KAPITEL 39 – GUGLOVO

Janik und Lucas waren gerade dabei, Guglovo zu durchsuchen, als sie den Bus hörten. Das Wrack des Helikopters hatte sich als sehr ergiebig erwiesen. Janik hatte nun eine M4A1 CCO SD, eine schallgedämpfte Version des Sturmgewehrs, das den Absturz verursacht hatte, während Lucas ein M107 Scharfschützengewehr gefunden hatte. Die M107 war als .50 cal für den Einsatz gegen Fahrzeuge und Helikopter gedacht, ein Schuss konnte einen Motorblock zerstören und drang, auch durch leichte Panzerung, bis zum Fahrer eines Wagens durch. Allerdings hatte er nur ein einziges Magazin mit zehn Schuss 12.7x99mm Munition. Deshalb behielt er sie am Rücken und trug stattdessen das normale M4A1 Sturmgewehr.

Guglovo war ein kleines Dorf. Es lag an einem Feldweg, der in flachem Bogen von der Hauptstraße abzweigte, um sie hinter dem Dorf wieder zu treffen. Janik schaltete die Infizierten mit seiner Armbrust aus, während Lucas ihn mit seinem Sturmgewehr deckte. Sein schallgedämpftes Sturmgewehr hätte Janik die Sache leichter gemacht, aber sie hatten entschieden, dass es besser sei, die Munition dafür zu sparen. Glücklicherweise befanden sie sich gerade in einem Haus, das sie nach Nahrung und Wasser durchsuchten, als sie das Motorengeräusch des Busses auf der Hauptstraße hörten.

Beide hielten sofort inne und spähten aus dem Fenster zur Hauptstraße, von wo das Geräusch kam.

„Haben unsere Leute einen Lastwagen in Gang gebracht?“, fragte Lucas.

„Bei Staroye war ein Ural, ich hab ihn gesehen. Aber sie können unmöglich schon dort gewesen sein“, antwortete Janik und sah aus dem Fenster. Lucas spähte aus einem anderen Fenster, auf das freie Feld hinter Guglovo. Aber alles, was er sah, war die Absturzstelle mit dem Helikopterwrack.

„Da“, rief Janik, „da kommt was die Straße rauf.“ Er zeigte auf einen entfernten Punkt. Lucas sah aus demselben Fenster und sah den näherkommenden Bus, der eine kleine Staubwolke hinter sich herzog. „Mist, es ist ein Bus.“

„Diesen Bus hab ich schon mal gesehen. Es sind Shutov und die Banditen. Ich hab dir doch erzählt, wie sie fast von den Soldaten überfallen worden wären.“

„Was machen wir jetzt?“, fragte Janik.

„Wir bleiben außer Sicht und warten, bis sie vorbei sind.“

„Zu spät, die werden schon langsamer!“, rief Janik aus.

„Verdammter Mist“, sagte Lucas, legte seine M4A1 hin und nahm die M107.

 

Vuk entdeckte das Wrack des Helikopters zuerst, als der Bus Richtung Guglovo fuhr. Er erwartete immer noch einen Hinterhalt, deshalb starrte er angestrengt aus dem Fenster, auf der Suche nach einer möglichen Bedrohung. Shutov wollte nicht anhalten, aber nachdem Vuk ihn davon überzeugt hatte, dass es eine Militärmaschine war, ließ er stoppen.

Dieses Mal waren alle wachsam, als sie den Bus verließen. Sie hielten die Gewehre im Anschlag und sahen sich nach möglichen Bedrohungen um. Shutov wies ihnen ihre Aufgaben zu, als auch er ausstieg.

„Butcher, Sam, geht nach vorne und sichert nach Norden und Westen. Passt auch auf Infizierte aus dem Dorf auf. Luther, Harrison, ihr sichert nach Süden und Osten. Vuk, Alejandro, ihr kommt mit mir zur Absturzstelle. Ich will, dass ich euch alle konzentriert und jedes mögliche Ziel meldet. Lasst uns keine Zeit verlieren, wir sind hier ziemlich ungeschützt.“ Shutov prüfte seine CZ550 und ging los zum Wrack, während sich die anderen verteilten.

 

Janik und Lucas beobachteten sie aus dem Haus. „Denkst du die wissen, dass wir hier sind?“, fragte Janik.

„Nein, sie gehen zum Wrack. Was denkst du, wie weit sie entfernt sind?“

„Zwei- oder dreihundert Meter, wieso?“, antwortete Janik.

Lucas stelle sein Zielfernrohr auf 300 Meter ein: „Wir können das jetzt und hier beenden.“

„Lucas nicht, du kannst sie doch nicht einfach erschießen.“

„Und wieso nicht. Die würden mit uns das gleiche tun. So haben sie es mit Mitch gemacht. Ich habe ihn raus geschickt um mit ihnen zu reden und sie haben ihn einfach erschossen.“

„Aber das ist nicht deine Schuld. Du hast ja nicht abgedrückt.“

„Stimmt, aber diesmal drücke ich ab“, Lucas sah, wie Shutov am Wrack stehen blieb. Er hatte ihn genau im Visier und sein Finger klopfte sachte an die Seite des Gewehrs, bereit den Abzug zu drücken.

 

Shutov sah zu, als Vuk und Alejandro das Wrack durchsuchten. „Alle tot“, rief Vuk.

„Wie lang schon?“, fragte Shutov.

„Bei den Infizierten kann ich das nicht sagen. Aber der Kerl, dem der halbe Kopf fehlt und der halb aufgefressene Bordschütze sind schon lange tot“, antwortete Vuk, während Alejandro aus dem Wrack kletterte.

„Nichts drin, Sir“, sagte Alejandro als er wieder draußen stand. „Gut, dann gehen wir zurück zum Bus“, sagte Shutov.

 

Lucas hatte Shutov immer noch im Visier, während Janik auf ihn einredete.

„Hör zu, ich will genauso so sehr wie du, dass sie tot sind. Aber nicht so. Nicht durch einen kaltblütigen Mord.“

„Ach Scheisse, diese Regeln zählen hier draußen nicht.“

„Na gut, aber was ist mit gesundem Menschenverstand? Jeder Schuss macht uns zu einem Ziel für die anderen und für alle Infizierten in der Nähe. Das ist Selbstmord. Sie sind in der Überzahl und sie haben mehr Gewehre. Willst du, dass wir in diesem Kaff unser letztes Gefecht führen, bloß wegen deiner Rache?“

„Hast wohl Angst draufzugehen“, spottete Lucas.

„Allerdings. Wieso - hast du keine?“, antwortete Janik.

Shutov und die anderen Männer gingen zurück zum Bus.

„Siehst du, sie hauen ab. Lass sie fahren und lass uns die Chance zum Überleben.“

 

Die Banditen stiegen wieder ein und Sam schloss die Türen. Er startete den Bus und fuhr weiter, an Guglovo vorbei. Vuk sah zum Dorf hinüber, wo er einige Infizierte ausmachen konnte. Aber er sah keine verlassenen Fahrzeuge.

 

Sobald sie weg waren, stürzte Janik hinaus und sprang auf sein Fahrrad.

„Wo willst du hin?“, fragte Lucas.

Ich fahre ihnen nach und finde raus, wohin sie fahren. Geh‘ du einfach auf der Hauptstraße in die andere Richtung. Nach zwei Kilometern kommt ein Ort namens Staroye. Dort gibt es keine Infizierten mehr, du wirst also problemlos durchkommen. Warte an der Tankstelle auf der anderen Seite auf Robert und die Gruppe. Erzähl Robert von dem Ural unweit der Tankstelle, der sollte das Ding eigentlich in Gang kriegen. Dann sollen alle hierher nach Guglovo fahren und das Nachtlager aufschlagen. Ich komme hierher zurück. Falls ihr bei Sonnenuntergang noch nicht da sein solltet, fahre ich weiter nach Staroye.“

„Verstanden. Wirst du zurechtkommen?“, fragte Lucas.

„Mach dir um mich keine Gedanken. Ich komme zurecht.“ Er radelte los, blieb aber stehen und wandte sich um: „Lucas, danke dass du vorhin nicht geschossen hast.“

Lucas nickte und Janik nickte zurück, bevor er die Straße hinunterfuhr, dem Bus der Banditen hinterher.

 

Survivors and Bandits - Ein DayZ Roman
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