19. März 1971-Kimberley

»Ich bin zufrieden!«

Die drei Männer blickten aus ihren Sesseln zu Friedrich von Keipen auf, der, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, mit durchgedrücktem Kreuz vor ihnen stand wie ein Spieß vor seiner Kompanie.

»Lassen Sie mich ein kurzes Resümee ziehen:

Die Simonische Bruderschaft war vor wenigen Monaten zum ersten und auch letzten Mal in Gefahr. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es war mir von Anfang an klar, dass der Vatikan irgendwann auf uns aufmerksam werden würde. Wann das geschehen würde, konnte ich nicht absehen, denn die Auswirkungen der gezielten Werbemaßnahmen unserer Priester innerhalb der Kirche waren nicht vorhersehbar. Die schnelle Eskalation ist jedoch der beste Beweis für uns, dass unsere Argumente bei den jungen Geistlichen auf fruchtbaren Boden stoßen. Es war quasi eine Generalprobe. Wären wir schon in der Lage gewesen, die Kurie nach unserem Willen zu lenken, hätte sich unser Gedankengut wie ein Lauffeuer bei den Priestern auf der ganzen Welt verbreitet. Trotz des massiven Einschreitens der Kurie und im Besonderen der Kongregation für die Glaubenslehre werden vor allem die jüngeren Priester unsere Ideologie im Gedächtnis behalten. Nach den letzten Zahlen, die mir vorliegen, sind fast einhundertfünfzig Geistliche vom Kirchendienst ausgeschlossen oder beurlaubt worden. Aber nur ganze achtzehn dieser Männer sind Simoner! Alle anderen sind normale, junge Priester, die die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Dass diese Männer gleich die offene Konfrontation gesucht haben, war von mir zwar nicht geplant, aber ich habe es von Anfang an mit Interesse beobachtet und bewusst nichts dagegen unternommen. Wie sich jetzt zeigt, war dieser Schachzug absolut richtig. Die Glaubenskongregation hat ihren Kreuzzug gehabt und kann Erfolge vorweisen. Wenn unsere Männer sich ab jetzt etwas zurückhalten, wird man sich in Rom selbstzufrieden die dicken Bäuche reiben und sich in der Sicherheit wiegen, die Aufwiegler aus dem Verkehr gezogen und damit die Ruhe in der Kirche wiederhergestellt zu haben.

Das ist genau die Situation, die ich mir wünsche. Ich weiß nun definitiv, wenn es soweit ist, werden wir Erfolg haben.«

Nach einigen Sekunden der Stille sagte der ehemalige Hauptfeldwebel Dietmar Krämer: »Aber was ist mit unseren achtzehn Männern?«

Friedrich grinste: »Der Herr Hauptfeldwebel. Denkt stets zuerst an seine Männer. Recht so! Nun, für sie ist gesorgt. Sie haben ihren Teil zum Erfolg unserer großen Sache erst einmal geleistet und gehen aus Sicht der Bruderschaft in den vorzeitigen Ruhestand. Sie werden in Unternehmen angestellt, die Mitgliedern der Bruderschaft gehören. Am Tag X werden sie reaktiviert und selbstverständlich wieder in den Dienst einer dann modernisierten katholischen Kirche übernommen. Wenn es sonst keine Fragen mehr gibt, können Sie sich nun wieder Ihren Aufgaben widmen.«

Die Männer standen auf und Krämer und Scholler verließen den Raum. Hans wartete, bis sich ihre Schritte entfernt hatte und schloss die Tür.

Er drehte sich um und sah Friedrich an, der mittlerweile hinter seinem Schreibtisch saß.

»Darf ich eine unangenehme Frage stellen?«

Friedrich musterte seinen ehemaligen »Begleiter« und ältesten Vertrauten kurz und nickte mit ernstem Gesicht.

»Ja, aber ich kann dir nicht versprechen, dass ich darauf antworten kann.«

»Was ist mit Dengelmann?«

Das kurze Zucken in Friedrichs Gesicht wäre jemandem, der ihn nur flüchtig kannte, nicht aufgefallen. Hans jedoch bemerkte es und befürchtete schon, einen Wutausbruch Friedrichs zu erleben.

Zu seiner Überraschung antwortete der jedoch mit ruhiger Stimme.

»Dengelmann ist selbstherrlich. Seit seinem Ausbruch dir gegenüber hat er so gut gearbeitet wie nie zuvor. Dass ich nicht auf seine Drohung reagiert habe, deutet er als Schwäche und als Zeichen, dass er der wichtigste Mann der Bruderschaft ist. Er hat jetzt das Gefühl, seine Anstrengungen nicht mehr für die Bruderschaft, sondern nur noch für sich persönlich zu unternehmen. Sein Ehrgeiz ist geweckt, der mächtigste Mann in der katholischen Kirche zu werden. In diesem Glauben werden wir ihn lassen.«

»Wie lange?«

»So lange wir ihn brauchen.«

»Und dann?«

Einige Sekunden sahen sie sich stumm in die Augen, dann sah Hans ein, dass er auf diese Frage keine Antwort erhalten würde. Er nickte kurz und verließ den Raum.

Friedrich lehnte sich zurück.

Dann wird es Jürgen Dengelmann sehr leidtun, mir gedroht zu haben!

Magus - Die Bruderschaft
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