Kapitel 3

Heilmittel

Seit wie vielen Stunden laufe ich jetzt schon durch dieses Labyrinth aus

schwarzen Gängen? Von meinem Ziel, weshalb ich so tief in dieses unübersichtliche Grenzgebiet eingedrungen bin, habe ich immer noch keine Spur entdeckt. Langsam kommt mir der Verdacht, an der falschen Stelle zu suchen. Hier schließt nur ein schwarzer Gang an den nächsten an, vielleicht laufe ich sogar im Kreis.

Es ist zum Verrücktwerden!

So oder so, es wird Zeit, dass ich mich zurückziehe. Erstes Sonnenlicht sickert ein, zerfrisst die Konturen der Gänge, und wenn ich nicht achtgebe, wird es das Gleiche mit mir tun.

Ich drehe mich um, weg vom Morgenlicht … und sehe sie vor mir stehen. Nicht mehr als ein Schemen, trotzdem weiß ich, dass es sich um eine Frau handelt. Nicht um irgendeine Frau. Nein. Für mich ist sie DIE Frau, auch wenn ich ihr wahres Aussehen niemals kennengelernt habe. In den Träumen, in denen sie mich besucht hat, ist ihr Aussehen jedes Mal ein anderes gewesen.

»Du hast dir den falschen Traum ausgesucht, mein Herz. Hier gibt es nichts zu holen«, weist sie mich zurecht. Ihre Stimme ist ein Echo, das durch die Unzahl der Gänge bis zu mir gelangt ist. Vollkommen verzerrt und so laut, dass ich befürchte, der Schall könnte mich zerreißen. Nichtsdestotrotz erkenne ich die Stimme wieder, würde sie jederzeit und überall erkennen. Noch immer höre ich ein Nachhallen der verführerischen Worte, mit denen sie mich in diese Welt gelockt hat.

»Dein Traum hat mir nichts zu bieten«, stimme ich ihr zu. Es fällt mir schwer, mich auf meine eigenen Worte zu konzentrieren. Das Tageslicht kommt näher, ich kann sein Zündeln an den Rändern des Traums wahrnehmen. Es riecht nach verbrannter Myrte. »Ich bin aus einem anderen Grund hier: Ich brauche deine Hilfe, weil ich sonst zerbreche.«

Der Schemen lacht, ein Geräusch wie zerberstendes Glas. »Du brauchst meine Hilfe nicht.

Hilf dir selbst, indem du deine Rechnung dafür begleichst, in Träumen wandeln zu können.«

»Ich weiß aber nicht, wie!«, brülle ich meine Verzweiflung heraus.

Zu spät.

Der Schemen weicht vor dem anbrechenden Tag zurück und verschmilzt mit der Wand, ehe ich ihn zu fassen bekomme. Sogleich fährt ein Ruck durch meine Glieder und kündigt das Zusammenbrechen des Labyrinths an. Die Grenze zwischen Traum und Realität beginnt sich aufzulösen.

Ich muss loslassen. Sofort!

Doch wer lässt schon freiwillig seine letzte Chance los?

Die einbrechende Decke droht auf mich zu stürzen. Ich falle auf den Rücken, spüre Schmerz. Meine Augen fangen zu tränen an, als ein Lichtstrahl naht. Doch bevor er die Decke auslöscht, bannt er die Schwärze und offenbart mir einen Spiegel. Aber der Spiegel zeigtnicht mein vor Angst verzerrtes Gesicht, sondern eine Stadt am Meer.

Ich erkenne sie.

»Danke«, sage ich noch rasch, dann flüchte ich vor dem Erwachen.

Dämonen-Reihe Bd. 4 Traumsplitter
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