23

Funken sprühten über den Wilson Boulevard und markierten den Tod, den das Maschinengewehr der Blaumützen spie, als es die Straße unter Beschuß nahm. Tom und die anderen, die in der Deckimg des Kommandofahrzeugs des Teams hockten, waren geschützt, aber sie konnten das Tackern der Leuchtspurgeschosse und das frustrierte Jaulen der daruntergemischten panzerbrechenden Munition hören, wenn sie von der Panzerung des Ranger abprallte. Auf geringere Entfernung hätte die Panzerung des Wagens nicht ausgereicht, um dem Beschuß standzuhalten. Aber dem Fahrzeug ging es immer noch besser als den Soldaten. Selbst auf diese Distanz hatten die panzerbrechenden Geschosse noch ausreichend Durchschlagskraft, um sich durch den In-fanterie-Körperpanzer zu bohren, den Tom trug.

»Rocquette, Sie gehen mit Hanley und übernehmen das Kommando über den zweiten Zug. Hören Sie zu. Ihre beiden Züge werden über das Gelände der Wilson-Schule vorrücken und den Feind von vorne festnageln.« Captain Furlann zeigte ihnen den Weg, den sie ausgewählt hatte, auf der Karte. »Setzen Sie ihnen zu und beschäftigen Sie sie ausgiebig.«

»Die Annäherung über dieses offene Gelände ist Selbstmord«, sagte Tom zu Furlann. Er hatte noch keine Zeit für eine Lagebeurteilung gehabt, aber auf den ersten Blick sah es ziemlich übel aus. Es lag nicht in seinem langfristigen Interesse, ihr zu widersprechen, aber wenn er es nicht tat, mochte er in Kürze keine langfristigen Interessen mehr haben.

»Er hat recht«, stimmte Hanley zu. »Das Gelände ist zu offen. Wir haben es größtenteils mit Gewis zu tun, und die schießen gut. Die Blaumützen haben uns jedesmal Schwierigkeiten gemacht, wenn wir auf sie gestoßen sind, und die anderen Komper haben keine schweren Waffen.«

Furlann kauft ihnen das nicht ab. »Alles, was diese Blaumützen haben, ist dieses Maschinengewehr und genug Amulette, um mich davon abzuhalten, mehr zu tun, als sie ein wenig zu belästigen. Wenn sie richtige schwere Waffen hätten, würden sie sich den Weg freischießen, anstatt zuzulassen, daß wir sie einschließen.«

Hanley sah zu Boden. »Wir sind trotzdem zu schwach, um sie frontal anzugreifen. Wir haben Cap-tain Black seinen Hintern gerettet, vielleicht revanchiert er sich dafür.«

»Ausgeschlossen«, sagte Furlann. »Die Panzer sind immer noch auf der anderen Seite des Flusses beschäftigt. Außerdem sind wir zuständig fürs Hintern-Ret-tungs-Geschäft. Das ist schließlich Sinn und Zweck einer Feuerwehr. Und deshalb sind wir hier in Rosslyn und beschäftigen uns mit diesem speziellen Widerstandsnest. Wir graben ein Loch, das das Oberkommando gegraben haben will. Glauben Sie, wir wären hier, wenn es eine bessere Möglichkeit gäbe? Und wenn Sie jetzt noch vernünftige Vorschläge haben, Mister, will ich sie hören.«

Furlann schaltete die Karte aus und bereitete damit Toms Bemühungen ein Ende, eine Alternative zu finden. »Wir haben keine Zeit herumzutändeln«, sagte sie, indem sie die erbeutete Steyr-Automatik, die sie sich angeeignet hatte, um ihr Image als Gefechtskommandeur zu unterstreichen, aufhob und sich überwarf. »Setzen Sie Ihre Leute in Marsch. Fischer fliegt ein paar Drohnen aus der Fort-Myer-Linie hierher, um die linke Flanke des Feindes unter Beschuß zu nehmen, und er hat nur Zeit für ein paar Überflüge. Wenn die Blaumützen nicht festgenagelt sind, wird sein Angriff nicht halb so viel Wirkimg erzielen, wie wir brauchen.«

Die Drohnen sollten den Frontalangriff führen. Das sagte Tom auch.

»Haben Sie ein Problem mit Ihren Befehlen, Mister?« fragte Furlann.

Das hatte er, aber er begriff, was sie verlangte. Ihre Befehle waren nicht illegal, nur dumm. Wenn er es unterließ, einen energischen Versuch zu unternehmen, sie zu befolgen, konnte man ihn der Befehlsverweigerung, der Pflichtversäumnis und noch einiger anderer Dinge für schuldig befinden.

»Nun?«

»Wir greifen an«, sagte er zu ihr. Aber er würde ständig nach einem Ausweg Ausschau halten.

»Bewegung«, schnauzte Furlann.

Sie bewegten sich. Außer Hörweite von Furlann führten er und Hanley ein Gespräch. Es war lange her, seit Tom am Boden gekämpft hatte, also trat er die taktische Befehlsgewalt an den Infanteriemann ab - nachdem er seinen Standpunkt klargemacht hatte, daß sie sich ihrem Ziel keinesfalls auf dem direktesten Weg nähern sollten. Hanley stimmte ihm zu. Er hatte kein größeres Interesse als Tom, unnötig Leute zu verlieren. Während sie sich ihrem Sprungbrett näherten, fand Tom heraus, daß es tatsächlich lange her war. Er war nicht an das Gewicht des Körperpanzers gewöhnt und hing ein wenig zurück. Die Soldaten warteten nicht auf ihn, als Hanley Tempo befahl.

Tom lief hinterher und verlor immer mehr an Boden, während die Soldaten durch die Wohnblocks brachen und sich zur Key Street vorarbeiteten, die sie den größten Teil des Weges vor dem Beschuß der Blaumützen abschirmen würde. Darm blieb er mit dem Fuß irgendwo hängen, stolperte und wäre beinahe gefallen. Nein, er war nicht hängengeblieben - irgend etwas hatte seinen Knöchel festgehalten. Er sah nach unten. Nichts zu sehen. Der Zug war immer noch bemüht, so schnell wie möglich voranzukommen, und bekam nichts von seinen Problemen mit. Die Leute mußten sich um ihre eigene Haut Gedanken machen.

Er lief hinter ihnen her. Irgend etwas packte seinen Arm und riß ihn herum. Es fühlte sich wie eine Hand an, aber da war niemand. Eine weitere unsichtbare Hand entwand ihm die Waffe.

Eine lange Liste unangenehmer Möglichkeiten ging ihm durch den Kopf. Eines war sicher, dies war nichts, das zu bekämpfen er gerüstet war.

Er versuchte zu fliehen. Harte Klammern schlossen sich um seine Arme und zwangen ihn stillzustehen. Es hätte ein Troll sein können, der ihn festhielt, wenn Trolle unsichtbar gewesen wären. Er würde nirgendwo-hin gehen. Sein unsichtbarer Häscher wirbelte ihn herum.

Furlann ging die Straße entlang und auf ihn zu. Ihr langes Haar flatterte in den Wirbeln und Strömen thau-maturgischer Kraft, die um sie knisterten und wogten.

»Das Handbuch nennt diesen Zauber Magische Finger oder einen ähnlichen Unsinn und handelt ihn ziemlich oberflächlich ab«, sagte sie, »aber wie bei den meisten Zaubern kann ein starker Wille die physikalische Manifestation ziemlich dramatisch verstärken. Ich habe einen starken Griff, finden Sie nicht auch?«

Sie gab ihm keine Gelegenheit zu antworten. »Die meisten Anwender fühlen sich durch den Zauber beengt, wenn sie feststellen, daß seine Wirkung auf doppelhändige Manipulationen beschränkt ist. Da ich noch nie viel für Beschränkungen übrig hatte, habe ich mich ein wenig mit ihm beschäftigt. Nur Flickschusterei, aber wirkungsvoll.«

Die erbeutete Steyr-Automatik schlang sich von allein von ihrer Schulter und schwebte in der Luft vor Toms Gesicht, wobei der Lauf auf eine Stelle zwischen seinen Augen gerichtet war. »Ich finde, daß eine dritte Hand die Wirkimg des Zaubers um einiges mehr als die Hälfte verbessert. Was glauben Sie?«

Er glaubte, daß sie mit ihm spielte und es genoß, daß er ihrer nicht vorhandenen Gnade ausgeliefert war. »Tun Sie's und bringen Sie's hinter sich, Sie Drekstück«, sagte er zu ihr.

»Nehmen Sie's nicht persönlich, Rocquette. Die Sache ist größer, als Sie ahnen. Wie bei einem guten Satz ritueller Schutzvorrichtungen gibt es Schichten über Schichten, aber Sie haben sich in Dinge eingemischt, um die Sie besser einen großen Bogen gemacht hätten. Ich hatte Sie für klüger gehalten.«

Sie hatte es noch nicht gesagt, aber er war sicher, daß sie ihn töten würde. Tom hatte den Verdacht gehabt, daß Trahn ihn hier herausgeschickt hatte, auf daß Tom einen ehrenhaften Tod fand, aber offenbar traute der General Tom nicht zu, es richtig zu machen. Er hatte sich Furlanns Hilfe versichert.

Eine verstohlene Bewegung im Schatten hinter Fur-lann fiel ihm ins Auge. Hilfe oder noch mehr Probleme? Leute huschten von Haus zu Haus, ganz ähnlich wie die Soldaten, aber ihren Silhouetten nach zu urteilen, waren sie keine Soldaten. Toms Lichtverstärker in seinem Helmvisier hellte die Schatten für ihn auf, und er erkannte Andy, Markowitz und Kit, die sich an ihn und Furlann hereinpirschten. Im Geiste zog er den dreien Kavallerieuniformen aus dem neunzehnten Jahr-hundert an. Je näher sie kamen, desto langsamer wurden sie, um nicht bemerkt zu werden. Plötzlich war Tom nicht mehr so darauf bedacht, daß Furlann schnell ein Ende machte.

»Damit kommen Sie nicht durch«, versuchte er Zeit zu gewinnen. Wenn er sie zum Reden bewegen konnte...

»Natürlich komme ich damit durch. Unsichtbare Hände hinterlassen unsichtbare Fingerabdrücke, und hier würde ohnehin niemand welche suchen. Nicht, daß es eine Rolle spielte. Sie werden einfach ein weiteres Opfer auf einer langen Liste sein. Niemand wird sich etwas dabei denken, wenn er Sie hier findet, von einer Waffe der Konföderierten erschossen. Meine Güte, in einigen Kreisen könnte das sogar Ihrem Status als Patriot helfen.«

»Also werde ich nur ein weiterer unglücklicher Soldat sein, der bei der Ausübung seiner Pflicht getötet wurde.«

»Ich hätte gedacht, daß Sie solch eine Grabinschrift zu schätzen wüßten.«

»Was Grabinschriften betrifft, ist sie nicht schlecht, aber ich würde gern noch eine Weile ohne auskommen.«

Furlann kicherte. »Zweifellos rechnen Sie damit, daß Ihnen Ihre Freunde dabei helfen. O ja, ich weiß, daß sie da sind.«

Nach dieser Bemerkimg verzichteten die Neuankömmlinge auf alle weiteren Versuche, sich heimlich zu nähern. Markowitz richtete sich auf und legte seine Waffe auf sie an.

»Lassen Sie ihn los«, befahl er. »Oder Sie sind Geschichte.«

»Ihn loslassen?« Furlann warf beiläufig einen Blick über die Schulter. »Ich glaube nicht.«

»Sie ist gefährlich, Harry«, sagte Kit.

»Sehr«, pflichtete Furlann bei.

»Dagegen habe ich ein Mittel«, sagte Markowitz. Er schoß und verfehlte. Er schoß noch einmal und verfehlte wieder. »Verdammt, was ist los?«

»Sie verzerrt unser Blickfeld«, sagte Kit. »Ich bekomme ihren Zauber nicht zu fassen.«

»Tom ist tot, wenn du es nicht schaffst«, sagte Andy, der damit Toms eigene Schlußfolgerung in Worte faßte.

»Sie mischen sich mal wieder in Dinge ein, die Sie nichts angehen, Marksman.« Furlann beschrieb eine rasche Geste. Mit einem Fluch warf er seine Waffe weg. Sie schepperte auf den Boden, wurde glühend rot und explodierte, als die Munition zu heiß wurde. Furlann lachte. »Sie werden feststellen, daß Sie mich nicht so leicht loswerden wie den Yellowjacket.«

»Furlann!«

Tom wurde herumgerissen, als Furlann sich der neuen Stimme zuwandte. Die Steyr wanderte mit, und das seelenlose schwarze Auge der Mündung starrte ihn auch weiterhin unverwandt an.

Die neue Stimme gehörte Cinqueda, der Straßensamurai. Wiederum erschien sie aus dem Nichts. Sie stand halb geduckt da, eine Hand ausgestreckt, die andere im Nacken, ein Messer mit mächtiger Klinge wurfbereit haltend. Eine gewöhnliche Person würde solch eine Waffe nicht weiter werfen können, als sie spucken konnte, aber er zweifelte nicht daran, daß die vercyberte Cinqueda die nötige Kraft dazu hatte.

»Hoi, Cinq. Wie gehen die Geschäfte?« Furlann hörte sich nicht so an, als fühlte sie sich bedroht.

»Gut, was nicht an dir liegt«, erwiderte Cinqueda. »Besteh' nicht darauf, das hier auf die harte Tour zu regeln.«

Cinquedas Messer war wurfbereit. Tom hatte gesehen, wie schnell sich die Straßensamurai bewegte, und wußte, daß Furlanns bester Beschleunigungszauber nicht an die aufgepeppten Reflexe der Samurai heranreichte. Cinqueda konnte ihren Angriff ausführen, bevor die Magierin etwas tun konnte. Aber würden die Cyberaugen der Samurai den Verzerrungszauber kompensieren können, der Markowitz einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte? Furlann schien es nicht zu glauben, weil sie Tom nicht losließ. Das Gewehr schwebte immer noch vor seinem Gesicht.

»Du würdest es nicht tun, Cinq«, sagte Furlann. »Wir haben eine zu gute Zeit zusammen erlebt. Du erinnerst dich doch noch, oder? Ich erinnere mich jedenfalls.«

Cinqueda rührte sich nicht, kein Muskel an ihr zuckte. »Ich erinnere mich, daß du schon immer auf das falsche Pferd gesetzt hast. Denk gut darüber nach, Lanny. Auf diese Entfernimg verfehle ich nie. Du hast die Wahl.«

»Es stimmt, ich habe dich noch nie verfehlen sehen, aber du hattest es auch noch nie mit meinem Verzerrer zu tun.«

»Ist er so gut wie Black Mary Thomas' Verzerrer?«

»Fast.« Furlann sagte es mit Stolz. Black Mary Thomas mußte eine höllische Magierin sein.

»Pech für dich, Lanny«, sagte Cinqueda emotionslos. »Black Marys war nicht gut genug.«

Tom spürte ein Zittern in den unsichtbaren Händen, die ihn gepackt hatten.

»Du bluffst«, sagte Furlann.

Cinquedas Miene blieb völlig reglos. »Wie ich schon sagte, du hast die Wahl.«

Das auf Tom gerichtete Gewehr blieb nicht reglos. Es bebte, als sich der Abzug langsam zurückzog. Tom verlor das Interesse an der Konfrontation zwischen der Samurai und der Magierin. Das dunkle, lidlose Auge der Waffe nahm ihn jetzt ganz in Anspruch.

Er wußte, daß er nicht schnell genug war, einer Kugel auszuweichen, aber er konnte nicht einfach still stehen bleiben. Er konnte wenigstens kämpfend sterben. Er warf sich gegen die unsichtbaren, fesselnden Hände in der klaren Erwartung, daß es das letzte war, was er in seinem Leben tat.

Metall klirrte gegen gehärtetes Plastik. Die Geräusche gingen im Husten der Steyr unter. Zornige Bienen umschwirrten ihn. Feuer verbrannte seine Schulter. Eine heiße Nadel durchbohrte sein Ohr. Irgend etwas von der Größe eines Lastwagens trat gegen seine Stirn, und ihm wurde schwarz vor Augen.. Er fiel.

Andy befürchtete schon, Furlann hätte Cinqueda in ihrer Handlungsweise beeinflußt, als er sah, daß die Straßensamurai ihr Messer nach Tom warf. Kit hatte gesagt, daß die Armee-Magierin gefährlich war.

Doch Cinqueda hatte nicht auf Tom, sondern auf das Gewehr gezielt, das ihn bedrohte. Der Wurf der Samurai war zwar gut, aber die Klinge schlug den Lauf nicht weit genug zur Seite. Als Furlann abdrückte, wurde Tom von der Kugelsalve getroffen. Er ging in einem Regen aus Blutspritzern und Plastikscherben von seinem zerschmetterten Helm zu Boden.

Cinqueda hatte Furlann bei der Kehle, bevor Tom auf dem Boden lag.

»Sie muß noch reden«, rief Markowitz.

Die Bemerkimg hätte er sich sparen können. Wenn Cinqueda die Absicht gehabt hätte, die Magierin zu töten, wäre Furlann tot gewesen, bevor Markowitz das erste Wort herausbrachte.

Tom war es, um den sie sich Sorgen machen mußten. Kit und Andy rannten los, um zu sehen, ob sie etwas für seinen Bruder tun konnten. Trotz einer Unmenge Blut in Gesicht und Haar atmete Tom noch.

»Der Helm hat ihm das Leben gerettet«, sagte Kit. »Die anderen Wunden sind oberflächlich.«

Sie durchsuchte Toms Gürteltaschen, bis sie eine Erste-Hilfe-Ausrüstung fand. »Halt seinen Kopf«, sagte sie und machte sich an die Arbeit, Toms Wunden zu säubern und zu verbinden. Sie sang leise, zu leise für Andy, um die Worte zu verstehen. Andy hoffte, daß er gerade einen Heilzauber hörte. Tom sah furchtbar aus. Da er wegen des vielen Blutes ein komisches Gefühl im Magen hatte, sah er weg.

Markowitz hatte Furlann die Pistole abgenommen und hielt sie auf die Magierin gerichtet, während Cin-queda ihr die Hände auf den Rücken band. Cinq fesselte dabei nicht nur Furlanns Handgelenke, sondern auch ihre Finger. Dann knebelte sie die Magierin. Andy nahm an, daß sie einige Erfahrung darin hatte, Magier unschädlich zu machen. Angeblich konnte ein Magier keinen Zauber wirken, wenn er nicht in der Lage war, zu sprechen oder die Hände zu bewegen. Andy hoffte, daß das stimmte.

Als Cinqueda in Andys Nähe ging, um ihr Messer zu holen, fragte dieser: »Warum bist du zurückgekommen?«

»Ich bin nie gegangen. Der Job war noch nicht erledigt.«

»Du hast uns in dem Glauben gelassen, du wärst gegangen«, sagte Kit, wobei sie von ihrer Arbeit aufsah.

»Geschieht euch recht. Ihr hättet mir von den Ferrets erzählen müssen. Aber ich hätte tatsächlich gehen sollen.« Der Blick ihrer verchromten Augen wanderte zu Furlann. »Das hätte mir noch mehr... Ärger erspart.«

»Ich bin froh, daß Sie es nicht getan haben«, sagte Tom schwach. »Diesmal brauchte ich die Rettung wirklich. Danke.«

»Bedanken Sie sich in Kreds, dann glaube ich, daß Sie es aufrichtig meinen«, antwortete Cinqueda.

»Versuch nicht, so söldnerhaft zu klingen«, sagte Kit. »Das steht dir nicht.«

»Ich bin eine Söldnerin. Vergeßt das nicht. Ich werde es jedenfalls nicht vergessen, wenn ich euch die Rechnung schicke.« Cinqueda sah weg. »Da kommt ein Fahrzeug.«

Ein paar Sekunden später hörte Andy es ebenfalls.

»Das ist ein Ranger«, sagte Tom. Er mußte den Motorenlärm erkannt haben. »Muß das Kommandofahrzeug unserer Einsatzgruppe sein. Helfen Sie mir auf.«

Als der Ranger durch den Zaun brach, der den Hinterhof umgab, in dem sie sich alle befanden, schwenkte sein Maschinengewehr auf dem Turm herum und richtete sich auf sie. Ein behelmter Soldat beobachtete sie aus dem Turm. Andy bezweifelte nicht, daß der Mann den Finger am Abzug hatte. Da Furlann gefesselt und geknebelt und Tom blutüberströmt war, machte die Gruppe wahrscheinlich keinen freundlichen Eindruck auf den Soldaten.

»Jackson«, rief Tom, schwach winkend.

»Major?« Der Soldat klang ein wenig überrascht. »Was ist los?«

»Rufen Sie Hanley und seine Männer zurück.«

Jacksons Augen wanderten zwischen Tom und Furlann hin und her, bis Tom ihm erzählte, was Furlann zu tun versucht hatte. Jackson gefiel nicht, was er hörte, und er unternahm auch keinen Versuch, das zu verhehlen.

»Ich habe eine Mikrogranate, die wir sie schlucken lassen könnten«, rief Jackson.

»Vergessen Sie Furlann einstweilen«, sagte Tom zu ihm. »Halten Sie Hanley und seine Leute auf, bevor sie sich umbringen, indem sie ihre unsinnigen Befehle befolgen.«

Der Sergeant verschwand im Innern des Ranger. Eine Minute später öffnete sich die rückwärtige Rampe des Kommandofahrzeugs. Jackson kam mit der Nachricht heraus, daß er Hanley noch rechtzeitig erreicht hatte.

»Warum hat sie das getan, Major?« fragte Jackson.

»Gute Frage, Jackson. Nur eine von vielen.« Er wandte sich an Furlann. »Wenn Sie bereit sind zu reden, können wir Ihnen den Knebel abnehmen.«

»Aber die kleinste Andeutung eines Zaubers, und Sie sind tot«, fügte Markowitz hinzu.

Furlann nickte. Sobald der Knebel heraus war, bat sie krächzend um Wasser, da sie einen schlechten Geschmack im Mund habe. Andy ging es nicht viel anders, aber sein bitterer Geschmack war eher abstrakt und hatte viel mit ihr zu tun.

»Sie haben uns eine Menge zu erzählen«, sagte Tom zu ihr.

»Vielleicht«, sagte Furlann. »Ich möchte die Zusicherung gewisser Zugeständnisse, falls ich es tue.«

»Sie haben bereits mehr bekommen, als Sie verdienen«, sagte Andy.

»Der Junge hat recht«, pflichtete Markowitz bei. »Sie leben noch.' Reden Sie, wenn Ihnen was daran liegt, daß es so bleibt.«

»Ihr alle habt mich eine ›Mörderin‹ genannt. Sie wären ebenfalls einer, wenn Sie Ihre Drohung wahrmachen würden, Marksman.« Furlann grinste ihn an. »Ist nicht Ihr Stil.«

»Niemand wird sich etwas dabei denken, wenn man Sie von den Kugeln aus einer Konföderierten-Waffe durchlöchert finden wird«, sagte Tom.

Furlanns Augen ruckten zu ihm, und ihre Haltung verlor etwas von ihrer Arroganz.

»Warum?« fragte Tom.

Furlann seufzte. »Rocquette, Sie haben ziemliche Ähnlichkeit mit der Schweinerei, die Sie dem Präsidenten aufgetischt haben. Zuviel Ärger. Zu viele Verbindungen. Zu viele lose Enden. Ihr Problem mit Lessem war schon schlimm genug, aber der ganze andere Kram - nun, sagen wir einfach, die Umstände ließen es ziemlich geraten erscheinen, Sie aus dem Weg zu räumen. Verschwinden hätte es auch getan. Denken Sie darüber nach. Sie könnten sich eine Menge Ärger ersparen. Drek, Sie könnten sich ganz einfach retten, wenn Sie beschließen würden, diesen Weg zu gehen.«

»Führen Sie einen direkten Befehl Trahns aus, oder stammt der Befehl von Jordan?« fragte Markowitz.

Furlann funkelte ihn schweigend an.

Jackson sah aus, als stünde er kurz davor zu explodieren. »Dann stimmt also, was dieser Pirat gesendet hat! Die verdammten Bonzen stecken mit den Konföderierten unter einer Decke. Trahn auch. Gott, wer hätte das gedacht? Hat Ihnen dieser verdammte Konföderier-ten-Sympathisant die Steyr selbst in die Hand gedrückt? Und Ihnen gute Jagd gewünscht? Ich sollte Sie...«

»Immer mit der Ruhe, Sergeant«, sagte Tom warnend, und Jackson fügte sich.

Furlann warf einen Blick auf die Steyr-Automatik, die auf dem Boden lag.

»Versuchen Sie's gar nicht erst«, warnte Kit.

»Geschenkt, Schwester. Ich wollte nur sagen, seht sie euch doch an. Es ist tatsächlich eine Konföderierten-waffe, und wir haben sie tatsächlich von den Blaumützen erbeutet. Einige von ihnen sind Ferrets. Ihre Konfö-derierten-Connection existiert tatsächlich, und sie ist ein ernstes Problem, das Sie nicht gerade geringer machen. Aber Trahn hat mit dieser Schweinerei nichts zu tun. Die Armee braucht sich diesen Schuh nicht anzuziehen.«

»Glauben Sie nicht, wir können dafür sorgen, daß der Schuh paßt?« fragte Andy.

»Ich weiß, daß ihr das nicht könnt, weil weder Trahn noch jemand in seiner Umgebung auch nur das Geringste mit den Konföderierten zu tun hat«, sagte Furlann. »Abgesehen davon, daß wir genauso reingelegt worden sind wie die übrigen Lackel. Ihr wollt also Ärger machen? Nur zu. Helft den Konföderierten.«

Markowitz war nicht überzeugt. »Warum sollten wir Ihnen glauben?«

»Laßt es sein. Das stört mich einen Drek.« Furlanns Laune schien sich ein wenig zu bessern. »Andererseits, warum nicht? Nur zu, versucht Trahn und der Armee die Schuld in die Schuhe zu schieben. Tut es, dann wird man euch so widerlegen, daß euch niemand mehr irgendwas glauben wird. Ja, macht nur. Gefällt mir, die Strategie.«

»Wenn Trahn nichts damit zu tun hat, was hat er dann mit Osborne zu schaffen?« fragte Tom.

Furlann schnaubte. »Ich habe ihm von Anfang an gesagt, daß der Müslifresser ein doppelzüngiger Schweinehund ist, aber er dachte, er hätte genug Macht, um Osborne bei der Stange zu halten. Sah auch für eine Weile ganz cool aus. Würde auch immer noch alles gut aussehen, wenn ihr nicht Telestrians Verbindung zu den Konföderierten aufgedeckt hättet. Etwas Gutes hatte eure Einmischung also doch, obwohl der General stinksauer gewesen sein muß, als er es gehört hat. Der verdammte doppelzüngige Müslifresser!«

»Sie haben meine Frage nicht beantwortet«, sagte Tom.

»Sie sind tatsächlich entschlossen, alles zu vermasseln, nicht wahr? Ach, zum Teufel damit! Es bricht sowieso alles auseinander.« Furlanns Tonfall verlor seine streitlustige Schärfe. »Laßt uns über Schutz reden.«

»Für Sie?« fragte Markowitz ungläubig.

»Ihr wollt, daß ich rede. Ich will Schutz. Eine ganz simple Gleichung. Sogar für Sie simpel genug, Marksman.«

»Wenn Sie leben wollen, reden Sie«, konterte er. »Eine noch simplere Gleichung. Sogar für Sie simpel genug, Furlann.«

Sie ignorierte ihn und sah Tom an. »Haben wir eine Abmachung oder nicht?«

»Reden Sie zuerst«, sagte Tom. »Dann sehen wir weiter.«

»Drek, ihr könnt sowieso nichts machen.« Sie sah zu Boden. Sie schien ausgeredet zu haben.

»Du willst deine Wette vielleicht noch ändern, Lanny«, sagte Cinqueda.

Nach einem Augenblick sagte Furlann leise: »Vielleicht will ich das.«

Sie sah auf, und ihre Augen überflogen alle, endeten jedoch bei Tom. »Sie sind ein ehrlicher Bursche, Roc-quette. Sie spielen fair.«

»Fairer als Sie«, warf Andy ein.

Tom betrachtete Andy mit komischer Miene, die jedoch sofort wieder ausdruckslos wurde, als er sich an Furlann wandte. »Sagen Sie uns, was Trahn am Laufen hat.«

Furlann stieß einen gewaltigen Seufzer aus. »Okay. Trahn hat tatsächlich etwas vor, aber es hat nichts mit den Konföderierten zu tun, höchstens, daß er ihnen tüchtig in den Hintern treten will, sollte sich eine Gelegenheit dafür ergeben. Er ist nicht zufrieden mit der Art und Weise, wie die Politiker das Militär gestutzt haben. Natürlich hat er recht damit, aber er sieht die Dinge irgendwie schlimmer, als sie in Wirklichkeit sind. Er glaubt, die Politiker hätten uns an den Rand der Zerstörung durch innere Anarchie und äußere Feinde gebracht, und er plant schon seit Jahren, etwas dagegen zu unternehmen.

In letzter Zeit hat er eine Gelegenheit für eine Demonstration gesucht. Als die Komper in die Stadt kamen und Steele nicht das geringste dagegen unternommen hat, hielt Trahn seine Gelegenheit für gekommen. Daß sie sich noch dazu in seinem eigenen Militärdistrikt ergab, machte ihn sehr glücklich. Im Juli ließ er Osborne die Lieferung aller Anti-Aufruhr-Materialien stoppen und sorgte dafür, daß sämtliche Vorräte in den Depots aufgebraucht wurden. Er wußte, daß der Kessel früher oder später überkochen würde. Als die Situation in Chicago eskalierte, wußte er, daß seine Stunde geschlagen hatte. Er ließ Jemal das Feuer ein wenig schüren, indem dieser Agenten bei den Kompem einschleuste, die sie zur Gewalt ermunterten. Er dachte sich, wenn die Dinge erst einmal außer Kontrolle gerieten, was seiner Ansicht nach unvermeidlich war, würde er die Situation durch eine prompte Aktion der Armee bereinigen.«

»Mit der richtigen Anti-Aufruhr-Ausrüstung hätte er die Aktion noch schneller und sauberer durchführen können«, sagte Tom.

»Aber dann hätte er nicht zeigen können, daß die Armee beschnitten worden ist.« Furlann zuckte die Achseln. »Außerdem wäre ein Haufen von diesem metagenetischen Drek am Leben geblieben. Der General schlägt gerne zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn er es einrichten kann.«

»Also hat er Orks und andere Metamenschen zum Abschuß freigegeben«, warf Markowitz gemütlich ein. »Um den Müll auszusortieren.«

»Genau«, sagte Furlann. Dann fiel ihr die Eiseskälte in der Gruppe auf, die sie beobachtete. »Hey, wo liegt das Problem? Wir sind doch hier alle Menschen. Wir können nicht zulassen, daß die Orks und der andere metagenetische Drek weiterhin unseren Gen-Pool verunreinigen, oder?«

Den Gen-Pool verunreinigen. Orks. Metagenetischer Drek. Andys Vater war ein Ork gewesen. Ein Verwandelter Ork, kein geborener, aber nichtsdestoweniger ein Ork. Wenn es also Ork-Gene gab, trug Andy sie ebenfalls in sich. Wie lange würde es wohl dauern, bis Leute wie Furlann und Trahn zu dem Schluß kamen, daß allein das Vorhandensein der Gene ausreichte, um einen zu Metamüll zu machen, egal wie man aussah?

»Sie reden von Völkermord«, sagte er.

»Das war schon immer ein populäres Hobby unter Faschisten«, sagte Markowitz. »Sagen Sie mal, Furlann, haben Sie sich mal überlegt, daß Ihre magischen Fähigkeiten metagenetischen Ursprungs sind?«

»Das ist was anderes.«

Markowitz lächelte boshaft. »Sind Sie sicher, daß Ihr Chummer Trahn das genauso sieht? Die Juden waren nicht die einzigen, die in die Verbrennungsöfen der Nazis gewandert sind.«

Andy gefiel der Ausdruck der Bestürzung, den diese Worte auf Furlanns Gesicht zauberten.

Tom ließ sich von dem Rassen-Aspekt nicht ablenken. »Warum jetzt? Mit Blick auf Chicago sollte man meinen, das Land hat genug Ärger.«

»Mit Blick auf Chicago war es der perfekte Zeitpunkt«, sagte Furlann. »Trahn hat einen Fimmel für das, was er ›die große Zeit, als es noch etwas bedeutete, ein Soldat dieses Landes zu sein‹, nennt. Jetzt, wo der größte Teil der bewaffneten Streitkräfte in Chicago beschäftigt ist, sind wir anderswo überall knapp. Trahn hat schon immer gesagt, daß das Militär der UCAS, wie es im Augenblick beschaffen ist, die Anforderungen nicht erfüllen kann, die das Land stellt. Truppen von der Grenze abzuziehen, um den Aufruhr zu bekämpfen, mußte seinen Standpunkt ziemlich nachdrücklich belegen.«

Andy fand, daß diese Haltung einen wichtigen Punkt außer Ächt ließ. »Er glaubte, er könne Truppen von der Grenze abziehen, obwohl North Virginia von nichts anderem als der Abspaltung redet?«

»Dieser ganze Abspaltungs-Drek sah wie ein Haufen heißer Luft und Polit-Quatsch aus«, sagte Furlann. »Kein Mensch hat ernsthaft geglaubt, die würden das durchziehen. Sie hätten den Schwenk ohne Konföde-rierten-Unterstützung nie machen können, und niemand hat damit gerechnet, daß sie Unterstützimg von Atlanta haben.« Furlann zuckte die Achseln. »Man kann nicht immer recht haben.«

Tom schüttelte traurig den Kopf. »Trahn war bereit, den Frieden aufs Spiel zu setzen, um die Stellung des UCAS-Militärs zu verbessern?«

Furlann erwiderte: »Hey, die Armee ist sein Leben. Das sollten Sie verstehen.«

»Ich verstehe, woher er gekommen ist - ich habe nur Probleme damit, wohin er geht«, sagte Tom.

»Wir müssen das publik machen«, sagte Markowitz.

»Sie sind mit Ihrer ersten Sendimg nicht durchgekommen«, stellte Tom fest.

»Vielleicht haben wir die falsche Botschaft an die falschen Leute geschickt«, sagte Andy. »Der Ranger ist ans MilNet angeschlossen, oder?«

»Ja«, sagte Tom. »Ein Fuchi-5000-Klon, aber er ist nur für den normalen Zugang konfiguriert. Sämtliche allgemeinen Sendungen laufen über das Hauptquartier und werden zensiert.«

»Das reicht. Mit dem Deck und ein paar Codes sollte ich uns überall einklinken können. Wir können alles, was wir herausgefunden haben, ins MilNet laden. Wenn alle anderen wie Sergeant Jackson denken, können wir die Aktion gegen die Kompensationsarmee binnen einer Stunde stoppen.«

»Niemand wird sonderlich erfreut sein, wenn er von dieser Sache hört«, stimmte Jackson zu.

Tom zeigte Andy, wo er sich einstöpseln konnte, und traf die nötigen Vorbereitungen, um die Möglichkeiten des Ranger ausnutzen zu können. Andy brauchte nicht lange, um die normalen Netzzugangs-Codes der Einheit zu finden. Alle drängten sich im Kommandofahrzeug, um ihm bei der Arbeit zuzusehen. Er stellte eine Verbindung zum Funksystem des Ranger her, die simultan zu seiner Exkursion ins MilNet lief. Zu arbeiten, während die ganze Gruppe zusah, war so, als würde er in einem Schaufenster stehen, aber sobald er alles getan hatte, was nötig war, damit sie seine Arbeit verfolgen konnten, vergaß er die Beobachter. Er wirbelte in einer Gestalt durch den Elektronenhimmel, die armeetypisch war, khakifarben und einfach, aber er fühlte sich wie Paul Revere, der Concord und Lexington warnte, oder vielleicht auch Cary Justus, der die Garnison in Houston weckte, bevor die Truppen der Azzies zum Sturm auf ihre Verteidigungslinie ansetzten. Die Geschichte publik zu machen, war eine Heldentat.

Andy nahm das, was Furlann ihnen erzählt hatte, und informierte die Soldaten über Trahns inszenierte Krise mit der Kompensationsarmee und seine politisch motivierte Absicht, die Konfrontation so blutig wie möglich zu machen. Die Bedrohung durch die Konföderierten erwähnte er nur am Rande - weil er der Ansicht war, daß eine einfach Kausalkette besser geeignet war, die Leute davon zu überzeugen, daß Trahn sie in die falsche Richtung führte -, aber er betonte die Gefahr, die darin lag, die Grenze unbewacht zu lassen, während die Truppen gegen die Komper kämpften. Er hatte keine Bedenken, jedem Knoten, auf den er stieß, von den illegalen Befehlen zu erzählen, die Tom erhalten hatte, und von dem Mordversuch, der seine Belohnimg dafür war, daß er seine Pflicht zu tun versucht und sich geweigert hatte mitzumachen - weil Tom darauf bestanden hatte, Furlann nicht namentlich zu erwähnen, bezeichnete er sie als »gescheiterten Attentäter«, der viel von dem Komplott enthüllt hatte.

Etwas explodierte über ihm und katapultierte ihn wieder in seinen realen Körper zurück. Die Schockwelle ließ das Kommandofahrzeug erbeben.

Jackson glitt aus seinem Sitz im Turm in die Kabine zurück. »Aufhören! Schluß mit der Sendung! Man hat uns gerade eine Rakete mit Funksucher auf den Hals gehetzt. Jemand ist ziemlich verzweifelt.«

Andy schaltete den Sender ab. Jemandem gefiel ganz eindeutig nicht, was sie zu sagen hatten.

»Fahrer, bringen Sie uns von hier weg.«

Andy war froh, diesen Befehl zu hören. Er hatte oft genug Sieg am Golf gespielt, um zu wissen, was mit elektronischen Quellen geschah, die zu lange sendeten.. Sie fingen sich eine Rakete ein, welche die Emissionen ihres Ursprungs aufspüren konnten, eine Rakete wie die, welche der Sergeant gerade mit der Flugabwehrkanone des Ranger abgeschossen hatte. Trotz der Computerunterstützung hatte Jackson viel Glück gehabt. Sie hatten alle viel Glück gehabt. Die Trefferwahrscheinlichkeit war bei Raketen nicht sonderlich hoch, und der Sergeant würde die nächste höchstwahrscheinlich verfehlen.

Der Empfänger konnte jedoch nicht aufgespürt werden. Andy lauschte dem Äther. Was er hörte, gefiel ihm nicht.

»Hey, MilNet bezeichnet uns als Infiltratoren der Konföderierten. Sie sagen, alles, was wir senden, sei gezielte Desinformation. Und daß alles erlogen sei. Sie sagen allen, daß sie uns ignorieren sollen.«

»Was habt ihr denn erwartet?« fragte Furlann.

»Welche Antworten kriegen sie?« fragte Tom.

»Viele Bestätigungen«, sagte Andy niedergeschlagen. Er hatte gehofft, sie würden zumindest einige Einheiten dazu bewegen können, ihnen zu glauben und mit dem unnötigen Gemetzel aufzuhören. Er war eindeutig zu optimistisch gewesen. »Wir müssen etwas anderes versuchen.«

»Die Sache können wir nicht auf der Straße beenden«, sagte Markowitz. »Das wäre wie der Kampf gegen die Hydra. Zu viele Köpfe, und wenn man einen abschlägt, wachsen zwei nach.«

»Aber es gibt einen Kopf, der nicht nachwachsen kann«, sagte Tom grimmig.