Sie musste mit ihm unter vier Augen reden, aber sie fürchtete, er würde gehen, bevor sie die Gelegenheit dazu bekam. Wenn er im Morgengrauen ein Duell fechten wollte, würde er wohl kaum zum Ball bleiben.
Eine sanfte Hand legte sich auf ihre Schulter. Sie zuckte zusammen, blickte auf und sah, dass Rosamund etwas zu ihr sagte. Sie konnte kein Wort verstehen. Dann sah sie sich um. Neben Rosamund war sie die einzige Frau, die noch im Saal war.
„Oh.“ Sie ergriff Rosamunds Hand, erhob sich und wandte sich zum Gehen.
Plötzlich drehte sie sich noch einmal um und sah, dass Constantines Blick sich in sie brannte. Er war so voller Sehnsucht und Begierde. Doch die Haltung seines Kinns verriet ihr, dass er grimmig entschlossen war, sich nicht von seinem Duell mit Trent abbringen zu lassen.
Sie wollte zu ihm gehen, sich von Rosamund losreißen und ihn zur Einsicht bringen.
„Jane!“, flüsterte Rosamund scharf. „Komm mit.“
Sie hätte sie gern ignoriert, doch Rosamund verstärkte ihren Griff. Jane besaß noch genügend Geistesgegenwart, um sich mit ihrer Cousine in Gegenwart vornehmer Herren nicht in die Haare zu bekommen. Sie senkte den Kopf und ließ sich von Rösamund aus dem Raum führen.
Draußen angekommen, schob Rosamund sie in die leere Bibliothek und schloss die Tür hinter sich. „Was hattest du denn vor, Jane? Wolltest du quer über den Tisch zu ihm springen? Jane, ich habe dir zuliebe überall mitgespielt. Der Ball, das Kleid - das sind alles Dinge, mit denen du vermutlich durchkommen wirst. Aber dich so unmöglich aufzuführen! Wie konntest du nur!“
Jane biss sich auf die Lippe. „Ich war verzweifelt. Ich liebe ihn!“ Rosamund starrte sie an. „Du hast deinen Ruf für einen Schachzug riskiert. Weißt du, was für eine ernste Angelegenheit das ist? Dein Ruf ist dein Leben, Jane! Cecily soll nächste Saison debütieren. Was, wenn sie durch dein Verhalten heute Abend in Mitleidenschaft gezogen wird?“
„Das wird sie schon nicht. Außerdem hat er doch gesagt, dass er mich heiraten wird, oder nicht?“
„Nachdem du ihm quasi die Pistole an die Schläfe gesetzt hast. Pass auf, was du tust, Jane. Männer mögen es nicht, wenn man sie in die Enge treibt.“
Schweigend schüttelte Jane den Kopf. Hatte sie ihn wirklich in die Enge getrieben? Würde er das so empfinden?
Rosamund betrachtete Jane ein paar Augenblicke. Ihr Gesicht wurde weich. „Du Ärmste. So kannst du nicht in den Salon gehen. Geh doch noch kurz nach oben und ruh dich vor dem Ball ein wenig aus.“
Der Ball. Sie hatte ihn ganz vergessen. Dieser Abend war noch lange nicht vorüber. „Ja“, sagte Jane. „Ja, das mache ich.“
Sie sah Rosamund nach, wie sie anmutig und elegant wie immer aus der Bibliothek schwebte. Im Gegensatz zu Rosamunds angeborener Haltung war das Selbstvertrauen, das Jane im Speisesaal gezeigt hatte, aufgesetzt. Nun wich es von ihr und sie blieb ängstlich und verstört zurück.
Oben auf ihrem Zimmer klingelte sie nach Wilson. Wie konnte sie nur ein Gespräch mit Constantine herbeiführen? Würde er nach dem Dinner nach Hause gehen? Wenn ja, würde sie sich nachts aus dem Haus schleichen müssen. Cecily würde ihr dabei natürlich helfen, obwohl sie der Gedanke, Diccons Livree zu borgen, nicht sonderlich lockte. Es musste einen anderen Weg geben.
Wilson richtete Janes Haar und drapierte ihr kunstvoll einen dünnen roten Schal über die Ellbogen. Jane tupfte noch ein wenig Rouge auf ihre Lippen. Dann strich sie ihre langen weißen Handschuhe glatt, nahm ihren Fächer und begutachtete sich im Spiegel. Gut auszusehen verlieh jeder Frau neuen Mut. Und den konnte sie an diesem Abend gut gebrauchen.
Jane wandte sich zum Gehen, um sich den Damen anzuschließen, doch grollende männliche Stimmen und schweres Fußgetrappel auf dem Flur ließ sie innehalten. Sie öffnete die Tür einen Spaltbreit und sah, wie die Herren vom Dinner die Treppe heraufkamen und links abbogen in Richtung lange Galerie.
Jane ahnte, dass sie nicht vorhatten, Montfords Kunstsammlung zu begutachten.
„Was ist denn, Mylady?“, fragte Wilson.
„Still! “ Jane winkte heftig, um ihre Zofe zum Schweigen zu bringen.
Mit ängstlich klopfendem Herzen sah sie hinaus, bis sich niemand mehr auf dem Flur befand. Dann stahl sie sich aus ihrem Schlafzimmer.
„Jane! “ Das Flüstern kam von Cecily, ein Stück den Flur hinunter. „Was ist los? Was haben sie vor?“
„Nichts Gutes“, sagte Jane grimmig. „Gehen wir nachsehen.“
Der lange, schmale Raum zog sich über zwei Stockwerke, mit einem Balkon oben. Jane nahm Cecily bei der Hand und rannte mit ihr die Treppe in den nächsten Stock hinauf, wo sie das Geschehen unbemerkt verfolgen konnten. Unterwegs gab sie ihrer Cousine eine kurze Zusammenfassung.
„Was willst du denn tun?“, wisperte Cecily. „Meine Güte, Jane, für jemanden, der eigentlich ein ruhiges Leben führt, bekommst du zurzeit ganz schön viel Abwechslung.“
„Was kann ich denn dafür?“ Jane war nicht so dumm zu versuchen, ein Duell zu verhindern. Männer hörten nie auf die Vernunft, wenn ihr Blut kochte, und hier ging es um Constantines Ehre.
So albern es in ihren Augen auch sein mochte, Männer legten großen Wert darauf, wie sich ein Mann in einem Duell machte. Wenn Constantine jetzt noch einzulenken versuchte oder sich weigerte, das Duell auszufechten, würde er jeden Zoll an Boden verlieren, den er diesen Abend gutgemacht hatte.
Natürlich würde er dann auch noch leben, aber diese Überlegung hätte bei ihm kein Gewicht.
„Männer!“, brummte Jane angewidert.
„Sag etwas!“, zischte Cecily. „Ich an deiner Stelle würde runtergehen und ihn verletzen, dann könnte er nicht kämpfen.“
„Nein, das würdest du nicht tun, Cecily.“ Jane verkrampfte die Finger ineinander. „Du würdest ihn die Sache durchziehen lassen. Du würdest ihm erlauben, für seine Ehre zu kämpfen.“
Und so wollte sie es auch.
Wenn Constantine erfuhr, dass sie zusah, könnte es seine Konzentration beeinträchtigen. Daher schwieg sie und bemühte sich, alles zu sehen, ohne selbst entdeckt zu werden.
Die Männer schienen sich in Lager aufgeteilt zu haben, wobei sich die deVeres entschieden auf Trents Seite gegen die Blacks stellten. Oliver, Lord de Vere, fungierte als Trents Sekundant, trotz seiner unverhohlenen Abneigung gegenüber seinem Neffen. Montford vertrat Constantine, was Jane tröstlich fand. Der Duke würde dafür sorgen, dass es keine Unregelmäßigkeiten gab.
Constantine hatte anscheinend Degen gewählt, denn ein Paar glänzender, tödlich wirkender Florette wurde gerade zur Inspektion hereingebracht, während Diener beiden Kontrahenten halfen, Rock und Stiefel abzulegen.
Ohne Rock wirkte Constantines muskulöser Oberkörper nur noch kräftiger. Seine Haltung war entspannt und locker. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als er zu einem der Zuschauer etwas sagte. Man hätte meinen können, dass er einen Freundschaftskampf bei Galliano vor sich hatte und kein gefährliches Duell mit einem Mann, der ihn töten wollte.
Trent mochte halb verrückt sein vor selbstgerechtem Zorn, aber seine Körperkraft stand außer Frage. Er sah aus wie ein Fechter, war schlank und geschmeidig. Sein rotblondes Haar glänzte engelhaft im Kerzenschein, doch sein Gesicht war immer noch wutverzerrt.
Jane krampfte sich der Magen zusammen. Sie konnte einfach nicht glauben, dass Trent Zurückhaltung zeigen würde.
Das Kommando ertönte, die Duellanten grüßten voreinander. Jane zuckte zusammen, als die Klingen klirrten.
Während sie sich zum Kampf bereit machten, murmelte Montford Constantine zu: „Ich dachte, Sie hätten gesagt, Sie seien kein Fechter.“
„Was ich sagte war, dass ich nicht fechte.“
„Ich weiß zufällig, dass Trent in der Fechtkunst recht bewandert ist. Warum zum Teufel haben Sie nicht Pistolen gewählt, Mann?“
„Wenn ich Pistolen gewählt hätte, hätte ich ihn töten oder selbst den Tod riskieren müssen. So hat er wenigstens eine Chance, die Sache zu überleben.“
Montford betrachtete ihn aus schmalen Augen, sagte aber nichts weiter.
Constantine hatte in den letzten Monaten nicht viel trainiert und war ein wenig eingerostet, daran bestand kein Zweifel. Er brauchte beinahe zu lange, um wieder hineinzufinden. Ein geübter Stoß von Trent und die Klinge blitzte an Constantines Arm. Sie teilte sein Hemd auf und brannte sich wie Feuer in sein Fleisch.
Es war sein Schwertarm, aber das spielte keine Rolle. Der Schmerz schien ihn zur Besinnung zu bringen. Er erinnerte seine Muskeln und seinen Verstand daran, dass sie in die gewohnten Routinen zurückfinden mussten, wollte er nicht in einer Blutlache auf Montfords gewachstem Boden enden.
Er wusste, dass Trent fechten konnte. Als junger Mann war der Kerl ganz verrückt darauf gewesen. Er focht im französischen Stil, während Constantine den italienischen bevorzugte. Sie waren einander ungefähr ebenbürtig, doch Trent war ein wenig betrunken und sehr zornig, daher machte er Fehler. Constantine bewahrte einen kühlen Kopf. Er zog den Kampf in die Länge, um seinen Gegner langsam zu ermüden.
Er kämpfte losgelöst von jedem Gedanken an das Blut, das sein Hemd rot färbte, und befreit von Schmerz und Zorn. Wenn sich ein Bild von Jane in seine Vorstellung schob, verbannte er es. Er brauchte all seine Geistesgegenwart und all seinen Willen, um zu überleben.
Und er brauchte all seine Fechtkunst, um eine Blöße in Trents Abwehr zu finden. Er wartete auf den richtigen Moment, in dem er den Mann entwaffnen konnte, ohne ihn zu töten.
Es war sehr viel schwieriger, Trent nicht zu töten, als er gedacht hatte.
Zu Constantines Glück war Trents Kondition nicht so groß wie sein Können. Bald entdeckte Constantine kleine Fehltritte, hier und da ein Schwanken.
Es war an der Zeit. Constantine steigerte das Tempo und drängte Trent immer weiter zurück, bis er ihn durch die halbe Galerie gejagt hatte. Trents Abwehr schwankte nur einen Augenblick, doch mehr war auch nicht nötig. Constantine tat einen Ausfallschritt und traf seinen Gegner mit einem kraftvollen Stoß direkt an der Schulter.
Trents Florett fiel klirrend zu Boden. Er stolperte rückwärts und hielt sich den Arm. Sein Blick war erstaunt. Aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen.
Constantine warf sein Florett hin und drehte sich um, um seine Sachen einzusammeln. Er gab sich Mühe, die Glückwünsche der anderen mit Anstand über sich ergehen zu lassen, doch es fiel ihm schwer. Er hasste sinnlose Kämpfe. Etwas in ihm würde sich immer gegen diese bedeutungslosen Rituale auflehnen, doch manchmal war es einfach nötig, Männern wie Trent eine Lektion zu erteilen, die sie auch verstanden.
Nachdem er sich die Stiefel angezogen hatte, legte Constantine sich den Rock über den gesunden Arm. Er löste das Krawattentuch und knüllte es zusammen, um es auf die Wunde zu drücken, aus der Blut zäh auf den Boden tropfte.
Er ging zu dem Sofa, auf dem Trent lag, blutend und mit kreidebleichem Gesicht.
Ruhig sagte Constantine: „Sie werden es diesmal überleben. Aber wenn mir noch einmal zu Ohren kommt, dass Sie mich oder eine gewisse Dame in den Dreck ziehen, werden Sie sterben.“
Er verneigte sich vor dem Duke. „Ich bitte, mich zu entschuldigen. Ich muss nach Hause, um mich umzukleiden.“
Als Constantine den Treppenabsatz erreicht hatte, sah er, wie Jane auf ihn zugeflogen kam.
„Pass auf“, sagte er scharf, bevor sie Gelegenheit hatte, sich ihm in die Arme zu werfen. „Ich will nicht, dass Blut auf dein Kleid kommt.“
Sie blieb stehen, betrachtete ihn forschend. „Du hast mir nicht verziehen.“
„Doch, natürlich habe ich das.“ Er schloss die Augen. Plötzlich fühlte er sich so erschöpft, als hätte Trent ihn durchbohrt.
Er hatte ihr tatsächlich vergeben, irgendwann während ihrer tapferen, wagemutigen Rede.
Sie berührte ihn an seinem gesunden Arm. Mit zitternder Stimme bat sie: „Lass mich wenigstens deine Wunde verbinden. Ich habe Cecily losgeschickt, damit sie Verbandsmaterial besorgt.“
„Es ist doch kaum ein Kratzer“, brummte er, begleitete sie jedoch, weil er bei ihr sein wollte.
„Nun, dann musst du mir erlauben, dich ein wenig präsentabler zu machen. So kannst du nicht auf den Ball gehen“, erklärte sie energisch.
„Das wollte ich auch nicht.“ Mehr als alles wünschte er sich nun, nach Hause ins Bett zu gehen und sie mitzunehmen. Aber er musste jetzt auf den Ball gehen. Jane zuliebe und natürlich seinem eigenen Stolz zuliebe. Constantine Black würde kein Duell ausfechten und dann lahm nach Hause gehen.
„Ich muss mir ein frisches Hemd bringen lassen.“ Er sah auf das zusammengeknüllte blutige Leinen in seiner Hand. „Und ein frisches
Krawattentuch.“ Seine Weste hatte ein wenig Schaden an der Seite erlitten, doch das würde sein Rock verbergen.
„Ja, ich habe schon jemanden losgeschickt. Eines von Beckenhams Hemden wird dir sicher passen.“ Geschickt nahm Jane ein Wasserbecken und ein Tuch entgegen, die ein Dienstmädchen gerade brachte, und setzte sie auf ihrem Frisiertisch ab.
„Setz dich bitte hierhin.“ Sie deutete auf einen niedrigen gepolsterten Schemel.
Er gehorchte und lächelte ein wenig über ihre Art, das Kommando zu ergreifen. Ein warmes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus. Es war das Gefühl, heimgekommen zu sein.
Als Cecily mit Verbänden und frischer Wäsche für Constantine ankam, platzte sie offenbar vor Neugier. „Ich habe den Wundarzt in die Galerie hochgehen sehen. Sie sind wirklich der böse Lord, was? Hoffentlich haben Sie Trent nicht umgebracht, sonst müssen Sie Jane entführen und mit ihr aus dem Land fliehen.“
„Nein, er überlebt es schon.“ Es sei denn, eine Infektion machte ihm den Garaus. Aber daran wollte er lieber nicht denken.
„Danke, Cecily“, sagte Jane. Ihr Ton verabschiedete die Cousine.
Mit einem frechen Knicks und einem vielsagenden Blick lief Cecily aus dem Zimmer.
Jane legte Verbände und Basilikumpuder auf dem Frisiertisch bereit und tauchte dann das Tuch ins Wasser.
Sie knöpfte seine Weste auf und streifte sie ihm vorsichtig ab.
„Und jetzt dein Hemd.“ Ihre Stimme klang geschäftsmäßig, doch er kannte sie gut genug, um den heiseren Unterton herauszuhören.
Normalerweise hätte er jetzt eine zweideutige Bemerkung gemacht, doch fühlte er sich momentan witzigen Zweideutigkeiten nicht gewachsen. Mit ihrer Hilfe entledigte er sich des blutigen Hemds, zischte, als der durchweichte Stoff an seiner Wunde zerrte.
„Es ist zum Glück nur ein Kratzer.“ Jane klang erleichtert.
Vorsichtig wusch sie das Blut von seinem Arm ab und tupfte dann die sechs Zoll lange Schnittwunde an seinem Bizeps ab. „Ich habe schon Schlimmeres gesehen“, sagte sie. „Meine Cousins waren ständig in Raufereien verwickelt.“
Er sah an sich herab und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass die Wunde tatsächlich nicht ernst war. Er genoss Janes Nähe. Er nahm ihren Duft bewusst wahr, ihre weiche, empfindsame Haut hinter ihrem Ohr, die so gern von ihm geküsst sein wollte.
„Brandy“, murmelte sie. Sie goss reichlich über die Wunde und er verzog vor Schmerz das Gesicht.
Sie sah ihn an und lächelte ein wenig. „Du bist sehr tapfer.“
„Bekomme ich dafür ein Bonbon?“ Die neckenden Worte waren ihm entschlüpft, ehe er sie aufhalten konnte.
Sie sah ihn überrascht an. Einen Augenblick, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam, zögerte sie, dann senkte sie den Blick. Sie griff nach dem Basilikumpuder und stäubte ihn über den Arm, dann verband sie die Wunde.
„So“, sagte sie ein wenig atemlos. „Nicht so dick, dass es den Sitz deines Rocks beeinträchtigen würde.“
„Danke.“
Er schwieg einen Augenblick. Dann sagte er: „Es hat für mich keine andere gegeben, seit ich Lazenby verlassen habe.“ Es war das Beste, wenn sie das sofort klärten.
„Nein“, erwiderte sie. „Für mich gab es auch niemand anderen.“
Der Zorn, der ihn bei der bloßen Vorstellung befiel, sie könne etwas mit einem anderen Mann haben, überwältigte ihn beinahe mit seiner Heftigkeit. Er versuchte ihn zu verbergen, war sich aber nicht sicher, ob es ihm gelang.
Dann sah er auf und entdeckte den neckenden Ausdruck in ihren Augen.
Vermutlich hatte er das verdient. Er stand auf und ergriff ihre Hände.
Ernst führt Jane fort: „Es wird nie einen anderen geben. Selbst wenn du mich morgen verlassen und ich hundert Jahre werden würde.“
Er zog sie an sich. „Nun, Mylady, das freut mich sehr, denn es war mir ernst, als ich sagte, ich bringe jeden Mann um, der dich anfasst.“
Und dann erfüllte ihn abermals ein Ansturm unaussprechlicher Gefühle. Seine Augen funkelten. Bisher hatte er die dazu passenden Worte nicht über die Lippen gebracht. Jetzt war ihm, als könnte er keinen Augenblick länger überleben, ohne sie auszusprechen.
„Ich liebe dich, Jane.“
Ihr Lächeln war so strahlend, dass ihm der Atem stockte. Sie warf ihm die Arme um den Hals und streckte ihm das Gesicht entgegen.
Er schloss die Augen, fand ihre Lippen und küsste sie mit tiefer, ehrlicher Lust, die keine Grenzen kannte. Ungeduldig zog er ihr die Nadeln aus ihrem Haar und ließ sie unter leisem Klirren auf die Bodendielen fallen. Ihr Duft stieg ihm in die Nase und er sog ihn tief in sich auf, während er sie gierig küsste. Er wollte diesen Augenblick in seine Sinne brennen, in sein Herz und seinen Verstand.
Ihre Fingerspitzen strichen sanft über seine Brust, seine Schultern und seine Taille und befeuerten seine Leidenschaft, bis ihm das Blut in den Adern kochte. Sie stieß ein wildes, ersticktes Geräusch aus, unter dem er anschwoll vor Lust.
Von unten drang Musik herauf. Sie atmete zitternd. „Wir müssen aufhören.“
Doch ihre Hände liebkosten ihn, als seien sie ganz anderer Ansicht, und ihre Lippen küssten ihm sanft die Brust.
Er keuchte und nickte. „Ja, das müssen wir, in ein oder zwei Minuten.“ Er schob seine Finger in ihr Haar und zog ihren Kopf sanft nach hinten, damit er sie küssen konnte. Dann schob er sie sanft zum Bett.
„Dreh dich um“, murmelte er und machte sich geschickt an Knöpfen und Bändern zu schaffen. „Das Kleid müssen wir erhalten.“
„Es ist eine atemberaubende Kreation“, seufzte sie.
„Wenn du es trägst, ist es ein Kunstwerk, Prinzessin.“
Er entkleidete sie mit der Übung einer erfahrenen Kammerzofe und legte das Kleid sorgfältig über einen Stuhl. Danach kamen Unterröcke, Korsett, Unterhemd. Er enthüllte ihre weiche, seidige Haut, als wäre sie das kostbarste Geschenk der Welt.
Der Ball mochte in vollem Gang sein, doch jetzt bestand vermutlich die letzte Möglichkeit vor der Hochzeit, sich so zu nähern. Er wollte sie bis zum letzten Tropfen auskosten.
Als sie endlich nackt vor ihm stand, hob er sie hoch, legte sie auf das Bett und sah sie einen Augenblick lang nur an. Jane erwiderte seinen Blick. Sie wirkte so erhitzt und gleichzeitig so vertrauensvoll und offen.
Liebe und Dankbarkeit für dieses Geschenk erfüllten seine Brust. Er wandte sich von Jane ab, um die Zimmertür zu verriegeln und seine eigenen Kleider abzulegen. Als er zu ihr zurückkam, war auch er vollkommen nackt und ebenso verletzlich wie sie selbst. Er streckte sich neben ihr aus.
Sie lagen einander gegenüber, sahen sich in die Augen. In ihrem Blick lag ein Lächeln, ihre Stirn war fragend gerunzelt.
Es gab keine Spielchen und keine Tricks. Mit leichtem Kopfschütteln beugte er sich vor und drückte seine Lippen auf die ihren. Er verwöhnte sie mit sanften, zarten Küssen und strich ihr dabei gleichzeitig leicht über den Rücken. Nach einer Weile ließ er die Hand weiter nach unten wandern, umfasste ihren Po, strich dann über die Rückseite ihres Oberschenkels. Er führte ihr Knie um seine Hüfte und versenkte sich in ihr.
Ihre Seufzer vermischten sich, als er tief in sie eindrang. Unter langsamen, rhythmischen Stößen baute sich eine Spannung auf, die wuchs und wuchs, bis er am ganzen Körper zitterte vor Anstrengung, diesen gemächlichen Rhythmus aufrechtzuerhalten. Jane schloss die Augen, und er betrachtete forschend ihr Gesicht. Er wog jede Nuance ihrer Reaktion ab, jeden flüchtigen Wandel in ihrem Ausdruck, bis er sie mit einem letzten tiefen Stoß über den Rand hinaus zum süßen, bebenden Höhepunkt brachte.
Stöhnend folgte er ihr und erlebte die tiefste, nachhaltigste Lust seines Lebens.
Danach schwiegen sie eine Weile, doch der Trubel, der vom Ball heraufdrang, war schwer zu ignorieren. Mit der Fingerspitze zeichnete Constantine ein Muster auf Janes Brust. „Wir müssen runtergehen, sonst vermisst man uns noch.“
Ihre Lippen streiften seine Schulter. „Das wäre ein Skandal! Du würdest eine ehrbare Frau aus mir machen müssen.“
Er lachte auf. „Ich glaube, ich würde lieber eine Dirne aus dir machen, aber ich will mich nicht beklagen.“
Er legte einen Finger unter ihr Kinn und hob es an. „Heute Abend, meine liebste Jane, wirst du nur mit mir Walzer tanzen.“
Sie verzog das Gesicht. „Das würde ich ja, aber ich tanze nicht.“ Als er sie noch einmal küsste, murmelte er an ihren Lippen: „Prinzessin, du wirst auf dem Ball tanzen. Glaube mir.“