17. Februar 1963 - Trier

Es war eine Idee seines Bischofs, die Jürgen Dengelmann die Pforte zum Vatikan öffnen sollte.

Der junge Priester war in den eineinhalb Jahren seiner Tätigkeit als Sekretär zu Dr. Bennings engstem Vertrauten geworden. Der Bischof konnte sich über das organisatorische Talent seines Sekretärs oft nur wundern. Die Höhe der Spenden hatte sich im Bistum Trier verdreifacht. Dass ein Großteil der Gelder ursprünglich von einer Liechtensteiner Privatbank kam, war nach Eingang in den Kassen des Bistums nicht mehr nachvollziehbar. So war es nicht weiter verwunderlich, dass Bischof Benning seine Idee zuerst mit seinem Sekretär besprach.

Wie fast jeden Morgen saßen sie nach dem Frühstück im Arbeitszimmer des Bischofs und besprachen den Tagesablauf, als der rundliche Mann sich auf einmal zurücklehnte und Jürgen über den Schreibtisch hinweg musterte. Als dieser den eindringlichen Blick seines Vorgesetzen bemerkte, lächelte er.

»Eure Exzellenz, ich sehe Ihnen an, dass Sie über einem Problem brüten. Möchten Sie mir Ihre Gedanken nicht mitteilen? Vielleicht kann ich Ihnen bei der Lösung behilflich sein.«

Der Bischof zögerte einige Sekunden, als müsse er über das Angebot länger nachdenken. Wie geistesabwesend ließ er dabei sein schweres Brustkreuz immer wieder durch die Finger gleiten. In Wahrheit stand sein Entschluss jedoch schon lange fest, denn wenn jemand Geld für sein Projekt aufbringen konnte, dann war es dieser junge Mann.

»Es gibt da in der Tat etwas, das mir sehr am Herzen liegt. Wir sprachen vor einigen Wochen schon über den desolaten Zustand unserer kirchlich geleiteten Altenheime. Es ist eine Schande, in welchen Verhältnissen die Menschen dort leben. Aber leider fehlt uns das Geld für umfassende Renovierungsarbeiten. Dem gegenüber stehen die neuen, privaten Heime, die in den letzten Jahren eröffnet worden sind. Sie sind mit modernster Technik ausgestattet, es gibt dort weder abblätternde Farbe noch rostige Heizungsrohre, und die Betreuung der Alten ist geradezu vorbildlich. Die kirchlich geführten Häuser verzeichnen deshalb immer weniger Neuzugänge. Nun denke ich darüber nach, eine großangelegte Spendenaktion ins Leben zu rufen. In unseren Pfarreien würde ich gern eine Sonderkollekte abhalten. Wir sollten aber auch versuchen, den einen oder anderen Mäzen dafür zu begeistern. Sie haben in der Vergangenheit bewiesen, dass die Menschen Ihnen gegenüber sehr freigebig sind, Dengelmann. Deshalb würde ich Sie gern mit dieser Aufgabe betrauen, die mir wirklich sehr am Herzen liegt.«

»Welcher Betrag wird denn für die erforderlichen Renovierungsarbeiten benötigt?«

Benning machte eine resignierte Handbewegung. »Die gesamte Summe, die dazu notwendig wäre, werden wir mit Spenden niemals auftreiben können.«

Wieder lächelte Jürgen den Bischof zuversichtlich an. »Würden Sie mir die Summe trotzdem nennen, Exzellenz?«

»Fast zwei Millionen Deutsche Mark.«

Völlig unbeeindruckt notierte sich der junge Sekretär die Zahl auf seinem Notizblock.

»Ich werde sehen, was ich tun kann, Eure Exzellen Wenn Sie mich im Moment nicht mehr benötigen, wür ich gern sofort damit beginnen.«

Der Bischof nickte nur. Jürgen beeilte sich, in sein Büro zu kommen. Als er sorgfältig die Tür schloss, lächelte er in sich hinein. Seine Chance war gekommen. Er spürte es ganz deutlich. Schnell trat er an seinen Schreibtisch. Er hatte ein wichtiges Telefonat mit Ulf zu führen, seinem Verbindungsmann zur Bruderschaft.

Zwei Wochen nach diesem Gespräch präsentierte Jürgen seinem Bischof einen Scheck über zwei Millionen Deutsche Mark. Er war von einem gewissen Dietmar Krämer ausgestellt worden, seines Zeichens Geschäftsmann aus Südafrika, der laut Jürgen ein entfernter Verwandter von ihm war.

Als Bischof Benning den Scheck in Händen hielt, schüttelte er immer wieder ungläubig den Kopf.

»Dengelmann, Sie werden mir langsam unheimlich. Mit Ihrem organisatorischen Talent werden Sie es jedenfalls noch weit bringen.«

Am gleichen Tag führte der Bischof ein längeres Telefonat mit Kardinal Bernhard Frenzen, dem stellvertretenden Leiter der Vatikanbank.

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