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SIE SCHWEIGEN UND betrachten das Bild aus dem Aufenthaltsraum. Jurek Walter geht mit regelmäßigen Schritten auf dem Laufband, und Bernie Larsson rutscht auf der Couch langsam immer tiefer. Sein Hemd rutscht hoch, und sein dicker Bauch bewegt sich im Takt der Atemzüge. Sein Gesicht ist verschwitzt, sein Bein wippt gestresst auf und ab, und er redet zur Decke gewandt.
»Was macht er denn da?«, fragt My und sieht die anderen an. »Was sagt er die ganze Zeit?«
»Keine Ahnung«, murmelt Anders Rönn.
Das einzige Geräusch in der Überwachungszentrale ist das Klackern einer chinesischen Goldkatze, die mit der Pfote winkt.
Anders kehrt in Gedanken zu Bernie Larssons Krankenblatt zurück. Vor einundzwanzig Jahren wurde er wegen einer Serie bestialischer Vergewaltigungen zu einer Haftstrafe mit anschließender gerichtspsychiatrischer Sicherheitsverwahrung verurteilt.
Nun sitzt er halb liegend auf der Couch und schreit etwas zur Decke gewandt. Speichel spritzt aus seinem Mund. Er macht aggressive, schlagende Gesten mit den Händen und wirft das Sitzpolster neben sich auf den Boden.
Jurek Walter tut, was er immer schon getan hat. Mit langen Schritten geht er zehn Kilometer auf dem Laufband, schaltet es ab, steigt herunter und begibt sich in sein Zimmer.
Bernie Larsson ruft ihm etwas hinterher. Jurek Walter bleibt in der Tür stehen und dreht sich noch einmal zum Aufenthaltsraum um.
»Was passiert jetzt?«, fragt Anders gestresst.
Sven greift rasch zu seinem Funkgerät, ruft zwei Kollegen und eilt aus dem Raum. Anders lehnt sich vor und sieht Sven auf einem der Bildschirme auftauchen. Er geht in den Flur, spricht mit den anderen Wärtern, bleibt vor der Schleuse stehen und wartet ab, wie sich die Situation entwickelt.
Es passiert nichts.
Jurek Walter steht noch in der Tür, auf der Schwelle zwischen den Räumen, genau dort, wo sein Gesicht im Schatten liegt. Er bewegt sich nicht, aber Anders und My sehen, dass er spricht. Bernie sitzt auf der Couch, hört zu und schließt die Augen. Nach einer Weile beginnt seine Unterlippe zu zittern. Das Ganze dauert kaum mehr als eine Minute, bis Jurek Walter sich umdreht und in seinem Zimmer verschwindet.
»Ab in den Tischlerschuppen mit dir«, murmelt My.
Auf dem zweiten Monitor sieht man nun Jurek Walter, der von einer Kamera in der Zimmerdecke gefilmt wird. Ruhig betritt er sein Zimmer, setzt sich auf den Plastikstuhl direkt unter der Kamera und starrt die Wand an.
Kurz darauf steht Bernie Larsson von der Couch im Aufenthaltsraum auf und streicht sich mehrmals über den Mund, ehe er in sein Zimmer schlurft.
Auf dem zweiten Monitor sieht man daraufhin, dass Bernie Larsson zum Waschbecken geht, sich darüber beugt und das Gesicht wäscht. Er steht still, während ihm Wasser über die Wangen läuft, kehrt dann zu der Tür zum Aufenthaltsraum zurück, legt den Daumen auf die Innenseite des Türpfostens und schlägt die Tür mit voller Wucht zu. Die Tür prallt zurück, und Bernie Larsson fällt auf die Knie und schreit.