KAPITEL 40 – GUTE NACHT NOVY
Als Janik die Banditen einholte, steckten sie in Novy Sobor fest. Timors Plan, sie aufzuhalten, hatte funktioniert. Sie waren damit beschäftigt, die Straße frei zu räumen und Benzin aus den Autos abzulassen. Den Bus hatten sie weiter hinten geparkt und Janik beobachtete, wie die Männer die verlassenen Fahrzeuge durchsuchten, während Shutov, Alejandro und Vuk über eine Karte gebeugt waren, die sie auf einer der Motorhauben ausgebreitet hatten. Janik hatte sich zwischen einigen Bäumen versteckt. Er wünschte, er würde hören können, was sie besprachen.
Shutov zeigte mit dem Finger auf die Stelle in Novy Sobor, an der sie sich befanden.
„Also, von hier können wir entweder in nördlicher oder in westlicher Richtung zum Flugplatz fahren.“
„Aber mit den ganzen Autos im Weg geht im Moment weder das eine noch das andere“, unterbrach ihn Alejandro.
„Ich will, dass sie weggeräumt werden. Was dauert da so lang?“
„Sie machen ja so schnell sie können.“
„Nicht schnell genug. Wir müssen heute Abend am Flugplatz sein.“
„Ist das machbar, Sir“, fragte Vuk.
„Wenn ich es sage, dann ist es machbar“, antwortete Shutov barsch.
„Alles ist irgendwie machbar. Aber wieso diese Eile?“, sagte Vuk. „Ein weiterer Tag macht keinen großen Unterschied, aber hält uns womöglich am Leben. Schau dir diesen Ort an, er ist sicher. Es gibt Häuser, wir sehen sofort, wenn sich jemand nähert. Außerdem ist es schon später Nachmittag. Zum Flugplatz werden wir es bis zum Abend nicht schaffen.“
„Du willst also, dass wir hier bleiben?“, fragte Shutov herausfordernd.
„Ich will nur die Möglichkeiten aufzeigen. Wir können weiter fahren oder bleiben. Am Ende ist das deine Entscheidung. Ich meine nur, es gibt viele Unsicherheiten, wenn wir weiter fahren und weniger, wenn wir bleiben.“
Alejandro sah sich um und schätzte die Umgebung ab.
„Der Platz hier ist nicht schlecht. Wir könnten heute Nacht in der Scheune neben dem langen Stall dort drüben schlafen. Die Einzäunung sieht ganz in Ordnung aus, die würde die Infizierten abhalten“, sagte Alejandro.
„Außerdem hätten wir dann Zeit, das ganze Benzin aus den Autos zu holen und den Bus zu betanken. Womöglich finden wir sogar genug, dass wir direkt zum Flugplatz fahren können und unterwegs nicht mehr anhalten müssen.“ Vuk sah auf die Karte: „Auf diesem Weg sollten wir morgen am späten Nachmittag dort sein.“ Er zeichnete mit dem Finger eine Route nördlich von Novy: „Auf diesen Feldwegen würden wir zwar langsamer voran kommen, aber es wäre sicherer, weil wir nur durch eine einzige Ortschaft müssten.“
„Aber wieso nach Norden fahren, wenn es Richtung Westen viel schneller geht?“, fragte Shutov.
„Weil es im Norden weniger Möglichkeiten für einen Hinterhalt gibt.“
„Ich sage es gibt mehr Möglichkeiten, nicht weniger. Schau dir an, wie bewaldet die Gegend da ist. Der letzte Hinterhalt war auch in so einer Gegend. Ich stimme zu, dass wir hier übernachten, aber morgen fahren wir nach Westen. Durch Stary Sobor und Kabanino und dann direkt zum Flugplatz. Wir werden auf der Startbahn zu Mittag essen.“
„Wenn du es sagst. Du bist schließlich der Boss“, sagte Vuk und hob die Hände.
„Freut mich, dass du das nicht vergessen hast. Alejandro, sieh dir den Stall und die Scheune an. Ich will, dass das Gelände jetzt gleich gesäubert und gesichert wird, damit wir ein Lager aufschlagen können. Vuk nimm dir Sam und durchsucht die Häuser. Seht zu, ob ihr noch mehr Essen findet, und Möbel als Brennstoff für das Feuer.“
Janik saß in seinem Versteck in den Hügeln und beobachtete die Banditen, bis es zu dämmern anfing. Er sah, wie die Autos zur Seite geschoben wurden, nachdem man das Benzin abgezapft hatte und auch, wie der Bus neben der Scheune geparkt wurde und die Männer die Vorräte ausluden und in die Scheune schleppten. Nachdem er sich sicher sein konnte, dass sie dort die Nacht verbringen würden, stieg er auf sein Fahrrad und fuhr zurück in Richtung Staroye, um alles zu berichten, was er beobachtet hatte.