Draußen wird es dunkel. Ich habe kein Licht angemacht. Ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue aus dem Fenster, auf der anderen Straßenseite schneiden die letzten Sonnenstrahlen wie Klingen durch die Ulmen im Park. Jetzt habe ich Sabihas Segen, ihre Erlaubnis. Eines Tages werde ich mit ihr über meine Erzählweise sprechen. Im Haus ist es still. Mein Notizbuch und die Schachtel mit den gespitzten Bleistiften liegen vor mir. Ich benutze keinen Computer. Ich sitze so gern über den Tisch gelehnt und spiele mit dem Notizbuch, drehe es in alle Richtungen, kaue am Stift und betrachte die Ulmen. Säße ich vor einem Bildschirm, könnte ich nicht mehr träumen. Schreiben ist meine Art, der venezianischen Lösung zu entgehen.
Stubby stupst mir mit seiner Nase gegen das Bein. Ich betrachte den Sonnenuntergang. Es ist ein unbeschreiblich schöner Anblick. Als ich Clare vorhin erzählte, dass John seine Geschichte zu Papier bringt, meinte sie: »Habe ich’s dir doch gesagt!« Und ich antwortete: »Ja, vermutlich wird das Buch Mord in der Rue des Esclaves heißen.« Worauf Clare sagte: »Wer weiß, ob er dich nicht überrascht.« Und ich erwiderte: »Wer weiß.« Dann fragte sie mich: »Wie soll deine Version denn heißen?«, und ich antwortete: »Mal sehen.« Ich glaube eigentlich nicht, dass John über Nacht zum Schriftsteller geworden ist, wie er behauptet. Auch wenn er Sabiha alles verziehen hat, habe ich das Gefühl, dass er sich gegen gewisse schmerzliche Erfahrungen sperrt, die für die Arbeit eines Schriftstellers eine unverzichtbare Quelle sind. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie er das bewerkstelligen will. »Komm, Stubbs«, sage ich und stehe auf. »Lass uns rausgehen, solange uns noch ein wenig Licht bleibt.« Sabihas Geschichte war von ihr auf mich übergegangen. Nachdem ich sie eine Weile eifersüchtig gehütet hatte, würde ich sie an andere weitergeben, um sie schließlich für immer loszulassen, wie bei allen anderen Geschichten, die ich weitergegeben habe.