34. Kapitel

CHAKHAM-BASIS, KOMMANDOZENTRALE

»Captain?«

Der diensthabende Offizier – ein Mensch, dessen stämmiger Körper und kahler Schädel den Verdacht weckten, dass es sich bei ihm in Wahrheit möglicherweise um eine getarnte Rakete handelte – schaute zum Offizier an der Sensorkonsole hinüber. »Was gibt’s?«

»Wir empfangen zwei neue Transpondersignale – einen Kilometer entfernt und näher kommend. Die Schiffe selbst haben wir nicht auf den Sensoren. Ich denke, dass sie auf Bodenhöhe fliegen. Gegenwärtig übermitteln sie Standard-Sternenjägertransponderdaten. Ihre Kennungen lauten Phanan Eins und Phanan Zwei.«

»Phanan … Geben Sie Generalalarm!«

»Wir haben bereits Generalalarm, Sir.«

Das stimmte – die Alarmsirenen hatten zu heulen begonnen, als die Sicherheitsbarrieren des Gebäudes, in dem Botschaft-die-emporsteigt untergebracht war, durchbrochen wurden. Selbst jetzt hielt das Heulen an. Der Stützpunkt war längst in heller Aufregung.

»Alarmieren Sie die Wachtürme …«

Zwei in klassischem Grau gehaltene X-Flügel-Sternenjäger schossen am südlichen Sichtfenster der Kommandozentrale vorbei. Der diensthabende Offizier erhaschte einen flüchtigen Blick auf weiße Helme mit schwarzen Schleiern davor, die die Gesichter der Piloten verbargen.

Voort überprüfte seine Sensortafel, um sicherzustellen, dass er sich auf dem korrekten Kurs in Richtung ihres ersten Ziels befand.

Da war es, direkt voraus. Gleich hinter der ersten Baumreihe befand sich ein Kleinschiff-Raumhafen mit einem ziemlich großen braunen Hangar und einer asphaltierten Landefläche. Darauf standen zwei Reihen von jeweils vier E-Flüglern in Schnapphund-Lackierung und ein Militärshuttle. Männer und Frauen liefen zu den Sternenjägern am Boden.

»Eins an Zwei. Ich übernehme Steuerbord.«

»Furor Zwei, zu Befehl.«

Voort driftete nach rechts und feuerte seine Laser ab. Rote Strahlen krachten in die Sternenjägerreihe rechter Hand, durchlöcherten sie, schlugen durch Kanzeln und Rümpfe. Einer der Jäger explodierte keine Sekunde, nachdem Voort vorbei war. Einige Schnapphunde drehten sich um und rannten in die andere Richtung.

Voort hörte Myris Laserfeuer und das unverkennbare Geräusch von zerfetzendem Metall. Dann hatten die beiden X-Flügler den Raumhafen passiert und schossen über weiteren Bäumen dahin.

Voort drehte bei und setzte zu einem zweiten Überflug an. Myri blieb an seinem Flügel. Sobald sich das Landefeld direkt voraus befand, konnte Voort erkennen, dass alle vier Ziele, die er anvisiert hatte, jetzt bloß noch brennende Wracks waren – genau wie das Shuttle und eins von Myris E-Flügler-Zielen. »Zwei, wir müssen noch einen mehr unschädlich machen. Falls ich ihn verfehle, gehört er dir.«

»Ja, Sir.«

Voort nahm den E-Flügler, der dem Shuttle am nächsten war, sorgsam ins Visier und feuerte eine Salve darauf ab. Er sah, wie sich die Laserstrahlen am Rumpf des Jägers vereinigten. Das Schiff schien eher zu implodieren, als zu explodieren.

»Bestätige Abschuss, Eins.«

»Dann auf zu Ziel zwei.« Voort drehte bei und hielt auf das weiter entfernte Nordende des Stützpunkts zu – zumindest weiter entfernt, wenn man zu Fuß unterwegs war. Die an drei Seiten von Bäumen und auf der vierten von einem Berghang abgeschirmte Wasserpumpstation kam innerhalb von Sekunden in Sicht. Voort zog seinen Sternenjäger in einen Steigflug, der steil begann und dann komplett in die Vertikale überging. Er rollte axial, sodass der Bauch des Jägers jetzt nach Westen und die Kanzel nach Osten wies, während sich der Schwarzgipfelberg im Norden neben den rechten S-Flügeln abzeichnete. Auf seiner Sensortafel sah er, dass Myri an Backbord dicht bei ihm blieb. »Lass dich zurückfallen, Zwei. Ich übernehme die Führung, du wirfst die erste Ladung ab.«

»Zwei an Zwei: Verstanden.«

»Du bist gefeuert.« In einer Höhe von zwei Kilometern zog Voort seinen Sternenjäger in einen Looping. Innerhalb von Sekunden sauste er senkrecht nach unten auf die Pumpstation zu.

Myri setzte ihren Steigflug noch einen Moment lang fort, um einige Sekunden Abstand zwischen sich und Voort zu bringen.

Voort feuerte. Seine Laser trafen die Pumpstation und alles darum herum, eine wilde, weit gestreute Salve verglichen mit der Präzision, die er gegen die E-Flügler demonstriert hatte. Er feuerte weiter, während der Boden und die Pumpstation mit alarmierender Geschwindigkeit näher kamen.

Allerdings war seine Schludrigkeit geplant. Drei Schnapphunde kamen aus der zusehends durchsiebten Pumpstation herausgerannt.

Auf zweihundert Metern Höhe zog Voort den Jäger in die Horizontale und überprüfte die Sensoren. Es schien sich nichts in der Luft zu befinden, das eben nicht auch schon da gewesen war – normaler Luftgleiterverkehr auf den weiter entfernten Zivilspuren.

Er verfolgte, wie Myri in die Tiefe sauste. Sie schoss im demselben senkrechten Winkel nach unten, den er selbst ebenfalls gewählt hatte. Voort spannte sich an – nicht aus Sorge um Myris Pilotenfähigkeiten, sondern wegen der kaum getesteten Raketentechnik, die an ihre Flügel montiert war.

Bei einer Entfernung von einem halben Klick feuerte sie. Unter ihrem Steuerbordflügel schoss lanzengleiche Flammengischt hervor. Einen Sekundenbruchteil später feuerte sie abermals, und ihre Backbordrakete zischte davon. Beide Geschosse jagten auf Feuersäulen zum Boden hinunter. Die erste Rakete traf das Dach der Station und detonierte. Die zweite schoss durch das Zentrum des Feuerballs. Der Feuerball schwoll an.

Voort machte einen Kontrollflug über das Zielobjekt. Durch die Rauchwolke konnte er zwar nicht das Geringste erkennen, aber seine Sensoren zeigten, dass das Loch in der Pumpstation ziemlich weit hinunterging – mindestens hundert Meter tief. Er zog seinen Sternenjäger erneut in den Steigflug. »Ein direkter Treffer, Zwei. Der Schacht ist offen. Ich werde meine Ladung auf gut Glück abwerfen.«

»Ich gebe dir Deckung.«

In Höhe von zwei Klicks begann er mit seiner zweiten Schleife und setzte zu einem letzten Sinkflug an, geradewegs auf die Rauchwolke zu. Noch immer zeigten die Sensoren direkt voraus ein tiefes Loch. Seine Zielerfassung zeigte den Boden des Schachts, und er feuerte beide Raketen ab. Dann ging er in den Horizontalflug über.

Myri schwang an seinem Backbordflügel in Position. Sie wartete, bis das Krachen der Zwillingsdetonation sie erreichte, bevor sie sagte: »Ich glaube, von jetzt an müssen sie die Treppe nehmen.«

»Ich schätze, du hast recht. Nächster Halt: Skifter-Station. Jetzt nur nichts überstürzen.«

Sie zogen ihre X-Flügler steil nach oben.

Unnötigerweise winkte der Techniker von der Sicherheitsfirma, als die beiden Gleiter der Garde von Kura-Stadt über dem alten Justizgebäude auftauchten, tiefer glitten und auf der Parkfläche gleich draußen vor dem Armeebedarfsgeschäft landeten. Stadtgardisten kletterten aus den beiden Fahrzeugen – zwei Ermittler in Zivil und zwei uniformierte Truppler in voller Kampfmontur.

Die Ermittler, ein Mon-Calamari-Mann und eine Menschenfrau, traten vor. Der Ranghöhere der beiden, der Mon Calamari, musterte den Sicherheitstechniker von Kopf bis Fuß. »Sind Sie Yinkle?«

»Ja, Sir. Ich …«

»Komischer Name – Yinkle.«

Yinkle versuchte, nicht mit den Zähnen zu knirschen. »Ich weiß. Das höre ich schon mein ganzes Leben lang. Ich …«

Der Mon Cal deutete auf sich. »Wachtmeister Husin.« Er wies auf seine Partnerin. »Und das ist die Kollegin Biller.«

»Ja, hallo.« Ungeduldig hielt Yinkle sein Datapad in die Höhe, das eine Karte dieses Sektors der Stadt zeigte, über die sich eine Linie zog. »Der Nottransmitter der Klientin wurde aktiviert, als sie letzte Nacht entführt wurde, doch das Signal brach schon kurz darauf ab. Dann wurde es vor ein paar Minuten wieder aktiviert. Genau hier, wo ich jetzt stehe. Die Bewegungsaufzeichnungen besagen, dass er sich direkt durch diese Tür bewegt hat.«

Der Mon Cal bedachte ihn mit einem harten, emotionslosen Blick. »Es wäre besser, wenn das kein Irrtum ist.«

»Ist es nicht.« Yinkle wurde vom fernen Geräusch von Explosionen im Süden abgelenkt, die über das fortwährende Heulen der Alarmsirenen hinweg deutlich zu vernehmen waren. Sekunden später konnten alle auf dem Parkplatz Rauch über dem Schwarzgipfelberg aufsteigen sehen – und zwei X-Flügel-Sternenjäger, die rasant höher stiegen, unterwegs ins All. »Wirklich interessanter Tag heute.«

»Militärangelegenheiten. Nicht unser Problem. Kommen Sie mit.« Der Mon Cal übernahm die Führung zur Eingangstür des Armeebedarfsladens.

Der Bürobereich jenseits der Tür war verwaist, aber auf das hämmernde Klopfen des Mon Cal hin kam eine kleinwüchsige, korpulente Frau mit Vollgas angelaufen. Sie runzelte die Stirn und schaute genervt drein. Ihre Augen wurden größer, als sie die uniformierten Truppler sah. »Kann ich, äh, Ihnen helfen?«

Der Mon Cal zeigte ihr seine Identikarte, auf der das Siegel der Stadtgarde prangte. »Wir haben zwar keinen Durchsuchungsbefehl, berufen uns jedoch auf Paragraf dreizehn, Abschnitt sechs der Allgemeinen Planetenverordnung. Wir haben berechtigten Grund zu der Annahme, dass hier augenblicklich ein Verbrechen stattfindet und Leben in Gefahr ist.«

»Warten Sie hier. Lassen Sie mich meinen Vorgesetzten rufen.« Die Frau streckte die Hand nach der Türkontrolle aus.

Der Mon Cal trat hastig auf die Schwelle.

Die Tür schloss sich dennoch und donnerte ihn gegen den Türrahmen. Yinkle sah, dass der Mann hilflos eingeklemmt war, und unter seinem Arm hindurch sah er, wie die Frau zum Bürotisch lief und in eine Schublade griff.

Die menschliche Gardistin bückte sich, um zwischen den Beinen des Mon Cal hindurchzuschauen, legte mit einer Blasterpistole an und feuerte. Ihr Schuss – kein Betäubungsschuss – traf die Frau in die Rippen. Sie brach zusammen, und ein Miniblaster fiel aus ihren schlaffen Fingern.

Der Mon Cal grunzte, packte mit kräftigen Flossenhänden den Türrahmen und schob. Der Türmechanismus wimmerte, dann züngelten oben und unten aus der Tür – dort, wo sich die Stellmotoren befanden – Flammen hervor. Die Tür krachte auf und blieb offen. Der Mon Cal sah seine Partnerin an. »Ich schulde dir einen Drink. Ruf die Ambulanz und Verstärkung. Yinkle, ich bin gewillt einzuräumen, dass hier möglicherweise tatsächlich etwas nicht stimmt.«

»Vielen Dank.«

Der Linie auf der Datapad-Karte folgend, führte Yinkle sie den Gang entlang, aus dem die Frau gekommen war. Am Ende des Korridors war eine Doppeltür. Die darin eingelassenen, transparenten Paneele zeigten dahinter eine Lagerhalle. Yinkle deutete jedoch auf eine Tür linker Hand, unmittelbar davor. Sie führte in ein geräumiges, leeres Computerzentrum.

Der Mon Cal warf Yinkle einen zweifelnden Blick zu. »Möglicherweise ist Ihre Karte im Eimer.«

»Nein, Sir.«

Die scheinbar ganz gewöhnliche, unauffällige Rückwand des Raums schoss in die Höhe. Dahinter befand sich ein Lastenaufzug mit Metallgitterwänden, hinter denen sich raues Gestein abzeichnete. Auf dem Boden der Aufzugskabine lagen zwei Leichen – die eines Mannes und einer Frau in den Uniformen der Schnapphunde vom Stützpunkt –, und auf einem Schwebewagen fanden sie noch eine dritte Person – Ledina Chott.

Der Mon Cal sah wieder Yinkle an. »Ist das Ihre Klientin?«

»Ja.«

»Gut gemacht.« Er musterte die Schnapphunde und seufzte. »Ich hasse es, großen Sachen auf die Spur zu kommen. Meistens gehen die böse aus.«

Ledina kam wieder zu sich, und eine Angstreaktion ließ ihren Körper zucken, aber der Mann, der sich über sie beugte, wirkte dünn und harmlos, nicht im Mindesten militärisch. Über seinem Kopf zeichnete sich eine schallgedämmte Decke ab. Benommen schaute Ledina zu ihm auf. »Wo bin ich?«

»Sie sind in einem Geschäft. Ihre Entführer haben Sie hierhergebracht. Mein Name ist Kadd Yinkle. Ich habe Sie gerettet

»Yinkle?« Sie runzelte die Stirn und versuchte nachzudenken. »Das ist aber ein komischer Name.«

Er seufzte und vergrub den Kopf in den Händen. »Na, jedenfalls sind die anderen nach unten gefahren, um zu überprüfen, was sich unter uns befindet. Etliche Stadtgardisten sind in diesem Moment unterwegs hierher, Sie sind also in Sicherheit.« Er sah auf und schenkte ihr dann einen beruhigenden Blick. »Keine unangenehmen Überraschungen mehr für Sie.«

Die Rückwand des Raums schoss in die Höhe, um den Aufzugsschacht mit den groben Felswänden zu enthüllen – aber keinen Lift. Ledina und Yinkle starrten in den Schacht.

Von einer Stelle über der Tür schwangen sich zwei Gestalten nach unten und landeten unmittelbar im Innern des Raums auf dem Boden. Beide Männer waren von Kopf bis Fuß mit schwarzem Stretchmaterial bekleidet. Ihre Hauben verbargen die Gesichtszüge, aber der größere wirkte menschlich, und die Kopfform des anderen sowie die Hörner, die durch den Stretchstoff vorragten, deuteten darauf hin, dass er Devaronianer war.

Yinkle stellte sich hastig zwischen Ledina und die Eindringlinge. »Hiermit mache ich von meinem Festnahmerecht als Bürger Gebrauch und stelle Sie beide unter Arrest!«

Die Männer stürmten voran, flankierten ihn, liefen zu beiden Seiten an ihm vorbei und hasteten zur Tür hinaus.

Yinkle blickte auf Ledina hinunter. »Also, natürlich hätte ich den Typen auch die Stirn bieten können. Aber meine Hauptaufgabe besteht nun mal darin, Sie zu beschützen.«

Draußen im Gleiter streifte Trey seine Haube ab, legte das Headset ab und zog eine gold-schwarze Jacke über. Jetzt, wo er von der Hüfte aufwärts keinen hautengen Nachtanzug mehr trug, würde er auf jeden vollkommen normal wirken, der ihn durch die Fahrzeugfenster sah.

Weiter in der Ferne, im Osten, konnte er im Anflug befindliche Luftgleiter in den Farben der Stadtgarde ausmachen, blau und rot. Er setzte den eigenen Speeder in Bewegung, schwebte gemächlich von der Ladenfassade fort und brachte das große Justizgebäude aus Rotstein zwischen sich und die näher kommenden Gardisten.

Drikall zog die Haube herunter und legte einen blauen Ärztekittel an. »Dir ist schon klar, dass wir bereits da sind, oder? Auf der Plaza? Wir können es uns nicht erlauben, uns zu weit zu entfernen.«

»Aber wir müssen den Sichtkontakt zwischen uns und jedem unterbrechen, der uns mit dem Armeebedarfsgeschäft in Verbindung bringen könnte. Und das werden wir so oft machen, wie es möglich ist, bevor wir uns zu unserer nächsten Position begeben. Weißt du das denn nicht?«

»Nun, das alles ist noch recht neu für mich. Meistens verpasse ich Leuten irgendwelche Medikamente. Darin bin ich wirklich gut. Deshalb bin ich auch ein bisschen verwirrt, warum wir Thaal, dem wir nachweisen wollen, dass er etliches am Stecken hat, auch noch ein Verbrechen in die Schuhe schieben mussten, das er nicht begangen hat – die Entführung von Ledina Chott.«

Trey steuerte den Speeder über eine Landgleiternebenspur und wendete dann, um eine Runde um den Block zu ziehen. »Es kümmert uns nicht, ob sie ihn für die Entführung drankriegen oder nicht – vermutlich eher nicht. Aber erstens haben wir im Hinblick auf das, was er seiner letzten Geliebten angetan hat, wie auch in Anbetracht des Umstands, dass er großes Interesse an Ledina zeigte, mit unserer Entführung wahrscheinlich verhindert, dass er sie kidnappt – oder Schlimmeres mit ihr anstellt.«

»Also war das ein Präventivverbrechen – eine Straftat zur Vereitelung einer Straftat.«

»Ganz genau. Und zweitens: Indem wir eine Berühmtheit entführt haben, die auf dem ganzen Planeten bekannt ist, haben wir dafür gesorgt, dass die zivilen Nachrichten von Thaal erfahren und die Zivilbehörden ihre eigenen Ermittlungen einleiten. Ganz zu schweigen vom Musikerverband. Mit dem Musikerverband sollte man sich lieber nicht anlegen.«

»Tatsächlich?«

»Nein, war nur Spaß. Was sollen die schon machen? Einem so lange ein Ständchen bringen, bis man tot umfällt?«

Einige hundert Meter entfernt stiegen Huhunna, Jesmin und Turman – der jetzt ein schlichtes graues Gewand und Sandalen trug – in den Liefergleiter der Gespenster. Das hohe Frachtabteil war jetzt mit einem dicken schwarzen Vorhang in zwei Bereiche unterteilt, vorn und hinten. Thaymes saß im vorderen Teil in einem an der Wand montierten Sitz. Rings um ihn herum drängte sich Computer- und Kom-Ausrüstung, und er hatte ein Headset auf dem Kopf. Als sie hereinkletterten, wirkte er erleichtert. »Ihr seid spät dran.«

Jesmin grinste. »Wir mussten Turman erst noch durch eine Luftgleiter-Waschanlage schicken – ohne Luftgleiter. Er war die reinste Biogefährdung.«

Thaymes warf einen Blick auf den Vorhang, der das Heckabteil abschirmte. »Nun, zumindest muss ich jetzt nicht diese neue Maske anlegen, was der Fall gewesen wäre, wenn ihr auch nur eine Minute später gekommen wärt.«

Turman hob die Hände, als ob er Thaymes erwürgen wollte. Huhunna schlang einen Arm um ihn und hielt ihn reglos fest.

Jesmin ging zur Seitentür. »Was muss ich wissen, bevor ich da rausgehe?«

»Jede Menge Stadtgardisten sind vor Ort. Die Relais arbeiten perfekt – der Feind bräuchte schon ein Kom-Genie wie mich, um diese Übertragungen zurückzuverfolgen. Laborboy ist momentan noch dabei, am Konfrontationspunkt den Ersatz für den Unterhändlerdroiden in Position zu bringen. Muskelboy meldet: ›Entführung wurde vereitelt.‹ Anführer und Zockergirl schlagen sich mit zwei E-Flüglern herum, die versuchen, sie zu töten. Und Bühnenboy muss unverzüglich sein nächstes Kostüm anlegen.«

Jesmin nickte. »Also das Übliche.«

Mehrere hundert Kilometer höher hörte Colonel Kadana Sorrel in ihrem beengten Privatquartier in der Sektion des Sternenjäger-Oberkommandos auf der Rimsaw-Station, wie an ihrem Interkom das Dringlichkeitssignal ertönte. Sie strich sich eine Locke braunen Haars aus den Augen und legte den Gegenstand beiseite, den sie in Händen hielt – ein richtiges, gebundenes Buch, einer der wenigen persönlichen Luxusartikel, die sie sich gönnte. Sie aktivierte die Gegensprechanlage. »Sorrel hier.«

»Colonel, wir haben hier eine ziemlich seltsame Übertragung für Sie … falls Sie gewillt sind, Sie anzunehmen.« Der Sprecher, ihr diensthabender Kommunikationsoffizier, klang verwirrter als gewöhnlich. »Ein Zivilist ist dran, der sich nicht identifizieren will. Er sagt, dass er die bewaffneten Streitkräfte hier aufmischen würde, bis sie erledigt sind, dass das jedoch nichts Persönliches sei.«

»Es ist doch nicht schon wieder mein Ehemann, der uns einen seiner Streiche spielt?«

»Nein … Diesmal nicht.«

»Sicher. Stellen Sie ihn durch. Ein bisschen Erheiterung kann ich gut gebrauchen.« Sie wandte sich dem Monitor an der Wand zu. »Gesichtsmodus, bitte.«

Die Holokamera in ihrem Bildschirm brummte, als sie die Tiefenschärfe regulierte. Jetzt würde ihr Anrufer lediglich ihr Gesicht sehen und könnte nicht erkennen, dass sie ohne Uniform faul in ihrer Koje herumlag.

Auf ihrem Monitor materialisierte sich ein Bild, das ebenfalls ein Gesicht zeigte – ein Männergesicht, hager und knochig. Die gesamte linke Hälfte seines Kopfes war von einer durastahlgrauen Panzerung bedeckt, und sein gesamter Kiefer bestand aus einer Prothese in derselben Farbe. In der linken Gesichtshälfte leuchtete ein goldenes, mechanisches Auge, und das rechte Auge war blau. Sein Haar war voll und weiß und seine Miene von düsterer Intensität. »Colonel Sorrel?«

»Die bin ich. Und Sie sind?«

»Mein Name würde Ihnen nichts sagen. Ich bin schon länger tot, als Sie leben. Aber ich wende mich an Sie, um Ihnen eine Warnung zukommen zu lassen.«

»Eine Drohung, meinen Sie wohl.«

»Nein, eine Warnung. Ich versuche, Ihnen zu helfen. Wenn ich könnte, würde ich General Thaal ebenfalls Bescheid geben. Aber der ist schon so gut wie tot.«

Der weibliche Colonel beugte sich vor. »In Ordnung. Lassen Sie hören.«