33. Kapitel

GESPENSTER-HAUPTQUARTIER

Am Vormittag des nächsten Tages begann Voort, der wieder seinen orangefarbenen X-Flügler-Pilotenoverall trug, die Gespenster aus dem Einsatzzentrum auf ihre neuesten Missionen zu schicken. Er hörte, wie Huhunna auf dem größeren Swoop davonbrauste. Sie würde sich Jesmin anschließen, um gemeinsam mit ihr das Team Schalentier zu bilden. Die beiden würden heute voraussichtlich zum letzten Mal in die Chakham-Basis eindringen.

Ein metallisches Knallen ertönte, als Scut damit fertig war, den Liefergleiter zu beladen. Wenige Sekunden später tauchte der Yuuzhan Vong im Türrahmen auf, ehe er sich behände einen Weg durch sämtliche verbliebenen Gespenster bahnte, die gerade dabei waren, ihre Taschen zu packen, ihre Verkleidungen anzulegen und die Magazine ihrer Blastergewehre und -pistolen zu überprüfen. Scut blieb vor Voort stehen. »Wie lautet unser Motto?«

»Was jagen wir als Erstes hoch?«

»Nein, das andere. Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten.«

»Stang!« Voort, der seine zu engen schwarzen Stiefel zur Hälfte versiegelt hatte, sackte ein wenig in sich zusammen. »Zuerst die schlechten Nachrichten.«

»Ich habe gerade mit den Verkaufsleitern der Gerichtsplaza gesprochen. Denen ist ein Fehler unterlaufen, und sie haben den Platz für unser Zelt jemand anders vermietet – einem Souvenirhändler.«

»Ein Fehler?«

»Offensichtlich bestand der Fehler darin, dass der Souvenirhändler mehr Geld auf den Tisch des Hauses geblättert hat als wir. Die Betreiber der Plaza haben uns unsere Credits mit verlogenen Entschuldigungen zurückerstattet, und der Souvenirstand wurde bereits aufgebaut.«

Voort seufzte. »Können wir kurzfristig irgendwo anders einen Platz kriegen?«

»Ja. Ich habe uns einen Stellplatz am Rand reserviert. Allerdings zieht die erste schlechte Nachricht weitere schlechte Nachrichten nach sich.«

Gereizt machte Voort sich daran, seinen zweiten Stiefel zu schließen. »Raus damit.«

»Unser Unterhändlerdroide hat sich frühzeitig an der Position eingefunden, die ich ihm gestern gegeben habe. Allerdings hat er nicht realisiert, dass der Souvenirstand nicht unserer ist. Der Standbetreiber hat ihm gesagt, dass seine Dienste nicht gebraucht werden. Also ist der Droide zu seinem Disponenten zurückgekehrt und hat einen anderen Auftrag zugewiesen bekommen.«

Voort knurrte und stand auf. »Und wie sieht’s damit aus, uns einen neuen Unterhändlerdroiden zu besorgen?«

»Es ist keiner verfügbar.«

»Verdammt noch mal! Ich werde diesen Souvenirstand eigenhändig abreißen.« Das waren wirklich schlechte Neuigkeiten. Ein Unterhändlerdroide – in diesem Fall einer vom Typ V37 Gesandter – war ein humanoider Droide, dessen gesamter Oberkörper- und Kopfbereich durch einen großen Monitor oder Holoprojektor ersetzt worden war. Ängstliche Verhandlungsführer schickten Unterhändlerdroiden zum Verhandlungsort und sprachen durch die sicheren Telepräsenzfunktionen miteinander, die die Droiden boten. Die Gespenster brauchten ihren Unterhändlerdroiden, um ein Täuschungsmanöver zu begünstigen und zu entkommen, ohne dass ihre Identitäten aufflogen.

Voort machte sich daran, seine übrige Ausrüstung anzulegen. »Nun, dann werden wir wohl einfach improvisieren müssen. Besorg uns einen neuen Unterhändlerdroiden.«

»Ich hab’s versucht. Der nächstbeste befindet sich im Orbit, und alle anderen sind unabkömmlich. Auf dem ganzen Planeten gibt es bloß drei Stück.«

»Scut – ich bin dabei, loszuziehen und auf mich schießen zu lassen. Du musst diese Sache in Ordnung bringen.«

Scut hielt die Hände hoch. »Ich beschwere mich nicht. Ich drücke mich nicht vor meinen Pflichten. Aber ich muss mich um die Umkleidekabine kümmern. Das Timing hier ist ausgesprochen kompliziert.«

»Ich übernehme die Umkleidekabine.« Mulus Cheems, der einzige Ruhepol im Raum, erhob sich von seinem Stuhl. »Ich kenne mich mit deinem Equipment aus, mein Sohn. Ich kenne deine Arbeitsweisen.«

»Nein, Vater. Die Sache ist zu gefährlich.«

»Oh ja, und da sitze ich natürlich lieber hier und schaue mir Holodramen an, während mein Sohn loszieht, um einen gefährlichen Job zu erledigen.« Mulus kam zu ihnen herüber und blieb neben Scut und Voort stehen. »Viull, ich denke, ich würde gern die Schuld begleichen, in der ich bei den Gespenstern stehe.«

»Genau das mache ich doch!«

Mulus lächelte zwar, schüttelte jedoch den Kopf. »Du kannst ihnen so viel helfen, wie du willst, ohne dass meine Schuld dadurch getilgt werden würde. Warte, bis du selbst bei jemandem in der Schuld stehst. Dann wirst du verstehen, wovon ich rede.« Er schaute Voort an. »Ich bin dabei, Professor.«

Voort dachte darüber nach und nickte dann. »Scut wird Ihnen zeigen, wie alles funktioniert – und beim ersten Anzeichen von Ärger, das Sie sehen oder hören, legen Sie sich auf den Boden und bleiben unten.«

»Vater …« Scut beugte sich flehentlich vor.

Mulus lehnte sich ebenfalls vor und berührte mit der Stirn die seines Sohnes. »Irgendwann, Viull, wirst du erkennen, dass du deine Eltern nicht vor sich selbst schützen kannst. Eltern sind ungestüme, hormongesteuerte, unkontrollierbare Geschöpfe. Wenn du später selbst Vater bist, wirst du das verstehen.«

Die identischen Posen der beiden Männer verblüfften Voort. In puncto Alter, Größe, Körpermasse und Hautfarbe unterschieden sie sich, aber ihre Körperhaltung war dieselbe.

Schließlich senkte Scut den Blick und nickte.

Voort winkte, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. »Scut? Was sind denn eigentlich die guten Nachrichten? Es gab doch welche, oder?«

»Team Aufsicht ist einsatzbereit.«

»Dann lasst uns loslegen.« Voort verfolgte, wie Scut, Mulus, Thaymes und Wran – jetzt in burgunderroten Kleidern und mit einem neuen hüftlangen Umhang – hinausgingen.

Drikall, der die Uniform eines Schnapphund-Sergeants trug, sah zu, wie sie verschwanden. »Ich hasse Planänderungen in letzter Minute.«

»Gewöhn dich dran.« Das war Trey, der in einer blauen Generalsuniform der Armee der Galaktischen Allianz neben ihm stand und anstellte einer Mütze ein Headset auf dem Kopf trug. »Was macht das Paket?«

Drikall wirkte verwirrt. »Dein Paket auf der Skifter-Station, Sharrs Paket auf der Skifter-Station oder unser Paket hier?«

»Das hier.«

»Alles bestens, ist im Gleiter. Die Repulsorkarre ist hinten eingeladen.«

Trey wandte sich an Voort. »Anführer, wir müssen uns künftig bessere Bezeichnungen für unsere ›Pakete‹ überlegen.«

»Einverstanden. Nächstes Mal.«

Trey nahm sein Headset ab und verstaute es in einer Tasche. Er wog seine Neoglith-Maske in der Hand. »Wo wir gerade beim Thema sind: Denkerboy meldet, dass er gerade dabei ist, mit seinem Paket die Station zu verlassen.«

»Ich verstehe.« Voort griff nach seinem Helm.

Trey legte die Neoglith-Maske an. Drikall half ihm dabei, sie anzupassen, und stopfte die unteren Ränder unter den Uniformkragen. Als sie fertig waren, war Trey ein perfektes Ebenbild von General Stavin Thaal.

General Thaal griff nach seiner Mütze und setzte sie auf. »Team Feindliche Miene ist einsatzbereit.«

»Dann los. Viel Glück!«

Als die beiden fort waren und das Geräusch ihres Luftgleiters in der Ferne verklungen war, senkte sich verhältnismäßige Stille über das Einsatzzentrum. Nur Voort und Myri waren noch übrig, die beide X-Flügler-Pilotenausrüstung trugen. Myris Haar entsprach jetzt von der Farbe her Mulus’ Korallenschnittsaphiren.

Myri hob ihren Helm. »Team Furor ist einsatzbereit.«

»Holen wir sie uns, Antilles.«

Sie grinste. Doch sobald sie unten bei ihren X-Flüglern standen, zögerte Myri. »Wir wissen nicht mit Bestimmtheit, ob es tatsächlich einen inneren Kreis von Schnapphunden gibt.«

Voort beendete die Arbeit am mobilen Windengerüst, mit dem er seinen Astromech in den Sockel hinter dem Cockpit gesenkt hatte. Myris Droide war bereits an Ort und Stelle. »Was bedeutet, dass wir dabei sind, hochzugehen und auf Leute zu schießen, die möglicherweise gar nicht wissen, dass sie einem Hochverräter dienen.«

Myri nickte, und ihre Augen blickten elend drein.

Voort rollte das Gerüst beiseite. »Nun, jetzt bist du also an diesem Punkt angelangt. An dem Punkt, mit dem sich zweifellos auch dein Vater konfrontiert sah, als er noch jünger war als du jetzt und sich der Rebellenallianz anschloss. An dem Punkt, an dem du dich selbst fragen musst: Kann ich jemanden töten, von dessen Schuld ich nicht vollends überzeugt bin?«

»Du hast hierauf gewartet, nicht wahr?«

Voort nickte. »Seit ich gemerkt habe, wie akribisch du darauf achtest, dass dein Blaster stets auf Betäubung eingestellt ist. Und jetzt hast du es mit Lasern und Raketen zu tun, die sich nicht auf Betäubung stellen lassen.«

Sie lehnte sich schwer gegen die Tragfläche ihres X-Flüglers. »Vielleicht hättest du mich warnen sollen.«

»Vielleicht wärst du neurotisch geworden, wenn du tagelang darüber nachgegrübelt hättest.« Voort ging zur Bugnase seines Sternenjägers und tätschelte sie wie die Schnauze eines Reittiers. »Myri, möglicherweise kriege ich diese Mission auch allein hin. Die Chancen dafür stehen zwar nicht übermäßig gut, aber ich könnte es hinbekommen. Oder wir beordern Sharr zurück, so eingerostet er im Cockpit auch sein mag, damit Mulus sich um sein Paket kümmert. Allerdings denke ich, dass du imstande bist, die Sache durchzuziehen, weil du nun mal die Tochter deines Vaters bist und weil du in dem Wissen aufgewachsen bist, dass ein Krieger wie dein Vater sich manchmal auch einem ehrenwerten Feind stellen muss. Einem Feind, dessen einziger Fehler darin besteht, dass er deinen eigenen Absichten zuwiderhandelt und sehr schlimme Dinge passieren werden, wenn du ihn nicht bekämpfst, bis er fällt – was hier der Fall ist.«

»Ich schätze, du hast recht.«

»Eins musst du dabei immer im Kopf behalten: Du musst gewinnen.«

Sie bedachte ihn mit einem langsamen, unglücklichen Nicken.

»Also?«

Sie seufzte und setzte den Helm auf. Sie ließ das Visier über die Augen schnappen und fügte dem Helm das letzte, nicht den Vorschriften gemäße Requisit hinzu: einen Schleier aus schwarzer, dicht anliegender Synthseide, der ihre untere Gesichtshälfte verdeckte.

»Gut.« Voort legte seinerseits Helm und Schleier an. Dann kletterte er schwerfällig auf den S-Flügel und in sein Cockpit.

Sie hoben ab, stiegen über die Klippen des Steinbruchs auf und flogen in einer Höhe von zwei Metern über das Gelände nach Süden. Sie hielten sich an die örtlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Andere, weniger gewissenhafte Gleiterpiloten überholten sie mit höherem Tempo, zeigten auf die beiden hübsch restaurierten, antiken X-Flügler mit ihren an die S-Flügel montierten, selbst gebauten Raketen und auf die beiden verschleierten Piloten.

Voort und Myri blieben den ganzen Weg bis zum Südrand von Kura-Stadt auf den Hauptluftgleiterspuren, sorgsam darauf bedacht, keinen noch so unbedeutenden Sensoralarm auszulösen, der einen argwöhnischen Verkehrswächter dazu verleiten könnte, sie zu kontrollieren. Dann jedoch hatten sie die Stadtgrenze erreicht und steuerten auf die Chakham-Basis zu.

Voort stellte seine Kom-Tafel auf den Hauptkommunikationskanal der Gespenster ein. »Furor Eins an Team Feindliche Mine und Team Schalentier. Wir sind unterwegs. Ich wiederhole, wir sind unterwegs.«

Trey war eindeutig ganz in seiner Rolle, als er antwortete. Er sprach mit General Thaals rauer Stimme. »Feindliche Mine, verstanden. Holt sie euch, Soldaten!«

Jesmin antwortete mit einem Flüstern: »Hier Schalentier. Verstanden.«

Voort schaltete zurück zu der Subfrequenz, die Myri und er verwendeten. »Furor Eins an Furor Zwei. Wir gehen rein.«

Turman lag bäuchlings auf der Liege des Raums, den sie ihm zugewiesen hatten, und hörte den unverkennbaren Dreifachklick über sein Headset. Dann wiederholte sich das Klicken. Er setzte sich aufrecht hin und erhob sich. Der Pfleger, ein Chadra-Fan, schaute besorgt zu ihm herüber. »Sind Sie in Ordnung?«

»Sonnenlicht. Botschaft-die-emporsteigt braucht Sonnenlicht.« Turmans Kehle war heiser davon, tagelang mit der kratzigen Stimme von Botschaft-die-emporsteigt zu sprechen.

»Nein, nein. Sie sagten doch, dass Sonnenlicht Ihnen schadet.« Der Pfleger stand auf und legte den Kopf in den Nacken, um zu seinem wesentlich größeren Patienten aufzublicken.

»Vorher, ja. Braucht jetzt Sonne. Lebenszyklus verlangt danach.«

»Ich muss erst um Erlaubnis fragen.«

Turman hob die Hand, als würde er auf Kuratooines Stern deuten. »Sonne!« Dann ließ er die Faust auf den Kopf des Chadra-Fan herniedersausen. Das strapazierfähige Exoskelett seiner Hand krachte mit einem fleischigen, dumpfen Laut auf den Schädel des kleinwüchsigen Humanoiden. Der Mann stürzte zu Boden, sein Komlink fiel klappernd neben ihn.

Turman verzog das Gesicht. Auf die Füße zu kommen und diesen Hieb zu führen war schwierig gewesen. Der Neoglith-Anzug war jetzt schwächer, viel schwächer. Das Ding starb ab. Er wartete einen Moment, ob Schnapphunde durch die Tür gestürmt kommen würden.

Es geschah nichts. Das waren großartige Neuigkeiten, denn es bedeutete, dass die Soldaten glaubten, dass Botschaft-die-emporsteigt tatsächlich so passiv und kooperativ war, wie er sich die letzten Tage über gegeben hatte. Es stand nicht jederzeit eine Wache vor seiner Tür. Stattdessen verließen sie sich darauf, dass der Pfleger sie informierte, wenn es Probleme gab.

Und dann war da noch eine Sache, die ihn freute: Die Tür öffnete sich nicht für Turman, als er sich ihr näherte. Aber als er mit einem riesigen, hartschaligen Finger den Code des Pflegers eintippte – den zu bekommen er beträchtliche Zeit und Mühe investiert hatte, indem er den Pfleger beobachtete, während er vorgab zu schlafen –, glitt die Tür beiseite.

In dem rückwärtig gelegenen Flur eines unbedeutenden Funktionsgebäudes, ein gutes Stück von den Einrichtungen der Hauptbasis entfernt, schlich Botschaft-die-emporsteigt auf die Hintertür des Baus zu.

»Ich wünschte, Muskelboy wäre hier.« Jesmin beugte sich beleidigt über den Griff der Hintertür des Gebäudes, einen Riegel, den man nach unten drücken musste. Die Tür war offensichtlich alarmgesichert – vom Rahmen gingen mehrere metallene Kontaktpunkte aus, die andere an der Tür berührten. Die Sicherheitsvorkehrungen waren umfangreicher, als es Jesmin behagte.

Neben ihr grollte Huhunna, die sich ringsum umsah, eine Erwiderung. »Jagen wir sie einfach hoch.«

»Was?« Jesmin sah sie an.

Huhunna wies in die Runde. Rechts von ihnen, im Süden, befanden sich die verwaisten Exerzierplätze. Linker Hand waren noch mehr davon. Zehn Meter hinter ihnen begann die dichteste Baumgruppe. Nirgends war jemand zu sehen. Die Stimmen von Schnapphunden, die Gleichschritt-Drillübungen absolvierten, klangen weit entfernt. Huhunna hob den Bogenspanner und warf Jesmin einen vielsagenden Blick zu.

»Oh, in Ordnung.« Jesmin steckte ihren elektronischen Dietrich wieder in die Tasche und trat einige Schritte zurück. »Dann los!«

Huhunna feuerte. Der Bogenspannerbolzen traf die Tür neben dem Schloss und detonierte, um das Türmetall zu versengen. Das Schloss und der linke Teil des Öffnungsriegels lösten sich in Wohlgefallen auf. Huhunna packte die Tür ein gutes Stück über dem glühend heißen Bereich und stieß sie auf.

Dahinter stand Botschaft-die-emporsteigt. Er stemmte wie empört die Hände in die Hüften. »Trampel!«

Der Gebäudealarm schrillte los.

Sie sprinteten – oder, in Turmans Fall, trotteten sehr schnell – zwischen die Bäume, während auf dem Stützpunkt andere Sirenen losheulten. Sie schafften es gerade weit genug zwischen die Bäume, dass das Gebäude nicht mehr in Sicht war.

Dann blieb Turman stehen. Er hob die Hand und riss seine Fremdweltlermaske auf, sodass die anderen sein wahres Antlitz sehen konnten, gerötet und verschwitzt. Er zerrte an der Brust, bis sie sich öffnete, und schälte sich ungestüm aus dem Anzug, begleitet vom süßlichen, ekelhaften Geruch von verrottenden Meereslebewesen.

Jesmin und Huhunna wichen mehrere Schritte zurück.

Turman wand sich aus den Anzugbeinen und kam auf sie zu. Sein Körper glänzte vor Schweiß und dem, was das Innere des Anzugs an Sekreten ausschied. Sein Blick war wild, und seine Worte drangen als Schrei über seine Lippen: »Ich will eine Sanidusche!«

»Zeit zu verschwinden, Bühnenboy. Hier lang!« Jesmin wies nach Norden und übernahm die Führung, bemüht, ein gutes Stück vor der Dunstwolke zu bleiben, die Turman umgab.

»Ein Teich, ein Wasserfall, ein Säurebad! Sandpapier! Ganz egal. Nur macht mich sauber

Drikall holte den zusammenklappbaren Schwebewagen vom Heck des Gleiters, machte ihn einsatzbereit und aktivierte ihn. Dann hob er die bewusstlose Ledina Chott vom Rücksitz und legte sie ausgestreckt auf den Karren. Er schlug eine Decke über sie und deckte sie von Kopf bis Fuß zu.

Erst dann stieg Trey in seiner autoritären General-Thaal-Aufmachung aus dem Gefährt. »Hast du ihren Ring wieder eingeschaltet?«

»Ich hab’s nicht vergessen.«

Die Eingangstür des Gebäudes war mehrere Meter entfernt, direkt unter dem Schild, auf dem stand: ARMEEBEDARF FÜR JEDERMANN. Allerdings marschierte Trey zu einer nicht gekennzeichneten Seitentür aus Transparistahl. Durch die Tür konnte er ein kleines Büro sehen, einen Gang, der – davon ausgehend – weiter ins Gebäude hineinführte, und einen muskulösen jungen Mann mit kurz geschorenem, braunem Haar, der auf dem Schreibtischstuhl faulenzte. Trey verzog missbilligend das Gesicht – Thaals Gesicht. Er hämmerte gegen die Tür.

Der Mann hinter dem Schreibtisch schaute herüber, ehe er so schnell aufsprang, dass es aussah, als würde er den Bodenkontakt verlieren. Er öffnete die Tür. »General!«

»Die Sache ist übel, Junge, ganz übel.« Trey winkte Drikall nach vorn. Der Devaronianer trat vor und schob den Schwebewagen vor sich her. »Diese Leiche … Kennen Sie die Gefreite Zizbisterling?« Trey stand im Türrahmen und hielt die Tür auf, während Drikall den Karren hindurchschob.

»Nein, Sir.«

»Nun, jetzt ist sie tot, also haben Sie keine Gelegenheit mehr, sie kennenzulernen. Hören Sie die Sirenen?«

Der Mann legte den Kopf schief. Obgleich die heulenden Alarmsirenen auf dem Stützpunkt auf diese Entfernung nicht sonderlich laut waren, hörte man sie dennoch. Das Gesicht des Mannes wurde weiß. »Sir, werden wir angegriffen?«

»Teufel, ja! Bringen Sie uns unverzüglich nach unten.«

»Jawohl, Sir!« Der vorgebliche Angestellte salutierte halb, entsann sich dann, dass das nicht das richtige Verhalten für seine derzeitige Rolle war und stürmte in den Flur. Trey und Drikall folgten ihm.

Während sie sich ein gutes Stück hinter dem Angestellten durch einen von Lagerräumen gesäumten Korridor bewegten, beugte Drikall sich vor, um Trey zuzuraunen: »Gut improvisiert, das mit dem Alarm.«

»Eigentlich sollten wir noch gar keine Sirenen hören. Ich wusste nicht, was ich sonst sagen soll.«

»Nein, ich mein’s ernst. Gut improvisiert.«

Der falsche Angestellte führte sie in einen Nebenraum, der für den Zweck, dem er augenscheinlich diente, viel zu riesig und zu leer war – ein unbemanntes Kom-Zentrum mit einer großen Computer-Kommunikationseinheit und einem einzigen Stuhl. Sobald sich die Tür geschlossen hatte, hämmerte der Angestellte gegen die schmucklose Rückwand. Es war eine bestimmte Abfolge von Klopfzeichen.

Die Wand glitt beiseite und gab den Blick auf eine dahinter liegende Kammer von ähnlicher Größe preis. Jedoch befanden sich in dieser mit Durastahlgitter bespannte Mauern, hinter denen Felswände und stählerne Stützpfosten zu sehen waren. Erst auf den zweiten Blick erkannte Trey, dass es sich um einen Lastenaufzug handelte.

Sie traten in den Aufzug, und Trey wandte sich an den Angestellten. »Ich will, dass Sie uns begleiten.«

Verwirrt schloss der Angestellte sich ihnen an. Er drückte einen Knopf an der Kontrolltafel an der Vorderwand, und die Wandtür schloss sich. Er betätigte einen anderen Knopf, und sie glitten in die Tiefe. »General, dürfte ich fragen …«

Die »Leiche« auf dem Schwebewagen stöhnte und regte sich.

Der Angestellte starrte den mit der Decke zugedeckten Leib mit großen Augen an.

Trey riss ebenfalls weit die Augen auf. »Ein Wunder! Sergeant, Sie wissen, was zu tun ist.«

Drikall zog seinen Blaster und schoss aus nächster Nähe auf den Angestellten. Der Betäubungsschuss traf den Mann in die Brust. Er krachte rücklings gegen die Metallgitterwand und sackte zusammen.

Thaal wandte sich der Kontrolltafel zu. »Ein ganz schön weiter Weg nach unten. Uns bleiben ein paar Sekunden.« Er riss die Decke von Ledina, und es zeigte sich, dass sie dasselbe Kleid trug, in dem sie entführt worden war. Ihre Augen waren geschlossen, aber die Lider flatterten unruhig, und jetzt drehte sie den Kopf, als sie darum kämpfte aufzuwachen. »Wie viel Zeit noch, Saniboy?«

»Ein paar Minuten. Ich kann ihr ein Aufputschmittel verabreichen.«

»Nein, mach dir deswegen keine Gedanken.« Trey schaute nach oben, zur Deckenluke der Aufzugskabine.

Zwei Sekunden später kam der Lift zum Stillstand. Die Rückwand des Schachts und die hintere Metallgitterwand der Kabine glitten in die Höhe. Unmittelbar dahinter befand sich ein Steintunnel, der in der Ferne in Düsternis mündete. Auf dem Boden verlief eine Metallschiene. Über die Steindecke spannten sich Kabel, mit Glühstabringen alle fünf Meter.

Direkt bei der Tür stand eine Bothanerin mit dunklem Fell, in einer Schnapphund-Corporalsuniform. Ihre Augen weiteten sich, und sie salutierte. »General!«

Drikall schoss sie nieder.