18. Juli 1968 -Vatikan
Giuseppe Leonardo Varetto, der nach seiner Wahl zum Papst den Namen Klemens XV. angenommen hatte, betrachtete still die drei geistlichen Würdenträger, die vor seinem Schreibtisch saßen. Er hatte die Hände so vor dem Bauch gefaltet, dass nur die Spitzen seiner Finger sich berührten. Die beiden Kardinäle und der Bischof hielten den Blick gesenkt und warteten geduldig. Das 71-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche galt als sehr besonnen und seine engeren Mitarbeiter kannten längst diese Minuten des Schweigens, die jedem wichtigen Gespräch mit ihm vorausgingen. Manch einer glaubte gar zu wissen, dass er ein Zwiegespräch mit Gott führte, um sich von ihm leiten zu lassen.
Schließlich nickte der Heilige Vater kaum merklich und legte die Hände in den Schoß.
»Wir werden eine neue Behörde einrichten, deren Aufgabe es sein wird, uns eine genaue Übersicht über das vatikanische Vermögen zu verschaffen. Zu diesem Zwecke habe ich beschlossen, dass Sie dieser neuen Institution vorstehen werden. Zu Ihrer Unterstützung wird schon bald ein Finanzexperte hier eintreffen, ein junger Priester aus Deutschland, der uns von Kardinal Frenzen wärmstens empfohlen wurde. Der Kardinal wollte ihn als seinen persönlichen Sekretär einsetzen, aber ich glaube, dass der junge Mann uns in der neuen Behörde bessere Dienste leisten kann.«
Kardinal Ernesto Bertulli wartete einige Sekunden, um sicher zu sein, dass der Papst nicht weitersprechen wollte, dann beugte er sich etwas nach vorn.
»Eure Heiligkeit, es wird nicht leicht sein, die Präfekten der Administraturen von der Notwendigkeit einer Offenlegung ihrer Finanzen zu überzeugen.«
Es dauerte eine Weile, bis Klemens XV. antwortete. »Ich werde Ihnen dafür die entsprechenden Befugnisse erteilen. Sie können nun gehen.«
Die hohen Geistlichen verließen das päpstliche Arbeitszimmer. Der Heilige Vater hatte ihnen eine schwierige, wenn nicht gar unlösbare Aufgabe übertragen. Sie waren gespannt auf den jungen Priester aus Deutschland.