KAPITEL 48 – VERHANDLUNGEN

Robert besah sich das Cockpit des UH1H Helikopters und seufzte. Es bestand aus einem unübersichtlichen Wirrwarr von Anzeigen, Skalen und Schaltern vor den beiden Pilotensitzen, von denen jeder einen eigenen Steuerknüppel hatte. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was die Anzeigen bedeuteten, aber glücklicherweise war es ein amerikanischer Helikopter und die Beschriftungen waren in Englisch. Es kletterte in einen der Sitze und betrachtete die Instrumente.

Bald entdeckte er eine Anzeige, auf der ‚Treibstoff‘ stand. Die Nadel stand auf 3000lbs. Robert klopfte ein paar Mal an das Glas, aber die Nadel bewegte sich nicht.

„Gut, gut“, murmelte er, und betrachtete die anderen Instrumente. Einige waren tot, andere zeigten etwas an, das er nicht verstand, aber das meiste war für ihn wie Chinesisch. Robert legte ein paar Schalter um, aber nichts passierte und so stellte er sie wieder zurück.

Er stand auf und quetschte sich nach hinten in die Kabine, wo er die Sitze zählte. Der Helikopter bot Platz für acht Personen, einschließlich der beiden Piloten und der beiden Bordschützen. Er sprang aus der Kabine und murmelte vor sich hin.

„Wir sind sechs, aber es gibt acht Sitze, das sollte helfen.“

„Helfen wobei?“, fragte Janik.

„Das erkläre ich dir später. Jetzt müssen wir ihn erstmal irgendwie in den Hangar bringen. Ich bleibe hier und passe auf die Infizierten auf. Du nimmst Pablo und Joseph, dann bringt ihr den Heli-Dolly her und wir ziehen ihn in den Hangar.

„Also funktioniert er?“

„Der Heckrotor scheint kaputt zu sein, aber wenigstens hat er Treibstoff, das ist ein gutes Zeichen. Ich möchte ihn erst sicher im Hangar haben, bevor ich ihn mir genauer ansehe, aber der Heckrotor ist ein Problem.“

„Kannst du ihn reparieren?“

„Mit Hilfe, sicher. Aber nicht hier draußen.“

Janik nickte und lief zurück zum Hangar.

„Verdammt, verdammt, warum kann hier nicht auch mal etwas einfach sein?“, murmelte Robert. Er sah wie Janik zu Pablo ging. Jetzt bin ich für ihr Leben verantwortlich, für alle – wie kommt das denn plötzlich? fragte er sich selbst.

Robert zog ein Funkgerät aus der Tasche, das er im UAZ gefunden hatte und schaltete es ein. Er ließ es auf der Frequenz, die bereits eingestellt war, und nahm seinen ganzen Mut zusammen. Dann hielt er es ans Ohr und sprach in das Mikrofon.

„Shutov! Shutov, hörst du mich?“ Robert wartete auf eine Antwort. „Shutov! Shutov, hörst du mich?“

 

Roberts Stimme drang aus dem Funkgerät an Olegs Leiche und auch aus dem, das Alejandro Grigory abgenommen hatte. Shutov hörte seinen Namen und hörte auf, auf die Landkarte zu starren.

„Shutov! Shutov, hier spricht Robert, hörst du mich?“

Shutov wandte sich um zu Alejandro, der das Funkgerät im Rucksack hatte.

„Gib mir das Funkgerät“, befahl er. Alejandro fischte es aus seinem Rucksack und gab es Shutov. „Geh zu den beiden Leichen und hol dir auch ihre Funkgeräte.“

Alejandro nickte und lief los zu Olegs Leiche. Shutov winkte Pavel zu sich.

„Was haben diese Funkgeräte für eine Reichweite?“

„Ungefähr vier Kilometer, hier vielleicht ein bisschen weniger, wegen der Hügel rundherum.“

„Habt ihr noch andere Männer da draußen?“

„Nein, ich hab dir gesagt, ich bin der Letzte meiner Einheit, alle anderen sind tot. Aber ihre Funkgeräte waren im Wagen.“

„Shutov, ich will mit dir reden“, drang es aus dem Funkgerät. Shutov nahm das Funkgerät und sprach hinein.

„Weißt du, Robert, wenn man in ein Funkgerät spricht, gehört es sich, dass man am Ende ‚over‘ sagt. Over“, spöttele er.

„Rate mal, was ich mir gerade ansehe, Shutov.“

„Ah, ah, ah, du hast schon wieder das ‚over‘ vergessen. Aber egal, ich rate mal: Du siehst dir gerade deine Männer an, die bald tot sein werden, over.“

„Oh, da täuschst du dich. Ich bin am großen Flugplatz, Shutov, und ich weiß alles über den Helikopter, der hier steht. Ich löse gerade meine Fahrkarte hier raus, aber leider brauche ich deine Hilfe.“

Die Männer, die zuhörten, gerieten außer Rand und Band und begannen, wild durcheinander zu reden. Shutov schnippte mit dem Finger um sie zur Ruhe zu bringen. Durch das Funkgerät fuhr Robert fort.

„… und darum sprechen wir miteinander, wir beide wissen, was ich brauche. Schick mir Sam, um den Hubschrauber zum Laufen zu bekommen, dann verhandeln wir darüber, wer zuerst nach Hause fliegen wird.“

Shutov dachte über Roberts Angebot nach und alle schauten auf Sam. Vuk, der neben ihm stand, lehnte sich zu ihm.

„Warum will er ausgerechnet dich?“

„Bevor ich auf dem Schiff angeheuert habe, bin ich aus der Luftwaffe entlassen worden.“

„Und?“

„Meine militärische Qualifikation war Hubschraubermechaniker. Vermutlich denken sie, dass ich der Einzige bin, der das Ding reparieren kann.“

Shutov sah, wie Sam und Vuk miteinander sprachen.

„Und warum sollte ich meinen einzigen Trumpf aus der Hand geben?“

„Sieh mal, der Helikopter hat Platz für acht, aber wir hier sind nur zu sechst. Wenn du Sam schickst und wir den Helikopter reparieren können, gebe ich dir zwei Plätze, so dass du vier deiner Männer ausfliegen kannst.“

Die Unruhe unter den Männern nahm wieder zu und sie fingen an zu reden und zu rufen, untereinander und an Shutovs Adresse. Dieses Mal konnte Shutov sie nicht mit einem Fingerschippen zur Ruhe bringen. Er hielt das Funkgerät hin, um das Geschrei zu übertragen.

„Hörst du das? Wie kannst du von uns erwarten, dass wir vier Männer auswählen und den Rest zum Sterben hier lassen?“

„So wird es aber nicht sein. Diejenigen, die abfliegen, werden Hilfe holen. Sie werden jemand schicken, der die Übrigen nachkommen lässt.“

„Wieso sollten wir das glauben?“, fragte Shutov.

„Weil ich einer der beiden sein werde, die hier bleiben. Wenn wir zusammenarbeiten, anstatt uns zu bekämpfen, können wir hier draußen überleben.“

Shutov sah seine Männer an. Jeder wollte bei denen sein, die zuerst nach Hause fliegen würden.

„Der Haken ist, dass auch du hier bleiben musst. Wie ich das sehe, bis du jetzt der Kapitän des Schiffs, also musst du es auch als Letzter verlassen.“

Gut gespielt, grübelte Shutov, wie kann ich jetzt noch sagen, dass ich bei der ersten Gruppe sein werde.

 

„Ich muss das mit meinen Männern besprechen bevor ich dir eine Antwort geben kann.“

„Kein Problem, aber während du überlegst, sollte Sam anfangen, den Hubschrauber zu reparieren, damit wir keine Zeit verschwenden. Sag ihm er soll um 16:00 mit einem Funkgerät am südlichen Ende der Rollbahn sein. Er muss alleine und unbewaffnet kommen. Du hast mein Wort, dass ihm nichts geschehen wird.“

„Wie soll er denn in dieser kurzen Zeit dorthin kommen? Da ihr unseren Bus zerstört habt, haben wir kein Transportmittel mehr.“

„Er kann doch Alejandros Motorrad nehmen.“ Robert machte eine Pause: „Du hast nicht erwartet, dass wir davon wissen, nicht wahr? Und was die anderen betrifft, wir haben einen gelben Ural in eurer Nähe stehen, mit dem könnt ihr hierher fahren.“

„Ach tatsächlich?“, sagte Shutov und blickte auf den Ural vor ihm.

„Ja, aber ich sage dir nicht wo, bevor der Helikopter repariert ist. Wir reden weiter heute um 16:00. Und keine Tricks. Wir überwachen den Flugplatz und Lucas wird mit der .50cal bereit stehen. Sam, alleine, unbewaffnet, 16:00.“

„Wie es scheint, hast du alle Trümpfe in der Hand.“

„Nein, Shutov. Du hast sie. Du hältst unser aller Leben in deinen Händen. Ich habe dir mein Wort gegeben, jetzt gib mir auch deines.“

„Wie ich schon sagte, ich werde mit meinen Männern reden und dann melde ich mich bei dir. Over and out“, und damit schaltete Shutov das Funkgerät ab, noch bevor Robert antworten konnte.

 

Robert schrie in das Funkgerät: „Shutov! Shutov! Du verdammter Mistkerl.“ Er schaltete das Funkgerät ab und steckte es in seinen Rucksack. Janik, Pablo und Joseph waren mit einem großen Helikopter Dolly zurückgekommen, der unter die Kufen geschoben wurde, damit man den Hubschrauber am Boden bewegen konnte. Sie hatten den größten Teil des Gesprächs mitbekommen.

„Das willst du doch nicht wirklich durchziehen?“, fragte Janik.

„Was haben wir denn für eine Wahl. Ohne Sam ist der Helikopter für alle nutzlos.“

„Sicher, aber es geht um Shutov, man kann ihm nicht trauen.“

„Janik, glaub mir - die Menschen sind nicht von Natur aus schlecht, nicht einmal Shutov.“

„Ich hoffe, du hast recht. Denn du hast unser Leben aufs Spiel gesetzt, als du im gesagt hast, dass wir hier sind.“

„Ich weiß das, Janik. Aber wir werden dieses Risiko eingrenzen, so gut wir können. Als erstes bringen wir den Helikopter außer Sicht, dann gehen wir den Plan für heute Nachmittag durch.“

 

Survivors and Bandits - Ein DayZ Roman
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