Kapitel 30

Im Netz

Hinter den großen Fenstern, die die Stirnseite des Restaurants einnahmen, konnte man einen weiteren Versuch des anstehenden Winters beobachten, die letzten Spuren von verfärbtem Laub zu tilgen. Der raue Wind scheuchte Schneeflocken über das Wasser im Hafen, so dicht, dass das kleine Motorboot, das gerade von einem Frachter abgelegt hatte, kaum mehr als ein Schemen war. Die Wasseroberfläche spiegelte den grauen Himmel, und sämtliche Farben waren aus der Welt dort draußen gewichen. Das kräftige Rot, in dem das Restaurant eingerichtet war, sowie die vielen plaudernden Gäste und der aufregende Duft der arabischen Gerichte, die hier serviert wurden, änderten nichts an diesem tristen Eindruck.

Meta konnte den Blick nicht von den umherjagenden Schneeflocken nehmen, die eine betäubende Wirkung auf sie hatten. Als Laila endlich mit einem Tablett zurückkehrte, auf dem zwei Tees in filigranen Gläsern und eine Schale mit Datteln Platz gefunden hatten, flackerte das Spiel der weißen Tupfer vor ihrem inneren Auge noch einige Sekunden nach. Meta blinzelte angestrengt, und Laila schenkte ihr ein warmes Lächeln, wobei sich die Linien um ihre Augen vertieften, ohne ihre Schönheit zu mindern. Ihre Haut schimmerte in einem Ton, wie wenn man Sahne mit geschmolzener Schokolade verrührt: hell und dunkel zugleich.

»Um die Zeit habe ich auch immer einen Durchhänger«, sagte Laila und schüttete die Hälfte der Zuckerdose in ihr Teeglas. »Das hier wird uns beiden wieder auf die Sprünge helfen.«

Meta brauchte einen Augenblick, bis sie sich sicher war, ihre Stimme unter Kontrolle zu haben. »Was für Gewürze mischen die denn in den Tee? Der duftet fantastisch.«

»Keine Ahnung, aber sie wissen auf jeden Fall, was sie tun.«

Erneut vertieften sich die Lachfältchen. Dieses Mal gelang es Meta sogar, das Lächeln zu erwidern. »Es freut mich, dass wir es endlich einmal geschafft haben, uns zu treffen, und nicht immer nur darüber zu reden«, sagte sie und meinte es auch so.

Die beiden Frauen hatten sich vor Monaten auf einer Vernissage kennengelernt und sich sofort sympathisch gefunden. Laila arbeitete für eine der benachbarten Galerien. Heute erst hatte Meta herausgefunden, dass diese vielleicht vierzigjährige Frau nicht nur über einen ausgesprochen vielschichtigen Kunstgeschmack verfügte, sondern auch ein wahrhaft aufregendes Leben geführt hatte: zwei kurz vor dem Abschluss abgebrochene Studiengänge, weil ihr das Fach plötzlich langweilig erschienen war, Erfahrungen als Barkeeperin, Reiseleiterin, pleitegegangen mit einem Internet-Auktionshaus für Gegenwartskunst, und dann noch ein Kind, das eine Hochbegabtenschule besuchte. Also ordentlich Stoff zum Erzählen - was Laila auch sehr gern und freimütig tat.

Unter anderen Umständen wäre Meta von einer solchen Lebensgeschichte vermutlich zwischen Begeisterung und Staunen hin- und hergerissen gewesen, aber heute war sie einfach zu erschöpft. Seit David vor zwei Tagen fortgegangen war, stand sie trotz Rahels Hilfe vollkommen neben sich. Deshalb war sie über dieses spontane Mittagessen auch sehr froh gewesen.

Laila hatte sich mit einem Kunden unterhalten, der vor kurzem ein Bild bei Meta ersteigert und begeistert von ihrem Kunstverstand geschwärmt hatte. Daraufhin hatte sie kurzerhand beschlossen, einfach in der Galerie vorbeizuschauen und Meta zum Essen einzuladen.

Eve, die Laila von der Treppe aus beobachtet hatte, war eindeutig nervös gewesen.Vermutlich kannte sie bereits einige Geschichten über die eigensinnige Frau und befürchtete, dass Meta - nachdem sie gerade erst erfolgreich eine neue Kunstsparte im Galerieprogramm durchgesetzt hatte - im Eifer des Wandels eine neue Kollegin mit an Bord bringen wollte. Oder vielleicht sogar gegen jemand Unliebsamen einzutauschen gedachte?

Als Meta ihren Mantel geholt hatte, war sie deshalb noch kurz zu Eve gegangen und hatte leise gesagt: »Findest du nicht auch, dass Lailas dunkle Schönheit einen großartigen Kontrast zu unserem weißen Kachelparadies bildet? Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich mir das gerne häufiger anschauen würde.« Eve hatte nur ein Schnauben hören lassen, doch es hatte bei weitem nicht so abfällig wie sonst geklungen. Na, dann grüble mal schön, hatte Meta voller Schadenfreude gedacht.

Tatsächlich war Laila nicht im Geringsten an einem neuen Job interessiert; sie hatte bloß Lust auf ein Gespräch unter Kunstnarren verspürt. Dass sie jedoch schon nach kurzer Zeit auch über alles andere redeten, das ihnen gerade durch den Kopf ging, machte das Mittagessen trotz Metas durchscheinender Niedergeschlagenheit zu einem Erfolg. Mit ihrer überschwänglichen Art gelang es Laila sogar, ihrer Gesprächspartnerin das eine oder andere Lachen zu entlocken. Ihr schien Metas Niedergeschlagenheit durchaus nicht entgangen zu sein, aber sie war wohl zu taktvoll, um sie darauf anzusprechen. Dafür war Meta ihr ausgesprochen dankbar, denn so bekam sie die Möglichkeit, wenigstens für die Dauer eines  Essens das ganze Elend zu vergessen, in das ihr Leben sich verwandelt hatte.

»Vermutlich wird Rinzo mich für unser Treffen als miese Verräterin brandmarken, sobald ich in die Galerie zurückgekehrt bin«, erklärte Meta mit gespielter Ernsthaftigkeit, nachdem Laila gerade die Rechnung beglichen hatte.

Laila legte den Kopf schief. »Soll ich dir mal meine ehrliche Meinung zum Thema Rinzo und der Galerie sagen? Ich denke, es war höchste Zeit, dass bei euch mal ein frischer Wind weht. Ich bin zwar von der Konkurrenz und sollte deshalb vermutlich meinen Mund halten, aber wenn man sich ein wenig in der Gerüchteküche umhört, dann braucht euer Laden dringend einen Ausgleich zu Rinzos Gehabe. Der redet zwar viel von Genius und Einzigartigkeit, aber, ehrlich gesagt, geht es bei ihm doch offensichtlich schlicht ums Geschäft. Ein bisschen Seele, der Mut, nicht nur auf die zu schauen, die mit ihrer Meinung immer in der ersten Reihe stehen, wird sich lohnen. Vielleicht bekommt eure Buchhalterin nicht unbedingt mehr zu tun, aber du wirst aufblühen, und das zahlt sich bestimmt aus. Solche Umbruchzeiten sind gewiss schwierig, doch du machst das schon richtig.«

Einen Moment lang verspürte Meta das dringende Bedürfnis, sich gegen Lailas Schulter zu lehnen und hemmungslos zu weinen. Stattdessen schluckte sie tapfer und sagte ein leises Dankeschön. Diese Worte hatten ihr eben viel mehr gegeben, als Laila ahnen konnte, denn stets übermannte sie der Schmerz aufs Neue. Und angesichts der Dinge, die Rahel ihr über den Wolfsdämon erzählt hatte, fühlte sie eine Trostlosigkeit, die ihr zuflüsterte, die Hoffnung auf Davids Rückkehr einfach fallenzulassen und sich mit seinem Verlust abzufinden. Doch dazu war Meta nicht bereit.

Es ist eine Zeit des Umbruchs, sagte sie sich, während sie in der kleinen Vorhalle des Restaurants auf Lailas Taxi warteten.  Es ist verstörend, aber es wird vorübergehen. Sobald ich David gegenüberstehe und die richtigen Worte sage, wird es vorbei sein. Und dann … Aber das »und dann« schien so grausam weit weg. Die Unfähigkeit, sich ein Wiedersehen vorzustellen, war fast noch schlimmer als der Liebeskummer und die Sorge, David nicht finden zu können. In seiner alten Wohnung war sie schon gewesen, doch die war bereits wieder neu vermietet worden. Bei Halberland, seinem Chef, war David auch nicht aufgetaucht. Obwohl der Mann geschimpft hatte wie ein Rohrspatz, hatte er darum gebeten, dass David sich bei ihm melden sollte, sobald er wieder auftauchte.

Lailas Taxi fuhr vor, und die beiden Frauen verabschiedeten sich herzlich voneinander. Von der geschützten Vorhalle aus beobachtete Meta, wie die in einen voluminösen Mantel verhüllte Gestalt durch den Schneesturm lief und der Wagen, Matsch aufspritzend, losfuhr. Unschlüssig blieb Meta hinter der Eingangstür stehen: Sollte sie sich ebenfalls ein Taxi rufen lassen oder einen kurzen Spaziergang zur S-Bahn wagen? Zwar hatte sie wegen der bleiernen Müdigkeit - die sie dennoch in den Nächten nicht schlafen ließ - die ganze Zeit über gefröstelt, aber mit einem Mal fühlte sie eine innere Unruhe, die sich, begleitet von Hitzewellen, in ihrem Körper ausbreitete. Beim Blick auf die einsamen Straßen beschlich sie kurz die Furcht, Tillmann könnte ihr abermals auflauern. Doch schon schob sie den Gedanken beiseite: Das Restaurant lag am Hafen, also weit weg von ihrer Wohnung und somit von Tillmanns Revier - falls er überhaupt noch in der Stadt sein sollte.

Als draußen ein weiteres Taxi vorfuhr, um einen Gast aussteigen zu lassen, trat Meta ins Freie, wo ihr Wind und Schnee sofort die Sicht raubten. Sie stolperte die Stufen hinunter und wäre um ein Haar in Karl hineingelaufen. Es dauerte einen Augenblick, bis sie ihn erkannte, da er sich den Schal über das Kinn gezogen hatte. Er reagierte wesentlich schneller und umfasste ihre Oberarme, als wolle er sie vor einem Fall schützen.

»Hallo, Meta. Du wolltest doch wohl nicht etwa gerade los?«, fragte er freundlich.

»Ehrlich gesagt, doch. Eve hält schon den ganzen Tag lang Stellung in der Galerie, weil Sol auf Familienbesuch ist.Wenn ich sie jetzt nicht ablöse, bekommt sie vielleicht noch einen Lagerkoller.« Meta zwang sich, unbeschwert zu klingen, während sie am liebsten Karls Hände abgewehrt hätte.

Karls Augenbrauen zogen sich zusammen, dann blickte er verlegen drein. »Eigentlich hat Eve mich angerufen und mir erzählt, dass du zum Essen hierhergegangen bist. Ich wollte schon früher da sein, aber mir ist leider etwas Geschäftliches dazwischengekommen.Warum leistest du mir nicht noch etwas Gesellschaft, nur für einen Kaffee?«

»Eve hat dich angerufen?« Obwohl sie keinen Zweifel an Karls Worten hegte, konnte Meta es kaum glauben. »Was hat sie dir sonst noch so auf die Nase gebunden?«

Endlich nahm Karl seine Hände von ihr. »Lass uns das doch im Warmen besprechen«, schlug er vor, demonstrativ den Kragen seines Mantels hochschlagend.

Meta sparte sich eine Antwort und stieg die restlichen Treppen hinab. Karl fluchte leise und folgte ihr. Während sie schnellen Schrittes über eine Brücke liefen, beachtete Meta ausschließlich die im Schnee verschwindende Hafenanlage. Irgendwo im weißen Gewirr glaubte sie, die Umrisse eines Krans auszumachen. Unterdessen versuchte Karl, zu ihr aufzuschließen, was sie nur noch rascher gehen ließ. Dabei achtete sie gar nicht mehr auf ihre Umgebung, so dass sie nicht wusste, wo sie sich eigentlich befand, als Karl sie schließlich grob an der Schulter packte und zum Anhalten zwang.Von der Promenade, in die der Hafen überging, war jedenfalls weit und breit keine Spur mehr zu entdecken.

»Warum läufst du vor mir weg?«, fragte Karl, nur leidlich Zorn und verletzten Stolz unterdrückend.

»Ich laufe nicht vor dir davon, ich will einfach nur nichts mehr mit dir zu tun haben.« Hatte Meta sich eben noch gewünscht, dass Karl lautlos im Schneegestöber verschwand, so empfand sie nun eine gewisse Genugtuung dabei, ihm die Wahrheit an den Kopf zu werfen. Herausfordernd baute sie sich vor ihm auf. »Ich vermute mal, Eve und Rinzo haben eins und eins zusammengezählt und dir gleich brühwarm berichtet, dass David mich verlassen hat. Und dass ich ein wimmerndes Nervenbündel bin, wenn ich mich nicht gerade hinter meiner Arbeit verstecke.« Karl brachte lediglich ein Nicken zustande. »Und was willst du jetzt, mich trösten?«

»Es gibt keinen Grund, über mich herzufallen«, erklärte Karl, der langsam zu seiner alten Selbstsicherheit zurückfand, nachdem ihn Metas Angriff kurzfristig aus der Fassung gebracht hatte. »Wir haben in der Vergangenheit beide Fehler gemacht. Meinst du nicht auch, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um einen Schlussstrich unter diese unseligen Geschichten zu ziehen?«

»Gern. Ein Schlussstrich, wunderbar. Darf ich jetzt gehen?«

»Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, wie schwer es für mich ist, dir hinterherzulaufen, obwohl du mit diesem Idioten zusammen gewesen bist, der dich auch noch hat sitzenlassen. Das sagt doch viel über meine Gefühle für dich aus. Da habe ich wohl mehr verdient als so eine patzige Abfuhr.«

Nur mit Not konnte Meta den aufwallenden Zorn unter Kontrolle halten. Dabei wäre es eine solche Befriedigung gewesen, Karl einen Schlag in bestimmte Körperregionen zu verpassen. »Das ist also deine Vorstellung von Ritterlichkeit«, gab sie stattdessen betont ruhig zurück. »Während du dich mit meiner Schwester und weiß der Teufel mit wie vielen anderen Frauen vergnügst, bin ich also Ausschussware, weil ich mich  mit einem nicht standesgemäßen Mann eingelassen habe. Und du möchtest nun für deine unendliche Großzügigkeit, mich zurückzunehmen, belohnt werden?«

Obwohl die Kälte ihm schon die Farbe aus dem Gesicht gelöscht hatte, wurde Karl bei diesen Worten noch eine Spur blasser. »Diese völlig durchgeknallte Emma hat dir also davon erzählt?«

So unmittelbar wie ihre Wut aufgeflammt war, verlosch sie auch wieder. Meta schloss die Augen und sehnte sich einfach nur danach, sich in ihr Bett zu kuscheln, dem immer noch Davids wunderbarer Geruch anhaftete. »Du hast Recht mit dem Schlussstrich, Karl.Vergessen wir diese ganzen Geschichten. Die Sache zwischen uns beiden ist vorbei, nicht wegen Emma und auch nicht wegen David. Wir beide sind schlicht auf der Suche nach völlig verschiedenen Dingen. Lass uns das akzeptieren.«

Mit einem fassungslosen Gesichtsausdruck zog Karl sich die Mütze vom Kopf und fuhr sich mit den Handschuhen durchs Haar, bis es wirr abstand. Gegen ihren Willen spürte Meta Mitleid. Karl war es einfach nicht gewohnt, zurückgewiesen zu werden. Aus seiner Sicht hatte er ihr soeben den größten Liebesbeweis erbracht, zum dem er fähig war.

»Karl …«, setzte sie tröstend an, aber da stieß er schon ein hämisches Lachen aus.

»Das ist nichts weiter als ein schlechter Witz.« Seine schön geformten Augen erzählten von der Verletzung, die sie ihm beigebracht hatte, doch sein Mund war bereits zu einer gehässigen Linie verzogen. »Lass mich raten, woran es liegt, dass du diesen verdammten Kerl einfach nicht wieder aus deinem Kopf bekommst. Es ist sein Scheiß -«

»Hör endlich auf!«, fuhr Meta ihm ins Wort. »Ich werde jetzt gehen.«

Wütend packte Karl sie an der Schulter. Er griff so hart zu,  dass sie vor Schreck aufstöhnte. Morgen würde die empfindsame Stelle zwischen Schulter und Halsbeuge bestimmt von seinen Fingerabdrücken gezeichnet sein. »Habe ich Recht?«, fragte er heiser.

Meta versuchte, ihn mit dem freien Arm fortzuschieben, Karl war jedoch viel größer und entschieden kräftiger als sie. Er zuckte nicht einmal zusammen, als sie ihm vor die Brust schlug. Seine Finger gruben sich nur tiefer durch den Stoff ihres Mantels, bis sie stöhnend ein Stück in die Knie ging. Unterdessen begann Karl, vor sich hin schimpfend, seinen Mantel zu öffnen.

»Dir hat wohl einfach nicht gereicht, was du hattest, nicht wahr, Meta? Aber ich kann dir versichern, dass du dich da getäuscht hast. Ich werde es dir beweisen.«

Doch bevor Karl tatsächlich dazu kam, sackte er plötzlich mit einem Keuchen leicht vornüber. Der Griff an Metas Schulter verlor an Kraft, und sie schüttelte ihn ab. Perplex taumelte sie einen Schritt zurück, den Blick auf Karls schmerzverzerrtes Gesicht gerichtet. Der Schnee trieb ihr in die Augen, setzte sich auf den Wimpern fest, doch sie war außerstande, ihn fortzublinzeln.

»Lass mal alles schön da, wo es ist, mein Freund.« Die Stimme klang fremd, auch das Profil des Mannes war ihr unbekannt. Unnatürlich schmal, mit einem asiatischen Einschlag, obwohl die Augen hinter dunklen Brillengläsern verborgen waren. Der Mann beachtete Meta nicht weiter, sondern packte Karl am Kragen und boxte ihm zweimal hintereinander in den Magen.

»Wir hatten lediglich eine Auseinandersetzung«, versuchte sie, ihn zu beschwichtigen, als er Karl gerade die Chance gab, sich nach den Schlägen wieder aufzurichten. »Er wird sich jetzt bestimmt zusammenreißen und mich nicht weiter verfolgen.«

Der hagere Asiate nickte, machte aber keinerlei Anstalten, von Karl abzulassen. »Da bin ich mir sicher«, sagte er. Dann schlug er Karl mit der geballten Faust ins Gesicht, woraufhin dieser endgültig in sich zusammensackte und auf dem Boden liegen blieb. »Weil du nämlich mit uns kommen wirst, Engelchen.«

Ohne den Sinn der Worte zu begreifen, machte Meta einen unbeholfenen Schritt zurück und stieß dabei gegen einen weiteren Fremden, der augenblicklich die Arme um sie schlang. Meta erstarrte, weil ihr ein beißender Geruch in die Nase drang, als habe jemand zu dicht bei einem Feuer gestanden. Widerwillig blickte sie auf und sah in ein Augenpaar, dessen Farbe ihr schmerzlich vertraut war: ein leuchtendes Blau. Doch ihrem Ausdruck wohnte etwas so furchteinflößendes inne, dass ihr der Atem stockte.

»So sieht der Leckerbissen also in natura aus. Über Davids Geschmack lässt sich einfach nicht streiten.« Der hünenhafte Mann verzog den Mund zu einem Grinsen, wobei ihm ein verräterischer Schatten über die Züge glitt.

Meta begann zu schreien und konnte nicht wieder aufhören. Der Mann hinter ihr, der sie mühelos in seinen Armen hielt, stimmte in ihren Schrei mit ein, unnatürlich hoch, nur unterbrochen von einem Lachen, das fast noch grausamer klang.