EINS

(I)

Bighead leckte sich die Lippen, weil’s so lecker war: Blut und Fett, Fotzengeschmack, den Salzschleim von seiner eignen Wichse, die er grade aus ’m Nabel von der toten Puppe geschlürft hatte. Sein Ding hatte ihre Pussy voll aufgerissen; machte kein’ Spaß, ’ne Bauernfotze zu vögeln, wenn der Prügel in ’nem kaputten Gebärmutterhals und ’ner zerfetzten Scheidenrückwand rein und raus ging. No Sir. Die Puppen hier war’n ja ganz süß und alles, jedenfalls die paar, die er gesehn hatte, aber nie groß genuch. Keine war groß genuch für Bighead.

Bighead sagten sie zu ihm, wegen sei’m kongenitalen Hydrozephalus, nich’ dass Bighead gewusst hätte, was ’n kongenitaler Hydrozephalus war, genauso wenich, wie er wusste, was ’n Gebärmutterhals oder ’ne Scheidenrückwand war. Sein Kopf hatte ungefähr die Größe und Form von ’ner Wassermelone, groß und kahl, mit großen, schiefen Ohren wie zermatschte Kartoffelbrötchen. Die Leute sachten, dass Bigheads Mama in dem Moment abgekratzt war, wo er aus ihr rauskam, und sie sagten auch, dass Bighead sich mit sein’ messerscharfen Zähnen ’n Rest vom Weg freigefressen hatte. Bighead glaubte das. Klar, sie hätten ihn auch noch wegen ’nem andern Grund Bighead nennen könn’, und der Grund war der 35-Zentimeter-Hammer zwischen sein’ Beinen. 35 Zentimeter, ungelogen, und dicker wie ’n normaler Unterarm. Die Leute sachten auch, dass er schon bei seiner Geburt hart war. Yes Sir, er hatte schon ’n Mordsständer, bevor er sich überhaupt aus Mamas Möse rausgefressen hatte.

Bighead glaubte das.

Er quetschte den letzten Pimmelrotz aus sich raus, zog sein’ Overall hoch und mampfte ’n Rest Gehirn von der toten Puppe. Menschenhirn schmeckt übrings wie warme, salzige Rühreier, falls ihr’s noch nich’ wusstet. Bighead mochte’s, echt, und er mochte auch Leber. War gutes Futter. Er kaute auch gerne ’n bisschen auf Tittenfleisch rum, wenn er in ’n Wäldern rumstrich, so wie andere auf Tabak rumkauten.

Aber ’s war nich’ nur Pussy, was Bighead suchte. Da hatte er auch noch nich’ viel von gehabt, nur ab und zu mal ’ne Puppe, die sich verlaufen hatte, als er die ganzen Jahre mit sei’m Grandpap im Unterwald gewohnt hatte. Unterwald, so hatte Grandpap immer dazu gesacht. Hier im Unterwald, Bighead, müssen wir uns kein’ Kopp um die Welt-da-draußen machen.

Die Welt-da-draußen?

Bighead hatte sich schon immer gewunnert, was das sein sollte, weil er’s nich’ kannte. Er wollte immer dahin, aber Grandpap sachte immer, dass die Welt-da-draußen nur ’n böser Ort mit bösen Leuten war, und hier ging’s ihnen viel besser. Aber jetz’ war Grandpap tot ...

Und Bighead dachte sich, dass es höchste Zeit war, loszuziehn und aus ’m dunkeln Unterwald raus und in die Welt-da-draußen zu gehn. Jetz’, wo Grandpap tot war, hatte Bighead dieses komische Jucken in seiner Seele und er wusste nich’, was’s war, wusst’ er nich’. War fast so, als würd’ er von dieser komischen Welt-da-draußen gerufen, so wie Forellen vom Teich gerufen wurden, wenn’s Laichzeit war, und wie ’n Vogel von ’nem andern Vogel gerufen wurde, genau so. Und genau so kam’s Bighead vor, auch wenn er nich’ der Schlauste war, wie wenn die Welt-da-draußen ihn rufen würd’, ihm befehlen würd’, dahinzugehn.

Ja, wirklich, irgendwas rief Bighead, ganz klar. Vielleicht war’s die Stimme von Gott, vielleicht war’s das Flüstern von seiner Vorbestimmung. Er wusste’s nich’.

Aber eins wusste Bighead:

Was’s auch war, er wollte’s unbedingt rausfinden.

(II)

Die Nachricht, die er ihr hinterlassen hatte, dieses gedankenlose, unglückliche Gekritzel, ging ihr nicht aus dem Kopf. Liebe Charity: Tut mir leid, dass es letzte Nacht nicht so gut lief. Ich wünsche dir eine gute Reise. Nate. Was sollte das heißen: nicht so gut lief?

Es läuft nie gut, dachte Charity. Es war ihr ein Rätsel. Sie und Nate, zum Beispiel. Er war nett, intelligent, hatte eine Festanstellung im Fachbereich Englisch. Und er sah gut aus. Sie hatten sich zu einem netten Abendessen im Peking Gourmet getroffen, sich gut unterhalten. Sie hatte ihm alles von ihrer anstehenden Reise zu ihrer Tante erzählt und er schien ehrlich an allem interessiert zu sein, was sie zu sagen hatte. Dann gingen sie zu ihr und ...

Alles brach auseinander. Wie immer ...

Was konnte sie denn dafür, dass sie beim Sex nichts empfand? Aber die Männer spürten ihre Gefühllosigkeit, ihre primitiven Egos zerbrachen daran. Dann waren sie weg, und keiner kam jemals wieder, rief nicht einmal an. Wenigstens war Nate rücksichtsvoll genug gewesen, eine Nachricht zu hinterlassen. Aber er würde nie wieder mit ihr ausgehen – Charity wusste es. Er würde sie nie wieder auf die gleiche Weise ansehen.

Ihre Verzweiflung gab ihr Kraft. Nach all diesen Jahren hatte sie sich daran gewöhnt. Aber jetzt war sowieso nicht die richtige Zeit, über ihre ständigen romantischen Pleiten nachzugrübeln.

Die Reise, zwang sie sich zu denken. Tante Annie. Es war Jahre her, seit Charity etwas von ihrer Tante gehört hatte, und Jahrzehnte, seit sie sie gesehen hatte. Es war eine lange Geschichte und Charity wusste, dass Schuld dabei eine große Rolle spielte. Ihre Tante hatte sie aufgezogen, bis sie acht war (Charitys Vater war bei einem Grubenunglück ums Leben gekommen und ihre Mutter hatte sich kurz darauf das Leben genommen), und sie war die einzige Mutter, die Charity jemals wirklich gehabt hatte. Doch das war in Luntville gewesen, nicht in College Park, Maryland, nur einen Steinwurf von Washington D.C. entfernt. In der Provinz, am Arsch der Welt, ein winziger Fleck zwischen den Allegheny Mountains und den Appalachen. Mit Tante Annies Gästehaus war es langsam aber sicher den Bach runtergegangen, und da kein Geld mehr hereinkam, wurde ihre Tante vom Staat als »zur Vormundschaft ungeeignet« erklärt. Der Staat nahm ihr Charity weg und steckte sie in ein Waisenhaus in einem anderen Bundesstaat (in ihrem war kein Platz), und das war das Ende der Geschichte. Oder, wenn man so wollte, der Anfang.

22 Jahre später stellte sie fest, dass sie sich noch gut an »zu Hause« erinnerte. Diese hügelige ländliche Gegend, eine ganz andere Welt als die, in der sie jetzt lebte. Tante Annie hatte sie letzte Woche angerufen und eingeladen, »nach Hause« zu kommen.

Und ihr Zuhause war nicht hier, oder? Ihr Zuhause war da, wo sie geboren war ...

Warum nicht?, hatte sie gedacht.

Es wäre gut, einmal eine Weile von hier wegzukommen, und sie hatte weiß Gott genug Urlaubstage angesammelt. Und sie musste zugeben, dass allein schon Annies Stimme am Telefon wie ein Lockruf war, wie eine Aufforderung, zurück zu ihren Wurzeln zu flüchten. Die Einkaufsstraßen und der Smog und die lärmige Rushhour auf dem University Boulevard drängten sie noch zusätzlich. Ich fahre zurück nach Luntville, beschloss sie noch am selben Abend. Ich werde zurück an den Ort gehen, von dem ich komme, und die Frau besuchen, die ihr Bestes getan hat, um mich großzuziehen.

Dass sie sich das jetzt noch einmal bewusst machte, half ihr dabei, ihre anderen Probleme und Misserfolge zu verdrängen. Es belebte sie. Auch wenn es tiefste Provinz war, gab es doch einiges, was für die Gegend sprach, aus der sie stammte. Einfache Leute, einfache Weltanschauungen, das genaue Gegenteil zu dem täglichen Gerenne und Gehetze, dem sie hier ausgeliefert war. Es würde ihr guttun, dorthin zurückzukehren.

Sie hatte zwar keinen Wagen, aber sie hatte schon eine Mitfahrgelegenheit. Charity hatte eine Anzeige in den regionalen Zeitungen aufgegeben, sogar in der Washington Post. Eine der Journalistinnen der Post, eine Jerrica Perry, hatte sie sofort angerufen und gesagt, dass sie eine kurze Reise in die gleiche Gegend plane. Und sie hatte einen Wagen und würde Charity gerne mitnehmen, wenn sie sich an den Unkosten beteiligte. Es war alles abgemacht. Morgen früh würden sie fahren.

Und sie ließ mehr hinter sich zurück als nur College Park, Maryland, nicht wahr? Sie ließ auch all die Reinfälle ihres Lebens zurück, die Enttäuschungen und verpassten Gelegenheiten.

Nicht, dass sie wirklich gescheitert wäre. Sie hatte ihren unglaublich schlechten Chancen getrotzt; dem Waisenhaus, der Einsamkeit, den Nächten, in denen sie wach lag und darüber grübelte, warum sie eine Außenseiterin war. Sie hatte sich abgemüht, hart gearbeitet, um ihre Hochschulreife zu erlangen und den Verwaltungsjob am College zu bekommen, noch härter gar bei den Abendvorlesungen. Es würde seine Zeit dauern, aber sie wusste, dass sie mit ihrem Punktedurchschnitt von 3,4 schließlich ihren Abschluss in Rechnungswesen schaffen würde. Sie würde es packen.

Doch jetzt ...

Der Gedanke nahm sie gefangen.

Morgen, dachte Charity Walsh, als sie aus dem Fenster ihres Apartments blickte, fahre ich nach Hause.

(III)

Eigentlich sollten ihre Gedanken nur dem Artikel gelten. 1500 Dollar zahlte die Zeitung ihr, und weitere 1000, sobald sie den Text einreichte. Das war gutes Geld für einen Spezialauftrag und ihr Grundgehalt war auch nicht zu verachten. »Konzentriere dich auf deinen Job, Jerrica«, murmelte sie vor sich hin.

Der Streit, den sie mit Darren gehabt hatte – großer Gott! Er wollte einfach nicht lockerlassen. »Du hast wirklich ein Problem, Jerr«, hatte er an dem Abend gesagt, als er bei ihr hereingeplatzt war. Jerrica hatte nicht nur mit einem, sondern gleich mit zwei Männern im Bett gelegen. »Ist es das, was du willst?«, hatte er gefragt, in keinster Weise durch das, was er sah, in Verlegenheit gebracht. Die beiden Männer hatten in Rekordzeit ihre Kleidung angezogen und waren verschwunden. Aber Darren war geblieben. »Das ist für dich die Erfüllung? Wildfremde Männer in einer Bar aufzugabeln und einen flotten Dreier abzuziehen?«

»Verpiss dich!«, hatte sie gerufen, aber das war es eigentlich nicht gewesen, was sie hatte sagen wollen. Doch was hätte sie sagen können? Es war, na ja, ziemlich peinlich, so erwischt zu werden.

»Und was zur Hölle machst du überhaupt in meinem Apartment!«, hatte sie gerufen und sich die fleckige Bettdecke vor die Brust gezogen.

»Du hast mir einen Schlüssel gegeben, weißt du noch?«

»Ah ...«

Es gab nur wenig, was sie hätte sagen konnte. Ich kann nicht anders? Ich kann es nicht unterdrücken? Es tut mir leid? Für Darren wäre das vielleicht okay gewesen, aber sie konnte es einfach nicht sagen.

Es tut mir leid, dachte sie.

»Du brauchst Hilfe, Jerr«, hatte er gesagt. »Ich meine ... kennst du die Kerle überhaupt?« Er hatte ein finsteres Gesicht gemacht. »Ich will es gar nicht wissen. Ich will damit nur sagen – ich glaube immer noch, dass das zwischen uns etwas richtig Gutes ist, aber du machst alles kaputt. Warum?«

Warum? Was hätte Jerrica darauf antworten können? Gerade jetzt, mit Sperma im Haar und einer so wundgevögelten Vagina, dass sie wahrscheinlich kaum gehen konnte?

»Verschwinde!«, hatte sie nur gesagt, denn es war das Einzige, was sie sagen konnte, ohne dass sich ihr Stolz ganz in Luft auflöste. »Verschwinde einfach!«

Er war zurückgewichen, so langsam, dass er wie verloren wirkte. Darren liebte sie, das wusste sie, und kein anderer Mann in ihrem Leben hatte sie je wirklich geliebt. Trotzdem stürmte er nicht einfach hinaus, wie es die meisten Männer getan hätten.

»Ich liebe dich, Jerrica«, hatte er geflüstert, sein Gesicht hatte nur noch halb durch die Schlafzimmertür gelugt. »Wir werden eine Lösung finden, wenn du es willst.«

In dem Moment hatte sie jedes bisschen Bosheit in ihrer Seele zusammenkratzen müssen, um antworten zu können.

»Verschwinde.«

Und er verschwand.

Was stimmt mit mir nicht?, fragte sie ihr Spiegelbild. Sie war 28, sah aber fast zehn Jahre jünger aus. Wallendes seidig blondes Haar, die richtigen Kurven an den richtigen Stellen, ein fester, hoher Busen. Darren war ein guter Mann. Was wollte sie eigentlich?

Ihr Spiegelbild zuckte mit den Schultern, auf ihrer gebräunten Haut glitzerten noch die Wasserperlen von der Dusche.

Ich brauche Hilfe, stimmte sie Darren zu. Sie wusste es. Aber was? Für 75 Dollar die Stunde ging sie zweimal im Monat zu einem Therapeuten. Was noch? Sollte sie vielleicht zu den Anonymen Sexsüchtigen gehen? Auf gar keinen Fall würde sie noch einmal so eine Freakshow mitmachen. Ihre Kokainsucht loszuwerden war schon schlimm genug gewesen, aber Sexsucht? Ich muss die Sache einfach selbst in den Griff bekommen, redete sie sich ein.

Ich habe einen Auftrag. Ich fahre morgen in die Appalachen. Es wird eine gute Zeit werden und ich werde mir nicht den Kopf über Darren oder Männer oder mich oder sonst irgendwas zerbrechen, beschloss sie.

Jerrica Perry schlüpfte in ihren Bademantel. Sie seufzte, wischte sich sogar eine Träne weg.

Dann begann sie, ihre Koffer zu packen.

(IV)

Oh Mann! Heute musste Bigheads Glückstag sein, weil grade war er ’ne Meile gelatscht nach der letzten Pussy, da fand er noch eine, ’ne süße kleine Maus mit braunen Haaren, die sich grade zum Pipimachen neben ’n Baumstumpf gehockt hatte, direkt an der mächtich breiten Straße, wo er langging. Sie hatte große Augen und war barfuß, hatte nur ’n winzigsten Fetzen von Kleid an, den Bighead je gesehn hatte (war fuchsienrot das Kleid, nich’ dass Bighead belesen genuch gewesen wär’, um zu wissen, was verdammt noch mal fuchsienrot war), und das Kleid hat er ihr vom Leib gefetzt, bevor sie mit Pinkeln fertich war. Sie hat nich’ viel geschrien, no Sir, is’ auch nich’ einfach zu schrein, wenn ei’m die Kehle rausgerissen wird. Bighead hat auch gar nich’ erst versucht, ’n Rohr zu verlegen, weil er hat ihre Pussy gesehn, wie sie am Pinkeln war, und ’s war klar wie Regenwasser, dass sie nirgens ’n Loch hatte, das groß genuch war für Bigheads Prügel. Also hat er sie einfach abgemurkst und dann mal schnell auf ihre Titties gewichst. Der zweite Schuss am Tag is’ der Beste, hatte Grandpap immer gesagt. Bighead grunzte fast wie ’n Mastschwein, das ’n Schaf vögelt. Und da kam ’n netter Schuss, oh Mann, und die Maus hat in hübschen roten Bläschen mit ihr’m eignen Blut gegurgelt. Und wo sie noch am Sterben war, hat er natürlich von ihr’m Pussyzeug geleckt. Wär’ sonst Verschwendung gewesen. Schmeckte scharf: Fotzengeschmack, frisches Pipi und natürlich ’ne reine Scheißangst. Das war alles irnkwie vermischt und echt lecker und Bighead mochte das. Seine großen, schiefen, roten Augen wurden ganz klein, so geil war das. Und dann war er fertich und schlurfte los in die Brombeern, weg vom Unterwald und ...

Raus zur Welt-da-draußen.

Bighead dachte, dass’s wohl nich’ mehr lang dauern würd’, bis er da war.