3. Teil

Januar 81 v. Chr. bis Sextilis (August) 80 v. Chr.

Keine zwei Monate später stellte Sulla befriedigt fest, daß Rom sich mit seinen Proskriptionen abgefunden hatte. Das Gemetzel war kaum weniger grausam gewesen als Marius’ Wüten in den wenigen Tagen seines siebten Konsulates, auch wenn auf den Straßen weniger Blut floß und sich im unteren Forum Romanum keine Leichen türmten. Die Leichen der Geächteten durften weder bestattet noch betrauert werden; an Fleischerhaken wurden sie zum Tiber geschleift und ins Wasser geworfen. Nur die Köpfe wurden auf dem Forum Romanum ausgestellt, aufgeschichtet um einen öffentlichen Brunnen, das sogenannte Servilius-Becken.

Während Sullas Hausverwalter Chrysogonus gewaltige Besitztümer für den Staat beschlagnahmte, traten zwei weitere neue Gesetze in Kraft: Die Witwe eines Geächteten durfte nicht mehr heiraten, und die Wachsmasken des Gaius Marius und des jüngeren Marius, Cinnas und seiner Ahnen sowie aller Geächteten und ihrer Ahnen durften bei Bestattungen nicht mehr zur Schau gestellt werden.

Gaius Marius’ Haus war von Sextus Perquitienus ersteigert worden, dem Enkel des Mannes, der das Familienvermögen begründet hatte und einst Gaius Marius’ Nachbar gewesen war. Jetzt war in dem Haus auf dem Nachbargrundstück die Kunstsammlung des jungen Perquitienus untergebracht.

Chrysogonus konnte den Besitz der Geächteten anfangs noch zu guten Preisen versteigern, aber das einsetzbare Kapital war beschränkt, und bei der zehnten Versteigerung begannen die Preise drastisch zu fallen. In diesem Augenblick begann Marcus Crassus mitzubieten. Seine Taktik war schlau: Er konzentrierte sich nicht auf die attraktiven Posten der Versteigerungsliste, sondern auf weniger begehrte Grundstücke, die er dann auch zu Spottpreisen bekam. Noch gerissener stellte es Lucius Sergius Catilina an: Er informierte Chrysogonus über verschwörerische Reden und Umtriebe und erreichte damit, daß unter anderem sein älterer Bruder Quintus und später sein Schwager Caecilius geächtet wurden. Sein Bruder konnte sich ins Exil retten, sein Schwager kam ums Leben. Catilina beantragte beim Diktator daraufhin eine Sonderregelung, um in den Genuß der Erbschaft zu kommen, denn er war weder testamentarisch bedacht worden noch ein direkter Erbe der Geächteten gewesen, die beide Söhne gehabt hatten. Sulla gab dem Antrag statt, und Catilina wurde reich, ohne einen einzigen Sesterz auf einer Versteigerung ausgegeben zu haben.

Als Sulla am letzten Tag des Januar seinen Triumph feierte, war das Wetter kalt und die Atmosphäre gedrückt. Zwar strömte das Volk in Massen auf die Straßen, um ihm zuzujubeln, aber die Ritter blieben zu Hause, aus Angst, ihre Namen könnten auf einer der nächsten Proskriptionslisten auftauchen, wenn Sulla oder Chrysogonus auf sie aufmerksam würden. Kriegsbeute und Tributzahlungen aus Asia und von König Mithridates wurden prunkvoll mitgeführt, denn Sulla wollte verbergen, daß der Krieg überstürzt und voreilig beendet worden und die Beute angesichts des Reichtums des Feindes geradezu kläglich ausgefallen war.

Der Zug, der am nächsten Tage folgte, glich eher einer Ausstellung als einem Triumph: Sulla führte vor, was er im Kampf gegen den jüngeren Marius und Carbo erbeutet hatte, ließ die Zuschauer aber tunlichst wissen, daß die Beutestücke den Tempeln und Besitzern, denen sie geraubt worden waren, zurückgegeben würden. An diesem Tag begleiteten ihn heimgekehrte und nun rehabilitierte Verbannte, darunter Appius Claudius Pulcher, Metellus Pius, Varro Lucullus und Marcus Crassus. Sulla ersparte ihnen die Demütigung, die Filzkappe der Freigelassenen zu tragen.