ZWÖLF

(I)

Alexander und der Polizist trugen Annie in den Salon und legten sie auf die alte samtbezogene Couch. Charity und Jerrica fächelten ihr mit Strohfächern, die sie auf der Aufsatzkommode gefunden hatten, Luft zu. Alexander legte ihre Füße hoch. »Ich ruf’ besser ’n Krankenwagen«, sagte Sergeant Mullen.

»Warten Sie, ich ...« Alexander beugte sich vor und blickte in das Gesicht der alten Frau, wobei er ihre Hand hielt. Sie fühlte sich kühl und zerbrechlich an. »Sie kommt zu sich.«

Kurz darauf öffneten sich Annies Augen. Sie sah verwelkt aus, wie sie dort so lag, und wirkte verlegen, als sie erkannte, was geschehen war. »Meine ... Güte«, flüsterte sie. Sie drückte die Hand des Priesters. »Mir ... war plötzlich so schwindlig.«

»Du bist ohnmächtig geworden, Tante Annie«, sagte Charity. Sie und Jerrica fächelten ihr immer noch Luft zu.

»Sind Sie okay?«, fragte Jerrica. »Der Officer kann einen Krankenwagen rufen.«

»Großer Gott, nein.« Ihre Augen flatterten und sie errötete vor Verlegenheit. Sie setzte sich auf, um zu demonstrieren, dass es ihr besser ging. »Es geht mir gut, wirklich. Tut mir leid, dass ich so eine Last für euch bin.«

»Kein Problem, Ma’am«, sagte Mullen. »Sind Sie sicher, dass Sie okay sind?«

»Oh, ja, natürlich. Vielen Dank, ich danke Ihnen. Ich fühle mich schon viel besser.«

»Wir bringen Sie am besten ins Bett«, schlug Jerrica vor, und sie und Charity halfen der Frau auf die Beine. »Wir hatten alle einen anstrengenden Tag.«

»Zu anstrengend«, fügte Charity hinzu. »Diese langen Wanderungen in der heißen Sonne und der fürchterlichen Luftfeuchtigkeit.« Die beiden Frauen führten Annie vorsichtig aus dem Salon und den Flur entlang zu ihrem Zimmer.

Alexander begleitete den Polizisten nach draußen.

»Tut mir wirklich leid, dass ich so ’ne Unruhe verursacht hab’, Pater«, entschuldigte sich Mullen. Das Wetterleuchten blitzte weiter im Hintergrund, als sie den Wagen erreichten. »Gibt wahrscheinlich keine subtile Methode, um ’n Leuten zu sagen, dass vielleicht ’n Killer auf ’m Weg in ihre Stadt is’.«

»He, Sie machen nur Ihren Job«, sagte der Priester und zündete sich eine Zigarette an. »Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie sich die Zeit genommen haben, hier herauszufahren. Annie wird wieder auf die Beine kommen. Ich schätze, es war die Kombination aus der Nachricht von den Morden und der Hitze heute.« Alexander dachte kurz nach, während er an seiner Zigarette zog. »Aber es ist schon eine merkwürdige Sache – diese Morde, meine ich. In einer so ruhigen und abgelegenen Gegend hätte ich gedacht, dass es überhaupt keine Verbrechen gäbe.«

»Hier schon, da ham Sie recht«, stimmte Mullen zu. »Erst dacht’ ich, dass die Morde vielleicht ’ne Art Übertragungseffekt sind, aber das können sie nich’ sein, weil die Vorgehensweise anders is’ und sie aus der falschen Richtung kommen.«

»Falsche Richtung? Übertragungseffekt? Wovon reden Sie?«

Mullen zuckte die Schultern und zündete sich ebenfalls eine Zigarette an. »Sie wär’n überrascht über die Mordquote in der Nähe der Staatsgrenze 40, 50 Meilen westlich von hier. ATF findet ständig Leichen, die was mit Shine zu tun haben.«

Shine?, fragte sich der Priester, doch dann fiel ihm ein: ATF, die Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen. »Sie meinen Moonshine, schwarzgebrannten Whiskey.«

»Genau, Pater. Die Moonshine-Schmuggler legen sich zweimal pro Woche gegenseitig um, und sie sind wirklich ’n übler Haufen kranker Bastarde, sie alle. Aber die meisten Morde passiern auf der andern Seite der Grenze und sie sehn ganz anders aus als die Morde, wegen denen ich hier bin. Sie haben recht, hier in der Gegend passieren nie Morde, vor allem keine Sexualmorde.«

»Und jetzt haben Sie ganz plötzlich – wie viele? – ein halbes Dutzend?

»Noch ’n paar mehr, Pater, wenn sie’s genau wissen wollen. Hab’ selber keine von den Leichen gesehn, aber wir haben auf der Wache alle das Fax von der Zentrale gelesen. Gegen diesen Kerl sehn die Moonshiner wie ’ne Bande Säuglinge aus. Echt krank, was er mit den Frauen und diesem Farmer gemacht hat. Richtig teuflische Sachen.«

Teuflisch. Ja, der Priester wusste, dass die Teufel heutzutage überall lauerten, hinter jeder Ecke. Menschliche Teufel. Psychopathen. Es war traurig zu sehen, dass die Übel der Welt sogar bis hierher vorgedrungen waren. »Gibt es Hinweise?«, fragte er schwach.

»Nee, ich wünscht’, ich könnt’ Ihnen was andres sagen, aber bis jetz’ ham unsere Leute noch nix. Aber wir werden ihn kriegen, wer auch immer dieser kranke Hurensohn is’ – und entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise, Pater.«

»Kein Problem. Viel Erfolg!« Ich hoffe, ihr schnappt ihn und tretet ihm kräftig in die Eier, dachte er. Schlagt dem Dreckskerl die Fresse ein ... »Ich gehe lieber wieder rein und sehe nach Annie.«

»Gute Nacht, Pater. Und noch mal Entschuldigung wegen der Störung.«

»Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Passen Sie auf sich auf.«

Mullen fuhr in seinem Streifenwagen davon. Alexander beobachtete, wie die rubinroten Rücklichter in der Auffahrt verschwanden. Gott, was für eine Nacht, dachte er. Dann schloss er die schwere Eichentür.

Und verriegelte sie.

»Sie schläft«, sagte Charity und schloss leise die Tür zu Annies Schlafzimmer. »Sie war sofort weg, wie ausgeschaltet.«

»Gut«, sagte Alexander. »Ruhe ist genau das, was sie jetzt braucht.«

»Die Arme«, fügte Jerrica hinzu. »Ich schätze, das war einfach alles zu viel.«

Alexander nickte. »Ja. Ein langer, heißer Tag, dann der schwere Wein und zum Schluss noch ein Cop mit Mordnachrichten ...«

»Und dass ich mit dieser gruseligen Bighead-Geschichte angefangen habe, hat es nicht unbedingt besser gemacht. Ich und meine große Klappe.«

»Machen Sie sich keine Vorwürfe – niemand war schuld«, beteuerte der Priester. »Wichtig ist, dass sie okay ist. Ich bin mir sicher, dass sie einfach nur ein bisschen Schlaf braucht.«

»Den brauche ich auch«, sagte Charity mit einem Gähnen.

»Den brauchen wir alle«, stellte der Priester abschließend fest.

»Dann gute Nacht«, sagte Charity und ging die Treppe hinauf. Alexander wollte es ihr gleichtun, doch Jerrica berührte ihn am Arm. »Leisten Sie mir noch für ein letztes Glas Wein Gesellschaft?«

Er dachte kurz darüber nach, dann schüttelte er den Kopf. »Nein, danke. Ich glaube, ich habe genug; noch mehr Alkohol, und ich bin wahrscheinlich der Nächste, der in Ohnmacht fällt.« Sie schien enttäuscht zu sein, als er das sagte, aber auch merkwürdig unruhig. »Sind Sie okay?«

»Sicher«, sagte sie, aber ihre Gedanken waren offenbar woanders. Sie folgte ihm die Treppe hinauf und als sie oben waren, machte sie einen noch abwesenderen Eindruck, rieb sich die Arme, die Augen zu Boden gerichtet.

Der Priester zog eine Augenbraue hoch. »Sind Sie sicher, dass Sie okay sind, Jerrica?«

»Ja, ja. Ich schätze, die ganze Aufregung hat mich ein bisschen mitgenommen. Gute Nacht, Pater.«

Er ging an ihr vorbei zu seiner eigenen Zimmertür. »Gute Nacht.«

»Oh, und Pater?« Sie schenkte ihm ein letztes Lächeln. »Vielen Dank noch mal, dass Sie mich in der Bar vor diesen Idioten gerettet haben.«

Alexander lachte. »Das Tagewerk eines Priesters.« Dann hörte er, wie sich ihre Tür schloss, während er seine zuzog. Er rieb sich nachdenklich das Kinn. Ja, irgendetwas stimmte nicht; Jerrica schien plötzlich völlig überdreht zu sein, fast schon hyperaktiv.

Ich frage mich, was ihr plötzlich so zu schaffen macht, dachte er.

(II)

»Was du jetzt brauchst, Jerrica, ist eine kalte Dusche«, murmelte sie zu sich selbst. Sie wollte nicht über die plötzliche Furcht nachdenken, die nichts mit diesen dämlichen Bighead-Geschichten zu tun hatte, nicht einmal mit den grauenvollen Offenbarungen des Polizisten. Es war die Furcht vor ihr selbst, die sie mit einem Mal gepackt hatte.

Eine vertraute Furcht.

Denn wenn es nicht das eine war, dann war es das andere. Diese bösartige, unwiderstehliche Gier begann sich zu regen. Es war schon eine Weile her, nicht wahr? Sie dachte, sie hätte sie überwunden ...

Also suchte sie stattdessen Zuflucht in den Visionen ihres Fleisches. Sobald sie nackt unter der Dusche stand, ließ sie sich wieder von ihren Fantasien vereinnahmen; wieder träumte sie davon, dass sie beide dort zusammen unter dem kühlen Strahl standen.

Sie und der Priester ...

Ihre Körper pressten sich aneinander. Ihre Hände schäumten sich gegenseitig mit kühlem, weißem Schaum ein. Sie konnte nicht aufhören, an ihn zu denken, konnte nicht aufhören, sich vorzustellen, wie ...

Verdammt, dachte sie und berührte sich, während das Wasser auf ihr Gesicht herabplätscherte.

Ja, wenn es nicht das eine war, dann war es das andere.

Und sie wusste nur zu gut, was das andere war ...

Nein, sagte sie sich. Ich werde es nicht tun.

Sie trocknete sich hastig und ziellos ab, dann ging sie nackt durch ihr Zimmer. Sie ignorierte ihren Laptop, der dort lag wie ein gelangweiltes Maskottchen, ebenso jeden Gedanken daran, noch ein paar Notizen zu tippen, etwas Arbeit zu erledigen. Denn dafür war sie ja schließlich hier: um zu arbeiten.

Ihr Herz begann zu rasen; sie fühlte, wie das Blut heiß in ihren Brüsten pochte. Ihr Geschlecht fühlte sich entflammt an und ihre Hände zitterten. Starker Gewöhnungseffekt, hatte der Therapeut gesagt. Konative Zwangsstörung. Sie sind sexsüchtig, Jerrica, und wenn Sie keinen Sex bekommen, suchen Sie bei etwas anderem Zuflucht.

»Ich. Werde. Es. Nicht. Tun«, murmelte sie abgehackt. Ihre harten Augen fixierten die Reisetasche. »Nein. Ich habe es ... versprochen.«

Es war so lange her – Jahre waren vergangen. Der einzige Grund, weshalb sie es überhaupt mitgenommen hatte, war der, sie an ihre Entschlossenheit zu erinnern ...

Sie begann zu masturbieren, flutete ihr Bewusstsein mit den Bildern ihres Verlangens – mit dem Bild des Priesters. Ihre Finger glitten in ihre Feuchtigkeit, ihre Augen verdrehten sich fast augenblicklich – es dauerte nur eine Minute. Oh, Gott, dachte sie. Sie stellte sich seinen Schwanz in ihr vor, bis zu den Hoden hineingesteckt, während sein Mund an ihrer Zunge saugte, als wäre sie selbst ein Schwanz. Doch sie hatte schon das winzige Döschen geöffnet ...

Oh, Gott ...

Sie hatte es von einem namenlosen ehemaligen Liebhaber gelernt, von irgendeinem One-Night-Stand. Sie hatte ihm einen geblasen – er war ziemlich groß gewesen, erinnerte sie sich; vielleicht war das ihre einzige Möglichkeit, sich an Männer zu erinnern, nicht über ihre Gesichter oder Namen, sondern über ihre Penisse –, und als er kurz vor dem Orgasmus stand, hatte er eine kleine Glaspfeife mit Kokain angezündet. Jerricas Hüften zitterten in diesem Moment, ihre Brüste schienen nach vorne drängen zu wollen. Sie stippte die Finger ihrer anderen Hand in das Döschen mit dem perlmuttfarbenen Puder, führte sie hastig an die Nase und schniefte ...

... und kam im selben Augenblick.

Es erschütterte sie. Es peinigte sie. Das köstliche Gefühl schien den Saft aus ihr herauszuquetschen wie aus einem Schwamm.

Es schien ewig zu dauern, bis sie herunterkam, bis sie fertig war. Das Nächste, was sie wusste, war, dass sie mit nackter Brust über dem winzigen Döschen kauerte und nach mehr verlangte.

»Ich. Werde. Es. Nicht. Tun«, schwor sie sich selbst, wie schon so oft. »Nein. Nein. Nein. Genug.«

Dann kippte sie den Inhalt des Döschens auf ihren Reisespiegel ...

Ich hasse mich, dachte sie.

Ich sollte mich umbringen.

Dann begann sie, aus dem Puder feine Linien zu formen.

(III)

Sie träumte von heißen, züngelnden Flammen und geschwängerter Luft. Sie konnte die Fruchtbarkeit riechen.

Die Brühe, dachte sie.

Sie träumte von sich selbst, wie sie in sorgenvollem Warten vor dem Bett stand. Die Person im Bett, eine andere Frau, zuckte mit gespreizten Beinen, ihr Gesicht eine Maske des Schmerzes, ihr Kleid war über ihren geblähten Bauch hochgeschoben.

Sie hatten ihr gesagt, womit sie rechnen musste, nicht wahr?

Deshalb ...

Die Brühe ...

Die Brühe.

Die Brühe ...

Was hatte sie getan? Sie konnte sich nicht mehr erinnern, nicht einmal in ihren Träumen. Oder vielleicht dachte sie nur, sie könne sich nicht erinnern.

Vielleicht war es etwas, an das sie sich nicht zu erinnern wagte.

Die Brüste der Frau begannen, einen dünnen Film Milch abzusondern. Ihre Vagina klaffte auf wie ein Rachen, der jeden Moment irgendwelche riesigen, unirdischen Inhalte ausspucken würde.

»Mach dich bereit«, erklang eine andere Stimme, die eines Mannes. »Wir wollen’s nich’ haben, ganz bestimmt nich’.«

Sie öffnete ihre Hände vor den schmerzhaft gespreizten Beinen. Bitte, bitte, dachte sie. Lass es sie überstehen ...

Doch dann begann das Blut zu fließen.

Sie schrie.

Und sie sah.

Zähne wie Schredder, die empfindliches Fleisch zerfetzten ...

... dann wanderte der Traum weiter ...

Geraldine, dachte sie mit Tränen in den Augen.

Geraldine?

Geraldine ...

... dachte sie erneut, als sie das Streichholz anzündete und an ihren Nippel führte ...

... und wieder sprang der Traum weiter ...

... sie war an einem anderen Ort ...

... sie lag nackt und schwitzend auf einem mondbeschienenen Heufeld, die Vision wurde von ihren eigenen verblassenden Begierden heraufbeschworen. Nein, nein, dachte sie. Ich kann das nicht zulassen, nicht einmal in einem Traum ...

Der Priester fickte sie, saugte an ihrem Nippel, während er sie penibel rammelte. Ich liebe dich, ich liebe dich, du Schlampe, sagte er in seinen Gedanken zu ihr. Dann biss er sie in den Nippel, bis Blut kam. Sie schrie vor Ekstase.

Ja, natürlich. Jetzt waren es nur noch Fantasien, keine Erinnerungen. Fantasien verbotener Verlockungen.

Schlag mich.

Er schlug sie hart ins Gesicht.

Beiß’ mich noch mal.

Er biss sie so hart in den Nippel, dass er fast abriss.

Würg’ mich.

Seine Hand griff nach ihrer Kehle und drückte, während seine Hüften stetig weiterpumpten. Er drückte zu, ließ los, drückte, ließ los, immer wieder, ihr Geist blitzte im Rhythmus mit ihrem verströmenden Geschlecht. Er drückte, ließ los, drückte, ließ los ...

Drückte.

Diesmal ließ er nicht los. Sein Griff unterbrach die Blutzufuhr ihres Gehirns so effektiv wie eine Arterienklemme. Ihre Zunge hing heraus, ihre Augen verengten sich zu lasziven Schlitzen. Als sich ihre Sicht trübte, erfüllte ein köstliches Summen ihren Kopf, dehnte sich immer weiter aus. Bald fühlte sie sich entkörperlicht; sie spürte immer noch, wie der Schwanz des Priesters ihr Geschlecht bearbeitete, doch jetzt schien sie es von außen zu beobachten. Sie beobachtete, wie sie unter der hektisch pumpenden Gestalt Arme und Beine von sich streckte; ihr Gesicht war eine verzerrte Maske faltigen rosafarbenen Fleisches, die abscheulich grinste. Er drückte fester zu, fickte sie härter. Sie begann, in krampfhaften, zuckenden Salven zu kommen ...

Er ließ los, kurz bevor sie erstickte, ihr Bewusstsein stieg langsam wieder durch das verblassende Summen auf, ihre Haut war elektrisiert, ihre Nippel so steif, als hätten Zangen daran gezogen.

Jetzt komm. Fick mich hart. Fick mich, bis ich blute.

Das tat er, ohne Vorbehalt. Sie kam immer noch.

Ich liebe dich so sehr, meine wundervolle Schlampe.

Er zog seinen klebrigen Schwanz heraus, wichste ihn und spritzte seinen Samen direkt in ihr Auge, das scharfe Brennen sang zu ihrem Herzen. Speichel lief ihr aus dem Mund, sie kam wie ein Wasserhahn – sie verschlang die wahnsinnige Lust, wie eine Natter Gänseeier verschlang.

Saug’ es auf.

Sie saugte es in ihren Mund, saugte den letzten, feinsten Tropfen auf – sündhaftes Salz auf ihrer Zunge.

Doch dann änderte sich der Traum erneut, ein widerliches Gefühl. Es war nicht der Priester, der auf ihr lag. Es war etwas anderes, etwas, das so dunkel war, dass es fast nicht da war. Etwas Abscheuliches.

Die deformierten Zähne glitzerten im Mondlicht.

Die riesige Hand streichelte Annies Wange.

Ich liebe dich so sehr, meine wundervolle Tante ...

(IV)

Charity träumte auch, genauso wie letzte Nacht. Ihre Haut zitterte vor Lust und Vorfreude. Sie spreizte die Beine für all die Liebhaber ihrer Vergangenheit. Ihre Nippel glühten, in ihrem Gesicht brannte eine Hitze, die sich schnell wie eine Lanze bis zu ihrem Geschlecht ausbreitete. Ihr Geschlecht triefte ...

Der Schwanz tauchte in sie ein, der Körper ihres Liebhabers presste sie zu Boden. Sie fühlte nicht viel, aber das brauchte sie auch nicht. Alles, was sie brauchte, war die Berührung, die Leidenschaft, die lebhafte Vorstellung, dass ein Mann sich für sie erregte.

Seine Hüften stießen ein paarmal zu, zuerst gierig, dann zögerlicher. Sogar in der Dunkelheit konnte sie die Kapitulation in seinem Gesicht erkennen.

»Tut mir leid. Aber es ... funktioniert einfach nicht.«

Charitys Leidenschaft zerfiel zu Kompost.

Sie sah ihm zu, wie er von ihr herunterstieg, sich hastig wieder anzog und ging.

(V)

Und auch der Priester träumte, wenn auch nicht ganz so lebensecht. Meine Gewalt! Meine Sünde!, dachte er mit Tränen in den träumenden Augen. Allmächtiger Gott. Vergib mir.

Diese beiden Idioten, die beiden Arschlöcher. Er hatte sie geschlagen, sie verprügelt. Jesus stand in der Mitte seines Traumes, runzelte die Stirn und – tatsächlich – rauchte eine Zigarette. »›So dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dem biete auch die andre dar‹«, und: »Du hast es vermasselt, Priester. Ich bin so stinkig auf dich. Ich könnte kotzen«, sagte Christus, der Heiland. »Was zur Hölle ist los mit dir? Ich sollte dir deinen Scheißkragen abreißen und in dein verlogenes Maul stopfen, denn du bist es nicht wert, ihn zu tragen, Bruder. Und hier spricht nicht einfach nur irgend ’n Traum. Hier spricht der König aller Könige. Jesus Christus redet hier mit dir, Kumpel, und du solltest besser sehen, dass du deine Scheiße auf die Reihe kriegst, sonst kann nicht mal Ich deinen dreckigen, abgehalfterten Vietnam-Arsch retten. Der Morgenstern wird dich so tief in urzeitlicher Scheiße begraben, dass nicht mal Gott der Herr eine Schaufel hat, die groß genug ist, um dich da wieder rauszuholen. Und hör verdammt noch mal auf, diese Blonde anzustarren, du frömmlerischer Heuchler. Weißt du überhaupt, wie Wir dastehen? Du bist kein gottverdammter Armeearsch mehr, der in der Tudo Street Saigonhuren vögelt und seinen Pimmel in irgendeiner Scheißnebenstraße rausholt, um sich einen blasen zu lassen! Du bist Priester! Du bist Priester!«

Alexander weinte ungeniert. »Es tut mir so verdammt leid, Herr! Ich hätte diese Kerle nicht schlagen dürfen! Ich habe Dich blamiert! Ich schäme mich so!« Er würgte an seinem eigenen Schnodder. »Vergib mir, Jesus, ich flehe Dich an ...«

Jesus schnippte Seine Kippe weg, zuckte die Schultern und zündete sich eine neue an. »Ich vergebe dir.« Dann beugte Er sich abrupt vor. »Arschloch! Scheißkerl! Hör mir gut zu, denn Ich habe keine Lust mehr auf diese Scheiße. Wenn du nicht ganz schnell deinen Kram auf die Reihe bekommst, wird dich der Teufel noch weitaus mächtiger in den Arsch treten, als Ich es kann! Willst du jede Nacht in Blut und Sperma und dampfender Scheiße ertrinken, bis in alle Ewigkeit? Das kannst du haben, und du bist gerade dabei, es dir gründlich zu verdienen!« Dann wurde Jesus’ übellaunige Verkörperung wieder nachsichtiger. »Ich kann dich nicht in das Königreich des Himmels lassen, wenn du nicht würdig bist.«

»Ich weiß!«, schrie Alexander so laut, dass Blut aus seiner Kehle rann.

»Trag’ deine albernen schwarzen Klamotten wie ein Kerl.«

»Das werde ich!«

Der König aller Könige knirschte voller Verzweiflung mit Seinen schönen, weißen, perfekten Zähnen. »Und wende deine verfickten Augen von dieser Blonden ab! Wenn du sie retten willst, dann rette sie, Wir haben genug Platz. Aber hör auf, sie anzustarren, als wäre sie ’ne Zehn-Dollar-Nummer, denn sonst tret’ Ich dir Meinen Fuß dermaßen tief in den Arsch, dass du Mir mit den Zähnen die Zehennägel abknabbern kannst!«

Alexander biss sich die Zungenspitze ab, um seine Entschlossenheit zu beweisen. »Ich werde tun, was Du mir befiehlst, Herr. Rette mich!«

Jesus blickte stirnrunzelnd die Zigarette an, als wäre sie Ihm zu schwach. Es war eine Kent Ultra Light. »Ich kann dich retten, wenn du den Anforderungen entsprichst, Kumpel. Diese ganze Calvinismus-Scheiße ist Quatsch – Wir wissen nicht, was dich erwartet. Aber Ich hab’ ein ganz gutes Gefühl bei dir, Blödmann.« Dann hellte Jesus’ Gesicht sich auf, wie eine Neonröhre. »Ich kann dich retten.«

»Bitte, Sohn Gottes! Rette mich!«

»Wahrscheinlich werde Ich es tun. Ich kann deine Seele retten. Der Himmel ist gar nicht so ’n übler Laden, das kann Ich dir sagen. Du hast doch die Bibel gelesen. Das Buch Daniel: Der Himmel ist 1500 Meilen lang, 1500 Meilen breit und 1500 Meilen hoch, mit einem Fluss, der mittendurch fließt, und jeder Menge Obstbäumen, es gibt also immer was zu futtern, und drumrum ist ’n 50 Meter hoher Zaun aus reiner Jade. Sticht jede Eigentumswohnung am Hafen und jede Suite auf der Mayflower aus, ungelogen.« Jesus strich sich abwesend über den Bart und nickte. »Yeah, Mann, Ich kann deine Seele retten ...« Dann packte Gottes Sohn Alexander brutal an der Kehle und schüttelte seinen Kopf wie einen Ball auf einer Sprungfeder. »Aber Ich kann dich nicht vor deinen Träumen retten!«

Alexander blinzelte und schluckte noch mehr Schnodder. Jesus sagt mir, dass ich mich auf dünnem Eis bewege. Ich sollte lieber aufhören, Blödsinn zu machen ... Aber – was hatte Er noch gesagt? Etwas über ... Träume?

Plötzlich verwandelte sich Jesus in Steven Tyler, der ein buntes Halstuch umklammerte, in dem ein Mikrofon versteckt war.

»Träum weiter«, sang Er. »Träum, bis deine Träume wahr werden.«

Vergib mir meine Sünden, Gott, vergib mir meine Sünden, Gott, vergib mir meine ...

Der Albtraum platzte wie eine Eiterblase.

Plötzlich fand sich Pater Tom Alexander, ordinierter katholischer Priester und zuständiger Psychologe der Diözese Richmond, erneut nackt und gefesselt auf einem schmutzigen Betonboden wieder. Doch anders als in seinem ersten perversen Traum lag er diesmal auf dem Rücken. Kerzen flackerten entfernt in der staubigen Dunkelheit, eine feuchte Hitze stieg auf. Sein Penis war so verschrumpelt, dass er wie ein Wurm aussah, der in der Sonne gestorben war.

Wach auf, flehte er sich selbst an. Irgendwie wusste er, wer gleich erscheinen würde. Wach auf aus diesem Scheißtraum. Doch der Traum gab nicht nach und wenige Augenblicke später erschien sie tatsächlich. Die Nonne, eingehüllt in ihr schweres Habit, mit Guimpe und Schleier, näherte sich barfuß der Stelle, wo er auf dem kalten, nackten Boden lag.

»Pater, ich flehe Sie an«, sagte sie.

Alexander grinste schief, seine Hand- und Fußgelenke waren an eiserne Klammern gefesselt, die in den Boden eingelassen waren. »Um was flehen Sie mich an?«, fragte er gereizt.

Sie gab keine Antwort. Sie raffte das Unterteil ihres Habits und enthüllte wieder ihren reich bewachsenen Schamhügel, das borstig dicke, kohlschwarze Haar. »Ich bin die Nonne, die letzte Nacht in Ihren Arsch gepisst hat.«

»Glauben Sie mir«, konterte er, »ich erinnere mich!«

»Doch bevor Sie gereinigt werden können, müssen Sie gefüllt werden.«

Alexander sehnte sich nach einer Zigarette. »Ich denke mal, Sie haben sich letzte Nacht schon genug Mühe gegeben, mich zu füllen.«

»Nein, nicht genug«, sagte sie in ihrem sanften Südstaaten-Tonfall und lächelte ihn voller blendender Unschuld an. Erst da bemerkte der Priester den dünnen, transparenten Plastikschlauch, wie ein Luftschlauch für ein Aquarium, den sie anmutig zwischen Daumen und Zeigefinger hielt. Sie lächelte erneut, und dann –

»Nein!«, schrie er. »Du krankes Miststück!«

– befeuchtete sie das Ende des Schlauches mit Speichel und begann –

»NEIN!«

– ihn in seine Harnröhre einzuführen.

Immer tiefer drang er ein und Alexanders Hüften zuckten wild bei diesem messerscharfen Brennen. »Rein damit«, rief die Nonne aus, »ganz hinein ...«

Alexanders Augen fühlten sich an, als wollten sie jeden Moment aus den Höhlen springen. Aber was konnte er tun? Es war ein Traum! »Ich tret’ dir in deinen Epiphanistinnen-Arsch, wenn du nicht aufhörst!«, warnte er sie.

»Sie werden niemanden treten, Pater. Sie können sich nicht bewegen. Sie sind an den Boden gefesselt.« Sie konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit. »Ja, ja«, sagte die Nonne und schob den Schlauch noch weiter hinein. »So ein guter Junge.«

Alexander fühlte, wie etwas in ihm nachgab, ganz hinten in der Nähe des Darms – das Ende des Schlauchs drang durch seinen Harnröhrenmuskel.

»Ja ...«

Immer noch in der Hocke lehnte sich die Nonne mit einem Ausdruck tiefster Zufriedenheit zurück und erst da bemerkte der Priester, wo das andere Ende des Schlauches hinführte. Die Nonne hatte sich schon vorher selbst einen Katheter gelegt ...

»Ahhhhhh«, stöhnte sie mit geschlossenen Augen, das Gesicht zur Decke gerichtet.

Alexander spürte, wie die heiße Flut in ihn eindrang. Er krümmte sich.

»Ahhhh, ja. Letzte Nacht habe ich in Ihren Arsch gepisst, heute pisse ich in Ihre Blase ...«

Alexander wand sich bei dieser Empfindung, seine Augen waren so fest zugedrückt, dass er fast befürchtete, sie würden zusammenwachsen. Sie pisst in meinen Pimmel!, erkannte er grimmig. Was ist das nur für ein Traum?

Bei dem Gedanken fiel ihm etwas ein. Jesus hatte ihm gesagt, dass Er ihn nicht vor seinen Träumen retten könne, oder?

Und meine Träume, dachte der Priester, kommen von mir.

»Ahhhhh, ahhhhh«, stöhnte die Nonne weiter, während sie ihre Blase in seine entleerte.

»Warum tun Sie das!«, schrie Alexander hilflos.

»Ahhhh«, kam ihre Antwort, und da erschien eine weitere Nonne, genauso schön und genauso unschuldig. Oh, nein, dachte Alexander, als er einen genaueren Blick auf sie warf. Ihr wollt mich wohl verarschen.

Als diese zweite Nonne das Unterteil ihres Habits lüftete, sah er, dass sie ebenfalls einen Katheter trug, doch dieser Schlauch war deutlich dicker als der der ersten Nonne. Einen Zentimeter im Durchmesser, um genau zu sein. Mit einem ehrfürchtigen Lächeln hockte sie sich über sein Gesicht, dann begann sie, das andere Ende des dicken Plastikschlauches geschickt in seinen Mund einzuführen.

Alexander war hilflos ...

»Runter damit«, sagte die zweite Nonne ruhig. »Ganz nach unten in des Paters Magen.« Und dann –

»Ahhhhh«, stöhnte sie, jetzt im Gleichklang mit der ersten Nonne: »Ahhhhhhhhhhhhhhhh ...«

Sie füllten ihn auf.

Sie waren Nonnen und er war Priester, und sie ...

Sie füllen mich mit ihrer Pisse auf!, dachte er, denn sagen konnte er es nicht mehr, nicht mit diesem dicken Pisse-Katheter, der in seinem Hals steckte.

Sein Magen und seine Eingeweide begannen zu schwellen. Er konnte spüren, wie die heiße Flüssigkeit in ihn hineinströmte. Sie füllten ihn auf, ja, bis er sich wie ein gottverdammter Medizinball fühlte, der jeden Moment platzen konnte.

»Alles klar«, sagte jetzt die erste Nonne. Und damit zogen sie beide –

»Auuuu! Scheiße!«

– ihre Katheterschläuche mit einem Ruck aus ihm heraus.

»Es ist Ihre Schuld«, sagte die erste Nonne.

»Das, was Sie mit uns geschehen ließen«, fügte die zweite hinzu.

»Was? Ich habe keiner von Ihnen etwas getan!«, schrie Alexander.

»Wir sind ... tot.«

Seine Augen weiteten sich wieder.

»Der Papst hat Sie nach Afrika zurückgeschickt, wegen einer Hungersnot! Ich bin nicht daran schuld, was Ihnen dort widerfahren ist.«

»Wir sind nie zurückgegangen«, sagte Nonne Nummer Eins.

Doch bevor Alexander – uringefüllt und gluckernd – antworten konnte, fuhr die erste Nonne fort: »Wie fühlt es sich an, gereinigt zu werden?«

Gereinigt? Vielleicht hatte Alexander eine andere Vorstellung von der Bedeutung dieses Wortes. »Gereinigt!«, rief er. »Sie beiden Irren haben genau das Gegenteil getan! Sie haben mich nicht gereinigt! Sie haben mich mit Pisse gefüllt!«

»Natürlich«, sagte sie, immer noch mit ehrfürchtigen Augen, immer noch so ruhig, dass ihre gesamte Erscheinung kaum mehr als ein Flüstern war.

Die zweite Nonne sagte: »Bevor Sie gereinigt werden können, müssen Sie durchgespült werden.«

Die erste Nonne blickte auf ihn herab. »Wissen Sie denn nicht, was das symbolisiert?«

Alexander hatte keinen blassen Schimmer, und es war ihm auch egal.

»Substitution, Pater. Transzendenz ...«

»Transposition ...«

Doch als er wieder hinsah, waren sie weg, und ebenso er selbst. Der kalte Steinfußboden und die Fesseln waren verschwunden, und er lag wieder ruhig in der Dunkelheit.

Und in dieser Dunkelheit erschien wieder Jesus, gekleidet wie Steven Tyler von Aerosmith.

»Oh, noch was, Blödmann«, sagte Jesus. »Eins habe Ich noch vergessen, dir zu sagen.«

»Was, oh Herr?«

Jesus räusperte sich und zündete sich eine Zigarette an. »Hör zu, Tom, hör Mir gut zu.«

»Ja, oh Herr!«

Jesus grinste zum letzten Mal und wischte sich die Stirn mit dem bunten Halstuch ab. Dann sagte Er:

»Bighead wird dich kriegen, wenn du nicht aufpasst!«

(VI)

Oh, Mann, er is’ durchgedreht, dachte Dicky. Das’s nich’ gut, no Sir! Sie hatten sich hinter der nächsten Ecke versteckt, gewartet, und waren ihnen dann mit ’m bisschen Abstand gefolgt. ’n alten Mercedes fuhren die, und sie fuhren bis zu diesem Gästehaus am Rand von der Stadt. ANNIES hieß es, das mit den ganzen Schildern die Route 23 rauf und runter.

»Komm schon, Balls«, jammerte Dicky. »Vergessen wir’s.«

»Vergessen? Scheiße, Mann!« Tritt Balls’ Augen schielten fast, so durchgedreht war er. »Kein Kerl auf diesem Scheißplaneten geht so mit Tritt Balls Conner um, und vor allem kein Scheißpriester ...«

Dicky hielt ’n El Camino im Leerlauf direkt vor der Einfahrt. Er schluckte und fragte zögernd: »Und ... was willste jetz’ machen?«

»Ich leg diesen Scheißpriester um, Dicky-Boy, das mach’ ich«, erklärte Balls vom Beifahrersitz aus und seine Augen starrten die Auffahrt an wie ’n Schakal ’n großes fettes Huhn. »Und die blonde Fotze ...« Balls gab ’n Geräusch von sich, das wie ’n Kichern klang. »Die fick ich so hart in ihr Kackloch, dass mein Rohr aus ihrem Nabel rauskommt. Yessir. Ich reiß’ ihr das Loch auf ...«

Dicky schluckte wieder, Schweiß tropfte ihm runter. Ja, er kannte Balls ziemlich gut, das tat er, und er wusste, wie er durchdrehen konnte, wenn man ihn ärgerte. Wie er Balls kannte, konnt’ es gut sein, dass er direkt da ins Gästehaus reinrannte und alles umlegte und abmurkste und dann wurden sie bestimmt geschnappt und mussten ’n Rest von ihrem Leben im Bau verbringen. Balls war keiner, der groß nachdachte, wenn er so richtig auf Touren war.

»Bitte, Balls«, jammerte Dicky. »Wir könn’ da nich’ einfach reinlatschen und alle umlegen ...«

»Klar könn’ wir das, Dicky!«

»Aber der Pfaffe«, warnte er, »er hat uns vermöbelt und er vermöbelt uns bestimmt wieder.«

»Nee, bestimmt nich’, Dicky-Boy.« Noch ’n Kichern, noch so ’n Blick die Auffahrt rauf. Dann griff Balls unter ’n Sitz und –

Oh neeeeeeee, dachte Dicky.

– zog den dicken Webley-455er-Revolver von seinem alten, toten Daddy raus. Er fuchtelte damit rum, wog ihn in der Hand und grinste die ganze Zeit wie verrückt. »Er hat uns vielleicht einmal vermöbelt, Dicky. Aber er wird uns nich’ noch mal vermöbeln, das is’ mal klar.«

»Nich’ heute, Balls«, bettelte Dicky fast schon, seine Furcht war so zappelig wie ’n eingesperrtes Frettchen. »Bitte, nich’ heute.«

Und dann wanderte diese komische Unschärfe über Balls’ Gesicht und Augen. Die Krempe von seiner John-Deere-Kappe verdunkelte sein Gesicht. Er starrte die Auffahrt rauf, dahin, wo das Gästehaus war.

»Nee«, flüsterte er. »Nich’ heute, Mann. Wir warten auf ’n perfekten Zeitpunkt.« Er wandte den Kopf. Das bekloppte Grinsen war noch breiter geworden. »Und dann amüsiern wir uns so richtig ...«