Warez Ebooks - wo bleibt die Klasse?

MITTWOCH, 14. MÄRZ 2012

Schweizer-Nahrungsmittel-Exporte-Schokolade
Das Angebot der Piraten wächst und wächst, aber irgendwie will mir scheinen, dass einfach nur die Masse wächst, nicht die Qualität.

Du hast wohl recht damit. Die Klasse ist auf der Strecke geblieben. Wir sind quasi komplett in manchen Bereichen, haben aber mittlerweile im Vergleich wenig, was man noch in ein paar Jahren lesen wird. Du darfst aber nicht vergessen, dass es gerade bei den Ebooks immer einen riesigen Unterwasserbereich gegeben hat, den wir jetzt zu sehen bekommen.

Warum das? Ebooks sind doch auch nur Bücher zum Lesen?

Oh, nein. Wenn du ein Buch liest, zeigst du deinem Nachbarn in der Bahn oder im Cafe, was du liest. Wenn du in einem eReader liest, sieht niemand, was du gerade liest. Das ist ein sehr wesentlicher Unterschied. Die heimlichen Bestseller der Ebooks sind gerade Bücher, die du so in der Öffentlichkeit nicht lesen würdest.

Nenn mal Beispiele.

Ich seh das doch: Sandra Henke: Der Gebieter* liegt 50% über den andereren bei den Downloadzahlen.  [* Die Mods von der Boerse haben es fürsorglich gelöscht. Das eBook kriegt ihr aber ohne Probleme bei ebook-hell und anderen. Denkt aber dran, die Mods von der Boerse finden, dass das Buch nichts für euch ist. Die werden schon ihre guten Gründe haben ...]
Genauso die Heftchen, wo sie - arm, aber appettitlich - ihn - Milliardär mit Esshemmung - kriegt. Auch so ein Cover mit einem endzeitliches Friseurmädel kannst du nicht unbeschadet überall rumzeigen. Das sind aber die heimlichen Best'seller' unserer Szene.

So was wurde doch immer gelesen, denke ich.

Gelesen schon, aber heimlich, nicht rumgezeigt. Bei den eBooks aber kann dir keiner über die Schulter schauen. Ein eReader sieht immer schlau aus. Du vergisst, dass unsere 'Kundschaft' hautpsächlich Mädchen und junge Frauen sind. Denen ist nicht egal, was andere von ihnen denken. Sieh dir die Auswahl der Bücher an, die wir hochbekommen. Die meisten Bücher will ein junges Mädchen nicht als Papierbuch ausführen, aber doch gerne lesen.

Mädchen und Softporno?

Aber klar! Sandra Henke schreibt auch sehr erfolgreiche Vampirbücher, die kennt ihre Leserinnen, das ist ein Profi, keine Frage. Ich scan ja nun das ein oder andere Vampirbuch. Manche von denen gehören klar auf jeden gut geführten Index. Nur weiß das keiner - die Mütter nicht und auch nicht die Klassenkameraden.

Aber bestimmen denn nicht die Uploader das Angebot?

Auf den ersten Blick ja: Die Downloader müssen nehmen, was kommt. Es gibt aber viele Uploader, die ihre Kosten decken wollen und können. Zu den Kosten gehören auch neue eBooks. Viele Downloads bedeuten höhere Einnahmen. Also released man eBooks, die populär sind. Also geht das nicht in die Klasse, sondern allein in die Masse.

Gibt es einen Hoffnungsschimmer?

Nun, letztlich reicht die Spende eines guten Buches, um die ganze Szene zu versorgen. Wir sind ja eine riesige Datenbank mit Büchern, die niemals vergriffen oder ausgeliehen sind. Mit der Zahl der Leser wird auch die Zahl der Spender größer. Und dadurch wird die Vielfalt wachsen. Die Spender sind meine eigentliche Hoffnung.

Du siehst zwei Entwicklungen, die sehr unterschiedlich sind.

Ja, es findet unter einem Dach statt - noch unter einem Dach sollte ich sagen. Aber die Uploader, die Geld verdienen wollen und deshalb den Massengeschmack bedienen müssen, haben mit den Uploadern, die von freiwilligen Spenden leben, wenig gemeinsam. Letztere sind unabhängig, jedenfalls unabhängig von Downloadzahlen.

Du siehst mehrer Dächer?

Die Ebookszene war doch noch Anfang letzten Jahres winzig. Das hat sich geändert. Da liegt es auf der Hand, dass neue Blogs und auch Foren hinzukommen werden. Lovelybooks spricht auch ein anderes Publikum an als Perlentaucher. Es gibt Fantasyboards, Sofaecken für alles mögliche. Das kommt auch bei uns.