COLLEGE KIDS

And that’s why I say
Oh no! Not for me, not for me
call it torture, call it university
No! Arts and crafts is all I need
I’ll take calligraphy and then I’ll make a fake degree

Am nächsten Morgen saß Taliv schon wieder am Küchentisch, als Gabe aufwachte.

Sie schien diesen Raum wirklich am liebsten zu haben. Gabe ging wortlos zur Kaffekanne und schenkte sich einen Becher ein.

„Was, grüßt du mich jetzt schon nicht mehr? Sind wir da jetzt schon drüber hinweg, oder was?“

Gabe sah sie an, aber sie verschwamm vor seinen Augen.

„Es ist einfach zu früh, warum bin ich überhaupt wach… Ach ja, weil du einen verdammten Wecker neben mein Bett gestellt hast!“

Sie grinste ihn über ihren Becher hinweg an.

„Tja, heute habe ich wieder Uni, also kommst du mit, denn ich werde dich auf keinen Fall hier allein lassen. Ich wüsste nicht, was ich dann noch von meinem Haus vorfände, wenn ich einen Amerikaner hier drin allein ließe. Also los, zieh dir was halbwegs ordentliches an und dann Aufbruch!“ Gabe hob eine Augenbraue.

„Bist du über Nacht zu meiner Mutter geworden? Seit wann redest du denn so mit mir.

„Sind wir da jetzt schon drüber hinweg, oder was“?“ Sie würdigte ihn keiner Antwort sondern stellte ihren Becher in die Spüle und verließ die Küche. Achselzuckend trank Gabe seinen Kaffe.

Gabe und Taliv fuhren auf den Campusparkplatz. „Sag mal, Tal, wie hast du es eigentlich geschafft, jetzt schon einen Lehrstuhl an der Uni zu haben, wo du doch vom Alter her eher eine Studentin sein müsstest?“

Gabe fiel dieser Umstand nämlich erst jetzt auf, da sie an vielen Studenten vorbeigefahren waren.

„Nun, ich habe eine gute Beziehung zum Fakultätsleiter, wenn du verstehst was ich meine“, sie schnalzte anzüglich und Gabe grinste.

Eigentlich erwartete er, dass sie jetzt mit der echten Geschichte rausrückte, aber da sie das nicht tat, runzelte er doch etwas irritiert die Stirn.

Das konnte doch nicht etwa die richtige Geschichte sein…

Taliv blieb stumm, also stieg Gabe aus.

Auf ihrem Weg zu den Hörsälen mussten sie an den Studentenwohnheimen vorbei. Gabe sah Taliv mit seinem schönsten Bettelblick an.

„Weißt du, Tal, ich war noch nie auf einer Uni, und ich werd’s wohl auch nie sein, kann ich mir nicht wenigstens mal ansehen, wie die armen Schweine hier leben?“

Taliv blickte auf ihre Uhr uns seufzte.

„Na gut, wir haben noch zehn Minuten… Zehn Minuten, hast du verstanden“, sagte sie streng.

Gabe drehte sich um und schlenderte rüber zum Eingang der Studentenzimmer.

Schon auf dem Gang nahm er den vertrauten Geruch von Alkohol war.

Plötzlich rollte ein Bierfass die Treppenstufen hinunter, zwei Studenten hinter her.

„Haltet es auf! Das brauchen wir noch!“

Gabe stellte sich vor die Treppe und hielt das Fass mit seinem Fuß auf. Das dabei ein kurzer stechender Schmerz sein Bein hochschnellte, ließ er sich nicht anmerken.

„Hey Danke, Alter, willst du mitkommen, wir gehen rüber in den Mädchentrakt, die sind alle ganz heiß auf das Zeug“, ein dunkelhaariger Student, der soeben noch hinter dem Fass hergejagt war lallte ihm jetzt ins Gesicht.

Der andere, eine pickelgesichtiger, rothaariger Student schlug dem anderen auf die Schulter und grölte:

„Die sind nicht nur auf das Bier heiß, Kevin“, dann grölten die beiden los.

Gabe zuckte die Schultern und folgte den beiden. Als sie im Mädchentrakt ankamen fragte Gabe sich kurz, ob er vielleicht von dem Bierfass erschlagen worden und nun im Himmel war.

Überall liefen leichtbekleidete – manche trugen lediglich einen Handtuchturban und einem Bademantel – Mädchen durch die Gegend, die kicherten, sobald Gabe an ihnen vorbeischritt.

Er sah sich jede von ihnen genau an.

Den Studenten mit dem Bierfass schienen sie allerdings keine Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Er ging weiter, und kam an einer geschlossenen Tür vorbei, aus der zwar unglaublich laut Metallica dröhnte, aber Gabe dennoch ekstatisches Stöhnen vernehmen konnte.

Er grinste.

Sex, Alkohol und laute Musik…Ich glaube hier bleibe ich.

„Was machst du hier denn so ganz allein schöner Fremder? Ich habe dich hier noch nie gesehen, bist du ein Erstsemester?“

Gabe drehte sich zu der Stimme um.

Es war, offensichtlich, eine Studentin, denn sie trug eine Tasche über der Schulter, hatte allerdings auch eine Bierflasche in der Hand.

„Ja, ich bin neu hier, ich heiße Gabe, und du?“ Sie lächelte, warf die blonden Haare über ihre Schulter und antwortet.

„Mein Name ist Rachel. Möchtest du, dass ich dir einen tieferen Einblick gewähre“, dabei beugte sie sich soweit vor, dass sich ihre Nasen fast berührten. Gabe hatte gar keine andere Möglichkeit als ihr in den Ausschnitt zu sehen, sie bettelte ja förmlich darum, und was er sah, gefiel ihm…

„in die Uni meine ich natürlich“, jetzt lachte sie. Aber Gabe hatte schon das Interesse verloren.

Das ist zu einfach. Das ist keine Herausforderung. Er nickte und lächelte sein unschuldigstes und gleichzeitig anzüglichstes Lächeln.

Wer braucht schon Herausforderungen?

Er ging mit Rachel durch die Gänge bis, sie vor einer Zimmertür standen, die über und über mit Fotos beklebt war. Auf den meisten waren Rachel und eine kleine Brünette zu sehen.

Rachel wandte sich Gabe zu und bedeutete ihm mit dem Finger vor ihrem lachenden Mund leise zu sein, als sie die Türklinke runter drückte und vorsichtig eintrat. Drinnen sah er das brünette Mädchen auf dem Bett liegen, als er einen Arm bemerkte, der über ihrer Taille lag, der nicht von ihr sein konnte. Rachel ging neben den Schlafenden in die Hocke und flüsterte der Brünetten etwas zu.

Schlaftrunken nickte sie und stand, die Decke um sich gewickelt auf. Jetzt kam auch der Körper des anderen zum Vorschein, allerdings war es kein Anderer wie Gabe erwartet hatte, sondern eine Andere. Sie trug lediglich Unterwäsche und ihre langen schwarzen Haare verdeckten ihr Gesicht. Jetzt drehte sich Rachel wieder zu ihm um und winkte ihn herein.

Auch die Schwarzhaarige war mittlerweil halbwegs aufgestanden und stützte sich auf ihren Unterarm. „Gabe, das sind Lorie und Catherine.“ Er nickte den beiden jeweils zu. Lorie, die Brünette lächelte und Catherine nickte ihm noch etwas benommen zu. Dann kam Rachel wieder auf ihn zu und stellte sich auf die Zehnspitzen, um mit ihrem Mund an sein Ohr zu kommen. „Weißt du, wir drei würden uns freuen, wenn du uns ein wenig Gesellschaft leisten würdest. Wir sehnen uns nach einem starken Mann, der sich um uns kümmert…“, sie legte ihm eine Hand auf die Brust und sah ihn so unschuldig wie möglich an.

Okay, DAS ist definitiv zu einfach! Warum habe ich mich jahrelang auf Schülerinnen konzentriert, Studentinnen sind so viel einfacher… All die vergeudete Zeit im Café und im Park, wenn ich doch einfach nur in ein College gehen muss, und sie sich förmlich auf einen stürzen…

Gabes Mund verzog sich zu einem Lächeln und er wollte gerade den starken Mann raushängen lassen, als sein Handy klingelte.

Er stöhnte auf, und sah auf die Nummer.

Es war Taliv.

„Gabe? Wo bist du?“

Gabe sah die Mädchen fragend an.

„Rachel, Lorie, Catherine, welches Zimmer sind wir hier?“

Rachel wirkte enttäuscht, schien aber die Vorstellung auf einen Quickie vorm Unterricht noch nicht aufgegeben zu haben.

„Trakt B, Zimmer B-046.“

Gabe wandte sich wieder Taliv zu.

„Also wir sind in Zimmer B-046, hast du nicht auch noch Lust vorbei zu kommen, hier ist es echt lustig, und mit dir wird es noch lustiger!“

Er hörte sie am anderen Ende der Leitung seufzen. „Gabe, ich glaube ich weiß, was du gerade denkst, und ich kann nur hoffen, dass ich mich irre.

Und jetzt beweg deinen Arsch hier her, oder ich komme persönlich vorbei und hol dich ab, wie ein kleines Kind, und dann werde ich all den netten Mädels aus B-046 erzählen, dass du deine schwangere Verlobte vor dem Altar sitzen gelassen hast, um es mit der Trauzeugin, der besten Freundin deiner Verlobten, zu treiben.“

Gabe maß die drei Studentinnen mit einem Blick. Catherin lächelte und nickte in Richtung Bett.

„Du, Tal, Sorry, aber ich glaube das würde die hier nicht abhalten…“

Gabe klappte sein Handy zu und ging zu Rachel hinüber. Sie legte ihm eine Hand an die Schläfe und atmete aus. Gerade als Gabe sich vorbeugen wollte knallte die Tür auf und Taliv stürmte herein.

„Gabe! Verdammt!“

Die Mädchen sahen überrascht zu Taliv.

„Ms. Hane!“

Taliv stemmte die Hände in die Hüften und sah jedes Mädchen mit einem so tadelnden Blick an, dass sie allesamt den Kopf zwischen die Schultern zogen. Dann sah sie Gabe an, der gelassen einen Arm um Rachels Schultern gelegt hatte.

„Gabe, ich weiß du versuchst es immer wieder, aber nur weil du bedeutungslosen Sex mit Studentinnen hast, macht dich das noch nicht hetero.

Du musst endlich akzeptieren, wie du fühlst.

Hör auf, etwas sein zu wollen, was du nicht bist…“ Rachel wich unter seiner Berührung zurück und sah ihn verwirrt an.

„Warum sind die besten immer schwul“, murmelte sie dann. Jetzt stand auch Catherine vom Bett auf und wickelte eine Locke von Gabes Haaren um ihren Finger.

„Ich hätte es gleich merken müssen. Allein schon an der Art, wie gepflegt seine Haare sind.

Welche Spülung benutzt du denn? Hey, vielleicht können wir ja mal zusammen shoppen gehen! In der Gegenwart von Schwulen kann man sich als Mädchen immer so sehr entspannen…“

Gabe warf Taliv einen düsteren Blick zu.

Das wirst du noch bereuen!

Dann verdrehte er die Augen und folgte Taliv aus dem Zimmer, nachdem er den Mädchen widerwillig seine Nummer gegeben hatte.

Niemals gehe ich mit einer von denen Shoppen… „Es tut mir Leid, G, aber du wolltest es ja auf die harte Tour.“

Gabe strafte sie mit Schweigen. Taliv seufzte.

„Na gut, wenn du nicht reden willst, dann halt nicht.“

Sie gingen durch die endlos langen Flure, vorbei an eilig hastenden Studenten, bis Taliv schließlich vor einer großen Holztür stehen blieb.

„Hier drin ist meine Vorlesung, also blamier mich nicht! Wenn du mich auch nur irgendwie nervst, dann schick ich dich raus, und du darfst hier draußen auf dem Flur auf mich warten. Verstanden?“

Gabe verdrehte genervt die Augen.

„Verstanden?

„Ja! Ich bin doch kein Kleinkind mehr. Ich weiß wie es auf einer Uni zugeht, ich habe Natürlich Blond 1&2 gesehen.“

Taliv prustete los.

„Was? Wir hatten einen Filmabend und Shannon dufte das Programm bestimmen. Also Natürlich Blond oder Barbie und die zwölf tanzenden Prinzessinnen.

Ein Meilenstein in der Filmgeschichte mal so nebenbei bemerkt. Allerdings müssen sich diese armen zwölf Prinzessinnen einen Prinzen teilen.

Ich beneide ihn ja so…“

Taliv würdigte ihn keiner Antwort, sondern drückte die Klinke herunter und trat ein.

Im Hörsaal saßen an die zwanzig Studenten. Sie alle verstummten sofort, als sie Taliv sahen.

Ist das Respekt? Warum sollte man Tal respektieren…

Taliv ging langsam zum Pult, und legte dort ihre Tasche ab.

„Also, Guten Tag, wir beginne heute mit dem Thema: Auswirkungen des Camping-Tourismus auf heimische Schlangenarten.“

Innerlich gähnte Gabe auf, setzte sich aber wie von Taliv angeordnet ganz nach hinten, soweit weg von allen Studentinnen wie möglich. Er hörte Taliv nur ein paar Minuten zu und langweilte sich schon zu Tode. Während vor ihm die Studenten eifrig mitschrieben fragte sich Gabe, was für Freaks denn Schlangen studierten.

Da öffnete sich die Tür und eine junge Studentin huschte hinein. Ihr Haar war zerzaust und sie murmelte leise eine Entschuldigung, als Taliv sie in Grund und Boden blickte.

Mit gesenktem Kopf setzte sich das Mädchen zwei Plätze neben Gabe. Taliv nahm ihre Platzwahl mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis und warf Gabe noch einmal einen warnenden Blick zu.

Der hob nur die Schultern.

Ist doch nicht meine Schuld, wenn sie meine Nähe sucht…

„Also was ich sagen wollte, bevor Ms. Benson mich unterbrach, war, dass besonders …“

Das Mädchen hatte inzwischen ihren Block ausgepackt und kämpfte mit ihrem Kugelschreiber, der nicht zu schreiben schien.

Hilfesuchend sah sie sich um, und entdeckte Gabe, der bereits einen Kugelschreiber aus seiner

Jackentasche befördert hatte. Er rückte näher und setzte sich auf den Platz neben sie.

„Hier, nimm meinen“, flüsterte er, als er ihr den Stift entgegen hielt. Sie nickte dankbar und begann sofort sich Notizen zu machen.

Nach einer Weile warf sie einen verwirrten Blick zu Gabe hinüber, der sie seitdem nicht aus den Augen gelassen hatte. Sie war nicht wirklich hübsch, eher niedlich. Sie hatte eine zierliche Nase, auf der eine Brille mit schwarzem Gestell saß. Dadurch wirkten ihre branuen Augen noch größer. Sie hatte sehr helle Haare, in die grüne Strähnen gefärbt waren. „Was ist“, nuschelte sie nervös. Sie wand sich ein bisschen unter seinem Blick, weshalb Gabe sie noch intensiver ansah. „Stimmt irgendetwas nicht?“ Er schüttelte kaum merklich den Kopf.

„TOD! Ist eine häufige Folge“, Taliv hatte so laut gesprochen das Gabe zusammenzuckte. Er sah Taliv wieder an, und sie gab ihm zu verstehen, dass sie ihn keine Sekunde aus den Augen ließ.

Gabe wandte sich wieder dem Mädchen zu und wollte gerade etwas sagen, als sein Handy vibrierte.

Bitte lass es niemand sein, der mit mir shoppen gehen möchte!

Er warf einen Blick auf das Display.

Unbekannt.

Er zuckte die Schultern. Er stand auf, und verließ den Saal. Niemand der Studenten schien es zu bemerken, sie alle hingen geradezu an Talivs Lippen.

„Hallo?“ Er hörte wie sich jemand am anderen Ende der Leitung räusperte.

„Gabe?“ Es war ein Flüstern.

Er nickte, merkte, dass es der andere nicht hören konnte und sagte: „Ja.“

Am anderen Ende holte jemand tief Luft.

„Ich hoffe es freut dich zu erfahren, dass du Vater geworden bist.“