lebendig und geschickt, und die anderen, von denen keiner besonders belesen war, merkten bald, daß sie es mit einem Intellektuellen, wenn nicht mit einem Gelehrten zu tun hatten.
»Eine abenteuerliche Geschichte«, sagte Gabinius, als Caesar fertig war.
»Du bist also immer noch mit Cinnas Tochter verheiratet«, stellte Bibulus fest.
»Ja.«
Octavius lachte laut. »Und wir sind jetzt vier zu vier, Gabinius! Mit Caesar sind es vier Patrizier! Krieg bis zum bitteren Ende!«
Die anderen warfen ihm vernichtende Blicke zu, und er schwieg verlegen.
»Kommst du direkt aus Rom?« fragte Rufus.
»Nein, aus Bithynien.«
»Was hast du in Bithynien gemacht?« fragte Lentulus.
»Ich habe eine Flotte für die Belagerung von Mytilene beschafft.«
»Ich wette, die alte Schwuchtel Nikomedes hat Gefallen an dir gefunden.« Bibulus grinste höhnisch. Obwohl er wußte, daß seine Bemerkung geschmacklos war und bei den meisten Anwesenden auf Mißfallen stoßen würde, hatte er der Versuchung nicht widerstehen können.
»Das war in der Tat der Fall«, sagte Caesar kühl.
»Und hast du deine Flotte bekommen?« bohrte Bibulus weiter.
»Natürlich«, sagte Caesar ruhig.
Bibulus lachte schrill. »Natürlich? Meinst du nicht eher widernatürlich?«
Keiner sah genau, was als nächstes geschah. Als die sechs anderen sich von ihrer Verblüffung erholt hatten, war Caesar um den Tisch gesprungen und hatte Bibulus gepackt und zu Boden geworfen. Dort hielt er ihn mit ausgestreckten Armen fest. Der Anblick war ebenso lächerlich wie komisch: Bibulus schlug mit seinen zu kurzen Armen wie wild nach Caesars lächelndem Gesicht, ohne ihn zu treffen — es war eine Szene aus einer Posse.
»Wenn du nicht ein unbedeutender Floh wärst, ein Pulex«, sagte Caesar, »würde ich deinen Kopf jetzt draußen auf das Pflaster schlagen. Doch das wäre leider Mord, Pulex. Und du bist zu unbedeutend, als daß es sich lohnte, dich zu Brei zu schlagen. Bleib mir also vom Leib!« Während er Bibulus noch immer auf den Boden drückte, sah er sich im Raum um, bis sein Blick schließlich auf einen sechs Fuß hohen Schrank fiel. Ohne sichtbare Mühe hob er Bibulus hinauf und wich dabei geschickt seinen Fußtritten aus. »Hier darfst du noch eine Weile strampeln, Pulex.«
Dann ging er auf die Straße hinaus.
»Pulex paßt gut zu dir, Bibulus!« lachte Octavius. »Ich nenne dich von jetzt an so, du hast es verdient. Und du, Gabinius? Nennst du ihn auch Pulex?«
»Lieber Podex!« sagte Gabinius mit zornrotem Gesicht. »Was fällt dir ein, Bibulus? Warum sagst du so etwas? Das war völlig unpassend und ist für uns alle peinlich!« Er sah die anderen an. »Was ihr macht, ist mir egal, ich helfe Caesar beim Abladen.«
»Helft mir runter!« rief Bibulus auf dem Schrank.
»Ich helfe dir nicht!« sagte Gabinius verächtlich.
Schließlich half ihm überhaupt keiner, und da der Schrank zu sehr schwankte, als daß er sich langsam hätte herunterlassen können, mußte er springen und landete auf allen Vieren. Bei all seiner Empörung verspürte auch er Betroffenheit und Zerknirschung. Gabinius hatte recht. Was fiel ihm ein? Er hatte sich benommen wie ein Flegel. Er hatte die Kameraden gegen sich aufgebracht und konnte sich nicht einmal damit trösten, daß er gesiegt hatte. Gesiegt hatte Caesar — mit spielerischer Leichtigkeit und ehrenhaft: nicht weil er sich an einem Schwächeren vergriffen hatte, sondern weil er seine Gemeinheit bestraft hatte. Bibulus beneidete Männer, die größer und kräftiger waren als er, denn er wußte, die Welt gehörte den Großen und Starken. Ein Blick auf Caesar hatte genügt, und Neid hatte ihn übermannt: dieses Gesicht, dieser Körper! Und zur Krönung aller körperlichen Vorzüge konnte der Kerl sich auch noch auf erlesene Weise ausdrücken. Das war nicht gerecht!
Bibulus wußte nicht, wen er mehr hassen sollte, sich selbst oder Gaius Julius Caesar, den Mann, der alles hatte. Auf der Straße ertönte brüllendes Gelächter, und Bibulus wurde neugierig. Er schlich sich zur Tür und sah heimlich hinaus. Seine Kameraden standen um den Mann, der alles hatte, und hielten sich die Bäuche vor Lachen — und der Mann saß auf einem Maultier! Bibulus hörte nicht, was er sagte, aber er wußte, daß seine Worte geistreich, unterhaltsam, charmant, interessant, faszinierend und einfach unwiderstehlich waren.
»Gut«, sagte er leise zu sich, als er sich in seine Schlafkammer stahl. »Ich mag ein Floh sein, aber diesen Floh wird er nie mehr los!«
Der Winter kam, und die Belagerung von Mytilene zog sich hin. Während die Belagerer untätig darauf warteten, daß die Bewohner der Stadt verhungerten, fand Lucius Licinius Lucullus endlich Zeit, seinem geliebten Sulla zu schreiben.
Ich habe große Hoffnungen, daß wir hier bis Frühjahr fertig sind. Dies dank überraschender Umstände, von denen ich Dir weiter unten berichten werde. Zunächst bitte ich Dich um einen Gefallen. Wenn ich meinen Auftrag im Frühjahr erfüllt habe, laß mich heimkehren! Ich bin schon so lange hier, Lucius Cornelius, und möchte Rom und vor allem Dich Wiedersehen. Mein Bruder Varro Lucullus ist jetzt alt und erfahren genug, um kurulischer Ädil zu werden, und ich würde dieses Amt gerne mit ihm teilen — das einzige Amt, in dem Brüder sich gemeinsam bewähren können. Denke an die .Spiele, die wir veranstalten könnten! Ganz zu schweigen von den anderen Lustbarkeiten. Ich bin jetzt achtunddreißig, mein Bruder ist sechsunddreißig, also müßten wir bald Prätoren werden, und wir sind noch nicht einmal Ädilen gewesen. Das aber sind wir unserem Namen schuldig. Bitte verschaffe uns dieses Amt und sorge dafür, daß ich anschließend so schnell wie möglich Prätor werde. Wenn Du allerdings meinst, dies sei unklug oder unverdient, füge ich mich natürlich.
Thermus kommt in der Provinz Asia offensichtlich gut zurecht. Um mich zu beschäftigen und von sich fernzuhalten, hat er mir die Belagerung Mytilenes übertragen. Kein übler Kerl, wirklich. Die Leute hier mögen ihn alle, weil er sich geduldig alle Märchen anhört, weshalb sie den Tribut nicht zahlen können, und ich mag ihn, weil er anschließend doch immer aufder Zahlung besteht.
Die beiden Legionen, die mir hier zur Verfügung stehen, sind ein übler Haufen. Murena hatte sie in Kappadokien und Pontos, und davor haben die Männer unter Fimbria gedient. Sie haben einen Eigensinn, der mir nicht gefällt und den ich ihnen schon noch austreiben werde. Natürlich sind sie erbost über Deinen Erlaß, der ihnen auf immer die Rückkehr nach Italien verbietet, weil sie Fimbria den Mord an Flaccus verziehen haben. Sie schicken mir regelmäßig eine Abordnung mit der Bitte um Aufhebung. Aber bei mir erreichen sie damit gar nichts, und sie kennen mich gut genug, um zu wissen, daß ich sie beim kleinsten Anlaß dezimieren lasse. Es sind römische Soldaten, und sie haben zu tun, was ihnen befohlen wird. Ich werde sehr unangenehm, wenn gemeine Soldaten und Tribunen glauben, sie könnten das große Wort führen — doch davon gleich mehr.
Aufgrund der augenblicklichen Lage glaube ich, Mytilene wird bis zum Frühjahr so geschwächt sein, daß ich die Stadt angreifen kann. Um den Erfolg zu sichern, werde ich mehrere Belagerungstürme einsetzen. Wenn es mir gelingt, die Stadt vor Sommer zu unterwerfen, wird die ganze übrige Provinz sich unterwerfen.
Der Hauptgrund meiner Zuversicht ist, daß ich von — Du errätst es nicht — Nikomedes die herrlichste Flotte bekommen habe! Thermus hat Deinen angeheirateten Neffen Gaius Julius Caesar Ende Quintilis nach Bithynien geschickt, um dort eine Flotte zu beschaffen. Er hat mir davon geschrieben, aber wir hätten beide nicht erwartet, daß wir die Flotte vor März oder April nächsten Jahres zu sehen bekommen würden. Thermus hat über die Zuversicht des jungen Caesar, daß er die Flotte auch wirklich bekommen werde, gelacht und ihn dadurch offenbar gekränkt. Caesar wollte von Thermus daraufhin genaue Anweisungen über die Stärke der Flotte und den Termin der Bereitstellung. Vierzig Schiffe, die Hälfte davon gedeckte Quinqueremen oder Triremen, sollten an den Kalenden des November in Lesbos sein. ,So lautete Thermus’ Befehl an den arroganten jungen Burschen.
Kannst Du Dir vorstellen, daß Caesar exakt an den Kalenden des November mit einer weitaus besseren Flotte, als jeder Römer von einem Nikomedes erwartet hätte, in meinem Lager aufgetaucht ist? Einschließlich zwei Sechzehnern, für die ich nicht mehr zahlen muß als Verpflegung und Sold für die Besatzungen! Als ich die Rechnung sah, war ich überrascht — Bithynien macht zwar Gewinn, aber nicht unverschämt. Dadurch wird es für mich allerdings zu einer Frage der Ehre, daß ich die Flotte nach dem Fall Mytilenes sofort zurückschicke. Und umgehend vollständig bezahle. Ich hoffe natürlich, daß ich die Rechnung aus der Kriegsbeute bezahlen kann, aber wenn diese nicht so reich ausfallen sollte, wie ich erwarte, könntest Du das Schatzamt dann vielleicht zu einer Sonderzahlung für mich überreden?
Ich muß hinzufügen, daß der junge Caesar arrogant und unverschämt war, als er mir die Flotte überbrachte. Ich mußte ihn in seine Schranken weisen. Natürlich gibt es nur eine Erklärung, wie es ihm gelungen ist, der alten Schwuchtel Nikomedes eine so wunderbare Flotte in so kurzer Zeit abzuschwatzen — er hat mit ihm das Liebeslager geteilt. Das habe ich ihm auch gesagt, um ihn in seine Schranken zu weisen. Allerdings glaube ich nicht, daß irgend etwas auf der Welt Caesar in die Schranken weisen kann! Er hat mich angefahren wie eine aufgerichtete Kobra und behauptet, er brauche nicht auf die Mittel von Weibern zurückzugreifen, um etwas zu erreichen; an dem Tag, an dem er das nötig habe, werde er sich ein Schwert in den Bauch stoßen. Ich wußte nicht mehr, wie ich ihn zur Vernunft bringen sollte, ein Problem, das ich, wie Du weißt, sonst nicht habe. Doch ich glaubte, daß vielleicht die anderen Militärtribunen einen mäßigenden Einfluß auf ihn haben würden. Du wirst Dich an sie erinnern, Du mußt sie am Tag vor ihrer Abreise noch in Rom gesehen haben: Gabinius, zwei Lentulier, Octavius, Messala Rufus, Bibulus und Philippus’ Sohn.
Soviel ich mitbekommen habe, hat der kleine Bibulus tatsächlich versucht, Caesar zu bremsen. Er ist wegen seiner Bemühungen auf einem hohen Schrank gelandet. .Seither sind die Tribunen gespalten: Caesar hat Gabinius, Octavius und Philippus’ Sohn für sich gewonnen, die beiden Lentulier und Bibulus hassen ihn, Rufus steht dazwischen. Natürlich gibt es wegen der Langeweile, die sich während einer Belagerung unter jungen Männern breitmacht, stets Ärger, und es ist schwierig, die Männer zur Arbeit anzutreiben. .Sogar für mich. Caesar beschwört den Ärger allerdings regelrecht herauf. Und ich hasse es, wenn ich mich mit Kleinigkeiten herumschlagen muß. Caesar ist eine Nervensäge. Er sieht zu gut aus und ist zu selbstsicher, und er weiß leider genau, wie intelligent er ist.
Der Gerechtigkeit halber muß man allerdings hinzufügen, daß er sehr fleißig ist. Er arbeitet ständig. Ich weiß nicht, wie er es anstellt, aber jeder einfache Fußsoldat im Lager scheint ihn zu kennen — und zu mögen, was die Sache noch schlimmer macht. Er arbeitet völlig selbständig. Meine Legaten meiden ihn inzwischen, weil er Befehle zur Durchführung bestimmter Aufgaben nur dann entgegennimmt, wenn er mit der Durchführung einverstanden ist. Und er weiß immer, wie man etwas besser macht! Er gehört zu den Leuten, die schon immer alles durchgeplant haben, bevor der erste Streich geführt oder der erste Befehl erteilt ist. Deshalb stehen meine Legaten zum Schluß nur allzuoft mit roten Köpfen da.
Bisher ist es mir erst ein einziges Mal gelungen, sein Selbstvertrauen zu erschüttern, und zwar durch meine Anspielung darauf, wie er die Flotte von Nikodemus bekommen hat. Das hat ihn unglaublich wütend gemacht. Aber tut er, was ich will — greift er mich tätlich an und liefert mir so den Vorwand, ihn vors Kriegsgericht zu bringen? Nein! Dazu ist er zu gerissen und beherrscht. Ich mag ihn nicht, das ist sicher. Magst Du ihn? Er war so unverschämt, mir ins Gesicht zu sagen, meine Abstammung sei verglichen mit seiner weniger als Staub!
Genug von den Tribunen. Eigentlich sollte ich von wichtigeren Männern schreiben, zum Beispiel von Legaten. Ich fürchte nur, von ihnen gibt es nichts zu berichten.
Wie ich höre, betätigst Du Dich jetzt als Ehe vermittler und hast dem kleinen Pompeius eine Frau weit über seinem eigenen Stand verschafft. Du könntest mir auch eine Braut beschaffen, wenn Du Zeit hast. Seit meinem dreißigsten Geburtstag bin ich aus Rom fort, und obwohl ich fast schon im Alter für die Prätur bin, habe ich noch immer keine Frau, von einem Sohn, der mir einmal nachfolgt, ganz zu schweigen. Das Problem ist, daß ich guten Wein, gutes Essen und gute Unterhaltung jener Art Frau vorziehe, die ich heiraten müßte. Außerdem mag ich nur junge Mädchen, und wer ist schon in solchen Geldverlegenheiten, daß er mir seine dreizehnjährige Tochter gibt? Wenn Dir jemand einfällt, laß es mich wissen. Mein Bruder lehnt es kategorisch ab, als Vermittler zu fungieren, Du kannst Dir also vorstellen, wie froh ich bin, daß Du Dich jetzt mit solchen Dingen befaßt.
Ich grüße und vermisse Dich, lieber Lucius Cornelius.