DER ÜBERRASCHUNGSCOUP
Im Krankenhaus fand ich Titus’ Bett leer vor. Man teilte mir mit, er sei zu verschiedenen Untersuchungen abgeholt worden. Ich wollte auf ihn warten, doch die üppige Schwester drängte mich zu gehen.
»Nach der Untersuchung braucht er Ruhe«, sagte sie. Ich gab mich geschlagen und machte mich auf den Weg zu dem Café.
Während ich zu Fuß das Ensanche-Viertel durchquerte, fragte ich mich, was mein neuer Freund Valdemar wohl so trieb. Ich konnte ihn mir bei keiner ernsthaften Arbeit vorstellen, wenngleich seine Garderobe nicht den Eindruck erweckte, als sei er knapp bei Kasse. Falls er nicht von einer Erbschaft lebte, musste er wohl irgendeinem Broterwerb nachgehen. Dieser Gedanke beunruhigte mich: Wenn das System sogar einen Typen wie ihn einkassieren konnte, dann war niemand davor sicher.
Von der Kreuzung aus sah ich, dass Valdemar gerade vom Tisch aufstand und sein Manuskript zusammenpackte. Er war schon losgelaufen, als ich ihn einholte. Er grüßte mich, verlangsamte aber nicht den energischen Schritt, also marschierte ich beharrlich neben ihm her.
»Hast du das Stück von Schubert gefunden?«, fragte ich, um etwas zu sagen.
»Das brauche ich nicht mehr«, erwiderte er schroff. »Du hast mir ja gesagt, dass es Trio in Es-Dur heißt. Das war alles, was ich wissen musste.«
»Du wolltest also nur den Namen wissen?«
»Ja. Ich nenne die Dinge gern bei ihrem Namen. Du nicht?«
Während wir die Plaça Catalunya überquerten, musste ich an das Rätsel um Mendelssohns Gondellied denken und erzählte Valdemar davon.
»Eine Hand wäscht die andere«, sagte er, ohne stehen zu bleiben. »Bring mich zu einem Laden und ich helfe dir auf die Sprünge. Ich bin ziemlich gut im Lesen von CD-Covern.«
Unsicher darüber, was er damit meinte, runzelte ich die Stirn, führte ihn aber schnellen Schrittes zu dem Plattenladen.
Schon mit einem Fuß in der Tür, überkam mich ein plötzlicher Reflex, und ich zerrte Valdemar wieder auf die Carrer Tallers hinaus. Er zeigte sich keineswegs überrascht durch mein Verhalten, und wir nahmen unseren Marsch wieder auf.
»Schluss jetzt mit der ganzen Musik«, sagte ich. »Darf ich dich zum Mittagessen einladen? Ich kenne ein gutes Restaurant hier in der Nähe.«
Er nickte schwach, während ich versuchte, meinen Puls zu beruhigen. Ich hatte schon wieder Gabriela in dem Laden gesehen.