Kapitel 40

München

Kreiler beobachtete, wie Annas Brust sich hob und senkte. Noch immer lag sie in tiefer Trance auf seinem Bett im Schlafzimmer. Sie war komplett weggetreten und hatte auf seine Berührungen nicht reagiert. Irgendetwas sagte ihm, dass sie sich gegen ihn auflehnte.

„Ich habe den Mann getötet. In der Badewanne. Du hast mich durch deine Träume wissen lassen, dass du es genau so haben wolltest, Anna. Erinnerst du dich? Du hast es in Italien geträumt. Und ich wollte, dass du dich an dem Abend ordentlich mit Blut vollschmierst. Ich dachte, es sei Max, dabei war es dieser Rommel, der Max’ Sachen anhatte. Im Dunkeln konnte ich das nicht erkennen.“

Anna stöhnte.

„Immerhin hast du um dein Leben gekämpft, weißt du noch?“

Sie vollführte eine Bewegung, als zündete sie sich eine Zigarette an.

„Was machst du denn da?“, fragte Kreiler irritiert.

„Ich rauche eine Zigarette“, sagte sie.

„Anna raucht nicht.“

„Tut sie nicht?“

Du Vollidiot. Du verlierst die Kontrolle.

Er musste die Dosis des Rohypnol erhöhen. Anna durfte nicht noch einmal aufwachen, ihre Gesichtszüge mussten völlig entspannt sein. Nur dann sah sie Katharina ähnlich, und nur wenn sie entspannt war, konnte er sich an ihr sattsehen und sie berühren.

Er legte eine Wolldecke über sie und streichelte sie sanft und zärtlich unter der Decke.

„Du bist bei mir in Sicherheit. Du bist Katharina, die Schöne, die Glückliche, die Erhabene. Du bist mein Mädchen.“

Bist du dir da sicher?, fragte Bobby, und es klang gehässig.

Halt’s Maul, Bobby!

***

In ihrem Traum zog sich der Abend in ein gewaltiges Schweigen zurück, als sie Jakob erblickte. Das diffuse Licht des Mondes, der durch das kleine Fenster fiel, tauchte den Kellerraum in dunkelgraue Schatten. Jakobs schwach beleuchtetes Gesicht war in ihrer Erinnerung lediglich ein verschwommenes Profil, in dem die Augen spukhaft in den Höhlen lagen.

Sie lag auf dem Boden und konnte nur schemenhaft erkennen, wie er eine Lampe einschaltete. Eine lange Kette baumelte an einem Haken.

Er sagte, dass sie eine weitere Lektion zu erlernen, einen weiteren Schritt auf ihrer gemeinsamen Reise zu gehen hätte. Er verstellte die Kette und kürzte sie, dann befestigte er einen Panikverschluss daran und hängte eine Ledervorrichtung an den Haken. Oben befand sich eine Metallstange, an der zwei breite schwarze Lederstreifen an mehreren Klammern hingen.

Ihr von Drogen umnebeltes Gehirn gaukelte ihr mittlerweile leuchtende Farben vor: Sonnengelb, Azurblau, Smaragdgrün, doch vor allem Tizianrot.

„Die anderen waren hierfür nicht zu haben“, hörte sie ihn sagen, „im Gegensatz zu dir.“

Er warf ihr einen flackernden Blick zu. Im Raum wurde es plötzlich still. Jakob knöpfte sich langsam das Hemd auf, zog es aus und warf es auf den Boden. Seine Härte presste sich gegen den Stoff seiner Jeans. Dann kam er zu ihr, öffnete ihre Bluse und zog sie aus.

„Ich kann mit dir machen, was ich will“, hauchte er ihr ins Ohr. „Ich habe es schon lange gewusst: Im Grunde hast du nur auf mich gewartet.“

Er kniete nieder, schob ihren Slip herunter und streifte ihn ab. Sie trug jetzt nur noch die Goldkette um ihren Knöchel, ein Geschenk vom Stamm der Jivaros, hatte er gesagt.

Er küsste die Innenseite ihrer Oberschenkel, und dann spürte sie einen scharfen Schmerz, als er zubiss. Sie zuckte zusammen, doch er hielt sie an der Taille fest und biss noch stärker. Es durchschauerte sie vor Erregung und Schmerz. Er erhob sich, griff in die Jeanstasche, zog eine Spritze mit einer langen Nadel heraus und injizierte ihr eine goldgelbe Flüssigkeit.

„Reiß dich zusammen“, sagte er und schlug ihr ins Gesicht.

Bevor sie das Bewusstsein verlor, schmeckte sie Blut.

Als sie aufwachte, schwebte sie. Er hatte ihre Beine bis zum Unterleib durch an Tragriemen hängende Lederschlaufen geschoben. Es war, als würde sie auf einer Schaukel sitzen, während ihre Oberschenkel von den breiten Lederstreifen gespreizt wurden. Ihr Herz schlug schneller, und sie spürte das Rauschen.

„Hast du Angst?“, fragte er erregt.

Sie nickte.

„Stört dich das Unbekannte? Gestern hat es dir doch gefallen. Wir haben eine Vereinbarung“, flüsterte er. „Du gehörst mir.“

Er streifte Jeans und Schuhe ab. Jetzt stand er nackt vor ihr. Sie wollte ihn berühren, doch sie konnte sich kaum bewegen und saugte mit den Augen seinen ausgeprägt männlichen Anblick ein, seinen gebräunten, schlanken Körper und das Selbstbewusstsein, das er ausstrahlte.

Sie versuchte, nicht an die Schwärze zu denken, an die seltsamen Zeichen an der Kellerwand, an die Glasbehälter mit den formlosen Monstern darin.

Er streckte die Hände aus und massierte ihre Brüste, bis die Warzen hart waren, dann beugte er sich herab und nahm eine in den Mund. Sie reagierte sofort. Er hatte etwas an sich, dem sie nicht widerstehen konnte, etwas ganz und gar Körperliches. Er saugte mit bestimmender Männlichkeit an ihrer Brust, und es schmerzte nicht mehr.

Sie hob ein Bein, wollte genommen werden, doch er legte ihr die Hand auf die Hüfte und hielt sie zurück. Sein Mund gab ihre Brust frei.

„Jetzt nicht“, sagte er.

Er streifte den Büstenhalter über ihre Arme, so dass die Brüste offen herausstanden, und befestigte ihn und die Lederriemen hinter ihrem Rücken.

Sie fühlte seine Brust, seinen Bauch, seine Härte und schlang beide Arme um seine Taille.

Er legte Handschellen um ihre Gelenke, drehte ihr die Arme auf den Rücken und befestigte die Handschellen an den Riemenklammern.

Sie kippte nach vorn. „Jakob?“, flüsterte sie.

Sie spürte, wie sie in die Höhe stieg und ihre Füße den Bodenkontakt verloren. Dann schaute sie nach unten und hatte das schwindelerregende Gefühl, auf den weit unter ihr liegenden Backsteinboden zu fallen.

Sie atmete tief durch und lächelte. Die Streifen um ihre Beine waren breit und gaben ihr einen bequemen Halt. So in der Luft zu hängen, Brust und Gesicht nach unten, fühlte sich an, wie auf einem endlosen schwarzen Ozean zu treiben.

Sie fühlte seine Lippen an ihrem Hals, seinen warmen Atem. Langsam glitten seine Hände über ihren Körper, über die Brüste, hinunter zu ihrem Bauch und zwischen die Beine.

Die Dunkelheit beschwor jetzt keine beängstigenden Bilder mehr herauf, sondern verschaffte ihr viel reinere Gefühle. Sie spürte die Beschaffenheit seiner Handflächen, seiner Fingerspitzen, eine rauhe Oberfläche hier, eine glatte dort; sie war sich jeder einzelnen Vertiefung und Linie bewusst, obwohl sie wusste, dass das unmöglich war.

„Du bist nass“, sagte er. „Das Unbekannte ängstigt dich – aber es macht dich auch an.“

Sie nickte erregt.

Jakob schob einen Finger in sie hinein, und dann noch einen zweiten. Dann spürte sie etwas auf ihrer linken Brust, das er am Büstenhalter befestigte und über ihre Brust schob. Das Gleiche machte er auf der rechten Seite.

„Ich will deine Milch“, sagte er gepresst.

„Milch?“, flüsterte sie.

„Ich will deine Unterwerfung – du hast mir nur einen Teil davon gewährt. Aber ich will mehr!“

„Meine Milch?“

„Ich habe den Anblick einer Mutter, die ihr Kind nährt, schon immer extrem erotisch gefunden. Ich möchte, dass du mir das gibst. Ich möchte, dass deine Brüste voller Milch sind.“ Er hielt inne. „Ich möchte kein Kind, sondern nur die Milch. Ich möchte nur sehen, wie du gemolken wirst. Ich bin Arzt. Manchmal reicht eine Brustpumpe aus, um die Milchproduktion anzuregen. Bei dir wird es ausreichen. Es wird ein paar Wochen dauern, bis die Milch zu fließen anfängt. Ich werde die Pumpe alle zwei Stunden für zehn bis fünfzehn Minuten anlegen. Du wirst sehen. Es wird dich erregen.“ Er grinste. „Ich habe das schon einmal bei deiner Mutter gesehen. Sie hat die Pumpe gewissenhaft benutzt. Wenn sie wusste, dass sie länger als zwei Stunden fort sein würde, hat sie sie mitgenommen. Einmal hat sie sie in meiner Praxis fünfzehn Minuten angelegt. Ich habe sie heimlich beobachtet und dabei masturbiert. Genauso will ich es bei dir sehen. Und ich will deine Milch trinken.“

Sie hörte, dass er die Milchpumpe anstellte. Das Vakuum zog an ihrer Haut, zerrte und riss an ihren Brüsten und an ihren Brustwarzen. Es war unangenehm, ein seltsames Gefühl, doch es tat nicht weh.

„Du wirst es wieder tun“, sagte er; und dann spürte sie seinen Mund auf ihrem, seine Zunge in ihrem Mund und seine Finger wieder zwischen ihren Beinen. Sie streichelten und rieben, während das Pumpen an ihren Brüsten weiterging und das Vakuum ein schweres, ziehendes Druckgefühl erzeugte, das sich langsam sinnlich anzufühlen begann.

„Du wirst es tun“, sagte er, und seine Worte vermischten sich mit einem feuchten, fordernden Kuss. Seine Zunge fuhr über ihre Lippen. Sie küsste ihn zurück und wollte, dass er sie nahm. Ja, das war es, was sie wollte. Nicht seine Liebe, sondern nur seine Männlichkeit in sich spüren. Sie verstand jetzt völlig, wie sie sich ihm unterwerfen müsste, wie ihre eigene Lust sich erst mit seiner vermischte, bis sein Verlangen ihr eigenes schließlich verdrängte.

Plötzlich spürte sie, dass sich die Geschwindigkeit der Pumpe erhöhte. Auch das Saugen verstärkte sich und zerrte stärker an ihren Brüsten. Seine Finger bewegten sich noch immer in ihr.

„Am Anfang hat es deiner Mutter ziemlich weh getan“, sagte er heiser. „Ihre Warzen waren ständig wund und empfindlich. Doch nach ein paar Wochen haben sie sich wieder gekräftigt. Sie sahen nicht anders aus als vorher, hatten sich auch nicht verhärtet, doch das Saugen hat ihr nicht mehr weh getan. Ganz im Gegenteil sogar. Sie sagte, dass es eine Erleichterung für sie wäre, wenn sie gemolken würde. Ihre Brüste wurden so voll, dass sie spannten und sie die Milch loswerden musste, damit sie nicht weh taten. Sie waren so prall und liefen manchmal auch aus. Ein herrlicher Anblick.“

Sein heißer Atem befächelte sie noch immer. Er ließ die Zunge über ihren Hals gleiten und steigerte dann das Saugen noch mehr.

„Es war unglaublich geil“, sagte er. „Schon als Kind hat es mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, an den Warzen meiner Mutter herumzuspielen, wenn sie schlief. Manchmal habe ich an ihnen gesaugt, wenn sie ihren Alkoholrausch ausschlief. Und das alles steckt auch in dir. Du bist ein Luder wie meine Mutter, nicht das sanfte Mädchen, und ich werde aus dir eine richtige Hure machen, die mich anfleht, meinen Schwanz lecken zu dürfen.“

Sie hörte seine Worte, ihr Atem stockte, und doch genoss sie im Drogennebel jedes Wort und jede Berührung.

„Ich habe gesehen, wie deine Mutter dich mit ihren Brüsten ernährte. Manchmal hat dein Vater sie auch zum Spülbecken gebracht, sie sich ein wenig vorbeugen lassen und ihr befohlen, sich selbst mit den Fingern zu melken, um zu sehen, wie die Milch herausspritzte. Sie ist über das ganze Spülbecken und in alle Richtungen gespritzt. Ich will, dass deine Milch genauso fließt. Ich möchte das Kind an deiner Brust sein“, sagte er heiser, legte ihr die Hand auf den Bauch, an die Taille und ließ sie über ihren Hintern gleiten. „Du wirst es tun, nicht wahr?“, fragte er.

Sie nickte. Nicht, weil sie gemolken werden, sondern weil sie ihm gefallen wollte, wie gestern schon. Seit der Injektion fühlte sie sich benommen vor Glück.

„Bist du hungrig?“

Sie dachte nicht ans Essen, sie dachte an seinen Schwanz, den sie in sich fühlen wollte. Sie spürte die Bewegung seiner Finger, die süße Quälerei seines Daumens und seine Verführung.

Die Pumpe pumpte und saugte sie blutig.

„Du wirst alles tun, was ich möchte“, stöhnte er.

Er lenkte sie so lange ab, bis das Gefühl sich mit der Bewegung seiner Finger noch weiter steigerte.

„Du wirst alles tun, was ich will“, wiederholte er.

„Ja“, stöhnte sie, „ich werde alles tun, was du willst.“

Und er rieb so lange, bis sie kam und ihn anbettelte, sie zu nehmen.

Er flüsterte: „Sag es: Ich bin dein Prinz und schön wie die Liebe.“

Und sie sagte: „Du bist meine Sehnsucht, mein Prinz, und schön wie die Liebe.“

Ganz allmählich tauchte Anna aus einem tiefen, traumschweren Schlaf auf. Ihr Kopf fühlte sich wattig an, und hinter den Lidern wirbelten seltsame Traumbilder. Eine Decke lag über ihrem Körper. Der Raum war diesmal nicht dunkel und kalt, sondern hell und warm. Sie blinzelte. Sie kannte den Raum, es war das Schlafzimmer von Jörg Kreiler.

Sie öffnete die Augen und sah den Wahnsinn in seinen Augen aufflackern.

***

Kreiler betrachtete sie fassungslos. Er konnte noch immer nicht glauben, was er soeben von ihr gehört hatte.

Sein Herz hämmerte, seine Augen brannten. Er hatte sich ihr geöffnet, er hatte ihr vertraut, und er war verraten worden.

Anna hatte nie die Absicht gehabt, Katharina zu sein. Sie gehorchte diesem perversen Schwein, statt ihm bei seinem Ringen um Erlösung zu helfen.

„Wir müssen dein Gedächtnis auf Vordermann bringen“, zischte er, schob die Hand ein paar Zentimeter dichter an ihre und schaute sehnsüchtig darauf. Und er sah das Verlangen in ihren Augen, Verlangen nach der Art von Vereinigung, die sie soeben im Traum mit einem anderen Mann gefunden hatte. Er kochte vor Wut. „Deshalb möchte ich, dass du genau zuhörst, was ich dir zu sagen habe. Also, ich möchte, dass du ganz tief einatmest und die Luft herauslässt. Mit einem tiefen Seufzer. Eins steht für Glück, zwei für ‚du bist Katharina’ und drei für Jörg, den du liebst, und die Vier steht für die Gefahr, die von Max ausgeht. Hörst du, Anna? Max bedeutet Gefahr.“

Sie versuchte, sich zu bewegen.

„Und die Sieben steht für ein Geheimnis, das unter uns bleiben muss.“

„Ich verstehe nicht“, flüsterte sie.

„Dann wird es Zeit, dass du es endlich begreifst. Ich werde dich nun zurückführen zu unserer ersten Begegnung in der Klinik. Du warst Katharinas Schwester, und du siehst ihr so ähnlich. So jung, keine Familie, nur eine Bindung.“ Er hielt inne und lief um das Bett. „Kaum am Leben. Und dann deine Amnesie. Das war für mich die Gelegenheit, alles auszulöschen, in einem Menschen eine ganz neue Person zu erfinden mit Gefühlen und Erinnerungen, die dieser Mensch niemals hatte. Aus Anna, der Verzweifelten, wurde meine Katharina, ein zartes, zerbrechliches Wesen. Dazu habe ich dich gemacht. Ich habe sie so geliebt.“ Er lachte. „Max konnte nicht ahnen, dass ich einen Plan hatte. Ich wollte dich in Katharina umwandeln, die Frau, die mir am meisten am Herzen liegt.“ Kreiler setzte sich auf das Bett, nahm eine Haarlocke und wickelte sie um seinen Finger. „Angeblich ist so etwas nicht möglich, die völlige Unterdrückung der Erinnerung an die eigene Person. Du siehst also, du bist nicht diese Frau, diese Anna. Du bist noch nicht mal die, für die du dich hältst. Dein richtiger Name ist Katharina … meine nur allzu willige Katharina.“

„Du bist ja krank“, fauchte sie ihn an.

Kreiler grinste hämisch. „Ich bevorzuge das Wort diabolisch.“

„Nein, ich bin Anna, Anna Gavaldo, ich bin mit Max verheiratet, und wir haben eine Tochter, Katharina. Niemand kann ein Leben auslöschen und es durch ein anderes ersetzen. Das gibt es nicht!“

„Ich kann es“, zischte er.

„Nein!“

„Für Kummer steht das Wort Max, Jörg bedeutet Freude.“

„Was sagst du da?“

„Das Wort ist der Schlüssel“, sagte er mit einer Stimme, die kälter war als Eis. „Es ist der Schlüssel zu der Person, die du wirklich bist. Nun ist die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen von Anna. Wenn Katharina ein braves Mädchen ist und tut, was man ihr sagt …“

„Du bist verrückt“, schrie sie, „vollkommen verrückt!“

Er lachte laut auf und nahm eine Spritze aus dem Nachtschränkchen. „Für ein Mädchen steht die Zahl Sechs. Du wirst tun, was ich dir sage, Katharina. Ich habe dich erschaffen. Betrachte mich als deinen persönlichen Meister. Und ich befehle dir, Katharina zu werden. Ich denke, du bist sogar viel lieber Katharina als Anna. Habe ich recht?“

Sie wollte nicht wieder in Trance versetzt werden und entschloss sich, sein Spiel mitzuspielen.

„Anna lebt ein besseres Leben, Jörg“, sagte sie leise.

Er setzte die Nadel an. „Leb wohl, Anna, komm, Katharina. Und jetzt sträub dich nicht mehr.“

„Hör auf, dauernd Katharina zu mir zu sagen!“

Erneut spürte sie den Einstich einer Nadel.

***

Kreiler sah mit einem teuflischen Lächeln auf sie herab. Sie würde gleich mindestens sechs Stunden schlafen. In einer Stunde würde er sich mit dem Polen treffen, um seinen Abschlussbericht mit ihm durchzusprechen und um mit dem Berufskiller abzurechnen. Krasinski war sein letztes Opfer. Mit seinem Tod konnte er mit seiner Vergangenheit abschließen und mit Anna ein neues Leben beginnen.

Er berührte ihren Arm und fragte sich, warum ihr Atem unter seiner Berührung stockte.

Als sie versuchte, ihre Hände und Füße zu bewegen, verwandelte sich der Ausdruck in ihrem Gesicht, und er sah, wie sich darin dumpfes Pochen und Seelenschmerz widerspiegelten. Sie flüsterte Max’ Namen und flehte ihn aus dem Dunkeln an, sie zu erlösen.

„Max“, zischte er, „immer wieder Max. Dich kann nur ein Mann erlösen, und das bin ich. Ich bin Jörg, ich bin Bobby, ich bin alles, was du brauchst. Deine Schwester hat das verstanden, deine Tochter hat es auch verstanden!“

Anna versuchte die Augen zu öffnen. „Meine … Katharina …“, flüsterte sie.

„Ja, deine kleine Katharina. Ich habe sie in den Zoo mitgenommen, ihr den getupften Teddy geschenkt. Und ich habe ihr suggeriert, dass Bobby in ihm steckt, den du liebst und der dich gesund macht, ich habe ihr suggeriert, dass ihr Vater nichts taugt, ich habe … Ach was!“ Angewidert erhob er sich und verließ das Schlafzimmer.