19

«Stell dir vor, der Bodensee ist zugefroren!»

Catharina stand am offenen Herdfeuer in der Küche, um sich die Hände zu wärmen, während sich Benedikt das Wams zuschnürte. Nach wochenlangem Schneefall hatte ein Frost eingesetzt, wie ihn die Menschen aus der Gegend noch nicht erlebt hatten. Die Welt bestand nur noch aus Schnee und Eis. Das Mehl wurde wieder einmal knapp, da die wassergetriebenen Mühlen stillstanden, und selbst im Hause Bantzer mussten Eicheln und Hafer ins Brot gemischt werden.

«Ist ein gefrorener See etwas Besonderes bei dieser Hundekälte?», fragte Benedikt.

«Weißt du denn nicht, wie riesig der Bodensee ist? Er ist so groß wie ein richtiges Meer, du kannst das andere Ufer nicht sehen, so weit weg ist es. Und jetzt kann man zu Fuß oder sogar mit dem Wagen in die Schweiz hinüber.»

«Aha», lachte er. «Da sieht man wieder, wie dumm ich bin. Ich dachte, der Bodensee sei ein Weiher draußen bei euch in Lehen.»

Catharina sah ihn prüfend an. Sie konnte manchmal nicht einschätzen, ob er sie auf den Arm nahm oder etwas tatsächlich nicht wusste.

Benedikt küsste sie. «Wenn es nicht so kalt wäre und du meine Frau wärst, würden wir uns gleich auf den Weg machen und quer über den See laufen. Aber leider ist alles ganz anders, und ich muss wieder in die Werkstatt hinunter.»

Er legte seine Lederschürze an, die sie als Unterlage auf dem Fußboden ausgebreitet hatten, und klopfte leise dreimal gegen die Tür zum Esszimmer. Barbara öffnete die Tür von außen: «Ihr könnt heraus, es ist niemand da.»

Catharina fand diese Zeremonie nach wie vor entwürdigend, aber das Stelldichein in der Küche unter der wachsamen Obhut von Barbara und Elsbeth war im Moment für sie die einzige Möglichkeit, sich allein und ungestört zu treffen. Catharina dachte mit Sehnsucht an den Frühling, wenn die Tage wieder länger sein würden und sie sich in Benedikts Zimmer sehen konnten.

Doch die bittere Kälte hielt noch lange an. Die Armen, die kein Obdach in den Spitälern und Armenhäusern fanden, liefen Gefahr, auf offener Straße zu erfrieren. Harmlose Erkältungskrankheiten ließen die Geschwächten wie Fliegen dahinsterben. Da die Erde eisenhart gefroren war, konnten die Leichen nicht bestattet werden und mussten in eigens dafür errichteten Hütten draußen vor der Stadt gelagert werden. Seit zweieinhalb Jahren spielte das Wetter nun schon verrückt, und inzwischen erreichte der lange Arm des wirtschaftlichen Niedergangs auch die reicheren Bürgerhäuser.

Wegen der schlechten Auftragslage war Michael jetzt häufiger als sonst in der Werkstatt oder im Haus. Von den wenigen Kundenbesuchen abgesehen, verließ er das Haus nur noch für die wöchentlichen Zunftversammlungen. Catharina vermutete, dass ihm seine Geliebte davongelaufen war, denn er wirkte unzufriedener und unruhiger denn je. Hinzu kamen seine Sorgen um die Werkstatt. Um niemanden entlassen zu müssen, zahlte er jetzt weniger Lohn aus, was alle ohne Murren hinnahmen. Aber wie lange konnte das gut gehen?

Auch Catharina hatte jetzt erheblich weniger Geld zur Verfügung, und Barbara und Elsbeth verzichteten freiwillig auf ihr Taschengeld. Michael suchte zunächst nach Auftraggebern in den Nachbarorten, reiste nach Breisach, Emmendingen und Waldkirch. Vergeblich. Außer einer Menge Unkosten kam nichts dabei heraus. Viele seiner Zunftgenossen suchten Hilfe bei Gott. Sie ließen Messen für sich lesen, unternahmen Wallfahrten oder spendeten großzügig an die Kirche. Doch obwohl Michael von einer streng katholischen Mutter aufgezogen worden war, hielt er ebenso wenig wie Catharina von den Ritualen und Heilsversprechungen der Kirche.

Er begann zu trinken. Um nicht seinen Ruf als Zunftmeister zu gefährden, trieb er sich in den unterschiedlichsten Vorstadtschenken herum, wo ihn, wie er hoffte, niemand kannte.

Michaels unregelmäßige Anwesenheit im Haus barg ein großes Risiko für Catharinas Verabredungen mit Benedikt. Bisher war es einfach gewesen: Catharina wusste immer mit ziemlicher Sicherheit, wann ihr Mann nach dem Mittagessen außer Haus zu tun hatte und wann in der Werkstatt. So konnte sie, wenn eine der Frauen den Angestellten das Essen hinüberbrachte, eine Nachricht mitgeben. Da die Gesellen auch hin und wieder im Lager- oder Verkaufsraum des Vorderhauses zu tun hatten, dachte sich wohl niemand etwas dabei, wenn Benedikt ab und zu über den Hof ging.

An diesem wolkenverhangenen Februartag hatte er es besonders eilig und stürmte, zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinauf, wo Catharina in der Diele auf ihn wartete. Sie fielen sich in die Arme. Seit zwei Wochen schon waren sie nicht mehr zusammen gewesen, da Michael wegen eines verstauchten Fußes das Haus hatte hüten müssen. Heute sollte er mit Siferlin unterwegs sein, um Geld von säumigen Kunden einzutreiben.

«Endlich», murmelte Benedikt und zog Catharina in die Küche. Ungestüm nahm er sie in die Arme, als draußen plötzlich ein Tonteller zu Boden krachte. Das war das Zeichen für höchste Alarmbereitschaft. Hastig legte er seinen Schurz um, der zu Boden geglitten war, als sich auch schon die Tür öffnete und Michael mit Siferlin eintrat.

«Was machst du hier mitten in der Arbeitszeit? Habt ihr jetzt alle nichts mehr zu tun?», herrschte er Benedikt an und blickte dann misstrauisch zu Catharina, die sich am Herdfeuer zu schaffen machte und hoffte, dass Michael ihre zitternden Hände nicht bemerkte.

«Ich habe Barbara gefragt», entgegnete Benedikt ruhig, «ob sie uns nicht etwas heißen Kräutertee zubereiten kann. Die Hälfte der Männer ist stark erkältet.»

«So ist es. Und wenn Ihr erlaubt, werde ich einen großen Krug hinunterbringen.» Barbara war hinter den Männern in die Küche getreten und machte sich wie selbstverständlich daran, einen Topf mit Wasser aufzusetzen.

Michael brummte etwas Unverständliches und ging an den Vorratsschrank, dem er eine Flasche Selbstgebrannten entnahm. «Es wird spät heute, ihr braucht mit dem Abendessen nicht auf mich zu warten.»

Die ganze Zeit über hatte Siferlin Catharina durchdringend angesehen, und sie musste sich zwingen, ihren Blick nicht abzuwenden. Als die beiden Männer die Küche verließen, sagte Siferlin so laut, dass es alle hören konnten: «An Eurer Stelle würde ich auf Euren Haushalt ein wachsameres Auge werfen.»

«Diese Giftschlange», schimpfte die Köchin, nachdem sie die Tür zugeworfen hatte.

Catharina saß der Schreck noch in den Gliedern. «Eins ist klar: Im Haus dürfen wir uns nicht mehr treffen. Wobei ich mehr Angst vor Siferlin habe als vor meinem Mann. Benedikt, wir müssen warten, bis die Abende heller werden und ich wieder zu dir kommen kann.»

Stöhnend legte er seinen Kopf auf ihre Schulter. «Das halte ich nicht aus!»

Dann strich er Barbara unbeholfen über die rosigen Wangen. «Danke! Ich gehe jetzt besser. Bringst du mir dann den Kräutertee?»

Barbara nickte.


In den nächsten Wochen trafen sich Catharina und Benedikt nur noch zufällig im Hof oder im Haus. Anfang April, es hatte endlich Tauwetter eingesetzt, stellte Catharina fest, dass ihre Blutungen schon zum zweiten Mal ausgesetzt hatten. Beim ersten Mal war Catharina nicht sonderlich beunruhigt gewesen, denn sie war fest davon überzeugt, dass sie unfruchtbar sei, seitdem sie sich damals als junges Mädchen von der Hebamme Gysel hatte behandeln lassen. Dabei war sie trotz allem immer vorsichtig mit Benedikt gewesen, denn sie wusste, dass es zwischen den Blutungen eine gefährliche Zeit gab, und an diesen Tagen hatten sie sich auf andere Weise Vergnügen bereitet. Jetzt aber spannten auch ihre Brüste, und es gab für sie keinen Zweifel mehr: Sie war schwanger.

Es dauerte Tage, bis sie wirklich begriff, was mit ihr geschah. Sie, die sich immer eine große Familie gewünscht hatte, trug ein Kind im Leib und durfte es nicht zur Welt bringen. Wenn sie wenigstens hin und wieder mit Michael geschlafen hätte – sie hätte keine Skrupel verspürt, es zu seinem Kind zu erklären. Aber so? Es gab keinen anderen Weg, als sich von diesem Wesen, das in ihr heranwuchs, zu trennen. Und niemand durfte etwas davon erfahren. Verzweifelt weinte sie sich nachts in den Schlaf.

Nachdem die Frühjahrssonne die verschlammten Wege einigermaßen getrocknet hatte, machte sie sich auf nach Lehen. Dem Wächter am Tor musste sie angeben, wohin sie gehen wolle. Es sei in letzter Zeit wieder zu Überfällen gekommen, erklärte er, und er habe dafür zu sorgen, dass sich niemand allein auf die Landstraße wagte. Sie wartete, bis sich eine Gruppe von Bauern und Trödlern zusammengefunden hatte, und marschierte mit ihnen los. Ihr war flau im Magen, und sie wusste nicht, ob das von der Schwangerschaft herrührte oder von der Angst vor dem, was auf sie zukam.

Marthe und Christoph waren glücklich, sie nach so vielen Wochen endlich wiederzusehen. Sie ließen ihre Arbeit liegen und führten sie in die Küche. Catharina fragte nach Moses, der nicht zur Begrüßung erschienen war.

«Er ist vor zwei Wochen gestorben», sagte Marthe. «Er war ja schon alt, und plötzlich konnte er kaum noch laufen.» Sie erzählte, wie er eines Abends unbedingt in die Küche wollte, was sonst nicht seine Art war, und sich dicht neben das Herdfeuer legte. Die Köchin wollte ihn hinausjagen, aber Marthe ahnte, dass er zum Sterben gekommen war. Sie bettete ihn auf einen alten Sack und streichelte ihn so lange, bis er mit einem kleinen Seufzer die Augen schloss.

«Ich glaube nicht, dass er Schmerzen hatte.»

Da fing Catharina an zu weinen. Es war nicht Moses’ Tod, der sie die Fassung verlieren ließ, sondern alles zusammen. Sie fühlte sich unsagbar allein, konnte niemandem von ihren Sorgen und Ängsten erzählen.

Erschrocken legte Christoph den Arm um sie. «Aber Cathi, sei doch nicht traurig. Er hatte ein so schönes Leben wie kaum ein anderer Hund im Dorf.»

Sie wischte sich verstohlen die Tränen weg und versuchte zu lächeln. «Ist schon gut. Ich bin im Moment einfach ein bisschen schwach. Wahrscheinlich war ich in letzter Zeit zu wenig an der frischen Luft. Wie geht es Lene und ihrem kleinen Buben?»

«Gut. Stell dir vor, sie kommen diesen Sommer zu Besuch. Wir haben den Kleinen ja auch erst einmal gesehen, letztes Jahr. Da konnte er noch nicht einmal krabbeln.»

«Wie schön, dass sie kommt. Ich habe sie schon so lange nicht mehr gesehen. Wo ist eigentlich Sofie?»

Marthe zögerte und warf einen kurzen Blick auf ihren Sohn. «Der harte Winter hat sie ziemlich mitgenommen. Sie hat jetzt öfter so ein Schwächegefühl in den Beinen und muss dann im Bett bleiben. Geh doch nachher hinauf zu ihr, sie freut sich bestimmt.»

Sofie lag mit geschlossenen Augen im Bett, als Catharina eintrat. Ihre Tochter hockte auf den Dielen und spielte mit einer Stoffpuppe.

«Ich freue mich, dass du wieder einmal hier bist», sagte sie und richtete sich vorsichtig auf. «Habt ihr den Winter gut überstanden?»

«Mehr oder weniger. Das Geschäft läuft nicht mehr so gut, aber sonst ist alles in Ordnung.» Catharina hätte ihr gern mehr Einzelheiten erzählt, von ihrer Ehe, von Benedikt, vielleicht sogar von ihrer Schwangerschaft, aber sie war so erschrocken über Sofies Gebrechlichkeit, dass sie diese Gedanken von sich schob.

Sofie blickte zu ihrer Tochter.

«Mein kleiner Schatz, gehst du bitte hinunter und schaust ein wenig nach deinem Bruder?»

Das Mädchen nickte gehorsam, klemmte ihre Puppe unter den Arm und ging hinaus. Sofie sah ihr nach.

«Sie ist schon so verständig.» Sie ließ sich wieder auf ihr Kissen sinken. «Cathi, ich spüre, dass es jetzt bald so weit ist. Christoph glaubt immer noch, dass ich wieder gesund werde, aber ich weiß jetzt, dass ich es nicht schaffe.»

Catharina nahm ihre Hand. «Wie willst du das wissen, Sofie? Du darfst dich nicht einfach aufgeben.»

«Das hat nichts mit Aufgeben zu tun. Es ist nur sinnlos, sich gegen etwas zu wehren, was unausweichlich ist. Cathi, ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich fühle jetzt schon einen großen Frieden in mir, und ich gehe gern. Aber ich mache mir Sorgen um Christoph und Marthe. Ich hatte schon einige Male einen bösen Traum, in dem Marthe verunglückte.»

Catharina bat sie, von diesem Traum zu erzählen, doch Sofie winkte ab. «Lass uns über schönere Dinge reden. Erzähl mir von dir – wie geht’s zu Hause, was machst du den ganzen Tag?»

Ach, Sofie, dachte Catharina, wenn du wüsstest, was ich zu berichten habe. Sie gab ein paar Schwänke von Barbara zum Besten und brachte Sofie damit sogar zum Lachen. Nach einer Stunde merkte sie, wie die kranke Frau, die blass und ausgemergelt im Bett lag, wieder müde wurde, und sie verabschiedeten sich.

Traurig und niedergeschlagen ging sie zu ihrer Tante in die Küche. Traurig wegen Sofie und niedergeschlagen, weil sie sich jetzt auf den Weg zu Gysel machen musste.

«Ich mache eben nochmal einen Spaziergang, Tante Marthe, und schau bei unserem Schäfer vorbei.»

«Eine gute Idee. Frag ihn doch dann, ob er bald wieder junge Hunde hat. Warte, ich hole Christoph, er hat sicher Lust mitzukommen. Er braucht auch ein bisschen Abwechslung.»

Catharina schüttelte heftig den Kopf. «Nein, lass nur, ich möchte lieber allein sein.»

Marthe sah sie an. «Ist mit dir wirklich alles in Ordnung?»

«Ja natürlich. Ich bin rechtzeitig zum Essen zurück.»

Dabei hatte sie keine Ahnung, was sie bei der alten Gysel erwarten würde. Eilig durchquerte sie das Dorf, ohne nach rechts und links zu schauen. Von St. Cyriak läutete die Kirchturmuhr zu Mittag. Sie bog in den von Brombeerhecken gesäumten Pfad unterhalb des Lehener Bergles ein. Dort oben hatte sie mit Christoph gesessen, als sie nach dem entlaufenen Ziegenbock suchen sollten. Jede Einzelheit jenes Nachmittags kam ihr plötzlich in den Sinn. Wie kindlich waren sie beide noch gewesen!

Sie verlangsamte ihre Schritte, als sie sich dem Häuschen am Waldrand näherte. Sie hätte nie gedacht, dass sie diesen Weg noch einmal würde gehen müssen. Und dieses Mal hatte sie keine Lene dabei, die ihr Mut machte. Beklommen klopfte sie an die Haustür. Als sich nichts rührte, klopfte sie stärker. Da kam eine Frau, ein wenig jünger als Marthe, durch den Garten auf sie zu und sah sie misstrauisch an.

«Wen sucht Ihr?»

«Ich möchte zu Gysel.»

«Das bin ich.»

Catharina schaute sie verwirrt an. «Das kann nicht sein. Die Frau, die ich suche, müsste viel älter sein.»

«Dann sucht Ihr meine Mutter. Die ist vor ein paar Jahren gestorben. Was wolltet Ihr denn von ihr?»

Catharina wusste nicht, ob sie dieser Frau trauen konnte. «Ach, nichts Wichtiges. Entschuldigt bitte die Störung.»

Alle Hoffnungen, die sie auf die alte Gysel gesetzt hatte, fielen in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Enttäuscht wandte sie sich um und wollte schon gehen, als die Frau sie festhielt.

«Einen Moment, wartet. Wolltet Ihr meine Mutter um Hilfe bitten?»

Catharina nickte. «Sie hat mir schon einmal geholfen, als ich ein junges Mädchen war.»

Die Frau zog sie ins Haus. In dem karg eingerichteten Raum hing immer noch alles voller Kräuter, frischer und getrockneter, doch in der Ecke, in der sich damals der große Bottich befunden hatte, lagen jetzt große Bündel von Weidenruten und halb fertigen Körben.

«Seid Ihr auch Hebamme?», fragte Catharina.

«Nein. Ich lebe vom Kräutersammeln und Korbflechten. Setzt Euch dort auf die Bank und sagt mir, warum Ihr Hilfe braucht. Ihr müsst keine Angst haben, ich kann schweigen.»

Erleichtert erzählte sie der Frau, dass sie verheiratet und von einem anderen Mann schwanger sei. Sie versuchte sich so kurz wie möglich zu fassen, doch Gysel hakte immer wieder nach.

«Eure Blutungen sind also zweimal ausgeblieben, und Eure Brüste spannen. Ist Euch morgens schlecht?»

Catharina verneinte.

«Müsst Ihr oft pinkeln, habt Ihr Blähungen?»

«Ja, seit ein paar Tagen. Und ich habe Sodbrennen.»

Gysel schob ihre Hand unter Catharinas Hemd und legte sie auf ihren Bauch.

«Es sind schon Frauen hergekommen, deren Bauch war bereits rund wie eine Kugel. Dann ist es zu spät. Aber bei Euch habe ich den Eindruck, soweit ich das beurteilen kann, dass Ihr erst im zweiten Monat seid. Das ist gut.»

«Könnt Ihr mir helfen?»

«Nein. Ich kenne mich zwar in diesen Dingen aus, aber ich habe noch nie einen Abortus vorgenommen. Ich rate Euch, zur Seboltin zu gehen. Sie hat bei meiner Mutter gelernt und ist sehr erfahren. Sie wohnt wie Ihr in der Stadt, hat aber keine Zulassung mehr.»

Nachdem Gysel ihr erklärt hatte, wo Ursula Seboltin wohnte, brachte sie sie zur Tür.

«Seid vorsichtig. Ihr wisst, dass auf das, was Ihr vorhabt, die Todesstrafe steht.»

Bei diesen Worten zuckte Catharina zusammen, doch sie wusste, dass ihr kein anderer Ausweg blieb, und bat Gott inbrünstig um Verzeihung für das, was sie vorhatte.

«Nennt also niemals Euren Namen», fuhr die Kräuterfrau fort. «Ihr könnt der Seboltin zwar vertrauen, aber falls sie je einmal in Schwierigkeiten gerät, ist es besser, wenn sie Euch nie gekannt hat. Die verschwiegensten Frauen sind schon zum Sprechen gebracht worden. Da würde die Seboltin keine Ausnahme machen.»

Die Hexe von Freiburg
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