KAPİTEL 29

Anna betrat Zoes Zimmer in der Erwartung, sie krank zu finden, und sah zu ihrer Überraschung, dass sie voll Schwung und Anmut auf sie zukam, als stehe sie im Begriff, eine große Aufgabe in Angriff zu nehmen.

»Es ist mir lieb, dass Ihr so rasch gekommen seid«, sagte sie und sah mit leisem Lächeln auf Anna. »Kyrillos Choniates, den ich aus der Zeit vor seiner Verbannung kenne und für den ich die höchste Bewunderung empfinde, ist schwer krank.«

Sie sah Anna mit ernster Miene an. »Er braucht einen weit besseren Arzt, als ihm nun zur Verfügung steht.« Sie runzelte die Stirn. »Einen, der nichts von seinen Sünden wissen will.« Mit Nachdruck fuhr sie fort: »Ihr könnt ihn mit Kräutern und Tinkturen behandeln, mit Medizin, die seine Krankheit wirklich heilt, oder, sofern er bereits dem Tode nahe sein sollte, sein Leiden zumindest lindert. Er hat es verdient. Spielen Verdienste für Euch eine Rolle?«

»Nein«, gab Anna mit einem Lächeln zurück. »Das wisst Ihr auch, und es ist ohnehin oft eine Frage des Standpunktes. Ich verachte Heuchelei und mache mir damit die Hälfte der frömmsten Menschen, die ich kenne, zum Feinde.«

Zoe lachte laut heraus. »Eure Offenheit könnte eines Tages noch Euren Untergang bedeuten. Ich rate Euch, hütet Eure Zunge. Heuchler haben nicht die Spur von Humor, sonst würden sie selbst merken, wie lächerlich sie sind. Werdet Ihr Kyrillos Choniates aufsuchen und zusehen, was Ihr für ihn tun könnt?«

»Wird man mir das denn gestatten?«

»Lasst das meine Sorge sein. Er befindet sich in einem Kloster in Bithynien. Übrigens wird Euch der päpstliche Legat Bischof Niccolo Vicenze dorthin begleiten, der bei Kyrillos etwas zu erledigen hat. Das bedeutet, dass er die Reise organisiert und für alle Kosten aufkommt. Das Wetter ist für ein solches Vorhaben günstig. Zwar wird der Ritt einige Tage in Anspruch nehmen, aber nicht übermäßig anstrengend sein. Sicher kennt Ihr Bithynien besser als er. Ihr brecht morgen früh auf, es gibt keine Zeit zu verlieren.«

Zoe trat an den Tisch mit den behaglichen Sesseln. »Ich habe hier eine Kräutermischung für Kyrillos, die Ihr mitnehmen könnt. Der daraus zubereitete Trank hat ihm früher geholfen. Es ist nur ein einfaches Stärkungsmittel, aber gewiss wird er sich darüber freuen, und vielleicht hilft es ihm ja auch. Ich werde gleich selbst etwas davon zu mir nehmen. Möchtet Ihr auch?«

Anna zögerte.

» Wie Ihr wollt«, sagte Zoe leichthin und öffnete die Tür eines geschnitzten Schranks mit vielen kleinen Schubladen. Sie zog eine davon auf und nahm einen Seidenbeutel voller zu feinem Pulver zerstoßener Blätter heraus. »Man vermischt es mit ein wenig Wein«, sagte sie und gab eine Prise in zwei Pokale mit Rotwein. Das Mittel löste sich nahezu sogleich auf.

Sie sah Anna an, während sie einen der Pokale an die Lippen setzte. »Auf Kyrillos Choniates«, sagte sie und trank.

Anna nahm den anderen Pokal und trank einen kleinen Schluck daraus. Das Mittel schien keinerlei Eigengeschmack zu haben, und der Geruch des Weines überdeckte den der Kräuter vollständig.

Zoe trank aus, nahm ein Stück Honigkuchen und biss herzhaft hinein.

Als Anna ihren Pokal ebenfalls geleert hatte, bot Zoe auch ihr ein Stück Honigkuchen an. »Esst davon, er nimmt den Nachgeschmack.«

Nachdem Anna auch den Kuchen gegessen hatte, gab ihr Zoe den Seidenbeutel mit den Kräutern. Anna dankte ihr und versprach, dem Mönch das Mittel zu bringen.



Anna gelangte über den Bosporus ans Ufer von Nikaia, wo Bischof Niccolo Vicenze bereits ungeduldig am Kai auf und ab schritt. An seinem Gesicht war deutlich abzulesen, welches Missvergnügen es ihm bereitete, warten zu müssen. Wie Anna war er in Reisekleidung. Trotz der vergleichsweise schlichten kurzen Gewänder und halbhohen Stiefel aus weichem Leder war ihm der Kleriker auf den ersten Blick anzusehen, als sei sein Amt Teil seiner Persönlichkeit.

Er begrüßte sie knapp mit kaum mehr als einem Nicken, dann bestiegen sie die wartenden Pferde und begannen den langen Ritt ins Anna von früher Jugend an vertraute Landesinnere.

Die Sonne erhob sich am hellen Himmel. Es wurde warm, und nicht das leiseste Lüftchen regte sich. Da Anna schon längere Zeit nicht mehr über größere Entfernungen im Sattel gesessen hatte, war sie bald wund und müde, doch wäre Vicenze der Letzte gewesen, dem gegenüber sie eine Schwäche eingestanden hätte.

Vor vielen Jahren war sie zusammen mit ihrem Bruder Ioustinianos durch dieses Land geritten. Wenn sie die Augen schloss und sich der Wärme der Sonne auf ihrem Gesicht hingab, konnte sie sich einbilden, er, und nicht Vicenze, reite zwischen Farn, Brombeergestrüpp und dem Ginster zu beiden Seiten des Weges vor ihr her.

Vicenze nahm seinen Reisegefährten nicht zur Kenntnis und drehte kein einziges Mal den Kopf, um zu sehen, ob Annas Pferd mit dem seinen Schritt hielt. Sie konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass er trotz seiner Priesterweihe gnadenlos war.

Nach einer Weile war ihr das Gelände nicht mehr vertraut, und sie waren auf eine Karte angewiesen, die Vicenze mit sich führte. Es zeigte sich, dass sie recht genau war.

Am dritten Tag erreichten sie nach Einbruch der Dunkelheit das festungsähnliche Kloster.

Da Zoes Bote schon dort gewesen war, hieß man beide willkommen. Zumindest Anna wurde dringend erwartet. Nachdem sie sich den Reisestaub abgewaschen und ein wenig gegessen und getrunken hatte, führte man sie zu Kyrillos.

Dankbar und zugleich besorgt, geleitete ein junger Mönch sie durch die stillen Gänge in Kyrillos’ kühle Zelle. Es war ein einfacher Raum von etwa fünf mal sieben Schritt, dessen steinerne Wände mit Ausnahme eines großen Kruzifixes kahl waren. Kyrillos ruhte auf einem schmalen Lager, sein Gesicht war bleich und zeigte Züge der Erschöpfung. Er hatte Schmerzen in der Brust und im ganzen Unterleib.

Sie begrüßte ihn freundlich, stellte sich vor und drückte ihr Bedauern über seine Krankheit aus. Er war an die siebzig Jahre alt, und sein Körper war von Selbstkasteiung und den Folgen der Krankheit ausgezehrt. Seine dünnen Haare waren weiß und sein Gesicht eingesunken; seine Haut fühlte sich an wie altes Pergament.

Sie stellte ihm die üblichen Fragen und hörte die Antworten, die sie erwartet hatte. Sie hatte abführende Kräuter mitgebracht, deren Absud angenehm schmeckte. Ihr ging es in erster Linie darum, ihm Erleichterung zu verschaffen, den Flüssigkeitshaushalt seines Körpers wieder ins Gleichgewicht zu bringen und dafür zu sorgen, dass er nachts durchschlief.

»Trinkt hiervon, so viel Ihr könnt«, sagte sie. »Das wird Eure Schmerzen beträchtlich lindern. Ich werde Euch in Abständen von einigen Stunden einen Krug voll davon zubereiten und bringen. Morgen um diese Zeit wird es Euch besser gehen.« Sie hoffte, dass das stimmte, aber beim Heilungsprozess war der Glaube ein bedeutender Faktor, ob christlich oder nicht.

»Sicher würdet Ihr Euch wohler fühlen, wenn sich jemand um Euch kümmerte, der Euch gut kennt«, fuhr sie fort, »aber ich werde mich Euch so nahe halten, wie es Eure Mitbrüder zulassen, und sofort kommen, wenn Ihr mich ruft.«

»Soll ich fasten?«, fragte er besorgt. »Ich will mit Bruder Thomas’ Hilfe beten. Ich habe meine Sünden bereits gebeichtet und die Absolution empfangen.«

»Ein Gebet ist immer gut«, stimmte sie zu. »Aber haltet es kurz. Belästigt Gott nicht mit Dingen, die Er bereits weiß. Und fasten sollt Ihr nicht«, fügte sie hinzu. »Euer Geist ist stark genug. Um Gott und den Menschen weiterhin dienen zu können, müsst Ihr die Kräfte Eures Leibes zurückgewinnen. Trinkt etwas Wein mit Wasser vermischt und gebt Honig hinzu, wenn Ihr das wünscht.«

»Ich enthalte mich des Weines.« Er schüttelte kaum wahrnehmbar den Kopf.

»Es macht nichts«, sie lächelte ihm zu. »Jetzt werde ich den Kräuterabsud herstellen und Euch bringen.«

»Danke, Bruder Anastasios«, sagte er mit schwacher Stimme. »Gott sei mit dir.«



Sie wachte die ganze Nacht bei ihm. Er fieberte und warf sich unruhig auf seinem Lager hin und her, so dass Anna zu fürchten begann, sie werde nichts für ihn tun können. Bei Tagesanbruch war er sehr schwach, und es gelang ihr kaum, ihn dazu zu bringen, dass er den von ihr zubereiteten kräftigenden Absud trank. Es ging ihm so schlecht, dass sie vermutete, er leide an mehr als den Folgen von Fieber und Mangelernährung. In dem Bewusstsein, dass sie nur wenig zu verlieren hatte, gab sie ihm ein stärkeres Abführmittel, fügte Sandelholz für die Leber, Aloe für die Befreiung der Harnwege hinzu und vergrößerte die Dosis Basilien-Quendel.

Als es Nacht wurde, litt er noch größere Qualen, ließ aber ziemlich viel Wasser. Sein Gesicht wirkte entspannter, und seine Augen waren nicht mehr so tief eingefallen.

Irgendwann mitten in der Nacht teilte ihr der Mönch, der bei Kyrillos wachte, mit, der Patient habe heftigen Stuhlgang gehabt, scheine weniger Schmerzen zu leiden und schlafe jetzt.

Ohne ihn zu wecken, betrachtete sie ihn am nächsten Morgen aufmerksam und fasste nach seiner Stirn. Das Fieber war deutlich zurückgegangen, und er bewegte sich leicht unter der Berührung ihrer Hand, ohne aufzuwachen. Sie wagte zu hoffen, dass er gesunden könnte.

Im Verlauf des Tages verlangte Vicenze nachdrücklich, zu ihm vorgelassen zu werden. Da er den Arzt gebracht hatte, unter dessen Fürsorge Kyrillos sich allmählich zu erholen begann, auch wenn er noch äußerst schwach war, sah sich der Abt aus Dankbarkeit verpflichtet, Vicenze den Wunsch zu gewähren. Anna wurde ferngehalten.

Als man sie erneut zu Kyrillos ließ, machte er auf sie einen kraftlosen Eindruck, und das Fieber schien zurückzukehren. Der junge Mönch, der ihn während seiner ganzen Krankheit betreut hatte, sah Anna besorgt an, doch sie sagte nichts.

»Ich denke nicht daran«, erklärte Kyrillos unvermittelt mit heiserer Stimme. »Und wenn es mich mein Leben kostet. Ich bin nicht bereit, ein Dokument zu unterzeichnen, das nicht nur mich zwingt, meinem Glauben abzuschwören, sondern auch meine Mitmenschen zum Abfall vom Glauben veranlasst.« Er schluckte, den Blick auf Annas Gesicht gerichtet, angstvoll und zugleich unbeugsam. »Damit würde ich meine Seele aufgeben. Das verstehst du doch, Bruder Anastasios, nicht wahr?«

»Ich bin nicht immer sicher, was richtig ist«, begann Anna nachdenklich und sah ihm dabei aufmerksam in die Augen. »Aber selbstverständlich habe ich wie jeder andere gründlich über die Treue zu unserem Glauben und auch über die schreckliche Gefahr nachgedacht, die es bedeuten würde, wenn erneut Kreuzfahrer gegen unsere Stadt anstürmen und alles töten und niederbrennen würden, was sich ihnen in den Weg stellt. Wir sind dem Leben der Männer verpflichtet, die uns sich selbst, ihre Kinder, Frauen und Mütter wie auch alle anderen, die sie lieben, anvertraut haben. Von einer Frau, die damals ein kleines Mädchen war und vor deren Augen man die Mutter vergewaltigte und ermordete, habe ich Berichte über die Plünderung des Jahres 1204 gehört …«

Er schien betroffen. Tränen liefen ihm über die schlaffen Wangen.

»Aber weit schlimmer wäre es, unseren Glauben zu verleugnen«, fuhr sie fort und verabscheute sich, weil sie ihm damit Seelenqualen bereitete. »Wenn Euch Gottes Heiliger Geist sagt, was richtig ist, dürft Ihr Euch um keinen Preis dagegenstellen, denn das würde die ewige Verdammnis bedeuten. «

Er nickte bedächtig. »Du bist weise, Bruder Anastasios. Weiser, denke ich, als so manche meiner Mitbrüder und mit Sicherheit weiser als der kaltherzige Abgesandte aus Rom.« Er lächelte schwach, wobei seine Augen kurz aufleuchteten. »Die einzige Weisheit besteht darin, Gott zu vertrauen.« Er machte das Kreuzzeichen auf die überlieferte Weise, sank zurück auf sein Lager und schlief ein. Nach wie vor lag ein leichtes Lächeln auf seinen Zügen.

Als sie ihn das nächste Mal aufsuchte, war er wach und fieberte. Seine Finger zitterten so stark, dass er kaum die Schale mit dem Kräuteraufguss halten konnte, so dass sie ihre Hände um die seinen legen musste, um ihm zu helfen. Das schien der richtige Zeitpunkt für Zoes Stärkungsmittel zu sein. Gewöhnlich benutzte Anna ausschließlich Kräuter, die sie selbst beschafft und gemischt hatte, doch hatte sie inzwischen alles ausprobiert, was ihr zu Gebote stand.

Sie sagte ihm, sie werde einen neuen Aufguss mit Kräutern machen, die ihr Zoe Chrysaphes für ihn mitgegeben hatte. Dann ging sie hinaus, während der junge Mönch bei ihm wachte. Als sie zurückkehrte, sah Kyrillos müde aus, und sie gab ihm den Aufguss mit den Worten »Möglicherweise schmeckt der Trank bitter. Ich habe ebenso wie Zoe davon getrunken, aber mit Wein vermischt, und ich weiß, dass Ihr das nicht wollt.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, keinen Wein.« Er griff nach der Schale, und sie gab sie ihm. Schon nach dem ersten Schluck verzog er das Gesicht. »Das schmeckt wirklich abscheulich«, sagte er. »Hätte ich doch nur dieses eine Mal – « Er brach mitten im Satz ab. Sein Gesicht wurde kreidebleich, die Augen waren weit aufgerissen, und keuchend griff er sich, nach Luft ringend, an die Kehle.

»Ihr habt ihn vergiftet!«, rief der junge Mönch entsetzt aus. Er sprang auf und eilte zur Tür. »Kommt und helft! Man hat Kyrillos vergiftet.«

Schritte hallten durch den Gang, während der junge Mönch ununterbrochen rief. Anna gegenüber keuchte Kyrillos mit hervorquellenden Augen. Seine Haut hatte alle Farbe verloren, und sein Gesicht begann blau anzulaufen.

Aber sie hatte doch dasselbe getrunken wie er! Sie hatte gesehen, dass Zoe die Kräuter aus demselben seidenen Beutel genommen hatte wie für ihren eigenen Trunk, und sie hatte für Kyrillos nur eine einzige Prise davon verwendet. Einen bitteren Geschmack hatte sie damals nicht wahrgenommen, allerdings hatten Zoe und sie das Pulver in Wein aufgelöst und gleich anschließend Honigkuchen gegessen.

War das die Erklärung? Wusste Zoe, dass Kyrillos keinen Wein trank?

Sie sprang auf und eilte zur Tür. »Wein!«, schrie sie dem Mönch, der nur einen Schritt von ihr entfernt stand, förmlich ins Gesicht. »Holt sofort Wein und Honig! Beeilt Euch! Es geht um sein Leben.«

»Ihr habt ihn vergiftet!«, warf er ihr mit vor Abscheu verzerrtem Gesicht vor.

»Nicht ich, die Römer! Steht nicht wie ein Klotz da, holt Wein und Honig, oder wollt Ihr, dass er stirbt?«

Sogleich eilte er den Gang entlang, so schnell ihn die Beine trugen.

Anna kehrte in die Zelle zurück und versuchte, Kyrillos so zu halten, dass er Luft bekam. Es schien ihr, als verenge sich seine Kehle immer mehr, während sich seine Brust in dem Versuch zu atmen hob und senkte. Angstvoll wartete sie auf die Rückkehr des Mönches.

Schließlich kam dieser, von einem zweiten gefolgt, und brachte Wein und Honig. Sie entriss ihm beides förmlich, vermischte es und hielt Kyrillos den Becher an die Lippen.

»Trinkt jetzt!«, gebot sie. »Auch wenn es schmerzt, trinkt! Euer Leben hängt davon ab.« Sie versuchte, seine Kiefer voneinander zu lösen und ihm das Getränk einzuflößen. Er schien kaum noch zu atmen, und seine Augen verdrehten sich. »Haltet ihn!«, rief sie dem Mönch, der ihm am nächsten war, zu.

Vor Angst zitternd, gehorchte er.

Mit beiden Händen fiel es ihr leichter, Kyrillos’ Mund zu öffnen und seinen Kopf nach hinten zu drücken. Ein Teil der Flüssigkeit gelangte in seinen Mund, und er schluckte sie unter Qualen herunter. Er würgte und schluckte erneut. Sie goss ihm noch ein wenig mehr in den Mund und wiederholte den Vorgang, als es ihm gelang, das zu schlucken. Unendlich langsam ließen seine Zuckungen nach, sein Atem ging leichter, und nach einer Weile erkannte sie, dass die Panik aus seinem Blick verschwunden war.

»Genug«, sagte er mit heiserer Stimme. »Wartet einen Augenblick, dann trinke ich alles. Ich verspreche es.«

Sie half ihm vorsichtig, sich wieder hinzulegen, und sank auf dem steinernen Boden auf die Knie. Ihr Dankgebet klang lauter, als sie eigentlich gewollt hatte, denn Kyrillos’ Errettung war möglicherweise auch ihre eigene.



»Erklärt, was vorgefallen ist«, verlangte der Abt, als sie am späten Abend in seinem Arbeitszimmer vor ihm stand. Er war hager, in seinem Gesicht hatten Kummer und Sorgen tiefe Falten gegraben. Er verdiente es, die reine Wahrheit zu erfahren, doch wollte sie ihn nicht mit einem Verdacht belasten, der sich noch nicht beweisen ließ. Sie hatte Zeit gehabt, sich zu überlegen, was sie ihm sagen wollte.

»Zoe Chrysaphes hat mir Kräuter als Stärkungsmittel für Kyrillos mitgegeben«, sagte sie. »Sie hat etwas davon in ihr eigenes Weinglas und dann in meins getan, und beide haben wir davon getrunken, ohne dass es uns geschadet hätte. Aus dem Beutel mit den Kräutern, die sie mir gegeben hat, habe ich für Kyrillos einen Aufguss gemacht.«

Der Abt runzelte die Stirn. »Das scheint mir unmöglich. «

»Dann fiel mir ein, dass Zoe und ich die Kräuter mit Wein vermischt zu uns genommen hatten und Kyrillos mit Wasser, denn er wollte keinen Wein trinken«, erläuterte sie. »Außerdem haben Zoe und ich Honigkuchen gegessen, weil der, wie sie erklärte, den Nachgeschmack nehme. Das war, soweit ich wusste, der einzige Unterschied, und daher habe ich sofort Wein und Honig kommen lassen und Kyrillos beides eingeflößt. Daraufhin hat er sich erholt. Meiner Vermutung nach hat es am Wein gelegen. Da Zoe Chrysaphes die Kräuter nie mit Wasser zu sich genommen hatte, kannte sie diese entsetzliche Wirkung wohl nicht.« Das war zwar eine offenkundige Verdrehung der Tatsachen, doch weder der Abt noch Anna hätte die Möglichkeit gehabt, Zoe eine Absicht nachzuweisen. Ganz davon abgesehen, konnten sie es sich gar nicht leisten, die Wahrheit offen zu äußern.

»Aha«, sagte er gedehnt. »Und was ist mit dem Römer? Welche Rolle spielt er bei dieser ganzen Geschichte?«

»Keine, soweit ich weiß.« Auch das war eine Lüge. Wenn Vicenze nicht gewollt hätte, dass der einstige Patriarch den Zusatzartikel unterschrieb, woraufhin Zoe befürchtet hatte, er könne damit Erfolg haben, wäre Kyrillos ohne das geringste Aufsehen in dem Kloster gestorben, ohne dass sein Tod in der Frage der Union beider Kirchen den mindesten Einfluss auf die öffentliche Meinung gehabt hätte. Zoe, der das lieber gewesen zu sein schien, als dass er nachgab, hatte in Annas Besuch bei Kyrillos Choniates eine Möglichkeit gesehen, zu erreichen, dass er sich für alle Welt erkennbar weigerte. Hätte er aber im schlimmsten Fall doch unterschrieben, hätte man Anna und Vicenze als seine Mörder hingestellt, und damit wäre das Dokument wertlos gewesen.

Doch von alldem brauchte der Abt nichts zu wissen.

»Wir sind dankbar, dass Ihr ihn durch Euer rasches, entschlossenes und überlegtes Handeln gerettet habt«, sagte er mit ernster Stimme. »Würdet Ihr das an Zoe Chrysaphes weitergeben?«

»Ich werde ihr jede Botschaft übermitteln, die Ihr wollt«, gab sie zur Antwort.

»Danke.« Dann fragte er: »Einer der Brüder hat mir gesagt, dass Ihr aus Nikaia stammt. Stimmt das?«

»Ja. Ich bin hier ganz in der Nähe aufgewachsen.«

Er lächelte ein wenig betrübt, und in seine Augen trat ein erstaunlicher Ausdruck von Güte. »Einer unserer Mitbrüder verlässt das Kloster nie. Früher hat ihn wenigstens von Zeit zu Zeit jemand besucht, der aber schon eine ganze Weile nicht mehr hier war. Ich wäre Euch sehr verbunden, wenn Ihr eine Stunde mit Bruder Ioannis verbringen könntet.«

Sie zögerte nicht. »Selbstverständlich, sehr gern.«

»Danke«, sagte der Abt erneut. »Ich bringe Euch zu ihm.« Sogleich führte er sie durch einen engen Gang, in dem ihre Schritte hallten, zu einer riesigen Tür mit Bronzebeschlägen und von dort eine steile Wendeltreppe empor in einen Turm hoch über der sich weithin erstreckenden Klosteranlage. Oben angekommen, blieb er stehen und klopfte an die einzige Tür. Dann öffnete er sie und ließ Anna eintreten.

»Bruder Ioannis«, sagte er. »Bruder Kyrillos war krank, und ein Arzt ist aus Konstantinopel gekommen, um ihm zu helfen. Er hatte damit Erfolg und wird bald wieder fortgehen. Da er aber aus Nikaia stammt, dachte ich, dass Ihr vielleicht zuvor eine Weile mit ihm reden wollt. Er heißt Anastasios und erinnert mich ein wenig an den Mann, der Euch vor drei oder vier Jahren besucht hat.«

Anna sah zu dem jungen Mann hin, der sich langsam von seinem harten Holzschemel erhob. Wie sonderbar, dass der Abt sie beschrieb, wo sie doch nur einen Schritt hinter ihm stand. Aufmerksam betrachtete sie das abgezehrte und von Schmerz gezeichnete Gesicht des Mannes, auf dem der Ausdruck großer Güte lag. Er war höchstens Mitte zwanzig. Dann erkannte sie mit einem Entsetzen, das ihr das Blut wild in den Ohren hämmern und ihren Mund austrocknen ließ, dass seine Augenhöhlen leer waren, was sein Gesicht unvollständig und verstümmelt erscheinen ließ. Sogleich durchfuhr es sie. Jetzt wusste sie, wem sie da gegenüberstand. Es war der einstige Kaiser Ioannis Laskaris, den Michael Palaiologos hatte blenden lassen, damit er ihm den Anspruch auf den Thron nicht streitig machen konnte. Kein Wunder, dass sich der Abt durch Anna an den Mann erinnert fühlte, der Ioannis besucht hatte – das konnte nur Ioustinianos gewesen sein.

Es kam ihr vor, als müsse sie an ihrem eigenen Atem ersticken. »Bruder Ioannis …«, setzte sie an. Sie hätte ihm liebend gern gesagt, dass sie eine geborene Laskaris war, doch das war selbstverständlich unmöglich.

Er nickte langsam, einen Augenblick lang überrascht, weil der Abt ihm nicht gesagt hatte, dass der Besucher ein Eunuch war, die Stimme aber für sich sprach. »Tretet näher«, sagte er einladend. »Nehmt Platz.«

Sie dankte und setzte sich auf den zweiten Schemel. Nicht nur war der Mann, dem sie sich gegenübersah, der rechtmäßige Kaiser, er galt inzwischen vielen auch als Heiliger, als einer, der Gott so nahe war, dass er Wunder von Ihm erbitten konnte. Doch woran sie in erster Linie denken musste, war die Zeit, die Ioustinianos mit ihm verbracht hatte.

»Euer Vater Abt hat mir gesagt, dass Euch vor einigen Jahren gelegentlich ein Freund besucht hat, ein Mann aus Nikaia …«, begann sie.

Ioannis’ Gesicht hellte sich vor Freude auf. »Ach ja. Er war von solchem Feuer zu lernen beseelt und wahrhaft auf der Suche nach Gott.«

»So, wie Ihr das sagt, muss er ein bemerkenswerter Mensch gewesen sein«, sagte sie. »Wenn doch nur mehr von uns auf diese Weise nach Erkenntnis strebten, statt zu tun, als wüssten wir bereits alles.«

Er lächelte, wobei sein Gesicht förmlich Wärme auszustrahlen schien. »Das hätte auch er sagen können. Ihr allerdings kommt mir ein wenig weiser vor als er, denn Ihr scheint erfasst zu haben, wie viel wir noch lernen können und dass es unendlich vieles gibt, worüber wir nichts wissen.«

»Ist das der Himmel?«, fragte sie spontan. »Unendlich viel zu lernen und zu lieben? Hat er danach gesucht?«

»Er liegt Euch am Herzen«, sagte er. »Ist er ein Freund von Euch? Ein Verwandter? Er hatte keinen Bruder, wie er mir gesagt hat, wohl aber eine Schwester. Seinen Worten nach war sie eine sehr begabte Heilkundige.«

Sie war froh, dass er die Tränen nicht sehen konnte, die ihr aus den Augen stürzten.

Sogar hier bei Ioannis Laskaris hatte Ioustinianos von ihr gesprochen. Sie schluckte den Kloß herunter, der ihr in die Kehle gestiegen war. »Ein ferner Verwandter«, teilte sie ihm mit und gab der Wahrheit damit so viel Ehre, wie es ihr angesichts der Umstände möglich war.

»Auch er war ein Laskaris«, sagte Ioannis leise. »Seither war er nicht mehr hier. Ich fürchte, dass er sich auf etwas Gefährliches eingelassen hat. Er hat von Michael Palaiologos und einem Zusammenschluss unserer Kirche mit Rom gesprochen, wie auch davon, dass er die Stadt retten wollte, ohne das Blutvergießen eines Krieges heraufzubeschwören oder dem Verrat Vorschub zu leisten. Das allerdings, sagte er, sei außerordentlich schwierig.« Ioannis Laskaris runzelte die Stirn, wobei sich auch die scharfen Linien in seinem Gesicht vertieften. »Ihm ist etwas zugestoßen, nicht wahr?«

Es gab keine Möglichkeit, ihm die Wahrheit vorzuenthalten. »Ja, aber ich weiß nicht genau, was es war. Ich bemühe mich, dahinterzukommen. Man hat Bessarion Komnenos ermordet, und Ioustinianos war in die Sache verwickelt. Es heißt, dass er dem Täter geholfen hat. Der Kaiser hat ihn nach Judäa verbannt.«

Mit einem Seufzen, in dem Kummer und unendliche Mattigkeit lagen, stieß Ioannis die Luft aus. »Das tut mir leid. Sofern er auch nur von ferne in die Angelegenheit verwickelt ist, hat er nicht gefunden, was er suchte. Ich hatte bei seinem letzten Besuch so eine Ahnung. Er war anders als sonst. Ich habe es an seiner Stimme gehört. Sie klang, als sei er bekümmert.«

»Bekümmert?«, fragte sie und beugte sich näher zu ihm. »Wegen der Haltung der Kirche … oder wegen etwas anderem? «

»Mein guter Freund«, sagte Ioannis, wobei er den Kopf schüttelte. »Ioustinianos hat nach Antworten auf Fragen von großer Tragweite gesucht. Er wollte Gründe für Dinge wissen, die wir Menschen nur unvollkommen zu erfassen vermögen. Er wäre ein besserer Kaiser gewesen als Bessarion Komnenos, und ich nehme an, dass ihm das bewusst war. Doch der Besitz des Throns hätte ihn nicht zu einem besseren Menschen gemacht. Ich bin nicht sicher, ob auch ihm das klar war.«

Kaiser? Ihr Bruder Ioustinianos? Da musste Ioannis etwas falsch verstanden haben. »Aber er liebte die Kirche«, beharrte sie. »Er hätte für sie gekämpft!«

»Gewiss«, stimmte er zu. »Er war stolz darauf, ihr anzugehören, und hungerte förmlich danach, ihr den angemessenen Platz zu bewahren, ihre Riten, ihre Schönheit und vor allem ihre Identität.«

Ein neuer Gedanke kam ihr. »So sehr, dass er bereit gewesen wäre, dafür zu sterben?«

»Darauf kann ich Euch keine Antwort geben. Niemand weiß, wofür er bereit ist zu sterben, bis der Augenblick der Entscheidung gekommen ist. Wisst Ihr, wofür Ihr sterben würdet, Anastasios?«

Sie schwieg betroffen.

Er lächelte. »Was wollt Ihr von Gott? Und was glaubt Ihr, was Er von Euch will? Ich habe diese Frage Ioustinianos gestellt, und er hat mir nicht geantwortet. Ich nehme an, dass er noch nicht wusste, was er glaubte.«

»Ihr habt gesagt, dass er die Kirche liebte«, erklärte sie leise. »Warum aber die orthodoxe und nicht die römische Kirche? Auch in ihr gibt es Schönheit, Glauben und Riten. Was war es, wofür er einen so hohen Preis zu zahlen bereit war?«

»Jeder von uns bewegt sich gern auf vertrauten Bahnen«, gab Bruder Ioannis schlicht zur Antwort. »Niemand möchte sich gern von einem Fremden, der uns den Willen eines anderen Landes in einer anderen Sprache aufzwingen will, sagen lassen, was er zu denken oder zu tun hat.«

»Ist das alles?«

»Das ist sehr viel«, sagte er mit einem matten Lächeln. »In unserem Leben bleibt nur wenig unverändert. So gut wie alles vergeht, täuscht, enttäuscht oder ernüchtert uns irgendwann. Die einzigen Gewissheiten im Leben sind die unantastbaren Grundsätze der Kirche. Sind sie es nicht wert, dass man für sie lebt oder stirbt?«

»Doch«, gab sie sogleich zurück. »Hat er … darin seine Hoffnung gefunden?«

»Das weiß ich nicht«, sagte er mit trauriger und verlorener Stimme. »Aber er fehlt mir.« Er wirkte ermattet. Alle Kraft war aus seiner Stimme gewichen, seine düsteren Augenhöhlen schienen noch tiefer umschattet zu sein als zuvor.

»Ich tue, was ich kann, um zu beweisen, dass man ihn zu Unrecht beschuldigt hat«, teilte sie ihm mit. »Falls mir das gelingt, wird man ihn begnadigen müssen, und er kann zurückkehren.«

»Als weitläufiger Vetter?« Er lächelte ihr zu.

»Als Freund«, erklärte sie. »Ich möchte Euch nicht ermüden. « Sie erhob sich, weil sie fürchtete, sich in nicht wiedergutzumachender Weise zu verraten.

Er hob die Hand zum Segen in der alten Form. »Gott möge deinen Weg in der Finsternis erleuchten, dein Trost sein in der Einsamkeit kalter Nächte, Anna Laskaris.«

Glühend wie Feuer stieg es in ihr empor, doch obwohl sie dabei eigentlich hätte Angst empfinden müssen, war es ein köstliches Gefühl. Er hatte sie erkannt, sie bei ihrem richtigen Namen genannt. Einen langen, herrlichen und entsetzlichen Augenblick lang war sie wieder sie selbst.

Sie beugte sich vor und berührte sanft seine Hand mit einer fraulichen Geste. Dann wandte sie sich um und ging zur Tür. Sobald sie auf den Treppenabsatz hinausgetreten war, würde sie ihre selbst auferlegte Rolle weiterspielen.



Am Ende des langen Rückwegs nach Konstantinopel verabschiedete sie sich von Vicenze nur mit den wenigen Worten, welche die Höflichkeit gebot, und suchte dann Zoe auf.

In dem Raum, an dessen Wand das große goldene Kreuz hing und von dem man einen so herrlichen Blick über die Stadt bis zum Meer hatte, trat sie ihr mit einem Lächeln gegenüber. Sie genoss den Augenblick.

»Konntet Ihr den guten Kyrillos retten?«, fragte Zoe. In ihren harten topasfarbenen Augen waren die Empfindungen, die in ihr im Widerstreit miteinander lagen, unübersehbar.

»O ja«, gab sie gleichmütig zur Antwort. »Er kann noch viele Jahre leben.«

Zoes Wimpern zuckten. »Und hat der Legat Vicenze sein Ziel erreicht?«

Anna hob fragend die Brauen. »Sein Ziel?«

»Er war doch nicht einfach Euer Reisegefährte!«, sagte Zoe. Es gelang ihr nur mit Mühe, einen Wutausbruch zu unterdrücken.

»Ach ja, er hatte eine Unterhaltung mit Kyrillos«, gab Anna betont beiläufig zurück. »Natürlich war ich nicht dabei anwesend. Anschließend ging es dem armen Kyrillos schlechter, und ich musste alle Mühe aufwenden, um dafür zu sorgen, dass das keine schlimmen Folgen hatte.«

Ärger flammte in Zoes Blick auf. Zum ersten Mal hatte Anna gewagt, sich gegen sie aufzulehnen. Mit einem Mal standen sie einander von Gleich zu Gleich gegenüber.

Anna lächelte. »Dazu habe ich ihm aus den Kräutern, die Ihr mir so vorausschauend mitgegeben habt, einen Aufguss bereitet.«

Zoe holte tief Luft und stieß sie langsam wieder aus. Sie wusste nicht, was sie denken sollte. »Und, haben sie geholfen? «, erkundigte sie sich, obwohl sie die Antwort selbstverständlich kannte.

»Zunächst nicht«, teilte ihr Anna mit. »Ehrlich gesagt, haben sie ihn in eine Lage gebracht, in der ich Grund hatte, um sein Leben zu fürchten. Dann ist mir eingefallen, dass Ihr und ich sie in Wein eingenommen hatten. Und das war in der Tat der entscheidende Unterschied.« Sie lächelte und sah Zoe offen in die Augen. »Ich bin Euch wirklich dankbar für Eure Voraussicht. Ich habe dem Abt genau erklärt, was geschehen ist. Auf keinen Fall wollte ich, dass ein so heiliger Mann auf den Gedanken kommt, Ihr hättet versucht, den armen Kyrillos zu vergiften. Das wäre nicht auszudenken. «

Zoes Gesicht erstarrte wie zu weißem Marmor. Auf ihren Zügen zeigte sich weder Wut noch Erleichterung. Dann trat ein Ausdruck darauf, den Anna richtig deutete, obwohl er im nächsten Augenblick wieder verschwunden war – Bewunderung.

»Wie aufmerksam von Euch«, sagte Zoe leise. »Ich werde Euch das nicht vergessen.«

Die Dunklen Wasser Des Todes: Roman
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