4. Kapitel
Von: brecht@sylt.de
An: roma@lucinda.net
Betreff: Re: Re: Einladung, und wehe, du kommst nicht
Gesendet: 29. November, 01:09 Uhr
Juhuuuuuu – Ilse, dass du kommst, ist das schönste Geschenk! Wir machen uns eine tolle Zeit mit Quatschen und Essen. Schreib mir, wenn ich irgendetwas Besonderes für dich besorgen soll. Das wird super. Ich freue mich wie verrückt auf dich und habe schon Champagner kalt gestellt und leckere Sachen eingekauft. Ich hole dich natürlich vom Bahnhof ab, mail mir deine Ankunftszeit, sobald du dein Ticket gebucht hast!!!! Und pack ein paar scharfe Klamotten ein und nicht diese praktischen Ich-habe-Kinder-Sachen, in denen du sonst den ganzen Tag herumläufst. Ich will hier richtig angeben mit meiner schönen Freundin aus dem Osten.
Allerliebste Grüße
EB
Das war ja fast wieder ein Grund, beleidigt zu sein: Das letzte Mal hatten Elissa und ich uns bei ihrem Besuch in Falkensee gesehen, kurz nachdem Toni und ich das Haus renoviert hatten. Ich trug gerne Jeans und eine Sweatjacke, wenn es tagsüber nichts weiter zu erledigen gab, als einzukaufen und die Kinder zum Sport und zu Schulfreunden zu shutteln. Pumps und das hiesige Kopfsteinpflaster waren einfach keine gute Kombination. Und im Minikleid zum Supermarkt zu fahren kam mir doch etwas overdressed vor. Daher holte ich die feine Garderobe nur aus dem Schrank, wenn Toni und ich abends eingeladen waren oder es einen anderen besonderen Anlass gab. Selbstverständlich würde ich für die Tage bei Elissa meine schönsten Sachen hervorkramen, aber für die Fahrt mussten Jeans und Turnschuhe ausreichen. Ich musste am Berliner Hauptbahnhof und in Hamburg-Altona umsteigen, da hatte ich keine Lust auf einen Spurt auf hohen Absätzen.
Nachdem ich endlich dem Drängen von Elissa und Toni nachgegeben, meine letzten Zweifel hinsichtlich der Kinderbetreuung über Bord geworfen, Toni mir eine Zweitkarte seiner Kreditkarte zugesteckt und Oma Etti sofort begeistert einen Flug gebucht hatte, weil ihr Mann tatsächlich genau an diesem Wochenende verreisen wollte, schlich sich bei mir ein Hauch von Vorfreude ein.
Vier Nächte würde ich bei Elissa bleiben, mit ihr und ihren Freunden den Geburtstag feiern, tolle neue Restaurants kennenlernen, mir die Insel ansehen, ins Kino gehen, durch die Geschäfte bummeln, nach Weihnachtsgeschenken Ausschau halten und planlos in den Tag leben. Ich musste mich weder darum kümmern, dass die Schulbrote mit den Kindern zusammen das Haus verließen, noch irgendwen zum Reiten oder Fußballtraining fahren. Toni checkte seinen privaten Terminkalender ein paar Tage lang allein, und um alles andere würden sich Oma Etti und Alma kümmern.
Der einzige kleine Wermutstropfen war die Reaktion von Tom gewesen. Mein Sohn hatte geschluchzt und gejammert, er würde es niemals so lange ohne die liebste Mami auf der Welt aushalten. Er behauptete, er könnte keine Minute schlafen und würde nur traurig sein und sehr viel weinen. Weder die Aussicht auf den Besuch der Omi noch das Versprechen meinerseits, ein tolles Geschenk mitzubringen, konnten die dicken Tränen trocknen. Toni hatte daraufhin mich getröstet und zu Recht darauf hingewiesen, dass die kleine Heulboje schon fast zehn Jahre alt war und durchaus nicht in eine Drogenkarriere abrutschen oder sich vor einen Zug werfen würde, wenn ich aus dem Haus sei. Er riet mir einfach, nicht mehr über die Reise zu sprechen, mich schnell zu verabschieden, wenn es losging, und die Zeit auf Sylt ohne schlechtes Gewissen zu genießen. Und das hatte ich auch vor.
Der Berliner Hauptbahnhof kam mir wie immer gigantisch vor. Ich war von Falkensee mit der Regionalbahn hierhergefahren und musste nun in den Zug nach Hamburg umsteigen. Bevor dieses Monstrum gebaut wurde, war ich immer am Bahnhof Zoo ausgestiegen. Selbst dort hatte ich mich oft schon überfordert gefühlt, weil sich so unglaublich viele Menschen auf den wenigen Bahnsteigen drängten. Aus Hamburg war ich natürlich einiges gewöhnt, aber in Berlin hatte ich immer den Eindruck, die Uhren drehten sich schneller, die Menschen wären hektischer und ständig in Eile. Das Tempo der Stadt war höher, als ich es von den anderen deutschen Großstädten kannte. Der neue Hauptbahnhof machte mich fertig. Hätte ich doch bloß Tonis Angebot angenommen, mich direkt hierherzufahren, dann hätte er mir die Suche nach dem richtigen Bahnsteig abgenommen. Mit Hilfe eines freundlichen Mitreisenden hatte ich meine beiden Koffer aus dem Waggon geschafft und stand jetzt immer noch zwischen all den Menschen und versuchte, mich zu orientieren.
Bis zur Abfahrt nach Hamburg hatte ich noch etwas Zeit und überlegte, ob ich mir einen Kaffee kaufen sollte. Leichter gesagt als getan. Es gab hier die kleine digitale Anzeigentafel für die Reiseverbindungen, Bänke, Ticketautomaten und so viele Menschen wie am langen Sonnabend auf dem Ku’damm. Aber ich konnte weder ein Café oder einen Ausgang noch eine Treppe sehen – geschweige denn einen Fahrstuhl. Also schleppte ich mein Gepäck den Bahnsteig entlang, bis ich zu den Rolltreppen kam, die mich tatsächlich zu einer Ebene mit Geschäften, Kaffee-zum-Mitnehmen-Shops und Zeitschriftenläden brachten. Das Durcheinander wurde noch durch bunt dekorierte künstliche Tannenbäume und Mädchen in Engelskostümen verstärkt, die für eine Parfümerie-Kette Werbung machten. Endlich fand ich auch eine Bäckerei, in der ich mich mit Wegzehrung versorgte, bevor ich meinen Bahnsteig suchen ging. Den Kaffee verschob ich auf den Speisewagen im Zug, den hätte ich unmöglich noch tropffrei transportieren können.
Später, in Hamburg-Altona, war das Umsteigen Richtung Sylt wesentlich einfacher: übersichtliche Bahnsteige, deutlich durchnummeriert und alle auf einer Ebene. Die Nord-Ostsee-Bahn nach Westerland stand schon bereit, und ich suchte mir in dem türkisfarbenen Großraumwagen einen Fensterplatz, damit ich bei der Fahrt über den Nord-Ostsee-Kanal und über den Hindenburgdamm durchs Wattenmeer nach Sylt alles ganz genau sehen konnte.
Wir hielten in Niebüll, dann in Klanxbüll, der letzten Station auf dem nordfriesischen Festland. Und dann konnte ich links und rechts die Weite des Wattenmeers sehen. Im Steilflug zischten Möwen über die Nordsee, um sich dann von der Luft tragen zu lassen. Dieses Stück der Strecke genoss ich immer besonders. Bedauerlich nur, dass man das Fenster nicht weit aufreißen konnte, um die Salzluft auf den Lippen zu schmecken und sich richtig durchpusten zu lassen vom winterlichen Wind. Mir wäre danach gewesen, ein bisschen Seeluft zu schnuppern, auch wenn der graue Himmel mit den dicken Wolken nicht gerade zu einem ausdauernden Strandspaziergang einlud. Die Nordsee vermisste ich in Brandenburg am allermeisten, und ich freute mich darauf, in den kommenden Tagen die Salzluft und das Meer zu genießen.
Der Westerländer Bahnhof war ganz nach meinem Geschmack – nur zwei Bahnsteige, und jetzt im Winter stiegen höchstens zehn Menschen mit mir aus dem Zug, die wie ich nach Urlaub aussahen. Die anderen Mitreisenden arbeiteten vermutlich in Hotels oder Restaurants auf der Insel oder gingen Apartments putzen.
Es roch bereits hier nach Meer, und ein paar Möwen flogen kreischend über das Bahnhofsgebäude hinweg. Die weiß gefrorenen Zweige der Bäume hoben sich wie auf einer Postkarte von dem strahlend blauen Himmel ab. Schade, dass die Station nicht direkt ans Meer gebaut worden war, ich hätte gern einen Blick über die Nordsee geworfen. Stattdessen musste ich mit den hausgroßen grünen Männchen vorliebnehmen, die sich gegen den momentan kaum vorhandenen Wind stemmten. «Reisende Riesen» hatte der Künstler die Figuren genannt. Meine Sehnsucht nach dem Meer musste noch eine Weile warten.
Rechts vom Bahnhofsgebäude zwischen den wartenden Taxis stand wild winkend meine kleine, zarte Freundin Elissa neben ihrem schnittigen roten Cabriolet. Für mich immer wieder unglaublich, wie Elissa so dünn und drahtig bleiben konnte, bei dem ganzen wunderbaren Essen, das sie manchmal mehrmals täglich in sich hineinschaufelte. Aber da sie ständig in Bewegung und offensichtlich mit besten Genen gesegnet war, setzte auch die fetteste Nachspeise nicht bei ihr an. Jetzt sprang sie auf und ab wie ein Flummi, als sie mich kommen sah, lachte und verdrehte die Augen.
«Ach du liebes bisschen, ich dachte, du bleibst nur ein paar Tage, du hast ja Gepäck dabei als würde deine Brut mit der nächsten Bahn für eine Woche nachkommen. Lass dich drücken. Dann fahren wir jetzt erst zu mir und stoßen darauf an, dass wir uns endlich mal wiedersehen. Etwas essen musst du sicher auch, ich habe tolle Sachen eingekauft. Aber wie machen wir das mit den Koffern, mal sehen? Heh, könnten Sie wohl mit anpacken? Hallo, Entschuldigung? Ja, wenn Sie mal kurz hier helfen würden …»
Elissa machte mich mit ihrem Begrüßungswortschwall erst einmal sprachlos. Sie nahm mich in den Arm, drückte mich fest und gab mir einen Kuss auf die Wange, schob mich auf den Beifahrersitz und baggerte dann mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme einen vorbeigehenden Dressman an, der ihr nur zu gerne mit einigen Verrenkungen meine schweren Koffer über die Fahrerseite auf die kaum vorhandene Rückbank des Wagens schob. Als Dankeschön musste ihm ein strahlendes Lächeln meiner Freundin mit ihren schneeweiß gebleachten Zähnen ausreichen.
Der unerhört gut aussehende Passant stand noch völlig gefangen neben dem Wagen, während Elissa einstieg, vor dem Rückspiegel ihren Lippenstift nachzog und weiter auf mich einredete.
«Einen Ehering hatte der nicht, vielleicht hätte ich ihn doch nach seiner Telefonnummer fragen sollen? Na, egal, wahrscheinlich sowieso schwul. Hattest du eine angenehme Fahrt hierher? Zweimal umsteigen, also ehrlich, dass es keine direktere Verbindung gibt, ist der Wahnsinn, warum bist du nicht geflogen? Kann doch nicht die Welt kosten. Oder fliegen die jetzt im Winter gar nicht? Für heute Abend wollte ich uns eigentlich einen Tisch reservieren, falls du ausgehen willst. Ich dachte, ich verbinde das Nützliche mit dem Angenehmen, und wir gehen in einen neuen Laden, den ich sowieso noch besprechen muss. Ist irgendetwas nicht in Ordnung? Bist du müde?»
«Nein, nein, es ist alles in Ordnung, ich freue mich, endlich mal wieder hier zu sein. Ich bin überwältigt von den Menschen und der Fahrt und vor allem von dir, und wenn du die ganze Zeit quasselst, habe ich ja gar keine Chance zu erzählen.» Ich wickelte den Schal von meinem Hals, denn im Auto lief die Heizung auf Hochtouren.
Elissa warf mir einen Blick zu, um zu checken, wie ernst ich den Vorwurf meinte, und grinste. Dann schaute sie hektisch wieder auf die Straße, um mit Vollgas und Hupen einen Fahrradfahrer zu überholen.
«Penner! Diese beknackten Touristen fahren durch die Stadt, als würden für sie keine Verkehrsregeln gelten. Hast du gesehen, wie der vor mir hergeeiert ist? Der hat sie wohl nicht alle.»
Sie hupte noch einmal, während sie in den Rückspiegel blickte und sich gleichzeitig ein Kaugummi aus der Handtasche auf der Rückbank fummelte. Während sie kaute, die Straße scannte und aufs Gaspedal trat, setzte sie die Befragung fort.
«Ilse, ich mach mir doch auch meine Gedanken. Ich weiß ja, dass es dir nicht leichtfällt, deine Familie alleinzulassen. Nun erzähl, ist der Abschied ohne Tränen vonstattengegangen? Hat Toni dir noch ein kleines Liebesbriefchen zugesteckt? Und hast du schon Heimweh?»
Ich hatte meine Freundin erst wenige Minuten zurück, aber ich fühlte mich bereits jetzt wieder so heimisch wie in den Schultagen an Elissas Seite. Sie ließ mir kaum Zeit zum Luftholen, wollte alles wissen, aber noch lieber selbst erzählen. Bevor ich auf eine ihrer Fragen antworten konnte, ratterte Elissa weiter.
«Für meine Party übermorgen ist alles sehr gut organisiert. Es kommen mindestens achtzig Leute, ich freue mich schon wahnsinnig. Wenn du den Koch erst gesehen hast, wirst du verstehen, warum ich so begeistert bin, der ist eine echte Entdeckung. Nicht nur wegen seiner Optik, sondern vor allem wegen seiner Ideen in der Küche. Ich sage dir, das ist der Wahnsinn …»
Ich nutzte ihr schwärmerisches Seufzen, um schnell auf die letzten Fragen zu antworten. «Meine Fahrt war okay. Tom war zum Glück schon in der Schule, als mein Taxi kam, dafür hat er gestern Abend beim Einschlafen geweint und mich bearbeitet, doch zu Hause zu bleiben. Du kannst dir nicht vorstellen, wie einen das zerreißt …»
«Nein, Schätzchen, das will ich mir auch gar nicht vorstellen. Natürlich weiß ich, dass es für dich nicht einfach ist, alles andere wäre auch erstaunlich und hätte nichts mit einer glücklichen Ehefrau und Mutter zu tun. Aber ich habe wirklich mit Absicht keine Kinder, auch wenn du immer meinst, du müsstest mich noch bekehren. Ich genieße es, jederzeit da hinfahren zu können, wo es gerade abgeht, ohne vorher eine Oma Nudel einfliegen zu lassen und …»
«Oma Etti! Von Spaghetti!»
«Egal, du weißt ja, wen ich meine. So, da wären wir.»
Elissa steuerte den roten Flitzer über eine Garageneinfahrt in den Hinterhof ihres Wohnhauses in der Steinmannstraße von Westerland. Das Haus war dreistöckig, mit ausgebautem Dachgeschoss und außen rot geklinkert. Die Einfahrt befand sich zwischen Elissas und dem Nachbarhaus und führte auf einen Hof mit überdachten Parkplätzen und Garagen. Im hinteren Bereich hatte jemand eine kleine Grünfläche angelegt und eine Bank aufgestellt. Leere Blumenkübel und ein abgedeckter Grill zeugten von langen Sommerabenden unter Nachbarn. Vielleicht war das Plätzchen aber auch nur ein Zugeständnis an die Feriengäste, die hier in einigen der Wohnungen untergebracht wurden. Elissa machte sich nicht die Mühe, in ihre Garage zu fahren, sondern hielt direkt vor der Hintertür des Hauses vor dem «Parken verboten»-Schild.
«Erst mal schaffen wir deine Schrankkoffer nach oben. Hab keinen Bock, die über den ganzen Platz zu buckeln.»
Sie hievte die Gepäckstücke aus dem Auto, nahm einen vorbereiteten «Bin gleich zurück»-Zettel aus dem Handschuhfach und legte ihn auf die Ablage vor der Windschutzscheibe.
«Nimm mal meine Handtasche von der Rückbank, bitte, und hol den Haustürschlüssel heraus. Der für diese Tür ist der kleine silberne, der einzeln am Bund hängt.»
Ich wühlte so lange zwischen Kaugummipackungen, Taschentüchern, Lippenstiften, Zuckertütchen und alten Quittungen herum, bis ich den Schlüsselbund fand. Nachdem ich die Tür geöffnet hatte, polterte Elissa mit meinen Koffern die drei Stufen zum Fahrstuhl hoch und drückte stöhnend den Knopf.
«Mensch, bei deinen Sachen hier tut es mir schon fast wieder leid, dass ich gesagt habe, du kannst bei mir wohnen. Ich hoffe für dich, dass das meiste in diesen Koffern Geschenke für mich sind, sonst, meine Liebe, wird das ein hartes Wochenende für dich!» Sie grinste und nahm mich in den Arm. «Ich freu mich so, dass du da bist!»
Den ganzen Nachmittag verquatschten wir, lachten viel über alte Zeiten und brachten uns gegenseitig auf den neuesten Stand. Elissa berichtete von abenteuerlichen One-Night-Stands, von kulinarischen Offenbarungen, Restaurant-Desastern und ihren Plänen für die Geburtstagsfeier am Sonnabend. Ich erzählte von Tom und Hanna, von lustigen Dessous-Party-Abenden mit ehemaligen Klassenkameradinnen und von Tonis Arbeit. Meine Lucinda-Mitbringsel hatte Elissa gleich begeistert anprobiert und Vermutungen darüber angestellt, wer ihrer derzeitigen Favoriten ihr wohl den Slip Modell Denise (Mini-String aus einer aparten Mischung aus Spitze und Tüll, Materialmix aus Nylon, Baumwolle und Elasthan in Dunkelgrün mit Schwarz ab 63,90 €) vom Körper reißen würde. Den Body Grace (mit langen Ärmeln aus Wolle, Seide und Elasthan, die Arm- und Beinabschlüsse aus sanfter Merinowolle, am Halsausschnitt exklusive Spitze, ab 169,50 €) hatte sie für partytauglich befunden und ihm gleich einen Ehrenplatz in ihrem Kleiderschrank eingeräumt.
Den geplanten Restaurantbesuch verschoben wir und aßen stattdessen, was der Kühlschrank hergab. Und das war einiges. Elissa hatte anscheinend eine Rundreise durch sämtliche Feinkostgeschäfte der Insel gemacht, denn neben gebratenen Jakobsmuscheln, Krabben, exotischen Salaten und frischen Ananasscheiben gab es unterschiedliche Pasteten, spanische Wurst und italienische Tomaten, ausgefallene Käsesorten und eine Auswahl an winzigen Törtchen. Nach unzähligen Tüten mit Knabbereien, Schokolade und Gummitieren, die dem «richtigen Essen» im Laufe des Abends noch gefolgt waren, bekam ich langsam Angst, ich würde bei meiner Abreise in keine meiner Hosen mehr passen.
Dazu tranken wir verschiedene Weine und zum Abschluss Champagner. Wir hörten Musik aus den Achtzigern und erinnerten uns daran, wen wir zu The Cure geküsst und über welche verlorene Liebe wir bei Tausendmal berührt geweint hatten. Ursprünglich hatten wir noch in einen neuen Club gehen wollen, um zu tanzen, aber nun waren wir viel zu satt und viel zu angetrunken und viel zu zufrieden, um uns unter fremde Menschen zu begeben.
Genau so hatte ich mir den Auftakt des Wochenendes vorgestellt. Wir lagen in unseren Pyjamas in Elissas riesigem Bett, das durch eine Matratzenauflage aus Daunen weich wie eine Wolkenlandschaft war, schauten uns Pretty Woman auf DVD an und sprachen dabei unsere liebsten Dialoge mit. Wir futterten, bis uns die Bauchdecken spannten, und tranken Alkohol, bis wir aus dem Kichern nicht mehr herauskamen. Warum konnte ich Abende wie diesen nicht öfter haben?