Scatterheart schob den Riegel der kleinen Tür zurück. Auf der anderen Seite war ein Garten ganz aus Eis. Weiße Blätter klirrten im Wind. In der Mitte des Gartens reckte ein uralter Eisbaum seine Zweige gen Himmel. Daran hing eine einzelne blaue Frucht. Scatterheart pflückte sie. Sie war sehr kalt.
Oben angekommen öffnete der Wärter eine Tür und stieß Hannah hindurch. Ein eisiger Luftzug schlug ihr entgegen, dann nahm sie den Geruch von brennenden Kräutern und Essig wahr. Der Fußboden war feucht und die kleinen Schnitte und Schrammen an ihren Füßen brannten. Die Dielen hatten eine rote Färbung, als wären sie mit Wein gewaschen worden. Hannahs Augen tränten.
Zwei uniformierte Männer führten sie zu einem vergitterten Holzpodest, in dem sie während der Verhandlung stehen musste. Der Gerichtssaal war überfüllt. Die Zuschauer hielten sich Taschentücher vor den Mund, als Hannah an ihnen vorbeiging. Eine heiße Welle der Scham und Empörung überflutete sie. Was taten all diese Leute hier?
Der prachtvolle Saal hatte hohe Decken und eine Empore, auf der sich die Zuschauer drängelten, um etwas sehen zu können. Die großen Fenster und Türen standen sperrangelweit offen, sodass der tosende Wind von draußen hereinwehte. Die schwarzen Samtvorhänge waren vom Eisregen durchnässt, der durch die Fenster in den Saal sprühte. Überall brannten große, offene Kohlenbecken, aus denen ein giftiger Rauch stieg, der Hannah schwindelig machte.
Sie sah zu den Geschworenen und den Richtern hinüber. An der Wand über dem Thron des Oberbürgermeisters hing ein riesiges, mehr als mannsgroßes Schwert. Darüber waren ein Löwe und ein Einhorn, die eine Krone gepackt hielten.
Der Oberbürgermeister saß auf seinem Thron. Er trug eine schwarze Robe mit einer goldenen Amtskette und sah sehr streng aus. Vor ihm, in einem abgezäunten Bereich ähnlich dem der Zeugen und der Angeklagten, saßen die Geschworenen. Der Rauch biss in Hannahs Augen. Sie stützte sich schwer auf den vor ihr stehenden Tisch.
Ein Gerichtsdiener kam herbei und hielt ihr eine Bibel hin. Sie streckte ihre Hand aus und berührte den Ledereinband. Ihre Finger waren schmierig vor Schweiß.
»Wie wollen Sie vereidigt werden?«, fragte der Gerichtsdiener. Er kaute energisch auf einer seltsamen schwarzrötlichen Masse herum. Sein Atem stank nach Orangenschale, Kümmel und Knoblauch.
»Auf Gott und Vaterland«, antwortete Hannah mit zitternder Stimme.
Der Gerichtsdiener drehte sich zum Richtertisch um und gab laut bekannt: »Hannah Cheshire ist des heimtückischen Diebstahls von einem Paar Saphirohrringen angeklagt, Wert einundvierzig Schilling.«
Ein Murmeln ging durch den Saal, als Hannahs Name genannt wurde. Hannah erinnerte sich daran, wie Long Meg wissend gelächelt hatte, als sie Arthur Cheshire erwähnt hatte, und wie der Wärter ihre Hand abgeschüttelt hatte. Ihr war unwohl und heiß, obwohl es im Saal eiskalt war.
Ein Mann erhob sich und schwor auf die Bibel. Hannah erkannte ihn sofort an seinem krausen roten Schnauzbart.
»Ich heiße Samuel Smith«, sagte er. »Ich habe einen Laden in der Monmouth Street. Vor einigen Wochen kam die Gefangene herein und wollte eine goldene Halskette versetzen. Während sie da war, stahl sie ein Paar Saphirohrringe von der Auslage.«
Der Hunger trieb Hannah am nächsten Morgen wieder aus dem Haus.
Sie wusste kaum, welche Tageszeit es war oder ob es überhaupt Tag war. Die Läden waren spärlich beleuchtet, die Fenster von Eisblumen überwuchert. John Wheeley, Uhrmacher. Jack Picard’s Tapetenlager. Goodman & Flute, Tabake & Schnupftabak.
Aus einer Küche waberte der Duft von frisch gebackenem Brot. Hannahs Magen knurrte und sie leckte sich die Lippen. Aber sie eilte weiter, bis sie ein Schild Samuel Smith, Pfandleiher und Silberschmied entdeckte. Sie spähte durch das Fenster und sah Schmuck, Uhren, Porzellan, Silberbesteck und Kerzenleuchter, Schuhe, Hüte, Mäntel und Korsetts. Über der Tür befand sich eine Aufschrift: Nicht eingelöste Waren en gros und einzeln zu verkaufen. Geldverleih.
Hannah drückte die Klinke hinunter.
Der Mann hinter der Theke blickte hoch. Er hatte einen roten Schnauzbart und kurz geschnittenes, lockiges Haar. Auf seinem Hemd waren bräunliche Fettflecken und in seinen Mundwinkeln war etwas Weißes, Krümeliges.
»Hast du dich verlaufen?« Er sah sie misstrauisch an.
Hannah setzte eine geschäftsmäßige Miene auf.
»Ich brauche etwas Geld. Ich habe hier eine Halskette.«
Sie öffnete ihren Pompadour und legte die Kette auf die Theke. Sie war aus Gold mit eingefassten blauen Topasen. Der Mann – vermutlich Mr Smith – holte ein Augenglas hervor und untersuchte die Kette. Hannah hörte ihn atmen, ein schleimiges, rasselndes Geräusch.
»Woher hast du die?«, fragte er.
Eine Welle von Scham überflutete Hannah. Verärgert riss sie sich zusammen. Es gab nichts, wessen sie sich schämen musste. »Mein Vater hat sie für mich gekauft«, sagte sie.
Mr Smith leckte sich die Lippen. »So, so, dein Vater hat sie dir gekauft?«
Hannah biss die Zähne zusammen. »Ja, sein Name ist Arthur Cheshire. Er ist zurzeit geschäftlich in Paris. Er kann jeden Tag zurückkommen, aber ich brauche ein bisschen Bargeld. Sobald er wieder in London ist, wird er die Kette auslösen.«
Kaum hatte sie den Namen ihres Vaters erwähnt, sah Mr Smith auf und beugte sich zu ihr hinüber. Hannah trat einen Schritt zurück. Sein Atem stank.
Mr Smith ließ seinen Blick über sie wandern und blieb an ihren Ohren hängen. Hannah hob tastend die Hand und spürte die Saphirohrringe.
»Ich würde lieber die hübschen blauen Ohrringe nehmen«, sagte er.
Hannah schluckte. »Nein«, entgegnete sie um einen entschiedenen Ton bemüht, »nur die Kette.«
»Erstklassiges Stück«, brummte Mr Smith, ohne seine Augen von den Ohrringen abzuwenden. »Die würden einen hübschen Preis erzielen.«
»Nein danke«, sagte Hannah, »ich möchte sie behalten.«
»Sind das wirklich deine?«, fragte Mr Smith.
Hannah erinnerte sich plötzlich an Mr Behr, der am Kamin im Salon gestanden und gesagt hatte: »Er hat den Mann fast umgebracht und sein Geld und seine Wertsachen gestohlen. Am nächsten Tag ist er verschwunden.«
Sie erinnerte sich, dass die Ohrringe in ein schmutziges Leinentuch eingewickelt waren, als ihr Vater sie ihr gegeben hatte. Warum hatte sie sich nicht gewundert, dass sie nicht in einer Schachtel mit Seidenpapier und Schleife verpackt waren?
Hannah ballte die Fäuste, um das Zittern ihrer Hände zu unterdrücken. Ihre Fingernägel gruben sich in ihre Handflächen. Der Pfandleiher knurrte etwas und warf wieder einen Blick auf die Halskette.
»Fünf Schilling«, sagte er.
Hannah wusste nicht, ob der Preis für die Kette angemessen war, aber sie nahm das Geld und rannte hinaus.
Hannah kam es vor, als zuckte der Schweif des Löwen über dem Thron des Oberbürgermeisters, doch als sie genauer hinschaute, sah sie nur den weißen Putz. Ihre Augen brannten so stark, dass sie sie zusammenkneifen musste.
»Aufrecht stehen, junge Frau«, zischte der Gerichtsdiener. »Und den Blick auf den Oberbürgermeister.«
Hannah schlug die Augen auf, der Saal schien vor ihr zu verschwimmen.
»Meine Augen …«, stammelte sie.
Der Gerichtsdiener achtete nicht weiter auf sie. Ein anderer Mann erhob sich und schwor auf die Bibel. Hannah meinte ihn schon einmal gesehen zu haben, konnte sich aber nicht mehr genau erinnern. Er trug einen großen Ring am Finger, der im Licht glitzerte. Sie musste husten, ihr Hals war entzündet und geschwollen. Die Fußfesseln brannten auf ihrer Haut.
»Ich heiße John Higgins. Vor zwei Wochen habe ich Eintrittskarten für eine Vorstellung auf dem Frostmarkt verkauft, da ist die Gefangene mit ein paar anderen Raufbolden gekommen und hat mich aufs Eis geschubst. Und dann sind sie alle, ohne zu zahlen, in die Vorstellung gegangen.«
Als Hannah den Laden des Pfandleihers verließ, kam ihr die Welt ganz verändert vor. Der Nebel hatte sich gelichtet, der Himmel färbte sich allmählich blau und es zeigten sich die ersten fahlen Sonnenstrahlen.
Waren die Straßen tags zuvor noch menschenleer gewesen, waren sie nun von Gruppen junger Leute bevölkert. Es waren Bürger, keine vornehmen Herrschaften, aber sie sprachen einigermaßen kultiviert. Sie schienen alle ihren Sonntagsstaat angelegt zu haben und Hannah dachte zuerst, sie hätte zwei ganze Tage verpasst und es sei tatsächlich schon Sonntag. Die jungen Leute gingen lachend und schwatzend in Richtung Zentrum.
Ein junger Mann wedelte mit einem Zeitungsausschnitt. »Beeilt euch!«, rief er seinen Freunden zu. »Sonst schmilzt uns der Frostmarkt noch weg!« Er warf das Papier übermütig in die Luft.
Hannah hob es auf, sobald die anderen weitergegangen waren. Es war ein Ausschnitt aus dem Public Advertiser, einem Anzeigenblatt. Der Text war schlecht zu lesen, weil die Schrift von der Rückseite durchschimmerte, aber etwas konnte Hannah entziffern.
Marktstand zu vermieten.
Derzeitiger Besitzer: Mr Frost.
Da seine Geschäfte jedoch nicht auf Dauer angelegt
sind, ist eine baldige Auflösung oder ein Bankrott
nicht auszuschließen. Die Liquidation der Firma
wird Mr Tau übertragen.
Hannah wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, folgte aber den Fußspuren der anderen im Schnee.
Sie gingen durch die Oxford Street, an der Abbiegung zur High Holborn Road vorbei und bogen dann in die Farrington Street. Bald schlossen sich ihnen weitere junge Leute an. Gemeine, Bürger und auch Herrschaften von Stand, alle strebten der Blackfriars Bridge zu und lachten, als wäre es ein Feiertag.
Bei der Brücke angelangt, blieben sie stehen und schauten wie gebannt in eine Richtung. Hannah konnte wegen der vielen Menschen nichts sehen und drängelte sich nach vorn, bis sie an die Stelle kam, wo Brücke und Fluss zusammentrafen. Dort verschlug es ihr den Atem.
Die Themse war vollständig zugefroren. Wo sonst braunes Wasser mit weißen Schaumkronen vorüberrauschte, zog sich ein seltsames grauweißes Band mitten durch die Stadt. Das Wunderlichste aber waren die Händler, die auf dieser neuen Eisstraße ihre Waren feilboten. Dort, wo die Stufen zum Fluss hinabführten, war ein grob gezimmertes Schild aufgestellt worden: Zur Frostland-Straße.
Mitten auf dem Fluss waren Stände und Zelte aufgebaut. Sie säumten einen Weg, der von der Blackfriars Bridge bis zu den Three Crane Stairs reichte. Und dort drängten sich die Menschen.
Alles war von glitzernden Eisblumen überzuckert und die ganze Welt funkelte und flimmerte wie im Märchenland. Schlittschuhfahrer schossen auf dem Fluss hin und her und drehten anmutige Pirouetten. Andere stapften vorsichtig über die ausgelegten Jutebahnen, die das Ausrutschen verhindern sollten. Sie kauften Andenken und tranken dampfende Schokolade oder Portwein aus Zinnkrügen vor behelfsmäßigen Tavernen, die Moskau oder Zur fröhlichen Eiszeit hießen.
Hannah ging die Treppe hinunter und betrat zaghaft die Eisfläche. Die Luft war von den Stimmen der Händler erfüllt, die lautstark ihre Waren anpriesen.
»Ochsenmaul, schön fett und gut gebraten!«
»Füße wieder wie neu, Hühneraugen ade!«
»Innereien vom Schaf!«
»Lachs aus Newcastle!«
»Lebkuchen!«
Der Duft von frisch gebackenen Fleischpasteten erinnerte Hannah daran, wie hungrig sie war. Vorsichtig ging sie zum nächstgelegenen Stand.
»Schönen Nachmittag, Frollein!«, sagte der Pastetenverkäufer und zwinkerte ihr freundlich zu. War es wirklich schon Nachmittag? »Auch eine Pastete werfen? Schön heiß und richtig lecker!«
Hannah sah ihn an und lächelte. »Entschuldigen Sie? Was meinen Sie mit ›werfen‹?«
Der Verkäufer schmunzelte. »Sie geben mir einen Sechser. Ich werfe ihn hoch. Bei Zahl bekommen Sie die Pastete und ich das Geld. Bei Kopf behalten Sie das Geld und bekommen die Pastete noch dazu!«
Hannah lachte und gab ihm eine Münze. Der Pastetenverkäufer warf sie hoch in die Luft. Sie funkelte in der Sonne und fiel wieder herab. Der Mann fing sie geschickt auf und klatschte sie auf seinen Handrücken. Er schüttelte den Kopf.
»Zahl, Frollein. Die Münze bleibt hier.«
Er fischte eine Pastete aus seinem tragbaren Ofen und schnitt fachmännisch ein Loch in den Deckel. Weißer Dampf schoss hervor. Der Verkäufer goss dicken, heißen Bratensaft in das Loch und wickelte alles in ein Stück Zeitungspapier. Als er Hannah die Pastete überreichte, zwinkerte er ihr wieder zu.
Hannah entdeckte in der Menge einen rötlichen Schnauzbart. Sie verzog angeekelt das Gesicht. Es war Samuel Smith, der Pfandleiher.
»Alles in Ordnung, Frollein?«, fragte der Pastetenverkäufer.
»Ja«, sagte sie und tastete nach ihren Ohrringen. »Danke.« Sie drängte sich durch eine Menschenschlange, die am Glücksrad anstand. Auf der anderen Seite stieß sie auf einen Mann mit einem schwarzen Bart, der ein langhaariges Schaf über das Eis zog.
Ein einäugiges Mädchen mit einem vernarbtem Gesicht huschte durch die Menge und erbettelte Sechser-Stücke. Hannah gab ihm eine Münze. Das Mädchen biss misstrauisch darauf und prüfte, ob sie echt war. Dann steckte es die Münze in seine Tasche.
»Danke, Frollein«, sagte es.
Von Nahem sah die eine Gesichtshälfte wie geschmolzenes Kerzenwachs aus. Sie glänzte feucht und wund und dort, wo das linke Auge hätte sein müssen, klaffte ein schwarzes Loch. Das Mädchen hatte eine schmutzige rote Schürze umgebunden. Seine Stiefel waren so abgetragen, dass aus dem einen ein dreckiger Zeh hervorlugte. Strümpfe hatte es keine. Hannah wandte sich mit einem Gefühl von Abscheu und Mitleid von ihm ab.
Der schwarzbärtige Mann ging zu einem eisernen Bratenspieß, der am Südufer des Flusses aufgebaut war, und zog ein langes, scharfes Messer aus seinem Mantel. Die Menschen sahen ihm mit angehaltenem Atem zu. Der Mann klemmte das Schaf zwischen seine Knie und zog mit einer Hand ruckartig den Kopf des Tieres nach hinten. Es blökte jämmerlich. Das Mädchen mit dem Wachsgesicht kicherte. Mit einem zügigen sauberen Schnitt führte der Schwarzbärtige das Messer durch die Kehle des Schafs.
Das Blut ergoss sich wie ein Wasserfall auf das Eis. Ein durchdringender metallischer Geruch stieg Hannah in die Nase. Noch ein Schnitt und das Gedärm quoll wie eine zartrosa Taurolle aus dem Leib des Tieres hervor.
Zwei weitere Männer traten hinzu und zogen dem toten Tier mit geübten Schnitten die Haut ab. Der Kadaver dampfte in der kalten Nachmittagsluft.
Sie steckten das Tier auf den Bratenspieß und schoben ein Becken glühender Kohle darunter. Der Duft von brutzelndem Fleisch erfüllte die Luft.
Langsam dämmerte es. An den Buden wurden Laternen und Fackeln angezündet, die ein behagliches Licht verbreiteten und das Eis auf dem Fluss in glitzerndes Gold tauchten.
Ein Mann setzte eine Fidel ans Kinn und ein anderer begann zu singen:
Zum Frostmarkt, Leute, kommt und
staunt,
hier könnt ihr Wunderdinge schaun.
Wenn die Themse ist vereist,
eilt herbei, kauft, trinkt und speist,
hier einen Kaffee, dort einen Tee,
dann einen Ringeltanz im Schnee.
Mann, Frau und Kind sind hocherfreut,
die Themse friert, Frostmarkt ist heut!
Manche Paare fingen an zu tanzen, aber das Eis war glatt und viele rutschten aus und fielen hin. Der Mann mit dem schwarzen Bart schnitt Bratenstücke aus dem Fleisch.
»Hammel aus Lappland!«, rief er. »Greift zu, Leute. Portion ein Schilling!«
Hannah reichte ihm eine Münze und bekam dafür ein Stück dampfenden, heißen Braten in Zeitungspapier eingeschlagen. Sie kaute eifrig, weil das Fleisch zäh und sehnig war.
Das kleine einäugige Mädchen schlenderte durch die Menge. Es kam an Hannah vorbei und stieß sie beinahe um, hüpfte aber gleich zurück und rief: »’tschuldigung, Frollein! Einen Sechser, bitte!«
Hannah bemerkte, dass sich die Menschen nicht mehr schwatzend um die Buden drängten, sondern nach Osten strömten, wo ein behelfsmäßiges Rundtheater aus Holz auf dem Eis aufgebaut war, das von flackernden Fackeln beleuchtet wurde. Rechts und links vom Eingang standen zwei Männer und kassierten Eintritt. Die Menge schob sich neugierig vor.
»Eine halbe Krone!«, rief der eine. »Eine halbe Krone, dann seht ihr das schrecklichste Untier des nördlichen Polarkreises und seinen furchtbaren Kampf.«
Hannah öffnete ihren Pompadour. Er war leer. Sie sah sich erschrocken um, dann erinnerte sie sich an das kleine Mädchen mit dem Wachsgesicht, das sie fast umgerannt hatte. Es hatte Hannah bestohlen.
Vom Theatereingang waren Schreie zu hören. Ein Mann war mit den Kartenverkäufern in Streit geraten. Er versuchte sich an ihnen vorbeizudrängen, aber sie stießen ihn zurück. In dem Handgemenge preschten die anderen Wartenden nach vorn und stürmten, Hannah mit sich reißend, in das Theater.