EINUNDZWANZIG
(I)
Tschink-tschink-tschink!
Ein bekanntes Geräusch für Alexander und mit jedem Schlag ging er einen weiteren Schritt nach unten, ohne Hemd, seine schwarze Priesterhose immer noch feucht vom –
Tschink-tschink-tschink!
– Wasser des Sees.
Er fühlte sich wie ein Zombie, als er den Pfad hinauf und durch die schwach beleuchtete Abtei ging, genauso, wie er damals zur Basis zurückgegangen war, nach dieser wirklich üblen Scheiße mit den Charlies im Urwald. Der Mann mit dem Tausend-Yard-Starren ...
Nein, nichts konnte ihn jetzt noch überraschen; deshalb überraschte es ihn auch nicht, als er im Keller ankam und erkannte, wer diese Geräusche verursachte.
Jerrica.
»Jerrica?«, fragte er.
Sie war immer noch splitternackt, aber jetzt wie besessen –
Tschink-tschink-tschink!
– als sie die Spitzhacke immer wieder auf die Wand niedersausen ließ, kleine Bröckchen Mörtel und Stein splitterten bei jedem Schlag ab und spritzten auf ihre Wangen, stachen ihr ins Gesicht, ohne dass sie es wahrzunehmen schien.
Die Flammen der Spirituslampen sahen wie Phosphor-Heiligenscheine aus. Das seltsame Licht leckte über das Gesicht des Priesters, über seine Brust.
»Jerrica!«
Tschink-tschink-tschink!
Sie hörte ihn nicht, ging ganz in ihrer Beschäftigung auf. Sie war gut vorangekommen: Sie hatte ein Loch in die Wand gebrochen und schlug nun auf den Rand des Loches ein, um es zu verbreitern.
»JERRICA!«, brüllte er ihren Namen.
Tschink ...
Sie hielt mitten im Schlag inne und drehte sich um. Wahnsinnige blaue Augen blickten ihn weit aufgerissen an.
In fiebriger Nacktheit stand sie im Licht der Spirituslampe.
»Wo waren Sie?«, fragte sie kokett.
»Ich glaube, Sie wissen es«, antwortete er mit strenger Stimme. »Ich habe Sie gesehen, Jerrica. Ich habe Sie aus dem See kommen sehen.«
Ihr Grinsen war so strahlend wie das Sonnenlicht, so glänzend wie der Schweiß auf ihrem nackten Körper. »Was ist an einem kleinen Bad auszusetzen, Pater? Es war so ... heiß.« Eine Hand glitt ihren flachen Bauch hinauf, berührte zart eine Brust.
»Hier spukt es«, sagte sie.
Es spukt, dachte er. Vielleicht stimmte es. Vielleicht stimmte es wirklich.
»Ich habe Geister gesehen, Pater. Die ... Nonnen.«
Alexanders Augen verengten sich. Das Böse, erkannte er. Ja, hier ist irgendwas Böses, ich kann es fühlen. Und was auch immer es ist – es ist in ihr ...
»Äbtissin Joyclyn. Und die Schwester Oberin. Ich habe sie gesehen, ich habe mit ihnen geredet. Die sind wirklich scharf auf sie, Pater.«
Alexander schluckte schwer, als hätte er Sand im Mund.
»Aber das«, sagte sie mit einem messerscharfen Grinsen, »bin ich auch.«
Jesus Christus. Bring sie zurück aufs Thema! »Ich habe Sie aus dem See kommen sehen. Also bin ich auf den Glockenturm gestiegen, um Ausschau zu halten. Und ich habe es gesehen, Jerrica. Und wissen Sie, was ich dann getan habe?«
»Sie haben sich wahrscheinlich einen runtergeholt«, kam die Antwort der nackten Blonden. »Und an mich gedacht. Daran gedacht, wie gern Sie mich ficken würden.«
»Nicht ganz.« Er hob ein Päckchen Zigaretten vom Boden auf und zündete sich eine an. »Ich bin selber schwimmen gegangen.«
»Oh, wirklich?«
»Ja, ich habe es gesehen und Sie haben es auch gesehen.«
Ihr wahnsinniges Grinsen verflachte. »Haben Sie es berührt?«
Was für eine Frage. Merkwürdig. Aber nein, er hatte es nicht berührt, oder? Er war hingeschwommen, hatte mit seltsamen Strömungen kämpfen müssen, hatte es gesehen und war dann zurückgestoßen worden. »Nein«, sagte er.
»Das hätten Sie tun sollen, so wie ich. Da drin ist immer noch irgendwas lebendig, irgendeine ... Kraft. Ich weiß es nicht. Aber es ließ mich viele Dinge sehen. Es hat mir einen Teil seiner Kraft gegeben ...« Sie deutete auf die Spitzhacke, die sie an die Wand gelehnt hatte, und auf die Wand selbst. »... dafür.«
»Was ist es?«, zwang seine Kehle die Worte heraus. Aber er glaubte es bereits zu wissen: Dinge, die ihm Unbehagen bereiteten, Dinge, an die er eigentlich glauben sollte, die er sich aber nicht eingestehen wollte. ›Du sollst keine anderen Götter haben neben mir‹, ermahnte ihn sein Glaube. Doch wer wusste schon, an was er jetzt glaubte, wenn überhaupt.
»Ich glaube an Gott«, versicherte er. »An sonst nichts.«
»Aber Sie glauben auch an Teufel, das haben Sie mir in der Bar erzählt. Wenn Sie an Gott glauben, müssen Sie auch an Seine Widersacher glauben.«
»Ja!«, rief er. »Ja, Teufel, ja! Dämonen! Luzifer! Der Morgenstern und der gottverdammte Herr der Luft und der Herr der Lügen – JA!« Der Priester knirschte mit den Zähnen. »Aber ... sie sollten ... eigentlich ... nicht hier sein!«
»Öffnen Sie Ihren Geist.« Jetzt streichelten beide Hände ihre Brüste. Die großen dunklen Nippel wurden hart. »Seien Sie nicht so verbissen. Nicht alle Teufel kommen aus der Hölle.«
Der Satz hallte in seinem Kopf wider, als sie näher kam. Ihre bloßen Füße schritten entschlossen, ihr Grinsen war jetzt anzüglich, ihr Geschlecht glänzte. Er stand nur da und sah ihr zu und tat nichts.
Sie packte ihn bei der Kehle und zwang ihn auf den staubigen Betonboden. Er versuchte ihr Widerstand zu leisten, doch ihre Stärke war übernatürlich, verstärkt von dieser Manifestation des Bösen, auf das sie im See getroffen war. Ihr Körper war plötzlich über ihm, ihre Haut rieb heißen Schweiß auf sein Gesicht, auf seine angespannte Brust. 69, spottete irgendein undeutlicher Gedanke, das Tier mit den zwei Rücken. Er hatte es im National Lampoon oder wer weiß wo gelesen. Sie öffnete seine feuchte Hose und befreite seinen Schwanz, während der zarte Pelz ihres Geschlechts auf seiner Nase lag. Er drückte mit aller Kraft gegen ihren Körper, doch es war zwecklos. Er hätte genauso gut versuchen können, einen M60-Panzer wegzuschieben.
»Priester«, stöhnte sie. Sie packte seine Hoden und drückte sie so fest, dass er zusammenzuckte. Ihre Schenkel spreizten sich über seinem Gesicht. »Leck meinen Arsch«, befahl sie. »Leck meinen Arsch wie ein braver kleiner Priester oder ich werde diese beiden kleinen Erdnüsse zu Matsch zerquetschen.«
Der Griff verstärkte sich; sein Körper verkrampfte sich gegen den drohenden Schmerz. Und er streckte pflichteifrig die Zunge aus und begann, die Spalte ihres Gesäßes zu lecken.
Er roch den Geruch abgestandenen Wassers, verschärft durch herben Poschweiß. Er schmeckte Salz, Dreck, teigige Haut.
»Lutsch’ ihn aus.« Seine Hoden in ihrer Hand hätten auch gekochte Kartoffeln sein können; noch etwas mehr Druck und sie würden zu breiigem Mus zerdrückt werden. »Steck deine Zunge rein. Ganz rein.«
Ihr Anus öffnete sich wie eine willige Irisblende. Jetzt schmeckte er mehr als Salz, es waren die Überreste ihres letzten Stuhlgangs, die stinkenden, verdauten Reste von Tante Annies Strauben und Sirup und Eichhörnchen-Pasties und Laugenkeksen. Er schmeckte ihre Scheiße.
»Lutsch es, lutsch es heraus. Lutsch mir die Scheiße aus dem Arsch und schluck sie runter, sonst zerquetsche ich deine Eier und reiß’ dir die Augen und die Eingeweide raus. Wo ist denn jetzt dein gottverdammter Gott, du frömmlerisches Arschloch? Lutsch mir die Scheiße raus oder ich erwürg’ dich mit deinen eigenen Därmen.«
Alexanders Hoden fühlten sich an, als würden sie gleich platzen. Und wisst ihr, was er dann machte? Der Mann des Glaubens? Der Mann ohne Furcht von Gottes Gnaden?
Er machte genau das, was sie ihm befohlen hatte: Er lutschte ihre Scheiße.
Er lutschte sie direkt aus der aufgeblühten Rosette. Er dachte an eine Softeis-Maschine mit geöffnetem Hahn, nur dass diese Eiscreme warm war, leicht süßlich und gleichzeitig salzig. Und er schluckte es herunter wie ein braver kleiner Priester.
»Ja«, keuchte sie. »Du kleiner Spinner. Erst trinkst du Nonnenpisse und dann frisst du die Scheiße einer Kokainsüchtigen. Schmeckt’s gut, Pater? Besser als der Fraß im Pfarrhaus?«
Jetzt beugte sich ihr eigenes Gesicht zur Spalte seines Gesäßes herunter. Ihre Halswirbel schienen sich auszuklinken und sie senkte ihren Mund in einem Winkel, den man nur als unmöglich bezeichnen konnte, herab. Doch es wurde noch unmöglicher: ihre Zunge ...
Ihre Zunge grub sich in seinen Anus, dann schien sie sich wie ein heißes pinkes Karamellbonbon zu verlängern. Sie glitt hinein wie eine übernatürliche Schlange, die sich in seinen Darm schlängelte, bis hinauf in die Hitze seiner Exkremente. Dann fühlte er sie in seinem Magen herumwühlen, woraufhin sie sich wieder zurückzog und in ein kugelförmiges Polster verwandelte, das sich um seine Prostata legte, saugend, saugend, bis ihr Mund sich erfolgreich in sein Rektum hineingeformt hatte, um die empfindliche Drüse wie einen Penis zu lutschen. Ihre Hand ließ seine Hoden los, wanderte zu seinem Schaft ...
Sie musste nur drei- oder viermal reiben und schon kam alles heraus: Der in 28 Jahren Zölibat angestaute Samen schoss hoch in die Luft. Es sah wie weißes Garn aus, was dort herausschoss und auf seinem zuckenden Bauch landete, in ihrem nassen blonden Haar, auf dem Boden. Und dann ... dann leckte sie alles auf.
»So ein braver, braver Priester! So viel Saft!«, freute sie sich. »Priestersaft ist so schön dick, er ist wie Hüttenkäse und er schmeckt so gut!«
Alexander drehte den Kopf zur Seite und übergab sich geräuschlos, kotzte die ganze Ladung Scheiße aus, die er geschluckt hatte.
»Und jetzt wird es erst so richtig lustig«, versprach sie, ihre Stimme war so heiß wie ein Autodach im August, ihre prallen Brüste bebten. »Wie lange ist dein priesterlicher Schwanz nicht mehr in einer richtigen Pussy gewesen? Seit dem College? Seit den ganzen Vietnamnutten? Muss 20, 25 Jahre her sein.« Sie spuckte auf seinen erschlafften Schwanz, schmierte ihn mit Spucke ein; er wurde sofort wieder hart. Dann hockte sie sich über ihn und ihre Hand packte seine Kehle wie eine Stahlklammer, drückte so fest zu, dass er sicher war, gleich in Ohnmacht fallen zu müssen. »Du wirst mich jetzt ficken, Pater.«
Er konnte nicht sprechen, natürlich nicht, aber er konnte auch nicht denken, als würde ihre unnatürlich starke Hand auch seine Gedanken abdrücken. Ihre freie Hand langte nach seinem Penis und wollte ihn einführen –
BAMM!
– als die Tür am Ende des Gangs eingetreten wurde.
(II)
»Wo – wo sind sie?«
»Mein Gott, was für ein gespenstischer Ort«, sagte Charity. Sie hatten den Pick-up geparkt und die Abtei betreten. Sie wussten, dass die anderen hier sein mussten, denn sowohl Jerricas Miata als auch der alte Mercedes des Priesters parkten draußen. Doch der Saal war so dunkel. Nur ein paar schweigende Spirituslampen erhellten den Gang. Sie kamen an mehreren Räumen vorbei; als sie hineinschauten, sahen sie nur Spinde, leere Betten und Nachttische, die buchstäblich mit zentimeterdickem Staub bedeckt waren. »Sie sind nich’ da, Charity«, sagte Annie. »Wir sollten lieber wieder gehen.«
»Nein. Wir gehen nicht, bevor wir sie gefunden haben. Tot oder lebendig, wir werden nicht gehen ...«
»Dann müssen sie draußen sein. Komm.«
Charity folgte ihrer Tante den Weg zurück, den sie gekommen waren.
(III)
Bing!
So ungefähr klang es: ein harter, fester Schlag, gefolgt von einem glockenartigen Nachklingen ...
Jerrica fiel von ihm herab.
Zwei Gestalten ragten in den zwielichtigen Schatten auf. Ein Kichern erklang. Hände wie schwarze Silhouetten wurden mit fröhlicher Ungeduld gerieben.
»Hab’ dir gesagt, dass wir sie finden, Dicky!« Und dann ...
Bing!
Alexander konnte sich nicht mehr rühren. Er wusste jetzt, was Jerricas Kopf getroffen hatte: ein Radschlüssel, das gleiche Ding, das auch ihn gerade getroffen hatte.
Die beiden Kerle aus der Bar, dachte er mühsam. Doch das war es auch schon. Sein Bewusstsein kam und ging.
»Ich werd’ diese blonde Stadtfotze so fest arschficken, dass sie mein’ Saft auskotzt!«, freute sich eine Stimme.
»Ah, komm schon, Balls. Das is’ nich’ gut. Wir könnten geschnappt werden und dann stecken sie uns für ’n Rest des Lebens in ’n Bau!«
»Scheiße, Mann, du bist so ’ne Pussy, Dicky! Wir sin’ nich ’n ganzen Weg hierhergekomm’, um gleich wieder abzuhaun.« Ein dunkles Gesicht schwebte über dem Priester: das lange Haar, die Schirmmütze, der Kinnbart und das anzügliche Grinsen. Er sah wie Luzifer aus. »He, heiliger Mann, willste wissen, wie wir dich gefunden ham?«
Alexander konnte nicht antworten. Er begann zu befürchten, dass der Schlag auf den Kopf möglicherweise tödlich gewesen sein könnte, dass dies jetzt die Goldene Stunde war. Gebrochene Schädeldecke, subdurales Hämatom ... ich könnte in ein paar Minuten tot sein. Aber würde Gott das zulassen? Jesus Christus, nach allem, was ich in meinem Leben durchgemacht habe, soll ich von der Hand zweier Hinterwäldleridioten sterben? Das erschien ihm nicht fair.
Hilf mir, Gott. Ich flehe Dich an. Erhöre mein Gebet.
»Schneid ihm ’n Schwanz ab, Dicky! Er soll ihn fressen!« Balls warf dem Dicken ein Klappmesser zu. »Und dann schneid ihm langsam die Kehle durch. In der Zwischenzeit werd’ ich ’ne kleine Party mit der blonden Stadtfotze hier feiern.«
Die Augen des Priesters wanderten mühsam; ein qualvoller Seitenblick zeigte ihm die Szene. Der Dicke klappte zögernd das Messer auf, während sein Kumpel mit der Hose auf den Knien brutalen Analverkehr mit Jerrica trieb. Und er konnte noch etwas erkennen: Jerrica war tot.
Der Radschlüssel hatte ihr den Schädel aufgebrochen. Stücke von Gehirnmasse fielen aus dem Loch heraus ...
»Du bist in einer Welt voller Scheiße, Mann«, sprach ihn eine vertraute Stimme an. Die Stimme eines Mannes, aber der Priester wusste, dass es keiner der beiden Dreckskerle war. Alexander schielte aufwärts, zwang seine Augen, sich trotz des bohrenden Schmerzes in seinem Schädel zu fokussieren, und er sah, wer die Worte gesagt hatte.
Es war sein Herr, Jesus Christus. Der König aller Könige.
(IV)
KOMM. KOMM. KOMM.
Die Worte waren wie ein Knarren in ihrem Kopf, wie eine wehklagende Türangel. Doch Charity hatte sie schon einmal gehört, nicht wahr?
»Hörst du ... das auch?«, fragte sie.
Tante Annie sah sie stirnrunzelnd an. »Was? Ich hör’ nix, Liebes. Komm schon, wir müssen sie finden, damit wir hier abhauen können.«
Sie gingen den Bergrücken hinab und standen dann am Ufer des Sees. Der Mond verwandelte den See in einen großen Spiegel; von überall um sie herum erklang das pulsierende Zirpen der Grillen.
KOMM.
Nein, Annie hörte es nicht. Nur ich höre es, erkannte Charity. Warum? Irgendetwas rief sie, aber was? Es schien ihr sogar so, dass sie absichtlich an diesen Ort gelockt worden war ...
Aber warum sollte sie das denken?
Am Himmel blitzte wieder das Wetterleuchten, dann:
KOMM.
Die Stimme schien von hinter ihnen zu kommen, von der Abtei auf dem Bergrücken. Doch da war auch etwas an diesem See, irgendeine arkane Neugier, die sie lockte ...
Sie waren bereits halb um den See herumgegangen, konnten jedoch nicht die geringste Spur von Jerrica oder dem Priester entdecken. »Was ist das?«, fragte Charity und deutete mit dem Finger. Eine Wand aus Steinen, die mit grobem Mörtel zusammengefügt worden waren, erhob sich gegen das ruhige, glitzernde Wasser.
»Ein Damm«, antwortete Annie ohne großes Interesse. »Der See wurde schon vor ewigen Zeiten aufgestaut. Manche sagen, das hätten die Conoy-Indianer vor 1000 Jahren gemacht. Aber niemand weiß wirklich, wer das Ding gebaut hat, und keiner weiß genau, was es is’, aber es is’ verflucht, so sagt man. Also geh nich’ zu dicht an den Damm ran. So alt wie er is’, könnt’ er leicht brechen.«
»Und dann würde sich der See leeren?«
»Genau, Liebes. Das Ding würde auslaufen und hier alles überschwemmen. Aber wir haben jetzt andere Dinge, um die wir uns Sorgen machen müssen.« Annie suchte die gegenüberliegende Seite des Sees ab. »Ich seh’ sie nirgends, Charity. Ich hab’ keine Ahnung, wo sie sein könnten, und ich hass’ es, sie im Stich zu lassen, aber wir sollten hier wirklich verschwinden.«
Vermutlich hatte ihre Tante recht. »Vielleicht sind sie in der Abtei.«
»Liebes, wir haben doch gerade in der Abtei nachgesehen ...«
»Ich meine – vielleicht gibt es einen Keller oder so etwas.«
»Okay«, stimmte Annie zu. »Wir sehen noch mal nach, aber dann verschwinden wir.«
Charity nickte, drehte sich um und folgte ihrer Tante am mondbeschienenen Ufer des Sees entlang, als ...
Sie sprangen beide bei dem plötzlichen Licht und dem Lärm auf. Diesmal war es kein Wetterleuchten – es war ein echter Blitz, als wäre der Himmel aufgerissen und würde auf sie herabstürzen. Charity ergriff erschrocken den Arm ihrer Tante. Der elektrische Speer schoss aus dem Himmel und explodierte am Fuß eines hohen Baumes auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Der Baum erzitterte, dann knackte er, dann fiel er ...
»Ein Sturm zieht auf, Liebes!«, rief Annie über den Lärm. »Wir sollten besser zur Abtei rennen und Schutz suchen!«
Doch ...
WARTE.
»Charity! Komm schon! Was stehst du da rum? Wir könnten vom Blitz getroffen werden!«
Charity war es egal. Die Oberfläche des Sees kräuselte sich, ein plötzlicher Wind griff in ihr Haar, bauschte ihr Sommerkleid. Sie hatte den Befehl erhalten, zu warten, oder? Ich ... werde ... warten ...
Aber worauf wartete sie?
Annie schrie auf und hielt sich die Ohren zu. Der Donnerschlag explodierte – der Himmel erhellte sich wieder. Ihrer beider Haare richteten sich plötzlich in grotesker Weise durch die statische Elektrizität auf, ebenso die winzigen Härchen an ihren Armen und Nacken, als dieser zweite gewaltige Blitzstrahl aus dem Himmel auf die Erde fuhr ...
Charity badete in der Statik und starrte nur.
Der Blitz traf den Damm nur 30 Meter entfernt. Uralte Steine flogen in explodierendem weißem Licht davon ...
Dann ein kräftiger Wasserstrahl ...
Ein gewaltiges, wahnsinniges, gurgelndes Geräusch ...
Und dann begann der See, sich sehr schnell zu leeren.
(V)
»Stell dich nicht an wie ein Baby!« Jesus beugte sich spöttisch vor. »Sei ein Mann!«
Was für ein kosmischer Beschiss ...
Inzwischen hatte Alexander begriffen, dass er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gerade dabei war, an einem massiven Schädeltrauma zu sterben. Er war ein guter Priester gewesen, er hatte sich sehr bemüht. Sicher, er hatte einige Fehler gemacht, er hatte seinen Anteil an Sünden begangen, aber – heilige Scheiße! – er hatte seinen Job nach bestem Bemühen erledigt. Und jetzt, als Belohnung, bekam er das:
Jesus Christus, gekleidet in ein schwarzes Joy-Division-T-Shirt, überhäufte ihn mit genug Scheiße, um die Lusitania zum Kentern zu bringen.
Es ist nur ein Traum, erkannte er, auch wenn es kein großer Trost war. Das Gehirn eines Sterbenden, das seinen letzten Traum träumte.
Und er hatte schon vorher von Jesus geträumt, nicht wahr?
Ich sterbe, genau. Dies ist nur ein Traum.
»Du stirbst nicht, du Blödmann!«, sagte Jesus ihm. »Jesus Christus, Tom, du bist doch kein Drückeberger, bist es nie gewesen. Willst du jetzt etwa kneifen? Meine Fresse! Das kann Ich nicht glauben!«
Alexander zuckte zusammen, immer noch bewegungsunfähig. Ja, Jesus stand im Kellergang, aber keiner der beiden Dreckskerle sah Ihn.
»Du glaubst, dass du die Biege machst?«, spottete Jesus weiter. »Bloß weil irgend so ’n Vollidiot dir mit einem Radschlüssel eins übergezogen hat? Jetzt hör aber auf! Dein Schädel ist zu dick für so was, Tom. Hör Mir zu, ja? Du stirbst NICHT!«
Nicht?, dachte der Priester.
Jesus beruhigte sich für einen Moment und langte nach der Packung Zigaretten, die auf dem Boden lag. »He, Mann, kann Ich mir eine schnorren?«
Alexander zuckte die Schultern. »Klar«, sagte er. Wenn Jesus Christus einen um eine Zigarette anhaute, gab es nur eins, was man sagen konnte: Ja. Aber der Priester sagte noch mehr. »Herr, ich erbitte Deinen Rat. Was soll ich tun?«
»Muss Ich dir denn alles sagen?« Jesus schien schon wieder angefressen zu sein. »Das Erste, was du tun solltest, ist, dir ein Paar richtige Eier zuzulegen. Ich meine, Ich weiß, dass du welche hast, denn Ich kann sie sehen. Sieh dich an, Mann, du liegst da auf dem Boden und lässt deinen Pimmel raushängen! Halford würde sich in seine Soutane pissen vor Lachen. Oh, Tommy ist auf den Kopf geschlagen worden, von diesen großen, bösen Männern. Steh auf! Dieser gottverdammte fette Idiot, der wie ein Walross aussieht, ist drauf und dran, DIR DEINE EIER ABZUSCHNEIDEN, und du unternimmst einen Scheißdreck dagegen. Und das andere Arschloch? Er vergewaltigt die scharfe Blonde, DIE SCHON TOT IST! Tu was!«
»Hilf mir«, bettelte Alexander.
Jesus breitete die Arme aus, die Lucky wippte in seinem Mund. »Ich kann nicht. Du weißt, wie es ist. Ich kann hier nur ein bisschen herumlatschen. Glaub mir, Bruder, nichts würde Ich lieber tun, als diesen beiden Abfallprodukten die Scheiße aus dem Leib zu prügeln, aber es ist Mir nicht gestattet. Du musst es selbst tun.«
Alexander blinzelte. »Also ... sterbe ich ... nicht?«
»Nein, du Spatzenhirn! Das habe Ich dir doch gerade gesagt! Ich bin Jesus, um Christi willen. Jesus lügt nicht!«
Der Dicke beugte sich vor, die Anwesenheit des Menschensohnes entging ihm völlig. Er hatte das Messer bereits ausgeklappt, senkte es langsam ...
»Er schneidet dir deinen Pimmel ab!«, rief Jesus. »Lieg da nicht einfach rum! Tu was! Zeig ihm, dass du Eier aus Stahl hast!«
Als der Dicke sich tiefer beugte, schoss Alexanders Arm vor, packte den Kerl hinten am Hals und zog. Bevor das Messer irgendetwas anrichten konnte, biss Alexander in Dicky Caudills Nase, und er biss fest zu. Der Dicke kreischte, als die Zähne des Priesters tiefer drangen. Und dann spuckte Alexander die Nase des Kerls aus.
»Balls! Balls!« Dicky kreischte wie eine hysterische Frau. Eine fette Hand tastete nutzlos in seinem Gesicht herum, im vergeblichen Bemühen, das üppig sprudelnde Blut aufzuhalten. »Der Priester hat mir die Nase abgebissen!«
Tritt Conners hektisches Pumpen hielt inne; er blickte über seine Schulter, dann hinauf zum kreischenden, blutenden Dicky. Er stand auf, packte seinen Schwanz wieder in die Hose und –
Oh, fuck!, dachte Alexander.
– zog von irgendwo einen Revolver hervor, den man nur als riesig bezeichnen konnte. »Du bist so ’ne Pussy, Dicky. Sieht aus, als müsst’ ich mich selbst um den heiligen Mann kümmern.«
»Mach dich bereit«, warnte Jesus. »Jetzt wird’s ernst.«
Alexander richtete sich auf, aber nur ein bisschen. Sein Kopf dröhnte vor Schmerzen und seine Gliedmaßen gehorchten nur unwillig seinen Befehlen.
Jesus, der die Lucky filterlos rauchte, fuhr fort: »Erinnere dich an diese Entwaffnungstechnik, die sie dir bei den Marines beigebracht haben.«
»Ich war nicht bei den Marines, ich war ein Army Ranger.«
Jesus verdrehte die Augen. »Marines, Army, das ist doch scheißegal! Erinnere dich einfach daran, was sie dir beigebracht haben, denn glaub Mir, du wirst es in zwei Sekunden brauchen.«
Die Entwaffnungstechnik, die der König aller Könige meinte, war brutal einfach und sehr effektiv.
Tritt Balls Conner kam näher mit seiner Waffe, die wie ein antiker Webley-Fosbery-455er-Automatikrevolver aussah, etwas, das die Briten erfunden hatten, um die drogenberauschten Eingeborenen im Burenkrieg oder in irgendeinem anderen beschissenen Krieg niederzumetzeln.
»Ich werd’ dein heiliges Hirn übern ganzen Fußboden blasen, Priester. Und dann werd’ ich Blondies toten Arsch in Ruhe zu Ende vögeln. Was sagste dazu, hm?«
»Blas mir einen, das sag’ ich dazu«, und als Alexander das sagte, schossen seine Hände nach oben, die rechte packte die Trommel des Revolvers, die linke drückte gegen den Lauf. Es dauerte weniger als eine Sekunde, genau wie die Drill Sergeants in Benning versprochen hatten. Eine schnelle Drehung und Alexander hatte die Waffe aus Tritt Balls’ Händen gewunden, ohne dass auch nur ein Schuss gefallen war.
»Großartig, Mann!«, freute sich Jesus. »Echt hardcore! Fantastisch! Scheiße, nicht mal Ich hätte das so hinbekommen!«
Danke, dachte Alexander. Er stand auf, während Balls und Dicky zurückwichen. Dicky, der heulte wie ein aufgedrehter Wasserhahn, drehte sich um und floh durch den Gang. Doch Balls blieb, mit zitternden Knien, aber immer noch großem Maul. »Tu’s doch, Priester! Du hast nich’ den Mumm dafür!«
»Sag das nicht«, warnte Alexander ihn.
Ein Grinsen breitete sich über dem satanischen Kinnbart aus. »Kuck dich an, Mann! Du kannst es nich’! Du bist ’n Priester! Priester dürfen keine Leute umlegen!«
»Lass es nicht drauf ankommen, Arschloch.« Er hatte die Waffe jetzt angelegt, ein Auge geschlossen, das andere zielte durch das klobige Visier. Aber der Kerl hatte recht, oder? Ich bin Priester. Ich darf niemanden töten, oder? Nicht einmal solche kranken, perversen Mörder wie den hier?
»Herr«, bat Alexander seinen König. »Ich erbitte Deine Erlaubnis. Kann ich dieses Arschloch töten?«
Jesus sah untröstlich aus, als Er die Kippe wegschnippte. »Tut mir leid, Mann. Das ist die Sache mit dem freien Willen vor dem Antlitz des Herrn. Ich kann dir keinen Rat geben.«
Scheiße!
»Fick dich!«, spuckte der Bärtige. Dann drehte er sich lachend um und ging auf die Treppe zu.
Alexander biss die Zähne zusammen und sah zu, wie der Kerl aus seinem Blickfeld verschwand. Scheiße!, dachte er wieder. Der Kerl war weg. Alexander entspannte den Hammer der Waffe.
Dann drehte er sich um und blickte mit plötzlichen Tränen in den Augen auf Jerrica. Sie war tot – mausetot. Alexander blickte Jesus an, wollte Antworten. »Warum, Herr? Das ist doch Scheiße!«
»Ich weiß, Mann, aber so fallen die Würfel eben manchmal.«
»Sie hat es nicht verdient zu sterben!«
Jesus schreckte bei dem Aufschrei zurück. »He, Bruder, das hat niemand, aber so ist es nun mal.«
»Ist sie ... gerettet?«, wagte der Priester zu fragen.
Jesus Christus zuckte lässig die Schultern. »Weiß Ich jetzt so ohne Weiteres nicht. Kann Ich dir nicht sagen. Aber eins kann Ich dir sagen: Du solltest zusehen, dass du ganz schnell deinen Arsch in Bewegung setzt, denn eine große Lawine Scheiße ist auf dem Weg zu dir. Richtig übler Ärger, Tom. Und alles, was du dem entgegenzusetzen hast, ist dieser riesige britische Scheißrevolver und deine zwei Eier, die Gott dir gegeben hat.«
Alexander starrte Ihn verständnislos an.
»Sieh zu, dass du hier rauskommst«, sagte Jesus. »Und stell dich auf große Scheiße ein.«
Der Priester nahm Ihn beim Wort – was hätte er auch sonst tun sollen? Er drehte sich zur Treppe um, aber Jesus hielt ihn noch einmal auf. »He, Tom, warte ’ne Sekunde.«
»Ja?«, fragte Alexander.
Jesus hatte die Packung Luckies vom Boden aufgehoben. »Was dagegen, wenn Ich mir noch eine schnorre?«
»Wie viele sind noch in der Packung?«, traute Alexander sich, den Sohn Gottes zu fragen.
»Zwei Stück, Mann.«
»Nimm eine und gib mir die andere.«
»Okay.« Jesus steckte sich eine Zigarette in den Mund, die andere Alexander. Dann zündete Er mit dem Feuerzeug die Zigarette des Priesters an.
Alexander starrte Ihn ungläubig an. Jesus Christus hat mir gerade Feuer gegeben ...
Jesus lächelte und zwinkerte ihm zu. »Viel Glück, Tom«, sagte Er.
(VI)
Annie kniete laut schluchzend im Schlamm des Seeufers. Das Mondlicht kräuselte sich auf der Oberfläche des Sees, der schnell leerer wurde. Es dauerte nur ein paar Minuten, und etwas Großes brach durch die Wasseroberfläche.
Charity konnte die Augen nicht von dem Anblick abwenden. In der nachlassenden Elektrizität sanken ihre aufgerichteten Haare wieder herab.
Etwas befand sich in dem See, ein riesiges weißes Oval, hundert Meter lang.
Ein Raumschiff ...
»Ich will Antworten, Tante Annie«, verlangte sie. »Du hast mir nicht alles erzählt, du weißt noch mehr. Ich weiß, dass du es weißt! Was geht hier vor? Was ist das für ein Ding?«
Annie schluchzte ruckartig. »Du hast recht – Gott vergib mir – du hast recht! Ich hab’ dir nich’ alles erzählt – ich hab’ dich angelogen!«
»Über was angelogen? Sag es mir!«
Die Nase der alten Frau tropfte; Tränen ließen ihre Wangen glänzen. »Der Mann, der deine Mama vergewaltigt hat, genau hier, wo ich gerade knie! Er war kein Mensch!«
Mit unnatürlicher Ruhe schlussfolgerte Charity: »Du meinst, er kam aus dem Ding im See.«
»Ja!«
»Was noch?«, fragte Charity; sie war sicher, dass da noch mehr war. »Was hast du mir noch verschwiegen?«
Mehr Tränen, mehr Schluchzer. »Es tut mir so leid, Charity!«
»WAS!«
»Ich hab’ noch mehr gelogen! Ich hab’ dir gesagt, dass du ein Jahr vor der Vergewaltigung geboren wurdest – aber das war ’ne Lüge! Deine Mama wurde von dem Ding, das aus dem See kam, vergewaltigt, und neun Monate später hat sie Bighead auf die Welt gebracht! Aber nachdem Bighead sich aus ’m Bauch deiner Mama rausgefressen hatte, hörte ich was. Ich hörte noch ein Baby in ihrem Körper schreien, und dann hab’ ich dich aus den toten Überresten deiner armen Mama rausgeholt!«
Charitys Gesichtsausdruck blieb unbewegt. Zwillinge. Jetzt schien alles klar zu sein.
»Bigheads Vater und mein Vater waren derselbe«, sagte sie.
»Ja!«, jammerte Annie. »Bighead war ’n Monster, aber du warst perfekt, ’n perfektes kleines Mädchen! Aber ihr kamt beide aus ’m gleichen Leib, gezeugt von dem gleichen teuflischen Ding, das vor 30 Jahren aus ’m See kam und Sissy vergewaltigte!«
Weitere Puzzleteile fügten sich zusammen. Charity fühlte sich mit dem Wissen von jemand anderem verbunden, und sie hatte eine ziemlich gute Vorstellung davon, wer dieser Jemand war ...
Selbst die Hauptwucht der Erkenntnis kam jetzt nicht mehr überraschend:
Mein Vater war ein Alien ...
Aber ...
Noch mehr.
Bighead ... ist mein Bruder ...
(VII)
Alexander rannte die Stufen hinauf, hinter den Scheißkerlen her, die Jerrica getötet hatten. Doch Jesus hatte ihn vor etwas anderem gewarnt ...
Er hatte keine Ahnung, was das sein konnte, doch seine alten Einzelkämpferinstinkte, die er bei der Army erworben hatte, aktivierten sich automatisch. Er war bereit – oder zumindest so bereit, wie er es sein konnte.
Der Mittelsaal war düster geworden, die Spirituslampen brannten allmählich aus. Doch ganz am Ende, beim Haupteingang, konnte er Dicky und Balls auf dem Weg nach draußen sehen, Dicky kreischte immer noch wegen der groben Beleidigung, die Alexanders Zähne seiner Nase zugefügt hatten. Doch dann ...
Die gesamte Abtei erzitterte ...
Ein gewaltiges KRACH! durchdrang den Saal ...
Ebenso wie entsetzliche, grauenvolle Schreie.
Der Priester blieb wie angewurzelt stehen und starrte. Sein Mund öffnete sich vor Fassungslosigkeit und Entsetzen ...
Jesus hatte recht. Da ist eine Lawine Scheiße auf dem Weg zu mir ...
Denn in dem Moment bekam Alexander einen klaren, deutlichen Blick auf das, was die Tür der Abtei eingetreten hatte.
(VIII)
Dicky musste kotzen, als er’s sah. ’n Monster, yes Sir, mit ’m Kopf so groß wie ’n Propantank und echt beschissenen Augen und ’m Mund voll Zähne wie Nägel. Er fiel kotzend auf ’n Boden, als das Ding brüllte und ihm mit seinen Armen so fest auf ’n Rücken haute, dass ihm sämtliche Rippen hinten am Rückgrat brachen wie nix. Dann fühlte er, wie ihm die Hose runtergezogen wurde, und dann –
Dicky war natürlich schon zu weit hinüber, um genau mitzukriegen, was da abging, aber ’s war auf jeden Fall nix Gutes. Das Monster steckte ihm zwei dicke Finger in ’n Arsch, dann noch zwei, dann ’n Daumen. Dicky schrie wie ’n Weltmeister, schrie er, er wusste, dass er starb, aber ’s war ihm egal. Er schrie einfach und schrie, als das Monster in seinem Arsch drin nach ’m Ende von seinem Rückgrat griff und zog, und das war’s dann mit Dicky Caudill.
Das Monster gackerte wie ’n Hahn und zog Dicky komplett das Rückgrat aus ’m Arsch. Und am andern Ende von seinem Rückgrat hing natürlich sein Kopf, und den zog das Monster dann auch aus Dickys Arschloch.
Echt höllenmäßig ...
Dann drehte sich das Monster – Bighead – nach Balls um.
Und wisst ihr, was Bighead dann machte?
Scheiße, Mann.
Er kuckte Balls an, dann kuckte er ’n Priester am andern Ende der Halle an.
Und dann ...
Bighead schnüffelte in der Luft.
Und ging wieder aus der Tür raus.
(IX)
»Gott hat dich gerettet«, sagte Alexander und zielte mit dem Revolver auf Tritt Balls Conners Gesicht. »Warum, weiß ich nicht, denn du bist so ziemlich das wertloseste Stück Scheiße, das auf diesem Planeten herumläuft. Du solltest den Herrn preisen und Ihm danken, dass Er deinen asozialen, verfickten Drecksarsch gerettet hat.«
»Fick dich, Priester!«, hatte Balls die Dreistigkeit, zurückzuschnauzen. »’s war nich’ dein verfickter Gott, der mich gerettet hat. ’s war das Ding da. ’s war Bighead.«
Bighead, dachte Alexander. Ja. Natürlich. Was sollte es sonst sein? Er hatte die Geschichten gehört, er hatte die riesige Scheibe im See gesehen, und jetzt – hatte er das Monster selbst gesehen.
Bighead.
»Weiche von mir!«
»Scheiße, heiliger Mann. Hast du mich so schnell erkannt? Aber ich bin nich’ Satan, ich bin nur einer von sein’ Freunden, menschlich gemacht, um auf Erden unter euch zu wandeln ...« Und als Tritt Balls Conner weiterredete, fiel seine Stimme um einige Oktaven und wurde so tief, dass Alexanders Zwerchfell und Gedärme vibrierten. Und er warf seinen breiten, schleppenden Südstaatendialekt ab. »Ich bin ein Scherge des Morgensterns. Ich bin sein Vasall, sein heiliger Diener. Es gibt viele wie mich, Pater. Zu viele, als dass du sie bekämpfen könntest. Gib auf und gestehe deine Niederlage ein. Wirf deine Waffe fort und schließe dich uns an ...«
»Ich würde lieber ewig in der Hölle schmoren«, sagte Alexander. Aber er glaubte ihm. Dämonen. Teufel. Es gab alle möglichen Sorten. Sie waren überall. Und manchmal – waren sie menschlich.
Ich werde mich einfach selbst töten, Schluss mit dem allen machen, überlegte er. Ich brauche diese Scheiße nicht. Ich habe schon zu viel von dem Mist durchgemacht.
»Schließe dich uns an, Priester, und lebe ewig mit uns«, schlug Balls mit seiner neuen, majestätischen Stimme vor. Die Stimme war zeitlos und ursprünglich, artikuliert und seltsam aufrichtig.
»Das Ding, das gerade gegangen ist – es spielt keine Rolle, woher es stammt. Es ist genauso mein Bruder wie du. Öffne die Augen und erblicke das Licht der Wahrheit. Schließe dich uns an. Komm mit uns, Mann des Glaubens.«
»Friss meine gottverdammten vollgeschissenen Unterhosen, du verficktes Stück Scheiße«, sprach Alexander nach kurzem Überlegen. Er spannte den Hahn der Webley, dann ließ er ihn schnappen – BAMM! – und sah zu, wie die Kniescheibe des Blenders in einer blutigen Explosion zerbarst. Balls stürzte lachend zu Boden.
»Ich glaube an Gott«, sagte Alexander. »Manchmal weiß ich nicht, warum, aber das spielt keine Rolle. Wenn ich mich irre, werde ich in der Hölle schmoren oder in meinem Grab verrotten und mein ganzes Leben verschwendet haben – aber das interessiert mich einen Scheißdreck. Ich weiß nur eins, du Sackgesicht: Ich blas’ dir die Rübe weg.«
Balls’ gedehnte Sprechweise kehrte prompt zurück, als der wahre Dämon in ihm sich eiligst zurückzog. »Fick dich! Und fick Gott und Jesus und ’n Heiligen Geist und diese Fotze Maria! Ich werd’ sie alle in ’n Arsch ficken, das werd’ ich, und ich fick sie so hart, dass ihnen mein Pimmel aus ’m Maul rauskommt! Ich verpass dei’m Gott ’n Faustfick und ich rammel die Rosette von deiner Heiligen Jungfrau und ich lass dein’ gottverdammten Jesus die Scheiße von mei’m Prügel lecken. Ja, heiliger Mann, ich werd’ dei’m Gott ’ne Ladung Wichse mitten inne Fresse spritzen und dann piss ich ihm in ’n Arsch!«
»Du wirst nichts mehr tun, außer sterben, Arschloch«, versprach Alexander. Er hatte genug Blasphemie gehört, vielen Dank. Sein Finger ließ sanft den Hahn schnappen.
BAMM!
Das Geschoss riss den oberen Teil von Tritt Balls Conners Kopf sauber ab und verteilte den Inhalt seines Schädels in spektakulärer Weise über die Schieferplatten des Vorraums.
»Scheiße, Mann«, sagte Alexander.
(X)
»Die Männer«, erklärte Annie, »aus der Stadt. Sie erschossen das Ding da am Ufer und dann warfen sie’s in einen Raum im Keller der Abtei und mauerten ihn zu!«
Charity hielt an, um zum See zurückzublicken; sie dachte an das matschbedeckte Ding, das sie darin gesehen hatte.
Dann hörte sie:
KOMM.
»Es kam von dem Ding im See. Es war dein Vater! Und Bigheads Vater!«
KOMM.
Annie schluchzte vor sich hin, als sie wieder den Pfad durch den Wald hinaufgingen. Doch ihr Seufzen endete abrupt, als eine große klauenförmige Hand zwischen den schwankenden Bäumen hervorschoss und sie packte.
Die Stimme in Charitys Kopf hallte jetzt wie eine Glocke ...
KOMM. KOMM. KOMM.
Zwischen ihren Schreien stieß Annie weitere Erklärungen hervor, während der riesige Schatten ihr die Kleider vom Leib riss und sie in die Dunkelheit zerrte. »Was glaubst du, warum du allein bist?«, schrie sie. »Was glaubst du, warum du nie den richtigen Mann gefunden hast? Weil du kein normaler Mensch bist, Charity!«
Charity stand da und tat nichts, während der große Schatten sich weiter mit ihrer geliebten Tante befasste. Und wieder liefen die Erinnerungen in ihrem Kopf ab. All die Männer, die ihre Penisse in sie steckten und dann aufstanden und gingen, ohne zum Ende zu kommen. Die sie so unerfüllt zurückließen, dass sie glaubte, sterben zu müssen.
Weil ich nicht wie sie bin, erkannte sie jetzt. Ich bin nicht mal ein richtiger Mensch ...
Annie würgte und keuchte in der Dunkelheit. »Es gibt nur einen Mann auf der Welt, der dich lieben wird, Charity, und der is’ nich’ mal ein Mensch!«
Dann würgte sie wieder und schrie zu einem feuchten, reißenden Geräusch. »Dein Bruder!«
Charity starrte in die Schatten.
»Bring dich um, Liebes! Es is’ die einzige Möglichkeit! Bring dich um, bevor er dich kriegt!«
Doch Charity sah nur zu, so wenig sie auch erkennen konnte. Das Mondlicht enthüllte nur Schnappschüsse: die alten vernarbten Brüste, der weiche Bauch, vernarbte Schenkel, die auseinander gerissen wurden, während der nicht menschliche Hintern pumpte und pumpte.
»Bring dich um, bevor er dich kriegt, sonst ... sonst ...«
Das Knacken von Knochen beendete ihren Ausruf. Der Schatten grunzte und kam. Ein weiteres Knacken und Charity konnte erkennen, wie Tante Annies Kopf aufgebrochen wurde, große Stücke Schädel fielen wie Nussschalen zu Boden, Gehirnmasse wurde seelenruhig in einen schwarzen, klaffenden Mund gestopft.
Dann stand Bighead auf.
Er grinste mit seinem missgebildeten Gesicht, das sie schon durch das Guckloch gesehen hatte. Sein unvorstellbar riesiger Penis war noch hart, richtete sich pulsierend weiter auf, ein Faden Samen hing wie weißes Garn von einer runzligen Eichel herab. Der gigantische Penis deutete wie anklagend auf Charity.
Bighead streckte seine großen klauenförmigen Hände aus.
Charity brach zusammen.
(XI)
Er wusste, dass das Ding kommen würde. Jesus hatte es ihm gesagt. Warum soll ich mir den Arsch aufreißen, um nach ihm zu suchen?, überlegte Alexander. Ich warte einfach. Ich lasse ihn zu mir kommen. Und wovor sollte er Angst haben? Es war nur ein Alienbastard mit Geburtsfehler. Gott stand auf Alexanders Seite. Zumindest sollte er besser auf meiner Seite stehen, denn sonst stecke ich wirklich in der Scheiße.
Also saß der Priester da und wartete, und er wusste genau, wo er warten musste. Warum war es ihm nicht schon früher eingefallen? Der Keller – der schwach beleuchtete Gang, in dem er sich jetzt befand – war der Punkt, um den sich alles drehte, nicht wahr? Heute und vor 20 Jahren, als die Nonnen vergewaltigt und abgeschlachtet wurden, als sterbende Priester in ihren Betten geschändet und ausgeweidet wurden, und als die zehnjährige Version dessen, was jetzt durch die Schatten stapfte, erfolglos versucht hatte, diese rätselhafte Wand einzureißen. Vor 20 Jahren hatte das Wesen es vergeblich versucht. Heute jedoch würde es zurückkehren – älter und stärker –, um das Werk zu vollenden.
Ja, lass Bighead die Arbeit erledigen. Denn ich muss sehen, was hinter der gottverdammten Mauer ist ...
Alexander versteckte sich am hintersten Ende des Gangs; es erinnerte ihn daran, wie er im Busch gewartet hatte, mit einem Stoner-Maschinengewehr und einem Verteidigungsring aus Tretminen. Man wartete und wartete, kratzte sich die Eier, prockelte in Insektenbissen so groß wie Einschusslöcher herum und wartete noch mehr. Man wusste, dass die Charlies kommen würden, man wusste nur nicht, wann.
Die Spirituslampen flackerten und warfen gespenstische Schatten an die Wände. Er nahm die klobige Waffe in die Hand und ließ die antiquierte Trommel aufklappen. Noch vier Kugeln. Wenn du es nicht mit vier schaffst, brauchst du es gar nicht erst zu versuchen. Er schnippte seine Kippe weg und dachte mit kurzem Bedauern daran, dass er keine Zigaretten mehr hatte.
Ein seltsamer, unmöglicher Wind blies durch den Gang; die Flammen der Lampen wären fast erloschen. Plötzlich spürte Alexander ein Kribbeln statischer Aufladung, und trotz der Hitze fröstelte er.
Und dann, genau wie er es erwartet hatte, näherten sich die Schritte, stampften die Treppe zum Keller herab.
(XII)
’s war kein Traum, no Sir, gar nich’! Jetz’ wusste Bighead ’s wieder! Der Traum und ’s Schloss und die Engel und die vertrockneten, sterbenden alten Männer. Und wie Bighead sie alle plattgemacht hatte ...
War kein Traum. War echt.
Mächtich lange her, als er noch ’n Knirps war.
Er wusste jetz’ alles wieder.
Und er wusste noch was:
Er wusste noch, wie er genau die Treppen hier runtergegangen war ...
Der Stimme folgte ...
(XIII)
Mach dich bereit, dachte Alexander. Erinnerungen an das, was er in der Army gelernt hatte, suchten ihn heim. Deckung, Tarnung, Niederhalten, Teamwork ... Aber das würde ihm jetzt alles nichts nützen – er war allein ...
Das Ding – Bighead – trat in den Gang. Er war gewaltiger, als er ihn nach dem kurzen Blick oben in Erinnerung hatte. Und er war nackt und schweißgebadet. Sein Penis war unübersehbar.
Gute 30 Zentimeter lang, halb steif, beschmiert mit Blut, das allmählich verkrustete wie trockene Temperafarbe.
Und der Gestank ...
Alexander hätte sich fast übergeben. Der Gestank des Dings überwältigte ihn: eine aggressive Mischung aus Gesäßschweiß, monatealtem Unterarmgeruch, alter Scheiße und abgestandener Pisse und Mundgeruch und Schwanzgestank und Gott wusste was noch, alles von der Hitze der Erde destilliert, um dem Priester ins Gesicht zu schlagen wie eine gepanzerte Faust.
Warte, warte, dachte er. Unternimm nichts ...
Der verzerrte Schatten durchquerte den Gang, hielt an und schaute auf die Wand. Dann nahm er die gleiche Spitzhacke, die er schon vor 20 Jahren genommen hatte, hob sie an und ...
Ließ sie fallen.
Stattdessen steckte er seinen Kopf in das Loch, das Jerrica gehauen hatte, zerrte, stieß einen tiefen Atemzug aus, und ...
Die Wand brach zusammen wie ein Haufen Legosteine.
Und das Ding trat durch den neu geschaffenen Eingang.
Alexander hatte bereits den Hahn des Webley-Revolvers gespannt und war bereit. Er dachte kurz daran, was Jesus gesagt hatte, darüber, dass er sich »ein Paar richtige Eier wachsen lassen« sollte. Alexander ließ sie wachsen, dann trat er durch die grob gehauene Öffnung.
Bighead stand vor einer Art Haufen, die Arme ausgestreckt, das abscheuliche Gesicht nach oben gedreht. Alexander warf einen Blick auf den Haufen ...
Scheiße ...
Es war ein verfallener, ausgetrockneter Leichnam, zumindest sah es so aus. Ein bleiches Ding. Trocken wie Stroh – es schien aus so etwas Ähnlichem wie Maishülsen zu bestehen –, alles an der Wand zu einem verdorrten Gebilde kollabiert. Ein Schleier aus Spinnweben umhüllte es wie ein Kokon.
Es war tot ... aber ... irgendwie war es immer noch vage lebendig.
Vielleicht war sein Körper tot, doch sein Geist war all die Jahre am Leben geblieben, um seine Nachkommenschaft zu sich zu rufen.
Aber – warum?, fragte sich der Priester. Zu welchem Zweck?
Es sprach zu Bighead.
Es speiste Gedanken in den missgestalteten Kopf seines Sohnes.
Aber was für Gedanken?
»He! Bighead!«, rief Alexander.
Das Ding wirbelte bei dem Ruf herum. Alexander konnte einen weiteren gründlichen Blick auf sein Gesicht werfen, und mehr brauchte er nicht. Er feuerte –
BAMM!
– mitten in sein Gesicht.
Das Geschoss drang in die keilförmige Stirn ein. Der Kopf wurde zurückgeworfen ...
Dann grinste das Ding, hob die Hand und pflückte mit Daumen und Zeigefinger die mickrige Kugel aus seiner Stirn. Das große Muschelauge zwinkerte.
»Das war’s dann wohl«, vermutete Alexander.
dubistohnebedeutungdeshalbwerdenwirunsereenergienichtverschwenden ...
In Erwartung seines Todes blickte der Priester fassungslos auf das Gesicht dieses Dinges, das seit 20 Jahren in diesem Raum hockte. Das Gesicht schien in einem Gähnen dehydrierten Verfalls eingefroren zu sein und es blickte mit leeren Augenhöhlen zu ihm zurück.
Und es blinzelte.
(XIV)
wirkönntendichmiteinematemzugtötenwirkönntendeineorganezerfetzenindemwirsienuransehenwirkönntendeingehirninhalierenwiedenduftvonbutterblumenaberwirtunesnicht. wirhabenkeinezeit.
wirmüssengehen.
(XV)
Der Priester begriff etwas Merkwürdiges: Es war nicht das Monster, das in seinem Kopf zu ihm sprach, es war der vertrocknete Leichnam, der tote Körper mit dem lebendigen Geist ...
Bighead warf sich den Leichnam über die Schulter und ging.
(XVI)
Alexander folgte ihm, schnappte sich unterwegs eine der Spirituslampen. Eine Kugel war in die Stirn des Monsters eingedrungen; jetzt hatte er nur noch drei – er musste sie besonnen einsetzen. Doch dem Ding schien es egal zu sein. Es musste wissen, dass Alexander ihm mit einer Waffe folgte, doch es war ihm egal.
Nicht gut, dachte der Priester. Das Ding war von einer außerirdischen Lebensform gezeugt worden – vielleicht konnte man es nicht töten.
Aber er musste es zumindest versuchen.
Denk nach, Priester. Erinnere dich, hörte er.
All die Menschen, die er im Krieg getötet hatte – Dutzende. All die Huren, die er gefickt hatte.
Nein! Mir ist vergeben worden!
Wirklich?
Ja!
Das Ding ging weiter, seinen wurmstichigen Vater wie einen Sack Pferdefutter über die Schulter geworfen. Es ging auf dem Pfad den Bergrücken hinab.
Es ging auf den See zu ...
Der Priester sah Charity am Ufer liegen.
Sie schien in Ordnung zu sein, sah unverletzt aus, unberührt. Als Bighead zum Rand des Wassers ging, kniete Alexander sich neben Charity und hielt die Lampe hoch. Nein, nein, sie ist in Ordnung. Großer Gott, er hatte den Penis von Bighead gesehen – wie das dicke Ende eines Softball-Schlägers. Wenn Bighead sie vergewaltigt hätte, hätte er Mus aus ihr gemacht, würde sie bluten wie ein offener Wasserhahn. Doch ...
Da war nichts.
Also war Charity in Ordnung. Er musste sich also nur mit Bighead befassen.
Im schimmernden Mondlicht stapfte das Ding weiter. Jetzt erst sah der Priester, dass der See ausgelaufen war!
Die riesige weiße Scheibe lag dort, etwas schief, bedeckt mit Algen und Schlick, überwuchert von aquatischer Vegetation.
Bighead ging darauf zu, durch den allmählich austrocknenden Schlick des Seebodens.
Er brachte seinen Vater zurück.
Alexander rannte ihm hinterher.
»He, Kürbiskopf! Du potthässlicher, gottverfluchter, verschissener Freak. Greif mich an! Du kannst doch nicht abhauen, ohne mich fertigzumachen!«
Bighead hielt kurz an, dann ging er weiter.
»Du Missgeburt von einem stinkenden Dämonenbastard! Hast du Schiss? Hast du keine Eier? Traust du dich etwa nur, Nonnen zu ficken? Mann, lass dir ’n Paar Eier wachsen und fick mich!«
Ein weiteres Zögern, ein weiteres Innehalten. Dann ging Bighead weiter.
»Ja, du bist ganz groß, wenn’s drum geht, Nonnen zu ficken und alte Männer in den Hintern zu pimpern! Aber sieh dich doch mal an – ich mach dich hier fertig und du gehst einfach weiter! Du bist eine feige Sau. Im Kindergarten habe ich Kids gesehen, die mehr Mumm hatten als du, du bepisster Haufen wandelnder Alienscheiße!« Alexander ballerte aufs Geratewohl mit der Webley und – BAMM! – traf Bigheads vertrockneten Erzeuger in den Rücken. Ein Staubwölkchen wirbelte auf.
Bighead blieb stehen. Er ließ seinen Vater in den Matsch des Sees fallen und drehte sich um ...
Das riesige Gesicht starrte ihn an. Nadelscharfe Zähne glitzerten wie Lametta. Die großen Klauenhände hoben sich und der Penis baumelte wie ein Fetzen rohes Steak.
»Du bist ein jämmerlicher, heulsusiger, schwuler, schwanzlutschender Waschlappen! Ich habe Babyspielzeug gesehen, vor dem ich mehr Angst hatte!«
Bighead kam platschend näher.
»Wenn dir meine Schmeicheleien nicht gefallen, dann mach doch was dagegen, du schwanzloser kleiner Nonnenficker! Komm her und mach mich fertig – wenn du dich traust, du Schwuchtel! Großer, böser, fieser Alienbastard. Dass ich nicht lache!«
Alexander wusste, dass er jetzt nur noch zwei Kugeln hatte. Er hob den Lauf der Webley. Er dachte daran, wie der erste Schuss wirkungslos in die dicke Stirn des Monsters eingedrungen war ... Ich muss das Gehirn treffen, war ihm klar, und es gab nur eine Möglichkeit, das zu schaffen.
Durch das Auge.
»Recht so, du nasebohrender, daumenlutschender, hosenscheißender Milchbubi! He, Prinzessin Lillifee! Komm her und lass dich wie ein Kerl verprügeln!«
Ruhig, ruhig. Die Augen des Priesters hinter dem Visier waren weit aufgerissen.
»Ich wette, dein Daddy trägt auf Planet X ein Ballettröckchen, hm? Und ich wette, er hat auch eins für dich aufgehoben!«
Alexander holte Luft, ließ die Hälfte davon ausströmen, genau wie die Ausbilder bei der Army es ihm beigebracht hatten, und dann ...
Ließ er den Hahn zurückschnappen.
BAMM!
Und noch einmal.
BAMM!
Die beiden Geschosse schlugen kurz nacheinander in Bigheads Auge ein und traten an der Rückseite seines Kopfes wieder aus. Klumpen grünlich-weißer Gehirnmasse flogen wie Sittiche durch die Gegend und landeten platschend auf dem austrocknenden Schlick des Sees.
Bighead starrte ihn mit dem anderen, dem winzigen Auge wild an. Er erhob brüllend Einspruch, erbebte, und dann –
Ich danke dir, Gott.
– dann fiel er rückwärts der Länge nach zu Boden.
KLATSCH!
Tot.
Erst da wurde Alexander bewusst, dass er in seine schwarze Priesterhose gepisst und geschissen hatte.