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»Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann könnte es sein, dass wir nicht einmal das nächste Jahrhundert überleben. Wenn die Scheinwerfer unseres Wagens eine eindeutige Gefahr erfasst haben, dann sagt uns der gesunde Menschenverstand, dass wir auf die Bremse treten sollten, doch die Wissenschaftler wollen häufig mit dem Fuß auf dem Gaspedal bleiben.«
DR. MARVIN MINSKY
Manalapan, Florida 1. Mai 2047
Die palastartige Villa von Lilith Mabus, der Witwe des Milliardärs Lucian Mabus, liegt an einem privaten Strandabschnitt von Manalapan, einer kleinen Inselstadt unmittelbar nördlich von Boynton Beach, Florida. Das einunddreißig Zimmer und drei Stockwerke umfassende Gebäude bietet einen zum Meer hin gelegenen Swimmingpool, komplett mit einer Bar in der Mitte und einem Wasserfall; hinzu kommen zwei Tennisplätze, ein Fitness-Center, ein über einhundert Quadratmeter großer Salon samt einem gut zwei Tonnen schweren Kristalllüster, der aus einem französischen Château aus dem neunzehnten Jahrhundert stammt, ein Observatorium und eine für acht Fahrzeuge angelegte Garage, deren Boden aus Saturnia-Marmor besteht. Jede der sechs Schlafzimmersuiten hat ihren eigenen Balkon, der auf den Atlantik blickt. Die Fenster sind selbstreinigend – sie besitzen eine dünne, elektrifizierte Metalloxid-Schicht, die mit Hilfe des Regenwassers lose Schmutzpartikel abspült. Auf dem nördlichen Abschnitt des Grundstücks befindet sich eine kleine NiCE-Energieanlage, die Sonnen – und Windkraft nutzt.
Die neueste Ergänzung dieses luxuriösen Prachtgebäudes direkt am Ozean besteht aus einer Gruppe von Satellitenschüsseln, die sich in einem Betonbunker auf dem Rasen im südlichen Teil des Grundstücks befinden. Dank dieser Einrichtung sind Lilith und ihr Abhörteam in der Lage, ein Netz von Überwachungssatelliten des Pentagon bequem von zu Hause aus anzuzapfen, obwohl die Vorstandsvorsitzende von Mabus Tech damit offiziell nur die Kommunikationsverbindung zu der Flotte von Raumschiffen unterhält, die zu ihrem Projekt HOPE gehört.
Die Ursprünge von Amerikas Weltraumprogramm reichen zurück bis zum Kalten Krieg, als sich die rivalisierenden Ideologien der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ein Wettrennen im Weltraum lieferten. Präsident John F. Kennedy gab 1961 den Startschuss dazu, indem er das Ziel verkündete, einen amerikanischen Astronauten sicher zum Mond und wieder zurück zu bringen – was am 20. Juli 1969 auch gelang.
In den folgenden vier Jahrzehnten schleppte sich die Erkundung des Weltraums recht mühsam dahin.
Ein Teil des Problems bestand darin, dass es keine klar definierten Ziele mehr gab. Die Situation wurde weiter verschärft durch die Entscheidung Präsident Nixons, das Space Shuttle zum zentralen Zukunftsprojekt der NASA zu machen. Das Space Shuttle diente nicht der weiteren Eroberung des Weltalls, sondern war ausschließlich für den erdnahen Raum angelegt; außerdem besaß es einige Konstruktionsmängel, die schließlich zur Challenger – und zur Columbia-Katastrophe führen sollten. Der Rest der veralteten Flotte wurde nur noch zum Shuttledienst zwischen der Erde und der Internationalen Raumstation ISS (einer weiteren trägen Schildkröte im erdnahen Bereich) eingesetzt, während das öffentliche Interesse am Raumfahrtprogramm schwand.
Ohne Wissen der NASA waren alle weiteren Mondmissionen infolge einer streng geheimen Anweisung aus der Amtszeit Lyndon B. Johnsons auf Dauer eingestellt worden. Erst im Jahr 2029 durchbrach ein Privatunternehmen den Würgegriff, in dem der militärisch-industrielle Komplex die Erkundung des Weltraums gefangen gehalten hatte. Diese Revolte wurde vom Sohn eines Multimillionärs angeführt, der mit Riesenschritten auf seinen eigenen Untergang zuzustürmen schien.
Lucian Mabus wurde mit einem Platinlöffel im Mund geboren. Er war das einzige Kind des Rüstungsunternehmers Peter Mabus und seiner früh verstorbenen Frau Carolyn. Während seiner Kindheit und Jugend wurde er von Privatlehrern und persönlichen Trainern erzogen, während sein Vater eine politische Kampagne startete, um die Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Ennis Chaney zu verhindern und selbst ins Weiße Haus einzuziehen. In seiner Verbitterung über die Wahlniederlage im Jahr 2016 suchte Mabus nach anderen Möglichkeiten, dem Land die politische Führung zu nehmen. Schließlich kam es zu einer endgültigen Sanktion durch die Leibwächter der Gabriel-Zwillinge, nachdem Mabus einen Killer engagiert hatte, um Jacob und Immanuel umzubringen.
Schockiert über die Ermordung seines Vaters verbrachte Lucian Mabus den Rest seiner Teenagerjahre unter den wachsamen Augen eines Onkels, der es vorzog, seinen widerspenstigen Neffen in Suchtkliniken unterzubringen, anstatt sich immer wieder der Folgen von dessen Alkohol – und Drogensucht erwehren zu müssen.
Lucian feierte an seinem achtzehnten Geburtstag seine Volljährigkeit, indem er die letzte dieser Kliniken verließ, die beinahe sein Zuhause geworden waren, und warf seinen vom Gericht bestimmten Vormund aus dem Haus seines Vaters. Jetzt konnte Lucian über das Familienvermögen verfügen, und er kompensierte seine persönliche Unsicherheit durch einen Lebensstil, der ausschließlich auf unmittelbaren Genuss ausgerichtet war, auch wenn er dem jungen Mann auf Dauer nur schadete.
Sechs Jahre, zwei gescheiterte Ehen und eine viermonatige Haftstrafe später fand sich Lucian schließlich in der Gesellschaft von Lilith Aurelia wieder. Die Domina mit der mokkafarbenen Haut wurde zu seiner Obsession, ihr rücksichtsloser Ehrgeiz riss ihn mit sich wie ein tobender Fluss. Die in Armut geborene Lilith suchte nach jener Macht, die die neue gesellschaftliche Elite genoss; diese Elite bestand aus pathologischen Globalisierungsprofiteuren, die ebenso langsam wie konsequent und manipulativ die internationalen Mächte zu einer einzigen Weltregierung zusammenführten.
Um in dieser Neuen Weltordnung eine Rolle spielen zu können, brauchte sie eine Nische; Lilith fand sie im Projekt HOPE.
Humans for One Planet Earth – Menschen für den einen Planeten Erde – war ein Raumfahrtprogramm, das im Jahr 2016 von einer Gruppe ehemaliger Astronauten, Ingenieure und Raketenwissenschaftler gegründet worden war, die die NASA wegen der dort herrschenden Vetternwirtschaft verlassen hatten. Im Gegensatz zu anderen privaten Raumfahrtunternehmen, die Satelliten in den Orbit brachten, wollte HOPE zum Pionier auf dem Gebiet des Weltraumtourismus werden. Die Gruppe hatte ein neues Passagier-Raumfahrzeug entworfen, das wie ein Flugzeug horizontal startete und zu seiner maximalen Flughöhe aufstieg. Dann zündeten Raketentriebwerke und beförderten die Maschine ins All. Sobald die Erdumlaufbahn erreicht war, konnten die zahlenden Passagiere zwölf Stunden der Schwerelosigkeit und danach ein Leben voller Erinnerungen an dieses Ereignis genießen.
HOPE brauchte nur noch einen großen Investor.
Auf Drängen seiner Verlobten ging Lucian Mabus eine Partnerschaft mit den Direktoren von HOPE ein und übernahm die kleine Firma als Mehrheitseigner. Am 15. Dezember 2029 startete der erste sogenannte Weltraumbus von seiner neuen, viereinhalb Kilometer langen Startbahn am Kennedy Space Center. An Bord befanden sich einhundertzwanzig VIPs, vor allem wichtige Aktionäre, politische Würdenträger und Medienvertreter sowie Lucian, Lilith und eine zwölfköpfige Besatzung. Kein reales oder fantasiertes Ereignis hätte diese Zivilisten auf den Zauber des Weltalls vorbereiten können. Der Flug verlief problemlos, die Versorgung war erstklassig und der Ausblick sowohl Ehrfurcht gebietend als auch inspirierend. Nach der ersten Hälfte des Fluges heirateten Lucian und Lilith. Sie vollzogen die Ehe bei Schwerelosigkeit in ihrer Flitterwochen-Koje und wurden die ersten offiziellen Mitglieder des 22 000-Meilen-Clubs.
Sie sollten nicht die letzten sein. Innerhalb weniger Monate nahm HOPE den Verkehr mit vier Weltraumbussen pro Woche auf, das Ticket zu 100 000 Dollar pro Passagier. Trotz dieses stattlichen Preises gab es eine vierzehnmonatige Wartezeit. Schon bald wurde die Flotte um drei Flugzeuge ergänzt, und Pläne für Space Port-1, das erste Weltraumhotel für zahlende Gäste, wurden entwickelt. Als in den Werbebroschüren der Firma auch ein Mondshuttle auftauchte, schritt das Verteidigungsministerium ein und erklärte den Mond für tabu.
Lucian raste vor Wut. Es mochte ja sein, dass die Neue Weltordnung seine Freiheit auf der Erde einschränkte, doch der Mond gehörte niemandem. Eine teure Anwaltskanzlei wurde engagiert, Prozesse drohten.
Unterdessen verfolgte Lilith ihre eigene Strategie, damit umzugehen, dass die Regierung der Firma den Fehdehandschuh hingeworfen hatte, und traf sich heimlich mit Präsident John Zwawa.
Eine Woche vor seinem sechsundzwanzigsten Geburtstag starb Lucian Mabus an Herzversagen; sein Arzt schrieb dieses Ende dem über zehnjährigen Alkohol- und Drogenmissbrauch seines Patienten zu. Nur wenige Wochen nach der Beerdigung erhielt die neue Vorstandsvorsitzende von Mabus Tech Zugang zu Golden Fleece, einem streng geheimen Raumfahrtprogramm, das von Dave Mohr, einem Direktor der NASA, geleitet wurde.
Drei Monate später machten Gerüchte die Runde, dass Lilith schwanger sei. Devlin Mabus wurde elf Monate nach Lucians Tod geboren, was den Verdacht bestätigte, dass die Mutter des Jungen eine Affäre gehabt hatte. In Washington war man allgemein der Ansicht, dass es sich bei dem Vater des weißhaarigen Kindes mit den ebenholzfarbenen Augen um Präsident Zwawa handelte.
Doch so war es nicht.
Die schwarze Limousine folgt der Polizeieskorte auf der pittoresken A-1-A in Richtung Norden und biegt in die mit einem Tor gesicherte Abzweigung zum Mabus-Besitz ein.
Präsidentin Heather Stuart steigt aus dem Wagen; begleitet wird die Demokratin mit dem kastanienbraunen Haar von ihrem Stabschef Ken Mulder und dem Nationalen Sicherheitsberater Donald Engle. Der gut hundertzwanzig Kilo schwere Engle ignoriert Klingel und Gegensprechanlage und hämmert mehrmals mit der Faust gegen die doppelflüglige Tür aus Eichenholz. Dann wartet er. Schließlich setzt er das energische Anklopfen fort.
Mulder wirft der Präsidentin einen verwirrten Blick zu. »Ist das irgendein Spiel, das die mit uns spielen? «
Heather Stuart ist die zweite Frau und erste Homosexuelle im Oval Office. »Das ist Poker, Ken. Machen Sie bloß keinen Fehler. Die beobachten uns und bewerten unsere Reaktionen.«
Mulder sieht zur Überwachungskamera hoch. »Poker ist ein Glücksspiel. Schach ist mir lieber.«
Die Tür öffnet sich, und ein Mann Ende sechzig mit wächserner Haut erscheint. Sein kurzgeschnittenes Haar ist mausgrau und lockig, was gut zu seinen trägen, hinter rosafarbenen Brillengläsern versteckten Schweinsäuglein passt. Er ist barfuß, trägt ein bunt gemustertes Hawaiihemd und dazu passende Bermudashorts. Seine schmalen Lippen saugen an einer Bong wie an einem Schnuller.
Der breite Schatten Donald Engles fällt in die Türöffnung. »Lilith Mabus?«
Das irre Grinsen hinter dem mit Cannabis gefüllten Rauchgerät, das von manikürten Fingern gehalten wird, verwandelt sich in ein Kichern. »Nein, großer Mann. Ich bin Liliths persönlicher Assistent Benjamin Merchant, zu Ihren Diensten. Herein mit Ihnen, wir haben Sie schon erwartet.« Sein schleppender Süd-Alabama-Akzent klingt wie mit Saccharin gesüßt.
Merchant führt sie durch die große Eingangshalle, deren Boden aus Onyx besteht. Jenseits der Panoramafenster am gegenüberliegenden Ende des Hauses kann man den Pool erkennen, dessen unsichtbare Begrenzung vollkommen mit den türkisfarbenen Wellen des Atlantiks zu verschwimmen scheint.
»Madam President, gestatten Sie mir die Bemerkung, dass es eine große Ehre für mich ist, Ihnen endlich einmal persönlich zu begegnen. Auch ich ziehe Personen meines eigenen Geschlechts vor, was vermutlich mit der Art zu tun hat, wie ich aufgewachsen bin. Hat Ihr katholischer Pfarrer Sie auch mit Zärtlichkeiten überhäuft? «
Heather Stuart errötet. »Nein, das hat er definitiv nicht getan.«
»Ja, ich vermute, diese Herren beschränken sich auf kleine Jungs. Aber was ist mit den Nonnen?« In einem Schlendergang, der deutlich von seinem Drogenkonsum beeinflusst ist, führt Merchant die Besucher an einer ausladenden Eichentreppe vorbei zu einer im gleichen Stil gefertigten Doppeltür. »Die Dame des Hauses befindet sich in diesem Zimmer. Treten Sie ein, während ich uns etwas zu trinken besorge.«
Ken Mulder wartet, bis der entnervende Mann verschwunden ist, bevor er die Türen öffnet.
Das Arbeitszimmer ist ein etwa einhundert Quadratmeter großer, fünfeckiger Raum, dessen Wände mit Mahagoni verkleidet sind. Unter der hohen, gewölbten Decke sind kreuzweise angeordnete Balken aus Teakholz zu erkennen. Auf einem dazu passenden Schreibtisch befindet sich eine kreisförmig angeordnete Computerstation mit einem um zweihundertsiebzig Grad gewölbten Plasmabildschirm. Auf der anderen Seite des Zimmers stehen sich mehrere Sitzgelegenheiten – drei Ledersofas und zwei Bambussessel – gegenüber.
Lilith Mabus sitzt auf dem Sofa in der Mitte. Sie hebt den Blick ihrer türkisfarbenen Augen, um die Besucher zu begrüßen. Das Hunahpu-blaue Leuchten strahlt wie die Augen einer Katze bei Nacht. Wie Efeu sinkt das gewellte, rabenschwarze Haar auf ihren dunklen Kimono, dessen dünner Stoff sich gegen ihre Brüste presst.
Beunruhigenderweise ist der Körper der mokkahäutigen, vierunddreißig Jahre alten Göttin unter dem hüftlangen Kimono nackt. Liliths bloße Füße ruhen auf dem Couchtisch, und es ist ganz offensichtlich, dass sie ihr Geschlecht zur Schau stellt und ihre Gäste herausfordert, einen Blick zu riskieren.
Die Augen von Mulder und Engle werden immer größer, doch Präsidentin Stuart schüttelt nur den Kopf.
Die Verführerische lächelt. »Willkommen im Oral Office, Madam President.«
»Beeindruckend. Aber ich heiße nicht Zwawa, und das hier ist, wenn Sie nichts dagegen haben, nicht einfach nur ein geselliges Beisammensein.«
»Oh, ich habe überhaupt nichts dagegen. Aber Sie waren es, die um ein persönliches Gespräch gebeten hat, und ich finde formelle Kleidung einfach zu konformistisch. Sie können sich setzen, oder Sie können stehen bleiben und mich weiter anstarren, das liegt ganz bei Ihnen.«
Heather Stuart gibt den beiden Mitgliedern ihres Kabinetts ein Zeichen. Die Männer setzen sich auf eines der Sofas, das im rechten Winkel zu dem von Lilith steht, während die Präsidentin auf einem der Bambussessel direkt gegenüber ihrer Gastgeberin Platz nimmt.
Lilith beugt sich über den kräftigen Nationalen Sicherheitsberater und blinzelt ihm zu. »Ist etwas nicht in Ordnung, Donald? Trauen Sie sich selbst nicht über den Weg? Früher haben Sie Ihre Blicke nie von mir abgewendet, wenn ich John im Westflügel besucht habe.«
»Da waren Sie nicht nackt, Lilith.«
»Stimmt, aber Sie haben sich das vorgestellt, nicht wahr, Donald? Wie Sie den Spalt zwischen meinen Brüsten angestarrt haben … wie Sie jedes Mal, wenn ich durch das Zimmer gegangen bin, meinen Hintern taxiert haben. Sagen Sie mir, war ich gut im Bett?«
»Wie bitte?«
»Wenn Sie in den Nächten darauf masturbiert haben … war ich gut im Bett?«
»Das reicht!« Die Präsidentin wendet sich an ihren Nationalen Sicherheitsberater. »Geben Sie ihr einen Überblick über die Lage.«
Donald Engle stellt seinen Attachékoffer auf den Couchtisch direkt neben Liliths nackte Füße und öffnet ihn. Ein holographischer Projektor erscheint. »Der Bericht, den Sie gleich sehen werden, wurde als UMBRA klassifiziert, was noch über einer Einordnung als streng geheim liegt. Sollten Sie den Inhalt irgendjemandem zugänglich machen, werden Sie sofort festgenommen. «
»Wie aufregend.«
Engle schaltet das Gerät ein, woraufhin über der Sitzgruppe ein frei in der Luft schwebendes, 360 Grad umfassendes Video erscheint, das den Yellowstone-Nationalpark zeigt. »Während die Allgemeinheit den Yellowstone-Nationalpark vor allem wegen seiner Geysire und heißen Quellen kennt, stellt er für Wissenschaftler eine tickende Zeitbombe dar, die uns Mutter Natur hinterlassen hat und deren Energie zehntausendmal so groß ist wie diejenige, die beim Ausbruch des Mount St. Helens frei wurde. Acht Kilometer unter der Oberfläche befindet sich ein Supervulkan, der keinen Kegel besitzt. Von ihm stammt die Energie der Geysire und der heißen Quellen. Man bezeichnet ihn üblicherweise als Caldera.«
Das Bild verändert sich und wird zu einer animierten Darstellung der unterirdischen Magmakammer; die verschiedenen Temperaturbereiche sind durch unterschiedliche Farben hervorgehoben. »Genau genommen befinden sich unter dem Yellowstone drei Calderas. Die größte und gefährlichste von ihnen ist 180 Kilometer lang und 77 Kilometer breit und damit fast so groß wie der gesamte Park.
Im Laufe der Erdgeschichte kam es bereits dreimal zu einer Eruption des Yellowstone, das erste Mal vor 2,1 Millionen, das zweite Mal vor 1,2 Millionen und das dritte Mal vor 630 000 Jahren. Bei diesen Eruptionen wurden 25 000 Kubikkilometer an Geröll und Erdreich freigesetzt. Der gewaltige Ausstoß an Lava ließ die Vulkankegel einstürzen, so dass sich diese drei mächtigen Senken bildeten.«
Die animierten Eruptionen verschwinden, und es erscheint eine aktuelle Luftaufnahme eines überschwemmten Waldgebiets.
»Unseren Wissenschaftlern ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass eine Eruption der Calderas des Yellowstone überfällig ist. Was Sie hier sehen, ist der Yellowstone Lake. Im nördlichen Abschnitt des Parks direkt über der Magmakammer befindet sich eine gewaltige Bodenaufwölbung von der Größe eines Hügels. Seit der ersten geologischen Untersuchung des Parks Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts vergrößert sich diese Wölbung immer weiter. In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts zeigten sich Wissenschaftler zum ersten Mal darüber beunruhigt, weil diese Wölbung das Nordende des Yellowstone Lake anzuheben begann, wodurch das Wasser des Sees in den Wald am Südufer strömte.«

»Eine sich vergrößernde Wölbung, die sich schließlich in einen Wald verströmt?« Lilith blinzelt Engle zu.
Der Nationale Sicherheitsberater ignoriert sie. »Sollte es zu einer erneuten Eruption der Caldera kommen, werden dabei Energien freigesetzt, wie sie bei einem Asteroideneinschlag auftreten. Der pyroklastische Strom könnte unmittelbar mehrere Zehntausend Menschen töten, die in der Umgebung leben. Die Aschewolke wird in die Stratosphäre aufsteigen, den größten Teil der Vereinigten Staaten bedecken und vor allem die großen Ebenen – also Amerikas Kornkammer – in Mitleidenschaft ziehen. Die Aschewolke wird sich schließlich über den gesamten Globus hinweg ausbreiten, sich wie eine Decke über die Atmosphäre legen, die Sonnenstrahlung abschirmen und unseren Planeten zu einer hunderttausend Jahre währenden Eiszeit verurteilen. «
»Brrr.«
»Ich bin erfreut, dass Sie das so amüsiert.«
»Donald, Herzchen, jeder Sechstklässler weiß über die Yellowstone-Caldera Bescheid. Das Pionierkorps der Armee beschäftigt sich schon seit fast einem Jahrzehnt mit nichts anderem mehr. Ihre eigene Regierung hat eine Milliarde Dollar aus dem Programm zur Förderung der Farmen im Mittleren Westen dazu verwandt, den Druck in der Magmakammer zu senken.«
»Aus irgendeinem Grund haben diese Ventile nicht funktioniert. Vor vier Wochen sind die vulkanischen Kammern der Caldera in sich zusammengestürzt und haben eine gewaltige Magmakammer geschaffen. Der Druck innerhalb dieser Kammer steigt stetig an. Inzwischen sagen unsere Geologen voraus, dass es innerhalb der nächsten vier bis sechs Monate zu einer Eruption kommen wird. Vielleicht auch schon früher.«
»Aber das wissen Sie natürlich schon«, bemerkt die Präsidentin und sieht Lilith direkt in die irritierend türkisfarbenen Augen. »Wir wissen, dass Sie über Kontaktpersonen verfügen, die Ihnen direkte Informationen aus den Reihen des geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten geliefert haben – und zwar schon lange bevor Sie den inzwischen verstorbenen Multimillionär Lucian Mabus geheiratet haben. Und diese Informationen sprudeln bis heute – obwohl es inzwischen schon einige Zeit her ist, seit Sie angefangen haben, John Zwawa im Oval Office zu vögeln. Sie müssen in dieser Hinsicht ja wahnsinnig viel draufhaben. Entweder das, oder es ist Ihnen irgendwie gelungen, den früheren Präsidenten unter Druck zu setzen. Seit 2032 fließen pro Jahr einhundert Milliarden aus den schier unerschöpflichen Ressourcen des Pentagon in das Marskolonie-Projekt von HOPE. Hinzu kommen Begünstigungen bei Verträgen mit Cape Canaveral und Houston … und sogar Zugang zu Golden Fleece. So viel Unterstützung, und trotzdem schaffen Sie es nicht, Ihren eigenen Zeitplan einzuhalten.«
Wie zuvor abgesprochen, springt Mulder auf. »Madam President, das Problem besteht darin, dass Lilith sich auf Golden Fleece verlassen hat, um ihre Shuttles mit Nullpunktenergie auszustatten.« Der Stabschef schüttelt den Kopf. »Das war ein riskantes Spiel, Lilith. Diese Irren von MAJESTIC-12 versuchen seit einer Ewigkeit, genau denselben Durchbruch zu erreichen. Nur auf deren Drängen hin wurde das Moratorium für den Betrieb des Large Hadron Collider während der ersten Amtszeit von Präsidentin Stuart aufgehoben. «
Lilith schweigt, doch die Gedanken rasen mit Lichtgeschwindigkeit durch ihren Kopf.
»Sehen Sie den Tatsachen ins Auge«, fährt Mulder fort. »Konstruktionsprobleme haben die Fertigstellung der ersten Shuttles zur Ausrüstung der Marskolonie um volle drei Jahre verzögert. Vor vier Wochen, nur wenige Tage nach dem Zusammenbruch der Caldera, hat HOPE neue Investoren aus Moskau und Peking mit an Bord geholt. Zufall? Vielleicht. Wahrscheinlicher ist jedoch ein neuerlich erhöhter Finanzbedarf angesichts der Explosion der Rohstoffpreise und der Kosten für weitere Raumfahrt-Ingenieure. Im Laufe von fünfzehn Jahren ist es Ihnen gelungen, zwei Biosphären und drei geschützte landwirtschaftliche Anbauflächen einzurichten – mehr nicht. Somit sind Sie nicht in der Lage, wie geplant neuntausend Personen zu versorgen, sondern kaum mehr als fünfzehnhundert. Die Probleme, die Sie haben, werden noch dadurch verschärft, dass Sie nur über ein Dutzend funktionsfähiger Shuttles verfügen, von denen jedes genau zweiundfünfzig Passagiere befördern kann.«
»Zwölf Shuttles«, meldet sich die Präsidentin wieder zu Wort. »Ein Flug zum Mars dauert mindestens sechs Monate, und für den Rückflug braucht man genauso lange. Das bedeutet, es dauert ein volles Jahr, um die ersten etwa achthundert VIPs auszufliegen, die allesamt ihre Passage im Voraus bezahlt haben. Zwar könnten Sie in dieser Zeit Ihre Flotte vergrößern, doch die launischen vulkanischen Kräfte in Yellowstone haben beschlossen, dass es keine weiteren Shuttlestarts mehr geben wird. Hieraus ergibt sich, dass von den neuntausend Investoren, die zusammen mehr als eine Billion Dollar aufgebracht haben, weniger als zehn Prozent in der Lage sein werden, unseren dem Untergang geweihten Planeten zu verlassen.«
»Wenn das bekannt würde …« Mulder hebt eine Augenbraue. »Sie haben sich da mit sehr mächtigen Leuten eingelassen, Lilith. Das sind weltweit agierende Führungspersönlichkeiten und Bankiers, die dafür sorgen könnten, dass Ihr Unternehmen umgehend dichtmachen muss – lange bevor jene zwölf Shuttles wie geplant in achtundzwanzig Tagen auf der Startbahn von HOPE abheben würden.«
»Natürlich könnten auch wir dafür sorgen«, wirft Engle ein. »Zum Beispiel im Hinblick auf die Nichteinhaltung von Sicherheits – und Arbeitsschutzbestimmungen. Das könnte zu einigen höchst unglücklichen Verzögerungen führen.«
»Nun, Donald, alles ist verhandelbar.« Präsidentin Stuart lehnt sich zurück und legt in einer spöttischen Nachahmung ihrer Gastgeberin ihre Füße, die in Schuhen mit flachen Absätzen stecken, auf den Couchtisch.
Lilith lächelt kalt. »Dazu haben wir uns also getroffen – um zu verhandeln?«
»Es geht eher um eine Partnerschaft, die unser beiderseitiges Überleben sichert. Meine Bedingungen sind einfach. Ich will einen Flug und die erforderliche Unterkunft für meine zweihundert wichtigsten Mitarbeiter und ihre Familien. Gehen Sie darauf ein, und Sie haben keine Probleme mit den für den 29. dieses Monats geplanten Starts.«
Liliths Lächeln widerspricht ihrem boshaften Blick. Sie steht auf und schlendert barfuß um die Sitzgruppe herum, bis sie hinter der Präsidentin zu stehen kommt. Sie beugt sich nach vorn und flüstert der höchsten militärischen Befehlshaberin der Vereinigten Staaten ins Ohr: »Heather, Herzchen, Sie haben wirklich keine Ahnung, wer oder was ich bin, oder?«
Präsidentin Stuart will gerade antworten, als sie aus den Augenwinkeln heraus eine Bewegung wahrnimmt. Sie sieht einen weißen Nebel, der Schwindelgefühle in ihr auslöst. Gleichzeitig wird sie von einem Gefühl erfüllt, das weitaus bizarrer ist: Es kommt ihr so vor, als hätte sich die Aura des Zimmers plötzlich verändert.
Vom anderen Ende des Raumes aus mustert Devlin Mabus die Präsidentin und ihre Begleiter. Das seidige Haar des hellhäutigen Vierzehnjährigen ist weiß, schulterlang und zu einem straffen Pferdeschwanz gebunden. Seine hohen Wangenknochen und die üppigen Lippen ähneln denen seiner Mutter, doch die Hunahpu-Augen des Heranwachsenden sind vollkommen anders. Die Lederhaut jedes Auges weist ein schartiges Flickwerk aus dicken Kapillargefäßen der Chorioidea auf, wodurch das normale Weiß des Auges blutrot erscheint. Die Iris ist pechschwarz, wodurch die ebenholzfarbenen Pupillen wie Pistolenläufe wirken. Er ist über einen Meter achtzig groß und trägt einen hautengen, weißen Trainingsanzug, der mit besonderen sensorischen Eigenschaften ausgestattet ist und seinen geradezu exzessiv muskulösen, etwa neunzig Kilogramm schweren Körper betont.
Lilith küsst den Teenager auf den Hals. »Madam President, haben Sie jemals meinen Sohn Devlin kennengelernt? Dev, das ist Heather Stuart, die mächtigste politische Führerin auf diesem Planeten.«
Devlin, halb Kind, halb Mann, starrt kalt durch die Präsidentin hindurch. »Wahre Führer erpressen ihre Bürger nicht.«
»Nun, korrupte schon.«
»Wer will Limonade?« Ben Merchant platzt in das Arbeitszimmer. Er schiebt einen Wagen mit Getränken und einer großen Servierplatte vor sich her, auf der sich Kuchenstücke und Süßigkeiten stapeln. Er verteilt die Getränke und legt ein rechteckiges Schokoteilchen auf einen Teller. »Madam President, Sie müssen unbedingt einen von meinen Brownies versuchen. Man könnte dafür sterben.«
Stuart leert ihr Glas zur Hälfte, schiebt die angebotene Süßigkeit jedoch beiseite. »Korruption ist ein relativer Begriff, besonders wenn eine Frau ihn benutzt, die ihren Ehemann vergiftet hat, um dessen Firma zu übernehmen. « Sie betrachtet den weißhaarigen Jugendlichen. »Was ist mit seinen Augen passiert?«
»Devlins leiblicher Vater war Jacob Gabriel. Mein Sohn ist der erste reinblütige Post-Humane unserer Ära, der nächste evolutionäre Schritt nach dem Homo sapiens. Bei seiner Spezies sind solche Augen normal. Die vergrößerten Blutgefäße liefern seinen Sehorganen viel mehr Sauerstoff, wodurch er Dinge wahrnehmen kann, die Sie sich nicht einmal vorstellen können. «
»Tatsächlich? Und da ist ja auch noch sein überaus angemessener Name – Devlin. Warum nennen Sie ihn nicht einfach Luzifer oder Satan, damit die Sache klar ist?« Die Präsidentin beugt sich auf ihrem Bambussessel nach vorn. »Also, Mom, haben Sie Interesse, das Spiel mitzuspielen, oder sollen wir …«
Plötzlich zieht sich ihr Hals zusammen, und das Zimmer dreht sich, bis es vollständig von einem weißen Nebel eingehüllt ist. Bedrohliche rote Lichtpunkte bewegen sich durch dicke Dunstschleier auf sie zu, verzerrte Stimmen hallen in ihrem unter Drogen gesetzten Gehirn wider.
Dev, wir haben doch darüber gesprochen. Das ist gefährlich. Bei der Art, wie du vorgehst, bleiben zu viele lose Enden.
Und bei der Art, wie du vorgehst, wird nie etwas wirklich geklärt.
Trotzdem war es an mir, in dieser Sache eine Entscheidung zu treffen.
Ich habe getan, was notwendig ist. Du bist viel zu tolerant gegenüber diesen menschlichen Blutegeln. Präsident Zwawa hatte Angst vor dir, und deshalb haben seine Leute das Geheimnis der Caldera so lange für sich behalten. Du bist schwach und nachlässig geworden, Mutter. Das macht mir Sorgen.
Ich würde dir raten, nicht zu vergessen, wo dein Platz ist.
Und ich würde dir raten, mich nicht zu unterschätzen.
Schwindelgefühle und Übelkeit lassen die Präsidentin wieder zu sich kommen. Sie erbricht die Reste ihres Mittagessens, bis aus ihrem heftigen Würgen ein leises Wimmern wird, und schließlich öffnet sie die tränennassen Augen.
Sie ist an den Bambussessel gefesselt. Purpurne Flecken schweben vor ihren Augen. Trotz der chaotischen Lichter kann sie Mulder und Engle sehen, die ebenfalls gefesselt sind. Sie stehen unter einem der Dachbalken aus Teakholz. Die Schlingen, die um den Hals beider Männer liegen, bieten keinerlei Spielraum, so dass die beiden gezwungen sind, auf Zehenspitzen zu stehen.
Ben Merchant umkreist sie langsam, als taxiere er zwei Pferde. »Dev, ich glaube, du hast Mr. Engle zu viel Phenobarbital gegeben. Er hat sich gerade vollgepinkelt. «
Jetzt ist Präsidentin Stuart völlig wach. Sie wirft sich in ihren Fesseln hin und her. »Das ist Wahnsinn. Lassen Sie uns sofort frei!«
»Sie freizulassen wäre Wahnsinn«, schnurrt Lilith. »Und bitte glauben Sie nicht einen Augenblick lang, dass der Grund für Ihr bisheriges Überleben irgendetwas mit dem Amt zu tun hat, in das Sie gewählt wurden, oder mit den Agenten des Secret Service, die vor dem Tor zu meinem Grundstück Posten bezogen haben. Mein Sohn könnte sie so problemlos erledigen, als ginge es darum, den Müll rauszubringen.«
Lilith kniet vor der Präsidentin nieder und legt ihr Kinn zwischen die zitternden Knie der älteren Frau. »Nun, was Ihr großzügiges Angebot, mich zu erpressen, betrifft, so muss ich leider ablehnen. Obwohl Sie natürlich Recht haben – die Marskolonie ist tatsächlich verwundbar, wenigstens so lange, bis wir die Umlaufbahn verlassen haben. Ich verstehe, dass Sie überleben wollen. Und hätten Sie nur um Plätze für sich selbst und Ihre beiden Begleiter gebeten, hätte ich wahrscheinlich nachgegeben, nur damit alles so weiterläuft wie bisher. Hätten Sie um einen zusätzlichen Platz für einen weiteren, Ihnen wichtigen Menschen nachgefragt, hätte ich diesen Wunsch zumindest erwogen, denn sich für jemanden einzusetzen, der einem nahesteht, ist ein lobenswerter Zug, wenn man das Fortbestehen einer bedrohten Art verlängern will. Stattdessen jedoch haben Sie Flug und Unterkunft für zweihundert Personen verlangt, von denen die meisten der Kolonie nichts anzubieten haben. Vielleicht war das nichts weiter als eine Zahl, mit der Sie die Verhandlungen eröffnen wollten, um am Ende einhundert oder vielleicht auch nur fünfzig Plätze zu ergattern. Vielleicht war es aber auch einfach nur Gier. Doch das spielt keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr, dass Sie wieder einmal den Unterschied zwischen einem Politiker und einer wahrhaften Führungspersönlichkeit bewiesen haben: Für einen echten Anführer haben die Bedürfnisse der Menschen oberste Priorität; ein Politiker hingegen wird immer bereit sein, die Bedürfnisse der vielen für die Privilegien einiger weniger zu verschachern.«
»Warum bilden Sie sich eigentlich ein, dass gerade Ihnen ein Urteil über mich zusteht? Sie betrügen die Menschen, die Ihr Unternehmen finanzieren. Sie haben Ihren eigenen Mann ermordet, um seine Firma zu übernehmen! «
»Die Leute, die mich finanzieren, haben ein luxuriöses Leben geführt, das nur durch die Mühen und die Arbeit der unteren Klassen ermöglicht wurde. Indem ich ihr Geld nehme, um unsere Art zu erhalten, helfe ich ihnen, ihre Seelen zu reinigen. Und was meinen so schmerzlich dahingegangenen Ehemann betrifft: Auch er hat nur den Preis für ein Leben bezahlt, das von Selbstsucht bestimmt war. Ich habe dafür gesorgt, dass er ein Werk hinterlässt, auf das er stolz sein könnte. Unglücklicherweise kann ich Ihnen nur ein Mittel anbieten, das einen heftigen Schlaganfall auslöst.«
Lilith zieht den linken Schuh der Präsidentin aus und injiziert ein wasserklares Elixier zwischen Heather Stuarts vierten und fünften Zeh.
Das Gesicht der älteren Frau zuckt mehrere Sekunden lang. Dann sackt ihr Kopf auf die noch immer zitternde Brust.
Zufrieden durchquert Lilith das Zimmer, um sich den beiden entsetzten Männern zu widmen. »Ich brauche einen Zeugen, der das höchst bedauerliche Hinscheiden der Präsidentin bestätigt. Irgendwelche Freiwillige? «
»Wir kennen uns schon seit fünfzehn Jahren«, sagt Donald Engle beschwörend. »Sie können sich darauf verlassen, dass ich alles tun werde, was Sie auch immer verlangen!«
Ken Mulder sieht Lilith direkt in die Augen. »Wir haben Dave Mohr.«
Für einen winzigen Moment leuchten die Augen des weiblichen Hunahpu rötlich orangefarben auf.
Ben Merchant, der sich auf eines der Sofas gefläzt hat, setzt sich auf. »Dave Mohr? Also den Namen habe ich ja schon ziemlich lange nicht mehr gehört. War er nicht der Leiter dieses längst eingegangenen MJ-12-Projekts? «
»Golden Fleece.« Mulder hat Mühe, weiter auf seinen Zehen zu balancieren. »Seine Frau war an Bord des Kreuzfahrtschiffes, das letzte Woche untergegangen ist. Kurz bevor der Ozeanriese mit Mann und Maus versank, konnten wir ein Gespräch abhören. Dr. Mohr ist in Gewahrsam, wir haben ihn aus dem Verkehr gezogen. Er war sehr … gesprächig.«
Lilith tritt hinter den Stabschef. »Ich höre.«
»Mohr hat uns alles über das Hunahpu-Gen verraten. Die Gabriel-Zwillinge hatten es, und Sie haben es auch. Und Ihr Sohn.«
»Erzählen Sie mir etwas, was ich noch nicht weiß.«
»Jacob ist schon längst verschwunden. Angeleitet vom Schöpfungsmythos der Maya, hat er sich aufgemacht, um seinen Vater zu retten. Doch inzwischen wissen wir, dass sein Zwillingsbruder ihn nicht begleitet hat.«
»Lügner!« Lilith zieht Mulders Schlinge noch straffer. »Das Popol Vuh hat die Reise der Zwillinge vorhergesagt. Die Gabriel-Söhne befinden sich jetzt in Xibalba!«
Mulder krächzt, sein Körper schwingt unter der Schlinge hin und her. »Manny hat sich geweigert zu gehen. Mohr sagt, dass sich seine Kräfte noch am selben Tag manifestierten, an dem sein Bruder davongeflogen ist. Er hat uns gesagt, dass Manny mit Jake genetisch auf einer Stufe steht … und dass seine Kräfte immer weiter wachsen.«
Lilith wendet sich ihrem Sohn zu und nimmt telepathisch Verbindung zu ihm auf: Wie konntest du nur zulassen, dass Immanuel über all die Jahre hinweg unentdeckt blieb?
Es gibt nur eine Möglichkeit für mich, einen anderen Hunahpu zu finden: Er muss sich in den Nexus begeben. Doch Immanuel hat nie eine Verbindung zu höheren Welten aufgenommen, jedenfalls nicht, seit ich auf der Welt bin.
Deine Klinge. Gib sie mir.
In einer einzigen flüssigen Bewegung zieht Devlin ein zwanzig Zentimeter langes Obsidianmesser aus seinem Gürtel und wirft es seiner Mutter zu …
… die es mitten in der Luft am Griff auffängt und das todbringende Ende der Waffe ohne innezuhalten in Donald Engles Herz bohrt. Der völlig überraschte Nationale Sicherheitsberater sackt nach vorn, wodurch er sich selbst erhängt.
»Ben, Mr. Engle hat beschlossen, seinen Aufenthalt bei uns auf unbestimmte Zeit zu verlängern.«
»Sehr wohl. Was geschieht mit unserem rotgesichtigen Freund?«
Lilith zieht die Klinge aus Engles Brust und schneidet damit Mulders Seil durch.
Der Stabschef fällt auf die Knie, und jeder seiner krächzenden Atemzüge bringt wieder etwas mehr Farbe in sein Gesicht. Zitternd starrt er seinen toten Kollegen an. »Glauben Sie wirklich, dass Sie damit durchkommen? «
»Das hängt ganz alleine von Ihnen ab. Ihre Verschwiegenheit und der Zugang zu Dr. Mohr verschaffen Ihnen zwei Plätze in einer unserer Maschinen. An Ihrer Stelle würde ich mir genau überlegen, wen ich mitnehme – Ihre Ehefrau oder Ihre italienische Geliebte.«
Sie wischt die Klinge an Donald Engles Leiche ab und wirft sie dann Devlin zu, der sie so schnell fängt, dass Mulder die Bewegung nicht wahrnehmen kann.
»Finden Sie Immanuel Gabriel und bringen Sie ihn zu mir. Wenn Ihnen das gelingt, dürfen Sie Ihre beiden Kinder mit auf die Reise nehmen. Das sind meine Bedingungen, Mr. Mulder. Akzeptieren Sie sie, oder schließen Sie sich dem ungeplanten dreiwöchigen Urlaub von Mr. Engle an.«
NACHGELASSENE PAPIERE VON DR. JULIUS GABRIEL
ARCHIV DER CAMBRIDGE UNIVERSITY
23. August 2001
Wenn Sie an die Existenz eines höchsten Wesens glauben, dann möchte ich Ihnen den Gedanken nahelegen, dass das Ende aller Tage – auch wenn es von der Menschheit selbst herbeigeführt werden wird – dennoch gleichermaßen und zweifellos ein übernatürliches Ereignis darstellt, denn wie könnte wohl irgendeine Macht in diesem physischen Universum größer sein als Gott? Aus dieser Schlussfolgerung ergibt sich natürlich eine Frage: Warum sollte Gott dem Menschen erlauben, das zu zerstören, was Er geschaffen hat?
Um den Jüngsten Tag zu verstehen und damit zu verhindern, müssen wir sogar eine noch wichtigere Frage stellen: Warum wurden wir überhaupt erschaffen?
Lassen Sie uns Gott vorerst aus dieser Gleichung heraushalten. Wenn wir uns auf die naturwissenschaftliche Perspektive beschränken, so wissen wir heute, dass das physische Universum mit dem Urknall begann und dass in diesem physischen Universum Galaxien, Sonnensysteme und Planeten entstanden. Einer dieser Planeten war unsere superheiße vulkanische Welt. Mit der Zeit kühlte die Erde ab, und aus dem Wasser in den Asteroiden, die in einem viele Millionen Jahre währenden Bombardement auf die Erde niedergingen, bildete sich die Atmosphäre. Ozeane entstanden, und nach etwa dreieinhalb Milliarden Jahren erwuchs im Meer, durch eine Kombination aus chemischen Reaktionen und, möglicherweise, einem zufälligen Blitzschlag, das erste Leben. Eine weitere Milliarde Jahre folgte, gekennzeichnet durch das Prinzip von Versuch und Irrtum; in dieser Zeit entstanden komplexere Organismen einschließlich Sauerstoff produzierender Korallen, Trilobiten und Fischen. Amphibien eroberten das Land, wurden zu Reptilien und Dinosauriern, und schließlich entwickelte sich eine neue, gegenüber allerlei Gefahren noch sehr anfällige Gruppe von Lebewesen, die Säugetiere.
Und dann, vor fünfundsechzig Millionen Jahren, kam es zu einem weiteren, scheinbar zufälligen, aber ausschließlich dem Kausalgesetz folgenden Ereignis in Gestalt eines Asteroiden von elf Kilometer Durchmesser, der im Golf von Mexiko nahe der späteren Halbinsel Yukatan einschlug. Diese kosmische Kollision schleuderte so viel Staub in die Atmosphäre, dass Sonnenlicht und Wärme nicht mehr wie zuvor bis zur Erdoberfläche durchdringen konnten. Die Photosynthese kam zum Erliegen, und die folgende Eiszeit löschte die Dinosaurier aus. Als die Sonne schließlich wieder schien, waren die Karten auf dem Planeten neu verteilt worden. Unsere Säugetiervorfahren, die zunächst kleinen Mäusen ähnelten, konnten sich zu Primaten weiterentwickeln, so dass am Ende nur noch ein Schritt fehlte, bis der Mensch der Urzeit entstand, aus dem schließlich der moderne Homo sapiens sapiens hervorging.
Doch während die Wissenschaft unsere Vergangenheit recht gut darstellen kann, bietet sie uns keine Antwort auf die Frage, wer das alles geschaffen hat und warum dieser Jemand oder dieses Etwas überhaupt ein Bedürfnis nach der eben beschriebenen physischen Welt gehabt haben sollte. Also erfand der Mensch die Religion, und die Religion gab uns »den großen Kumpel im Himmel« – und dazu Krieg und Hass und all die anderen wunderbaren Dinge, die unser Ego nötig hat, wenn wir andere dazu zwingen wollen, ebenfalls zu glauben, dass unser »großer Kumpel« der einzig wahre große Kumpel ist. Und da Religionen organisiert sein müssen und die entsprechenden Einrichtungen benötigen, die ihre praktische Ausübung (einschließlich der Gebete) ermöglichen, waren sie auf Geld angewiesen. Und dabei ging es nicht etwa um die Abgabe des Zehnten, um den Armen zu helfen; vielmehr wurde mit Hilfe von Stiftungen und Schenkungen dafür gesorgt, dass große Herrschersitze mit weitreichendem politischem Einfluss entstanden – samt Inquisition und Kreuzzügen. Denn nichts ist spirituell so erhebend, wie seine Mitmenschen im Namen Gottes und des Patriotismus zu berauben, zu foltern und zu massakrieren – und dabei auf die bescheuerten Zehn Gebote zu pfeifen.
Trotz all dieser Dinge aber haben wir noch immer keine Ahnung, warum unser großer Kumpel uns geschaffen hat, warum wir hier sind oder warum unsere Spezies so sehr dazu neigt, genau das Gegenteil dessen zu tun, was die institutionalisierte Religion uns gebietet – nämlich einander zu lieben.
Ich bin als Christ aufgewachsen, und obwohl ich die religiösen Dogmen infrage stellte, war ich nur allzu gerne bereit, den Gedanken eines »höchsten Wesens« über meine Theorien zur Evolution zu träufeln, was vor allem daran lag, dass die Finanziers meiner Arbeit sich wohler fühlten, wenn sie wussten, dass ihre Schecks an einen »gottesfürchtigen Wissenschaftler« gingen. Logischerweise sah ich unter diesen Umständen keinen Grund, einen Schöpfer aus dem Evolutionsprozess auszuschließen – vorausgesetzt natürlich, es ließen sich die entsprechenden Hinweise finden.
Maria Rosen war eine Freundin und Kommilitonin in Cambridge, die im Hauptfach Religionswissenschaften studierte. Die zukünftige Mrs. Julius Gabriel war in London als Tochter eines britischen Vaters und einer spanischen Mutter geboren worden, und sie und ihre beiden Schwestern waren als Reformierte Jüdinnen aufgewachsen. In den Sommerferien reiste Maria nach Israel, um ihren archäologischen Interessen nachzugehen.
Das Schicksal oder der Zufall wollten es, dass sie Rabbi Yehuda Tzvi Brandwein begegnete.
Brandwein war ein orthodoxer Rabbi aus Tel Aviv und ein entschiedener Gegner der Ultra-Konservativen. Er unterrichtete in aller Offenheit eine uralte Weisheitslehre, zu der während der letzten zweitausend Jahre ausschließlich orthodoxe jüdische Männer im Alter von über vierzig Jahren Zugang gehabt hatten. Nach Rabbi Brandweins Überzeugung war die Zeit gekommen, da alle Menschen unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben die Möglichkeit haben sollten, spirituelle Erfüllung zu finden. Auf eigene Gefahr begann er, dieses lange verborgene Wissen einem breiten Publikum vorzustellen.
Der Name dieser uralten Weisheitslehre: Kabbala.
Das Wort Kabbala bedeutet »empfangen« und bezieht sich auf das Licht des Schöpfers, das den Empfangenden erfüllt. Zwar wird die Kabbala häufig als jüdische Mystik aufgefasst, aber in Wahrheit handelt es sich um eine Art grundlegender Leitfaden der Spiritualität, der nicht an eine bestimmte Konfession gebunden ist und jeder organisierten Religion vorausgeht. Vor viertausend Jahren machte Gott Abraham seine Weisheit zum Geschenk – einem Mann, der, ohne dies je beabsichtigt zu haben, zum Patriarchen des Judentums, des Christentums und des Islam wurde. Abraham legte diese Weisheit im Sefer Jetzira, nieder, dem Buch der Formung, und sie wurde durch die Jahrhunderte hinweg weitergetragen, obgleich sie viel zu »mystisch« war, als dass der Mensch der Vergangenheit sie hätte verstehen können.
Moses empfing diese Weisheit auf dem Berg Sinai. Vierzehn Jahrhunderte später, etwa um die Zeit, als die Maya ihren Kalender entwickelten, begann ein Kabbalist mit Namen Rabbi Akiba, diese Weisheit einer neuen Generation von Juden im Heiligen Land zu verkünden. Unter seinen Schülern befand sich ein Rabbi namens Joshua ben Joseph, besser bekannt unter dem Namen Jesus. Die Römer zogen Akiba bei lebendigem Leib die Haut ab, und Jesus wurde gekreuzigt. Einem weiteren Schüler, Rabbi Simon bar Johai, gelang zusammen mit seinem Sohn Elazar die Flucht in die Berge von Galiläa. Die beiden verbrachten die nächsten dreizehn Jahre in einer Höhle, wo sie die »Torat Ha’ Sod« studierten, die verborgene Weisheit, die in den aramäischen Abschnitten des Alten Testaments niedergelegt worden war.
Als Ergebnis der Arbeit von Rabbi Simon entstand der Sohar, der Haupttext der Kabbala.
Für den Sohar steht Gott hinter der Evolution; das Werk enthüllt die Geheimnisse der Existenz und liefert Antworten auf die Frage, wie und warum der Mensch zusammen mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung geschaffen wurde, welches zum Urknall und der Entstehung des physischen Universums führte.
Aus späterer Perspektive ist es nicht überraschend, warum diese Weisheitslehre so lange vor den Augen der Menge verborgen wurde, enthält sie doch hoch entwickelte Vorstellungen, die von der Struktur der Atome bis hin zur Quantenphysik Schwarzer Löcher reichen. Während der nächsten zwanzig Jahrhunderte griffen einige der größten Denker der Menschheit auf das im Sohar niedergelegte Wissen zurück, unter ihnen Galileo, Kopernikus, Albert Einstein und Sir Isaac Newton, dessen persönliches Exemplar des Sohar noch heute in Cambridge zu besichtigen ist.
Ein Teil des Sohar spricht über das Ende aller Tage. Die uralte Weisheit behauptet, dass jeder Erfüllung und Unsterblichkeit erringen wird, wenn sich die Waagschalen, mit denen die Menschheit gewogen wird, am Ende dem Licht zuneigen. Doch wenn die negativen Kräfte die positiven überwiegen, dann wird der Jüngste Tag über uns hereinbrechen. Diese Epoche der menschlichen Existenz, so verkündet es der Sohar, wird in unserer Ära beginnen – im Wassermannzeitalter am dreiundzwanzigsten Tag von Elul im hebräischen Jahr 5760. Den Anfang dieser Phase bildet ein Ereignis in »einer großen Stadt, deren zahlreiche Türme von Flammen zum Einsturz gebracht werden, welches Geräusch die ganze Welt erwecken wird«.
Das hebräische Datum entspricht unserem 11. September 2001 … den wir in neunzehn Tagen erreichen werden.
Welche Verbindung dieses Datum zum 21. Dezember 2012 besitzt, für den das Ende unserer Welt vorhergesagt wurde, wird mir in drei Wochen enthüllt werden. In Erwartung jener künftigen Ereignisse sind Michael und ich in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt und haben eine Einladung meines Rivalen und früheren Kollegen Pierre Borgia angenommen, bei einem Symposion in Harvard über diese Prophezeiung des Jüngsten Tages zu diskutieren.
Pierre weiß nicht, dass mein wahres Ziel darin besteht, das Symposion zu nutzen, um die illegalen und verabscheuungswürdigen Aktivitäten offenzulegen, die auf einer entlegenen Luftwaffenbasis in der Wüste von Nevada vor sich gehen. Diese Aktivitäten und die Geheimoperationen, die gegen das Gesetz von unseren Steuergeldern finanziert werden, haben nur ein einziges Ziel: Mit ihrer Hilfe soll die gesellschaftliche Elite noch mehr Macht erhalten, während der Rest von uns zur Knechtschaft verdammt wird. Ich bin im Besitz von Video-Dokumenten, mit denen ich der ganzen Welt ein für alle Mal beweisen werde, dass wir nicht alleine im Universum sind und dass die gewaltigen Fortschritte, die wir in unserer Geschichte gemacht haben, durch mächtige Werkzeuge zustande kamen, die uns von unseren Verwandten im Kosmos geschenkt wurden; diese Werkzeuge sollen der ganzen Menschheit zugutekommen und die Vernichtung verhindern, die wir selbst über uns verhängt haben.
Der morgige Tag wird nicht mehr als ein Anfang sein. In den kommenden Wochen werden sich nämlich mehr als dreihundert zusätzliche Augenzeugen zu Wort melden, um sich einem mutigen Arzt anzuschließen, der den Vorsitz bei einem Symposion in Washington, D. C., führen wird, das die Welt, wie wir sie kennen, für immer verändern wird.
Der Widerstand ist gewaltig, und die Feinde der Wahrheit, die über gewaltige Ressourcen und großen Einfluss auf die Regierung verfügen, sind Legion. Unser eigener Vizepräsident sorgt dafür, dass diese Maschinerie immer weiterläuft, denn er hat genau jenen das Monopol in der Energiepolitik überlassen, die ungeheuerliche Vermögen zusammenraffen, indem sie uns unsere Zukunft rauben. Ich habe Angst um meine Familie, doch gleichzeitig bin ich gegenüber meinem Schöpfer verantwortlich und muss tun, was richtig ist. Und so stähle ich mich für die Schlacht, die vor mir liegt, denn ich weiß, dass ein Versagen nicht infrage kommt.
Wie Rabbi Brandwein schrieb: »Was ist ein Leben ohne Feinde schon wert?«
– JG
Anmerkung:
Nur wenige Augenblicke nach seinem Vortrag in Harvard am 24. August 2001 erlitt Professor Gabriel einen tödlichen Herzanfall. Alle öffentlichen Gelder zur Erforschung des Maya-Kalenders wurden drei Wochen nach den Terrorangriffen vom elften September bis auf weiteres eingefroren.