10
So kam es, dass ich, die ich immer vor Verbindlichkeiten zurückgeschreckt war, Mark Curtis, einem buchstäblich Fremden, meinen Haustürschlüssel gab und ihm uneingeschränkten Zugang zu meinem Leben gewährte. Da ich den ganzen Tag in der Arbeit war, hatte ich keine Ahnung, wie oft sein verbeulter VW, auf den Hundepfoten und »Wag the Dogs Walk« gemalt waren, neben den glänzenden Audis und Porsches auf dem Parkplatz stand. (Ich hatte dem Tagesportier Anweisung erteilt, Mark durch die Sicherheitsschranke zu lassen, wann immer er auftauchte.)
Ebenso wenig wusste ich, wie viel Zeit Mark mit Fluffy in der Wohnung verbrachte, oder was er tat, wenn er dort war. Manchmal schickte er mir eine SMS, um mir zu versichern, dass alles bestens war. An den Tagen, an denen ich nichts von ihm hörte, machte ich mir den ganzen Nachmittag Sorgen, dass er vergessen hatte zu kommen, und hetzte am Abend panisch zum Workhouse zurück. Aber wenn ich mit Schuldgefühlen, dass ich Fluffy so lange alleine gelassen hatte, die Eingangstür öffnete, war das Geld, das ich Mark am Morgen hingelegt hatte, immer verschwunden, und Fluffy lag wie gewöhnlich in seinem Laufstall zusammengerollt, gefüttert, ruhig, zufrieden und bereit, mit mir zu spielen.
Mark erwies sich als wahrer Schatz. Er schien einfach zu wissen, was Fluffy brauchte, und besorgte es, ohne dass ich ihn darum bitten musste. Als ich zum Beispiel eines Abends, am Ende der zweiten Woche, von der Arbeit nach Hause kam, fand ich einen grünen Gummiball, den ich nie zuvor gesehen hatte. Als ich ihn quer durch das Wohnzimmer warf, sauste Fluffy - seine kleinen Beine nach außen gespreizt, als er komödienreif über das Parkett schlitterte - hinter ihm her, als wäre er darauf trainiert worden. Als ich an einem anderen Tag nach Hause kam, kaute er an einem Hundeknochen mit kleinen Plastiknoppen.
»Habe ihm diesen Designer-Beißknochen in der Tierhandlung am Queen’s Crescent Market gekauft«, stand auf der fast unleserlichen Kugelschreibernotiz, die auf dem Wohnzimmertisch lag.
»Dachte, es würde meine Finger retten - und diese Manolo-Blah-blahs! Hoffe, du hast nichts gegen diese enormen Ausgaben - zwei Pfund fünfzig.« Der Zettel war unterschrieben mit »Fluffy’s Personal-Shopper«.
Am nächsten Morgen ließ ich Extrageld für Mark liegen, zusammen mit einer Nachricht, in der ich ihm für seine Eigeninitiative dankte. Als ich zwei Tage später in den Umkleideräumen stand und einer amerikanischen Produzentin dabei half, sich zwischen einem grünenVera-Wang-Abendkleid, an das sie ihr Herz gehängt hatte, und das sie unbedingt bei der Londoner Premiere ihres Films tragen wollte, und einem gemusterten Issa-Etuikleid, das ihr viel besser stand, zu entscheiden, erhielt ich eine SMS auf meinem Nokia. »Neue Initiative: Habe das Hundeklo vom Bad in den Flur gestellt, in der Hoffnung, dass Fluffy es rechtzeitig genug erreicht, um es zu benutzen. Okay?«
Obwohl sich der Gedanke, dass Mark in mein Bad ging, komisch anfühlte, war ich bald darüber hinweg, und zwar am selben Abend, als Fluffy und ich gemeinsam fernsahen und er plötzlich vom Sofa sprang, in den Flur tapste, in sein Hundeklo kletterte und, zu meiner Verblüffung, hineinpinkelte.
Fluffy blühte und gedieh und alles lief wie am Schnürchen, wie ich Clarissa selbstgefällig berichtete, als sie aus Cornwall anrief, wo James und sie ein Ferienhaus gemietet hatten. Alles dank Mark. In der Tat, mein Hundesitter entpuppte sich mehr und mehr als ein Schatz. Eines Tages schickte er mir eine Nachricht und bot mir an, Fluffy für seinen Check-up zum Tierarzt zu bringen, damit ich mir dafür nicht extra von der Arbeit freinehmen musste. Ein anderes Mal rief er mich aus dem Sainsbury-Supermarkt an, er mache gerade seine Einkäufe, ob ich etwas brauche? Als ich verneinte, wies er mich daraufhin, dass meine Milch im Kühlschrank sauer geworden war und dass mein Waschpulver zu Ende ginge - er hätte das bemerkt, als er unter dem Waschbecken nach etwas gesucht hatte, um Fluffys letzten Unfall aufzuwischen. Als ich nach Hause kam, stand ein Päckchen Waschmittel auf der Theke, ein frischer Milchkarton im Kühlschrank und eine Tüte mit Zahnhölzchen für Hunde neben einem Zettel, auf dem stand: »Ein Geschenk für den Jungen.«
»Hmm. Klingt ein bisschen nach Stalker«, bemerkte Clarissa am Telefon in ihrer üblich zynischen Art. »Ein Typ, der wie Glenn Close in Eine verhängnisvolle Affäre am Ende das Kaninchen in den Kochtopf wirft. Oder in deinem Fall den Welpen. Schnüffelt in deinem Kühlschrank herum und riecht an der Milch. Gruselig.«
»Vielleicht hat er sich nur eine Tasse Tee gemacht«, antwortete ich zu Marks Verteidigung, als ich mich neben Fluffy auf den Wohnzimmerteppich fallen ließ. Er war zu einem Ball zusammengerollt und schlief tief und fest.
Ich hörte im Hintergrund das Zwitschern eines Vogels in Cornwall und wie Clarissa einen Schluck von dem Wein nahm, den sie gerade trank, wie sie mir erzählt hatte.
»Ich bin nicht ganz sicher«, sagte sie misstrauisch, »aber ich glaube, dass Mr.Wag-the-Dog es ein bisschen auf dich abgesehen hat.«
Da ich es auch schon ein bisschen auf Mr. Wag-the-Dog abgesehen hatte, hüpfte mein Herz bei diesem Gedanken. Aber ich war mir sicher, dass das zu schön wäre, um wahr zu sein.
»Unsinn!«, sagte ich, als ich mein Glas Pinot Grigio nahm, das gefährlich nah am Rand des erhöhten Kamins stand.
»Mark schaut mich nicht einmal an.«
»Das liegt vermutlich daran, dass er dich mag. Oder er fühlt sich vielleicht von dir angezogen, weil du ein Miststück bist.«
Sie lachte.
Ich konnte mich immer darauf verlassen, dass meine Freundin mein Selbstvertrauen stärkte.
»Ha, ha, ha, sehr witzig, Clarissa. Vielen herzlichen Dank. Jedenfalls ist meine Beziehung zu Mark rein geschäftlich. Wir kommunizieren lediglich über SMS oder Telefon.«
Sie seufzte wehmütig in den Hörer.
»Klingt perfekt. Vielleicht sollte ich das mal James vorschlagen. Gott sei Dank hat er die Mädchen heute Abend mitgenommen, um den nächstgelegenen Fast-Food-Tempel zu finden. Seit wir hier angekommen sind, haben sie uns damit in den Ohren gelegen. Wenigstens muss ich einen einzigen Abend lang nicht so tun, als wäre ich die Küchenfee, und muss keinen von Nigella’s Feenkuchen zusammenrühren oder einen Shepherd’s Pie machen - oder Konversation mit James.«
»Wieso das denn? Du bist seit Ewigkeiten verheiratet.«
»Wohl wahr. Ehrlich, Annie, wir sind es einfach nicht mehr gewöhnt, so viel Zeit miteinander zu verbringen. Ich schwöre dir, zu Hause reden wir nur noch über die Kinder. Auf dieser Höllenfahrt hierher sind uns die Themen ausgegangen, über die wir reden könnten. Fünf Stunden lang Süßigkeiten, kurze Pausen und Streitereien darüber, welche Kassetten wir anhören würden. Harry Potter und Horrid Henry gegen Kylie oder Danny Kaye, der ›Tubby, die Tuba‹ singt.«
»Ich wäre für ›Tubby, die Tuba<. Und hör’ auf, dich über James zu beschweren - du weißt, dass du ihn anbetest.«
»Ja, das tue ich vermutlich«, gab Clarissa etwas zögernd zu. »So, wie man einen jüngeren Bruder anbetet - so einen, den du jeden Tag am liebsten erwürgen würdest. Ja, natürlich liebe ich ihn. Ich wünschte nur, er wäre nicht so... na ja, so verdammt umtriebig. Er hat so viel Energie für alles - außer für Sex. Ein bisschen Sex wäre nicht verkehrt, das kann ich dir sagen. Immer heißt es: ›Lasst uns pokern!<, oder: ›Wer hat Lust auf Monopoly?<, oder: ›Lasst uns das örtliche Museum über Gnome ansehen!‹, oder: ›Hey ihr, ich weiß was, wir bauen eine Sandburg, die wie Old Bailey aussieht!‹«
Ihre Nachahmung von James traf genau ins Schwarze, und ich begann zu lachen. »Ehrlich, es ist, als ob man mit dem hyperaktiven Leiter einer Pfadfindergruppe zusammenleben würde. Ich sollte Urlaub haben, mich entspannen und verwöhnt werden, aber ich schwöre dir, ich habe hier unten weniger Zeit für mich selbst, als wenn ich in der Arbeit bin. Wenn James und die Kinder, so wie jetzt, aus dem Haus sind, dann ist der Frieden absolut herrlich. Ich sage dir, das ist seit einer Woche der erste Moment, den ich ganz für mich alleine habe. Während wir telefonieren, sitze ich in der Hängematte im Garten und genieße ein gesundes Abendessen aus Chardonnay und Sauerrahm-Schnittlauch-Chips. Perfekt.«
Ich hörte es knirschen, als sie in ihren Chip hineinbiss.
»Wie ist er überhaupt?«
»Wer?«
»Der Hundesitter.«
»Ach...« Ich schluckte meinen Wein hinunter. Aus irgendeinem Grund zögerte ich, Mark Clarissas genauer Überprüfung auszusetzen.
»Ich weiß nicht. Ich habe ihn nur einmal gesehen.«
»Und?« Sie blieb in ihrer gewohnt neugierigen Art hartnäckig.
»Was soll ich sagen? Er ist sehr nett. Groß, dunkel...«
»Und umwerfend gut aussehend?«, unterbrach sie mich mit einem Kichern. Ein weiteres Knirschen folgte.
»Ja, ich schätze schon.«
Sie prustete die Chips aus ihrem Mund und ich wartete darauf, sie mit einem Plumpsen aus der Hängematte fallen zu hören.
»Wirklich?«, fragte sie, nachdem sie die Chips aus dem Hals bekommen hatte.
»Ist er Single?«
»Wie zum Teufel soll ich das wissen?«
»Hast du ihn nicht gefragt?«
»Nein, habe ich nicht. Was hast du erwartet? Dass ich sage: ›Hallo Mark, um welche Zeit holst du heute Fluffy ab und lebst du eigentlich mit jemandem zusammen?< Wahrscheinlich ist er verheiratet. Oder wenigstens in einer festen Beziehung. Wie auch immer, was geht es mich an? Er ist nur mein Hundesitter. Ich habe echt nicht darüber nachgedacht.«
In Wirklichkeit hatte ich darüber nachgedacht - viel häufiger, als ich es mir selbst eingestehen wollte. Hatte es Mark ein bisschen auf mich abgesehen, wie Clarissa es nannte? Und erwiderte ich diese Gefühle? Obwohl seit unserem ersten Treffen unsere Gespräche nie über Fluffy hinausgingen, heiterten unsere kleinen Telefonflirts und die SMSen, die Mark mir schickte, meine Arbeitstage auf. Und nachdem ich über den ersten Schock hinweggekommen war, dass Mark das Hundeklo in den Flur verlegt hatte, fand ich den Gedanken merkwürdig beruhigend, dass er, wenn ich nicht da war, in meiner Wohnung herumstromerte.
Und so hatte ich nichts dagegen, als Mark mich eines Tages Ende August in der Arbeit anrief und fragte, ob er gelegentlich seine Gitarre mitbringen und in meinem Wohnzimmer üben könnte, während er Fluffy Gesellschaft leistete, weil er gebeten worden war, nicht in seiner Wohnung zu spielen. Er dürfe nur nicht meine Nachbarn damit stören.
Als ich an diesem Abend aus Chelsea zurückkam, lag ein Vielen-Dank-Zettel, zusammen mit einem kleinen Strauß Wiesenblumen, den er in Hampstead Heath gepflückt hatte, auf meinem Küchentisch. Die Vase, in der sie locker arrangiert waren, war eines meiner langjährigen Lieblingsstücke - ein rosafarbener, chinesischer Krug, den ich aus Nans Wohnung mitgenommen hatte, als sie vor drei Jahren gestorben war. Da ich sie selten benutzte, war sie ganz hinten in einem meiner obersten Küchenschränke verstaut gewesen. Er musste sehr lange danach gesucht haben, um sie zu finden. Genau genommen gab es keine Möglichkeit, wie er sie entdeckt haben konnte, ohne sich auf die Leiter, die ich im Garderobenschrank im Flur aufbewahrte, zu steigen und gründlich zu suchen.
Am nächsten Tag brachte Mark seine Elektrogitarre mit.
Eine Woche später sagte er, dass es wenig Sinn mache, sie jeden Abend mitzunehmen, nur um sie am nächsten Tag wieder mitzubringen, und so gab ich meine Zustimmung, dass er sie über Nacht bei mir lassen konnte. Seitdem hatte sie ihren dauerhaften Wohnsitz in einem schwarzen Metallständer in der Ecke des Wohnzimmers, zusammen mit Stromkabeln, einem großen Verstärker und einer alten Wills Tabakdose, in der ein Sortiment an Plättchen zum Zupfen lag.
Fluffy wanderte manchmal am Abend zu den Utensilien hinüber und beschnüffelte sie ausgiebig. Offensichtlich reagierte er auf Musik - oder, wie Mark es eine Woche später in einer SMS ausdrückte, »Ruff mag Riff«.
Es war nun Anfang September, und von dem jämmerlichen, kranken Tier, das ich an jenem schicksalhaften Sonntag im Juli aus Camden Town nach Hause gebracht hatte, war nichts mehr zu erkennen. Die kahlen Stellen auf Fluffys Haut waren mit flaumigem Fell bedeckt, sein Durchfall vorbei und seine Lefzen, die von der Schnur der Blechdose wund gerieben worden waren, waren jetzt so weich und rosa und feucht wie seine Zunge. Die Nickerchen in der Sonne auf dem Balkon und großzügige Mengen an Lebertran, die ich ihm in seine Mahlzeiten gemischt hatte, hatten sein Fell glänzend werden lassen und auch die Rachitis war überstanden. Leider hatte er auch dazu geführt, dass Fluffys Atem roch wie fauler Fisch in der Sonne. Obwohl seine Pfoten nach innen zeigten, wie sie es für immer tun würden, waren seine Beine gerader, kräftiger und länger geworden. Reichte er zuvor nur bis zu meinen Fußknöcheln, war sein Kopf nun auf der Höhe meiner Waden. Er schoß in die Höhe wie Unkraut.Wenn er, wie er es oft tat, an meinen Füßen scharrte, um hochgehoben zu werden, hinterließen seine kleinen Krallen Kratzspuren bis zu meinen Knien. Wog er am Anfang gerade mal ein Kilo, zeigte die Welpenwaage des Tierarztes jetzt vier Kilo an.
Aber am schönsten war, dass sein Schwanz nie aufhörte zu wedeln und sein Maul immer offen stand, mit einem Gesichtsausdruck, der wie ein verschmitztes Grinsen aussah.
»Er wirkt, als wüsste er, dass er im Paradies gelandet ist«, bemerkte Mr. McClaw, als ich Fluffy zu seiner letzten Schutzimpfung brachte.
»Wenn ich daran denke, wie er vor einigen Wochen ausgesehen hat - er ist nicht wiederzuerkennen. Glückwunsch!«
Ich wurde rot vor Freude.Wenn es um Styling ging, war Fluffy bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht meine größte Erfolgsgeschichte. Trotz seines strubbeligen schwarz-wei-ßen, in alle Richtungen stehenden Fells, das jeden Tag weniger flauschig und dafür drahtiger wurde, und seiner langen behaarten Ohren, von denen eines zur Decke und das andere umgeklappt zum Boden zeigte, bewegte er sich mit einer eleganten, beinahe verwegenen Haltung. Seine Schnauze war zu einem fuchsartig spitzen Maul gewachsen und sein Schwanz war länger und behaarter geworden. Schwungvoll wie eine Gazelle sprang er in der Wohnung herum und sprudelte nur so vorVerspieltheit.
Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, warf er sich mit so unbändiger Freude auf mich, dass es schien, als ob wir ein Leben lang getrennt gewesen wären. Sonntags - wenn ich den ganzen Tag zu Hause war - lümmelte er mit mir in der Wohnung herum, folgte mir von Raum zu Raum und zerkaute die Zeitungen, sobald ich sie fertig gelesen hatte.Wie ich schien er dabei eine Vorliebe für die Modeseiten zu haben.
Fluffy war noch nicht völlig stubenrein, aber er lernte es langsam. Er hatte verstanden, wozu sein Hundeklo gut war, und die meiste Zeit benutzte er es - selbst wenn er nicht besonders gut zielte, vor allem jetzt, da er beinahe daraus herausgewachsen war. Obwohl ich es, wenn ich zu Hause war, auf den Balkon stellte und es immer sauber machte, sobald er es benutzt hatte, hing immer noch ein schaler Geruch im Apartment. Und es gab viele Unfälle. Genau genommen sehr viele.Vielleicht weil er immer noch so oft gefüttert wurde, schien Fluffy drei- oder viermal am Tag seinen Darm zu entleeren.
»Helena von Troja« nannte ihn mein Vater. »Das Gesicht, das tausend Mal Scheiße schleuderte.«
Jetzt, da er alle Impfungen hatte, durfte Fluffy für richtige Spaziergänge nach draußen - was hoffentlich das Ende des Hundeklos bedeutete und sicherlich das Ende der Hundesitterkosten für Mark, die, obwohl sie angemessen waren für die Zeit, die er hineinsteckte, sich aber zu beträchtlichen neunzig Pfund pro Woche aufsummierten. Wenn ich ein Gästezimmer gehabt hätte, hätte ich für weniger Geld ein Au-Pair-Mädchen bekommen, das sich um Fluffy kümmern würde.
Also rief ich Mark am Sonntag nach unserem Besuch beim Tierarzt an, um unsere zukünftigen Pläne zu besprechen. Obwohl es drei Uhr nachmittags war, klang er verschlafen.
»Habe ich dich geweckt?«, fragte ich ihn nervös.
»Nein, nein«, gähnte er.
»Ich bin schon seit einer guten Stunde wach, bin aber noch nicht aus dem Bett gekommen.«
Ich fragte mich, was ihn dort wohl festhielt.
»Entschuldige, wenn ich dich störe.«
»Tust du nicht. Ich mache nichts. Oder, anders gesagt, ich bin voll damit beschäftigt, mich zu entspannen. Sonntag ist mein Ruhetag. Aber eigentlich wollte ich dich sowieso wegen der Regelung für diese Woche anrufen.«
»Genau das ist der Grund meines Anrufs.«
»Na ja, ich dachte, wir sollten die Dinge nicht übereilen, selbst wenn Fluffy jetzt nach draußen darf. Ehe ich ihn gleich zusammen mit den anderen Hunden mit nach Hampstead Heath nehme, wäre es besser, wenn wir ihn langsam daran gewöhnen, draußen zu sein. Ich denke also, ich sollte immer noch bei dir vorbeischauen, wie ich es gewöhnlich tue, und alleine mit ihm Gassi gehen.«
»Wirklich?«
»Du weißt schon, ihn eine Woche lang oder so daran gewöhnen, an der Leine zu gehen. Jeden Tag ein langer Spaziergang auf der Heide könnte noch zu viel für ihn sein.«
»Vermutlich. Schließlich ist er immer noch klein!«
»Und er könnte von den anderen Hunden eingeschüchtert werden. Weißt du, ich führe an drei Tagen in der Woche einen Rottweiler aus. Und einen riesigen Mastiff an Donnerstagen und Freitagen.«
»Ich verstehe, was du meinst.«
»Eigentlich ist Maisie - der Rottweiler - sanft wie ein Reh. In Wahrheit ist sie ein schrecklicher Feigling. Neulich wurde sie schon von einem winzigen Dackel am Parliament Hill kopfscheu.«
Ich lachte.
»Trotzdem könnte Fluffy von ihrer Größe eingeschüchtert werden.«
»Mmm. Könnte sein. Und auf jeden Fall hast du recht. Ich vermute, dass ein einstündiger Spaziergang ihn erschöpfen könnte«, sagte ich.
»Na ja, wenn es dir nichts ausmacht, die Hausbesuche noch ein wenig zu verlängern...«
»Überhaupt nicht. Stets zu Diensten.«
»Die einzige Sache ist...«
»Ja?«
»In ein paar Wochen werde ich mit einem Spaziergang am Tag auskommen müssen.«
»Oh!«
»Es liegt nur daran, dass...« Ich holte tief Luft.
»Ich sage nicht, dass du teuer bist, Mark - im Gegenteil, ich glaube, dass deine Stundensätze völlig angemessen sind für das, was du getan hast, und ich hätte es sicherlich nicht ohne dich geschafft. Aber ich kann es mir nicht leisten, dir jede Woche so viel zu zahlen und nicht unendlich, nur damit Fluffy nicht alleine ist. Mir gefällt die Vorstellung nicht, ihn so lange alleine zu lassen, aber... Ich dachte, wenn ich früh am Morgen mit ihm rausgehe und er mittags mit dir einen langen Spaziergang macht - glaubst du, dass das genug ist? Ich meine - könnten wir darauf hinarbeiten, jetzt, da er älter wird?«
Am anderen Ende der Leitung herrschte eine lange Stille.
»Es ist so...«, sagte Mark schließlich. »Mir gefällt es, mit dem kleinen Monster herumzuhängen.«
»Er ist hinreißend, oder?«
»Ja. Und dann...«
»Ja?«
»Es geht um meine Musik.«
»Was ist damit?«
»Die Akustik in deinem Wohnzimmer ist etwas Besonderes. Ich finde es wirklich inspirierend, dort zu spielen - der Raum bringt meine kreativen Kräfte auf eine Art und Weise in Schwung wie sonst schon lange nichts anderes mehr. Eigentlich bin ich gerade dabei, beim Komponieren eines neuen Songs mitten ins Schwarze zu treffen.«
»Bist du?«
»Mmm. Eine Blues-ähnliche, jazzige Nummer mit Anklängen an Pop - stell’ dir eine Mischung aus dem Oscar-Peterson-Trio, circa 1959, mit Kylie Minogues Can’t Get You Out Of My Head vor.«
»Das klingt erstaunlich!«
»Yep. Na ja, ohne eingebildet zu klingen - ich denke, damit könnte ich es wirklich schaffen. Es könnte sich sogar gut verkaufen, wenn ich es richtig hinbekomme. Aber es muss noch viel daran gemacht werden.«
»Ich verstehe.«
Ich war gerade dabei, ihm zu sagen, dass ich ihn kaum weiter für das Hundesitting bezahlen konnte, nur damit er in Zukunft in meiner Wohnung komponieren konnte, da kam er schon mit seinem eigenen Vorschlag.
»Also... lass uns darüber nachdenken... wie wäre es, wenn du mich dafür bezahlst, dass ich Fluffy morgens ausführe, und dann komme ich am Nachmittag sowieso ins Workhouse rüber. Ohne Bezahlung, meine ich.«
»Wie? Für nichts?«
»Fluffy wäre nicht die ganze Zeit allein, und als Ausgleich dafür, dass ich ihm Gesellschaft leiste und ab und an mit ihm Gassi gehe, kann ich dort arbeiten.«
Ich verdaute es einen Moment lang.
»Du würdest meine Wohnung also als eine Art Studio benutzen?«
»Ja. Nicht anders, als ich es die letzten paar Wochen gemacht habe. Es wäre doch ein fairer Tausch, was meinst du?«
»Eine Form von Naturaltausch?«
»Ja. Ein Ich-benutze-deine-Wohnung-für-erbrachte-Dienstleistungen-Austausch. Ich kann es mir nicht leisten, etwas zu mieten, nur um darin zu arbeiten. Und du kannst es dir nicht leisten, mir so viel zu zahlen, also macht es Sinn, oder nicht? Und du bist den ganzen Tag weg, daher würde ich dich nicht stören, wenn ich da bin. Und wenn du aus irgendeinem Grund zu Hause bist, und die Wohnung für dich haben willst, nun, dann kannst du mir ja sagen, dass ich mich eine Zeit lang verziehen soll. Und das würde ich. Was denkst du?«
Alarmglocken läuteten in meinem Kopf, aber ich schottete meinen Verstand gegen sie ab.
»Das ist eine interessante Idee.«
»Ja. Ist es. Plus...«
»Ja?«
»Ich könnte mich auch sonst noch nützlich machen.«
Ich stellte fest, dass ich lächelte. »So, wie denn?«
»Na ja, ich könnte für dich einkaufen. Oder den Boden wischen. Die großeYucca-Palme im Wohnzimmer abstauben. Regale aufstellen.«
Ich zwang mich dazu, mit dem Lachen aufzuhören.
»Danke, aber ich habe schon mehr als genug Regale.«
»Das stimmt. Okay, dann könnte ich die Glühbirnen austauschen, wenn sie ausgebrannt sind.«
»Witzigerweise ist genau das die Kleinigkeit, die ich beim Heimwerken selbst hinkriege.«
Nun lachten wir beide.
»Pass auf, wenn es nicht klappt«, sprach er weiter, »dann blasen wir die ganze Sache wieder ab. So einfach ist es.«
Ich holte tief Luft.
»Okay.«
»Okay?« Mark klang überrascht. »Meinst du ›okay, wir blasen die ganze Sache ab< oder ›okay, wir probieren es<?«
»Ich glaube beides.«
»Das ist wunderbar! Verdammt wunderbar, Annie!«
Mark klang begeistert. Und dann fügte er prophetisch hinzu: »Ich verspreche dir, dass du es nie bereuen wirst.«
Das hätte ich mir schriftlich geben lassen sollen.
Wohin mit Fluffy -Getrennt von Tisch und Hund
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