KAPITEL 5
Laborratten
Matt liebte es, zu gewinnen. Und er hatte definitiv den Kampf darum gewonnen, das neurokinetische Programm in eine kommerziell verwertbare Richtung zu lenken. Über Chucks Wunschliste von Disziplinen für eine erste Erprobung konnte er nur den Kopf schütteln. Nicht praktikable Wohlfühldinge, das war alles, was diesem Wissenschaftler einfiel. Natürlich würde es an irgendeinem Punkt sinnvoll sein, sich mit medizinischen Anwendungen oder Mobilität zu beschäftigen, aber Medizin war eine margenschwache Angelegenheit, denn nur finanziell gut ausgestattete Lehrkrankenhäuser wie das Johns Hopkins hatten das nötige Kleingeld, um finanzielle Verpflichtungen in substanzieller Höhe einzugehen. Und Menschen, die unter das amerikanische Behindertengesetz fielen, waren über öffentliche Töpfe versichert, die von Wahlausgängen und der politischen Stimmung abhingen. Davon abgesehen war die Arzneimittelzulassungsbehörde dafür berüchtigt, Genehmigungen zu verschleppen, und Verzögerungen waren das Letzte, was sie brauchen konnten.
Matt hatte einen Kader von Investoren im Auge, die in der Lage sein würden, beinahe unbegrenzte finanzielle Mittel bereitzustellen, und die es Forward Kinetics ermöglichen würden, kommerziell verwertbare Anwendungen für die gemeinsame Erfindung von Chuck und Dice zu produzieren: das Brenton-Kobayashi Kinetic Interface oder kurz BKKI.
Die Brenton-Komponente war ein stark modifizierter Brewster Brain Pattern Monitor – tatsächlich so sehr modifiziert, dass Matt bereits ein Patent darauf anstrebte. Die CPU benutzte nämlich ein Programm, das auf seinem Umwandlungsalgorithmus basierte. Dices Beitrag – zusätzlich zur fortgesetzten Arbeit an der Verkleinerung des Brewsters – war ein Transceiver-System, das nicht viel wog und den Brain Pattern Monitor mit dem Mechanismus verband, den er antreiben sollte.
Alles begann sich zu fügen.
Und jetzt, nach Monaten der Vorbereitung, waren sie so weit, die Arbeit mit ihrer ersten Gruppe von Testpersonen zu beginnen.
Sie waren im Labor und machten sich für Praxistests mit den Geräten fertig, die Dice und sein Team von Minions (wie sie sich selbst nannten) so modifiziert hatten, dass sie einen Input von Becky aufnahmen (wie sie das BKKI nannten). Zusätzlich zu Sara Crowell und Tim Desmond gab es einen frischen Rekruten namens Mikhail Yenotov.
Die drei waren eine Studie in Sachen Verschiedenheit, überlegte Matt, während er sie durch das hohe Fenster der Galerie beobachtete, die ihrem Hauptlabor das Aussehen eines riesigen Operationssaals verlieh. Sara war eine hochgewachsene, kühle Brünette in den Dreißigern. Ernst. Distanziert. Aufmerksam, mit durchdringend blickenden, grauen Augen. Matt bemerkte, dass sie Schweigen wie einen Schild benutzte. Verstehen? Himmel, ich habe das praktisch erfunden. Wie er selbst, war sie in der Vergangenheit verletzt worden. Wahrscheinlich eine Beziehung. Möglicherweise eine Frau – Matt konnte sich nicht vorstellen, dass sie wegen etwas so Dummem wie einem Mann aus dem Häuschen geraten würde.
Während Sara ihr Privatleben für sich behielt, ließ sich dasselbe von ihren Ansichten nicht behaupten. Die verteilte sie großzügig, beinahe freudig, wie in diesen alten Experimenten, bei denen DDT über Swimmingpools voller lachender Kinder versprüht wurde. Viele dieser Ansichten waren für die von Männern dominierte Branche reserviert, in der sie arbeitete. Sie war so oft gegen die gläserne Decke geprallt, dass sie einen dickeren Schädel davon bekommen hatte, und sie weigerte sich, die Vorstellung, sie könnte weniger gut als die Jungs sein, auch nur in Betracht zu ziehen. Angefangen mit ihrem Vater, hatte sie das ihr ganzes Leben lang gehört, und dieser ständige Kampf hatte sie hart gemacht. Aber er hatte sie auch besser gemacht.
Tim – oder Troll, wie er es vorzog, genannt zu werden – war in den Zwanzigern. Der Typ war ein derart archetypischer Computerspiel-Nerd, dass Eugene und Dice im Vergleich zu ihm wirkten, als hätten sie in der Highschool nur Sport gemacht. Er hatte diesen blassen, pilzartig feuchten Teint, den man mit schwach beleuchteten Computerhöhlen und Spielhallen assoziiert. Dazu passend der wilde, ungleichmäßig geschnittene Haarschopf. Seine wässrigen, farblosen Augen erinnerten Matt an Fotos von Buschbabys, oder wie diese großäugigen Kerlchen genannt wurden, die er in National Geographic gesehen hatte. Troll drückte sich einsilbig aus, es sei denn, er beschrieb seine neuesten Schöpfungen oder schwatzte mit Eugene oder Dice über Computercode – oder beleidigte irgendwen. Und selbst dann war das meiste, was aus seinem Mund kam, für die Hälfte seiner Zuhörer unverständlich.
Dann war da noch Mike Yenotov. Er war ein Bauingenieur von Anfang vierzig, bodenständig, ehrlich, geradlinig, jemand, der kein Blatt vor den Mund nahm und auf eine leise Art eigensinnig wie ein Maulesel war. Was er nicht verstand, hakte er mit einem Blinzeln seiner braunen Augen ab, und sein Achselzucken dazu interpretierte Matt so: „Ich verstehe es nicht. Es ist nicht nötig, dass ich es verstehe. Wenn es nötig ist, dass ich es verstehe, wird sich eben jemand die Mühe machen müssen, es mir zu erklären … und wenn er sich dabei herablassend benimmt, gehe ich – nachdem ich ihm eine aufs Maul gegeben habe.“ Mike war praktisch veranlagt und verstand viel von seinem Gewerbe – was er nicht über schwere Baumaschinen wusste, hatte wahrscheinlich auf einem sehr kleinen Stecknadelkopf Platz – aber anscheinend wenig mehr.
Und dann gab es noch Minerva. Wenn sich Chuck schlau vorkam, weil er sie wie eine zahme Maus heimlich in seiner Tasche einschmuggelte, damit sein Geschäftspartner nichts von ihrer fortgesetzten Beteiligung erfuhr, machte er sich etwas vor. Matt wusste, dass Mini nach Feierabend (falls es so etwas an einem Ort wie diesem überhaupt gab) immer noch ins Labor kam und mit der Schnittstelle arbeitete. Er ließ es geschehen, als eine Art Trostpflaster für Chuck, nachdem er gegen den größten Teil seiner Liste gestimmt hatte. Alles, was Chuck glücklich machte, erleichterte Matt das Leben. Er wusste außerdem nicht, wie wirkungsvoll ein Nein bei Mini sein würde. Würde er es zum einen fertigbringen, es ihr ins Gesicht zu sagen? Würde sie zum andern überhaupt verstehen, was Nein bedeutete? Natürlich würde sie nicht so viel Zeit mit dem Equipment erhalten wie die drei offiziellen Testpersonen, nicht einmal annähernd so viel. Aber wenn Chuck damit zufrieden war, brauchte es weiter nichts.
Für den Fall, dass Chuck mehr Zugang für sie forderte (oder vielmehr erbat, denn es war schwer, sich vorzustellen, dass Chuck Brenton irgendetwas forderte), war Matt bereit, ihr einen offiziellen Platz im Programm anzubieten, aber er hatte nicht die Absicht, es freiwillig zu tun. Zeit mit Becky war kostbar – sie hatten nur diese eine Einheit, bis Dices Team eine zweite bauen konnte – und Matt war entschlossen, keine Zeit für Dinge zu vergeuden, die er für kindischen Zeitvertreib hielt.
Als er sah, wie Chuck unten das Labor durch den Haupteingang betrat, verließ Matt die Beobachtungsgalerie und eilte die Treppe hinab.
Chuck die Sitzungen allein steuern zu lassen, war keine gute Idee.
Es gibt die Redensart, dass jemand sich freut wie ein Schneekönig. Chuck wusste nicht, was ein Schneekönig war, und worüber der sich freuen sollte, aber nichtsdestoweniger freute er sich tatsächlich wie jener sprichwörtliche Schneekönig, als er am ersten Morgen der offiziellen Testphase für das neue Brenton-Kobayashi Kinetic Interface ins Labor kam.
Denn bis heute hatten die Testpersonen nur mit Dices Roboticus gearbeitet und gelernt, ihn problemlos durch das Labor zu steuern. Und war das bereits aufregend zu beobachten gewesen, würden sie jetzt beginnen, in ihren eigenen Fachgebieten zu arbeiten.
Ein Schritt näher.
Es gab zwei Experimentierarenen, die in verschiedenen Bereichen des weiträumigen Labors eingerichtet waren. Zu einer gehörte ein leistungsstarkes Computersystem, das sowohl mit Saras CAD-Software als auch mit Tims Programmier-Package ausgestattet war. Die andere benötigte ein maßstabsgetreues Modell eines Schaufelbaggers, das in einem drei mal drei Meter großen und einen Meter tief mit Sand gefüllten Behälter stand.
Obwohl er der Neuling war, begannen die Experimente mit Mike Yenotov, und zwar in der Annahme, dass seine Disziplin ihrer Natur nach dem Steuern von Roboticus am ähnlichsten war. Darin hatte er sich als sehr geschickt erwiesen. Sara war für den zweiten Tag eingeteilt, und Tim für den Tag danach.
Mikes erste Sitzung verlief in etwa so wie erhofft. Der kinetische Konverter fing seine Gehirnwellen auf, während Mike sich vorstellte, wie er den Modellbagger bediente, und übersetzte sie in Energie und Kraft, die Becky dazu benutzen konnte, den modifizierten Mechanismus der Maschine zu bedienen.
Der Schaufelbagger wurde genau wie Roboticus mit einem Joystick gesteuert, und nach etwa einer halben Stunde hatte sich Mike so an die Bedienelemente des Modells gewöhnt, dass er es beinahe tanzen lassen konnte, während es ein Loch in den Sandkasten des Labors grub.
„Ich muss sagen, das ist mehr als simpel.“ Mikes Stimme verriet eine Spur New-Jersey-Akzent. „Ich denke, ein Mann könnte einen ganzen Trupp Bagger bedienen und vom geeignetsten Standpunkt aus beobachten, was jeder Einzelne tut. Überlegen Sie nur: Wenn ich nicht im Führerhaus bin, muss ich keinen Mann draußen haben, der mir Tiefe und Abmessungen mitteilt. Ich kann dieses ganze Zeug selbst überprüfen.“
Chuck überlegte tatsächlich, und die Aussicht begeisterte ihn. Der Gedanke, dass der geeignetste Beobachtungspunkt nicht immer der eigene Standort sein musste, war ihm bis zu diesem Moment nicht gekommen. Dice tanzte unterdessen fast bei der Vorstellung, das System von Forward Kinetics mit dem VR-Teil zu verbinden – eine Virtual-Reality-Komponente, die er mit dem Elektrodennetz zu verschmelzen beabsichtigte.
„Denkt nur an die Möglichkeiten“, begeisterte er sich, als sie am Ende des Tages ihre Arbeit mit Mike beurteilten. „Der Bauarbeiter, der Feuerwehrmann oder der Wachmann haben jetzt die Wahl – sie können die Umgebung aus der Sicht des fernbedienten Mechanismus‘ betrachten oder von einem externen Beobachtungspunkt. Und alles in Gedankenschnelle.“
Chuck dachte an die Möglichkeit, während er sich gleichzeitig schon darauf freute, Sara zum ersten Mal mit ihrer CAD-Software zusammenzubringen. Denn obwohl ihn Mikes Performance optimistisch stimmte, war er auch vorsichtig. Es musste mit Sicherheit einen Unterschied machen, ob man ein rein mechanisches Gerät steuerte – und sei es auch eins mit einem Bordcomputer, wie es Mike getan hatte – oder Software. Das eine war handfest und logisch. Es war offensichtlich, wie alle Teile sich bewegten und ineinandergriffen. Das andere war ätherisch und abstrakt. Es beruhte auf Code, um existieren zu können. Chuck rechnete damit, dass es eine Herausforderung sein würde, das nicht Greifbare zu bedienen.
Er artikulierte seine Bedenken, als er, Dice und Matt am Ende der Nachbesprechung allein im Konferenzraum saßen. Matt sah ihn auf eine Weise an, als hätte sich Chucks gutes altes Englisch in etwas vollkommen Unübersetzbares verwandelt. „Ich sehe keine Probleme voraus, Chuck. Sie sind so ein verdammter Schwarzseher. Wenn sie den Roboter gesteuert haben, ist doch klar, dass sie auch andere Maschinen steuern können.“ Er stand auf, trank einen letzten Schluck von seiner Cola und warf die Dose in den Wertstoffbehälter, ehe er den Raum verließ.
Dice zog die Augenbrauen hoch und bedachte Chuck mit einem wehmütigen Grinsen. „Manchmal frage ich mich, welche Farbe der Himmel in Matts Welt hat. Es fällt ihm gelegentlich schwer zu begreifen, dass eine Gleichung nicht auf alles passt.“
Das ist nicht sein einziges Problem, dachte Chuck. Er spürte, dass das eine andauernde Debatte zwischen Matt und seinem Ingenieur war – in einer Reihe andauernder Debatten, die Matt mit so ziemlich jedem Menschen führte, dem er jemals begegnet war.
Und er wusste mit einem Mal nicht mehr, ob er sich auf Saras Sitzung freuen oder sich davor fürchten sollte.
Chuck ließ Sara so Platz nehmen, dass sie den großen Flachbildschirm des Computers sehen konnte, aber weder Maus noch Tastatur oder Touchpad erreichte. Die kinetische Schnittstelle war über den USB-Port des Geräts angeschlossen und Saras vertraute Software lief.
„Was soll ich tun?“, fragte sie. Ihre Aufregung war ihrer Stimme nicht anzuhören. Chuck nahm sie nur im Leuchten ihrer Augen wahr.
„Etwas total Einfaches“, sagte Matt. „Etwas, das Sie fast ohne nachzudenken erledigen. Nur dass Sie diesmal eben daran denken. Was würden Sie normalerweise als Erstes tun, wenn Sie sich an die Tastatur setzen?“
„Ich würde eine Projektdatei öffnen oder eine neue anlegen.“
„Okay, dann versuchen Sie das. Denken Sie an die Schritte, die Sie unternehmen, um eine neue Datei anzulegen.“
Sara umklammerte die Lehnen ihres Sessels und starrte angespannt auf den Apparat. Lange Zeit geschah absolut nichts.
„Was versuchen Sie zu tun?“, fragte Chuck.
„Die Maus bewegen. Ich stelle mir vor, wie meine Hand die Maus zum Menü ‚Dateien‘ bewegt.“
„Ich glaube nicht, dass das funktioniert“, sagte Dice, der halb auf einem Werktisch saß. „Dazu wäre es nötig, die Maus physisch zu berühren. Es sind die Sensoren in der Maus selbst, auf die Sie einwirken müssen.“
Sara sah zu ihm hinüber. „Aber ich verstehe deren Mechanik nicht.“
Chuck kaute auf dem Ende seines Kugelschreibers. „Versuchen Sie eine andere Eingabemöglichkeit. Über das Touchpad oder die Tastatur vielleicht.“
Sara nickte, holte tief Luft und wandte sich wieder dem Computer zu. Sie kniff die Augen zusammen und presste die Lippen aufeinander. Auf ihrer Oberlippe tauchte ein feiner Feuchtigkeitsfilm auf. Auf dem Computerschirm rutschte der Zeiger der Maus wacklig und langsam nach oben.
Der Raum brach in Jubel und Gelächter aus.
„Ich habe es Ihnen doch gesagt“, sagte Matt.
Man könnte meinen, wir haben den Hunger in der Welt besiegt, dachte Chuck. Doch er lachte ebenfalls, allein wegen des Adrenalinstoßes, den selbst dieser magere Fortschritt auslöste. Denn er konnte sich eine Zukunft vorstellen, in der sie vielleicht genau so etwas tun würden, wie den Hunger besiegen.
Es war Dice, der sie wieder in die Gegenwart zurückholte. „Was haben Sie getan, damit es funktioniert?“, fragte er.
„Ich habe mir vorgestellt, dass ich das Touchpad berühre“, sagte sie. „Oder vielmehr, dass ich eine Linie über die Kontakte ziehe. Das verstehe ich nämlich. Lassen Sie mich ausprobieren, was ich sonst noch tun kann.“
Was sie tun konnte, war, den Zeiger zur Menüleiste hinaufzubewegen, indem sie im Geiste ein ums andere Mal über dieselbe Stelle auf dem Touchpad scharrte. Sie benötigte mehrere Minuten, um den Zeiger auf diese Weise zum Menüpunkt „Datei“ zu bewegen, aber sie schaffte es.
Dort angekommen, traf sie jedoch auf eine Barriere.
„Ich weiß nicht, wie ich klicken soll.“ Ihre Stimme klang gereizt vor Ungeduld.
„Wie würden Sie es normalerweise tun?“, fragte Chuck.
„Darauf tippen.“ Sie demonstrierte es an ihrer Armlehne. „Aber ich weiß nicht …“ Sie starrte wieder auf das Touchpad und tippte mehrere Male ihre Armlehne an.
Nichts geschah.
Chuck wollte gerade vorschlagen, sie solle eine Pause machen, als sie frustriert knurrte, die Armlehne umklammerte und blinzelte.
Das Menü „Datei“ ging auf.
Nach einem Augenblick, in dem alle Anwesenden tief Luft holten, ließ Sara den Zeiger hinunter zum Befehl „neu“ kriechen, knirschte mit den Zähnen, krallte sich in die Armlehnen und blinzelte wieder. Eine neue Datei wurde geöffnet.
Großer Jubel.
Sie jubelten jedoch zum letzten Mal an diesem Tag. Während Sara mithilfe des Touchpads zwar noch den Zeiger bewegen, Menüs öffnen und Buttons anklicken konnte, und obwohl sie sogar tippen konnte, indem sie sich einer mentalen Karte mit der Lage der Buchstaben auf der Tastatur bediente, gelang es ihr nicht, die höheren Funktionen der Software anzuwenden. Und sie konnte auch nicht das Geringste freihändig zeichnen und auf dem Arbeitsbereich platzieren.
„Das Problem ist die Benutzerschnittstelle“, erklärte sie dem Team später, als sie sich fürs Erste geschlagen gaben und eine Pause machten. Sie fuhr sich mit einer müden Handbewegung durch das dunkle, schulterlange Haar und zerzauste dessen normalerweise glatte Struktur. „Ich muss mich so sehr darauf konzentrieren, das Touchpad zu aktivieren, dass mir keine Konzentration mehr für das bleibt, was ich produziere. In dem Moment, in dem ich meine Aufmerksamkeit auf den Arbeitsplatz richte statt auf das Touchpad, verliere ich die Kontrolle über den Mechanismus. Und ehrlich gesagt, fällt mir keine Lösung für dieses Problem ein.“
„Uns muss aber eine einfallen“, brummte Matt. „Es gibt keinen Grund, warum dieses Ding bei Ihnen nicht funktionieren sollte, wenn es bei Mike funktioniert – es sei denn, Ihre mangelnde Computerkompetenz ist das Problem.“
Chuck zuckte bei diesen Worten zusammen.
„Meine Computerkompetenz ist vollkommen in Ordnung, vielen Dank. Was ich über diese Software und meine Arbeit nicht weiß, können Sie sich in Ihre süße kleine Stupsnase stecken und dann bleibt immer noch Platz für das Washington Monument.“
„Ich denke, wir sollten für heute Schluss machen“, sagte Chuck und klappte seinen Laptop zur Bekräftigung zu. „Lassen wir das Unterbewusstsein an dem Problem arbeiten, das klappt immer. Wenn ich gegen eine Wand renne und darüber schlafe, habe ich bis zum Morgen etwas, das zur Lösung beiträgt.“
Sara nickte.
Matt seufzte und verdrehte die Augen. „Sie müssen Chuck verzeihen“, sagte er an die Gruppe gewandt. „Er glaubt immer noch, dass ihn die Wissenschaftsengel in seinen Träumen besuchen.“
Chuck schüttelte den Kopf. „Von Engeln habe ich nichts gesagt“, erwiderte er leise.
„Und Sie müssen Matt verzeihen – er glaubt immer noch, er wüsste, wie sozial adäquater Umgang mit Menschen funktioniert“, sagte Dice. Chuck lächelte, aber Matt ließ nicht locker.
„Aber Sie glauben doch an Engel, oder? Als der eher religiöse Typ. Glauben Sie, Gott wird Sie mit einer Vision heimsuchen, wie unser kleines Schnittstellenproblem zu lösen ist?“
Wo soll das hinführen? Er wirkt beinahe wütend. Für einen nicht religiösen Menschen führt er weiß Gott genug eigene Kreuzzüge.
„Eigentlich“, sagte Eugene in der Hoffnung, die Spannung zu lösen, „sind es mehr Wissenschaftsfeen. Oder Elfen der Erfindungsgabe vielleicht.“
Sara lächelte Matt frostig an. „Ich glaube, Chuck könnte recht haben. Passiert mir ständig. Ein Entwurf ist schwer zu bearbeiten, unzugänglich, undurchführbar. Ich gehe mit dem Gefühl zu Bett, dass ich gegen eine Wand laufe, und dann wache ich auf und merke, es gibt eine Geheimtür irgendwo hinter einer Efeuhecke. Machen Sie sich nicht lustig über die Elfen der Erfindungsgabe, Dr. Streegman. Sie funktionieren.“