16. Kapitel

Jane legte die Bürste nieder und wollte sich erheben, doch Constantine sagte: „Nein, bleib, wo du bist.“ Sie ließ sich auf den Stuhl zurücksinken, ohne den Blick von ihm abwenden zu können.

Sie hatte erwartet, dass er den prächtigen Morgenrock tragen würde, in dem sie ihn schon zweimal gesehen hatte, doch er hatte nur Rock und Krawattentuch abgelegt und sich ansonsten nicht entkleidet.

Sie war nicht sicher, ob sie das beruhigen sollte.

Er hielt eine Flasche Rotwein in der einen und ein Glas in der anderen Hand. „Ich fürchte, dass wir uns das Glas teilen müssen“, sagte er und ging auf sie zu. „Mir ist kein guter Grund eingefallen, warum ich zwei Gläser brauchen könnte.“

War es eine Mahnung, dass das, was sie vorhatten, verboten war?Vor einem Beistelltischchen am Kamin blieb er stehen und stellte den Wein und das Glas darauf ab. Er ging vor dem Kamin in die Hocke und sagte: „Ich fache das Feuer ein bisschen an, ja?“

Sie öffnete den Mund, doch sie brachte keinen Ton heraus. Das Bedürfnis nach mehr Wärme ließ sie an kühle Luft auf nackter Haut denken. Ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter.

Constantine erweckte das fast heruntergebrannte Feuer zu neuem Leben, sodass das Zimmer von einem goldenen, zuckenden Licht erfüllt war. Sie beobachtete seinen breiten Rücken und die schmale Taille, als er aus einer Porzellandose auf dem Kaminsims einen langen Fidibus nahm und in die Flammen hielt.

Dann ging er im Zimmer herum und entzündete systematisch alle Kerzen, die sie vor seiner Ankunft so entschlossen gelöscht hatte.

Wieder versuchte sie zu sprechen, aber was hätte sie sagen sollen?

Ich will nicht, dass du mich siehst.

Doch Constantine Black wirkte an diesem Abend sehr konzentriert. Er wollte die Bühne bereiten zur Verführung und seine Haltung verriet, dass er dabei keinen Widerspruch dulden würde.

Als er fertig war, warf er den Fidibus ins Feuer. Er nahm die offene Weinflasche und schenkte ein. Bevor er sich dem Feuer widmete,

hatte er die Ärmel aufgerollt und sie bewunderte die Spannkraft seines Unterarms, während er die Flasche hielt und kunstvoll drehte, damit kein Tropfen danebenging.

Er setzte die Flasche ab. Dann drehte er sich um, streckte' ihr die Hand entgegen und lächelte.

Jane machte keine Anstalten, zu ihm zu gehen. Sie fühlte sich wie festgewachsen.

Er zog eine Augenbraue hoch. „Hast du es dir anders überlegt?“

Langsam schüttelte sie den Kopf.

Wieder streckte er die Hand aus. „Dann komm. Setz dich zu mir.“

Sie zwang sich aufzustehen und zu ihm zu gehen. Ihre Beine zitterten und ihr Atem ging unregelmäßig. Sie wünschte sich, dass sie ihren Körper wieder kontrollieren könnte, aber er stand voll und ganz unter Constantines Zauberbann.

Zu beiden Seiten des Kamins standen Sessel, dazwischen lag ein hochfloriger Teppich. Sie wollte sich in den Sessel setzen, der Constantine gegenüberstand, doch er nahm ihre Hand. „Nicht da. Zu mir. “

Er zog sie mit sich herunter in den Sessel. Ihr blieb nichts anderes übrig, als sich auf seinen Schoß zu setzen. Jane ließ sich mit einer so spröden Steifheit auf ihm nieder, dass er ein wenig lachen musste. Sie spürte seine muskulösen Schenkel unter sich und seine Körperwärme. Ihr Herz schlug wie ein wilder Trommelwirbel. Sie war so unsicher, sie wusste nicht, was sie tun sollte.

Beunruhigt durch seine Nähe, starrte sie ins Feuer. Sie hatte nicht den Mut, ihm ins Gesicht zu blicken.

„Jane.“ Seine Stimme war heiserer als sonst. Er hob ihr Gesicht mit einer Fingerspitze an und begann, sie zu küssen.

Seine Küsse waren langsam, tief und berauschend. Trotz ihrer Nervosität gab sie sich ihnen unbeholfen hin. Seine Berührungen machten sie wehrlos und ihre eigene Sehnsucht überwältigte sie. Als er sanft ihre Wange berührte, brachen die unterschiedlichsten Gefühle über sie herein. Sie wollte, dass ihm diese Nähe ebenso viel bedeutete wie ihr, wusste jedoch um die Vergeblichkeit dieser Hoffnung und hätte am liebsten geweint.

Sie keuchte schluchzend auf und er hörte sofort auf. Er hob den Kopf und legte seine Stirn an ihre. „Verzeih. Ich wollte es eigentlich ganz langsam angehen lassen. Unterbrich mich, wenn es dir zu schnell geht.“

Er atmete schwer und seine breite Brust hob und senkte sich an ihrer Schulter. Dass er genauso begierig war wie sie, zumindest im körperlichen Sinne, freute sie.

Die Küsse hatten sie so entspannt, dass sie sich nun beruhigt an ihn schmiegen konnte. Sie spürte den harten Beweis seiner Erregung an ihrem Oberschenkel, doch es versetzte sie nicht mehr in Panik. Jane vertraute ihm.

Er würde sich ihr nicht aufdrängen, dessen war sie sicher. So sehr er ihr Herz verwunden mochte, körperlich würde er ihr nie etwas antun.

Er bewegte sich unter ihr, um nach dem Weinglas zu greifen. „Hier.“ Er hob das Glas, bis der Rand ihre Unterlippe berührte. Sein Blick ruhte auf ihrem Gesicht. Gehorsam nahm sie einen Schluck von dem schweren Burgunder und ließ ihn langsam die Kehle hinabrinnen.

Constantine nahm ebenfalls einen Schluck und stellte das Glas wieder ab. Seine festen Lippen glänzten feucht und sie empfand den merkwürdigen, heftigen Wunsch, vom Wein auf seinem Mund zu kosten. Stattdessen leckte sie sich über die eigenen Lippen.

Er spannte sich an, seine Oberschenkel unter ihr wurden steinhart. „Jane.“ Seine Stimme wurde heiser. „Erzähl mir von Harcourt.“

„Von Harcourt?“, hauchte sie. „Warum?“

Er strich zärtlich mit dem Finger über ihren Mundwinkel. „Ich dachte, es wäre nett, wenn wir uns ein bisschen besser kennenlernen würden.“

Er spielte mit ihren Locken.

Sie seufzte, als er mit dem Knöchel über die empfindsame Haut an ihrem Hals streifte. Ich erinnere mich nicht. Wie war die Frage?

„Harcourt“, insistierte er. „Du hast glückliche Erinnerungen daran.“

Seine Hand strich an ihrer Seite entlang und umfasste ihre Taille. Sie legte den Kopf an seine Schulter und starrte wieder ins Feuer. Ihre Erregung war nicht abgeklungen, doch gleichzeitig spürte sie eine beständige Wärme. So musste es sein, wenn man glücklich verheiratet war. Sie fühlte sich erregt, sicher und zufrieden. Alles war miteinander verbunden und wunderschön.

Resolut schob sie den Gedanken beiseite.

„Harcourt?“, fragte sie vage. Ich kann nicht denken, noch weniger sprechen, wenn du mich auf diese Weise berührst.

Leise lachend streichelte er mit seiner rechten Hand über ihren Bauch. Diese Nacht trug sie kein Korsett, das ihm den Zugang erschwerte. Er schob die Hand ein Stück weiter nach oben und ihre Brustspitzen verhärteten sich vor Erwartung. Sie drängten sich der Berührung entgegen. Wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie sich all dieser Kleider entledigt hatte und ihn berührte, Haut an Haut?

Eine so sinnliche Sehnsucht hatte sie noch nie verspürt. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte.

Sein Daumen und sein Zeigefinger wanderten nach oben und legten sich um die Unterseite ihrer Brust. Wie zuvor hielt er kürz vor der Stelle inne, an der sie sich seine Berührung am heißesten ersehnte. Sie wand sich rastlos und stieß einen leisen, unzufriedenen Laut aus.

„Sag mir, was du willst“, flüsterte Constantine, und sein heißer Atem liebkoste ihr Ohr. „Ich tue alles. Du musst es nur sagen.“

„Du weißt, was ich will. Zwing mich nicht dazu, es auszusprechen.“ Sie wand sich unter seinen Berührungen, verzweifelt genug, um zu betteln. Doch sie fand nicht die richtigen Worte.

Er ließ ihre Brust los und legte die Hand auf ihren Ausschnitt.

Sie sehnte sich danach, dass seine Hand tiefer eintauchte, dass er sie wieder so liebkoste wie in der Grotte. Sie wand sich in seinen Armen. Sie wollte, dass er sie verstand.

Wie zur Antwort ließ er die Fingerspitzen unter ihr Nachthemd gleiten. Er schob den Stoff nach unten, über ihre Schulter und legte eine Brust frei.

Dann saß er reglos da. Sie öffnete die Augen und sah, wie er mit unverhohlener Begierde auf sie hinunterblickte. Sie wollte das Nachthemd zurückschieben, doch er hielt sie am Handgelenk fest.

„Nein. Du darfst dich nicht verhüllen. Mein Gott, Jane, du bist so außergewöhnlich schön.“

Ohne den Blick von ihr zu wenden, rutschte er unter ihr hervor und kniete vor ihr nieder.

Andächtig zog er das andere Schulterstück ihres Nachthemds herunter, um beide Brüste freizulegen. Sie spürte seinen Blick auf sich ruhen, so fühlbar wie eine Liebkosung. Feuchte Wärme sammelte sich zwischen ihren Beinen.

Dann hob er beide Hände und berührte sie. Seine Fingerspitzen, die vom Arbeiten leicht rau waren, umkreisten ihre Brustspitzen zärtlich. Ihre Augen wollten zufallen, doch Jane hielt sie offen. Sie war zu fasziniert von ihm, um nicht hinzusehen.

Nachdem er sich sattgesehen hatte, beugte er sich über sie und nahm eine Brustspitze zwischen die Lippen. Die Empfindung war überwältigend. Jane stöhnte auf. Sie warf den Kopf zurück und krallte die Hände in die Armlehnen. Das war es, was sie sich an diesem Nachmittag gewünscht hatte. Instinktiv hatte sie gewusst, dass es einfach grandios sein würde.

Sie umfasste seinen Hinterkopf, während er sie mit der Zunge liebkoste, sie leckte und mit wohldosierter Intensität an ihren Brustspitzen saugte. Während er die eine Brust mit dem Mund verwöhnte, liebkoste er die andere mit Fingerspitzen und Handfläche. Die Hitze und Spannung in ihren Brüsten glich nichts, was sie je empfunden hatte, und tief unten in ihrem Bauch breitete sich ein merkwürdiger Schmerz aus. In diesem Augenblick hätte sie alles für ihn getan, solange er nur nicht aufhörte.

Sie keuchte seinen Namen und schien ihn damit zu noch größeren Anstrengungen anzuspornen. Er strich über ihren Oberkörper, bis ihr Nachthemd sich in der Taille zusammenbauschte. Dann richtete er sich auf, griff in ihr Haar, um ihren Hinterkopf zu umfassen, während er sie auf den Mund küsste.

Sie drängte sich an ihn, um den Kuss mit all der Leidenschaft zu erwidern. Seine glatte Seidenweste rieb an ihren Brustspitzen. Beinahe wäre sie vom Sessel geglitten in ihrem Eifer, seine Umarmung zu erwidern.

Doch im nächsten Augenblick hatte er die Hände um ihre Taille gelegt und hielt sie fest. Dann knüllte er die untere Hälfte ihres Nachthemds zusammen, schob es nach oben, als wollte er sie ganz bloßlegen.

Angst durchfuhr sie. Er hatte in ihr das Gefühl geweckt, sie sei schön, sündig und begehrenswert, aber wenn er sie jetzt ganz nackt sah, würde er entdecken, wie hässlich sie war.

Sie schlug seine Hände weg. „Nein, nicht, nicht“, sagte sie verzweifelt. „Ich will nicht, dass du mich siehst.“

Er erstarrte. Seine großen Hände lagen an ihren Schenkeln und sein Blick, noch stürmisch vor Leidenschaft, brauchte eine Weile, bis er wieder klar wurde. Dann setzte er sich auf die Fersen und legte die Hand unter ihr Kinn.

„Du bist so schön“, murmelte er. Trotz ihrer Panik erregte sie das Staunen in seiner Stimme. „Du bist so wunderschön und so erstaunlich empfänglich. Doch ich begehre dich für das, was hier drinnen ist...“, er küsste sie auf die Stirn, „... und hier drin“, er beugte sich vor und streifte mit den Lippen die Stelle über ihrem Herzen. „Daran wird sich niemals etwas ändern.“

Nein, nein, damit konnte es ihm nicht ernst sein. Jeder wusste, dass Männer bei einer Frau vor allem Schönheit suchten. Jemand wie Constantine konnte jede Frau haben, die er wollte.

Stumm schüttelte sie den Kopf.

„Jane“, wisperte er. „Unsere Körper sind nur Oberfläche. Sie sind schön anzusehen, aber jede Statue ist schön und trotzdem will kein Mann mit einer Statue schlafen. Was die Seele befeuert und die Leidenschaft weckt, ist das, was von innen kommt.“

„Es ist schwer für mich“, sagte sie. „Es tut mir leid.“ Sie zupfte an ihrem Nachthemd, um das Oberteil wieder an Ort und Stelle zu ziehen.

Vorsichtig umfasste er ihre Taille. „Nicht. Komm. Sieh selbst.“

Er schob seine Hand in ihre, zog sie auf die Füße und führte sie zu dem großen Standspiegel in der Ecke.

Sobald sie sich vom Kamin wegbewegt hatten, zitterte sie, doch als er sie vor den Spiegel stellte, baute er sich so dicht hinter ihr auf, dass ihr wieder warm wurde. Sie hielt ihr Nachthemd immer noch an der Taille umklammert wie einen Unterrock, doch ihre Brüste waren schockierend nackt.

Bisher hatte sie sich selten nackt im Spiegel angesehen, und wenn, dann nie als Objekt der Begierde. Die Intensität in Constantines Blick ließ daran jedoch keinen Zweifel.

Hilflos betrachtete sie im Spiegel, wie sich sein dunkler Kopf zu ihr neigte. Er hob ihr Haar vom Nacken weg und küsste sie dort, wo ihr Hals in ihre Schulter überging. Ein Prickeln durchfuhr sie und kleine wohlige Schauer breiteten sich in ihrem Unterleib aus. Seine Lippen strichen über ihre empfindliche Haut und pressten sich gegen ihren Puls. Er blickte ihr im Spiegel in die Augen, leckte über ihr Ohrläppchen und biss ganz leicht hinein.

Im Spiegel zu verfolgen, wie er solche Dinge mit ihr tat, steigerte ihre Erregung ins Fieberhafte.

Sie schwankte und er stützte sie. Er schloss die Hände um ihre Brüste. „Schau uns zu, Jane“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Sieh doch, wie schön du bist.“

Sie sah, wie seine dunklen Hände zärtlich über ihre weiße Haut strichen, über ihre Brüste, dann wanderte ihr Blick zu ihrem eigenen erhitzten Gesicht und ihren glasigen Augen.

„Sieh mich an, Jane“, wisperte er. „Sieh, wie ich dich verehre.“

Er war doch ein Zauberer. Sein Blick hielt sie gefangen. Sie konnte nicht wegsehen und bemerkte kaum, wie er das Nachthemd aus ihrem Griff befreite und zu Boden fallen ließ.

„Schau dich an, Prinzessin“, hauchte er. „Sieh, wie begehrenswert du für mich bist. Wie viel würde ich dafür geben, jetzt in dir zu sein.“

Er ließ die Lippen über ihren Unterkiefer wandern, rieb gleichzeitig an ihren Brustspitzen. „Bist du nass für mich, Jane?“

Die Worte trafen sie wie ein Blitz. Hitze flammte in ihr auf und durchzuckte ihren Körper. Sie fand keine Worte und seufzte gierig. Diese Verwirrung ihrer Gefühle machte sie fast wahnsinnig. Sie begehrte ihn. Sie war tatsächlich nass für ihn, peinlich nass sogar, und doch konnte sie ihren Schutzschild nicht senken. Er hatte gesagt, sie sei schön, es wäre entsetzlich, wenn er sich angewidert von ihr abwenden würde.

„Du bist heiß und feucht zwischen den Beinen, nicht wahr Jane?“, murmelte er. „So will ich dich haben. Daran erkenne ich, dass du für mich bereit bist.“

Seine Hände glitten tiefer, doch sie packte ihn am Handgelenk, um ihn aufzuhalten. Sie konnte nicht anders.

„Nein?“, sagte er und küsste sie aufs Schlüsselbein. „Dann wirst du dich selbst anfassen müssen.“

Constantine befreite seine Hände aus ihrem Griff. Dann nahm er ihre Hand und führte sie langsam über, ihren Bauch und die Scham zu einem Ort, der heiß und feucht war - genau wie er gesagt hatte. „Hat Frederick dich auch so erregt?“

Sie keuchte.

„Hat er?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Nie.“ Bei Frederick hatte es keinerlei Vorspiel gegeben, keine Küsse, keine Liebkosungen. Nur Trockenheit und Zwang und Schmerzen.

„Hast du dich je selbst dort berührt, Jane?“

Sie schluckte und schüttelte den Kopf. Sie war ein wenig entsetzt über das, was sie vor seinen Augen tat, aber ihre Lust und ihre Neugier siegten über die Schäm. Jane genoss. Das musste das Geheimnis und der Grund sein, warum sich sonst so vernünftige Frauen aus Liebe ruinierten. Constantine brachte es ihr bei, und sie wollte es lernen.

Constantine hatte die Bedürfnisse seines Körpers unterdrückt, seit er in Janes Schlafzimmer getreten war. Als er jetzt sah, wie ihre langen schlanken Finger in ihre eigene Nässe tauchten, wurde er verrückt vor Lust.

Soweit er erkennen konnte, war alles an ihr absolut richtig. Zum Teufel mit Fredericks Rüpelhaftigkeit! Kein Wunder, dass sie solche Panik davor hatte, einen Mann in sich aufzunehmen, wenn er sich nie die Mühe gemacht hatte, sie anständig darauf vorzubereiten.

Er flüsterte ihr Beschwichtigungen und Anweisungen zu und zwang sich, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich befriedigte. Hin und wieder erhaschte er einen verlockenden Blick auf ihre rosige feuchte Mitte, während sie mit den Fingern darin kreiste. Sein eigenes Begehren schwoll an, bis er es kaum noch ertrug.

Ihre Haut war genauso weich und seidig, wie er es sich erträumt hatte und ihr Körper so geschmeidig und zart gerundet. Er begehrte sie mit einer solchen Leidenschaft, dass er sich mit aller Macht bezähmen musste. Er hatte sich gelobt, in dieser Nacht nicht mit ihr zu schlafen.

Stattdessen beobachtete er sie aufmerksam im Spiegel. Er beurteilte ihre Reaktionen, nahm mit dem Blick des erfahrenen Liebhabers zur Kenntnis, was ihr gefiel und was nicht.

Ja, er war erfahren und diese Erfahrung kam ihm in dieser Nacht zupass. Aber diese Nacht war anders als alle anderen, denn diese Frau war unter seinen zahllosen Geliebten einzigartig. Nie war er einer solchen Unschuld und einer solchen Empfänglichkeit begegnet. Und selbst wenn, wäre es nicht dasselbe gewesen, denn diese Frau wäre nicht Jane gewesen.

Seine Jane.

Ihr keuchender Atem ging schneller, er spürte, dass es auf den Höhepunkt zuging. Bald würde sie ein bisschen mehr verstehen und dennoch nur eine winzige Vorstellung davon haben, wie es zwischen ihnen sein konnte.

Er flüsterte ihr ins Ohr: „Lass los, Jane. Du musst dich gehen lassen.“

„Kann nicht.“ Das leise Stöhnen, das sie dabei ausstieß, setzte ihn in Brand. Wie lang würde er warten müssen, bevor er ihr zeigen konnte, wie schön die Liebe wirklich wahr? Wie lang würde es dauern, bis er sie wirklich zu seiner Frau machen konnte?

Pure Lust übermannte ihn. Er umfasste ihre Brüste, zog Jane an sich und grub die Zähne in ihre Halsbeuge.

Jane keuchte scharf auf. Sie warf den Kopf zurück und begann in seinen Armen zu beben. Sie war am Flöhepunkt angelangt. Dann sank sie in sich zusammen, als hätten die Beine unter ihr nachgegeben.

Er fing sie auf und nahm sie auf die Arme. Er presste sie an seine Brust, küsste sie rau und leidenschaftlich und ließ seinem aufgestauten Begehren freien Lauf. Ihre Arme umschlangen seinen Hals und sie erwiderte den Kuss so rückhaltlos und leidenschaftlich wie nie zuvor.

„Das eben war das Schönste, was ich je gesehen habe“, sagte er an ihren Lippen. Er strich an ihrer zarten Kehle entlang und fügte hinzu: „Nächstes Mal möchte ich derjenige sein, der dich zum Beben bringt. Und ich verspreche dir, dass es noch schöner sein wird.“

Eine derart übermenschliche Zurückhaltung würde ihm kein zweites Mal gelingen. Es würde es nicht aushalten, sie nicht zu nehmen.

Bevor sein Begehren die Oberhand über die Vernunft gewann, trug er sie zu ihrem Bett. Sanft legte er sie auf der Matratze ab. Ängstlich riss sie die Augen auf.

Sein Lächeln war gezwungen. „Keine Sorge, Prinzessin. Heute lege ich mich nicht zu dir.“

Er holte ihr Nachthemd und warf es ihr zu. Er beobachtete das zarte Wippen ihrer Brüste, als sie es sich überzog und über ihre Hüften streifte.

Dann schob er sie nach oben, sodass sie auf den Kissen lag. Er beugte sich über sie und stützte sich mit beiden Händen ab. Constantine beobachtete sie einen Augenblick. Sie war so schön und so verlockend in ihrer seligen Befriedigung.

Er lächelte auf sie herab. „Morgen.“

Dann hauchte er einen Kuss auf ihre Nasenspitze und verließ das Zimmer.

Constantine schlief schlecht in dieser Nacht und erwachte noch vor dem Morgengrauen. Wenn der Mond die Nacht erleuchtet hätte, wäre er ausgeritten, doch der Himmel war wolkenverhangen und der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben.

Er stand auf und tappte zu einem Beistelltischchen, um sich etwas zu trinken einzugießen. Dann schnippte er mit den Fingern. Gott, beinahe hätte er es vergessen! Der Wein.

Er zog ein Paar Breeches an und öffnete die Verbindungstür zu Janes Schlafzimmer. Auf der Schwelle blieb er stehen und lauschte auf ihren Atem. Er wollte sie nicht wecken. Sie brauchte ihren Schlaf.

Sie musste sich ausruhen für das, was er für den heutigen Abend geplant hatte.

Leise schlich er durchs Zimmer zum Kamin, wo er Flasche und Glas zurückgelassen hatte. Es musste schnell gehen, bevor das Dienstmädchen hereinkam, um die Feuerstelle zu säubern.

Er hörte ein Seufzen.

Es war ein leiser Ausruf im Schlaf, der ihn magisch anzog. Constantine trat leise ans Bett und blickte auf Jane herab.

Sie lag noch genau dort, wo er sie hingelegt hatte. Obwohl die Nacht kühl war, hatte sie die Zudecke nicht hochgezogen und auch die Bettvorhänge nicht geschlossen. Es sah aus, als wäre sie nach seinem Gutenachtkuss sofort eingeschlafen.

Dornröschen.

Sie lag merkwürdig einsam und verlassen vor ihm. Sie hatte eine Hand unter ihre Wange gelegt, die rosigen Lippen wie schmollend vorgeschoben und sie zitterte mit jedem Atemzug.

Ihr Körper, ihre Brüste waren so verheißungsvoll. Ihre langen schlanken Beine lagen nackt auf dem Laken. Ihre Haut war weiß, weich und vollkommen, ihre Fesseln waren elegant und verlockend. An einem Knöchel entdeckte er ein kleines Muttermal. Er hätte es gern geküsst und seine Lippen weiterwandern lassen ...

Das Blut schoss in seine Lenden. Er wurde hart. Sein Körper schmerzte. Geduld, ermahnte er sich. Nicht jetzt.

Mit einem Seufzer, der auch in seinen Ohren harsch klang, zog er die Decke hoch und suchte nach Beweisen für ihr gestriges Treiben.

Im Zimmer war es kalt. Er hätte das Feuer neu anfachen sollen, als er letzten Abend gegangen war.

Jane wachte von einem klirrenden Geräusch am Kamin auf. Sie öffnete die Augen und erschrak, als sie die männliche Gestalt entdeckte, die den Schürhaken auf den Ständer zurückhängte. Als der Mann jedoch Weinflasche und Glas nahm, die auf dem Tisch am Kamin standen, wusste sie, wer es war.

Constantine.

Ihre Sinne erwachten, als sie ihn ansah.

Er trug kein Hemd und Jane staunte, als sie seinen nackten Rücken und die geschmeidige Bewegung seiner Muskeln sah. Der Widerschein des Feuers auf seiner Haut war golden und unwiderstehlich. Würde sie sich nicht so fürchten vor dem, was kam, wäre sie zu ihm gegangen. Sie hätte ihre Hände auf seine Schultern gelegt und ihre Finger an seinem Rückgrat hinabwandern lassen bis zu seiner schmalen Taille.

Neugier überkam sie. Er hatte sie gestern ganz nackt gesehen, sie ihn aber nicht.

Er drehte sich um, und sie genoss den Anblick seiner männlichen Brust und seines muskulösen Bauches. Constantine war kraftvoll und fest und Jane staunte, dass ihr all diese Härte so gut gefiel, dass sie sie für sich haben wollte.

Ihr Blick wanderte nach unten. Sie erkannte, dass er zwar Breeches angezogen, sie aber nicht ordentlich verschlossen hatte.

„Du bist ja wach“, murmelte er fröhlich.

Sie riss den Blick von ihm los und fixierte Stattdessen den Bettpfosten. Sie seufzte.

Er spielte mit dem Bund seiner Breeches. „Hast du etwas entdeckt, was dir gefällt?“

Sie biss sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen. Was für eine ungeheuerliche Arroganz! Er war nicht im Mindesten verlegen,

weil sie ihn verstohlen bewundert hatte. Warum sollte er auch? Seine Schönheit würde jede griechische Statue in den Schatten stellen.

Sie wagte es, ihm in die Augen zu blicken. Er lächelte sie so begehrend an, dass ihr Herz wie wild zu schlagen begann und ihr Mund trocken wurde.

Es lag ihr nicht, sich hinter einem albernen Lächeln zu verstecken. Kühn hob sie das Kinn und sagte: „Sogar eine ganze Menge.“

Er lachte laut auf.

Sie blickte zur Tür. „Psst! Willst du, dass uns jemand hört?“ Immer noch lächelnd antwortete er: „Nein, das will ich nicht. Ich bin auch nicht reingekommen, um mit meinem männlichen Körper zu protzen. Ich wollte nur die Beweisstücke verschwinden lassen.“ Er hielt Weinflasche und Glas in die Höhe.

Er hielt inne. „Ich sollte jetzt wohl besser gehen.“

Nicht einmal ein Gutenmorgenkuss? Sie verschränkte die Arme. „Ja, tu das“, sagte sie verstimmt.

Er deutete auf sich. „Es wäre höchst unpassend, wenn man mich hier so sehen würde!“

Jane nickte stumm, doch sie konnte den Blick nicht von ihm wenden. Ihr war nie klar gewesen, dass ein Mann unter seinem Hemd so aussah. Die wenigen Male, die Frederick zu ihr gekommen war, hatte er ein Nachthemd getragen. Und nun fand sie es höchst aufregend, Constantine halb nackt zu sehen. Seine Hüftknochen wiesen nach unten und verschwanden in seinen Breeches, als wollten sie ihr den Weg in die Verlockung weisen.

Sie drehte eine Locke um den Finger. „Kann ich etwas Wein bekommen, bevor du gehst?“

Er lupfte eine Augenbraue.

Sie riss die Augen auf. „Ich habe Durst.“

„Also gut.“ Er goss etwas Wein ins Glas und ging zum Bett. Als er ihr das Glas reichte, berührten sich ihre Finger.

„Trink aus“, sagte er. „Ich muss das hier fortschaffen.“

Er stand am Bettrand. Sie hätte die Hand ausstrecken und ihn berühren können, wenn sie nur den Mut dazu besessen hätte.

Ihre Brustspitzen richteten sich erwartungsvoll auf. Zwischen ihren Beinen meldete sich wieder dieses herrlich warme Gefühl.

Sie sah ihm tief in die Augen und führte das Glas an die Lippen. Dann trank sie den Wein und gab ihm das Glas zurück.

Jane konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie presste ihre Hand auf seinen Bauch und fühlte, wie flach und muskulös er war. Seine Haut war kühl.

Sanft schob er ihre Hand wieder zurück. „Glaub mir, Prinzessin, es gibt nichts, was ich lieber täte, aber wenn wir keinen Skandal riskieren wollen, müssen wir jetzt aufhören. Der Morgen dämmert schon.“

Er hatte recht. Das Risiko war zu groß. Sie biss sich auf die Lippe. Jane war ein wenig verblüfft, dass ein notorischer Schürzenjäger sie an die guten Sitten erinnerte. Er hatte sie über Nacht in eine lustvolle Frau verwandelt.

Das Zucken um seine Lippen verriet ihr, dass er ähnlich dachte. „Glaub mir, die Vorfreude macht alles nur noch schöner.“ Er nahm ihre Hand, beugte sich darüber und warf ihr unter schweren Lidern einen lüsternen Blick zu. „Das versichere ich dir.“

Jane ließ sich atemlos in die Kissen fallen. „Jetzt kann ich nicht mehr schlafen.“

Sein Lächeln wurde noch breiter. „Dann kleide dich an und reite mit mir aus. Ich will zu Bronsons Weberei, um mich zu vergewissern, dass dort etwas unternommen wird.“

Das erschien ihr eine gute Idee. Bewegung war jetzt genau das, was sie brauchte. „Es wird doch keine Schwierigkeiten geben, oder?“

Er zuckte mit den Schultern. „Nicht wenn du dabei bist. Wenn wir früh genug losreiten, wird uns niemand sehen.“

Sie gingen zu den Ställen. Jane sog die kühle frische Luft tief in die Lungen. Der Boden unter ihren Stiefeln war vom vielen Regen schlammig. Immer wieder musste sie die Röcke ihres Reitkleides lüpfen, um sie vor dem Morast zu schützen.

Nebel lag auf dem taufeuchten Gras wie eine Geisterdecke. Die Landschaft lag still da, nur ein ferner Hahnenschrei kündigte den neuen Tag an.

Für Jane markierte er ein neues Gefühl. Ehrfurcht und tiefes Wohlbefinden erfüllten sie an diesem Morgen. Sie hatte gedacht, dass ihre Zofe die Veränderung an ihr hätte bemerken müssen, als sie ihr beim Ankleiden half. Jeder musste doch erkennen, dass sich Constantines sündige Berührungen förmlich in ihre Haut eingebrannt hatten.

Begierde stieg in ihr auf. Zum ersten Mal seit der Anfangszeit ihrer Ehe sehnte sie sich nach einer tiefen körperlichen Verbindung.

Hoffnung keimte in ihrem Herzen.

Der Pferdestall war ein großes, gut ausgestattetes Gebäude. Allerdings standen weniger Rassepferde darin, als es Jane recht war.

Als sie sich dem Eingang näherten, hörten sie Gelächter. Das Lachen hatte einen höhnischen Beigeschmack. Überrascht blieb Jane stehen.

Sie sah Constantine fragend an, der die Stirn runzelte.

„Bleib hier“, sagte er.

Sie ignorierte den Befehl und folgte ihm in den Innenhof, wo sie abrupt stehen blieb und aufschrie.

Luke war dort, umringt von drei Stallburschen.

Er war dreckverschmiert, als wäre er in den dampfenden Haufen Pferdeäpfel in der Nähe gefallen. Johlend schubsten sie ihn von einem zum anderen und aus ihrem Blick leuchtete hämische Schadenfreude. Die Knaben waren nicht viel älter als Luke selbst, doch gegen drei hatte er keine Chance.

„Taucht ihn rein!“ Ein Knabe schaute zur Pferdetränke und streckte die Hand nach Luke aus.

„Lasst ihn los.“ Den harten drohenden Ton, mit dem Constantine diesen Befehl aussprach, hatte Jane noch nie an ihm gehört. Sie wunderte sich nicht, dass die Knaben sofort gehorchten und ihre Münder weit aufrissen. Luke schwankte unsicher. Sein Gesicht war schmutzig und tränenverschmiert.

Janes Herz tat einen entsetzten Satz. Sie wollte Luke helfen, doch Constantine hob die Hand und hielt sie auf. „Ich hatte dir doch gesagt, du sollst draußen bleiben.“

Sie ignorierte die Ermahnung und ging an ihm vorbei zu ihrem Ziehsohn. „Luke!“

Sie kniete sich auf das Kopfsteinpflaster, streckte die Arme aus und zog ihn in die Arme, ohne sich um den Gestank und den Schmutz zu kümmern. „Was haben sie dir angetan? Wir müssen dich sofort ins Haus bringen.“

Sie durchbohrte die Schuldigen mit Blicken. Der größte Junge starrte sie mürrisch an. Die anderen beiden senkten den Kopf.

„Schämt euch!“ Sie erhob sich. „Das wird euch noch leidtun!“

„Mein Skizzenbuch“, keuchte Luke.

Jane sah sich um. Jemand hatte Lukes kostbare Zeichnungen auf den Haufen Pferdeäpfel geworfen.

Constantine ergriff das Buch an einer sauberen Ecke, fischte es aus dem Dreck und reichte es Luke.

„Vielleicht können wir ein paar Seiten retten“, sagte Jane. Sie legte einen Arm um Luke und funkelte die Stalljungen wütend an. „Und was euch drei angeht... “

Ruhig sagte Constantine: „Geh mit Luke zum Haus. Ich kümmere mich darum.“

„Aber..."

„Ich danke dir.“ Mit seinem charmantesten Lächeln verbeugte Constantine sich vor ihr und entließ sie. Ihr blieb nichts anderes übrig als zu gehen.

Während die Diener für Luke ein Bad einließen, ließ Jane heißes Wasser in ihren Salon schaffen, damit sie ihm helfen konnte, schon einmal den schlimmsten Schmutz abzuwaschen.

Als er relativ sauber war und sie sich etwas beruhigt hatte, klingelte sie nach Tee, Limonade und einem Rosinenbrötchen für Luke. Er nahm einen winzigen Schluck Limonade. Das Rosinenbrötchen rührte er nicht an.

Wenn sie irgendeinen Beweis gebraucht hätte, wie groß sein Schmerz und seine Demütigung waren, so hatte sie ihn in seiner Appetitlosigkeit gefunden. So desinteressiert war Luke noch nie an Essen gewesen.

„Komm, setz dich zu mir.“ Sie zog ihn an sich und legte den Arm um ihn.

„Es tut mir so leid, mein Liebling.“ Sie schüttelte den Kopf. „Dass so etwas hier bei uns passieren kann, in unseren Ställen, hätte ich nie geglaubt.“

„Ich hab alles so gemacht, wie du und Lord Roxdale gesagt habt. Ich habe ihnen laut und deutlich gesagt, dass sie mich in Ruhe lassen sollen. Aber dann haben sie mich hochgehoben. “ Er zog seinen Mund zusammen und versuchte, die Tränen zu unterdrücken.

„Oh, Liebling, ich weiß, dass du dein Bestes gegeben hast. Manchmal kann man einfach nichts machen. Aber du kannst dich darauf verlassen, dass Lord Roxdale sich um die Jungen kümmern wird. Das wird ihnen nicht gefallen.“ Sie betrachtete sich nicht als gewalttätig, aber sie brannte darauf, Ohrfeigen unter den kleinen Tyrannen zu verteilen. Sie verließ sich darauf, dass Constantine sie angemessen bestrafte.

Sie wartete eine Weile und fragte dann: „Warum haben sie dich denn so behandelt?“

Luke errötete und biss sich auf die Lippe. Er schüttelte den Kopf. „Weiß nicht.“

„Aber natürlich weißt du es, Luke!“ Sie wusste nicht recht, wie sie ihre Sorge ausdrücken sollte. „Hast du diese Knaben vielleicht geärgert?“

„Nein! Ich hab gar nichts getan!“ Seine Lippe zitterte. Er gab sich größte Mühe, nicht zu weinen.

Jane blutete das Herz. „Tut mir leid, Liebling. Ich wollte damit nicht sagen, dass es deine Schuld ist. Aber warum kannst du mir nicht sagen, warum sie dich so geärgert haben?“

Ihre sanfte Befragung schien ihn nur noch mehr aufzuregen. Sie würde ihn niemals verletzen, aber sie musste herausfinden, warum dergleichen immer wieder geschah, um ihn zu schützen.

„Willst du es mir nicht sagen, Luke? Du weißt doch, du kannst mir alles erzählen.“

Er trat mit dem Fuß gegen das Stuhlbein. „Es ist nichts, Tante Jane. Wirklich nicht. Ich habe bloß ein paar unfreundliche Bilder von ihnen gezeichnet, das ist alles.“

Jane konnte sich nicht vorstellen, dass ein paar freche Karikaturen der Anlass für derartige Grausamkeiten sein konnte. „Und die Jungen im Dorf? Hast du die auch gezeichnet?“

Er zuckte mit einer Schulter und antwortete nicht.

„Luke?“ Sie fühlte sich so hilflos. Sie war selbst den Tränen nahe, konnte dies dem Jungen gegenüber aber unmöglich zeigen. „Liebling, ich kann nicht mit ansehen, wie sie dich quälen. Du musst mit mir oder Lord Roxdale reden, damit wir etwas dagegen unternehmen können.“

„Das könnt ihr nicht!“ Er war aufgesprungen und schrie sie an. „Ihr könnt überhaupt nichts dagegen unternehmen, verstehst du?“ Tränen strömten ihm die Wangen hinab. Jane kniete sich auf den Boden, legte die Arme um ihn und hielt ihn ganz fest. Sie strich ihm über die Haare und versuchte, ihn zu beruhigen. Sein kleiner Körper zitterte und dann barg er sein Gesicht in ihre Schulter und begann zu weinen. Seine lauten, herzzerreißenden Schluchzer drangen tief aus seiner Brust nach oben.

„Die sagen, ich sei ein Bastard und dass meine Mutter eine ... eine ...“

„Ich kann mir vorstellen, wie sie sie genannt haben“, unterbrach sie ihn, damit er das Wort nicht in den Mund nehmen musste.

„Aber das stimmt nicht, mein Liebling. Deine Eltern waren verheiratet und deine Geburt war genauso ehrbar wie meine.“

Jane spürte tiefe Stiche in ihrem Herzen. Nur zu gerne würde sie ihm den Kummer abnehmen und die Schmerzen vertreiben.

Er hob das Gesicht. „Warum sollen die denn so etwas sagen, wenn es nicht stimmt?“

Jane strich ihm das Haar aus der Stirn. „Ich weiß nicht, mein Liebling. Manchmal sagen Kinder einfach gemeine Sachen, egal ob sie stimmen oder nicht.“

Sie betrachtete Lukes kummervolles Gesicht. „Was auch immer geschehen mag, ich werde dich immer lieben und immer für dich da sein, und Lord Roxdale wird es auch. Wir finden einen Weg, wie wir diesen Hänseleien ein Ende bereiten können. Du wirst schon sehen.“ Sie hörte Schritte und wandte den Kopf. Constantine stand in der Tür.

„Was ist passiert?“

Er kam ins Zimmer und ging mit ernstem Blick auf Luke zu.

Mit dem Zeigefinger hob er das Kinn des Jungen an und betrachtete dessen Gesicht. „Du bist ein richtig schneidiger Bursche!“ Fragend sah er Jane an. „Blaue Flecken? Knochenbrüche?“

Sie schüttelte den Kopf. „Er ist aber sehr durcheinander und aufgeregt. Was ist mit den Stalljungen?“, fragte Jane.

Constantine verzog grimmig die Lippen. Er legte Luke eine Hand auf den Kopf. „Ich habe sie entlassen. Solche Burschen kann ich auf meinem Landgut nicht gebrauchen.“

Überrascht hob Luke den Kopf. Fast anbetend fixierte Luke Constantines Gesicht.

Jane runzelte die Stirn. Sie war sich nicht sicher, ob sie diese Entscheidung guthieß. „Wahrscheinlich wäre ihnen die Peitsche lieber gewesen.“

„Möglich“, erwiderte Constantine. „Aber von körperlicher Züchtigung halte ich nichts. Ich habe sie vor die Wahl gestellt, entweder eine Reihe äußerst unangenehmer Pflichten zu übernehmen oder den Dienst bei mir zu quittieren. Sie haben sich für Letzteres entschieden.“ Er seufzte. „Es widerstrebt mir zwar, so junge Burschen ihres Lebensunterhalts zu berauben, aber sie sind jung und stark. Sie finden schon eine andere Arbeit. Und ihre Entlassung wird anderen als Warnung dienen, dass Luke unter meinem Schutz steht.“ Er hielt inne. „Wir können doch nicht zulassen, dass der arme Kerl in seinem eigenen Zuhause tyrannisiert wird.“

Luke hatte endlich zu zittern aufgehört. Etwas wie Hoffnung keimte in seinen Augen auf.

„Wollen wir hoffen, dass es damit sein Bewenden hat“, sagte Jane. „Wenn so etwas noch einmal passiert, musst du sofort zu uns kommen und es uns erzählen.“ Sie zog Luke an sich, drückte ihm einen Kuss auf den Scheitel und gab ihn wieder frei. „Und jetzt ab in den Kindertrakt mit dir. Dein Bad dürfte fertig sein. Wir müssen Zusehen, dass du wieder schön sauber wirst.“

„Und danach“, meinte Constantine, „spielen wir noch eine Partie Fuchs und Gans. Einverstanden?“

Abends ging Jane hinauf in Lukes Kinderzimmer, um ihr Versprechen zu erfüllen, Luke drei ganze Episoden von Sir Ninians Abenteuern vorzulesen. Doch noch ehe sie die erste Geschichte zu Ende gelesen hatte, war Luke schon fest eingeschlafen.

Lange Zeit saß sie einfach nur da und betrachtete ihn in Ruhe.

Was an diesem Morgen geschehen war, war einfach furchtbar. Sie spürte seinen Schmerz, als wäre er ihr eigener, und sie hätte alles getan, um ihn davon zu befreien. Es war schwer zu akzeptieren, dass sie es nicht konnte. Luke musste ihn ertragen. Jane konnte ihm höchstens dabei helfen. Sie dachte an Constantines Worte. Was Luke am heutigen Tag durchgemacht hatte, würde ihn stärker machen.

Constantine hatte viele Stunden mit ihm verbracht, hatte mit ihm gescherzt und gespielt, damit der Kleine den Schock vergaß. Bis zum Abend hatte Luke zu seiner alten Fröhlichkeit zurückgefunden. Constantine war wirklich wunderbar. Kein leiblicher Vater hätte es besser machen können.

Sie rechnete damit, dass Luke in den nächsten Tagen und Wochen noch oft an die Demütigungen denken würde. Aber sie hoffte, dass es ihn nicht mehr so quälte.

Jane strich über ihre Augen und stand auf, um aus dem Fenster zu schauen. Draußen dämmerte es sanft. Die Tage wurden wieder länger und damit auch diese geheimnisvolle Zeit, in der die Welt zwischen Tag und Nacht schwebte.

Sie holte tief Luft und atmete zittrig aus. Dann ging sie hinunter in ihr Schlafzimmer, holte ein Schultertuch und verließ das Haus.

Constantine hatte sich in den letzten beiden Stunden im Inneren der Grotte zu schaffen gemacht. Von dem Ergebnis war er begeistert.

Der Boden war von zahllosen Seidenkissen bedeckt und an den Wänden hingen bestickte Wandbehänge, die die Höhle ein wenig wohnlicher machten. Eine Flasche Champagner wartete in einem silbernen Kübel. Daneben standen zwei Kristallgläser sowie eine Auswahl von köstlichen Leckereien, die selbst einen übersättigten Magen in Versuchung geführt hätten. Aus einem orientalischen Räuchergefäß drifteten Rauchschwaden und schwängerten die Luft mit exotischen Düften.

Gerade als er die letzte Kerze entzündet hatte, spürte er eine Bewegung hinter sich und drehte sich um.

Jane stand im Eingang und hatte die Zipfel des Schultertuchs fest an die Brust gedrückt. Sie trug noch ihr Tageskleid, doch ihr Haar war offen und fiel wie eine herrliche kastanienbraune Kaskade auf ihre Schultern. Er brannte darauf, die Finger in die weichen Locken zu tauchen.

Sie war so schlank, so elegant und viel zu rein und zart für seine schamlosen Berührungen.

Sein Herz begann zu rasen. Auf diesen Moment hatte er gewartet, seitdem Jane oben aus ihrem Zimmer auf ihn herabgeblickt hatte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er noch nie so besorgt gewesen war wegen einer bevorstehenden Liebesnacht.

Alles hing von dieser einen Nacht ab. Constantine musste es gelingen, die nächsten Stunden zu den schönsten in Janes Leben zu machen. Sie vertraute darauf, dass ihm dieses Kunststück gelang, trotz der Schrecken, die sie mit Frederick durchgemacht hatte. Dieser Druck reichte, um selbst den erfahrensten Liebhaber einzuschüchtern.

Doch seine Sorge verhinderte nicht, dass sich seine Männlichkeit bei Janes Anblick gegen seine Breeches drängte. Endlich würde er diese Frau auf jede nur erdenkliche Art in Besitz nehmen. Er wartete, dass sie den Blick von ihm abwendete und ihre Umgebung wahrnahm. Er hatte sich große Mühe gegeben, den geeigneten Rahmen für diesen bedeutsamen Anlass zu schaffen.

Doch sie nahm es gar nicht wahr, sondern ging direkt auf ihn zu, um ihn zu umarmen.

„Constantine.“ Sie hauchte seinen Namen mit sanfter Stimme, umfasste sein Gesicht mit beiden Händen und küsste ihn mit ihren weichen, glatten Lippen. Etwas in ihm wandte sich um. Der berüchtigte Constantine Black warf all seine Strategien über Bord und schlang die Arme um Jane.

Er ließ ihre Haare durch seine gespreizten Finger gleiten und bemächtigte sich ihrer Lippen immer und immer wieder in langen, tiefen Küssen.

Seine Finger strichen über ihre Seiten, sie liebkosten ihren Rücken und schoben ihr das Tuch von den Schultern. Sie berührten sie, streichelten sie und versuchten tiefer vorzudringen. Ihre Kleider waren im Weg. Mit leisem Fluchen drehte er Jane mit dem Rücken zu sich. Etwas ungeschickt machte er sich daran, ihr das Kleid auszuziehen.

Alles, was er für die Verführung bereitgelegt hatte, war auf einmal vergessen. Seine Pläne, sie langsam und genießerisch auszuziehen, lösten sich schneller auf als die verflixte Schnürung ihres Korsetts.

Als es schließlich aufgeschnürt war und ihre Unterröcke zu Boden glitten, schob er ihr Haar beiseite. Er küsste ihren Nacken und die empfindsame Stelle, wo der Hals in die Schulter überging, und biss sie sanft.

Sie stöhnte seinen Namen und sackte in seinen Armen ein wenig zusammen.

„Es gefällt dir“, murmelte er erfreut. Er verharrte mit den Lippen in ihrem Nacken, fuhr den blauen Schatten einer Vene mit der Zunge nach, kostete das Salz auf ihrer Haut.

Als Jane erschauerte, biss er noch einmal sanft zu und saugte dann an ihrem Fleisch. Ihre Knie gaben nach, doch er hatte seinen Arm um ihre Taille gelegt und hielt sie fest. Die andere Hand griff sanft in ihren Ausschnitt, um eine volle, weiche Brust liebkosen zu können.

Als sich ihr Gesäß plötzlich gegen seine Erregung drückte, keuchte er auf. Er drehte sie zu sich um, streifte ihr die Träger ihres Hemdchens von den Schultern und legte ihre herrlichen Brüste frei. Die Unterwäsche fiel leise raschelnd zu Boden.

Zu seiner Überraschung packte Jane sein Hemd und zerrte daran, um es aus der Hose zu ziehen. Sie nahm den Saum und hob das Hemd hoch. Gehorsam hob er beide Arme über den Kopf und half ihr, es ihm auszuziehen.

Der bewundernde Blick, mit dem sie seinen nackten Oberkörper musterte, erregte ihn so sehr, dass er hart wurde. Wenn ihr das mit nur einem Blick gelang, was mussten dann ihre Hände und ihr Mund vollbringen können?

Um sich abzulenken, legte er eine Hand auf ihre Brust. Seine Finger umfassten sie und wogen sie. Mit wohlüberlegter Präzision fuhr er mit dem Daumen über die Brustspitze. Janes Lider flatterten. Sie stöhnte lustvoll auf. Ermutigt spielte er mit ihren Brüsten, berührte sie mit leichten, quälenden Strichen, bis sie um Erlösung flehte. „Oh Constantine, bitte.“

Er hob sie auf die Arme und trug sie zu dem Kissenberg. Dort legte er sie ab, streckte sich neben ihr aus und staunte über die Vorfreude, die in ihren Augen aufblitzte. Diesmal versuchte sie nicht, sich vor ihm zu verbergen oder sich ihm zu entziehen.

Das Vertrauen in ihren silbergrauen Augen machte ihn demütig. Er würde es für sie vollkommen machen oder bei dem Versuch sterben.

Jane strich mit den Fingerspitzen über seine Brust. Dann ließ sie die Handfläche über seine Rippen gleiten und über seinen Bauch, bis seine Bauchmuskeln zuckten. Wo auch immer sie ihn berührte, schien seine Haut zu brennen. Es war mehr, als er ertragen konnte.

Er nahm ihre Hand und drückte sie sanft in die Kissen. Dann beugte er sich über sie und küsste abwechselnd ihre Brüste. Er reizte Jane, indem er die himmlischen Aureolen mit der Zunge umkreiste und die harten Spitzen küsste.

Er spürte die Rastlosigkeit in ihr und die Sehnsucht nach mehr. Während er die Begierde mit sanften Küssen in die Länge zog, gab er ihre Hand wieder frei und ließ seine Handfläche an ihrer Seite nach unten wandern bis zu ihrer Hüfte, dann weiter über den Bauch, bis seine Hand direkt über ihrer geheimsten Stelle verharrte.

Bei seiner Berührung spannte sie die Muskeln an. Jane erstarrte.

Constantine nahm eine Brustspitze zwischen die Lippen, er zog daran und ließ seine Zunge darüberschnellen.

Jane schrie auf. Sie drückte den Rücken durch vor gequälter Lust. Er ergriff die Gelegenheit und berührte die warme, feuchte Haut zwischen ihren Beinen, ohne von ihren Brüsten abzulassen.

Diesmal ließ sie sich von ihm liebkosen. Sie fühlte sich so wunderbar an. Sie war so heiß und so nass. Er sehnte sich danach, sie in den Mund zu nehmen, doch dazu war Jane noch nicht bereit.

Er fand die kleine empfindsame Knospe und streichelte sie sanft mit dem Daumen. Sie keuchte flehend auf und schob ihm die Hüften entgegen. Er tat ihr den Gefallen und rieb fester.

Sie atmete stoßweise. Sie stand kurz vor der Erlösung. Constantine spürte, dass der Höhepunkt wie ein nahes Gewitter in ihr anschwoll. Ohne den kreisenden Rhythmus seines Daumens zu unterbrechen, schob er einen Finger in sie hinein. Sie wimmerte, vielleicht erschrocken, vielleicht vor Lust, denn sie wehrte ihn nicht ab. Ihre Muskeln spannten sich an, als wollten sie gegen dieses Eindringen protestieren, doch Constantine führte auf der Suche nach jener einen köstlichen Stelle einen zweiten Finger in ihre feuchte Enge.

Inzwischen war auch er so erhitzt und bereit zu explodieren wie sie. Seine Erektion pochte schmerzhaft gegen seinen Hosenlatz. Er biss die Zähne zusammen vor Anstrengung, den eigenen Höhepunkt zurückzuhalten.

Janes wimmernde Schreie wurden immer lauter. Es war an der Zeit. Er presste mit den Fingern, kreiste mit dem Daumen und saugte an ihrer Brust. Der Höhepunkt überrollte sie in großen zuckenden Wellen und sie schrie seinen Namen.

Nach einem letzten wollüstigen Lecken gab er ihre Brust frei und hob den Kopf, um Jane auf dem Gipfel ihrer Ekstase zu beobachten. Sie keuchte nach Luft und ihre Wangen glühten dunkelrot. Er genoss die Hemmungslosigkeit, mit der sie sich ihrer Lust hingab, und konnte kaum glauben, dass er sie einmal die Eisjungfer genannt hatte. An diesem Abend brannte sie wie reines Feuer.

Bevor sie wieder zu Sinnen kommen konnte, öffnete er seine Hose und bettete sich zwischen ihre Beine. Er befeuchtete seine pochende Härte, indem er sich an ihrer empfindsamen Knospe rieb, worauf sie wieder zu zucken begann.

Heiße Lust durchfuhr ihn und es kostete ihn große Anstrengung, seinen eigenen Höhepunkt noch ein bisschen hinauszuzögern. Vorsichtig schob er sich an ihre Pforte.

Sie erstarrte sofort und er glaubte, sie hielt sogar den Atem an. Sie war bei Weitem nicht so selbstvergessen vor Leidenschaft, wie er es sich gewünscht hatte.

Seine Kiefer schmerzten, weil er die Zähne so stark zusammenbiss. Sein Körper war vor Begierde zum Zerreißen gespannt, wollte ihn dazu treiben, in sie einzudringen, hart und schnell, doch sein Verstand hielt ihn davon ab.

„Alles in Ordnung?“, stieß er hervor. Er wollte es hoffen.

„Ja.“ Es war das, was er hatte hören wollen, doch die Worte kamen als panisches Quietschen heraus.

Jane schob ihn nicht weg, sie presste auch nicht die Beine zusammen, wie sie es am Abend zuvor getan hatte, aber sie war auch offenkundig nicht begierig, ihn in sich zu spüren. Sie bereitete sich auf sein Eindringen vor.

Constantine zögerte. Er kauerte über ihr und seine Muskeln waren zum Zerreißen gespannt. Sein Glied pulsierte und sehnte sich nach Erlösung. Er war nicht mehr ganz Herr seiner selbst. Wenn er das hier jetzt verdarb, würde er keine zweite Chance bekommen. Jane vertraute ihm, aber Constantine war sich nicht sicher, ob er es schaffen würde, so sanft und geduldig zu sein, wie es erforderlich war.

Er versuchte sich einzureden, dass sie auch nur eine Frau war. Dass er bei anderen Frauen auch die ganze Nacht durchgehalten hatte und dass er noch nie die Kontrolle über sich verloren hatte. Zumindest nicht mehr, seit er ein grüner Junge gewesen war.

Es gelang ihm nicht. Er wälzte sich von ihr herunter. Mit ein paar raschen Handbewegungen erreichte auch er den Höhepunkt und verströmte sich über die Kissen.

Danach tat ihm alles weh. Er war weit davon entfernt, befriedigt zu sein, und er war wütend auf sich selbst. Was für eine Katastrophe.

Nach ein paar Augenblicken dröhnenden Schweigens zwang er sich, sich zu Jane zurückzudrehen. Er musste versuchen, etwas von dem Schaden wiedergutzumachen, den er angerichtet hatte.

Er nahm sie in die Arme und als er sie auf die Wange küsste, schmeckte er Tränen. Er schloss die Augen und verfluchte sich, weil er so ein Rohling und so ein Dummkopf war.

„Jane, Jane, es tut mir leid.“ Doch sie legte ihm die Fingerspitzen auf die Lippen und brachte ihn zum Schweigen.

„Nicht“, sagte sie. „Ich möchte dir danken.“ Sie stützte sich auf einen Ellbogen und lächelte auf ihn herunter.

„Was?“ Warum zum Teufel wollte sie ihm danken? Er hatte sie im Stich gelassen. Constantine betrachtete sie forschend, entdeckte aber keinen ironischen Zug um ihren Mund.

„Du bist vielleicht anderer Ansicht, aber du hast mir heute Nacht ein großes Geschenk gemacht.“

Anscheinend hatte sie die Verwirrung in seinem Blick gesehen, denn sie lächelte. Dann beugte sie sich über ihn und gab ihm einen zarten, weichen Kuss. „Verstehst du denn nicht? Du hast mir Hoffnung geschenkt.“

Am Ende entschied sich Montford, de Vere in die Cotswolds zu begleiten. Er hatte schon länger mit der Idee gespielt, doch Janes Brief, in dem sie ihn um sein Kommen bat, gab den Ausschlag. Besser, er war in der Nähe, um die Angelegenheit unauffällig zu lenken, als später zwischen heftig widerstreitenden Parteien zu vermitteln.

Lady Arden war nicht die Art Frau, die vor einem deVereschen Wutausbruch kuschte. Die Blacks und die deVeres waren noch nie gut miteinander ausgekommen. Seine Lordschaft war auf Streit aus und Lady Arden wäre nur zu gern bereit, ihm den Wunsch zu erfüllen.

Montford hatte die Reise gewiss nicht unternommen, um Lady Arden zu Hilfe zu eilen.

Und auch nicht, um sicherzustellen, dass de Vere der Dame nicht in amouröser Art zu nahe trat. Nein, Lady Arden konnte auf sich selbst aufpassen. Das war eines der Dinge, die er an ihr am meisten bewunderte.

Der Duke hatte beschlossen zu reiten, da ihm die Aussicht nicht behagte, stundenlang mit deVere in einer Kutsche zu sitzen. Außerdem war er wie ein kleines Kind: Solange er nur genug Auslauf bekam, waren seine Zornesausbrüche nicht ganz so schlimm.

Statt direkt nach Lazenby Hall zu gehen, beschloss Montford, bei deVeres Neffen abzusteigen. Von dort aus hatte er die Dinge ebenso gut im Blick.

Montford kannte deVeres Neffen Adam Trent flüchtig. Er war ein vorzeigbarer junger Mann und allem Anschein nach kein schlechter Kandidat für Lady Roxdales Hand. Trent hatte außerdem den Vorteil, dass Jane ihn kannte und mochte. Und wenn sie auf Trent Manor lebte, konnte sie den kleinen Lucas Black so oft sehen, wie sie wollte.

Nicht zuletzt war eine Verbindung, welche die Bande zwischen den deVeres und den Westruthers stärkte, strategisch günstig. Vor allem, wenn Rosamund sich in letzter Sekunde doch noch weigern sollte, Griffin de Vere, den Earl of Tregarth zu heiraten.

Montford und Lord de Vere hatten die Reisekleidung abgelegt und sich auf Trents Vorschlag hin ins Billardzimmer begeben. Montford betrachtete seinen Gastgeber, während Trent die Billardkugeln auf dem Tisch anordnete. Ihm fiel ein weiterer Punkt ein, der für Trent sprach. Niemand hatte je Abträgliches über die Moral dieses Mannes gesagt. Seine Ehre war anders als die von Constantine Black absolut intakt. Darüber hinaus war er in der Fechtkunst recht bewandert, wie Montford bei seinem letzten Besuch auf Lazenby festgestellt hatte.

Es war nur zu schade, dass dieser Gentleman so ein ausgekochter Esel war.

„Euer Gnaden, Sie erweisen mir mit Ihrem Besuch eine große, große Ehre. Ich hoffe, Sie lassen es mich wissen, wenn ich Ihnen in irgendeiner Weise dienlich sein kann.“

Er war sogar ein kriecherischer Esel.

„Im Gegenteil“, erwiderte der Duke, „ich hoffe, dass Ihnen mein Eindringen nicht allzu große Unannehmlichkeiten beschert.“

Er unterbrach Trents Versicherungen, dass er entzückt sei. „Gewiss, gewiss.“ Montford lächelte. „Je früher wir die Angelegenheit um Lady Roxdales Hochzeit entscheiden, desto früher kann ich mich wieder auf den Weg machen.“

Derweil setzte de Vere schnaufend seinen Stoß und schoss Billardkugeln über den ganzen Tisch. „Ha!“ Er stolzierte um den Tisch und versenkte noch zwei Kugeln, bevor er eine verfehlte und seinen Platz räumen musste.

Montford nahm seinen Queue, beugte sich über den Tisch und visierte sein Ziel an. Er hielt inne. „DeVere sagt, Sie hätten Interesse an der Dame, Trent.“

Trent sah von de Vere zu Montford und zurück. „Nun, ich ...“ „Er hat Interesse“, knurrte deVere. „Dieses Weib wird mir nicht schon wieder zuvorkommen!“

Mit einer eleganten Karambolage über Bande lochte Montford seine Kugel ein und sah dann auf. „Und was sagt Mr Trent zu alledem?“

Trent errötete. „Was das angeht, Euer Gnaden, so hatte ich bereits vor Lord deVeres Einmischung Interesse.“

„Ihre Zuneigung besteht also seit Längerem?“

Trent wurde blass, als er sah, in welche Falle er getappt war. „Nein!“ Seine Zunge fuhr über die Lippen. „Nun, Frederick war natürlich mein bester Freund. Ich habe Lady Roxdale immer sehr geschätzt. Natürlich!“

„Natürlich.“ Montford zog die Augenbrauen hoch. „Sie brauchen es nicht zu erklären. Ich verstehe Sie recht gut.“

DeVere zeigte sich ungeduldig. „Wen zum Teufel interessiert das denn, all dieses Gerede von Zuneigung? Trent wird sie heiraten, weil er mein Kandidat ist und weil ich es sage!“

Trent runzelte die edle Stirn.

Montford meinte sanft: „Sie glauben doch nicht, dass es so einfach ist, oder, deVere?“

DeVere stach mit dem Finger in Montfords Richtung. „Es wird so einfach sein, weil Sie es so einfach machen werden. Und du!“ Er wandte sich an seinen unglückseligen Neffen. „Was hast du bisher unternommen, um sie für dich zu gewinnen? Ein bisschen tätscheln hat in einem Fall wie diesem noch nie geschadet.“

In eiskaltem Ton sagte Montford: „Dürfte ich Sie daran erinnern, dass Sie von einer Dame sprechen?“

„Ich hab sie kaum gesehen, geschweige denn sie berührt“, brummte Trent. Empört fuhr er fort: „Dieser Schuft Roxdale hat sie verhext! Ich habe versucht, ihr zu erklären, was für ein gefährlicher Bursche er ist, aber sie wollte nicht hören. Sie will mich nicht einmal mehr empfangen.“

Bestürzt wiederholte Montford: „Verhext?“ Jane? DeVere stampfte mit seinem Queue auf und sah seinen Neffen angewidert an. „Jetzt bist du auch noch unter die Petzen gegangen, du rückgratloser Anfänger! Überrascht mich nicht, dass sie dir nichts zu sagen hat. Frauen“, fuhr deVere knurrend fort, „wollen einen Mann, der ihnen zeigt, dass er ihnen ihre Flausen nicht durchgehen lässt. Einen Mann, der sich immer ein bisschen mehr nimmt, als sie zu geben bereit sind.“

Trent wirkte unsicher. Er sah zu Montford, doch der zuckte nur mit den Schultern. Sollte Trent sich doch sein eigenes Grab schaufeln. DeVere hatte ihm den Spaten dazu bereits gereicht. Er glaubte nicht, dass derart tollpatschige Taktiken bei Lady Roxdale ankommen würden, aber für ein Urteil war es noch zu früh. Vielleicht brauchte Jane es, in ihrer kühlen Gelassenheit erschüttert zu werden.

Allerdings bezweifelte er, dass Trent dazu der geeignete Mann war. Bald würde es sich herausstellen.