28. Kapitel
Montford tanzte nicht, doch er wusste Musik zu schätzen und bewunderte die Anmut eines Walzers, wenn er gewandt ausgeführt wurde. Tatsächlich war dieser Tanz recht aussagekräftig. Frau und Mann konnten ihre Gefühle schlecht verbergen, wenn sie sich körperlich so nahe waren.
Rosamund wirbelte mit ihrem Kavallerieoffizier elegant durch den Ballsaal. Er war ein attraktiver Mann, der anbetend auf sie hinunterblickte und das auf eine Art, die Montford fast ein wenig an einen treuen Hund erinnerte. Er hatte so traurige Augen. Es war ein Jammer, wenn man jung war und unglücklich liebte.
Rosamund wirkte bekümmert. Trotz der offensichtlichen Versunkenheit ihres Partners schaute sie sich immer wieder unruhig im Saal um. Vielleicht hielt sie nach Jane Ausschau? Er selbst konnte nicht leugnen, dass er sich ebenfalls Sorgen machte.
„Was für ein aufregender Abend das bis jetzt war“, sagte Lady Arden neben ihm. „Man fühlt sich ganz gestärkt!“
Lady Arden glaubte an das Glück. Er war da weniger zuversichtlich.
„Rosamund ist heute Abend sehr schön“, meinte Lady Arden. „Captain Lauderdale verschlingt sie förmlich mit seinen Blicken.“ Montfords Mund verhärtete sich. „Es ist bedauerlich, aber ich werde mich der Sache annehmen.“
„Das bezweifle ich nicht.“ Ein müdes Lächeln breitete sich über ihr Gesicht. „Wenn Ihr zartes Rosenknöspchen diesen Riesenlümmel nicht verträgt, den de Vere für sie ausgesucht hat, wüsste ich genau den richtigen Mann für sie.“
„Oh, Lady Rosamund wird diese Ehe schon schließen, keine Sorge“, versetzte Montford. „Ich habe Ihnen schon eine Westruther-Erbin überlassen. Werden Sie nicht gierig.“
„Ich frage mich, ob ich sie wohl ein zweites Mal bekomme?“, murmelte Lady Arden und reckte den Hals. „Wo können die beiden nur stecken?“
Dann entdeckten sie sie. Auf der Tanzfläche blitzte es rot auf. Montfords Augen weiteten sich. Jane tanzte? Und dann auch noch einen Walzer in den Armen von Constantine Black.
Sie wirbelten heran zu der Stelle, wo er und Lady Arden standen. Jane sah zu Roxdale auf. Ihr ganzes Herz lag in ihrem Blick und ihre Wangen waren zart gerötet. Das ungeschickte, schüchterne Mädchen war für immer verschwunden. An seine Stelle war eine selbstbewusste, liebende Frau getreten.
Constantine lächelte mit so viel Zärtlichkeit auf sie herab, dass es Montford fast ein wenig peinlich war. Dennoch konnte er den Blick nicht von den beiden wenden.
„Oh!“, rief Lady Arden und fasste ihn am Arm. „Oh! Ich glaube, ich muss weinen.“
Er holte ein Taschentuch heraus und reichte es ihr. „Mylady, Sie werden sentimental.“
„Von wegen!“ Sie riss ihm das Taschentuch aus der Hand und tupfte sich die Augen ab. Sie blinzelte. „Sehen die beiden nicht einfach wunderbar glücklich aus?“
Allerdings. Montford musste zugeben, dass sie das taten.
„Nun, Prinzessin?“ Constantine wirbelte Jane so heftig herum, dass sie beinahe den Boden unter den Füßen verlor. „Habe ich dir nicht gesagt, dass du Walzer tanzen kannst?“
Mit ihm hatte sie das Gefühl, sie könnte fliegen. „Heute Abend kann ich es“, erwiderte sie atemlos. „Ich schwebe. Ich kann nicht glauben, dass wir endlich zusammen sind.“
Sie seufzte. „Ich wünschte, wir könnten jetzt sofort heiraten. Ich will keinen Augenblick mehr von dir getrennt sein.“
Er zog sie skandalös eng an sich. „Was? Du willst eine glänzende Gesellschaftshochzeit verpassen ? “
„Du weißt, dass ich mir aus der Gesellschaft nicht viel mache.“ Ihre Zunge fuhr sanft über ihre Lippen. Sie schmeckten ein wenig nach Rouge. „Ich glaube sogar“, erklärte sie heiser, „wenn du mich jetzt hier mitten auf der Tanzfläche küssen würdest, wäre mir das vollkommen egal.“
Sein Blick fiel auf ihre Lippen. Sein Griff an ihrer Hand verstärkte sich. „Tatsächlich?“, sagte er leise. „Nun, mir wäre es aber nicht egal. Meine Frau soll über jeden Verdacht erhaben sein.“
„Das klingt furchtbar langweilig.“
„Trotzdem.“
Sie machte einen Schmollmund.
„Wo hast du das gelernt?“, knurrte er.
Sie klimperte mit den Wimpern. „Was denn?“
„Spiel bloß nicht die Unschuld. Was hast du während meiner Abwesenheit gemacht? Vielleicht eine Schule für eigenwillige Verführerinnen besucht?“
Sie warf ihm einen triumphierenden Seitenblick zu. „Demnach funktioniert es?“
Er fluchte leise in sich hinein. Er tanzte mit ihr den Ballsaal hinunter und hinaus auf die Terrasse.
Ohne innezuhalten, nahm er sie in die Arme und küsste sie so tief und so leidenschaftlich lang, dass der Rest der Welt um sie herum versank und sie miteinander und der Nacht verschmolzen. In dieser Nacht nahm Constantine sie endlich wie jemand in Besitz, der darauf auch ein Recht hatte.
„Ich liebe dich, Jane.“ Er legte seine Stirn an die ihre, sein Atem fächelte warm über ihre Lippen. „Ohne dich bin ich schier verrückt geworden.“
Sie streckte die Hände aus, um sein schönes Gesicht zu umfassen. Sanft und zärtlich küsste sie ihn noch einmal. „Und ich liebe dich. Lass uns morgen heiraten.“
Er lächelte. „Warum nicht?“ Dann warf er den Kopf in den Nacken und lachte und schwenkte sie im Kreis. „Sollen wir raufgehen und Luke die Neuigkeiten überbringen?“
Ihr Herz war übervoll vor Glück. „Ja. Unbedingt. Ja.“