17.
Um 15:30 Uhr an jenem Nachmittag verstarb sie. Es war der Heilige Mittwoch, der 17. April 1680. Sie war vierundzwanzig Jahre alt. Wir befinden uns im tiefsten Herzen des Nachmittags. Pater Cholenec kniete neben der Leiche und betete. Er hatte die Augen geschlossen. Plötzlich riss er sie auf und rief erschüttert: »Je fis un grand cri, tant je fus saisi d’étonnement!«
– Iiiiiiiiauuuuuu!
Das Gesicht der Catherine Tekakwitha war weiß!
– Viens ici!
– Sieh dir dieses Gesicht an!
Betrachten wir etwas genauer den Augenzeugenbericht des Pater Cholenec. Wollen wir uns dabei bemühen, unsere politischen Überzeugungen hintanzustellen, vergiss nicht, dass ich dir positive Neuigkeiten versprochen habe. »Seit ihrem vierten Lebensjahr war Catherines Gesicht von der Pest gezeichnet gewesen. Ihre Krankheit und die Selbstkasteiungen hatten zu ihrer Verunstaltung weiter beigetragen. Doch eine Viertelstunde, nachdem sie verschied, veränderte sich plötzlich ihr derart entstelltes und dunkles Gesicht. Von einem Augenblick auf den nächsten wurde sie wunderschön und so hellhäutig …«
– Claude!
Pater Chauchetière kam angelaufen, und in seinem Gefolge das ganze Indianerdorf. Sie entschwebte in den düsteren, kanadischen Nachmittag, als sei sie nur friedlich eingeschlafen unter einem gläsernen Schirm, und ihr Antlitz war heiter und hell wie Alabaster. Solcherweise, mit weißem, dem Himmel zugewandtem Gesicht, betrat sie unter den gebannten Blicken der Dorfbewohner den Weg der Toten. Pater Chauchetière sprach:
– C’etait un argument nouveau de crédibilité, dont Dieu favorisait les sauvages pour leur faire goûter la foi.
– Psssst!
– Schhhh.
Später kamen zufällig zwei Franzosen vorbei. Einer von ihnen sagte:
– Schau dir an, wie hübsch das Mädchen ist, das dort schläft.
Als man ihnen erklärte, um wen es sich handelte, fielen sie auf die Knie und beteten.
– Wir wollen einen Sarg bauen.
In ebendiesem Augenblick ging das Mädchen in den ewigen Mechanismus des Himmels ein. Sie warf einen letzten Blick über ihre atomisierte Schulter, ließ einen Alabasterstrahl über ihr Antlitz blitzen und strömte unter dem dankbaren Gelächter ihrer wahnsinnig gewordenen Freundin davon.