28. Kapitel

Meine Uhr war im Graben kaputtgegangen, und Ethan trug seine nicht, also hatte ich keine Ahnung, wie lange wir schon unter der Brücke kauerten – außer natürlich, dass es für meinen Geschmack viel, viel zu lange war. Während wir dort saßen, machte ich mit einem neuen Schmerz Bekanntschaft. Offenbar reagierte meine Haut nicht so positiv auf das Haar von Wasserhexen, denn an meinen Unterschenkeln, wo die Kreatur mich gepackt hatte, bildeten sich feuerrote Quaddeln.

Die Bläschen brannten und stachen, und als Alistair endlich jemanden gefunden hatte, der die Falltür öffnen konnte, die unter die Brücke führte, spürte ich, wie fiebrige Hitze in meine Wangen stieg. Mit einer Art Geschirr zogen sie mich durch die Falltür. Ich hätte bestimmt Panik gehabt, wenn ich mich nicht so furchtbar gefühlt hätte. Vielleicht wäre jeder – inklusive mir – besser dran gewesen, wenn ich einfach hinabgestürzt und auf den Betonfußboden unter mir aufgeschlagen wäre. Doch ich fiel nicht.

Alistair und mein Vater warteten auf der Brücke auf mich und halfen den Rettungskräften dabei, mir den Gurt abzuschnallen. Ich blickte meinem Vater in die Augen, als sie sich an den Verschlüssen zu schaffen machten, die mich sicherten. Er sah blass und besorgt aus, ungeduldig, mich aus dem Geschirr zu befreien.

»Mom?«, flüsterte ich voller Angst und bemühte mich, nicht schon wieder in Tränen auszubrechen.

Dad nickte mir beruhigend zu. »Sie ist in Sicherheit.«

In dem Moment versuchte ich nicht länger, meine Tränen zurückzuhalten. Ich konnte nicht mehr stehen, und als alle Schnallen und Gurte endlich gelöst waren, hob mein Vater mich hoch und trug mich zu seinem Auto, das in all seiner leuchtend roten Pracht auf dem Parkplatz stand und kaum zu übersehen war.

»Warte!«, rief ich schwach und sah zu Alistair.

Er beobachtete gerade, wie das Rettungsteam den Gurt wieder hinabließ, aber er schien meinen Blick auf sich zu spüren, denn er wandte sich mir zu.

»Tante Grace«, sagte ich. »Was ist mit ihr passiert?«

Alistairs ohnehin schon schmale Lippen verschwanden beinahe, als er sie fest aufeinanderpresste und den Kopf schüttelte. »Sie ist mir entwischt.« Er zwang sich um eine ironisch-belustigte Miene, die jedoch seine Augen nicht erreichte. »Ich fürchte, ich war kurz abgelenkt, als sie dich in den Graben geschleudert hat.«

Mein Blick richtete sich auf das Tor nach Faerie, und Alistairs leichtes Nicken bestätigte, dass Grace dorthin verschwunden war. Warum rechnete ich damit, dass sie nicht für immer dort bleiben würde?

 

Ich verlor das Bewusstsein, noch ehe mein Dad mich in seinen Wagen gesetzt hatte. Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich in einem Krankenhausbett wieder. Die Schmerzen und Qualen, an die ich mich erinnerte, waren weg, aber mein Kopf pochte wie wahnsinnig, und ich schwitzte, als wären es in dem Zimmer hundert Grad. Ich stöhnte und drehte mich auf die Seite.

Finn saß auf einem Besucherstuhl neben meinem Bett – zwischen mir und der Tür natürlich. Ich vermutete, dass er wieder seiner Pflicht als Bodyguard nachkam und Wache hielt, doch es fühlte sich gut an, beim Aufwachen nicht allein zu sein. Er blätterte in einer Zeitschrift, klappte sie aber sofort zu und legte sie zur Seite, als er bemerkte, dass ich wach war.

Meinem Magen ging es nicht viel besser als meinem Kopf, und einen Moment lang fürchtete ich, über die Bettkante kotzen zu müssen. Der Drang verschwand jedoch zum Glück wieder.

»Warum bin ich im Krankenhaus?«, fragte ich Finn, während ich mir verschwitzte Haarsträhnen aus dem Gesicht schob. »Was ist los mit mir?«

»Es scheint so, als hättest du eine Begegnung mit einer Wasserhexe gehabt«, entgegnete er.

»Ach, echt jetzt?« Was auch immer nicht mit mir stimmte, unter Amnesie litt ich jedenfalls nicht. Ich wünschte, ich könnte das Bild dieses fürchterlichen Gesichts aus meiner Erinnerung löschen.

Finn warf mir einen tadelnden Blick zu und sprach dann weiter, als hätte ich nichts gesagt. »Lang andauernder Kontakt mit Wasserhexen macht Menschen offenbar ziemlich krank.« Sein Blick verfinsterte sich. »Eigentlich endet lang andauernder Kontakt mit Wasserhexen für gewöhnlich für jeden tödlich. Du hattest großes Glück.«

Da musste ich doch lachen. »Ja, ›Glück‹ ist mein zweiter Vorname.« Das Lachen ging in einen Hustenanfall über. Ich war darauf gefasst, dass das Husten mir in der Brust weh tun würde, doch mir machten nur die Kopfschmerzen zu schaffen. »Wie lange bin ich schon hier?« Mir war jegliches Zeitgefühl abhandengekommen. Es hätten Stunden oder Tage sein können.

»Ungefähr vier Stunden«, erwiderte er, und ich war erleichtert, dass ich nicht noch mehr Zeit verloren hatte. »Die Heiler haben sich um deine körperlichen Verletzungen gekümmert.«

Oh. Das erklärte, warum die Brust-, Hals- und Gelenkschmerzen mich nicht mehr quälten.

»Aber gegen die Krankheitssymptome können sie nichts tun?«, vermutete ich.

Finn schüttelte den Kopf. »Feen werden nicht krank, also ist unsere Magie nicht dazu geeignet, Krankheit zu heilen, fürchte ich.«

Auf eine Art war das vermutlich eine gute Sache. Denn sonst hätten sämtliche Kranke auf der Welt Avalon belagert. Ich wollte wetten, dass die Feenheiler es auch niemals zugegeben hätten, wenn sie in der Lage gewesen wären, Krankheiten zu heilen. Ich konnte mir das Chaos vorstellen, das ausbrechen würde, wenn eine Handvoll Leute in einer kleinen Stadt zum Beispiel Krebs heilen könnte.

Ich fühlte mich von der Anstrengung, mich ein wenig zu konzentrieren, schon total erschöpft, doch es gelang mir, noch eine Frage zu stellen, ehe ich wieder in den Schlaf sank.

»Wie lange muss ich hierbleiben?«, fragte ich – nicht nur, weil ich es wie jeder vernünftige Mensch hasste, im Krankenhaus zu sein, sondern weil ich trotz Finns Schutz Zweifel hatte, ob ich hier sicher sein würde.

»Wahrscheinlich ein paar Tage. Die Menschenärzte wollen dich im Auge behalten und sichergehen, dass dein Fieber nicht zu hoch wird.«

Mit einem abgrundtiefen Seufzer erkannte ich mein Urteil an, rollte mich dann auf die Seite und zwang mich, wieder einzuschlafen.

 

Das nächste Mal wachte ich auf, weil mich jemand sacht an der Schulter fasste.

»Komm schon, Dana«, hörte ich Finn sagen. »Wach kurz auf.«

Die Kopfschmerzen pochten noch immer hinter meinen Augen, und ich schwitzte und fror gleichzeitig. Ich wollte das nicht unbedingt in wachem Zustand erleben, aber ich schaffte es trotzdem, meine Augen irgendwie zu öffnen.

Finn saß auf der Bettkante, doch meine Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf den Brocken, der in der Tür stand. Den Brocken namens Lachlan.

Ich hätte beunruhigt sein sollen, ihn hier zu sehen. Er war Tante Graces … Freund? Nein. Dieser Ausdruck passte irgendwie nicht zu Lachlan. Aber »Geliebter« klang so krass. Zwar hasste ich den Begriff »Lebensgefährte«, doch ich beschloss, dass es ein fairer Kompromiss war.

Wie auch immer – ich hätte zumindest Angst bekommen sollen, aber dem war nicht so. Entweder hatten die Ärzte mir ein paar gute Medikamente gegeben, oder ich nahm an, dass Finn ihn nicht ins Zimmer gelassen hätte, wenn er eine echte Bedrohung dargestellt hätte. Oder ich konnte mir Lachlan einfach nicht als einen von den Bösen vorstellen. Eigentlich war er ziemlich nett zu mir gewesen, auch wenn er mich gefangen gehalten hatte.

Finn lächelte mich an. Allerdings sah es so aus, als wäre er es nicht gewohnt zu lächeln. Es wirkte beinahe so, als bereitete es ihm Schmerzen.

»Lachlan ist hier, um mich eine Weile zu vertreten«, sagte Finn. »Ich wollte dich aufwecken und dir sagen, dass du bei ihm in Sicherheit bist. Er ist zwar kein Ritter, aber kaum jemand ist dumm genug, sich mit einem Troll anzulegen. Und dein Vater ist davon überzeugt, dass Lachlan dich nicht zu Grace bringen wird.«

Ich bemerkte, wie Lachlan zusammenzuckte. »Danke«, murmelte ich. Ich wollte einfach nur weiterschlafen. Krank zu sein war scheiße.

Finn nickte mir auf die für ihn so typische geschäftsmäßige Art zu und ging ohne ein weiteres Wort hinaus. Lachlan trat vor. Riesengroß ragte er neben dem Bett auf. Er wirkte … sehr traurig. Ein Schatten stand in seinen Augen, der vorher noch nicht dort gewesen war, und seine Schultern waren vor Nervosität und Kummer angespannt.

So müde ich auch war, gelang es mir trotzdem, ihm zuzulächeln. »Ist schon gut, Lachlan«, sagte ich. »Ich weiß, dass du nichts mit alldem zu tun hattest, was Tante Grace getan hat.« Und ich spürte diese Wahrheit bis tief in mein Innerstes. Egal, wie sein Verhältnis zu Tante Grace auch war, er hätte niemals ruhig daneben gesessen und zugelassen, dass sie jemanden umbrachte. Oder jemanden in den Graben warf.

Die Anspannung seiner Schultern ließ ein bisschen nach, und er senkte den Kopf. »Danke.« Er seufzte schwer. »Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist.« Er sah mir mit einem inständigen, ernsten Blick in die Augen. »Sie ist eigentlich nicht so. Sie ist nur …«

Ich konnte Lachlan verzeihen, dass er in Grace verliebt war, doch ich hatte wirklich keine Lust, mir die Entschuldigungen anzuhören, die er für ihr unmögliches Benehmen fand. Vermutlich sah er das selbst ein, denn er fuhr nicht fort, sondern setzte sich schweigend auf den Stuhl, der für mich allmählich schon Finns Stuhl war.

Das war mein Stichwort, ins Land der Träume zurückzukehren, und ich war mehr als glücklich, dieser Aufforderung nachzukommen.

 

Fast den gesamten Tag über schlief ich immer wieder ein, um nur dann kurz aufzuwachen, wenn zum Beispiel die Schwestern kamen, um meine Temperatur zu messen, mir Medikamente zu geben oder mich dazu zu zwingen, etwas zu essen und zu trinken. Ich war zwar nicht in der Stimmung dafür, und das Krankenhausessen stellte sich als typische Krankenhauskost heraus – selbst in Avalon –, aber sie drohten, mich an einen Tropf zu hängen, falls ich nicht ordentlich aß und trank, also tat ich mein Bestes.

Irgendwann wachte ich auf und erblickte einen riesigen Strauß gelber Rosen auf meinem Nachttisch. Ethan war vorbeigekommen, um mich zu besuchen, während ich gerade geschlafen hatte, und er hatte beschlossen, mich nicht zu wecken. Sie nur anzusehen – und ihre fröhliche, sonnige Farbe – zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht. Interessant, dass er mir ausgerechnet Rosen mitgebracht hatte, auch wenn sie nicht rot oder weiß waren. Ich vermutete, dass es eine ganz besondere Bedeutung hatte, wenn man dem Feenvolk angehörte und Rosen verschenkte.

Am späten Nachmittag konnte ich nicht mehr schlafen, auch wenn ich mich in wachem Zustand grauenvoll fühlte. Schlimmer noch: Ich wusste, dass die Qualen des Abendessens bald bevorstanden, denn in Krankenhäusern brachte man den Leuten immer ausgesprochen zeitig ihr Essen. Das war zumindest in den amerikanischen Krankenhäusern so gewesen, in denen meine Mom nach diversen »Unfällen« gelandet war, die ihr in betrunkenem Zustand passiert waren.

Lachlan hielt noch immer Wache, doch keiner von uns beiden hatte besonders viel Lust zu reden. Also herrschte ein nicht unbedingt angenehmes Schweigen zwischen uns, als ich meinen zweiten Besuch an diesem Tag bekam.

Seit dem Angriff in der Boutique hatte ich Kimber weder gesehen noch mit ihr gesprochen. Vermutlich hätte ich sie anrufen sollen, um mich nach ihr zu erkundigen – immerhin war sie ebenfalls verwundet worden –, aber Moms Ankunft in Avalon hatte alles andere in den Hintergrund gedrängt. Kimber stand zögernd in der Tür, kaute an ihrer Unterlippe und zeigte damit auf eine für Feen ganz untypische Art und Weise ihre Nervosität. Ihre Miene wirkte verletzlich, doch ich war mir nicht sicher, was los war.

»Komm ruhig rein.« Ich winkte ihr zu, während ich das Kopfteil meines Bettes hochfuhr, damit ich aufrecht sitzen konnte.

Kimber lächelte zaghaft und trat ins Zimmer.

»Ich warte draußen, damit ihr ungestört seid«, brummte Lachlan, und ich warf ihm ein dankbares Lächeln zu.

Als die Tür hinter Lachlan ins Schloss gefallen war, nahm Kimber auf der Bettkante Platz. Sie warf einen Blick auf den Rosenstrauß und hob die Augenbrauen.

»Offensichtlich war mein Bruder hier«, sagte sie.

Ich stellte fest, dass ich trotz meiner vom Fieber geröteten Wangen noch röter werden konnte. »Ja. Ich habe geschlafen, als er da war.«

Ihre Augen funkelten vergnügt, als sie in die Tragetasche griff, die sie über die Schulter gehängt hatte. »Ich habe dir etwas viel Besseres mitgebracht.« Sie zog eine Thermoskanne heraus und schüttelte sie kräftig.

Es war nicht schwer zu erraten, was sich in der Kanne befand, und sobald Kimber den Deckel abgeschraubt hatte, bestätigte meine Nase die Vermutung. Während mir davor graute, das Abendessen herunterwürgen zu müssen, lief mir beim Duft von Kimbers heißem Punsch dagegen sofort das Wasser im Mund zusammen. Vorsichtig schenkte sie mir einen Becher voll ein und reichte ihn mir.

Der Punsch roch so verführerisch – vor allem, weil der Duft nach Whisky nicht allzu stark war –, dass ich ihn am liebsten in einem Zug getrunken hätte, aber ich zögerte. »Ist das erlaubt?«, fragte ich. »Ich weiß nicht, was für Medikamente ich gerade nehmen muss und …«

Kimber rümpfte herablassend die Nase. »Heißer Punsch ist die beste Medizin überhaupt.«

»Ja, allerdings vertragen sich einige Medikamente nicht besonders gut mit Alkohol.« Und ich konnte mir vorstellen, dass wir beide Ärger bekommen würden, wenn die Schwestern hereinkommen und den Schnaps in meinem Atem riechen würden.

Kimber lachte leise. »Ich habe ihn nach dem ursprünglichen Rezept zubereitet, statt ihn wie sonst immer aufzupeppen. In der ganzen Ladung ist nur ein Esslöffel voll Whisky. Jetzt trink schon, bevor sich diese ekelige Haut auf der heißen Milch bildet.«

Ich nippte an dem Getränk und stieß ein anerkennendes »Mhm!« hervor. Der Punsch war so dickflüssig und cremig, wie ich ihn in Erinnerung hatte, und Kimber hatte offensichtlich eine Extraportion Honig hinzugefügt, denn er war auch köstlich süß. Es war sicher nur die Kraft der Einbildung, doch ich schwöre, dass meine Kopfschmerzen nach den ersten paar Schlucken augenblicklich nachließen.

Ich leerte den Becher in null Komma nichts, und Kimber füllte ihn sofort wieder auf. Noch immer war dieser verletzliche, scheue Ausdruck auf ihrem Gesicht.

»Stimmt was nicht?«, fragte ich und nahm noch einen wohltuenden Schluck.

Sie atmete tief durch und lächelte mich an. »Ich glaube, Ethan hatte recht, und ich war ein bisschen paranoid.« Das Lächeln erstarb, und sie starrte auf ihre Hände. »Nach allem, was passiert war, hatte ich Angst, du könntest glauben, ich hätte dich in der Boutique in einen Hinterhalt gelockt.«

Die Vermutung schockierte mich ehrlich. Zwar bin ich durchaus misstrauisch, aber ich hatte keine Sekunde geglaubt, dass Kimber in den Angriff verwickelt gewesen sein könnte, und das sagte ich ihr auch.

Mir war nicht klar gewesen, wie angespannt sie war, bis ihr gesamter Körper sich entspannte.

»Wie kommst du darauf, dass ich denken könnte, du hättest irgendetwas mit der Sache zu tun?«, fragte ich sie.

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich schätze, ich kämpfe noch immer mit meinem schlechten Gewissen wegen … neulich.«

»Das ist Schnee von gestern«, entgegnete ich und merkte, dass der Zorn, den ich verspürt hatte, als herausgekommen war, dass sie und Ethan mich hintergangen hatten, vollkommen verflogen war. Ich grinste. »Ethan ist davongekommen, weil er mir das Leben gerettet hat. Und du hast mir heißen Punsch gebracht, also kannst du ja nicht so schlimm sein.«

Kimber erwiderte mein Grinsen. »Ich habe dir ja gesagt, dass heißer Punsch alles richten kann.«

Vielleicht war es nur der Placeboeffekt, doch nach zwei Bechern von dem Gebräu fühlte ich mich tatsächlich besser. So viel besser, dass ich sogar in der Lage war, mich meinem köstlichen Abendessen zu stellen, das aus Gummihuhn, Kartoffelpüree aus der Tüte und matschigen Erbsen bestand.

 

Als ich beschloss, für diesen Tag Schluss zu machen und mich hinzulegen, hatte Finn Lachlan wieder abgelöst. Und allmählich begann ich mich zu fragen, warum mich bis jetzt weder mein Vater noch meine Mutter besucht hatten. Mom war möglicherweise zu betrunken, sie hatte schließlich eine ziemlich traumatische Erfahrung gemacht. Aber das erklärte nicht die Abwesenheit meines Dads, und als ich Finn danach fragte, sagte er nur, dass mein Vater ein vielbeschäftigter Mann sei. Er gab sich nicht die Mühe, es wenigstens so klingen zu lassen, als wäre es die Wahrheit. Doch eines wusste ich: Egal, wie viele Fragen ich noch stellte, er würde seine Version der Geschichte nicht ändern.

Meine Eltern kamen auch am nächsten Tag nicht zu Besuch, während Ethan und Kimber beide vorbeischauten. (Und ja, Kimber hatte wieder heißen Punsch dabei.) Ein bisschen hatte ich gehofft, dass auch Keane mich besuchen würde – obwohl seine Laune meiner Gesundheit vermutlich nicht gutgetan hätte –, aber er kam nicht. Es war natürlich dumm von mir, überhaupt damit zu rechnen. Und noch dümmer, verletzt zu sein, weil er mich nicht besucht hatte. Schließlich war er nur mein Lehrer in Selbstverteidigung, nicht mein Freund.

Ich versuchte, Lachlan darüber auszufragen, warum Mom und Dad nicht vorbeikamen, doch das war ungefähr genauso aufschlussreich und informativ wie das Gespräch mit Finn. Ich hatte ein wirklich blödes Gefühl, aber wenn ich nachhakte, versicherten mir alle, dass es meiner Mom gutginge.

Am Morgen meines dritten Tages im Krankenhaus ließ Dad sich endlich blicken. Ich hatte noch immer leichtes Fieber, doch ich fühlte mich schon viel besser, und die Schwester, die am Morgen als Erste bei mir gewesen war, hatte mir gesagt, dass ich nach einer letzten Untersuchung durch den Arzt gehen könne.

Finn hielt Wache; als Dad auftauchte, verließ er jedoch sofort das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Mir gefiel der Ausdruck auf Dads Gesicht nicht – so zurückhaltend und beinahe … vorsichtig. Ich fuhr das Kopfteil meines Bettes hoch, damit ich gemütlich sitzen konnte, denn ich vermutete, dass eine Unterhaltung folgen würde, die ich nicht im Liegen führen sollte.

Ich hatte mir solche Sorgen um meine Mom gemacht – ganz zu schweigen davon, dass ich wegen meines kleinen Bades in dem Graben traumatisiert war –, dass ich mir nicht die Zeit genommen hatte, um über die Gefühle meines Dads nachzudenken. Doch als ich ihn nun ansah und er schwieg, wurde mir schließlich klar, welche Empfindung ich dort sah, die er zu verstecken versuchte: Schmerz.

Ich wandte den Blick von ihm und senkte den Kopf. Zwar kannte ich ihn noch nicht sehr lange, und er hatte bis vor einem Monat nicht einmal gewusst, dass es mich gab, aber er hatte es nicht verdient, dass ich mich mitten in der Nacht davonschlich, ohne ihm eine Nachricht zu hinterlassen. Selbst wenn mein Fluchtversuch erfolgreich gewesen wäre, hätte Dad wahrscheinlich gedacht, ich wäre entführt oder direkt vor seiner Nase ermordet worden.

»Es tut mir leid, dass ich versucht habe, heimlich zu verschwinden«, murmelte ich und starrte statt zu ihm lieber auf meine Hände, die ich im Schoß verschränkt hatte.

Dad antwortete nicht. Schließlich hielt ich das Schweigen nicht mehr aus und sah ihn wieder an. Er schüttelte den Kopf, und ich musste mich sehr zusammenreißen, um mich vor Scham nicht abzuwenden.

»Du hättest dabei sterben können«, sagte er leise. »Du wärst beinahe gestorben. Und wenn es Grace gelungen wäre, dich nach Faerie zu entführen, wäre alles noch viel schlimmer geworden.«

Wieder senkte ich den Blick. »Ich weiß. Aber ihr drei wolltet mich irgendwo einsperren, und du hast mir klargemacht, dass ich kein Mitspracherecht habe. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, so leben zu müssen.«

»Lieber so leben, als in Faerie Graces kleines Schoßhündchen zu sein!«, versetzte er scharf. »Lieber so leben, als zu sterben!«

Noch nie hatte ich meinen Dad so wütend erlebt. Es war ein beängstigender Anblick. Sein Gesicht war gerötet, sein Blick durchdringend, und die Hände hatte er so fest zu Fäusten geballt, dass die Knöchel weiß hervortraten. Ich konnte das unverwechselbare Kribbeln von Magie in der Luft fühlen, obwohl die Kamee sicher in der Schublade meines Nachttischchens lag. Offenbar brauchte ich die Hilfe des Anhängers nicht mehr, um die Magie zu spüren.

Ich wartete in angespanntem Schweigen und wagte kaum zu atmen. Zwar glaubte ich nicht ernsthaft, dass Dad mir weh tun würde, doch er sah so aus, als wäre es im Augenblick sein größter Wunsch, mich zu bestrafen.

Schließlich atmete er scharf aus und löste die Fäuste. Das magische Kribbeln verschwand, und etwas von der wütenden Röte in seinem Gesicht klang ab. Er wirkte noch immer nicht so, als wäre er mit mir zufrieden, aber wenigstens schien er nicht länger mit dem Gedanken zu spielen, mich eigenhändig umzubringen.

»Ich habe mein Bestes versucht, um dich wie eine verantwortungsvolle Erwachsene zu behandeln«, sagte er, und jedes seiner Worte war klar und knapp. »Ich war ehrlich zu dir, obwohl eine hübsche Lüge manchmal vorteilhafter gewesen wäre. Allerdings scheint es so, als hätte ich dich falsch eingeschätzt.«

Ich zuckte zusammen. Dad war offensichtlich Profi auf dem elterlichen Gebiet, dem Sprössling ein schlechtes Gewissen zu machen. Er war darin sogar so gut, dass ich das Gefühl hatte, mich noch mehr rechtfertigen zu müssen.

»Ich habe es nicht nur getan, weil ich aus Avalon verschwinden wollte«, sagte ich. »Mom hat mir versprochen, in eine Entzugsklinik zu gehen, wenn ich mit ihr nach Hause zurückkehre.« Ich starrte auf meine Hände, während ich nervös an der Decke zupfte. »Du weißt nicht, wie es war, dabei zusehen zu müssen, wie sie sich selbst zerstört. Und bisher war sie nicht in der Lage zuzugeben, dass sie ein Problem hat – ganz zu schweigen davon, sich Hilfe zu suchen. Ich habe die Möglichkeit gesehen, wenigstens zu versuchen, sie vor sich selbst zu retten, und ich konnte diese Chance doch nicht ungenutzt verstreichen lassen …«

Dad setzte sich auf die Bettkante. Ich wollte ihm nicht ins Gesicht blicken, wollte nicht die Wut und den Schmerz und – was vielleicht noch schlimmer war – die Enttäuschung in seinen Augen sehen. Er streckte den Arm aus und legte eine Hand auf meine beiden Hände, doch ich sah ihn noch immer nicht an.

»Dana, mein Kind, ich bin kein junger Mann mehr. Ich lebe seit Jahrhunderten in Avalon und unter Menschen. Und wenn es eines gibt, was ich gelernt habe, dann dass man sie nicht vor ihrem selbstzerstörerischen Verhalten retten kann, solange sie nicht gerettet werden wollen. Ich kann verstehen, warum es dir wie eine gute Idee erschien, deine Mutter zu erpressen, damit sie eine Entziehungskur macht. Aber selbst wenn du es ohne Komplikationen geschafft hättest und sie ihr Versprechen gehalten hätte, wäre es nicht gutgegangen. Du kannst sie nicht zwingen, trocken zu werden – jedenfalls nicht für einen längeren Zeitraum. Vielleicht wäre sie ein paar Wochen oder sogar Monate nüchtern geblieben, doch über kurz oder lang hätte sie wieder angefangen zu trinken.«

Ich zog meine Hände unter seiner Hand hervor. »Das kannst du doch gar nicht wissen! Wenn sie aufgehört hätte zu trinken, dann hätte sie all das wahrgenommen, was ihr bisher entgangen ist, weil sie dauernd betrunken war. Und das wäre ein Grund für sie gewesen, nüchtern zu bleiben. Sie ist einfach nur die meiste Zeit so weggetreten, dass sie nicht merkt, welche Konsequenzen ihr Verhalten hat.«

Dad seufzte. »Ich glaube, dass du tief in deinem Herzen weißt, dass ich recht habe. Du hast mich aus einem bestimmten Grund gesucht und gefunden – und der Grund war nicht, dass du voller Hoffnung gewesen wärst, dass deine Mutter gesund wird.«

Jetzt war ich es, die wütend war, und ich funkelte ihn aufgebracht an. »Versuch nicht, mir zu sagen, was ich denke und fühle.«

Der Ausdruck freundlicher Herablassung auf seinem Gesicht machte mich nur noch wütender, aber er ließ mir nicht die Möglichkeit, ihm zu sagen, was ich von ihm hielt. »Ich vermute, wir müssen uns darauf einigen, dass wir uns in diesem Punkt uneinig sind«, stellte er fest.

Während Dad sich etwas aufrechter hinsetzte, verschwand der herablassende Ausdruck aus seinem Gesicht, und er machte so mit seinen Worten und seiner Körpersprache klar, dass das Thema für ihn beendet war.

»Laut der Schwester kommt dein Arzt innerhalb der nächsten Stunde vorbei, und dann kannst du gehen. Ich habe am Mittag ein Meeting. Finn wird dich nach Hause bringen und auf dich aufpassen, bis ich fertig bin. Wenn ich nach Hause komme, bringen wir dich an einen sicheren Ort.«

Ah ja. Der gefürchtete »sichere Ort«. Auch bekannt als Gefängniszelle. Ich hütete mich davor, mich mit ihm darüber zu streiten – denn da würde ich nur verlieren –, doch ich verschränkte zumindest vielsagend die Arme vor der Brust und setzte meine störrischste Miene auf.

Dad verzog einen Mundwinkel zu einem winzigen Lächeln. »Für dein dummes Benehmen von gestern hast du die gesamte kommende Woche Hausarrest. Du bleibst die ganze Zeit in dem sicheren Unterschlupf, und wenn du dich eingesperrt fühlst, dann … ist das nicht unzutreffend.«

Ich starrte ihn an. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie Hausarrest bekommen. Verdammt, das wirkte beinahe normal. Auch wenn seine Vorstellung von Hausarrest natürlich viel strenger klang als bei einem Menschen.

»Wenn die Woche um ist«, fuhr Dad fort, »bekommst du so viele Freiheiten, wie wir für sicher erachten.«

»Und wen genau meinst du mit ›wir‹?«

»Ich meine Alistair, mich … und deine Mutter.«

Ich riss die Augen auf. »Mom?«

Er nickte. »Sie wird in Avalon bleiben. Und sie hat mir das Sorgerecht übertragen.« Mit grimmiger Miene sah er mich an. »Solltest du je wieder darüber nachdenken wegzurennen, hast du also keine Anlaufstelle mehr.«

Ich schüttelte den Kopf. »Unter keinen Umständen würde Mom sich damit einverstanden erklären!« Nach allem, was sie unternommen hatte, um mich von meinem Vater fernzuhalten, konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie Teil einer Verschwörung sein sollte, um mich hierzubehalten.

»Natürlich würde sie das tun. Sie hat es getan.« Seine Miene wurde wieder weicher. »Sie will nur, dass du in Sicherheit bist, und sie hat eingesehen, dass du hier sicherer bist als in der Welt der Sterblichen.«

Soweit ich es beurteilen konnte, hatte Dad mich noch nie angelogen. Aber das bedeutete nicht, dass er sich nicht entschlossen hatte, jetzt damit anzufangen. Sein Versuch, Mom zu überzeugen, dass ich hier sicherer war, war garantiert sehr bestechend gewesen – doch ich glaubte noch immer nicht, dass Mom da mitgemacht hatte.

»Falls sie der Sache zugestimmt hat, würde ich es gern von ihr persönlich hören.«

»Das ist im Augenblick nicht möglich.«

Mein Herzschlag stockte, und Adrenalin schoss durch meine Adern. »Warum nicht? Was ist los mit ihr? Alle sagen mir immer wieder, dass es ihr gutgeht, aber …«

»Es geht ihr gut, Dana. Sie hat seit fast drei Tagen keinen Alkohol mehr getrunken, und sie … ist im Moment nicht sie selbst.«

Mein Mund stand offen, und mir fiel nichts ein, was ich hätte sagen können.

»Es ist keine Heilung«, fuhr Dad fort. »Ich habe sie vorübergehend für unzurechnungsfähig erklären lassen, und sie steht momentan genauso unter meiner Obhut wie du. Ich werde ihr weder Alkohol geben, noch werde ich ihr Mittel zur Verfügung stellen, um an Alkohol zu kommen. Doch wenn ich ihr ihre Freiheit gewähre, wird sie sofort wieder anfangen zu trinken. Man kann Alkoholismus nicht gewaltsam heilen.«

Ich dachte eine Weile darüber nach. »Du hast sie für unzurechnungsfähig erklären lassen und sie in deine Obhut genommen«, sagte ich, und er nickte. Ich fürchtete, ich wusste, was das hieß. »Mit anderen Worten: Sie ist genauso eine Gefangene, wie ich es bin.«

»Ja.«

Ich verzog das Gesicht. Ich hatte vergessen, wie brutal ehrlich er sein konnte. Mit der Betonung auf »brutal«.

»Vergiss eines nicht: Solange sie sich in meiner Obhut befindet, wird sie nüchtern sein. Ich bin mir sicher, dass das kein großer Trost für dich ist – und ich bin mir auch sicher, dass deine Mutter mich dafür hassen wird –, aber es ist ein Anfang.«

Also tauschte ich Moms und meine Freiheit gegen ihre Nüchternheit ein. Ich war mir nicht hundertprozentig sicher, ob es ein fairer Deal war. Nicht, dass ich etwas zu sagen gehabt hätte. Ich kaute an meiner Unterlippe, während ich darüber nachdachte.

»Dana«, sagte Dad leise. »Selbst ich kann dich nicht gegen deinen Willen hierbehalten, wenn du achtzehn bist – es sei denn, du bekommst ein Drogen- oder Alkoholproblem, das mir wie bei deiner Mutter eine Entschuldigung liefert. Sosehr du meine Methoden auch verabscheuen magst, musst du das alles doch nur eineinviertel Jahre aushalten. Und während dieser Zeit werde ich dich eben davon überzeugen müssen, freiwillig unter meinem Schutz zu bleiben, wenn du achtzehn geworden bist. Ich bin nicht dumm. Mir ist bewusst, dass ich dich nicht für mich gewinnen werde, indem ich dich oder deine Mutter schlecht behandele. Es wird also nicht so schlimm werden, wie du im Augenblick glaubst.«

Hm. Eineinviertel Jahre in einem goldenen Käfig, und danach würde ich sozusagen auf Bewährung entlassen werden. Es kam mir wie eine lange Zeit vor, wenn ich darüber nachdachte, was seit meiner Ankunft in Avalon alles geschehen war. Doch es waren auch eineinviertel Jahre erzwungener Nüchternheit für meine Mom.

Ein Teil von mir glaubte, dass mein Vater recht hatte und dass es Mom nicht heilen würde, sie zu zwingen, nichts zu trinken. Aber wenigstens würde es ihrem Körper etwas Zeit geben, um sich von den Schäden zu erholen, die sie ihm zugefügt hatte. Und zumindest für diese kurze Zeit hätte ich eine Mutter, zu der ich eine Beziehung aufbauen konnte, die ich nicht verachtete und für die ich mich nicht schämte. Ich hätte die Mom, auf die ich immer dann einen flüchtigen Blick erhaschen konnte, wenn sie mal nicht betrunken war, die Mom, die geistreich und klug war und … mit der es Spaß machte, zusammen zu sein.

Nein, mir blieb in der Angelegenheit keine andere Wahl. Dad hatte keinen Zweifel daran gelassen. Doch es lag in meiner Hand, wie ich mich in der Zeit verhalten und wie viel Nervensäge ich sein würde.

Ich schluckte meinen Protest herunter und atmete tief durch. Ich würde es schaffen. Ich würde mein Schicksal mit Würde akzeptieren und das Vertrauen meines Vaters zurückgewinnen. Und mit achtzehn – vorausgesetzt natürlich, ich lebte so lange –, würde ich selbst entscheiden, ob ich in Avalon oder in der Welt der Sterblichen besser dran war.

Ich nickte knapp. »Also gut«, sagte ich. »Ich verspreche, ein netter kleiner Häftling zu sein.« Wenn meine Hände nicht über der Bettdecke gelegen hätten, hätte ich vermutlich meine Finger gekreuzt. Aber immerhin ist es ja das Vorrecht eines Mädchens, seine Meinung zu ändern – also sagte ich in diesem Moment möglicherweise nicht ganz die Wahrheit …

Dads schiefes Lächeln sagte zwar: »Das glaube ich erst, wenn ich es sehe!«, doch er sprach es nicht laut aus, sondern tätschelte nur auf die so distanzierte Art der Feen, mit der sie ihre Zuneigung ausdrückten, meine Hände.

Er war schon fast aus der Tür, als ich ihn noch einmal zurückrief.

»Dad?«, sagte ich, und er drehte sich mit hochgezogenen Augenbrauen zu mir um. »Danke, dass du Finn losgeschickt hast, um Mom zu retten.« Mein Hals war wie zugeschnürt, als ich mich wieder an den fürchterlichen Schmerz erinnerte, der mich überwältigt hatte, als Grace die Ermordung meiner Mutter befohlen hatte.

Ernst blickte er mich an. »Du musst dich nicht bei mir bedanken. Ich habe mich unter den Umständen als erstaunlich nutzlos erwiesen. Es war Alistair, der Grace aufgehalten hat, und es war Finn, der deine Mutter gerettet hat. Ich bin erst aufgetaucht, als schon alles vorbei war.«

»Ja, allerdings lebst du auch halb den Berg hinauf«, entgegnete ich, als mir bewusst wurde, dass er ernsthaft ein schlechtes Gewissen hatte, weil er nicht mein persönlicher Retter in der Not gewesen war. »Ethan hat zuerst seinen eigenen Vater angerufen, dann erst dich. Und ich schätze, dass du Finn Bescheid gegeben hast, weil er näher am Hotel wohnt als du. Stimmt’s?« Er nickte. »Wenn du selbst zu Hilfe gekommen wärst, dann wäre Mom gestorben, bevor du im Hotel eingetroffen wärst. Also hast du das Richtige getan.«

Er lächelte mich an, aber sein Blick war traurig. »Das weiß ich. Trotzdem bedeutet das nicht, dass es mir gefallen muss.«

Ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte, doch ich musste nicht länger darüber nachdenken, weil der Arzt zur Visite kam.