16

Die Diskussion dauerte bis in die späten Morgenstunden. Einer nach dem anderen verließen die Leute die Konferenzschaltung, bis nur noch Rick, Mahir und ich übrig waren. Shaun war längst an seinem Platz eingeschlafen und hing schnarchend in seinem Stuhl. Ricks neue Katze hatte sich auf seiner Brust zusammengerollt und den Schwanz über ihre Nase gelegt. Gelegentlich öffnete sie ein Auge und schaute durchs Zimmer.

»Das gefällt mir nicht, Georgia«, sagte Mahir. Besorgnis und Erschöpfung ließen seine normalerweise exakte britische Aussprache verschleifen. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Das tat er bereits seit Stunden immer wieder, weshalb seine Haare inzwischen in alle Richtungen abstanden. »Das klingt, als sei die Lage nicht mehr besonders sicher.«

»Du befindest dich auf der anderen Seite des Planeten, Mahir. Ich glaube kaum, dass dir etwas passieren wird.«

»Um meine Sicherheit mache ich mir auch keine Sorgen. Wollt ihr diese Sache wirklich weiterverfolgen? Ich würde nur ungern einen Nachruf auf euch schreiben.« Er klang so besorgt, dass ich nicht wütend auf ihn sein konnte. Mahir war etwas konservativ und neigte generell dazu, Risiken zu meiden, aber er war ein guter Kerl und ein fabelhafter Newsie. Wenn er nicht begriff, warum wir die Sache weiterverfolgten, musste ich es ihm einfach besser erklären.

»Alle, die auf der Ranch gestorben sind, sind ermordet worden«, sagte ich. Auf dem Bildschirm zuckte er zusammen. »Die Leute, die in Eakly gestorben sind, sind auch ermordet worden, und unter den Todesopfern hätten sich beinahe Shaun und ich befunden. Irgendjemand will etwas im Zusammenhang mit diesem Kandidaten und dieser Wahlkampagne zerstören, und diesem Jemand macht es nichts aus, ein paar Kollateralschäden anzurichten. Du fragst, ob wir die Sache weiterverfolgen wollen. Ich frage, wie du auf die Idee kommst, dass wir es uns leisten könnten, das nicht zu tun.«

Mahir lächelte und rückte seine Brille zurecht. »Ich bin davon ausgegangen, dass du etwas in der Art sagen würdest, aber ich wollte sichergehen. Du kannst beruhigt sein, dass wir dich alle unterstützen. Wenn ich irgendwie helfen kann, musst du es nur sagen.«

»Mahir, du weißt doch, dass ich mir bei dir deswegen noch nie Sorgen gemacht habe. Möglicherweise habe ich sehr bald etwas für dich«, sagte ich. »Aber wenn du noch mal Boss-auf-die-Probe-Stellen spielst, bringe ich dich am Ende noch um. Nun, es ist jetzt vier Uhr morgens, und der Senator wird bald mit mir reden wollen. Ich erkläre das Gespräch hiermit für beendet. Rick, Mahir, danke, dass ihr bis zum Ende drangeblieben seid.«

»Jederzeit.« Durch die Übertragung erzeugte Ricks Stimme einen Echoeffekt. Sein Fenster verschwand.

»Bis dann«, sagte Mahir und meldete sich ab. Ich schloss das Konferenzprogramm und erhob mich. Ich war so verspannt, dass es sich anfühlte, als hätte man mir einen Spazierstock als Wirbelsäule eingesetzt, und meine Augen brannten. Ich nahm die Sonnenbrille ab und rieb mir durchs Gesicht, in dem Versuch, ein bisschen von der Anspannung loszuwerden. Es half nicht.

»Ins Bett?«, fragte Rick.

»Ich nickte. »Versteh mich nicht falsch, aber «

»Ich weiß. Raus. Weckst du mich, wenn wir losmüssen?«

»Mach ich.«

»Gute Nacht, Georgia. Schlaf gut.« Rick öffnete die leise quietschende Zwischentür. Ich öffnete die Augen und winkte ihm, als er sich rausschlich.

»Du auch, Rick«, sagte ich. Dann schloss sich die Tür, und ich ging taumelnd zu Bett und streifte auf dem Weg meine Kleider ab. Als ich in T-Shirt und Unterhosen war, gab ich den Gedanken auf, ein Nachthemd rauszusuchen, kroch zwischen die Laken, schloss einmal mehr die Augen und versank in wohltuender Dunkelheit.

»Georgia.«

Die Stimme kam mir vage bekannt vor. Ich überlegte einen Moment lang und wälzte mich dann herum, als ich zu dem Schluss kam, dass mir das egal sein konnte.

»Georgia.«

Diesmal klang die Stimme drängender. Vielleicht sollte ich ihr doch zuhören. Aber es handelte sich nicht um die Sorte Dringlichkeit, bei der man besser aufpassen sollte, dass einem nicht etwas das Gesicht wegfraß. Ich gab ein leises Grummeln von mir und ließ die Augen zu.

»George, wenn du nicht auf der Stelle aufwachst, dann kippe ich dir Eiswasser über den Kopf.« Es war eine absolut nüchterne Feststellung. Keine Drohung, nur eine Information. »Das wird dir nicht gefallen. Mir ist das egal.«

Ich befeuchtete mir die Lippen und krächzte: »Ich hasse dich.«

»Ist das Liebe? Das ist Liebe. Jetzt raus aus dem Bett. Senator Ryman hat angerufen. Du hast geschlafen, während ich mich angezogen und dabei die ganze Zeit mit ihm geredet habe. Wie lange warst du gestern Abend auf?«

Ich öffnete die Augen und schaute Shaun blinzelnd an. Er hatte eins seiner weiteren Hemden an, diejenigen, die er anzieht, wenn er darunter Panzerung trägt. Ich richtete mich unsicher auf und streckte die linke Hand aus. Er legte meine Sonnenbrille hinein. »Bis irgendwann um vier. Wie spät ist es?«

»Kurz vor neun.«

»O mein Gott, mach, dass mich der Schlag trifft«, stöhnte ich, stand auf und schlurfte Richtung Badezimmer. Das Hotel hatte bereitwillig die Standardglühbirnen gegen sanftere Lampen mit niedrigerer Wattstärke ausgetauscht, die mir nicht in den Augen wehtaten, aber bei der eingebauten Badezimmerbeleuchtung ließ sich nichts machen. »Wann wird er hier sein? Oder gehen wir zu ihm?«

»Du hast fünfzehn Minuten. Steve holt uns ab.« Shauns Stimme hatte einen deutlich belustigten Unterton. »Buffy ist stinksauer. Sie und Chuck sind schon bei den Rymans, und sie hatte keine Klamotten zum Wechseln dabei. Ich habe die böseste SMS der Welt gekriegt, während ich am Telefon war.«

»Wenn sie abends einen draufmachen will, dann soll sie gefälligst auch am nächsten Tag zu Kreuze kriechen.« Das Badezimmerlicht erschien mir selbst durch meine Sonnenbrille unangenehm hell. Ich blickte in den Spiegel und stöhnte. »Ich sehe aus wie eine Leiche.«

»Wie eine süße Newsie-Leiche?«

»Einfach nur wie eine Leiche.« Ich war blass und abgespannt und hatte mir schon viel zu lange nicht die Haare schneiden lassen inzwischen waren sie lang genug, um zu verknoten. Der Schädel brummte mir nicht, aber das würde nicht lange auf sich warten lassen, bei dem Licht, das an den Rändern meiner Brille eindrang. Es gab Möglichkeiten, das zu verhindern, wenn ich die nötigen Unannehmlichkeiten ertrug. Brummend nahm ich meinen Kontaktlinsenbehälter vom Waschbecken und machte das Badezimmerlicht aus. Obwohl ich meine Kontaktlinsen nur selten trage, muss ich aufgrund meiner Krankheit dazu in der Lage sein, sie in fast völliger Dunkelheit einzusetzen. Alles andere würde mich dem Risiko eines Netzhautschadens aussetzen, und meine Augen brauche ich noch.

Shauns Füße schubberten über den Teppich, als er zur Badezimmertür kam. »George? Was machst du da im Dunkeln?«

»Ich setze meine Kontaktlinsen ein. Such mir saubere Sachen raus.«

»Sehe ich vielleicht aus wie dein Zimmermädchen?«

»Ne, die sieht viel besser aus.« Blinzelnd rückte ich meine Kontaktlinsen zurecht und schaltete das Badezimmerlicht wieder an. Grausames weißes Licht durchflutete den Raum. Ich kniff ein wenig die Lider zusammen und musterte mein Spiegelbild mit den blauen Augen, bevor ich zu Kamm und Zahnbürste griff. »Mach hin, Shaun. Ich kann nicht in Unterwäsche zum Senator gehen.«

»Hunter S. Thompson hätte sich auch in seiner Unterwäsche mit einem Senator getroffen. Oder in deiner.«

»Hunter S. Thompson war zu bekifft, um überhaupt zu wissen, was Unterwäsche ist.« Die Badezimmertür öffnete sich. Ich drehte mich um und fing die Kleider auf, die Shaun mir zuwarf. »Na siehste, war das so schwer? Sammle unser Zeug ein. Ich bin in einer Sekunde da.«

»Nächstes Mal lass ich dich verschlafen«, brummte er und ging rückwärts aus dem Bad. »Und mit diesen Kontaktlinsen siehst du aus wie eine Außerirdische!«

»Ich weiß.« Mit diesen Worten schloss ich die Badezimmertür.

Zehn Minuten später standen Shaun und ich einmal mehr im Aufzug. Wir checkten noch einmal unsere Ausrüstung durch. Seine Finger tippten in zunehmend komplexen Mustern auf dem Display seines Organizers herum. Das hier war keine Feldoperation, und wahrscheinlich würde Senator Ryman zum Schutz seiner Privatsphäre alle unsere Aufnahmen überprüfen wollen, aber darauf kam es nicht an. Das Hotel ohne einsatzbereite Aufnahmegeräte zu verlassen wäre so gewesen, als ob wir nackt auf die Straße gegangen wären, und dazu war keiner von uns beiden bereit.

Einige meiner Kameras waren nicht mehr richtig eingestellt, und der Speicherplatz in meiner Armbanduhr war beinahe voll. Ich machte eine Notiz für Buffy und betrat mit Shaun im Gefolge die Lobby.

»Danke, dass Sie sich für die Parrish-Weston-Suiten als Ihr Zuhause in der Fremde entschieden haben«, trällerte das Hotel, als wir uns der Luftschleuse näherten. »Wir wissen, dass Sie eine breite Auswahl hatten, und wir sind dankbar dafür, dass sie zu uns gekommen sind. Bitte legen Sie die rechte Hand «

»Das reicht«, sagte ich und knallte meine Hand auf das Testpad, sobald es sich öffnete. Um das Hotel zu verlassen, braucht es nur eine saubere Blutprobe. Denen ist es egal, ob man eine massive Virenvermehrung erleiden wird, solange man so freundlich ist, das draußen zu tun, vorzugsweise, nachdem man bezahlt hat.

Shaun und ich waren sauber, und die Tür nach draußen glitt auf, um uns durchzulassen, während die künstliche Stimme des Hotels weitere Liebenswürdigkeiten ins leere Vorzimmer trällerte. Draußen war es kalt und hell: Ein typischer Tag in Wisconsin. Nur ein einziges Auto wartete auf der Auffahrt.

»Meinst du, das ist für uns?«, fragte Shaun.

»Entweder das, oder in der Stadt findet eine Veranstaltung von Profiwrestlern statt.« Wir näherten uns dem Auto.

Wenn der Senator einen Wagen schickt, macht er keine halben Sachen. Die für uns vorgesehene Fahrgelegenheit war ein solide wirkender Geländewagen. Die Scheiben waren getönt, und ich hätte darauf gewettet, dass sie auch kugelsicher waren. Es hatte seine Vorteile, wenn man über ein ansehnliches Privatvermögen verfügte. Shaun gab mir einen Stoß in die Seite und deutete pfeifend auf die Schießscharten hinten in der Windschutzscheibe.

»So was hat nicht mal Mom«, murmelte er.

»Sie wird sicher neidisch sein«, erwiderte ich.

Steve stand neben dem Auto und hielt uns die Rücksitztür auf was sicherlich nicht bloß eine Geste der Höflichkeit war, sondern uns auch daran erinnern sollte, das wir nicht vorne sitzen durften. Als er meine Kontaktlinsen bemerkte, hob er die Brauen. Es sprach für ihn, dass er kein Wort darüber verlor: Er öffnete einfach nur die Autotür etwas weiter. »Shaun. Georgia.«

»Wie ich sehe, hast du heute Morgen den Kürzeren gezogen«, sagte ich, während ich ins Auto stieg und durchrutschte, um Platz für Shaun zu machen. Rick saß bereits im Wagen. Ich winkte ihm kurz zu, eine Geste, die er lustlos erwiderte.

»Der Senator zieht es vor, das Treffen an einem sichereren Ort abzuhalten. Er dachte, dass ihr es vielleicht zu schätzen wisst, wenn ihr einmal nicht fahren müsst.« Steve warf einen Blick durch die Tiefgarage und tippte sich an seinen Ohrstecker. Ich runzelte die Stirn. Dachten sie, dass man unseren Wagen verwanzt hatte? Das war durchaus möglich solange Buffy unser System nicht von Grund auf überprüfte, konnten wir es nicht wissen , aber trotzdem kam mir der Gedanke etwas paranoid vor.

Ich zwang meine Gedanken in andere Bahnen. Rebecca Ryman war von Leuten ermordet worden, die willentlich aktives Kellis-Amberlee unter unkontrollierten Bedingungen eingesetzt hatten, um ihre Ziele zu erreichen worin auch immer diese bestehen mochten. So etwas wie Paranoia gab es nicht mehr.

»Siehst gut aus, Stevie«, sagte Shaun und gab dem Sicherheitsbeamten fünf, bevor er einstieg.

»Eines Tages, wenn du mich mal wieder so nennst, hau ich dir den Kopf von den Schultern«, sagte Steve und knallte die Tür zu. Shaun lachte. Wir hörten, wie Steve ums Auto ging und wie die Fahrertür sich öffnete und wieder schloss. Eine Glasscheibe, die nur von einer Seite durchsichtig war, trennte den Vordersitz vom Rücksitz. Er konnte uns sehen, wir ihn nicht. Wie ermutigend.

»Das meint er wahrscheinlich ernst, weißt du«, sagte Rick.

»Solange ich es mitschneiden kann, bin ich zufrieden«, sagte Shaun. Er verschränkte die Finger hinterm Kopf, streckte sich auf dem Sitz aus und legte mir die Füße auf den Schoß. »Ist doch toll. Man fährt uns zu einem Geheimtreffen mit einem Mann, der Präsident werden will. Kommt sich gerade sonst noch wer wie James Bond vor?«

»Ich bin zu weiblich«, sagte ich.

»Und ich bin mir meiner Sterblichkeit zu sehr bewusst«, sagte Rick.

»Euch ist klar, dass ihr beide Jammerlappen seid, oder?«, schalt uns Shaun.

»Ja, aber wir sind Jammerlappen mit einer gewissen Lebenserwartung, und das muss man respektieren«, antwortete ich.

»Ich tausche meine Lebenserwartung gegen eine Tasse Kaffee und ein hübsches, dunkles Zimmer«, sagte Rick.

Ich verdrehte den Kopf, um ihn anzuschauen. Er rieb sich die Augen. Rick wirkte verkatert, und ich war mir nicht ganz sicher, ob er sein Hemd gewechselt hatte. »Schlecht geschlafen?«

»Die Katze hat mich die ganze Nacht lang wach gehalten.« Er nahm die Hände vom Gesicht, schaute mich an, schaute dann noch mal hin und riss die Augen auf. »Georgia? Was ist mit deinen Augen los?«

»Kontaktlinsen«, erklärte ich. »Sie jucken höllisch, aber so kann mir wenigstens kein besoffenes Arschloch mit einem Megafon erzählen, dass ich meine Sonnenbrille abnehmen soll.«

Er legte den Kopf auf die Seite und musterte mich. »Das hat dich wirklich wütend gemacht, oder?«

»Meinst du den Teil, wo die freundlichen Kerle mit den großen Knarren bei einer Liveübertragung demonstriert haben, dass man mich außer Gefecht setzen kann, indem man mir die Brille wegnimmt? Das hat mich kein bisschen gestört.« Ich stieß Shauns Füße von meinem Schoß. »Setz dich hin. Wir fahren hier nicht zum Spaß rum.«

»Schaut nur, wie zickig George wird, wenn sie ihren Schönheitsschlaf nicht kriegt«, sagte Shaun und setzte sich auf. Er drehte sich zu Rick um und fuhr fort: »Also, Rick, mein Junge, hast du deine Quoten gesehen? Weil ich nämlich ein paar Ideen habe, um die Sache ein bisschen aufzumotzen. Fangen wir mit nackten Tatsachen an « Und damit begann ein Schwall abstruser Vorschläge, auf die mein überforderter Newsie-Kollege mit entsetzten Blicken reagierte.

Dankbar für die Rettung zog ich meinen Organizer heraus und fing an, durch die Schlagzeilen zu scrollen. In San Diego hatte es einen weiteren Ausbruch gegeben, etwas, das dort seit dem Erwachen nicht mehr vorgekommen war. Schlechtes Timing und Pech hatten dazu geführt, dass es bei der jährlichen Internationalen Comic-Convention zu einer Vermehrung gekommen war. Es hatte sich um eine Veranstaltung mit über 120000 Besuchern gehandelt. Das Ergebnis war alles andere als erfreulich. Zu den weiteren Nachrichten gehörte, dass Kongressfrau Wagman darum ersucht worden war, das Parlament zu verlassen, weil sie in einem Aufzug erschienen war, der eher zu einem Showgirl in Vegas gepasst hätte. In Hongkong behauptete mal wieder ein Verrückter, dass Kellis-Amberlee eigens dazu erschaffen worden sei, Religionen zu schwächen, die einen Ahnenkult betrieben. Mit anderen Worten war es ein ruhiger Tag wenn man die Schlagzeilen wegließ, die unmittelbar mit unserem Ausflug auf die Ryman-Familienranch zu tun hatten oder auf ihn verwiesen. Nach erstem Überfliegen schätzte ich, dass sechzig bis siebzig Prozent der Nachrichtenseiten uns als Titelthema hatten. Uns.

Ich tippte mir an den Ohrstecker. Es dauerte einen Moment, bis die Verbindung hergestellt war. Dann ging Buffy ran. Schon ihr erstes, kurz angebundenes »Sag an« klang verärgert.

»Buffy, ich brauche Zahlen. Wir sind überall, und ich muss wissen, ob ich Mahirs Arsch aus dem Bett befördern soll, damit er unsere Leute auf die Palisaden schickt.«

»Sekunde.« Wir kriegen alle Liveupdates, aber bei Buffy sind sie am aktuellsten. Ich brauche Spezialausrüstung, um an die Daten zu kommen, die sie routinemäßig saugt. Deshalb ist sie unsere Technikerin, während ich bloß das Kommando habe.

Eine lange Pause entstand. Länger als gewöhnlich. Normalerweise sagt mir Buffy innerhalb von Sekunden Zahlen. »Georgia? Wir sind auf Platz eins, Georgia. Wir haben mehr aktuelle Zugriffe und Verweise und werden öfter zitiert als jede andere Nachrichtenseite der Welt.«

Ein taubes Gefühl ergriff von meinem ganzen Körper Besitz. Ich befeuchtete mir die Lippen.

»Sag das noch mal.«

»Nummer eins, Georgia.«

»Bist du sicher?«

»Absolut.« Nach einem kurzen Moment fragte sie flehend: »Was machen wir jetzt?«

»Was wir jetzt machen? Was wir jetzt machen? Weck sie auf, Buffy! Ruf deine Leute an und weck sie!«

»Senator Ryman «

»Wir sind auf dem Weg! Denk nicht an ihn! Hol deine Leute an die Strippe und sorg dafür, dass sie sich verdammt noch mal um die Website kümmern!« Ich klopfte an meinen Ohrstecker, um die Verbindung zu unterbrechen, und drehte mich zu den anderen um. »Shaun, häng dich ans Telefon. Ich will, dass dein gesamtes Team seit zehn Minuten angefangen hat, alles auf den neuesten Stand zu bringen, und das schließt auch Dave ein. Es gibt Telefone in Alaska. Rick, schau in deinen Posteingang und fang an, Werbeanfragen auszusortieren, die versehentlich bei dir gelandet sind.«

»George, was «

»Wir haben die Quoten, Shaun. Wir sind ganz oben.« Ich quittierte seinen verblüfften Gesichtsausdruck mit einem Nicken. »Ja. Und jetzt hol deine Leute ans Telefon.«

Der Rest der Fahrt bestand aus einem Wirrwarr von Telefonanrufen, SMS-Nachrichten, E-Mails und daraus, dass wir einen nach dem anderen aus seinem wohlverdienten Schlaf weckten und ins Gefecht schickten. Die meisten aus unserem Team waren wegen Schlafmangels zu desorientiert, um zu widersprechen, als ich sie aus dem Bett schmiss und an ihre Computer orderte, wo sie von der soeben aktualisierten, rot blinkenden Meldung »Erstplatzierte Website DER WELT« empfangen wurden. Wen das nicht aus dem Halbschlaf aufschreckte, der war wahrscheinlich tot.

Mahir fasste es am besten in Worte: Als ich ihn anrief, antwortete er erst mit verblüfftem Schweigen, ließ dann eine kurze Schimpfkanonade los und legte schließlich auf, um sich an die Arbeit zu machen. Ich liebe es, wenn jemand die richtigen Prioritäten setzt.

Wir waren alle drei so sehr mit unserer Arbeit beschäftigt, dass wir den Rest der Fahrt zum »sicheren Ort« des Senators überhaupt nicht mitkriegten. Ich war gerade dabei, Alaric und Suzy ihre Marschbefehle zu geben, als die Autotür sich öffnete, sodass der Rücksitz in helles Licht getaucht wurde und Shaun der die Füße ans linke Fenster gestützt hatte beinahe auf den Parkplatz rausfiel.

»Wir sind da«, sagte Steve. Wir drei tippten hektisch weiter auf unseren Organizern rum. Rick gelang es irgendwie, gleichzeitig sein Handy und seinen Organizer zu bedienen, wobei er mit den Daumen Daten eingab. Steve runzelte die Stirn. »Äh, Leute? Wir sind da. Der Senator wartet.«

»Sekunde«, sagte ich und nahm eine Hand gerade lange genug von der Tastatur, um ihn mir mit einer Geste vom Leib zu halten. Während er mich mit offenem Mund anstarrte, tippte ich die Anweisungen für Alaric und Suzy fertig ein, damit sie ihren Teil der Website in Gang hielten, bis ich wieder online war. Ich war mir nicht sicher, ob sie den heutigen Tag durchstehen würden, aber Mahir würde ihnen so viel Unterstützung wie möglich zukommen lassen, und er hatte fast ebenso viele Administratorenrechte wie Shaun und ich. Das würde reichen müssen. Ich ließ meinen Organizer sinken. »In Ordnung. Wo geht’s lang?«

»Seid ihr sicher, dass ihr nicht noch ein paar Minuten braucht, um in eure E-Mails zu schauen?«

Ich warf Shaun einen Blick zu. »Ich glaube, er macht sich über uns lustig.«

»Ich glaube, du hast recht«, sagte Shaun, stieg aus und hielt mir seine Hand hin. »Beachte diesen Banausen nicht, und lass uns gehen. Da sind ein paar Regierungsbeamte, denen wir auf die Nerven fallen müssen.«

Wir standen in einer Tiefgarage, die nicht mal ein Viertel so groß war wie die vom Hotel. Das Licht war so hell, dass ich den Übergang von natürlicher zu künstlicher Beleuchtung überhaupt nicht bemerkt hatte. Ich hielt mich an Shauns Händen fest, als ich aus dem Auto stieg, und steckte meinen Organizer in die Gürteltasche, bevor ich mich umdrehte, um Rick aus dem Auto zu helfen. Er schaute mich an, und ich nickte.

Das war sein Stichwort. Rick riss die Augen auf und ersparte mir und Shaun damit die Mühe, die Hinterwäldler zu spielen, indem er fragte: »Wo sind wir?«

»Der Senator legt Wert auf eine zweite Wohnung vor Ort, für Treffen delikater Natur«, sagte Steve.

Ich bedachte ihn mit einem durchdringenden Blick. »Oder Treffen mit Leuten, die sich bei den Pferden nicht wohl fühlten?«

»Ich glaube kaum, dass ich mich dazu qualifiziert äußern kann, Ms Mason.«

Das war ein Ja. »Na schön. Wohin?«

»Hier entlang, bitte.« Er führte uns zu einer stahlverstärkten Tür, an der sich zu meiner Überraschung keine der üblichen Bluttesteinheiten befanden. Es gab auch keinen Türknauf. Shaun und ich wechselten Blicke, während Steve an seinen Ohrstecker tippte und sagte: »Basis, wir sind an der Westtür. Erbitte Freigabe.«

Etwas klickte, und über der Tür blitzte ein grünes Licht auf. Die Tür öffnete sich, und wir blickten auf einen Flur. Ein leichter Lufthauch wehte uns entgegen, offensichtlich stand dieser Bereich zur Verringerung des Kontaminationsrisikos unter leichtem Überdruck.

»Kein Wunder, dass sie keine Blutproben brauchen.« Ich folgte Steve in den Flur, und Shaun und Rick folgten mir dichtauf. Hinter uns glitt die Tür zu.

Das Licht im Flur war so hell, dass es mir trotz der Kontaktlinsen in den Augen wehtat. Ich blinzelte und trat näher an Shaun heran, den ich nur noch verschwommen wahrnahm, um mich von ihm zur Tür am anderen Ende führen zu lassen. Dort warteten zwei Wachtposten, die jeweils ein großes Plastiktablett in den Händen hielten.

»Der Senator würde es vorziehen, wenn dieses Treffen nicht übertragen oder aufgezeichnet wird«, sagte Steve. »Wenn ihr bitte alle nicht unbedingt benötigten Geräte hier ablegen würdet. Nach dem Gespräch erhaltet ihr sie zurück.«

»Das soll doch wohl ein Witz sein«, sagte Shaun.

»Das glaube ich nicht«, erwiderte ich und wandte mich Steve zu. »Willst du, dass wir nackt da reingehen?«

»Wir können auch eine EMP-Abschirmung einrichten, wenn wir uns nicht darauf verlassen können, dass ihr euer Spielzeug abgebt«, antwortete Steve. Sein Tonfall war nachsichtig, aber der angespannte Ausdruck in seinem Gesicht verriet, dass er ganz genau wusste, was er da verlangte, und dass er es nicht gern tat. »Die Entscheidung liegt bei euch.«

Eine EMP-Abschirmung, die groß genug war, um den Bereich zu sichern, würde die Hälfte unserer empfindlicheren Aufnahmegeräte grillen und den Rest möglicherweise ernsthaft beschädigen. So viele Geräte ersetzen zu müssen hätte unser Budget für Monate ausgelastet, wenn nicht für den Rest des Jahres. Brummend begannen wir drei, unsere Sachen auf den Tabletts abzulegen, wobei ich auch meinen Schmuck abnahm. Die Wachtposten standen bewegungslos da, bis wir fertig waren.

Ich nahm meinen Ohrstecker in die Hand und schaute zu Steve. »Müssen wir absolute Funkstille wahren, oder dürfen wir unsere Telefone behalten?«

»Ihr dürft alle privaten Aufzeichnungsgeräte behalten, solange sie lediglich benutzt werden, um persönliche Notizen zu machen, sowie alle Telekommunikationsgeräte, die für die Dauer des Gesprächs ausgeschaltet werden können.«

»Toll.« Ich legte meinen Ohrstecker auf das Tablett und steckte mir meinen Organizer zurück an den Gürtel. Ohne mein kleines Heer von Mikrofonen, Kameras und Datenträgern kam ich mir seltsam verletzlich vor, als ob die Welt nun sehr viel mehr Gefahren für mich bereithielt als noch vor ein paar Minuten. »Wie verkraftet Buffy es?«

Steve grinste. »Die wollten sie erst vom Netz nehmen, wenn wir hier sind.«

»Willst du damit sagen, dass seine Männer da drin in diesem Moment versuchen, Buffy ihre Geräte abzunehmen?«, sagte Shaun und schaute mit einer Art ängstlicher Faszination zur geschlossenen Tür. »Vielleicht sollten wir hier draußen bleiben. Das wäre sehr viel sicherer.«

»Unglücklicherweise werdet ihr von Senator Ryman und Gouverneur Tate erwartet.« Steve nickte den Wachtposten zu. Woraufhin einer die Tür öffnete. Erneut gab es einen Lufthauch, als der Überdruck entwich. »Wenn es euch nichts ausmacht?«

»Tate ist hier?« Ich kniff die Augen zusammen. »Was meinst du damit, dass Tate hier ist?«

Steve trat ohne zu antworten durch die Tür. Kopfschüttelnd folgte ich ihm, mit Rick und Shaun dicht hinter mir.

»Was«, brummte Shaun, »keine Blutproben?«

»Wahrscheinlich sehen sie keinen Sinn darin«, sagte Rick.

Ich hielt den Mund und beschäftigte mich damit, das Innere des Hauses in Augenschein zu nehmen. Die Einrichtung war einfach, aber gediegen, mit sauberen, eleganten Linien und gut ausgeleuchteten Ecken. Die Deckenlichter sorgten für gleichmäßige Beleuchtung, dabei gab es keine sichtbaren Dimmer oder Regler für die Lichtstärke. Das Licht war nicht so blendend wie im Flur, aber ich verzog trotzdem das Gesicht. Immerhin machte das eins deutlich: Die Wohnung hier diente allein zur Schau, für Konferenzen und Feiern, und nicht zum Wohnen. Emily mit ihrem retinalen KA hätte hier unmöglich leben können.

Fenster gab es keine.

Wir durchquerten das Haus und erreichten das Speisezimmer, wo ein schneidiger Mann vom Sicherheitsdienst im schwarzen Anzug Buffy gerade ihre letzten Geräte abnahm. Wenn Blicke töten könnten, dann hätten die ihren einen Ausbruch verursacht.

»Sind wir hier fertig, Paul?«, fragte Steve.

Der Wachtposten Paul warf ihm einen gequälten Blick zu und nickte. »Ms Meissonier war ausgesprochen kooperativ.«

»Lügner«, sagte Shaun so dicht an meinem Ohr, dass ihn wahrscheinlich niemand sonst hörte.

»Buffy.« Ich verkniff mir ein Grinsen. »Wie ist die Lage?«

»Chuck ist mit dem Senator und Mrs Ryman da drin«, sagte Buffy, während sie weiter finster Paul anstarrte. »Gouverneur Tate ist gerade eingetroffen. Man hat mir nicht gesagt, dass er kommt, sonst hätte ich euch vorgewarnt.«

»Schon in Ordnung.« Ich schüttelte den Kopf. »Er ist nun Teil dieser Wahlkampagne, ob es uns gefällt oder nicht.« Ich schaute zu Steve. »Wir sind bereit.«

»Hier entlang bitte.« Er öffnete eine Tür am anderen Ende des Zimmers. Wir traten hindurch, und Steve schloss sie hinter ihm. Das Schloss rastete mit einem endgültig klingenden Klicken ein.

Wir standen in einem Wohnzimmer, das in Schwarz und Weiß eingerichtet war, mit stilisierten weißen Jugendstilsofas, glänzenden schwarzen Beistelltischchen und sorgfältig arrangierten Strahlern, die kleine Kunstwerke erhellten, von denen jedes einzelne wahrscheinlich mehr kostete als das Jahresbudget, mit dem wir arbeiteten. Die einzigen Farbkleckse stammten von den Gesichtern des Senators und seiner Frau, die vom Weinen gerötet waren, und von Gouverneur Tate, der einen maßgeschneiderten dunkelblauen Anzug trug, welcher dezent nach Geld stank. Alle drei wandten sich uns zu, und der Senator erhob sich und rückte sein Jackett zurecht, bevor er Shaun die Hand schüttelte. Ich schaute an den beiden vorbei, dorthin, wo Gouverneur Tate versuchte, seine angewiderte Miene zu überspielen.

»Danke, dass Sie gekommen sind«, sagte Senator Ryman, während er Shauns Hand losließ und sich wieder setzte. Emilys Augen verbargen sich hinter einer verspiegelten Sonnenbrille. Sie brachte ein winziges Lächeln zustande, während sie die Hand ihres Mannes umfasste. Er zog sie näher an sich, offenbar ohne sich dessen bewusst zu sein. Er hatte selbst nicht mehr viel Kraft übrig, doch das Wenige gab er ihr, ohne zu zögern. So einen Mann brauchen wir, um dieses Land zu regieren.

»Wir hatten eine Wahl?«, erkundigte sich Shaun, während er sich auf ein Sofa plumpsen ließ und sich betont schlampig hinfläzte. Ganz offensichtlich hatte auch er Tates Blick bemerkt. Das, zusammen mit der Beschlagnahmung unserer Geräte, reichte ihm, um es auf einen Eklat anzulegen. Gut. Es ist immer leichter, vernünftig zu erscheinen, wenn mein Bruder da ist, um einen Kontrast zu liefern.

»Wir sind gerne gekommen, Senator, aber ich fürchte, ich verstehe nicht, warum man unsere Ausrüstung beschlagnahmt hat. Einige dieser Kameras sind hochempfindlich, und mir ist nicht wohl dabei, sie in die Hände von Leuten zu geben, die nicht zu unserem Team gehören. Hätte man uns über die Notwendigkeit zur Verschwiegenheit informiert, als wir noch im Hotel waren, dann hätten wir sie dortlassen können.«

Tate schnaubte. »Sie meinen, Sie hätten Kameras mitbringen können, die sich besser verbergen lassen.«

»Eigentlich habe ich gemeint, was ich gesagt habe, Gouverneur.« Ich schaute ihm, ohne zu blinzeln, in die Augen. Zu den praktischen Nebenwirkungen von retinalem KA gehört, dass man seine Augen nicht so oft befeuchten muss. Es kann sehr verunsichernd sein, wenn man von jemandem mit retinalem KA angestarrt wird, zumindest sagt Shaun das. »Ich bin mir darüber im Klaren, dass Sie erst vor kurzem zu dieser Wahlkampagne hinzugestoßen sind und sich vielleicht noch nicht daran gewöhnt haben, mit seriösen Pressevertretern zusammenzuarbeiten. Das werden wir berücksichtigen. Ich wäre Ihnen allerdings dankbar, wenn Sie im Kopf behalten würden, dass wir bereits seit einiger Zeit mit Senator Ryman und seinem Stab zusammenarbeiten und während dieser Zeit nicht ein einziges Mal Material veröffentlicht haben, bei dem man uns gebeten hat, es zurückzuhalten. Ich gebe zu, dass das teilweise darauf zurückzuführen ist, dass man uns niemals ohne guten Grund darum gebeten hat, Informationen zurückzuhalten. Trotzdem haben wir meiner Meinung nach gezeigt, dass wir zu jener Art von taktvollem, anständigem und vor allem patriotischem Verhalten fähig sind, das vom Pressekorps einer bedeutenden politischen Kampagne zu erwarten ist.«

»Nun, Fräulein«, sagte Tate und erwiderte meinen Blick, ohne zu blinzeln, »das sind hübsche Worte, aber Sie verzeihen doch hoffentlich, wenn ich sage, dass ich mir vor meinem Eintreffen hier mit der Presse schon einige Male die Finger verbrannt habe und deshalb lieber vorsichtig bin.«

»Nun, Sir«, erwiderte ich, »Sie werden verzeihen, wenn ich glaube, dass unser bisheriges Verhalten etwas zählen sollte, da unser Umgang mit delikaten Informationen immer angemessen war. Des Weiteren darf ich so kühn sein, auf die Möglichkeit hinzuweisen, dass Sie sich an der Presse deshalb so oft ›die Finger verbrannt haben‹, weil Sie darauf beharren, ehrliche Leute wie Kriminelle zu behandeln. Für einen Mann, der von sich behauptet, für amerikanische Werte einzustehen, messen Sie der Pressefreiheit erstaunlich wenig Wert bei.«

Der Gouverneur kniff die Augen zusammen. »Hören Sie mal, junge Dame «

»Ich heiße weder ›junge Dame‹ noch ›Fräulein‹, und ich glaube, dass ich nur zu gut höre und verstehe.« Ich drehte mich zu den anderen um. »Shaun, steh auf. Rick, Buffy, kommt.«

»Wo wollen Sie hin?«, fragte Tate.

»Zurück in unser Hotel, wo wir unseren zahlreichen Lesern nur zu gerne mitteilen, dass wir heute keine neuen Nachrichten für sie haben, weil wir nachdem wir einen Akt des Bioterrorismus auf amerikanischem Boden aufgedeckt haben nicht an einem Gespräch mit unserem Kandidaten teilnehmen konnten, weil nämlich der Mann, der neuerdings auf seinem Ticket mitfährt, der Meinung ist, dass man Journalisten nicht trauen kann. Hopsala.« Ich lächelte. »Wenn das kein Spaß wird.«

»Georgia, setzen Sie sich«, sagte Senator Ryman. Er klang erschöpft, was keine große Überraschung war. »Und Sie auch, Shaun. Buffy, Rick, Sie können sitzen oder stehen, wie Sie wollen. Und Sie, David, versuchen bitte, daran zu denken, dass diese Leute die Einzigen sind, die sich die Mühe gemacht haben, sich die Ranch wirklich einmal anzusehen, anstatt die Sache als ganz normalen Ausbruch zu verbuchen. Sie werden höflich sein, und wir vertrauen darauf, dass diese Leute sich weiterhin so verhalten wie bisher: Absolut vernünftig und bereit zur Zusammenarbeit.«

»Da wäre immer noch die Sache mit unseren Aufzeichnungsgeräten, Senator«, sagte ich, ohne mich von der Stelle zu rühren.

»Das war eine schlechte Entscheidung, und es tut mir leid. Trotzdem stehe ich vorerst dazu und möchte Sie bitten, mich mit diesem Gespräch fortfahren zu lassen.«

Ich hob eine Braue. »Und was haben wir davon?«

Gouverneur Tate wurde rot im Gesicht und begann vor Empörung zu stottern. Senator Ryman brachte ihn mit einem Wink zum Schweigen und schaute mir direkt ins Gesicht. »Ein Exklusivinterview mit mir, ohne Schnitte, zu Ihren gestrigen Funden.«

»Das läuft nicht«, sagte Shaun, und der Senator und ich schauten ihn überrascht an. Mein Bruder, der plötzlich hellhörig geworden war, setzte sich auf. »Nichts gegen Sie, Sir, aber Sie sind nicht mehr so wahnsinnig spannend. Unsere Leser kennen Sie. Sie respektieren Sie, und wenn Sie weitermachen wie bisher, werden sie Sie wählen, aber sie werden nicht gleich hin und weg sein, nur, weil wir mit Ihnen reden durften.«

Der Senator fuhr sich mit gequälter Miene durchs Haar. »Was verlangen Sie?«

»Sie.« Er machte eine Kopfbewegung in Emilys Richtung. »Wir wollen ein Interview mit ihr.«

»Kommt absolut nicht «

»Einverstanden«, sagte Emily. Ihre Stimme klang müde, aber vernehmlich. »Gerne. Ich wollte nur um um meiner Familie willen aus all dem herausgehalten werden.« Sie stockte. »Das hält mich jetzt nicht mehr ab.«

»Machst du dir keine Sorgen um die Sicherheit deiner jüngeren Töchter?«, fragte ich.

»Sie sind nicht auf der Ranch. Sie sind so gut geschützt wie nur irgendetwas auf der Welt. In Sicherheit. Wenn ich die Leute davon abhalten kann, wegen dem, was Rebecca und meinen Eltern passiert ist, die Haustiere anderer Menschen zu töten, tja.« Sie lächelte angestrengt. »Das ist die Mühe wert.«

Senator Ryman griff nach ihrem Arm. »Emily «

»Einverstanden.« Ich setzte mich neben Shaun und ignorierte den betroffenen Blick des Senators. »Den Interviewtermin klären wir später, am Nachmittag. Also, ich nehme an, es gibt einen Grund für unsere Anwesenheit hier?«

»Der Senator würde gerne über die tragischen Hinweise auf Sabotage sprechen, die Ihr Team auf seiner Familienranch entdeckt hat, Ms Mason«, sagte Gouverneur Tate glatt. Jede Spur seiner vorherigen Empörung war verflogen. Der Mann war ein geborener Politiker, das musste man ihm lassen, und wenn es das Einzige war, was man ihm zugestand. »Nun, mir ist klar, dass dies hier jetzt klingen wird, als würde ich Ihre journalistische Integrität infrage stellen «

»He, Rick, ist dir schon mal aufgefallen, dass Arschgesichter das immer sagen, wenn sie jemandes journalistische Integrität infrage stellen wollen?«, fragte Shaun.

»Komischerweise ja«, sagte Rick. »das ist wie ein nervöser Tick.«

Der Gouverneur warf ihnen einen bösen Blick zu und fuhr fort. »Bitte verstehen Sie, dass ich diese Frage nicht aus persönlichen Gründen stelle, sondern schlicht und einfach, weil wir die Wahrheit in Erfahrung bringen müssen.«

Ich schaute ihn an. »Sie fragen sich, ob wir, um unsere Quoten hochzutreiben, irgendwie Beweise für terroristische Handlungen an den Kontrollpunkten vorbeigeschmuggelt und platziert haben, während unsere eigenen Kameras eine Liveübertragung an ein Publikum ausgestrahlt haben, das sich nach vorsichtigen Schätzungen im Bereich mehrerer Millionen bewegt.«

»So wollte ich das nicht formulieren «

Ich hob die Hand, um ihm das Wort abzuschneiden, und drehte mich zu Senator Ryman um. »Senator, Sie wissen, dass ich diese Frage wiederholen werde, sobald ich unser Gespräch aufnehmen darf, aber um Spekulationen in diese Richtung hier und jetzt ein Ende zu setzen, opfere ich die Spontaneität der Klarheit. Sind die Laborergebnisse von der Untersuchung der Spritze eingetroffen?«

»Ja, Georgia, das sind sie«, sagte der Senator mit vorgeschobenem Kinn.

»Können Sie uns sagen, wie die Ergebnisse aussehen?«

»Ich wüsste nicht, was das mit der ursprünglichen Frage zu tun haben soll«, sagte Tate.

»Senator?«, fragte ich.

»In der Spritze befand sich eine Lösung, die zu fünfundneunzig Prozent aus aktiven Viren besteht, die man im Allgemeinen als ›Kellis-Amberlee‹ oder ›KA‹ bezeichnet, isoliert mit Jodsalzlösung«, sagte der Senator. »Wir warten noch auf weitere Informationen.«

»Wie zum Beispiel über die Untergruppe des Erregers?«, fragte ich. »Alles klar. Gouverneur Tate, meine Crew und ich waren zum Zeitpunkt des Ausbruchs auf dem Anwesen der Familie Ryman mehrere Hundert Meilen von der Ranch entfernt. Die Sicherheitsaufzeichnungen belegen das. Des Weiteren sind wir in den Monaten vor dem Ausbruch mit Ausnahme von Mr Cousins alle mit der Wahlkampftruppe herumgereist. Mr Cousins ist mit dem Konvoi der Kongressabgeordneten Wagman gereist, die dazu in der Lage sein dürfte, für seinen Aufenthaltsort zu bürgen. Ich bin keine Virologin, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man spezielle Gerätschaften braucht, um das aktive Virus zu isolieren, ohne dabei eine Infektion zu riskieren, und derartige Gerätschaften dürften nicht nur empfindlich sein, man braucht wahrscheinlich auch eine spezielle Ausbildung, um sie zu bedienen und zu warten. Verstehen Sie, worauf ich hinauswill, Gouverneur Tate, oder sollen wir es Ihnen aufmalen?«

»Sie hat recht«, sagte Emily. Gouverneur Tate schaute sie mit zu Schlitzen verengten Augen an. Sie begegnete seinem Blick und fuhr fort: »Ich habe am College Vorlesungen über Virologie belegt; die braucht man für einen Abschluss als Tierpfleger. Was Peter da beschreibt, ist Laborqualität. Allein, um so etwas zu isolieren, braucht man einen keimfreien Raum und hervorragende Quarantänevorkehrungen, ganz zu schweigen davon, eine eine Waffe damit zu laden. Dafür fehlten ihnen einfach die Mittel. Ein Dampfkochtopf in einem Hotelzimmer reicht nicht, um etwas Derartiges herzustellen.«

Ehe Tate etwas antworten konnte, kam ich ihm zuvor. »Selbst wenn man davon ausgeht, dass wir uns irgendwie die nötigen Mittel für so etwas verschafft hätten, und wenn wir irgendeinen ›stummen Komplizen‹ gehabt hätten, der es zur Ranch geschafft hätte, während wir auf dem Parteitag waren, dann wäre es wirklich saublöd von uns gewesen, anschließend selbst die Beweise dafür zu entdecken, dass der Ausbruch Menschenwerk war. Können wir jetzt, nachdem Sie unseren Patriotismus, unsere Zurechnungsfähigkeit und unsere Intelligenz infrage gestellt haben, weitermachen?«

Gouverneur Tate lehnte sich mit zusammengekniffenen Augen in seinem Stuhl zurück. Ich selbst hielt die Augen weit geöffnet und nutzte den Umstand, dass der stete, allzu blaue Blick meiner Kontaktlinsen die meisten Menschen verunsicherte. Er schaute zuerst weg.

Zufrieden drehte ich mich zu Senator Ryman um. »Was gibt es außer diesem kleinen Schlagabtausch noch, was Ihrer Meinung nach hinter verschlossenen Türen besprochen werden muss?«

Man musste ihm zugutehalten, dass er peinlich berührt wirkte, als er sagte: »Wir haben angesichts der Umstände überlegt, ob, nun ob es nicht vielleicht am besten wäre, wenn Sie vier nach Hause fahren würden.«

Ich starrte ihn mit offenem Mund an, und Rick tat das Gleiche. Buffy, die während des gesamten Wortwechsels mit Tate untypisch schweigsam geblieben war, schaute weiter auf ihre Hände herab.

Letztlich war es Shaun, der das Wort ergriff. Er knallte die Füße auf den Boden, stand auf und sagte: »Spinnt ihr denn total?«

»Shaun«, sagte Senator Ryman und hob beschwichtigend die Hände. »Wenn Sie sich das Ganze einfach mal vernünftig durch den Kopf gehen «

»Entschuldigung, Sir, aber Sie haben Ihr Recht, mich um vernünftiges Verhalten zu bitten, in dem Moment verspielt, als Sie vorgeschlagen haben, dass wir die Story fallen lassen«, blaffte Shaun geladen. Von allen Anwesenden verstand nur ich, wie viel Selbstkontrolle er in diesem Moment aufbringen musste. Shaun verliert nicht oft die Beherrschung, aber wenn er es tut, sucht man am besten Deckung. »Finden Sie nicht, dass wir es unseren Zuschauern schuldig sind, das zu Ende zu bringen, was wir angefangen haben? Wir sind hier nicht eingestiegen, um halbe Sachen zu machen! Wir haben einfach kein Recht dazu, den Schwanz einzuziehen und uns davonzumachen, sobald es ein bisschen ungemütlich wird.«

»Meine Tochter ist tot, Shaun!«, sagte der Senator. Mit einem Mal war er auf den Beinen und ließ eine verloren dreinschauende Emily auf dem Sofa zurück. »Kapieren Sie, dass das für uns mehr ist als eine Schlagzeile? Rebecca ist tot! Es wird sie nicht ins Leben zurückbringen, wenn wir die Wahrheit verkünden!«

»Aber Lügen erzählen bringt sie auch nicht zurück«, sagte Rick so ruhig, dass sein Tonfall in dem hitzigen Wortwechsel fehl am Platze wirkte. Alle Blicke wandten sich ihm zu. Er hatte den Kopf gehoben und schaute mit wacher Miene zu Senator Ryman und Gouverneur Tate. »Senator, glauben Sie mir, wenn ich sage, dass ich Ihren Schmerz besser verstehe, als Sie ahnen. Und ich verstehe, dass Sie vor lauter Sorge auf schlechten Rat hören.« Er warf dem Gouverneur einen Blick zu, der den Anstand hatte, zu erröten und die Stirn zu runzeln. »Man hat Ihnen gesagt, dass wir Zivilisten sind und Sie uns aus der Schusslinie bringen müssen. Aber dafür ist es zu spät, Sir. Die Sache ist in den Nachrichten. Wenn Sie uns wegschicken, dann kommen nur andere Reporter auf der Suche nach Schlagzeilen. Reporter, die Sie, mit Verlaub, nicht unter Kontrolle haben. Wir haben eine funktionierende Arbeitsbeziehung, und Sie wissen, dass wir Ihnen zuhören. Erwarten Sie ernsthaft, dass das auch für die anderen Leute gilt, die dieser Skandal anlocken wird?«

»Ich finde, wir sollten gehen«, sagte Buffy. Ich drehte mich mit aufgerissenen Augen zu ihr um. Den Blick noch immer auf ihre Hände gesenkt, fuhr sie fort: »Auf so etwas wollten wir uns doch nie einlassen. Mag sein, dass Rick recht hat und dass andere Leute kommen werden, aber wen interessiert das?« Sie schaute unter ihrem Pony hervor und befeuchtete sich die Lippen. »Wenn die herkommen und sterben wollen, ist das ihr Problem. Ich habe Angst, und er hat recht. Wir haben hier nichts mehr verloren. Wenn wir hier überhaupt jemals etwas verloren hatten.«

»Buffy«, sagte Shaun. Er klang verletzt. »Was redest du da?«

»Es ist nur eine Story, Shaun, und überall, wo wir hingekommen sind, sind schreckliche Dinge passiert.« Sie hob mit elender Miene den Kopf. »Die armen Leute in Eakly. Die Sache auf der Ranch. Senator Ryman, ich halte Sie für einen wundervollen Menschen, aber das hier ist bloß eine Story, und wir sollten kein Teil von ihr sein. Sonst wird uns noch etwas zustoßen.«

»Eben deshalb müssen wir bleiben«, sagte ich. Mein Tonfall verriet zu meinem Erstaunen nichts von meiner Enttäuschung. Am liebsten hätte ich Buffy geohrfeigt. Ich wollte sie durchschütteln und fragen, wie sie so blind dafür sein konnte, dass wir nach allem, was wir zusammen durchgestanden hatten, um der Wahrheit willen weitermachen mussten. Stattdessen schaute ich die übrigen Anwesenden an und sagte mit ruhiger Stimme: »Es ist alles ›nur eine Story‹. Tragödien, Komödien, das Ende der Welt, egal was, es ist bloß eine Nachrichtenmeldung. Aber es kommt darauf an, dass die Leute davon erfahren

»Eben diese Haltung ist der Grund dafür, dass Sie sich verabschieden sollten, junge Dame«, sagte Gouverneur Tate. »Wir können uns nicht darauf verlassen, dass Sie den Mund halten, wenn Sie meinen, dass es an der Zeit ist, die Wahrheit zu sagen. Aber hier ist nicht Ihre Einschätzung maßgeblich, sondern die Wahrung der nationalen Sicherheit. Und ich glaube nicht, dass Ihnen voll und ganz bewusst ist, in welche Gefahr Sie uns bringen könnten.«

»Moment mal, David «, sagte der Senator.

»Hübsch, wie Sie für unsere Freiheit eintreten, Gouverneur«, blaffte ich.

»Ist ja nicht zu glauben, was der für eine Scheiße redet«, sagte Shaun.

»Andererseits klingt die Schlagzeile ›Zensur: Reporter von Wahlkampagne ausgeschlossen‹ ganz nett«, sagte Rick. »Ich glaube, da haben wir eine Quotenspitze vor uns.«

»Quoten! Sie interessieren sich auch nur für «

»Seid still«, sagte Emily.

»… für Ihre geliebten Quoten!« Langsam lief Gouverneur Tate heiß, und sein Gesicht erstrahlte in heiligem Zorn. Jetzt, wo Senator Ryman nicht mehr zur Verfügung stand, hatte er seine neuen Gegenspieler gefunden. Uns. »Ein junges Mädchen stirbt, eine Familie wird zerstört, die Präsidentschaftskampagne eines Mannes ist vielleicht unwiderruflich beschädigt, und wofür interessieren Sie sich? Für Ihre verdammten Quoten! Tja, Sie können sich Ihre Quoten in den «

Wir sollten nie erfahren, was wir mit unseren Quoten machen konnten. Das Geräusch von Emilys Handfläche, die Gouverneur Tates Wange traf, hallte wie das Brechen eines dicken Asts durch den Raum. Nur die darauffolgende Stille war noch lauter. Gouverneur Tate hob die Hand an die Wange und starrte sie an, als traute er seinen Augen nicht. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Auch ich traute meinen Augen nicht, und ich war nicht diejenige, die soeben eine Ohrfeige kassiert hatte.

»Emily, was «, setzte Senator Ryman an. Sie bedeutete ihm mit erhobener Hand zu schweigen und nahm dann langsam und bedächtig ihre Sonnenbrille ab, wobei sie den Blick nicht von Gouverneur Tate abwandte. In der gnadenlos hellen Zimmerbeleuchtung weiteten ihre Pupillen sich, bis die Iriden von der Schwärze verschluckt wurden. Ich wand mich innerlich. Mir war klar, wie sehr das wehtun musste, aber sie ließ sich nichts anmerken und starrte Tate weiter an.

»Um der politischen Karriere meines Mannes willen werde ich höflich zu Ihnen sein. Ich werde bei Ihren öffentlichen Auftritten lächeln, und wann immer eine Kamera oder Angehörige der unabhängigen Presse anwesend sind, werde ich mich bemühen, Sie wie einen Menschen zu behandeln.« Ihr Tonfall war ruhig und vernünftig. »Aber seien Sie sich über eines im Klaren: Falls Sie jemals wieder in meiner Gegenwart so mit diesen Leuten hier reden, falls Sie jemals wieder so tun, als mangelte es ihnen an Urteilsfähigkeit, Mitgefühl und gesundem Menschenverstand, dann sorge ich dafür, dass Sie ihre Kandidatur als Vizepräsident bereuen werden. Und falls ich zu dem Schluss gelange, dass Ihre Haltung meinen Ehemann in irgendeiner Weise beeinflusst nicht, indem Sie seine ach so wichtige Karriere beschädigen, sondern indem Sie ihn als Menschen verändern , werde ich Ihnen das vergelten, und ich werde Sie vernichten. Haben wir uns verstanden, Gouverneur?«

»Ja, Ma’am.« Gouverneur Tate klang ebenso verdattert, wie ich mich fühlte. Ein Blick in Shauns Richtung verriet mir, dass es ihm wahrscheinlich genauso ging. »Ich glaube, Sie haben sich klar ausgedrückt.«

»Gut.« Emily wandte sich zu uns um. »Shaun, Georgia, Buffy, Rick. Ich hoffe, dass diese unschöne kleine Szene euch nicht die Kandidatur meines Mannes verleidet. Ich spreche für uns beide, wenn ich sage, dass ich sehr hoffe, dass ihr weiterhin genau das für uns tut, was ihr bisher getan habt.«

»Wir sind nicht nur für den spaßigen Teil mit an Bord, Mrs Ryman«, sagte Rick. »Ich glaube nicht, dass jemand von uns vorhat, sich davonzumachen.«

Als ich Buffy anschaute, war ich mir da nicht so sicher. »Er hat recht, Emily«, sagte ich. »Wir bleiben, natürlich vorausgesetzt, dass der Senator das möchte ?« Abwartend schaute ich zu ihm.

Senator Ryman wirkte unsicher. Dann nickte er langsam, stand auf und legte seiner Frau den Arm um die Schultern. »David, ich fürchte, ich muss in dieser Sache Emily zustimmen. Ich möchte sehr gerne, dass diese Leute dabeibleiben.«

»Nun, Senator«, sagte ich, »dann besteht unsere Partnerschaft wohl weiter.«

»Gut«, antwortete er und streckte den Arm aus, um mir die Hand zu schütteln.

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Das Problem mit den Nachrichten ist ganz einfach: Die Leute, insbesondere die am oberen Ende des Machtspektrums, mögen es, wenn man Angst hat. Sie wollen, dass man wie gelähmt von der Vorstellung eines drohenden Todes ist. Es gibt immer etwas, wovor man sich fürchten kann. Früher waren es Terroristen. Jetzt sind es Zombies.

Was hat das mit den Nachrichten zu tun? Ganz einfach: Die Wahrheit ist nicht Furcht einflößend. Nicht, wenn man sie begreift, nicht, wenn man begreift, was daraus folgt, und nicht, wenn man keine Angst hat, dass einem etwas verheimlicht wird. Die Wahrheit ist nur dann Furcht einflößend, wenn man meint, dass etwas fehlt. Und die da oben? Sie mögen es, wenn man Angst hat. Also geben sie sich alle Mühe, die Wahrheit für sich zu behalten und sie so zu filtern, dass sie sich in etwas verwandelt, wovor man sich fürchten kann.

Wenn wir keine Angst vor den Wahrheiten haben müssten, die wir nicht erfahren, dann müssten wir auch keine Angst mehr vor denen haben, die wir erfahren. Darüber sollte man mal nachdenken.

Aus Unschöne Bilder, dem Blog von Georgia Mason,
2. April 2040