VIERZEHN
(I)
»Ich könnt’ schreien!«, kreischte die Stimme.
Jerrica zuckte in der Sonne zusammen. Ja, das war wirklich der üble Teil der Stadt. Was mache ich hier nur? Ich muss verrückt sein.
Die Federal Street war ein Fluchtpunkt der Trostlosigkeit und des Abfalls; die Straße selber stank und Jerrica glaubte fast sehen zu können, wie der Gestank mit der heißen Luft aus dem Asphalt aufstieg. Dunkle Gesichter starrten sie unter den Vordächern der Reihenhäuser an. Jerrica hatte Angst.
»Mh-hm. Yeah.« Der Schwarze trat aus einer engen Seitenstraße, aus der der strenge Geruch nach Urin drang. Er war groß und schmächtig, aber mit einem Bizeps wie harte Tennisbälle und Schultern wie aus Marmor. Jeans, ein enges T-Shirt mit der Aufschrift NWA. Aber er trug einen völlig uncharakteristischen riesigen Afro, wie ein Relikt aus den 70ern. »Mh-hm«, wiederholte er. »Ich sag’, ich könnt’ schreien, denn ich hab’ noch nie so ’ne scharfe Weiße gesehn.«
»Hi«, sagte Jerrica dümmlich. Erst jetzt wurde ihr klar, wie bizarr das aussehen musste, wie aberwitzig: eine junge weiße Frau, in abgeschnittener Jeans und Top, die allein durch ein Getto spazierte.
»Ich seh’ schon, yo«, sagte er. Er blinzelte sie an, mit einem Lächeln schmal wie eine Messerklinge. »Ich kann sehn, was du brauchst.«
»Ja?«, fragte sie und versuchte, nicht ängstlich zu klingen.
»Ich seh’s an dein’ Augen, lass mich mal raten, was du brauchst: Ice, du willst Ice. Ich hab’ was, damit fliegst du zehn Stunden lang. Oder ’n bisschen erstklassiges Rock? ’n Zehner, ’n Zwanziger? Hab’ ich alles.«
Die Tatsache, dass er die Verzweiflung in ihren Augen sehen konnte, ließ sie innerlich noch mehr zusammenschrumpfen. »Ich will Blow«, sagte sie. »Ich habe 200 Dollar.«
Das Grinsen wurde breiter. Die großen Hände rieben sich aneinander wie schwarze Frettchen, die sich balgten. »Und Blow hab’ ich auch, jede Menge. Komm, Baby, lass uns in mein Büro gehn.«
Jerrica zitterte; seine Hand zeigte auf die Gasse. »Können wir es nicht gleich hier erledigen?«
»Spinnst du, Süße? Du willst mitten auf der Straße Drogen von mir kaufen? Scheiße, Mann.«
Da war etwas dran. »Okay«, stimmte sie zu und sie verließen die sonnenüberflutete Straße.
Was mach ich nur, was mach ich nur, was mach ... Der Gedanke wirbelte in ihrem Kopf herum. Sie hatte noch nie in einer solchen Gegend Drogen gekauft, aber ... sie wusste, dass es ihr egal war. Sie brauchte es. Die Dunkelheit der Gasse hüllte sie ein, brachte aber keine Erleichterung von der Hitze. Der Uringestank war wie ein Schlag ins Gesicht; sie musste durch den Mund atmen.
Eine Hand fuhr in seine Tasche. »Will erst deine Scheinchen sehn.«
Ohne zu zögern, gab sie ihm das Geld, und dann zog er die Hand aus der Tasche.
Oh Gott.
Plötzlich fühlte sie sich, als hätte sie kochend heißes Wasser getrunken: Eine brennende Angst blähte ihren Magen auf und breitete sich aus. Eine kleine Pistole lag in seiner Hand, nicht das Kokain, nach dem es sie verlangte. Die Erkenntnis traf sie so brutal wie der Uringestank. Er wird mich ausrauben, vergewaltigen, umbringen ...
»Bitte«, war das einzige Wort, das sie herausbrachte.
Das Messergrinsen blieb unbewegt. Seine Augen waren wie kleine weiße Lichter in dem dunklen Gesicht. »Wenn ’ne weiße Junkiefotze in meine Stadt kommt und Blow will, dann isses auch genau das, was sie dafür tun muss, kapiert? ’n Blowjob.«
»Ich flehe Sie an«, krächzte sie. Ihr Mund schien plötzlich völlig ausgetrocknet zu sein. »Bitte, nicht ...«
Ein Zucken der Waffe unterbrach sie. »Was bist du ’n für ’ne dämliche weiße Fotze? Ich bin der Mack Daddy hier auf der Straße. Das is’ mein Turf und du bist jetz’ meine Fotze. Ich reiß’ ’nem Nigger ’n Arsch auf, wenn er mich nur komisch ankuckt. Aber ’ne weiße Fotze? Scheiße, Mann. Runter auf deine weißen Knie und fang’ an zu lutschen.«
Er hatte ihn bereits herausgeholt. In den Schatten der Gasse hing er da wie eine dunkel glänzende Schlange. Zitternd kniete Jerrica sich hin, berührte ihn und hätte fast gewürgt. Jetzt kam ihr der Uringestank der Gasse wie Parfüm vor; der Penis des Mannes hatte seinen eigenen unverwechselbaren Gestank. Er musste ihn seit einer Woche oder länger nicht mehr gewaschen haben. Jerrica hätte sich am liebsten an Ort und Stelle übergeben.
Die Waffe stupste ihren Kopf an. »Dieses kleine Ding hier macht nich’ viel Krach.« Er spannte den Hahn. »Lutsch! Tredell braucht ’n guten Lutsch!«
Der Gestank war entsetzlich, aber der Geschmack war noch schlimmer; Schweiß und Dreck und altes, eingetrocknetes Sperma. Sie nahm in ihn den Mund; er fühlte sich fieberheiß an. »Mmmmmm, yo«, machte er. Durch die Nase zu atmen, verstärkte diesen widerlichen Horror nur noch mehr. Hatte sie jemals in ihrem Leben etwas so Ekelhaftes gerochen? Wahrscheinlich nicht. Aber darum ging es ja – um ihr Leben. Ihr Leben stand auf dem Spiel ...
Er wurde schnell steif, reflexartig; plötzlich war diese schlaffe Schlange zum Leben erwacht, in ihrem Mund fett geworden. Ihre Gefühle waren zwiespältig: Entsetzen und Entschlossenheit. Wenn ich auch nur die geringste Chance haben will, in einer Stunde noch am Leben zu sein, dann sollte ich diesem Typen wirklich gut einen blasen, sagte sie sich. Nicht gerade eine leichte Aufgabe, wenn man einen Pistolenlauf am Kopf hatte. Sie musste sich beherrschen, sich nicht zu übergeben, als sie die Eichel in den Mund nahm und daran saugte und lutschte. Er hatte eine große Vorhaut, stellte sie fest, und darunter klebten schmierige Brocken bitteren Smegmas. »’ne Menge Käse für dich, Honey«, kommentierte er kichernd. »Keine Sorge, so ’n bisschen Käse schadet dir nich’.« Sie lutschte alles ab, mit fest zusammengekniffenen Augen, und ließ die schmierige Paste in ihrem Mund sich auflösen. Nicht kotzen, Jerrica. Nicht kotzen. »Yeah, das is’ für ’ne weiße Nutte ’ne ordentliche Schwanzputzerei«, war dieser Tredell so freundlich zu bemerken. »Scheiße, verdammt, leg los und gib Gas!«
Jerrica fühlte sich, als müsste sie sterben. So würde ihre Hölle aussehen, nicht wahr? Bis in alle Ewigkeit das Smegma unter der Vorhaut dieses Dealers zu schlucken. Sein Schwanzgestank stieg in ihre gequälte Nase; dann befahl er: »Steck ’n Finger in mein Arschloch, Fotze. Mach’s mir so richtig!«
Sie zögerte nicht lange. Der Pistolenlauf beschrieb kleine Kreise in ihrem Haar. Sie befeuchtete ihren Mittelfinger mit etwas Speichel, dann grub sie den Finger in seine stinkende Spalte und führte ihn in seinen Anus ein.
»Yeah, Baby. Yeah ...«
Ihre politisch korrekte Journalistensprache ließ sie im Stich. Du verfickter dreckiger krimineller Scheißnigger. Ich wünschte, ich hätte den Mut, dir deinen stinkenden schwarzen Pimmel abzubeißen und mitten ins Gesicht zu spucken!
Nur eine Wunschvorstellung. Natürlich.
Er kam recht schnell, obwohl es Jerrica fast wie eine Stunde vorkam. Der Pistolenlauf harkte über ihren Kopf, als seine Hüften zuckten. »Saug es auf, Baby. Saug die ganze schöne Wichse auf ...«
Jerrica hatte dank ihrer langjährigen Erfahrung mit der männlichen Sexualanatomie schon vor Langem erkannt, dass alle Männer anders waren, wenn sie kamen. Manche spritzten ganz abrupt, andere schossen den Saft ihrer Lenden in langen, langen Fäden ab, während wieder andere nur tröpfelten. Tredell jedoch strömte aus – keine heißen Schüsse tief in ihren Rachen – er gab langsam eine gewaltige Ladung Sperma auf ihre Zunge ab, eine Portion nach der anderen. Als es vorbei war, hatte sie das Gefühl, den ganzen Mund voll geronnener Eiersuppe zu haben. Sie konnte es kaum erwarten, es auszuspucken, aber ...
»Schluck’s runter, Fotze. Weißte, Tredell mag den Gedanken, dass seine ganze gute Gangsta-Nigga-Wichse in deinem weißen Nuttenbauch steckt.«
Sie schloss die Augen. Tu’s einfach ... Und dann knackte es hörbar in ihrem Rachen, als sie das ganze Zeug schluckte, es herunterzwang wie schleimigen Schnodder. Nicht kotzen, flehte sie sich wieder an. Sie fiel gegen die Wand der Gasse, ihr Finger rutschte aus seinem Anus, ihre andere Hand landete achtlos in irgendeinem namenlosen Schleim. Links von ihr zwitscherte ein Schatten: eine Ratte. Es war ihr egal. So etwas wie ein langer, flüssiger Wurm richtete sich in ihrem Magen ein.
»Yeah, so ’ne brave kleine weiße Fotze.« Er trat vor und wischte seinen Schwanz an ihrem makellosen blonden Haar ab. »Tredell versteht zu leben«, sagte er. »Mann, ey.«
Es war vorbei, aber war es das wirklich? Was kam als Nächstes? Er könnte sie hier umbringen und niemand würde es je erfahren.
»Bitte«, stieß sie hervor. »Bitte töten Sie mich nicht!«
»Scheiße, Mann«, sagte er, wie er so vor ihr aufragte. »Ich leg’ dich doch nich’ um, Baby. Bist ’ne gute Kundin.« Sein unentwegtes Grinsen schien sich in die heiße Dunkelheit der Gasse hineinzubohren. Dann warf er ihr ein kleines Tütchen Kokain zu.
»Komm wieder, wenn du mehr brauchst, Baby. Frag’ nach Tredell.«
(II)
»Sie alle«, sagte Halford. Jetzt zündete er sich selbst eine Zigarette an, eine Seltenheit für den Monsignore. Ein Rauchfaden stieg auf. »Nonnen, Gott im Himmel. Ermordet.«
Alexander hatte gewusst, dass an der ganzen Sache etwas faul war – jetzt wusste er auch, was. »Warum haben Sie mir nichts davon gesagt?«
»Das war nicht nötig, Tom ...«
»Nicht nötig?«
»Nein.« Halfords Antwort war unverrückbar. »Sie sind wie ich, Tom, wie wir alle. Wir dienen der Kirche, wie die Kirche es für richtig hält. Wir stellen keine Fragen. Habe ich recht oder nicht?«
Alexander nickte. »Sie haben recht, gut. Aber ... Scheiße. Mord? Und was ist mit den Patienten?«
»Zu der Zeit befanden sich nur vier oder fünf Patienten in der Abtei, alles todkranke Priester, und auch sie wurden bestialisch ermordet.«
Alexander fragte nicht nach den Einzelheiten. Aber eine Sache musste er fragen. »Die Nonnen, die Schwestern. Gab es Hinweise auf sexuellen Missbrauch?«
»Sie wurden brutal vergewaltigt«, antwortete der Monsignore. »Sie alle. Aber da ist eine Sache ...«
»Was?«
»Zwei der Nonnen, die Äbtissin und ihre Schwester Oberin, ihre Namen waren Joyclyn und Grace ...«
Alexander runzelte die Stirn. Was interessieren mich ihre Namen? Halford hatte ein Talent dafür, eine Geschichte in die Länge zu ziehen. »Was ist mit ihnen?«
»Ich will, dass Sie wissen – verdammt, Tom – ich war jünger, als Sie es jetzt sind, als sich diese Geschichte abspielte, ich war noch lange nicht Monsignore, hatte gerade mal seit fünf Jahren das Priesterseminar beendet. Mit anderen Worten – ich war nicht selber in Wroxeter, aber ich war bei den Beratungen anwesend. Es war nicht schön. Und ich habe die Akten gelesen.«
»Und?«, bellte Alexander.
Halfords Augen wurden dunkel und sehr traurig. »Joyclyn, die Äbtissin, und Schwester Grace ...«
»Was, um Himmels willen? Hören Sie auf, mich auf die Folter zu spannen!«, rief Alexander.
»Sie lebten noch für eine kurze Weile«, gestand der Monsignore.
»Wie lange?«
»Oh, nur ein paar Stunden, nachdem man sie fand. Sie starben, bevor wir einen Krankenwagen dort oben hinbeordern konnten. Doch ein paar Stunden waren genug ...«
»Genug für was?«
»Um zu reden, Tom. Was ich sagen will, ist, dass sie lange genug lebten, um eine übereinstimmende Beschreibung des Täters abzugeben.«
Alexanders Stimme rasselte, als er verlangte: »Sagen Sie es mir.«
»Das war das Seltsamste – ich bezweifle, dass selbst ich es geglaubt hätte. Vergessen Sie nicht, es waren Klosternonnen, Epiphanistinnen, um Gottes willen, und sie waren gerade auf bestialische Weise überfallen und vergewaltigt worden.«
»Bob, wenn Sie mich weiter so hinhalten, werde ich Sie in den Arsch treten, dass Sie von hier bis zum Petersdom fliegen!«
Halford glaubte ihm. »Bevor sie starben, lieferten sie beide eine Beschreibung des Vergewaltigers.« Halford strich sich abwesend über die Wange. »Sie sagten, es war ein Kind.«
Alexanders Gesicht verzerrte sich. »Ein Kind? Hören Sie auf, Bob!«
»Das ist es, was sie sagten. Als der Psychologe der Diözese sie nach dem Alter fragte, sagten sie, er habe ausgesehen, als sei er zehn Jahre alt gewesen. Ein Kind, Tom. Ein Kind.«
»Sie erwarten von mir, dass ich glaube, ein Kind habe eine ganze Abtei voller Nonnen und Priester vergewaltigt und umgebracht?«
»Das ist noch nicht alles, was sie sagten. Aber, natürlich ... nach so einem Trauma. Ich bin sicher, dass sie Wahnvorstellungen hatten.« Dann tauchte eine Frage im Blick des Monsignore auf. »Können Wahnvorstellungen geteilt werden? Oder Halluzinationen? Können zwei Personen die gleiche Halluzination haben, Tom?«
»Ja, manchmal«, antwortete Alexander gereizt. Er wollte Antworten, keine fachlichen Fragen. »Aber es kommt selten vor. Man nennt es Folie à deux, es gibt genügend glaubwürdige Dokumentationen dazu. Massenhysterie, Kollektivhalluzinationen. Aber die spielen sich auf einer psychopathischen Ebene ab. Vielleicht waren sie da oben alle durchgedreht.«
»Unwahrscheinlich«, sagte Halford. Er schien an Alexander vorbei in die Ferne zu blicken, zurück zu dieser Katastrophe vor 20 Jahren. »Downing fuhr jeden Monat hinauf, um nach dem Rechten zu sehen.«
»Downing?«
»Er hatte damals Ihren Job, war der Seelenklempner der Diözese.« Halford zögerte. »Er war es, der die Leichen entdeckte.«
»Aber wenn er sie jeden Monat untersucht hat – ein Psychologe, wohlgemerkt –, dann hätte er sofort erkennen müssen, wenn eine der Nonnen Anzeichen von Psychopathie oder irgendeiner anderen ernsthaften psychischen Störung gezeigt hätte. Das schließt Ihre Theorie der gemeinschaftlichen Wahnvorstellungen aus.«
»Ja, ja«, murmelte Halford leise. »Scheint so.«
»Ich gebe auf!« Alexanders Blick war stechend wie ein Laserstrahl. »Ist das ein Spiel? Soll ich vielleicht raten? Wovon zur Hölle reden Sie eigentlich, Bob? Was war das für eine gottverdammte Wahnvorstellung?«
»Sie sagten nicht nur, dass es ein Kind war, Tom.« Halfords Blick schweifte ab. »Sie sagten, es war ein Monster-Kind ...«
(III)
»Was ist los mit Ihnen?«, fragte Alexander. »Sie zittern ja, Sie sind ganz zappelig.«
»Mir geht’s gut«, war Jerricas knappe Antwort.
»Gut, hm? Sie sehen aus, als hätten Sie Entzugserscheinungen. Ich sollte Sie vielleicht lieber ins Krankenhaus bringen.«
»Lassen Sie mich in Ruhe«, schnappte Jerrica. »Bringen Sie mich einfach zurück zu Annies Gästehaus.«
»Okay. Wenn Sie nicht darüber reden wollen – meinetwegen. Das ist Ihre Sache. Aber ich dachte, wir wollten uns darüber unterhalten ...?«
»Mir ist nicht nach Reden zumute«, sagte sie. Was sollte sie ihm sonst sagen? Ich habe für Kokain einem Drogendealer den Schwanz gelutscht? Ich habe sein Sperma geschluckt?
»Wie war Ihr Gespräch mit Ihrem Boss?«, fragte sie stattdessen.
»Sehr aufschlussreich. Aber es ist vertraulich, also fragen Sie bitte nicht weiter.«
Jerrica sackte in sich zusammen. Sie fühlte sich wie ein Stück Seil, das Faden für Faden aufgedröselt wurde. Ein Teil von ihr konnte nur daran denken, wie sehnlich sie sich wünschte, zurück im Gästehaus zu sein, um ihr Verlangen zu stillen. Ein anderer Teil von ihr erkannte, dass Pater Alexander selbst das Heilmittel war. Und noch ein anderer Teil erinnerte sie daran, wie sinnlos alles war.
Wenn es nicht das eine ist, dann ist es das andere ...
Sie war kurz davor, die Hände vors Gesicht zu schlagen und zu heulen. Ich liebe dich! Siehst du es denn nicht?
Aber was machte es schon für einen Unterschied? Er war Priester.
Sie fuhren schweigend zurück nach Luntville. Alles, woran sie noch denken konnte, war der ätzende Geschmack des Spermas in ihrem Mund und das Gefühl des kleinen Plastiktütchens in ihrer Hosentasche.
(IV)
Bighead konnt’s riechen, konnt’ er. Jetz’ wusst’ er, dass irnkwas passiern würd’. Die ganze Zeit, seit er ’n Unterwald verlassen hatte, hatte die Stimme ihn die ganze Nacht gerufen. Sie hatte ihn irnkwohin geführt, nich’?
Er blieb am Rand von ’n Bäumen stehn.
Konnte nich’ anders. Rubbelte sich gleich da, wo er war, ein’ ab und dachte an die ganzen hübschen Puppen, die er kaputt gefickt hatte. Heiße, nasse kleine Löcher, wo er sein’ Prügel reingesteckt hatte. Schade, dass er nie in ihn’ drin komm’ konnte. Die war’n alle viel zu klein! Aber er dachte trotzdem dran und pumpte sich ’ne fette Ladung Pimmelrotz raus, die mitten im Gestrüpp landete. Fühlte sich gut an, Mann. Echt gut!
Aber dann fing er wieder an zu denken. Dieser Ort ...
Den kannt’ er, echt!
Das war der Ort, wo die Stimme ihn hingeführt hatte, oder? ’n Ort, wo man Leute in die Erde buddelte. Überall kuckten Steine aus ’m Boden. Er wusste, was ’s war, Grandpap hatte’s ihm erzählt.
Das war ’n Friedhof, war das.