32.

1663 wurde Kanada Kronkolonie Frankreichs. Hier kommen die vom Marquis de Tracy geführten Truppen, er ist Generalleutnant der Heere des Königs, hier kommen sie, sie marschieren durch den Schnee, zwölfhundert sehr große Männer, das berühmte Regiment de Carignan. Der König von Frankreich hat mit seinem weißen Finger auf die Landkarte getippt: eine Nachricht, die sich schnell an den vereisten Ufern des Mohawk verbreitete. Da stehen der Intendant Talon, der Gouverneur M. de Courcelle Tracy und betrachten die Wildnis, in der es vor Ungeziefer nur so wimmelt. Meine Brüder, zeigen wir, was wir von Richelieu gelernt haben! Stimmen, die sich über Landkarten besprechen, Stimmen, die in Fenster dringen, am Ufer wachsen die Forts, Sorel, Chambly, Sainte-Thérèse, Saint-Jean, Sainte-Anne auf der Insel im Lake Champlain. Meine Brüder, die Bäume hängen voller Irokesen. Im Januar 1666 stieß M. de Courcelle mit einer Kolonne von Männern tief in das Mohawk-Territorium vor, ein Fehler napoleonischen Ausmaßes. Denn er war ohne seine algonquinischen Spähtruppen aufgebrochen, sie waren einfach nicht pünktlich erschienen. Die Indianer markierten den Weg seines planlosen Rückzugs mit einer Unzahl bespickter Leichen. Tracy wartete bis September desselben Jahres. Sechshundert Männer der Carignan brachen in Québec auf und marschierten in scharlachrote Wälder, dazu sechshundert Milizen und hundert verbündete Indianer. Vier Priester begleiteten die Expedition, die nach drei Wochen das erste Mohawk-Dorf, Gandaouagué, erreichte. Die Feuerstellen waren kalt, das Dorf verlassen, wie alle Dörfer, in die sie kamen. Tracy stellte ein Kreuz auf und ließ eine Messe feiern, über die Langhäuser erhob sich ein feierliches Te Deum. Dann brannten sie das Dorf nieder, Gandaouagué und all die anderen Dörfer, die sie noch erreichten, sie verwüsteten die Felder und zerstörten die Vorratsspeicher voller Mais und Bohnen, die ganze Ernte landete im Feuer. Die Irokesen machten ein Friedensangebot. Wie bereits 1653 wurden Priester in jedes Dorf entsandt. Der Waffenstillstand von 1666 hielt achtzehn Jahre. Monsignore de Laval segnete seine Patres, bevor sie aus Québec fortzogen auf der Suche nach Seelen. Im Sommer 1667 trafen die Priester im wieder aufgebauten Dorf Gandaouagué ein. Während die Robes-Noires, die Schwarzröcke, ihre Lager richteten, bliesen die Mohawk in ihre großen Muscheltrompeten. Drei Tage verbrachten die Priester in dem Dorf. Eine zarte Fügung der Vorsehung dürfen wir noch erwähnen. Sie waren in Catherine Tekakwithas Hütte einquartiert, die sie auch bediente, sie begleitete sie, als sie die Gefangenen des Dorfs, christianisierte Huronen und Algonquin, besuchten, sie sah den Patres bei der Kindstaufe zu und fragte sich, was es zu bedeuten hatte, dass sie die Alten in weit abgelegenen Hütten isolierten. Nach drei Tagen zogen die Priester weiter, erst nach Gandarago, dann nach Tionnontoguen, wo sie von zweihundert Kriegern empfangen wurden. Der Häuptling begrüßte sie mit einer eleganten Rede, und das Volk jubelte, denn es wollte lieber die fremde Zauberei ertragen, als vom Zorn der Carignan getroffen zu werden. So wurden innerhalb des Irokesenbunds fünf Missionen errichtet: Sainte-Marie in Tionnontoguen, Saint-François-Xavier in Onneyout, Saint-Jean-Baptiste in Onnontagué, Saint-Joseph in Tsonnontouan – sechs Missionare genügten, um das Land zwischen Lac Saint-Sacrement und Erie zu christianisieren, denn Schwert und Feuer hatten ihnen den Weg gebahnt. 1668 wurde unser Dorf Gandaouagué noch einmal neu aufgebaut. Vom Südufer aus überquerten die Indianer den Fluss und bauten ihre Langhäuser einige Meilen westwärts, am Zusammenfluss von Mohawk und Cayudetta, wieder auf. Das neue Dorf nannten sie Kahnawaké, was an der Stromschnelle bedeutet. In der Nähe befand sich eine kleine, klare Quelle. Sie ging täglich hin, um Wasser zu holen. Sie kniete im Moos. Das Wasser sang ihr in den Ohren. Die Quelle stieg im Herzen des Waldes auf, die winzigen Mooslandschaften glänzten wie grüner Kristall. Sie fuhr sich mit der nassen Hand über die Stirn. Sie spürte ein tiefes Verlangen nach Verbindung zu dem Wasser, ihr innigster Wunsch war, dass die Quelle den Körper hüten würde, den sie aufgeopfert hatte, sie sehnte sich, nass, wie sie war, vor den Schwarzröcken in die Knie zu gehen. Vom Schwindel erfasst sank sie neben ihrem umgestürzten Eimer zusammen und weinte bitterlich.

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