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Honey hatte wenig Lust, als Eisklotz nach Bath zurückzukehren, und bat Steve, das Verdeck seines Flitzers zu schließen. Er zog eine Grimasse. »Honey, das ist ein Sportwagen. Da muss man beim Fahren den Wind in den Haaren spüren.«

»Und wenn ich bitte, bitte sage?«

»Ist dir kalt?«

»Eiskalt.«

»Das kommt davon, wenn man zu viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringt. Du solltest mehr an die frische Luft.«

»Und joggen? Tut mir leid, ich kenne keine Blondinen.«

»Und mir tut leid, dass ich dir nichts von meinem Training mit Karen erzählt habe.«

Sie dachte darüber nach. »Das habe ich ohnehin gewusst.«

Er schaute sie verständnislos an.

Dazu konnte sie nicht viel sagen. Sie waren ja kaum ein Paar, überlegte Honey, nur Arbeitspartner – Verbündete im Kampf gegen das Verbrechen.

Sie versuchte ihn mit interessanten Tatsachen abzulenken. »Die Dokumente, die sie hätten vernichten sollen, stammten von einer lokalen Baufirma. Es sieht ganz so aus, als planten die, Häuser auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle zu bauen.«

»Für irgendjemanden sind solche Informationen sicher sehr wertvoll.«

Honey runzelte die Stirn. »Wenn einem so ein Gelände gehört, das erschlossen wird, könnte man damit Millionen verdienen.«

»Locker.«

Honeys Haar wehte im Wind. »Mensch, bin ich froh, dass ich keine Perücke trage«, grummelte sie. Sie zwang sich, über die |236|Angelegenheit nachzudenken. Zumindest war sie dank der vielen frischen Luft ganz klar im Kopf.

»Ich denke, wir könnten noch einmal zu Simon Taylors Mutter gehen. Vielleicht hat sie eine Ahnung, wo er sein könnte. Es sei denn, er hat sich aus einem Grund den Tag frei genommen, den er ihr nicht verraten will.«

»Also tappen wir weiter im Dunklen.«

»Sieht ganz so aus.«

Je näher sie der Stadt kamen, desto schweigsamer schien Steve zu werden.

»Hörst du mir überhaupt zu?«, erkundigte sich Honey, nachdem sie ihm die neuesten Neuigkeiten über den Laden ihrer Mutter erzählt hatte.

»Tut mir leid. Du hast etwas von einem Laden gesagt.«

»Meine Mutter wäre mit dem Second Hand Rose beinahe in den leeren Frisiersalon neben dem Hotel eingezogen. Da musste ich schnell was unternehmen. Cameron Wallace hat mir meine Mutter vom Hals geschafft. Die Aussicht, sie gleich um die Ecke zu haben, war einfach zu viel für mich. Das wäre beinahe so schlimm gewesen, als hätte sie sich bei mir zu Hause eingenistet. Zwei Königinnen in einem Bienenstock. Da hätte es ernsthafte Machtkämpfe gegeben.«

»Also, das mit dem Laden ist jetzt geklärt. Mit der Wohnung hat sie aber kein Problem?«

»Gott sei Dank nicht!«

Dem Herrn sei Dank für kleine Gnaden. Ihre Mutter hatte eine sehr schöne Wohnung, die sie nur mit Schränken voller Schönheitsmittelchen teilte. Der letzte Schrei war eine Karottenmaske in Quietschorange. Honey hatte gemeint, das sei ideal für Halloween. Da bräuchte man keinen Kürbis auszuhöhlen.

»Wallace hat das Second Hand Rose doch aus dem Laden in der Milsom Street rausgeworfen, wo sie Klamotten verkauft haben?«

»Klamotten! Lass sie das bloß nicht hören! Designer-Mode aus zweiter Hand! Schau mal, da ist es!«

Steve verlangsamte den Wagen, als sie am alten Laden ihrer |237|Mutter vorbeikamen. Honey sah über der Tür schon einen neuen Namen prangen.

»Die nächsten Pächter sind schon eingezogen.«

»Was verkaufen die denn?«

»Ich bin mir nicht sicher. Der Laden nennt sich ›Teddyitis‹. Gestern Abend habe ich übrigens wieder den Typen mit dem Motorrad gehört«, sagte sie und wechselte das Thema. »Als ich das Fenster oben im Treppenhaus zugemacht habe. Das Motorrad hat in der Nähe angehalten. Bis ich allerdings meinen Kopf aus dem Fenster gestreckt hatte, war es schon weg.«

Steve Doherty verzog das Gesicht. »Oh, ich habe vergessen, dir das zu sagen. Warren Price haben wir geschnappt. Wir haben einen Zeugen für den Überfall auf Karen. Der kann es also nicht gewesen sein.«

»Du hast vergessen, es mir zu sagen!«

»Wie geht es mit der Diät?«, erkundigte er sich angelegentlich, in der Hoffnung, sie abzulenken.

Sie warf ihm einen bitterbösen Blick zu. »Was soll das denn nun heißen?«

»Nichts. Ich habe nur wissen wollen, was deine Diät macht.«

»Willst du damit andeuten, dass ich zu dick bin?«

Er schüttelte mit Nachdruck den Kopf. »Nein! Nein, nein, keineswegs!«

»Ich habe diese Woche noch mal zwei Pfund abgenommen.«

»Toll!«

»Und das Joggen?«

»Habe ich aufgegeben. Plattfüße.«