Vierzehntes Kapitel

 

Du willst die Gießerei überfallen?«, sagte Jeatar eine Stunde später in Onderaans Arbeitszimmer. Er war das einzige Mitglied des Untergrunds, das anwesend war. Bis Onderaan den Spion fand - oder sicher war, dass es keinen Spion gab -, war Jeatar der einzige seiner Leute, dem er mit Sicherheit trauen konnte. Das sagte wirklich etwas aus über die schwierige Situation, in der er sich befand. »Das war Nyas Idee, richtig?«

»Es war eine gemeinsame Entscheidung.«

Danello nickte langsam. Zweifellos wog er die Möglichkeiten ab, wie immer. Ein Überfall auf die Gießerei war ein gewaltiges Risiko, aber ich brauchte das Pynvium, um Tali zu retten.

»Ich mache mit«, sagte Aylin. Sie klang nicht so zuversichtlich wie sonst, und ich hatte den Verdacht, dass es nicht nur daran lag, dass es spät und sie müde war. Ich hatte eine Linie überschritten und war nicht sicher, ob es für die anderen nicht ein Schritt zu weit war. »Also, wie lautet der Plan?«

»Wir schleichen uns in die Gießerei, stehlen etwas Pynvium und verdrücken uns wieder, ehe sie merken, dass wir da waren«, sagte ich.

»Im Grund der gleiche Plan wie immer.«

»So ziemlich, ja.«

Jeatar stöhnte und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen. Ich schätze, er war auch müde. Onderaan blickte mich an. »Wir haben die Einzelheiten noch nicht ausgearbeitet. Wir sind uns nicht einmal einig, wann wir es versuchen wollen.«

»Wir müssen bei Sonnenaufgang gehen, gleich nach dem Schichtwechsel«, sagte ich.

»Diesen Sonnenaufgang?«, fragte Jeatar. »So in fünf Stunden ab jetzt?«

»Niemand erwartet jemals Ärger vor dem Frühstück«, erklärte ich. »Und sie rechnen bestimmt nicht damit, dass wir so kurz nach dem Einbruch bei der Gilde wieder zuschlagen.« Es gab noch einen anderen Grund, schnell zu handeln, aber den wollte ich nicht erwähnen.

Danello tat es. »Du kannst keinen weiteren Tag warten, richtig? Die geschifteten Schmerzen, meine ich.«

»Stimmt. Ab morgen werde ich langsamer und habe Schwierigkeiten zu denken, mich an euch zu erinnern.«

»Ja.« Er hatte geschiftete Schmerzen ertragen, um seinen Vater zu retten und hatte beinahe so viel gelitten wie Tali. Da er kein Schmerzlöser war, hatten sie ihm sehr viel stärker zugesetzt und beinahe ihn und seine Brüder getötet. Bis jetzt war ich imstande, die Schmerzen zwischen Eingeweiden und Herz zu halten, aber es tat dennoch sehr weh. Und es würde immer schlimmer werden.

Aylin wandte sich an Onderaan. »Wir wollen mehr über diese Gießerei hören.«

»Sie befindet sich hinter den inneren Mauern des Aristokratenviertels, in der Nähe des Hafens und der Zitadelle.« Er entfaltete einen Stadtplan. Ein Gitternetz und gerade Linien, alles sehr ordentlich. Mir waren Gevegs gewundene Straßen und sich schlängelnde Kanäle lieber. »Wir sind hier«, sagte er und zeigte auf einen Punkt unten auf dem Plan. »Die Gießerei ist hier.« Sein Finger bewegte sich nach oben, vorbei an den dick gezogenen, schwarzen Linien der inneren Mauer, zu einem Punkt beim Fluss. »Die Tore zu diesem Viertel werden streng kontrolliert. Ohne die ordnungsgemäßen Siegel ist es normalerweise unmöglich hineinzukommen, aber das Fiasko von heute Abend hat uns genau die Siegel beschert, die wir brauchen.«

»Von den toten Soldaten«, sagte Jeatar.

»Genau. Alle Soldaten haben Zugang zur Zitadelle. Wir verfügen daher über vier Siegel für das Osttor. Unglücklicherweise wechseln sie die wöchentlich aus, und ich habe keine Möglichkeit herauszufinden, wie lang unsere gültig sind.«

»Also könnte man uns am Tor aufhalten?«, fragte Danello.

»Durchaus möglich.«

»Hinter die Mauern nach drinnen zu kommen, ist der leichte Teil«, meinte ich. Onderaan hatte die Probleme mit der Gießerei bis in alle Einzelheiten geschildert, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass ich einsehen möge, dass jeder Versuch sinnlos sei. Da dort aber unsere einzige Quelle für Pynvium war, mussten wir einen Weg hinein finden. »Die Gießerei hat eigene Mauern, mit Wachen am Eingang und einer Patrouille des Geländes.«

»Funktionieren die Siegel auch bei der Gießerei?«, fragte Danello.

»Nein.«

Aylin runzelte die Stirn. »Und wie kommen wir dann rein?«

Jeatar stöhnte und Onderaan nickte langsam. »Darüber streiten wir uns seit einer Stunde.«

»Zumindest können wir es uns ansehen«, sagte ich. »Ich wette, uns fällt irgendein guter Vorwand ein hineinzugehen.«

»Das bezweifle ich.«

Wahrscheinlich hatte er recht, aber ein bisschen Optimismus hat noch nie geschadet. »Wir wissen nicht, welche Optionen wir haben, bis wir alles gesehen haben.«

»Na gut«, sagte Danello. »Wann brechen wir auf?«

»Zum Schichtwechsel am Morgen. Gleich nach Sonnenaufgang.« Ich lächelte Onderaan an. »Richtig?«

Er seufzte. »Wenn ihr wirklich nur alles ansehen wollt, dann eben Sonnenaufgang.«

»Ehe wir das tun«, meinte Aylin, »müssen wir noch ein paar Sachen erledigen.« Sie schaute Danello an. »He, Onderaan. Du hast nicht zufällig schwarze Haarfarbe, oder?«

 

Diesmal passte die Uniform viel besser. Onderaan hatte zwei von Neeme für Aylin und mich ändern lassen. Sie hatte schwören müssen, niemandem davon zu erzählen. Ihre neugierigen Blicke verrieten, dass sie sich fragte, was wir im Schilde führten. Onderaan hielt unsere Erkundungsmission fürs erste geheim, aber man konnte nur bis zu einem gewissen Grad etwas unter Verschluss halten, wenn fünfzig Menschen ständig in derselben Villa ein- und ausgingen.

»Was tun sie?«, fragte Siekte, als wir aufbrachen.

»Erkundung«, antwortete Onderaan.

»Wirklich? Sie kennen die Stadt doch gar nicht.«

»Jeatar schon.«

Siekte war eindeutig nicht glücklich, dass sie ausgeschlossen war. Ihre Freunde ebenfalls nicht. Diese Menschen waren keine Soldaten, aber ich vermutete, dass der eine oder andere einmal entsprechende Erfahrungen gesammelt hatte. Sie hatten für sich eine Art Befehlsstruktur errichtet, aber ich war nicht sicher, wer wem folgte. Da aber die Menschen Siekte den Vortritt ließen, musste sie einer der Anführer der Gruppe sein. Sie stand nicht auf derselben Stufe wie Jeatar oder Onderaan, aber sie hatte genug Unterstützung, um zu einem Problem zu werden, wenn sie wollte.

»Was ist mit meiner Mannschaft? Wir sind ausgebildete Späher.«

»Die seit Wochen Tag und Nacht arbeiten. Ich habe angenommen, ihr würdet über eine Ruhepause froh sein.« Onderaan sprach ganz ruhig, aber in seiner Stimme war eine gewisse Schärfe. »Ich treibe sie zu sehr an. Das hast du doch neulich gesagt, oder?«

In ihrer Wange zuckte es. »Selbstverständlich, danke. Ich bin sicher, sie werden die Freizeit zu schätzen wissen.«

»Da bin ich ganz sicher.«

Ich gürtete das Schwert um und bemühte mich, nicht zu lächeln. Ich sollte wirklich versuchen, nett zu ihr zu sein, aber nicht einmal der heilige Gedu hätte genug Geduld für Siekte aufgebracht.

»Alle bereit?«, fragte Danello. Er sah gut aus in der Uniform. Mit seinem frisch gefärbten schwarzen Haar fiel er viel weniger auf als mit dem blonden Schopf.

»Dann gehen wir.«

Wir verließen die Villa, als das Sonnenlicht gerade über Baseer aufging. Die Ausgangssperre endete bei Tagesanbruch, aber die Straßen waren bereits sehr belebt. Niemand würdigte uns eines zweiten Blickes, als wir zum Osttor marschierten. Mehrmals musste Jeatar seine Rolle ausspielen, damit Leute uns den Weg freigaben, damit wir weitergehen konnten.

»Wie fühlst du dich?«, fragte mich Danello.

»Mir geht's gut.«

»Nya, ich kann dir nicht helfen, wenn du mich anlügst.«

Ich blieb einen Schritt zurück und ließ Jeatar und Aylin vor uns gehen. »Mir tut die Brust weh, und das Atmen fällt mir schwer, aber eine Weile geht es noch.«

»Was machst du, wenn wir kein Pynvium bekommen können?«

»Keine Ahnung.« Zum Glück war ihm noch nicht eingefallen, dass Pynvium nicht das einzige Problem war. Selbst wenn ich welches bekam, hatte ich keinen Heiler, um es einzusetzen. Es bestand die Möglichkeit, dass Onderaan oder Jeatar jemanden kannten, aber ich brauchte Tali ebenso sehr wie sie mich.

Und wenn ich weder sie noch einen anderen Heiler fand?

Dann musste ich eine Entscheidung fällen, die ich wirklich nicht fällen wollte.

»Da ist die innere Mauer«, sagte Jeatar. Sie sah ebenso massiv aus wie die Stadtmauer, nur kleiner, ungefähr zwanzig Fuß hoch. Ein Eingangstor, halb so hoch, teilte sie in der Mitte. Es hatte Gitterstäbe so dick wie mein Arm.

Soldatinnen und Soldaten in Uniformen, die ihnen besser passten als unsere, überprüften die Siegel am Tor. Sie sahen nicht jung oder gelangweilt aus, wie so viele Soldaten, die ich zu Hause gesehen hatte. Diese Männer und Frauen wirkten gefährlich, fast als hofften sie, jemand habe nicht das richtige Siegel, um den Tag mit einem Kampf zu beginnen.

»Nächster«, rief die Soldatin. Hinter ihr standen zwei weitere, mit langen Speeren bewaffnet.

»Entspannt euch«, sagte ich und zog mein Siegel aus der Tasche. »Echte Soldaten tun das jeden Tag.«

Die Siegel waren aus Holz, ungefähr so groß wie meine Handfläche und mit dem Fischadler des Herzogs sowie offiziellen Bezeichnungen gestempelt. Unten am Rand waren unterschiedlich tiefe Markierungen, einige mit Farbe, einige ohne.

Bitte, heilige Saea, lass es für eine Woche genug sein!

Wir kamen zum Anfang der Schlange. Die Soldatin prüfte Jeatars Siegel. Sie drehte es in der Hand und fuhr mit den Fingern über die farbigen Markierungen am unteren Rand. »Ihr vier gehört zusammen?«, fragte sie Jeatar.

»Ja.«

Ihr Blick überflog Danello und blieb auf mir haften. »Ist sie nicht ein bisschen jung für eine Soldatin?«

Herzrasen. Ich räusperte mich. »Bist du nicht ein bisschen neugierig für eine Wache?«

Jeatar schlug mich mit der flachen Hand ins Gesicht. »Das heißt, noch einen Tag Töpfe schrubben«, sagte er mit harter Stimme. »Lern lieber, die Klappe zu halten, sonst verbringst du deine gesamte Dienstzeit in den Küchen.«

Die Soldatin betrachtete ihn mit geschürzten Lippen.

»Neue Rekruten«, sagte Danello und lachte. »Diese Frischlinge werden jeden Tag jünger,

was?«

Die Soldatin lachte und strich ihm mit den Fingern übers Kinn. »Das sagt der Junge mit dem Babyflaum auf dem Kinn.«

Danello lief hochrot an, und die Soldatinnen mit den Speeren stimmten in das Gelächter ein.

Ich schmollte, wie erwartet, und sie lachten noch lauter. Die Soldatin öffnete das Tor, und wir gingen hindurch.

»Was hast du dir gedacht, so eine große Klappe zu riskieren?«, fragte Jeatar, sobald wir außer Hörweite waren.

»Dass jemand, der so jung aussieht wie ich, in diesem Punkt empfindlich ist.«

Er machte den Mund auf und schloss ihn wieder. »Eigentlich gerissen.«

»Du musst nicht so überrascht klingen.«

Aylin kicherte.

»Wo geht es zur Gießerei?«, fragte ich.

»Hier entlang.«

Das Viertel der Aristokraten war weitaus schöner als die Terrassen in Geveg. Elegante Villen standen auf Hügeln, umgeben von üppigem Gras und blühenden Bäumen. Ein süßer Duft lag in der Luft und Blütenblätter schwebten im Wind. Hier waren die Häuser nicht eng zusammengequetscht; selbst die Läden und Kaffeehäuser nannten ausreichenden Zwischenraum ihr eigen, für gewöhnlich in Gestalt eines kleinen Gartens oder Patios.

»Sind das Soldaten?«, fragte Danello, als Männer in roten und goldenen Uniformen sich uns näherten.

»Nein, Diener«, antwortete Jeatar.

»In Uniformen?«

»Die meisten Haushalte haben ihre eigenen Farben und Embleme.«

»Wofür?« Er schaute genauso verblüfft drein wie ich. Aber es konnte eine weitere Möglichkeit darstellen, sich in die Stadt zu schleichen. Auf Diener achtete man wahrscheinlich nicht mehr als auf Soldaten.

»Status«, erklärte Jeatar. »Die Ladenbesitzer wissen aufgrund der Farben, für welches Haus der Diener einkauft, und das bestimmt, wer die beste Ware bekommt.«

Danello schüttelte nur den Kopf.

Die gepflegten Gärten wichen hohen Hecken. Dann kamen weniger elegante Läden und schlichtere Stadthäuser. Noch einige Blocks weiter folgten hohe Lagerhäuser und Schenken, dann der Militärdistrikt. Die Zitadelle erhob sich wie ein Fels, selbst aus der Ferne Furcht erregend.

»Und hier sind wir«, erklärte Jeatar. »Hat jemand Durst?«

Ich blickte ihn ungläubig an, bis ich die Schenke gegenüber der Gießerei sah. Wir konnten sitzen und beobachten, ohne dass wir auffielen. Selbstverständlich waren die meisten Tische von Soldaten besetzt.

»Bist du dir ganz sicher?«, fragte ich Jeatar.

»Du hast gesagt, du willst die Gießerei auskundschaften.« Er ging die Stufen zum Patio hinauf und setzte sich an einen Tisch. Ein paar Leute schauten zu ihm herüber, aber die meisten ignorierten ihn.

»Ich frage mich, ob sie Frühstück servieren«, sagte Aylin, als wir uns alle zu ihm gesetzt hatten.

Die Gießerei war genauso, wie Onderaan sie beschrieben hatte. Eine zehn Fuß hohe Mauer umschloss das Gelände, zwei Soldaten standen am vorderen Tor. Schweres Holz, keine Gitterstäbe. Man konnte nicht hineinschauen. Hohe Kamine und niedrige, spitze Dächer ragten auf der linken Seite über die Mauer, und rechts stand ein viereckiges, dreigeschossiges Gebäude. Dunkler Rauch stieg aus den Kaminen auf, aber der Wind vom Fluss blies ihn von der Stadt fort anstatt hinein. Zuweilen erscholl ein Rauschen von den Schmelzöfen, welches das rhythmische Klappern der Schmiedehämmer übertönte. Im Garten darum standen mehrere große Bäume, aber sie waren zu weit von der Mauer entfernt, als dass man sie benutzen konnte, um hineinzukommen.

»Schon bereit aufzugeben?«, fragte Jeatar.

»So schnell nicht.« Obwohl es schwieriger war hineinzukommen, als ich gedacht hatte. »Wie lang können wir hier sitzen, ohne Verdacht zu erregen?«

»Solange wir bestellen. Viele Soldaten verbringen ihre dienstfreien Stunden hier.«

»Dann hoffe ich, dass das Essen gut ist. Wir sind vielleicht eine ganze Weile hier.«

 

Zur Mittagszeit war es klar, dass einfach hineinzumarschieren keine Option war. Die Wachen am Tor überprüften jeden, und diese Siegel zu bekommen - falls sie Siegel benutzten - würde nicht leicht sein. Keinerlei Vorratswagen waren bis jetzt eingelassen worden; demnach würde diese Möglichkeit auch nicht funktionieren.

Ich rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her. Die geschifteten Schmerzen fraßen mich innerlich auf. Am Morgen war es nicht allzu schlimm gewesen, aber jede Stunde brachte einen neuen Schmerz, einen neuen Stich.

»Erkunden wir doch das Gelände etwas mehr«, sagte ich und stand auf. Ich bemühte mich, nicht zusammenzuzucken, aber Danellos Gesicht verdüsterte sich und er stand ebenfalls auf.

»Ich geh mit dir. Ich kann ein bisschen Abwechslung gebrauchen.«

Jeatar nickte. »Seid vorsichtig und tut nichts Unüberlegtes, ja?«

»Nie im Leben.«

Er griff nach seinem Getränk. »Stimmt.«

Danello und ich gingen los.

Außer der Schenke gab es Kürschner, Gerber und Glasbläser. In Geveg arbeiteten Tagelöhner überall, wo es Arbeit gab, daher bestand die Chance, dass einer der Männer hier früher in der Gießerei gearbeitet hatte und vielleicht wusste, wie man hineinkam. Ich hatte früher Papa in seiner Gießerei geholfen. Vielleicht konnte ich mich hier als Hilfsarbeiter ausgeben.

Ich hörte mehrere Leute über den Einbruch bei der Gilde sprechen, deshalb taten wir so, als suchten wir alle Verdächtigen, die womöglich in der Nähe der Gießerei gesehen wurden, um sie zu verhören. Niemand wusste Genaues über den Lieferplan oder hatte etwas Ungewöhnliches gesehen. Nur eine Sandträgerin beim Glasbläser sagte, eine Kutsche fahre fast jede Nacht hinein und wieder hinaus.

»Um welche Zeit?«

»Spät. Nach Mitternacht«, sagte sie und sah sich misstrauisch im Laden um. »Ich weiß, dass ich so spät nicht hier sein darf, aber ich habe vor einigen Wochen mein Zimmer verloren, und der Vorarbeiter hat gesagt, es sei in Ordnung, wenn ich hier schlafe, bis ich ein anderes finde.«

»Das ist schon in Ordnung. Das interessiert uns nicht.«

Sie sah erleichtert aus. »Danke. Ich hoffe, ihr fangt die Diebe.«

Wir gingen weiter, aber jede Seite der Gießerei sah so befestigt aus wie die Vorderfront.

»Glaubst du, dass er tatsächlich Pynviumrüstungen da drinnen herstellt?«, fragte Danello.

Ich nickte. »Auch Waffen, wette ich. Zu diesem Zweck vielleicht die Kutsche. Sie holt Waffen ab, um sie im Palast abzuliefern. Wem würde auf diesen eleganten Straßen eine Kutsche auffallen? Wahrscheinlich hat jeder eine.« Wir hatten bereits am Morgen viele gesehen, und sie waren unterschiedlich bunt bemalt gewesen, wie die Uniformen der Diener.

»Ich frage mich, was das ist.« Ich deutete auf eine hohe Steinbrücke, die direkt über den hinteren Teil der Gießerei verlief. Auf Bogensäulen ragte sie über die Stadt empor. Es sah so aus, als beginne sie außerhalb der Hauptmauer und verliefe die gesamte Strecke bis zum Hafen.

»Ich glaube, das ist ein Aquädukt.«

»Wir müssen herausfinden, wohin er führt.« Wenn er in den weniger bewachten Vierteln seinen Anfang nahm, könnte es uns gelingen, hinaufzuklettern und auf ihm bis in die Gießerei zu gelangen.

»Vielleicht weiß Jeatar Bescheid.«

»Komm, gehen wir zurück.«

Die Bedienungen tischten gerade die Teller mit dem Mittagessen auf, als wir in der Schenke ankamen.

»Wo fängt der Aquädukt an?«, fragte ich.

Jeatar runzelte die Stirn, als wolle er herausfinden, warum ich das wissen wollte. »Beim See ...«

»Nya!«, unterbrach ihn Danello und schaute zur Seite. »Vyand ist gerade aus der Gießerei gekommen. Sie geht in unsere Richtung.«